Mindestreserve

Ein geldpolitisches Instrument im Euroraum

Die Mindestreserven sind Guthaben, die von Kreditinstituten auf Verlangen der Europäischen Zentralbank (EZB) in einem bestimmten Verhältnis zu den Einlagen von Bankkunden bei den nationalen Zentralbanken gehalten werden müssen. Das „Verhältnis zu den Einlagen“ – eben das Ausmaß der zu haltenden Guthaben – wird durch den von der EZB festgesetzten Mindestreserve-Satz festgelegt. Dieser Satz ist in allen Ländern des Euroraumes gleich.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) setzte die Mindestreserve in Österreich erstmals mit 1. Dezember 1955 ein. Das nationale Mindestreserve-System blieb mit einigen strukturellen Anpassungen bis zum 31. Dezember 1998 bestehen und wurde per 1. Jänner 1999 durch das Mindestreserve-System des Eurosystems abgelöst, das für alle an der Währungsunion teilnehmende Staaten im gleichen Maße gültig ist.

Die Mindestreservepolitik ist neben der Diskontpolitik und der Offenmarktpolitik eines der klassischen währungspolitischen Instrumente einer Zentralbank. Durch die Mindestreservepolitik kann die Nachfrage nach Zentralbankgeld gesteuert werden, womit wesentlicher Einfluss auf den Geldmarkt und die Geldmarktzinsen genommen werden kann.

Die Mindestreserve im Eurosystem hat die Aufgabe:

  • die Geldmarktzinsen zu stabilisieren (mittels Durchschnittshaltung)
  • die Geldmenge (Liquidität) am Geldmarkt zu verknappen oder zu vergrößern, um der EZB eine effizientere Steuerung dieser Geldmenge zu ermöglichen

Die wichtigste Funktion des Mindestreservesystems ist die Stabilisierung der Geldmarktsätze. Die Kreditinstitute müssen ihre Mindestreservepflicht nämlich nicht täglich, sondern im Durchschnitt über einen längeren Zeitraum erfüllen. Dadurch können die Kreditinstitute temporär niedrigere Guthabenstände (z. B. aufgrund einer plötzlich höheren Nachfrage nach Banknoten) durch höhere Guthaben an anderen Tagen ausgleichen.

Wird der Mindestreserve-Satz gesenkt, bedeutet dies ein geringeres zu haltendes Mindestreserve-Volumen, weniger Geld ist bei der Nationalbank gebunden, dem Markt und den Banken wird dadurch mehr Geld (Liquidität) zur Verfügung gestellt. Das bewirkt einerseits, dass die Banken mehr veranlagen oder Kredite gewähren können, andererseits wird sich die Nachfrage nach zusätzlichen Geldmitteln verringern, da der Markt gesättigt ist – die Zinsen werden unter diesen Bedingungen sinken. Im umgekehrten Fall, bei einer Erhöhung des Mindestreserve-Satzes, muss mehr Mindestreserve gehalten werden, womit mehr Geld bei der Nationalbank gebunden ist. Den Banken werden Geldmittel entzogen und der entsprechende Aktionsradius der Kreditgewährung und Veranlagung wird beschränkt. Das Geld im Markt (die Liquidität) wird knapp und die Zinsen werden entsprechend der Nachfrage steigen.