IBAN-Namensabgleich: Mehr Sicherheit bei Überweisungen, aber kein Allheilmittel
Im Oktober 2025 trat mit dem verpflichtenden IBAN-Namensabgleich eine der bedeutendsten Neuerungen im europäischen Zahlungsverkehr in Kraft. Damit wird bei jeder Euro-Überweisung automatisch überprüft, ob der eingegebene Empfängername mit dem Namen der kontoinhabenden Person übereinstimmt. Nutzer:innen erhalten vor der Freigabe der Zahlung eine Rückmeldung, ob Name und IBAN zusammenpassen – häufig in Form eines Ampelsystems (Grün: Übereinstimmung, Orange: mögliche Abweichung, Rot: keine Übereinstimmung – Vorsicht geboten).
Doch ausgerechnet im zweiten Halbjahr 2025 – also in jenem Zeitraum, in dem der IBAN-Namensabgleich eingeführt wurde, – wurden die bislang höchsten Schadenssummen bei betrügerischen Überweisungen verzeichnet. Warum ist das so? Die aktuell besonders hohen Schadenssummen entstehen überwiegend durch Investment-Betrug. In solchen Fällen überweisen Betroffene das Geld bewusst auf ein Konto der Täter:innen, weil sie von einer vermeintlich seriösen Investition überzeugt wurden. Name und IBAN stimmen überein, und der IBAN-Namensabgleich liefert in solchen Fällen keinen Hinweis auf Betrug. Plakativ formuliert: Er schützt davor, Geld an das falsche Konto zu überweisen – aber nicht davor, dem falschen Menschen zu vertrauen. Deshalb bleiben Aufklärung, Skepsis gegenüber unrealistischen Renditeversprechen und moderne Betrugserkennungssysteme der Banken weiterhin entscheidend.
Warnhinweise nicht wegklicken
Der IBAN-Namensabgleich schützt nicht vor Investment-Betrug, wohl aber vor anderen Betrugsformen. Wenn sich Betrüger:innen etwa als Freund:in ausgeben und zu schnellen Überweisungen drängen, warnt der IBAN-Namensabgleich, wenn Name und IBAN nicht zusammenpassen. Deshalb sollten Warnhinweise niemals reflexartig weggeklickt werden. Denn oft sind genau diese wenigen Sekunden der letzte Moment, in dem ein Betrug noch erkannt werden kann.
Gamechanger im Kampf gegen Betrug: Banken rüsten mit KI auf
Das technologische Wettrüsten zwischen Betrüger:innen und Banken hat längst begonnen. Betrüger:innen setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz. Banken investieren daher verstärkt in moderne Sicherheitssysteme. Transaktionen werden heute immer häufiger in Echtzeit auf verdächtige Muster analysiert – etwa ungewöhnlich hohe Beträge, neue Empfängerkonten, auffällige Auslandsüberweisungen oder ungewöhnliche Login-Zeiten und Gerätewechsel. Ziel ist es, Betrugsfälle möglichst früh zu erkennen, bevor Gelder endgültig auf den Konten der Täter:innen landen.
Viele Institute setzen dabei auf KI-gestützte Systeme und Machine-Learning-Verfahren. Diese Systeme lernen laufend dazu und können Auffälligkeiten erkennen, die mit herkömmlichen Methoden nur schwer identifizierbar wären. So lassen sich neue Betrugsmuster schneller identifizieren und verdächtige Transaktionen rascher stoppen.
Die zunehmende Nutzung von Echtzeitzahlungen unterstreicht die Bedeutung moderner Betrugserkennungssysteme. Da Zahlungen innerhalb weniger Sekunden ausgeführt werden, kommt der frühzeitigen Erkennung von Betrugsversuchen eine besonders wichtige Rolle zu.
Auch regulatorisch wurden die Anforderungen europaweit deutlich verschärft. Mit der EU-Verordnung über Echtzeitüberweisungen gelten erstmals einheitliche verpflichtende Sicherheitsstandards im gesamten Euroraum. Banken müssen darüber hinaus Betrugsdaten regelmäßig an die OeNB melden, damit Betrugsmuster besser analysiert und Präventionsmaßnahmen laufend weiterentwickelt werden können.
Doch je professioneller Betrugsnetzwerke agieren, desto wichtiger bleibt neben Technologie vor allem eines: Aufmerksamkeit.