Österreichs Gewerbeimmobilienmarkt 2000–2025: Strukturwandel und Finanzmarktstabilität
Erste Ausgabe des Gewerbeimmobilien-Marktberichts der OeNB
Zusammenfassung
Gewerbeimmobilienkredite machen über 40 % des Volumens von Krediten an Unternehmen aus. Damit sind sie ein wesentlicher Bestandteil der Bilanzen der österreichischen Banken und somit relevant für das Finanzsystem insgesamt. Gemäß ihrem Mandat analysiert die OeNB daher den österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt aus Sicht der Finanzmarkstabilität. Dieser Bericht geht dabei auf die wesentlichen Entwicklungen in den letzten 25 Jahren ein und teilt diese in drei Phasen. Die erste Phase (2000 bis 2009) war insbesondere von einer Hochkonjunktur und der globalen Finanzkrise 2008–09 geprägt. Der Gewerbeimmobilienbestand wuchs deutlich, während institutionelle Investor:innen zur Internationalisierung des Sektors beitrugen. In der zweiten Phase (2010 bis H1 2022) waren die Zinsen beständig niedrig, die Bautätigkeit war rege, Transaktionsvolumina stiegen und Gewerbeimmobilienkredite zogen stark an. Mit der Zinswende Mitte 2022 begann die dritte Phase: Bautätigkeit, Transaktionen und Gewerbeimmobilienpreise gingen zurück, während Risiken bei Gewerbeimmobilienkrediten deutlich sichtbar wurden und die Kreditausfälle anstiegen.
Highlights
Immobilien werden vermehrt zu Investitionsgut
Zwischen 2000 und 2009 wuchs der Gewerbeimmobilienbestand deutlich. Institutionelle Investor:innen gewannen an Bedeutung, Immobilien wurden zunehmend zu einer Assetklasse.
Boomjahre der Niedrigzinsphase
Das Niedrigzinsumfeld von 2010 bis Mitte 2022 führte zu hoher Bautätigkeit, steigenden Transaktionsvolumina und hohem Wachstum der Gewerbeimmobilienkredite.
Zinswende leitete Marktanpassung ein
Die Zinswende erhöhte die Finanzierungskosten im Gewerbeimmobiliensektor. Bautätigkeit, Transaktionen und Gewerbeimmobilienpreise gingen zurück; die Kreditausfälle stiegen deutlich an. Aufsichtliche Maßnahmen wurden notwendig.