OeNB-Wage-Tracker

Tariflohnwachstum 2026 mit 2,3 % deutlich unter der rollierenden Inflation

Aktuelle Trends des Tariflohnwachstums vom Juni 2026

10.06.2026

Der OeNB-Wage-Tracker ist seit Jahresbeginn weiter gesunken und er zeigt nun für den Jahresdurchschnitt 2026 ein Wachstum von 2,3 % an (siehe die untenstehende Grafik). Ein wesentlicher Grund für das weitere Sinken des Tariflohnwachstums in diesem Jahr sind die niedrigen Abschlüsse in den großen Sektoren Metallindustrie, öffentlicher Dienst und dem Handel, die bereits im November letzten Jahres bzw. mit Jahresanfang wirksam wurden. Die Tariflohnentwicklung wird damit heuer etwa jener des Euroraums entsprechen. Mit dem projizierten Plus von 2,3 % wird das Wachstum der Tariflöhne auch deutlich hinter der rollierenden inflation von 3,5 % (VPI für 2025) zurückbleiben.

Eine aktuelle Analyse und Bewertung der KV-Abschlüsse in der laufenden Lohnrunde findet sich im OeNB Policy-Brief 2026/1. Dort wird unter anderem gezeigt, dass die Abschlüsse in der laufenden Lohnrunde etwa im Einklang mit der Benya-Formel sind und der Summe aus rollierender Inflation und der zuletzt negativen Wachstumsrate der mittelfristigen Arbeitsproduktivität entsprechen.

In weiterer Folge wird über die neuesten KV-Abschlüssen seit der letzten Veröffentlichung des Wage-Trackers Anfang März berichtet, wobei auf die Abschlüsse in größeren bzw. mittelgroßen Sektoren fokusiert wird. Lange Verhandlungen führten im März zu einer Einigung im IT-Sektor (2,9 % per Anfang des Jahres). Bei den Versicherungen kam es Anfang März zu Mindestgehaltssteigerungen in Höhe von 3,3 % (Außendienst) bzw. 3,1 % (Innendienst). Ähnlich der Abschluss für die Kreditinstitute, der rückwirkend per Anfang April wirksam wurde (+3,1 %). Bei den Angestellten im Immobiliensektor betrug der Gehaltszuwachs 2,45 % (ab April).

Der Sektor „Werbung und Marktkommunikation Wien“ verzeichnete ein Gehaltsplus von 2,7 % ab Anfang Mai. Für die Arbeitnehmer:innen In Bauindustrie und Baugewerbe kam es zu einem Abschluss von 3,3 %, ebenfalls per Anfang Mai. Für die Dienstnehmer:innen der Seilbahnbetriebe gelten ab Mai Mindestentgeltsteigerungen im Ausmaß von 3,57 %. Die Angestellten der privaten Kur- und Rehabilitationseinrichtungen verzeichneten eine Gehaltssteigerung von 2,48 % (auch im Mai). In den privaten Bildungseinrichtungen („BABE“) kam es im selben Monat zu einer Gehaltssteigerung von 2,5 %.

In der Papierindustrie betragen die Lohn- und Gehaltsszuwächse 2,4 %. Dieser Abschluss trat im Mai in Kraft, wobei der Geltungsbeginn je nach Ertragslage (gemessen am EBIT) auch auf den September oder den November verschoben werden kann. Nach zähen Verhandlungen und Warnstreiks kam es Ende Mai zu einer Erneuerung des Kollektivvertrags in der Elektro- und Elektronikindustrie (3 %, Geltungsbeginn Anfang Mai). Immer noch ausständig ist der Abschluss im Hotel- und Gastgewerbe, der normalerweise ebenfalls im Mai wirksam wird.

In den Privatkrankenanstalten (Ordensspitälern) kommt es mit Anfang Juli zu Gehaltsteigerungen von 3,3 %. In der Fleischwarenindustrie und im Fleischergewerbe kam es zu identischen Abschlüssen in Höhe von 2,85 %. Diese treten ebenfalls im Juli in Kraft.

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