Goldreserven

Anlässlich der regelmäßigen Evaluierungen wurde das Gold-Lagerstellenkonzept der OeNB geändert. Die Hälfte des österreichischen Goldbestandes von insgesamt 280 t soll zukünftig in Österreich gelagert werden. Nach der Umsetzung des Lagerstellenkonzeptes bis spätestens 2020 werden somit rund 140 t in Österreich liegen, davon rund 90 t in den Tresoren der OeNB und rund 50 t in denen der Münze Österreich AG.

Der in der OeNB lagernde Goldbestand von etwa 90 t umfasst rund 7.200 Stück Goldbarren. Der Gesamtbestand von 280 t entspricht etwa 22.400 Stück.

Die im Ausland verbleibenden 140 t werden sich auf London und die Schweiz mit vermutlich rund 84 t und 56 t verteilen. Durch die Verteilung auf verschiedene Lagerstellen wird einerseits das Konzentrationsrisiko reduziert, andererseits aber die Möglichkeit, Gold an den Handelsplätzen in London und in der Schweiz im Anlassfall einzusetzen, offen gehalten.

Gold ist für Zentralbanken traditionell und aktuell ein wichtiges Asset im Rahmen ihrer diversifizierten Währungsreserven und stellt somit einen wichtigen Vermögenswert für die OeNB dar. Der Goldbestand aller Zentralbanken der am Euro teilnehmenden Länder bildet einen Teil der Währungsreserven des Eurosystems und dient damit zur Stabilisierung des Euro. Der aktuelle Goldbestand der OeNB entspricht – gemessen an den gesamten Goldreserven des Eurosystems – in etwa dem Kapitalanteil der OeNB im Eurosystem und ist aus währungspolitischer Sicht der Größe der Währungsreserven und jener der österreichischen Volkswirtschaft angemessen.

Entwicklung und Bedeutung der Goldreserven in Österreich

  • Von den 78,2 t Gold, die 1938 von der Deutschen Reichsbank beschlagnahmt wurden, wurden nach Kriegsende 50,1 t restituiert. Der starke Aufbau der Goldreserven in den 1950er und 1960er Jahren ist auf das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen. Der Höchststand an Goldreserven wurde in den Achtzigerjahren mit rund 657 t erreicht. Die Lagerung des Großteils der Goldreserven im Ausland ist auch heute noch dem Umstand geschuldet, dass Gold im Krisenfall nur an internationalen Handelsplätzen wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Zudem spielten damals auch geopolitische Überlegungen in Zeiten des Kalten Krieges eine Rolle.

    Waren Goldreserven für eine Notenbank bis in die frühen Siebzigerjahre zum Erhalt der Goldparität ein entscheidender Faktor, verloren sie als Deckungswert mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1973 an Bedeutung. Die Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999 verringerte weiter die Notwendigkeit für das Eurosystem, Kursbewegungen anderer europäischer Währungen mit Gold auszugleichen.

    Die Reduktion der OeNB-Goldbestände in den Neunzigerjahren ist daher neben der Hinterlegung von rd. 22 t des Goldbestandes bei der EZB auch auf Verkäufe zurückzuführen. Seit 2007 liegt der Goldbestand unverändert bei 280 t.

    Das Land mit den höchsten Goldreserven sind die Vereinigten Staaten von Amerika (rd. 8.133 t) gefolgt von Deutschland (rd. 3.381 t) und Italien (rd. 2.452 t). Das Eurosystem gemeinsam hält aktuell einen Goldbestand von etwa 10.789 t Gold.

Gold als Währungsreserve

  • Viele Zentralbanken haben Gold als Währungsreserve gelagert. Goldbarren stellen für Notenbanken ein Symbol der Stabilität dar.

    Die Goldbarren, die von Zentralbanken als Währungsreserven gehalten werden, müssen dem Good-Delivery-Standard der London Bullion Market Association entsprechen, welcher u.a. Größe, Gewicht und Feinheit definiert. Der Feingehalt muss mindestens 995 ‰ betragen und bestimmt den tatsächlichen Goldgehalt. Des Weiteren enthalten Good-Delivery-Barren eine Seriennummer und das Prüfsiegel des zertifizierten Herstellers. Die bisher bei der OeNB eingetroffenen Goldbarren wiegen je rund 12,5 kg und weisen eine Größe von etwa 25 cm Länge, etwa 7 cm Breite und etwa 4 cm Höhe auf. Jeder einzelne Barren und die genannten Spezifikationen werden in einer sogenannten Barrenliste festgehalten.

Prüfung auf Echtheit

  • Wie bei den meisten wertvollen Dingen wird und wurde auch immer wieder versucht, Goldbarren zu fälschen. Die Methode hat sich kaum geändert. Der Kern der Barren wird in der Regel durch minderwertigere Metalle ersetzt, z. B. Eisen oder Wolfram. Nur die äußere Schicht ist aus Gold. Eine rein äußerliche Kontrolle ist also nicht ausreichend, um einen Barren auf seine Echtheit zu prüfen.

    Im Zuge der Rückholung der Goldbestände aus dem Ausland wird jeder einzelne Barren auf seine Echtheit geprüft: Mit einer hochpräzisen Waage wird das Gewicht festgestellt, ein Ultraschallgerät ermöglicht es, in den Kern eines Goldbarrens zu schauen und mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz wird die Feinheit des Goldes bestimmt.

Goldmarkt

  • London, Zürich und New York sind nach wie vor die bedeutendsten Handelsplätze für Gold. Die Preise für Gold werden zumeist in US-Dollar pro Feinunze (1 Unze = 31,103 Gramm) angegeben.

    Der Preis des Goldes richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Entscheidend ist die Nachfrage der Schmuckindustrie, der Bedarf der Elektroindustrie und ob gerade stark in Goldbarren und -münzen investiert wird. Käufe und Verkäufe der Nationalbanken beeinflussen den Goldpreis ebenfalls. Bestimmt wird der Preis für Gold zweimal täglich (10.30 und 15.00 Uhr) in London, beim sogenannten „London Fixing“.

Central Bank Gold Agreement (CBGA)

  • Prinzipiell kann jede Notenbank für sich entscheiden, wo und wie viel Gold sie halten will. Um Marktturbulenzen bzw. einen Preisdruck auf dem Goldmarkt zu vermeiden, werden seit 1999 die Goldverkäufe zwischen europäischen Notenbanken vorab koordiniert. Im Rahmen des aktuell gültigen CBGA (2014–2019) haben sich die beteiligten Notenbanken des Euroraums sowie Schwedens und der Schweiz geeinigt, momentan keine wesentlichen Goldverkäufe vorzunehmen.