Antizyklischer Kapitalpuffer

Der Antizyklische Kapitalpuffer (AZKP, § 23a BWG soll übermäßigem Kreditwachstum in Österreich entgegenwirken. Im Unterschied zum Kapitalerhaltungspuffer, der dazu dient, Kapital in guten Zeiten aufzubauen, um es in schlechten Zeiten (niedriges Wachstum/Rezession) zur Absorption von Verlusten aus nutzen zu können. Kreditinstitute müssen diesen Puffer in hartem Kernkapital (CET 1) zusätzlich zu den regulatorischen Mindesteigenmittelerfordernissen und etwaigen aufsichtlichen zusätzlichen Eigenmittelerfordernissen erfüllen. Die Höhe des Puffers hängt von der jeweiligen Entwicklung und den spezifischen Gegebenheiten der Volkswirtschaft in einem Land ab. Der AZKP soll in Zeiten exzessiven Kreditwachstums aufgebaut werden, um in der Krise zur Vermeidung einer exzessiven Verknappung des Kreditangebots verwendet werden. Der AZKP führt dadurch zu einer besseren (Risiko-)Bepreisung von Krediten und bestimmt somit in erster Linie systemische Risiken aus exzessivem Kreditwachstum. Im Fall negativer Folgen des exzessiven Kreditwachstums sorgt der Puffer zudem für eine höhere Risikoabsorptionsfähigkeit der Kreditinstitute. Bei Unterschreitungen sind Ausschüttungsbeschränkungen und die Verpflichtung zur Erstellung eines Kapitalerhaltungsplans die Folge. 

Als Ausgangspunkt für die vierteljährliche Beurteilung zyklischer Risiken wird die Kredit/BIP-Lücke nach der Methode des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision, BCBS) verwendet. Die OeNB ergänzt die BCBS-Methodik sowohl in der Aufbauphase (Build-up) als auch in der Freisetzungsphase (Release) des AZKP mit zusätzlichen quantitativen und qualitativen Analysen.

Die BCBS-Methode zur Berechnung des AZKP umfasst folgende Komponenten:

  1. Ausgangspunkte sind das tatsächliche Verhältnis des nominellen Kreditvolumens zum nominellen BIP (Kredit/BIP) sowie dessen Trend (basierend auf dem einseitigen Hodrick-Prescott-Filter). Unter Kreditvolumen werden alle Kredite an den privaten nicht-finanziellen Sektor verstanden. Die Kredit/BIP-Lücke wird als Differenz des tatsächlichen Verhältnisses von Kredit zu BIP und dem Kredit/BIP-Trend berechnet.
  2. Die errechnete Kredit-/BIP-Lücke wird in einen AZKP-Referenzwert übersetzt: Ist die aktuelle Kredit/BIP-Lücke unter 2 Prozentpunkten, dann wird der AZKP auf 0 % gesetzt. Zwischen einer Kredit/BIP-Lücke von 2 bis 10 Prozentpunkten steigt der AZKP linear von 0 % bis auf 2,5 % (z. B. bei einer Kredit/BIP-Lücke von 6 Prozentpunkten läge der AKZP bei 1,25 %). Für eine Kredit/BIP-Lücke von über 10 Prozentpunkten wird der AZKP auf 2,5 % gesetzt.
  3. Der Referenzwert für den Puffer wird um quantitative und qualitative Indikatoren ergänzt.
  4. Einmal pro Quartal werden die Empfehlungen des FMSG zum AZKP veröffentlicht.

Das Resultat dieser Berechnung der Kredit/BIP-Lücke ist in untenstehender Grafik dargestellt. Der obere Teil der Doppelgrafik zeigt das Kredit/BIP-Verhältnis sowie die nach Hodrick-Prescott gefilterte Zeitreihe (Trend). Die Differenz zwischen Verhältnis und Trend ist im unteren Teil der Doppelgrafik dargestellt. Basierend auf der Differenz ist auch der Referenzwert für den Puffer eingezeichnet.