Inflation

Inflation beschreibt den allgemeinen Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft. Steigen die Preise insgesamt, kann man für den gleichen Geldbetrag weniger kaufen als zuvor. Deshalb arbeitet das Eurosystem daran, die Inflation mittelfristig stabil bei 2 % zu halten und Preisstabilität zu gewährleisten.

Welche Rolle spielt Inflation im Alltag?

Inflation beeinflusst, was wir für unser Geld kaufen können – heute und in Zukunft. Deshalb spielt sie für viele Entscheidungen im Alltag eine wichtige Rolle, etwa beim Einkaufen, Sparen, Wohnen oder Konsumieren.

Kaufkraft und Konsum 
Inflation beeinflusst, was man für sein Geld kaufen kann. Das spielt bei vielen Ausgaben im Alltag eine Rolle, etwa für Lebensmittel, Wohnen oder Freizeitaktivitäten. Wie stark sich die Kaufkraft verändert, hängt dabei nicht nur von den Preisen ab, sondern auch davon, wie sich Einkommen wie Löhne und Gehälter entwickeln. Steigen Preise und Einkommen ähnlich stark, bleibt die Kaufkraft weitgehend erhalten.

Sparen und Vorsorgen 
Die Preisentwicklung spielt auch beim Sparen und bei der finanziellen Vorsorge eine wichtige Rolle. Wer Geld für die Zukunft zurücklegt, sollte berücksichtigen, wie sich Preise im Laufe der Zeit verändern können. Inflation beeinflusst, was man sich mit Ersparnissen später leisten kann, und ist zugleich ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Zinsen. Beides wirkt sich darauf aus, wie sich Erspartes im Laufe der Zeit entwickelt.

Planbarkeit und Orientierung 
Stabile Preise erleichtern es Haushalten und Unternehmen, finanzielle Entscheidungen zu treffen. Sie schaffen eine verlässlichere Grundlage für die Planung von Ausgaben, Investitionen und größeren Anschaffungen.

Warum ist Inflation für die OeNB ein wichtiges Thema?

Die OeNB trägt als Teil des Eurosystems dazu bei, Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Eine niedrige, stabile und berechenbare Inflation schafft die Grundlage dafür, dass die Wirtschaft gut funktionieren kann. Sie sorgt für verlässliche Rahmenbedingungen für Haushalte und Unternehmen. Dadurch fällt es leichter, Ausgaben, Investitionen und langfristige Vorhaben zu planen. Deshalb steht die Entwicklung der Inflation im Mittelpunkt der Geldpolitik.

Eurosystem

Wie wir Inflation messen

Um beurteilen zu können, ob die Preise im Euroraum stabil bleiben, braucht die Geldpolitik eine verlässliche Messgröße. Dafür verwendet das Eurosystem den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, kurz HVPI. Er misst, wie sich die Preise von Waren und Dienstleistungen verändern, die private Haushalte kaufen. Da der HVPI in allen EU-Mitgliedstaaten nach gemeinsamen Regeln berechnet wird, lassen sich die Inflationsraten der einzelnen Länder vergleichen und zu einer Inflationsrate für den gesamten Euroraum zusammenfassen.

Der Warenkorb

Grundlage des HVPI ist ein repräsentativer Warenkorb. Er bildet Waren und Dienstleistungen ab, für die private Haushalte typischerweise Geld ausgeben, etwa Lebensmittel, Kleidung, Energie, Verkehr oder Freizeitangebote. In Österreich werden dafür die Preise von rund 770 Waren und Dienstleistungen erfasst.

Nicht alle Bestandteile des Warenkorbs haben das gleiche Gewicht. Je mehr Haushalte insgesamt für eine bestimmte Gruppe von Waren oder Dienstleistungen ausgeben, desto stärker wirkt sich deren Preisentwicklung auf den Index aus. Der Warenkorb und seine Gewichtung werden regelmäßig an veränderte Konsumgewohnheiten angepasst.

Vom Preisindex zur Inflationsrate

Aus den erfassten Preisen wird ein Preisindex berechnet. Die Inflationsrate zeigt, um wie viel sich dieser Index verändert hat. Meist wird dafür der aktuelle Monat mit demselben Monat des Vorjahres verglichen. Eine Inflationsrate von 2 % bedeutet somit, dass das allgemeine Preisniveau im Durchschnitt um 2 % höher ist als ein Jahr zuvor.

HVPI und VPI in Österreich

In Österreich berechnet Statistik Austria sowohl den europaweit vergleichbaren Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) als auch den nationalen Verbraucherpreisindex (VPI). Beide beruhen weitgehend auf denselben Preisdaten und weisen in der Regel ähnliche Inflationsraten aus. Unterschiede gibt es vor allem bei der Abgrenzung der berücksichtigten Konsumausgaben: Der HVPI umfasst den privaten Konsum der Wohnsitzinländer innerhalb Österreichs; der HVPI schließt zusätzlich Ausgaben ausländischer Tourist:innen in Österreich ein. Für geldpolitische Entscheidungen im Eurosystem ist der HVPI maßgeblich, weil er in allen EU-Mitgliedstaaten nach gemeinsamen Regeln berechnet wird.

Die Rolle von Inflationserwartungen

Um Verbraucherpreise zu beeinflussen, steuern wir nicht nur die Zinssätze. Zentralbanken versuchen auch die Erwartungen der Menschen hinsichtlich der zukünftigen Inflation zu lenken. Warum? Weil Inflationserwartungen sich oft selbst bestätigen.

Ein Beispiel: Wenn viele Menschen glauben, dass zahlreiche Güter und Dienstleistungen in einem halben Jahr deutlich mehr kosten werden als heute, kaufen sie bereits heute mehr auf Vorrat ein. Das steigert die aktuelle Nachfrage, und die höhere Nachfrage führt zu höheren Preisen. Zudem werden sich derartig gestiegene Inflationserwartungen auch in den Lohnverhandlungen niederschlagen und zu höheren Lohnabschlüssen führen. Somit kann die Erwartung höherer Preise allein bereits zu höheren Preisen führen.

Ein klar definiertes Inflationsziel, das im Fall des Eurosystems mittelfristig bei 2 % liegt, soll dabei helfen den Menschen eine klare Orientierung für ihre Inflationserwartung zu geben. Der OeNB ist es wichtig, die Inflationserwartungen der Menschen durch gezielte Information stabil zu verankern.

Finanznavi: Wert des Geldes und Inflation
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Wichtige Kennzahlen

  • Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI)

    Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI), Gesamt
    Aug 26
    2,9%↑
    Vergleich zum Vorjahr

Persönliche InflationsApp (PIA)

Mit dieser App lässt sich ganz persönlich, egal ob am Handy oder auf der Homepage deine persönliche Inflationsrate berechnen. Dafür stellt man seinen eigenen Warenkorb mit jenen Produkten, die man typischerweise kauft zusammen und kann sich so seine persönliche Inflationsrate berechnen.

Persönliche Inflation berechnen

Was ist Preisstabilität?

Preisstabilität bedeutet nicht, dass alle Preise gleich bleiben. Einzelne Waren und Dienstleistungen können teurer oder günstiger werden. Entscheidend ist, wie sich die Preise im Euroraum insgesamt entwickeln.

Das Eurosystem definiert Preisstabilität als eine Inflationsrate von mittelfristig 2 %. Das Preisstabilitätsziel ist ein symmetrisches Ziel. Das heißt, dass auf mittlere Sicht Inflation unter 2 % ebenso unerwünscht ist, wie Inflation über 2 %. Gemessen wird sie mit dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für den Euroraum.

Warum werden mittelfristig Inflationsraten von 2 % angestrebt?

Eine niedrige, stabile und berechenbare Inflation schafft verlässliche Rahmenbedingungen für Haushalte und Unternehmen. Das Ziel liegt bewusst bei 2 % und nicht bei 0 %, weil ein moderater Abstand zu null mehrere Vorteile bietet.

Ein Zielwert von 2 % anstatt 0 %

  • bietet der Geldpolitik mehr Spielraum, die Zinsen bei einer schwachen wirtschaftlichen Entwicklung zu senken;
  • erleichtert wirtschaftliche Anpassungen, wenn sich Preise und Löhne in einzelnen Ländern oder Wirtschaftsbereichen unterschiedlich entwickeln;
  • verringert das Risiko einer Deflation, also eines länger anhaltenden allgemeinen Rückgangs der Preise;
  • berücksichtigt, dass die gemessene Inflation die tatsächliche Preisentwicklung geringfügig überzeichnen kann.

Warum ist ein klar definiertes Inflationsziel wichtig?

Ein klar definiertes Inflationsziel macht nachvollziehbar, worauf die Geldpolitik ausgerichtet ist. Es

  • gibt der Geldpolitik eine klare Orientierung;
  • macht geldpolitische Entscheidungen transparenter;
  • ermöglicht es der Öffentlichkeit, die Geldpolitik und ihre Ergebnisse nachzuvollziehen:
  • gibt Haushalten und Unternehmen Orientierung für ihre Erwartungen und Entscheidungen.

Das 2-Prozent-Ziel dient damit als Anker für die Inflationserwartungen. Wenn Haushalte und Unternehmen darauf vertrauen, dass die Inflation mittelfristig in der Nähe des Zielwerts liegt, kann dies auch die tatsächliche Preis- und Lohnentwicklung stabilisieren.

Wie wird die Preisentwicklung im Euroraum gemessen?

Für die Geldpolitik ist die Preisentwicklung im gesamten Euroraum entscheidend. Gemessen wird sie mit dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI). Er erfasst die Preisentwicklung der Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte konsumieren, und wird in allen EU-Mitgliedstaaten nach gemeinsamen Regeln berechnet.

Die HVPI-Inflationsrate gibt meist an, um wie viel sich der Index gegenüber demselben Monat des Vorjahres verändert hat.

Warum setzt sich das Eurosystem ein „mittelfristiges“ Ziel?

Die Geldpolitik kann die Inflation nicht unmittelbar steuern. Änderungen der Leitzinsen wirken erst nach und nach auf Finanzierungsbedingungen, Nachfrage, Wirtschaft und Preise.

Zudem kann die Inflation kurzfristig durch Ereignisse beeinflusst werden, auf die die Geldpolitik nicht direkt einwirken kann, etwa durch starke Schwankungen der Energiepreise. Deshalb versucht das Eurosystem nicht, jede kurzfristige Abweichung sofort auszugleichen. Entscheidend ist, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht wieder dem Ziel von 2 % annähert.