Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle österreichischer Großbanken

Die OeNB und die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) haben im März 2012 eine Leitlinie zur Stärkung der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle international aktiver österreichischer Großbanken veröffentlicht, die die Finanzmarktstabilität sowohl in Österreich als auch in den Gastländern (v. a. in Zentral-, Mittel- und Osteuropa, CESEE) stärken sollte. Dieses Maßnahmenpaket zielte ursprünglich darauf ab,

  • die Eigenkapitalbasis dieser Bankengruppen mittel- und langfristig zu erhöhen,
  • sicherzustellen, dass die Banken für etwaige Krisensituationen über adäquate Sanierungs- und Abwicklungspläne verfügen und
  • die Refinanzierungsstruktur exponierter ausländischer Tochterbanken ausgewogener zu gestalten.

Das wirtschaftliche, rechtliche und institutionelle Umfeld hat sich seit der Veröffentlichung des Nachhaltigkeitspakets stark weiterentwickelt:

  • Die Kapitalquoten bei den betroffenen Instituten wurden deutlich gesteigert. Die Vorgaben aus dem Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) sowie die Einführung von makroprudenziellen Kapitalpuffern haben die Risikotragfähigkeit des österreichischen Bankensystems erhöht.
  • Auch im Bereich der Sanierungs- und Abwicklungspläne wurden die Vorgaben erfüllt. Mit der Umsetzung der europäischen Bank Recovery and Resolution Directive (BRRD) im Bundesgesetz über die Sanierung und Abwicklung von Banken (BaSAG), der Errichtung des Single Resolution Board (SRB) und der Etablierung der FMA als nationaler Abwicklungsbehörde wurden neue Grundlagen zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit und der Stabilität des Finanzmarkts geschaffen.

Somit konnten die ersten beiden Ziele des Nachhaltigkeitspakets, eine bessere Kapitalausstattung der betroffenen Banken sowie die frühzeitige Erstellung von Sanierungs- und Abwicklungsplänen, erreicht werden. Diese beiden Pfeiler des ursprünglichen Pakets wurden mittlerweile durch die Umsetzung anderer Maßnahmen ersetzt und wurden von FMA und OeNB daher im Rahmen des Nachhaltigkeitspakets zurückgenommen.

Die Beobachtung der lokalen stabilen Refinanzierung ausländischer Tochterbanken hat sich zu einem anerkannten Risikoüberwachungsprozess zur Vermeidung übermäßigen Kreditwachstums entwickelt.1 Deshalb wird die bisherige Beobachtung der Loan-to-Local Stable Funding Ratio (LLSFR, inklusive der Bepreisung gruppeninterner Liquiditätstransfers), die gerade in Aufschwungsphasen ihre Bindungswirkung entfalten soll, im Sinne der Finanzmarktstabilität unverändert fortgeführt und das Nachhaltigkeitspaket auf dieses Element fokussiert. Auf Grund der historischen Erfahrungen liegt der aufsichtliche Fokus auf bereits exponierten Tochterbanken, die eine Referenzquote von 110 % im Bestand überschreiten. Die Beobachtungsergebnisse und Analysen werden im Rahmen der internationalen Aufsichtszusammenarbeit evaluiert und diskutiert, um gegebenenfalls Aufsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Aufgrund ihrer Größe, systemischen Relevanz und der Komplexität ihrer Geschäftsmodelle (mit einer Vielzahl von Tochterbanken) ist diese Leitlinie derzeit auf zwei österreichische Bankengruppen anzuwenden: Erste Group Bank und Raiffeisen Bank International.2
 

1 Die lokale stabile Refinanzierung umfasst Einlagen von Nicht-Banken, supranationale Finanzierungen, Kapital von Dritten und das gesamte ausstehende Volumen an Schuldverschreibungen mit einer ursprünglichen Laufzeit von oder mehr als einem Jahr, die von der Tochterbank an Investoren ausgegeben wurden, die nicht zum Konsolidierungskreis gehören.

2 Aufgrund des Transfers der CESEE-Tochterbanken der UniCredit Bank Austria an die italienische Mutterbank im Jahr 2016 fiel diese Bank aus dem Anwendungsbereich der aufsichtlichen Leitlinie.