OeNB-Konjunkturindikator
24.03.2026OeNB-Konjunkturindikator deutet guten Jahresstart an – aktueller Energiepreisschock aber nicht berücksichtigt
Laut aktueller VGR-Rechnung stagnierte die österreichische Wirtschaft im 4. Quartal 2025 (im Vorquartalsvergleich). Die von Statistik Austria veröffentlichten Daten führen zu einem schwächeren Startpunkt für das erste Quartal und das Gesamtjahr 2026. Daten, die seitdem veröffentlicht wurden, bestätigen für das erste Quartal die in der OeNB-Dezemberprognose erwartete fortgesetzte Konjunkturbeschleunigung. Der Ausblick auf das zweite Quartal wird aktuell durch eine Verschlechterung der Vertrauensindikatoren im Februar gedämpft. Auf Basis dieser Entwicklung zeigt ein technisches Update des OeNB-Konjunkturindikators ein Wachstum von 0,2% im ersten Quartal 2026 und 0,1% im zweiten Quartal 2026. Die Schätzung enthält keine Daten, die den aktuellen Energiepreisanstieg nach Ausbruch des Krieges im Nahen und Mittleren Osten am 28. Februar widerspiegeln. Die ökonomischen Auswirkungen des Energiepreisschocks werden im März, aber vor allem im zweiten Quartal ihre Wirkung in Österreich entfalten und die Wachstumsaussichten dämpfen.
In der ersten vollständigen Veröffentlichung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung revidierte Statistik Austria das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für Österreich im vierten Quartal 2025 gegenüber der Schnellschätzung um 0,2 Prozentpunkte nach unten. Das Wirtschaftswachstum stagnierte laut diesen Daten. Auch das Wachstum im dritten Quartal 2025 wurde leicht nach unten revidiert. Somit ergibt sich in Summe ein schwächerer Startpunkt für das erste Quartal und das Gesamtjahr 2026. Die danach publizierte Industrieproduktion, welche eine deutliche Aufwärtsrevision im Dezember beinhaltet, könnte jedoch zu einer Aufwärtsrevision führen.
Der OeNB Konjunkturindikator basiert neben den LKW-Fahrleistungsdaten und den offenen Stellen auf der Entwicklung der Stimmungsindikatoren laut Europäischer Kommission. Preisentwicklungen auf Rohstoffmärkten werden jedoch nicht abgedeckt. LKW-Fahrleistungsdaten deuten auf eine robuste Entwicklung der Güterexporte im Jänner und Februar hin. Während die Stimmung im Dienstleistungsbereich im Durchschnitt zu Jahresbeginn über dem Wert vom vierten Quartal lag, verschlechterte sich die Entwicklung in der Industrie. Im Februar kam es sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungsbereich zu einem deutlichen Rückgang der Stimmungsindikatoren. Einzelne stärkere Monatsausschläge sind nichts Ungewöhnliches und sollten nicht überbewertet werden, wirken sich jedoch im Konjunkturindikator aus. Dies spiegelt sich im negativen Beitrag der Industrie in der reinen Modellprognose für das zweite Quartal wider. Vor dem Hintergrund des Krieges im Nahen und Mittleren Osten wird die Veröffentlichung der Stimmungsindikatoren für den März besonders relevant – ohne Krieg hätte man eine deutliche Verbesserung erwartet. Mit Stand 16. März ergibt sich laut OeNB Konjunkturindikator rein technisch für das erste Quartal 2026 ein Anstieg von 0,2% und für das zweite Quartal 2026 ein Wachstum von etwa 0,1 Prozent (jeweils gegenüber dem Vorquartal). Es sei nochmals betont, dass diese Schätzung keine Daten seit Ausbruch des Krieges im Nahen und Mittleren Ostens berücksichtigt. Aufgrund der, sich beinahe täglich ändernden, Entwicklung verzichtet die OeNB bei diesem Update auf ein Eingreifen via Judgement.
Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Konjunkturindikators wird jedoch auch die OeNB-Interimsprognose vom März 2026 veröffentlicht. In dieser werden das Wirtschaftswachstum, die HVPI-Inflation und die Arbeitslosenquote für die Jahre 2026 bis 2028 veröffentlicht. Dieser Prognose liegen Annahmen zum internationalen Umfeld und insbesondere zu den Rohstoffmärkten bis inklusive 11. März zugrunde. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaftlichen Prognose vom Dezember 2025 wird das Wirtschaftswachstum nach unten revidiert. Um der hohen Unsicherheit Rechnung zu tragen, wird darüber hinaus ein Alternativszenario berechnet, in dem die Effekte weiter steigender Energiepreise sowie weiterer Wirkungskanäle abgeschätzt werden. In einem solchen Szenario kann eine milde Rezession 2026 nicht ausgeschlossen werden.
Den Prognosen liegt ein dynamisches Faktormodell mit gemischten Frequenzen zu Grunde (s. Modellmethodik im Downloadbereich). Dabei wird aus dem realen BIP-Wachstum und einer Reihe an vor- bzw. gleichlaufenden monatlichen Konjunkturindikatoren ein gemeinsamer latenter Faktor modelliert, der die zugrundeliegende Konjunkturdynamik beschreibt. Basierend auf den aktuellen Informationen der monatlichen Konjunkturindikatoren und der Modelldynamik wird dieser Faktor für den Prognosehorizont fortgeschrieben und bildet die Basis der Kurzfristprognose für das Wirtschaftswachstum.
Bei der Wahl der monatlichen Konjunkturindikatoren wurde berücksichtigt, dass alle wichtigen Sektoren abgedeckt sind und dass neben gängigen Stimmungsindikatoren auch rasch verfügbare und kaum Datenrevisionen unterliegende reale Aktivitätsindikatoren verwendet werden. Im Modell enthalten sind die Stimmungsindikatoren der Europäischen Union (ESI) der Sektoren Industrie, Dienstleistungen und Einzelhandel und als Aktivitätsindikatoren sind die LKW-Fahrleistung der ASFINAG und die sofort verfügbaren offenen Stellen laut AMS inkludiert. Die jeweiligen zeitlichen Vorläufe wurden mittels Korrelationsanalysen ermittelt.
Im August 2025 wurde das Modell, dem der OeNB-Konjunkturindikator zu Grunde liegt, aktualisiert. Dafür wurden die Parameter des Modells für den Zeitraum 2005Q1 bis 2025Q2 optimiert. Der Anfangspunkt wurde gegenüber der Vorgängerversion (November 2023) von 1999Q1 auf 2005Q1 verschoben, um das schwächere durchschnittliche Produktivitäts- und BIP-Wachstum seit der zweiten Hälfte der 2000er Jahre zu berücksichtigen. Der Endpunkt wurde von 2019Q4 (Version vom November 2023) auf 2025Q2 (August 2025 Update) ausgeweitet. Um jedoch Verzerrungen bei den geschätzten Parametern durch die COVID-19 Pandemie zu vermeiden, wurden die Daten zwischen 2020Q1 und 2022Q2 bei der Parameterschätzung nicht berücksichtigt. Das durchschnittliche BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal sinkt durch die Veränderung des Schätzzeitraums von 0,41 % auf 0,27 %.
Die Prognosen werden am Anfang des dritten Monats des Quartals erstellt. Damit ist bereits eine hinreichende Informationsdichte für das laufende Quartal verfügbar. Gleichzeitig besteht aber zu dem Zeitpunkt noch ein ausreichender Informationsvorsprung bis zur Veröffentlichung der VGR-Schnellschätzung.
Die Prognose des BIP-Wachstums wird in die Beiträge aller enthaltenen Variablen[1] zerlegt. Da die Modellprognose auf mittelwertbereinigten Daten beruht, wird diese noch um den Mittelwert des BIP-Wachstums des Modellzeitraums ergänzt. Abschließend kann die Modellprognose noch um ein „Expert Judgment“ erweitert werden, um gegebenenfalls im Modell nicht berücksichtigte Informationen abzubilden.
[1] Die Komponente „Rest“ enthält den Beitrag des vergangenen BIP-Wachstum zum gemeinsamen Faktor und den Einfluss der autokorrelierten Fehlerkomponente im Prognosezeitraum.