OeNB-Konjunkturindikator

11.09.2026

Konjunkturbelebung im zweiten Halbjahr 2026

Die österreichische Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2026 etwas schwächer gewachsen als es in der OeNB-Prognose vom Juni erwartet wurde. Seit Jahresmitte haben sich die Stimmung und Erwartungen in der Industrie jedoch merklich verbessert und die Güterexporte haben an Dynamik zugenommen. Dadurch fällt die aktuelle OeNB-Kurzfristprognose für die zweite Jahreshälfte optimistischer aus. Die Folgen der im Modell nicht abgebildeten Dürre in diesem Sommer wurde über ein negatives Expert Judgment berücksichtigt. Damit erhalten wir ein Wachstum von 0,1 % für das dritte und 0,3 % für das vierte Quartal 2026. Für die OeNB-Interimsprognose vom September ergibt sich damit für 2026 in Summe eine leichte Abwärtsrevision gegenüber der OeNB-Prognose vom Juni von -0,1 Prozentpunkte auf 0,5 %. Der Ausgangswert für das Jahr 2027 hat sich hingegen verbessert.

Seit der letzten OeNB-Kurzfristprognose (Anfang Juni) haben sich die verfügbaren Konjunkturindikatoren für Österreich mehrheitlich positiv entwickelt. Insbesondere der Ausblick für exportorientierte Industrie hat sich verbessert. Das spiegelt sich in der Stimmung der Industrie und den LKW-Fahrleistungen wider von denen im dritten Quartal 2026 überdurchschnittliche Wachstumssignale ausgehen. Gleichzeigtig dämpft die unterdurchschnittliche Stimmung bei den Dienstleistungen noch das gesamten reale BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal (saison- und arbeitstagbereinigt). Für das vierte Quartal 2026 liegen noch keine realisierten Daten vor. Setzt sich die Entwicklung wie im Modell erwartet fort, dann dürfte sich das Wachstum aber weiter beschleunigen. Die aufgrund der Dürre im Sommer entstandenen Ernteausfälle berücksichtigen wir über ein negatives Expert Judgment von rund -0,1 Prozentpunkten für das Gesamtjahr 2026. Dadurch ergibt sich ein Wachstum von 0,1 % für das dritte und 0,3 % für das vierte Quartal 2026.

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Den Prognosen liegt ein dynamisches Faktormodell mit gemischten Frequenzen zu Grunde (s. Modellmethodik im Downloadbereich). Dabei wird aus dem realen BIP-Wachstum und einer Reihe an vor- bzw. gleichlaufenden monatlichen Konjunkturindikatoren ein gemeinsamer latenter Faktor modelliert, der die zugrundeliegende Konjunkturdynamik beschreibt. Basierend auf den aktuellen Informationen der monatlichen Konjunkturindikatoren und der Modelldynamik wird dieser Faktor für den Prognosehorizont fortgeschrieben und bildet die Basis der Kurzfristprognose für das Wirtschaftswachstum.

Bei der Wahl der monatlichen Konjunkturindikatoren wurde berücksichtigt, dass alle wichtigen Sektoren abgedeckt sind und dass neben gängigen Stimmungsindikatoren auch rasch verfügbare und kaum Datenrevisionen unterliegende reale Aktivitätsindikatoren verwendet werden. Im Modell enthalten sind die Stimmungsindikatoren der Europäischen Union (ESI) der Sektoren Industrie, Dienstleistungen und Einzelhandel und als Aktivitätsindikatoren sind die LKW-Fahrleistung der ASFINAG und die sofort verfügbaren offenen Stellen laut AMS inkludiert. Die jeweiligen zeitlichen Vorläufe wurden mittels Korrelationsanalysen ermittelt.

Im August 2025 wurde das Modell, dem der OeNB-Konjunkturindikator zu Grunde liegt, aktualisiert. Dafür wurden die Parameter des Modells für den Zeitraum 2005Q1 bis 2025Q2 optimiert. Der Anfangspunkt wurde gegenüber der Vorgängerversion (November 2023) von 1999Q1 auf 2005Q1 verschoben, um das schwächere durchschnittliche Produktivitäts- und BIP-Wachstum seit der zweiten Hälfte der 2000er Jahre zu berücksichtigen. Der Endpunkt wurde von 2019Q4 (Version vom November 2023) auf 2025Q2 (August 2025 Update) ausgeweitet. Um jedoch Verzerrungen bei den geschätzten Parametern durch die COVID-19 Pandemie zu vermeiden, wurden die Daten zwischen 2020Q1 und 2022Q2 bei der Parameterschätzung nicht berücksichtigt. Das durchschnittliche BIP-Wachstum gegenüber dem Vorquartal sinkt durch die Veränderung des Schätzzeitraums von 0,41 % auf 0,27 %.

Die Prognosen werden am Anfang des dritten Monats des Quartals erstellt. Damit ist bereits eine hinreichende Informationsdichte für das laufende Quartal verfügbar. Gleichzeitig besteht aber zu dem Zeitpunkt noch ein ausreichender Informationsvorsprung bis zur Veröffentlichung der VGR-Schnellschätzung.

Die Prognose des BIP-Wachstums wird in die Beiträge aller enthaltenen Variablen[1] zerlegt. Da die Modellprognose auf mittelwertbereinigten Daten beruht, wird diese noch um den Mittelwert des BIP-Wachstums des Modellzeitraums ergänzt. Abschließend kann die Modellprognose noch um ein „Expert Judgment“ erweitert werden, um gegebenenfalls im Modell nicht berücksichtigte Informationen abzubilden.

[1] Die Komponente „Rest“ enthält den Beitrag des vergangenen BIP-Wachstum zum gemeinsamen Faktor und den Einfluss der autokorrelierten Fehlerkomponente im Prognosezeitraum.