Andere Maßnahmen

Bereits vor der gesetzlichen Verankerung makroprudenzieller Instrumente 2014 wurden Regulierungsschritte ergriffen, um spezifische Systemrisiken im österreichischen Bankensystem zu begrenzen. Durch gezielte Maßnahmen von OeNB und FMA konnte der Anteil von Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungsträgern nachhaltig reduziert werden. Zudem trug das 2012 eingeführte Nachhaltigkeitspaket wesentlich dazu bei, die Geschäftsmodelle international tätiger österreichischer Banken widerstandsfähiger auszurichten.

Maßnahmen zu Fremdwährungskrediten und für nachhaltige Banken

Fremdwährungskredite und Kredite mit Tilgungsträgern in Österreich waren lange deutlich weiter verbreitet als in vielen anderen Ländern. Durch gezielte Maßnahmen und Empfehlungen von OeNB und FMA konnte ihr Anteil jedoch nachhaltig reduziert werden. Darüber hinaus trug das 2012 eingeführte Nachhaltigkeitspaket wesentlich dazu bei, die Geschäftsmodelle international tätiger österreichischer Banken widerstandsfähiger und nachhaltiger auszurichten.

Leitlinie für nachhaltige Geschäftsmodelle österreichischer Großbanken

Im Jahr 2012 veröffentlichten die OeNB und die Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Leitlinie, um die Stabilität österreichischer Großbanken mit internationaler Tätigkeit zu stärken: die „Aufsichtliche Leitlinie zur Stärkung der Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle international aktiver österreichischer Großbanken“. Ziel war es, die Finanzmarktstabilität sowohl in Österreich als auch in den Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas zu erhöhen.

Das Maßnahmenpaket verfolgte drei zentrale Ziele:

  • Stärkung der Eigenkapitalbasis der Banken,
  • Sicherstellung von Sanierungs- und Abwicklungsplänen für Krisenfälle,
  • Verbesserung der Finanzierung ausländischer Tochterbanken durch eine ausgewogenere Refinanzierungsstruktur.

Seit 2012 haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verändert:

  • Die Banken verfügen heute über eine deutlich stärkere Kapitalausstattung.
  • Europäische und nationale Vorschriften haben die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems verbessert.
  • Mit neuen gesetzlichen Regelungen und Institutionen wurden wirksame Verfahren zur Sanierung und Abwicklung von Banken geschaffen.

Die ersten beiden Ziele wurden erreicht bzw. sind mittlerweile durch andere regulatorische Maßnahmen abgedeckt. Demnach wurden die entsprechenden Bestandteile des ursprünglichen Pakets von OeNB und FMA aufgehoben.

Die laufende Überwachung der Refinanzierung ausländischer Tochterbanken bleibt jedoch weiterhin wichtig. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass das Kreditwachstum nachhaltig bleibt und durch ausreichende lokale Einlagen finanziert wird. Deshalb werden die Entwicklung von Krediten und Einlagen weiterhin eng überwacht.

Mindeststandards für Fremdwährungskredite

Eine Besonderheit des österreichischen Bankensystems war über viele Jahre der im internationalen Vergleich hohe Anteil an Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten. Diese Finanzierungsformen wurden von internationalen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Kommission und dem Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) wiederholt kritisch bewertet, da sie erhebliche Risiken für Kreditnehmende, Banken und die Finanzmarktstabilität mit sich bringen.

Besonders bei endfälligen Fremdwährungskrediten, die mit Tilgungsträgern wie Lebensversicherungen kombiniert wurden, konnten mehrere Risikofaktoren gleichzeitig wirken. Neben Wechselkursschwankungen bestand das Risiko, dass die angesparten Vermögenswerte nicht den erwarteten Ertrag erzielen und daher nicht ausreichen, um den Kredit bei Fälligkeit vollständig zurückzuzahlen. Diese Risiken können zu höheren Kreditausfällen führen und damit sowohl einzelne Banken als auch das gesamte Finanzsystem belasten. Die globale Finanzkrise 2008 hat gezeigt, dass solche Risiken insbesondere in Stressphasen gleichzeitig auftreten können und dadurch erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmarktstabilität haben.

Um diese Risiken zu begrenzen, setzten OeNB und FMA bereits ab 2003 eine Reihe von Maßnahmen (ua Mindeststandards zum Risikomanagement und zur Vergabe von Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungsträgern). Diese wurden nach der Finanzkrise schrittweise verschärft, unter anderem durch strengere (weiterhin gültige) Mindeststandards, europäische Empfehlungen sowie umfassendere Informationspflichten gegenüber Kreditnehmenden.

Die Maßnahmen zeigten deutliche Wirkung: Das Volumen der Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkredite ist stark zurückgegangen, und ihr Anteil an den ausstehenden Krediten österreichischer Haushalte wurde so reduziert, dass Fremdwährungskredite heute kein systemisches Risiko für den österreichischen Finanzmarkt mehr darstellen.