Nationalbank sichert bedeutende Tiroler Münzsammlung
28. Juli 2025
Sammlung Ferrari-Kellerhof wird sowohl der Öffentlichkeit als auch der numismatischen Forschung zugänglich gemacht
Der Oesterreichischen Nationalbank ist es gelungen, eine für Österreich überaus bedeutende geldhistorische Sammlung zu erwerben und somit als wesentliches Kulturgut im Lande zu bewahren. Die herausragende „Tiroler Sammlung“ aus dem Nachlass des Südtirolers Ernst von Ferrari-Kellerhofwird, nach der fachlichen Aufarbeitung und Inventarisierung, der Öffentlichkeit im Rahmen des Ausstellungsbetriebs im Geldmuseum der OeNB und für numismatische Forschungsprojekte zugänglich gemacht werden.
OeNB-Gouverneur Robert Holzmann unterstreicht die Rolle der Nationalbank: „Wir freuen uns sehr, eine so bedeutende Sammlung in die OeNB geholt zu haben. Die Nationalbank leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung von Kulturgut in Österreich und sorgt dafür, dass bedeutende historische oder künstlerische Objekte öffentlich zugänglich bleiben.“
Die mehr als 1.100 numismatische Objekte umfassende Sammlung Ferrari-Kellerhof besteht zum Großteil aus Münzen des Alttiroler Währungsraumes (12. bis 19. Jahrhundert). Das Alttiroler Münzwesen war zentral für die österreichische und europäische Geldgeschichte. So etwa revolutionierte die große Münzreform von Erzherzog Sig(is)mund, genannt der Münzreiche, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Münzwesen als Ganzes. Diese Reform markierte den Beginn der Neuzeit im Münzwesen und steht damit geldgeschichtlich gesehen auf einer Stufe mit anderen Zäsuren dieser Epoche wie der Entdeckung Amerikas oder der Erfindung des Buchdrucks.
„Die Ferrari-Kellerhof-Sammlung zeigt einen breit gefächerten Querschnitt der Tiroler Münzgeschichte, ab Meran und ab den Anfängen der Münzstätte Hall. Dies alles in herausragenden Qualitäten und mit bedeutenden Raritäten“, berichtet der Innsbrucker Sachverständige und Münzhändler Alfredo Vitola. Mit dem Ankauf der Sammlung konnten Lücken in der bestehenden Münzsammlung des Geldmuseums der Nationalbank geschlossen werden. Die OeNB verfügt nun über eine der umfangreichsten öffentlichen Sammlungen an Alttiroler Münzen. Die Sammlung Ferrari-Kellerhof wird derzeit fachlich aufgearbeitet und inventarisiert. Danach wird sie sowohl der Öffentlichkeit im Rahmen des Ausstellungsbetriebs als auch numismatischen Forschungsprojekten zugänglich sein.
Zum Sammler
Ernst von Ferrari-Kellerhof (1921–2009) zählte zu den herausragenden Sammlerpersönlichkeiten der Tiroler Numismatik. Der Zahnarzt aus Bozen hatte bereits im Alter von zwölf Jahren zu sammeln begonnen und im Laufe seines Lebens mehrere bedeutende Münzsammlungen aufgebaut. Seine große Leidenschaft galt aber seiner Tiroler Sammlung.
Von dieser ersten Ausführung des Pfundners wurden nur wenige Exemplare geprägt. Sie wurden bald von den Pfundnern mit dem Porträt des Erzherzogs ersetzt.
Der sogenannte Urguldiner war eine Vorstufe zum zwei Jahre später geprägten Guldiner. Vom Halbguldiner wurden Dickstücke im Guldinergewicht hergestellt, die wahrscheinlich als Geschenkmünzen oder Probeprägungen für den späteren Guldiner gedacht waren. Da das Verhältnis von Dicke und Durchmesser ungünstig war, wurden die eigentlichen Guldiner auf breiteren und dünneren Schrötlingen geprägt. Diese Prägung ist somit ein Schlüsselstück der europäischen Geldgeschichte.
Diese sehr seltene Münze zeichnet sich durch einen meisterhaften feinplastischen Stempelschnitt des Haller Münzgraveus Ulrich Ursenthaler aus. Das Bild der Vorderseite zeigt den Herrscher in voller Rüstung, mit Krone und Zepter zu Pferd, inmitten einer Gruppe von Untertanen, die ihm huldigen. Die heraldisch gestaltete Rückseite propagiert die Besitzungen Ferdinands. Aufgrund von Terminverschiebungen des Landesfürsten fand die Tiroler Erbhuldigung allerdings nicht, wie auf der Münze angegeben 1528, sondern erst 1529 statt. Die bereits produzierten Stücke konnten aber nicht mehr geändert werden.
V. l. n. r.: Alfredo Vitola (gerichtlich beeideter Sachverständiger für Numismatik), Philipp Großfurtner, Herwig Romé, Doris Langner (alle OeNB), Vasco-Guido von Ferrari-Kellerhof (Sammlungsübergeber), Michael Grundner (OeNB)