Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkredite

Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkredite bergen eine Reihe systemischer Risiken:

Bei Fremdwährungskrediten, die mit Tilgungsträgern kombiniert sind, können sich ungünstige Entwicklungen von Wechselkursen und Vermögenspreisen gleichzeitig auf einen Großteil der Kreditnehmenden auswirken. Das bringt für die einzelnen kreditvergebenden Banken ein erhöhtes Kreditrisiko und für das gesamte Bankensystem aufgrund der Ansteckungsrisiken ein höheres systemisches Risiko mit sich. Insbesondere gilt das für Hypothekarkredite, wenn die zur Besicherung eingesetzten Immobilien zur selben Zeit in geographischer Nähe von der Bank im Zuge der Insolvenz der Kreditnehmenden verkauft werden müssen. Außerdem tragen die Banken bei Fremdwährungskrediten ein erhöhtes Refinanzierungsrisiko, weil währungskongruente Einlagen, also Einlagen in übereinstimmender Währung, fehlen.

Im Zuge der Finanzmarktkrise sind viele dieser Risiken schlagend geworden. Insbesondere hat sich gezeigt, dass es im Krisenfall nicht unwahrscheinlich ist, dass mehrere Risikokomponenten gleichzeitig eintreten (zum Beispiel Aufwertung der Fremdwährung bei gleichzeitigem Vermögenspreisverfall).

Maßnahmen der Aufsicht zur Reduktion der Risiken aus Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten

  • Erste aufsichtliche Maßnahmen, wie beispielsweise die Mindeststandards der Finanzmarktaufsicht (FMA) aus dem Jahr 2003 und der Informationsfolder aus dem Jahr 2006, konnten den Anstieg dieser Finanzierungsformen etwas verlangsamen. Allerdings führten erst die Erfahrungen aus der Finanzkrise und der damit verbundene strengere aufsichtliche Ansatz zu einer nachhaltigen Reduktion. Der Erweiterung der FMA-Mindeststandards vom März 2010 war die dringende Empfehlung der FMA, keine Fremdwährungskredite an private Haushalte zu vergeben, vorangegangen. Auf europäischer Ebene gab der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (European Systemic Risk Board, ESRB) im Herbst 2011 sieben Empfehlungen zur Reduktion der systemischen Risiken aus Fremdwährungskrediten heraus, die auch in Österreich umgesetzt wurden.

    Die neuen FMA-Mindeststandards von 2013 berücksichtigen die Empfehlungen des ESRB sowie Erfahrungen aus der Bankenaufsicht und integrieren die vorangegangenen drei Versionen der Mindeststandards. Sie adressieren nun auch Fremdwährungskredite, die von österreichischen Tochterbanken im Ausland (insbesondere in Zentral-, Ost- und Südosteuropa sowie in den Ländern der Gemeinschaft der unabhängigen Staaten) vergeben wurden. Für die Geschäftstätigkeit in diesem Raum kommen zudem die 2010 eingeführten „Guiding Principles“ zur Anwendung. In Folge der „Guiding Principles“ und lokaler Aufsichtsinitiativen ist zum einen der Anteil der Fremdwährungskredite an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen etwas gesunken, zum anderen ist der Anteil der Nicht-Euro-Fremdwährungskredite, insbesondere in Schweizer Franken, zurückgegangen.

Entwicklung der Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkredite in Österreich seit 2008

  • Seit dem Herbst 2008 zeigt sich ein kontinuierlicher Rückgang bei Fremdwährungs-  und Tilgungsträgerkrediten, die an inländische Kreditnehmer, insbesondere an private Haushalte, vergeben wurden. Zwischen Herbst 2008 und Ende 2012 sind die Fremdwährungskredite an private Haushalte – um Wechselkurseffekte bereinigt – um mehr als ein Drittel und die Fremdwährungskredite an nichtfinanzielle Unternehmen um mehr als 40 % zurückgegangen. Der reale Rückgang der Fremdwährungskreditnachfrage wurde allerdings durch die Aufwertung des Schweizer Franken kompensiert bis eine Maßnahme der Schweizerischen Nationalbank im Spätsommer 2011 den Wechselkurs stabilisierte.