Factsheet Investmentfonds

Erklärung

Investmentfonds sind Instrumente, mit denen Kapital von meist vielen Kleinanlegern gesammelt und auf den Finanzmärkten veranlagt wird. Entsprechend ihrer Ausrichtung und Veranlagungsstrategie (risikoarm bis spekulativ) wird das Kapital v.a. in Form von Wertpapieren (Anleihen, Aktien), aber auch Einlagen bei Banken, in Rohstoffe oder in andere Investmentfonds angelegt. Kleinanleger können dadurch auch mit geringen Geldbeträgen in verschiedene Wertpapiere und Anlageklassen investieren und dadurch relativ kostengünstig von einer Risikostreuung profitieren.
Der Anleger ist Miteigentümer am Gesamtvermögen des Investmentfonds. Der Miteigentumsanteil wird durch ein Wertpapier, das Investmentzertifikat, verbrieft. Der Wert eines Investmentfondsanteils (auch “errechneter Wert“) bestimmt sich nicht wie z.B. bei einzelnen Aktien nach Angebot und Nachfrage, sondern nach dem Gesamtvermögen des Fonds dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Die Kapitalanlagegesellschaft (KAG), die die Verwaltung übernimmt, ist in der Regel verpflichtet, die ausgegebenen Zertifikate zum errechneten Wert zurückzunehmen. Eine Depotbank überwacht und wickelt die Geschäfte des Investmentfonds ab. Das Vermögen des Investmentfonds und der KAG wird strikt getrennt (Sondervermögen), weshalb bei Insolvenz der KAG auf das Vermögen der Anleger nicht zugegriffen werden kann. Das Investmentfondsgeschäft unterliegt in Europa strengen gesetzlichen Auflagen (UCITS Richtlinie, österr. Investmentfondsgesetz).

Arten von Investmentfonds

  • Geldmarktfonds investieren vorwiegend in Bankguthaben und Geldmarktinstrumente, d. h. in sehr kurzfristig verzinsliche Wertpapiere und Schuldscheindarlehen. Geldmarktfonds bieten eine Rendite etwa in der Höhe der Geldmarktsätze, wie z.B. dem EURIBOR.

  • Rentenfonds investieren überwiegend in verzinsliche Wertpapiere, wie z.B. Staats- und Unternehmensanleihen. Die Angebotspalette ist sehr groß. Wichtige Parameter zur Unterscheidung der Fonds sind ihr Anlagehorizont, die geografische Ausrichtung, die Emittenten und ihre Bonität.

  • Gemischte Fonds investieren in Aktien und verzinsliche Wertpapiere und bieten eine Mischung aus risikoärmerer (tendenziell niedrigere Rendite) und risikoreicherer (tendenziell höhere Rendite) Veranlagung an. Außerdem versuchen Fondsmanager durch die Veränderung der Gewichtung von Aktien und Anleihen eine höhere Rendite zu erzielen.

  • Immobilienfonds investieren z.B. in Wohn- und/oder Gewerbeimmobilien mit verschiedenen Charakteristiken (z.B. Größe, Standort, Nutzungsart, Branche der Mieter). Zur Wertentwicklung tragen Miet- und Zinseinnahmen sowie die Wertsteigerungen der Immobilien bei. Der Wert des Immobilienbesitzes wird in der Regel durch Gutachten bestimmt. Erst beim Verkauf eines Immobilienobjekts kann der tatsächliche Wert für die Berechnung des Rückkaufpreises herangezogen werden.

  • Dachfonds investieren in andere Investmentfonds, womit eine größere Risikostreuung erreicht und das Know-how anderer Fondsmanager genutzt werden soll. Das Risiko-Ertragsverhältnis ist davon abhängig, in welche Fonds der Dachfonds investiert.

  • Aktienfonds investieren zum überwiegenden Teil in Aktien. Dadurch können Anleger auch auf Märkten investieren, die ihnen aufgrund hoher Mindestanlagesummen oder bestehender Informationsbarrieren direkt nur schwer zugänglich wären. Durch eine breite Streuung (Aktien nach Ländern, Regionen, Branchen, usw.) soll das Risiko reduziert werden.

  • Hedgefonds sind vereinfacht dargestellt geschlossene Fonds, die frei von gesetzlichen Anlagerestriktionen agieren und für ihre Anleger (institutionelle Kunden wie Stiftungen, Pensionskassen, Versicherungen, Investmentfonds und vermögende Privatkunden) auch in Zeiten ungünstiger Finanzmarktbedingungen (z.B. fallender Aktienkurse) Gewinne erzielen können. Um ihre Anlagestrategie optimal umsetzen zu können, ist der Verkauf von Anteilen der Anleger nur sehr eingeschränkt möglich. Außerdem geben Hedgefonds auch nur wenig detaillierte Informationen über ihre Veranlagungen preis.

Grafik zu Arten von Investmentfonds

Anmerkung zur Grafik: Diese Grafik dient zur groben Illustrierung des Risikogehalts der verschiedenen Arten von Investmentfonds. Die genaue Risikoeinschätzung hängt von der spezifischen Ausgestaltung des Veranlagungsschwerpunkts des individuellen Investmentfonds ab. So können z.B. bestimmte Rentenfonds riskanter sein, als Aktienfonds.

Ertrag

Die Erträge eines Investmentfonds setzen sich aus Zins- und Dividendenzahlungen sowie aus Wertveränderungen bei Wertpapieren zusammen. Die KAG entnimmt dem Fondsvermögen regelmäßig Gebühren für das Management des veranlagten Kapitals. Der Anleger hat Spesen beim Anteilsankauf–(seltener beim Verkauf) an die KAG zu entrichten. Deswegen wird ihm meist eine Mindestbehaltedauer empfohlen. Weiters fallen Steuern wie beispielsweise die Kursgewinnsteuer an.


Investmentfonds können auch je nach Art der Ausschüttung der Erträge unterschieden werden:

  • Ausschüttende Investmentfonds: Die Erträge (Zinsen und Dividenden) des Investmentfonds werden regelmäßig (z.B. jährlich) an die Anleger ausgeschüttet.

  • Thesaurierende Investmentfonds: Die Erträge verbleiben im Fonds und werden reinvestiert. Sie fließen dem Anleger erst zu, wenn dieser seine Anteile verkauft.

Grafik zu Erträge aus Investmentfonds

Risiken

  • Liquiditätsrisiko

    Bei offenen Fonds, bei denen so viele Anteile aufgelegt werden, wie von den Anlegern nachgefragt werden, ist das Liquiditätsrisiko gering bis nicht existent, da die KAG die Anteile jederzeit zurücknimmt. Bei geschlossenen Fonds, bei denen nur eine festgelegte Anzahl an Anteilen ausgegeben wird, ist die Rückgabe der Anteile nur eingeschränkt möglich, wodurch die eingesetzten Mittel nicht jederzeit in Liquidität umgewandelt werden können. Dies ist auch bei Hedgefonds der Fall.

  • Wechselkursänderungsrisiko

    Veranlagt der Investmentfonds auch in Wertpapiere in fremder Währung, so ist der Anleger dem Risiko von Wechselkursveränderungen ausgesetzt, auch wenn die Fondsanteile in der Heimwährung notieren.

  • Kursänderungsrisiko

    Bei Aktienfonds spielt das Kursänderungsrisiko eine besondere Rolle. Dies gilt z.B. auch bei Rentenfonds, insbesondere wenn sie in Hochzinsanleihen (Schuldner mit geringer Bonität) investieren.

  • Zinsrisiko

    Bei Rentenfonds und gemischten Fonds schlägt das Zinsrisiko z.B. direkt auf den Anteilswert durch, da Änderungen des Zinssatzes auch zu einer Änderung des Wertes von Anleihen, die einen Schwerpunkt in ihrem Portfolio bilden, führen.

Handel von Investmentfondsanteilen

  • Die KAG, die das Investmentfondsportfolio verwaltet, gibt Fondsanteile an Investoren aus (dabei wird ein Ausgabeaufschlag verrechnet) und nimmt diese zum aktuellen Rücknahmepreis (meist der errechnete Wert) zurück.

  • Typischerweise wird täglich der Wert neu errechnet, auf Basis dessen Anteile ausgegeben bzw. zurückgenommen werden.

Beispiel

Eine große Kapitalanlagegesellschaft (KAG) verwaltet zahlreiche Investmentfonds. Den Privatanlegern, die ihr Kapital langfristig zur Pensionsvorsorge investieren möchten, werden Publikumsfonds angeboten. Für junge Menschen mit noch geringen finanziellen Mitteln gibt es die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen (z.B. monatlich) geringe Geldbeträge in Investmentfonds zu veranlagen. Dadurch kann mit nur wenig Kapitaleinsatz eine breitere Risikostreuung vorgenommen werden. Zudem lässt sich damit die ansonsten hohe Kostenbelastung bei der Veranlagung von geringen Geldmitteln niedrig halten. Um den jeweiligen Risikoprofilen der Anleger und deren Erwartung über die Entwicklung von Unternehmen gerecht zu werden, bietet die KAG außerdem Fonds an, die entweder weltweit oder nur in europäische, US-amerikanische oder nur in Aktien aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie China und Russland investieren. Für erfahrene Anleger werden aber auch Spartenfonds aufgelegt, die z.B. nur in Aktien von Biotechnologieunternehmen investieren. Zwar kann auch hier eine Risikostreuung innerhalb der Branche erzielt werden, Anleger sind dann jedoch den spezifischen Risiken des Biotechnologiesektors ausgesetzt. Um Privatanlegern die Entscheidung abzunehmen, ob sich Aktien oder Anleihen in der nächsten Zeit besser entwickeln, wird ein gemischter Fonds aufgelegt, der weltweit Aktien und Anleihen kaufen kann. Die KAG hat aber auch Spezialfonds aufgelegt, die auf die individuellen Bedürfnisse ihrer institutionellen Kunden abgestimmt sind. So möchte eine Versicherung im Rahmen ihrer Veranlagungspolitik Anteile eines professionell verwalteten Rentenfonds kaufen. Sie gibt dabei dem Investmentfondsmanager genaue Anlagerichtlinien vor und verzichtet bewusst auf die Möglichkeit, Anteile vorzeitig zurückzugeben, damit der Fondsmanager eine langfristige Anlagestrategie verfolgen kann. Der Fonds wird dann auch nicht öffentlich, d. h. Privatanlegern, angeboten. Es erfolgt ein regelmäßiger Informationsaustausch zwischen den Kunden und ihren Veranlagungsmanagern, bei dem die Wertentwicklung diskutiert wird und, wenn notwendig, eine Anpassung der Anlagestrategie vorgenommen werden kann.