Tiefpunkt bei der Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten durchschritten

(, Wien)

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom April 2024 (Bank Lending Survey)

Umfrageergebnisse zeigen, dass die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten im ersten Quartal 2024 leicht gestiegen ist, nachdem sie zuvor eineinhalb Jahre stark gefallen war. Aufgrund des starken Rückgangs in den vergangenen Quartalen war das Jahreswachstum der Wohnbaukredite gemäß Monetärstatistik zu Jahresbeginn 2024 aber noch deutlich negativ. Für das zweite Quartal 2024 erwarten die befragten österreichischen Banken einen weiteren Anstieg der Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaufinanzierungen. Hintergrund ist vor allem die Aussicht auf ein sinkendes Zinsniveau ab Mitte dieses Jahres. Die Kreditnachfrage von Unternehmen ist hingegen im ersten Quartal 2024 weiter zurückgegangen – insbesondere jene zur Finanzierung von Investitionen. Demnach fehlen der Konjunktur nach wie vor die Wachstumsimpulse aus der unternehmerischen Investitionstätigkeit. Das zeigen die Ergebnisse der vierteljährlichen Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über das Kreditgeschäft, in der führende Banken nach ihren Einschätzungen gefragt werden. Die aktuelle Umfrage wurde in der ersten Märzhälfte 2024 durchgeführt.

Leicht steigende Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten signalisiert moderate Trendwende bei Wohnbaufinanzierungen
Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im ersten Quartal 2024 leicht gestiegen. Für das zweite Quartal 2024 erwarten die befragten Banken eine Fortsetzung der Erholung bei der Kreditnachfrage nach Wohnbaukrediten. Damit könnte eine tiefe Talsohle der Nachfrageentwicklung durchschritten sein. Im Zuge der Zinswende kam es im zweiten Halbjahr 2022 – ausgehend von einem Rekordhoch – zu einem markanten Nachfrageeinbruch bei Wohnbaukrediten. Weitere Rückgänge folgten bis zum vierten Quartal 2023, was sich an deutlich negativen Jahreswachstumsraten der Wohnbaukredite gemäß Monetärstatistik zu Beginn des Jahres 2024 zeigte. Hintergrund der sich nun andeutenden Erholung ist die Erwartung eines sinkenden Zinsniveaus ab Mitte 2024. Zudem wachsen die Realeinkommen der Haushalte aufgrund der verzögerten Anpassung an die Inflation. Somit steigt die Leistbarkeit von Krediten. Mit expansiven Entwicklungen wie in den Jahren der Niedrigzinsphase bis Mitte 2022 ist aber auf absehbare Zeit nicht zu rechnen.

Angebotsseitig kam es in den letzten Quartalen nur zu wenigen Änderungen im Geschäft mit privaten Wohnbaukrediten. Die Kreditrichtlinien der Banken und die Kreditbedingungen blieben weitgehend unverändert.

Unternehmenskredite: Nachfrage neuerlich gesunken, Angebotspolitik weiter verschärft
Die Kreditnachfrage von Unternehmen ist hingegen im ersten Quartal 2024 neuerlich gesunken. Damit setzte sich ein seit dem vierten Quartal 2022 bestehender rückläufiger Trend fort; die Jahreswachstumsrate laut Monetärstatistik war im Februar 2024 mit 1,6 % nur noch moderat positiv. Eine persistente Nachfrageschwäche besteht insbesondere bei den langfristigen Krediten zur Investitionsfinanzierung. Neben der abnehmenden Investitionstätigkeit der Unternehmen haben vor allem die gestiegenen Zinsen bzw. Finanzierungskosten die Kreditnachfrage gebremst. Für das zweite Quartal 2024 erwarten die befragten Banken aber keinen weiteren Nachfragerückgang.

In den Umfrageergebnissen zeigt sich wiederholt ein zunehmend negativer Risikoausblick. Die Risikoeinschätzung der Banken hinsichtlich allgemeiner Wirtschaftslage und Kreditwürdigkeit der Unternehmen hat sich seit 2022 nach und nach verschlechtert und dementsprechend restriktiv auf das Kreditangebot ausgewirkt. Die Banken haben ihre Angebotspolitik für Unternehmenskredite seit dem zweiten Quartal 2022 umfassend verschärft und planen weitere Verschärfungen im zweiten Quartal 2024.

Die verhaltene Kreditnachfrage der Unternehmen für Investitionen und die restriktive Kreditvergabe der Banken bedeuten, dass nach wie vor Wachstumsimpulse für die österreichische Wirtschaft aus der unternehmerischen Investitionstätigkeit fehlen. Das spiegelt sich in der aktuellen Wirtschaftsprognose der OeNB wider, die für 2024 einen weiteren Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen erwartet. Insgesamt wird die heimische Wirtschaft 2024 nur sehr moderat wachsen.
 

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken, die Kreditnachfrage von Unternehmen und privaten Haushalten sowie sonstige die Geldpolitik betreffende Themen zu verbessern. Dabei werden rund 160 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.

Ein ausführlicher Bericht über die Österreich-Ergebnisse wird in der Publikationsreihe „OeNB Reports“ veröffentlicht.  Weitere Informationen und Daten zur Umfrage finden sich auf der OeNB-Website.

Die Resultate für den Euroraum werden von der EZB auf ihrer Website publiziert.