Dr. Maria Schaumayer – eine Pionierin der Frauenförderung in Wissenschaft und Forschung
Am 1. Oktober 2026 veranstaltete die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) in Kooperation mit der Dr. Maria Schaumayer Stiftung einen Festakt zu Ehren des 35-jährigen Stiftungsjubiläums. Ausgezeichnet werden Frauen, die mit ihren wissenschaftlichen Leistungen neue Maßstäbe setzen. Rund 1.500 Frauen wurden bislang mit dem Maria Schaumayer Preis ausgezeichnet.
„Die Dr. Maria Schaumayer Stiftung leistet seit 35 Jahren einen wichtigen Beitrag dazu, Frauen auf ihrem wissenschaftlichen Weg zu unterstützen und ihre Leistungen sichtbar zu machen. Wissenschaftliche Exzellenz braucht Chancengleichheit, Vielfalt und starke Vorbilder. Genau dafür steht die Stiftung seit ihrer Gründung“, so Vize-Gouverneurin der OeNB, Edeltraud Stiftinger. Sie betont die Bedeutung der Förderung von Frauen in Wissenschaft und Forschung - ganz im Sinne der Stiftungsgründerin Dr. Maria Schaumayer, ehemalige Nationalbankpräsidentin und weltweit erste Zentralbankchefin.
OeNB-Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger eröffnete den Festakt, die Jubiläumsrede hielt Helga Wagner, ehemalige Rechtsanwältin, Mitgründerin und Vorsitzende der Stiftung. Durch den Abend führte Bundesministerin a.D. Maria Rauch-Kallat.
Dr. Maria Schaumayer: Die erste Frau an der Spitze einer Notenbank. Seit 1991 dient der Maria Schaumayer Preis der Förderung von Frauenkarrieren. Die Gründerin selbst beschritt in ihrer beruflichen Laufbahn viele Wege, die für Frauen nicht vorgesehen waren – was ihr den Spitznamen „Eisbrecherin“ einbrachte. Besonders im Finanzsektor, einer traditionellen Männerdomäne, gelang ihr Bahnbrechendes: Von 1990 bis 1995 leitete sie als weltweit erste Frau eine Zentralbank und stand der OeNB als Präsidentin vor. In dieser Zeit gründete sie auch die Maria Schaumayer Stiftung – sie war Schaumayers Geschenk an sich selbst zum 60. Geburtstag. Als Nationalbankpräsidentin sagte sie: „Ich bekomme hier viel Geld, ich brauche das nicht. Ich möchte etwas Gutes tun. Ich möchte den Frauen helfen, dass sie auch Spitzenpositionen erreichen.“ Über einen Zeitraum von 35 Jahren fördert die Stiftung bereits herausragende akademische Arbeiten von Frauen – finanziert aus Schaumayers Privatvermögen.
Die Preisträgerinnen
Im Rahmen des Festakts am 1. Oktober wurden herausragende wissenschaftliche Leistungen prämiert. Vier Preisträgerinnen standen stellvertretend für die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen auf der Bühne: Magdalena Lederbauer (Chemie), Alice Lea Nikolay-Ullreich (Wirtschaftsrecht), Sarah Stadlmayr (Neurowissenschaften) und Isabelle Vonklich (Zivilrecht). In einem Gespräch berichteten sie von ihrem persönlichen Weg in die Wissenschaft.
Magdalena Lederbauer entwickelt generative Modelle für die moderne Chemie, die es ermöglichen, unbekannte Molekülstrukturen aufzuklären und neue chemische Reaktionen zu entdecken. Ihre Forschung eröffnet Anwendungsfelder in der Wirkstoffentwicklung in der chemischen Industrie, der Reaktionsforschung sowie der Analyse von Umweltschadstoffen. Sie hat ihren Bachelor und Master in Chemie an der ETH Zürich in kürzester Zeit abgeschlossen und ist seit 2025 PhD-Studentin in Chemical Engineering am Massachusetts Institute of Technology.
Alice Lea Nikolay-Ullreich ist Expertin für Wirtschaftsrecht. In ihrer Dissertation beforschte sie Rechtsschutzmechanismen und Rechtsfolgen im Vergabekontrollrecht und entwickelte darauf aufbauend rechtspolitische Reformvorschläge. Auf der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) schloss sie das Bachelor-, Master- und Doktoratsstudium ab. Seit Februar 2025 arbeitet sie am Verfassungsgerichtshof. Außerdem ist sie als externe Lehrende an der WU tätig und hält regelmäßig Vorträge bei Seminaren und wissenschaftlichen Veranstaltungen.
Sarah Stadlmayr beforscht die Behandlung von Nervendefekten in der Humanmedizin. Im Rahmen ihrer Promotion untersuchte sie die Eigenschaften unterschiedlicher Spinnenseiden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickelt sie heute biomimetische sowie biofunktionalisierte Spinnenseiden-Replikate für den Einsatz in der regenerativen Medizin. Sie promovierte 2024 in Neurowissenschaften an der Medizinischen Universität Wien. Seitdem ist sie am Karolinska Institut tätig und leitet ein vom Österreichischen Wissenschaftsfonds gefördertes Postdoc-Projekt.
Isabelle Vonkilch widmete sich in ihrer Habilitationsschrift der Inhaltskontrolle Allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB). Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Vertragsklauseln zum Kern eines Vertrags zählen und welche davon ausgeschlossen sind. Durch die Analyse des österreichischen und europäischen Rechts entwickelte sie Kriterien zur Abgrenzung des Vertragskerns von sonstigen Vertragsbestimmungen. Sie promovierte 2021 an der WU Wien und habilitierte sich 2025 in den Fächern Bürgerliches Recht, Bankrecht und Versicherungsrecht. Seit 2019 arbeitet sie als Universitätsassistentin am Institut für Zivil- und Zivilverfahrensrecht der WU Wien.