Aktuelles

Statistiken – Daten und Analysen Q2-20

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Die aktuelle COVID-Krise hält Österreich und die ganze Welt in Atem. Für evidenzbasierte Entscheidungen sind verlässliche Daten unumgänglich. Der Großteil der im vorliegenden Heft analysierten Daten bezieht sich noch auf die Vor-COVID-Zeit. Das Wissen über die Ausgangssituation vor COVID ist genauso erforderlich wie die durch COVID induzierten Veränderungen, welche aber erst in den Daten der nächsten Perioden sichtbar sein werden.

Im vorliegenden Statistiken-Heft beleuchten Martin Bartmann, Klaus Formanek und Patrick Thienel das Kundengeschäft der österreichischen Banken im Jahr 2019. Die skizzierte Entwicklung basiert noch auf Daten aus der Zeit vor der COVID-19-Krise und zeigt für das Jahr 2019 ein stabiles Kreditwachstum und historisch niedrige Kreditzinssätze. So führten die expansiven geldpolitischen Maßnahmen bzw. die daraus folgenden geringeren Geldmarktzinssätze in Österreich zu weiteren Zinssenkungen bei den Kundenzinssätzen für das Kreditneugeschäft, wodurch diese neue Tiefststände ­erreichten. Dies führte zu einer vermehrten Aufnahme von Krediten mit einer Laufzeit von über einem Jahr durch Unternehmen. Private Haushalte profitierten vor allem bei neu aufgenommenen Wohnbaukrediten von den niedrigen Zinssätzen.

Wie gewohnt werden Ihnen die aktuellsten Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft von Gerald Hubmann präsentiert. Hier werden sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite der Kreditvergabe sowie die Refinanzierungssituation näher beleuchtet. Infolge der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie kam es zu Änderungen bei zuvor schon länger bestehenden Trends im Kreditgeschäft.

Die Marktvolumina nachhaltiger Investmentzertifikate und Anleihen in Österreich werden im Beitrag von Roberto Codagnone, Jacob Wagner und Jun Chao Zhan näher untersucht. Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass sich die zunehmende Bedeutung von ökologisch und sozial nachhaltigen Finanzprodukten auch in Österreich widerspiegelt. In der Kategorie der Publikumsfonds stellten die privaten Haushalte, gefolgt von Fonds-in-Fonds-Veranlagungen, die größte inländische Gläubigergruppe der mit dem Nachhaltigkeitskennzeichen UZ 49 zertifizierten Fonds dar. Beachtenswert ist, dass gemessen an den relativen Preiseffekten der Nachhaltigkeitsaspekt im Untersuchungszeitraum nicht auf Kosten der Veranlagungsgewinne ging.

Birgit Bernhard setzt sich in ihrem Beitrag mit der Entwicklung der europäischen börsennotierten Konzerne im Jahr 2018 auseinander. Die Autorin kam dabei zum Schluss, dass die Ertragskraft der analysierten europäischen Konzerne 2018 erstmals nach vier Jahren einen Rückgang zeigte. Die ­Rentabilität (gemessen am Betriebsergebnis im Verhältnis zum Umsatz) war ebenfalls rückläufig, wobei vor allem in den Sektoren Energie und Industrie eine schwache Entwicklung zu beobachten war. Im Ländervergleich rutschten die österreichischen Konzerne bei einer gegenüber dem Vorjahr geringeren Rentabilität vom fünften auf den sechsten Platz ab.

Im Anschluss analysieren Peter Lindner und Maximilian Propst die Antwortdauer in der dritten Welle des Household Finance and Consumption Survey (HFCS) in Österreich. Die Paradaten der ­Erfassung der Dauer des gesamten Interviews bzw. der Beantwortungsdauer einzelner Fragen geben unter anderem Aufschluss über die Qualität eines Fragebogens bzw. wichtige Informationen für das Design eines solchen. Dabei wird auch auf sozio-ökonomische Unterschiede der befragten Personen eingegangen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die Befragten für die qualitativ hochwertige Beantwortung der Fragen die notwendige Zeit nehmen.

In ihrem Beitrag zu Österreichs Außenwirtschaft im Jahr 2019 setzt Erza Aruqaj einen Schwerpunkt der Betrachtung auf 25 Jahre Mitgliedschaft in der Europäischen Union. So durchlief Österreichs Außenwirtschaft kurz vor dem weltweiten Konjunktureinbruch aufgrund der COVID-19-Pandemie eine historisch erfolgreiche Phase, an deren Beginn der Beitritt zur Europäischen Währungsunion steht. Durch den EU-Beitritt 1995 und die Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion ab 1999 wurde die Entwicklung der österreichischen Außenwirtschaft entscheidend geprägt und Österreich ­entwickelte sich in den vergangenen 25 Jahren von einem Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur mit einem seit 2002 durchgehend positiven Leistungsbilanzüberschuss.

Kurzbericht

Gutes Jahresergebnis 2019 für Österreichs Kreditinstitute 1

Die österreichischen Kreditinstitutsgruppen und Einzelkreditinstitute können mit einem aggregierten Jahresergebnis in Höhe von rund 6,7 Mrd EUR auf ein ­zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2019 zurückblicken. 2 Das Jahresergebnis 2019 lag um 0,2 Mrd EUR unter dem Vergleichswert des Vorjahres 3 , befindet sich aber immer noch auf hohem Niveau. Österreichs Banken sind dank ihrer stabilen­ ­Ertragslage gut für die durch das Coronavirus bedingten stürmischen Zeiten ­gerüstet. Internationale Aufsichtsbehörden gehen davon aus, dass die Banken bei Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni besonnen agieren, die ­Entscheidungen über mögliche Auszahlungen in den Herbst verschieben und wohlüberlegt in Einklang mit ihrer Risikotragfähigkeit handeln.

Die aggregierten Betriebserträge lagen im Jahr 2019 um 4,1% über dem ­Vorjahreswert. Positiv auf die Betriebserträge wirkte sich einerseits das um 2,5% gestiegene Nettozinsergebnis aus. Außerdem erwiesen sich der Handelserfolg und die Bewertungsergebnisse (+63,7%) sowie das Provisionsergebnis (+1,8%) als unterstützende Elemente.

Das aggregierte Betriebsergebnis ist um 1,2% zurückgegangen. Dies ist ­vorrangig durch den Anstieg bei Abschreibungen und Wertminderungen von ­immateriellen Vermögenswerten (Firmenwert, Sachanlagen, als Finanzinvestition gehaltene Immobilien und Beteiligungen) um 62,2% zu erklären, wobei absolut gesehen die Hälfte auf Beteiligungen entfällt. Zudem drückten die um 1,3% ­gestiegenen Verwaltungsaufwendungen das Betriebsergebnis.

Insgesamt wurde somit beim aggregierten Jahresergebnis nach Steuern und Minderheitenanteilen ein leichter Rückgang um 2,9% verzeichnet. Neben dem leicht gesunkenen Betriebsergebnis belastete vor allem der Anstieg des Ergebnisses aus Wertminderungen/Wertaufholungen (z. B. Wertberichtungen für Kredite und Forderungen sowie Rückstellungen für erteilte Zusagen und Garantien) um 82,2% und jener der sonstigen Rückstellungen (350,7%) das Jahresergebnis.

Tabelle 1: Aggregierte Ertragslage der österreichischen Kreditinstitutsgruppen und ­Einzelkreditinstitute
2019 2018 Differenz
in Mio EUR in Mio EUR absolut relativ in %
Zinsergebnis, netto1 15.589 15.210 379 2,5
+ Provisionsergebnis, netto 7.226 7.097 129 1,8
Auf Anforderung rückzahlbare Aufwendungen für Aktienkapital 0 0
+ Dividendenerträge 612 628 –16 –2,6
+ Handelserfolg und Bewertungsergebnisse 732 447 285 63,7
+ Bewertungsergebnisse bei Ausbuchungen 312 210 102 48,4
+ Sonstiges betriebliches Ergebnis 527 431 96 22,2
= BETRIEBSERTRÄGE, NETTO 24.997 24.023 974 4,1
Verwaltungsaufwendungen 14.413 14.232 181 1,3
Abschreibungen und Wertminderungen von immateriellen ­Vermögenswerten inkl. Firmenwert, Sachanlagen, als ­Finanzinvestition gehaltene Immobilien und Beteiligungen 2.320 1.430 890 62,2
= BETRIEBSERGEBNIS 8.264 8.361 –97 –1,2
Wertminderung oder (–) Wertaufholung bei nicht erfolgs­wirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten finanziellen Vermögenswerten und erteilten Zusagen und Garantien 689 378 311 82,2
Sonstige Rückstellungen 271 60 211 350,7
+ Anteil des Gewinns oder (–) Verlusts aus Beteiligungen an ­Tochter-, Gemeinschafts- und assoziierten Unternehmen,
die nicht voll- oder quotenkonsolidiert sind
1.276 1.064 212 19,9
+ Gewinn oder Verlust aus als zur Veräußerung gehalten ­eingestuften langfristigen Vermögenswerten und ­Veräußerungsgruppen, die nicht die Voraussetzungen für
eine Einstufung als aufgegebene Geschäftsbereiche erfüllen
19 –131 151 A
+ Sonstiger Saldo in Summe 30 103 –73 –70,6
= PERIODENERGEBNIS VOR STEUERN UND ­MINDERHEITENANTEILEN 8.631 8.959 –328 –3,7
Ertragssteuern 1.382 1.444 –62 –4,3
+ Außerordentlicher Gewinn oder
(–) Verlust nach Steuern für UGB-/BWG-Melder
85 –9 94 A
+ Gesamtergebnis aus aufgegebenen Geschäftsbereichen
nach Steuern
14 14 –1 –5,4
Minderheitenanteile 634 605 29 4,8
= PERIODENERGEBNIS NACH STEUERN UND ­MINDERHEITENANTEILEN 6.713 6.916 –202 –2,9
Quelle: OeNB.
Anmerkung: Datenstand: 26.03.2020.
1 Die prozentuelle Veränderung in einer Position wird nur dargestellt wenn zu beiden Meldeterminen positive Werte gemeldet werden. In allen ­anderen Fällen symbolisiert „A“ einen Anstieg und „R“ einen Rückgang.

1 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Aufsicht, Modelle und Bonitätsanalysen, norbert.ernst@oenb.at.

2 Das angeführte aggregierte Jahresergebnis nach Steuern und Minderheitenanteilen des Jahres 2019 in Höhe von 6,7 Mrd EUR basiert auf den zum Zeitpunkt der Analyse vorliegenden aufsichtsstatistischen Meldedaten. Aus dem Vergleich zu den von Bankprüfern geprüften Jahresabschlüssen nach den International Financial Reporting ­Standards (IFRS), die zum aktuellen Zeitpunkt erst vereinzelt vorliegen, können sich noch Änderungen ergeben.

3 Es ist zu beachten, dass die Daten für das Jahresende 2019 auf den Bilanzierungsvorschriften gemäß IFRS 16 ­beruhen, während die Vergleichswerte für 2018 noch unter IAS 17 (International Accounting Standards) erstellt wurden. Diese beiden Regelwerke unterscheiden sich hauptsächlich in den Vorgaben zur Erfassung von Leasing­verhältnissen.

Analysen

Executive Summaries

Interest rates for corporate loans at historic lows in 2019

In 2019, the Eurosystem’s expansionary monetary policy measures caused lending rates on new loans to households and nonfinancial corporations to drop to new historic lows. With a view to the ­challenges brought about by the COVID-19 crisis, this creates favorable conditions in particular for nonfinancial corporations. In light of this, the Austrian banking sector recorded a robust 6.3% increase in loans to domestic nonfinancial corporations in 2019. At the same time, the volume of corporate deposits with Austrian banks went up by EUR 3.5 billion, or 5.2%, reaching a record high of EUR 70.9 billion in 2019.

Demand for corporate loans increases sharply in response to COVID-19 crisis – Austrian results from the euro area bank lending survey published in April 2020

The measures the Austrian federal government took to contain the COVID-19 pandemic have already begun to have a significant impact on bank lending. Demand for corporate loans, in particular, ­increased sharply in the first quarter of 2020, after having remained largely stable in 2019. Enterprises are in strong need of loans to cover the costs of holding inventories and to finance operating equipment, and they must also meet funding needs, restructure their debt or renegotiate loans. According to banks’ expectations, demand will grow even further in the second quarter of 2020.

After margins on average corporate loans had narrowed for four years in a row, driven by competition, and margins on riskier corporate loans had remained largely unchanged, margins in general suddenly increased in the first quarter of 2020. Such rises were ascribed to changes in the perception of risk, higher funding costs and balance sheet constraints. Since most of the new financing instruments that are covered by government guarantees were not yet available in the period under review, their impact on loan supply, loan demand and credit risk is largely unaccounted for in this contribution.

Retail banking, by contrast, saw rather moderate developments in the first quarter of 2020. Yet, the perception of risk proved more restrictive in this segment, too, which might have implications for banks’ lending policy. For the second quarter of 2020, banks expect a significant decline in the demand for housing loans, which so far has followed a prolonged expansionary trend mainly attributable to the prevailing low interest rates.

Banks’ funding situation deteriorated in the first quarter of 2020, in particular with regard to long-term deposits, short-term money market transactions (with maturities of more than one week) and funding via medium- to long-term debt securities. Over the last four years, these segments had mainly been improving. Now, banks expect them to deteriorate further in the second quarter of 2020.

This survey round also featured questions about the implications of the monetary policy measures taken by the Eurosystem since fall 2019. The survey results suggest that the asset purchase programme (APP) has had positive effects on banks’ funding conditions, but negative effects on their profitability. The negative deposit facility rate is seen to be clearly weighing on banks’ results. The two-tier system introduced from October 30, 2019, for the remuneration of excess reserves has somewhat cushioned the negative effects on banks’ profitability, however. Given the attractive conditions surrounding the third series of targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III), banks’ attitude to this ­measure is positive. As intended by this set of measures, banks use the funds made available via TLTRO III operations for lending purposes.

Sustainable mutual fund shares and bonds in Austria

Over the last few years, policymakers and society as a whole have begun to attach increasing importance to financial products that are ecologically and socially sustainable. In Austria, the Federal ­Ministry for Climate Action, Environment, Energy, Mobility, Innovation and Technology awards the Austrian ­Ecolabel for sustainable financial products (UZ 49). In the same vein, numerous initiatives abroad are also committed to increasing transparency on sustainable financial products for investors.

This contribution analyzes the volume held in 2018 and 2019 by mutual funds in Austria that are officially recognized as sustainable, based on the security-by-security breakdown of the OeNB’s ­custody accounts statistics and on information provided by certification agencies and information ­centers in Austria and abroad. The market volume of UZ 49-certified domestic retail funds came to EUR 7.4 billion at end-December 2019, which corresponds to around 7.2% of the total volume of ­domestic retail funds. Mutual fund shares play an increasingly important role in the investment activities of domestic households. Their share in Austrian households’ total portfolio investment holdings went up to 25.1% (EUR 66.0 billion) in 2019 (2018: 23.1% or EUR 57.3 billion).

Moreover, a detailed analysis of this trend shows that retail funds linked to sustainability aspects were in high demand in 2019. Austrian households’ holdings of sustainable, UZ 49-certified domestic mutual fund shares almost doubled between 2018 (EUR 1.5 billion) and 2019 (EUR 2.8 billion). This sharp ­increase can be explained by a rise in the number of certifications as well as by price effects and a positive net balance of household transactions. In 2019, Austrian households’ total holdings of both domestic and foreign sustainable mutual fund shares came to EUR 3.8 billion, i.e. 6.3% of total retail fund investments.

Another sustainable option for investors are investments in ecologically and socially sustainable bonds (“green bonds”). Since March 2018, Wiener Börse AG has provided a platform called Green and Social Bonds to issuers of sustainable bonds that comply with the Green Bond Principles (GBPs). In ­December 2019, the outstanding volumes of domestic green bonds listed on this platform had a total ­market value of EUR 3.0 billion.

Performance of European listed corporations in 2018

In 2018, the performance of European listed corporations analyzed in this contribution worsened for the first time in four years. While aggregate growth in sales still came to 2.6%, both operating profits and results before tax decreased significantly (by 4.0% and 5.3%, respectively).

Profitability as measured by the operating income-to-sales ratio was on the decline as well, with weak developments recorded in the energy and industrial sectors in particular. Compared with the ­European peers under review, Austrian corporations dropped from fifth to sixth place in 2018 as their profitability remained below levels recorded in the preceding year. While the aggregate capital of ­European corporations continued to grow despite lower – albeit still positive – results, the capital ratio of Austrian corporations went down given a disproportionate increase in total assets.

In most of the nine countries under consideration, corporations’ external funding relied on bonds. In Austria, by contrast, bank loans continued to be corporations’ primary source of funding also in 2018, with bonds already coming in a close second though. Financial liabilities less liquid assets edged up both for European and Austrian corporations, as did the calculated interest burden on financial ­liabilities. This analysis is based on the annual financial statements of listed nonfinancial corporations in nine countries (Austria, Belgium, France, Germany, Greece, Italy, Portugal, Spain and Turkey).

Duration of HFCS interviews in Austria

This contribution analyzes the duration of interviews carried out during the third wave of the Household Finance and Consumption Survey (HFCS) in Austria. Our analysis also considers socioeconomic ­differences across respondents. Among other things, the paradata on the duration of entire individual ­interviews and/or of response times required for answering individual sections of the HFCS questionnaire provide insights into the quality of this questionnaire and useful information for the designing of questionnaires in general. We find that asking respondents to specify amounts of money, which happens frequently in the HFCS, may substantially increase the duration of interviews. For instance, respondents who have completed tertiary education take particularly long in answering question blocks in which they are frequently asked to give specific amounts. Also, respondents’ age and income level are found to ­influence the duration of interviews, while gender apparently does not play a role. Altogether, our ­results suggest that respondents tend to take the time necessary to answer the survey questions as ­thoroughly as possible.

Austria’s external sector 25 years after Austria’s EU accession

Before the global economic downturn caused by the COVID-19 pandemic, Austria’s external sector had experienced a period of extraordinary success, which had started out with Austria’s accession to the European Union in 1995. The country’s EU membership, and participation in Economic and Monetary Union (EMU) from 1999, had a crucial influence on developments in Austria’s external sector. Over the past 25 years, Austria turned from a net importer into a net exporter, having posted a current ­account surplus every year since 2002.

In 2019, Austria’s current account was again clearly positive at just under EUR 10.5 billion (2018: EUR 9 billion), thus reaching the highest level since the financial and economic crisis. Not only did the traditionally profitable travel segment record revenues of more than EUR 20 billion for the first time, but also goods exports remained solid in 2019. The EU continues to play a pivotal role for the Austrian economy: In 2019, 70% of domestic goods and services exports totaling EUR 156 billion went to EU countries.

The current account surplus is mirrored in the financial accounts: At EUR 11.8 billion in 2019, net capital flows also reached the highest level since the financial and economic crisis (2018: EUR
10.3 billion). Strategic investments likewise attest to the long-standing financial ties between Austria and other EU countries: In 2019, just under two-thirds of Austrian direct investment stocks were ­located in other EU countries, while more than half of foreign direct investment (FDI) stocks in Austria originated from other EU countries.

Übersicht

Historischer Tiefststand bei Unternehmenszinssätzen im Jahr 2019

Im Jahr 2019 führten die im Euroraum durchgeführten expansiven geldpolitischen Maßnahmen zu neuen historisch geringen Kundenzinssätzen im Kreditneugeschäft, welche im Hinblick auf die ­Herausforderungen im Zusammenhang mit der aktuellen COVID-19-Krise als günstige Rahmen­bedingungen speziell für Unternehmen gewertet werden können. In diesem Umfeld zeigte sich auf dem österreichischen Bankensektor das Kreditwachstum von inländischen Unternehmen im Jahr 2019 mit 6,3% robust. Gleichzeitig stieg das Einlagenvolumen von Unternehmen bei österreichischen Banken im Jahr 2019 um 3,5 Mrd EUR bzw. 5,2% auf den neuen Höchststand von 70,9 Mrd EUR an.

Nachfrage nach Unternehmenskrediten durch COVID-19 stark gestiegen – ­Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom April 2020

Die Folgen der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie spiegeln sich bereits deutlich im Kreditgeschäft der Banken wider. So ist insbesondere die Nachfrage nach Unternehmenskrediten außergewöhnlich stark gestiegen. Nach einer stabilen Entwicklung im Jahr 2019 nahm die Nachfrage im ersten Quartal 2020 signifikant zu. Der Grund hierfür liegt im ­starken Kreditbedarf der Unternehmen zur Deckung der Lagerhaltungskosten und zur Finanzierung von Betriebsmitteln sowie in ihrem Bedarf an Refinanzierung, Umschuldung und Neuverhandlung von Krediten. Für das zweite Quartal wird vonseiten der befragten Banken ein noch stärkeres Anziehen der Nachfrage erwartet.

Nach vier Jahren mit Reduktionen bei den Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite (begründet mit der Wettbewerbssituation) und weitgehend unveränderten Margen bei risikoreicheren Unternehmenskrediten kam es im ersten Quartal 2020 jedoch zu kurzfristigen Steigerungen der ­Margen im Allgemeinen, die mit einer geänderten Risikoeinschätzung sowie mit höheren Refinanzierungs­kosten und bilanziellen Restriktionen begründet wurden. Die mit staatlichen Garantien besicherten neuen Finanzierungsinstrumente waren im Erhebungszeitraum größtenteils noch nicht verfügbar und sind in ihren Auswirkungen auf Angebot, Nachfrage und Kreditrisiko daher weitgehend noch unberücksichtigt.

Die Entwicklungen im Privatkundengeschäft waren im ersten Quartal 2020 hingegen moderat. Aber auch hier zeigt sich eine restriktivere Risikoeinschätzung mit potenziellen Auswirkungen auf die Kreditvergabepolitik der Banken. Für das zweite Quartal 2020 erwarten die Banken einen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Wohnbaukrediten, die bisher (begründet vor allem mit dem niedrigen Zinsniveau) einem langjährigen expansiven Trend folgte.

Die Refinanzierungssituation der Banken hat sich im ersten Quartal 2020 eingetrübt. Verschlechterungen gab es bei den langfristigen Einlagen, am kurzfristigen Geldmarkt (Laufzeit von über einer Woche) und bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel. Zuvor war es über vier Jahre hinweg hauptsächlich zu Verbesserungen gekommen. Für das zweite Quartal 2020 werden ­weitere Verschlechterungen erwartet.

In dieser Umfragerunde wurden die Banken auch zu den Auswirkungen der seit Herbst letzten Jahres beschlossenen geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems befragt. Das Ankaufprogramm hat – den Ergebnissen zufolge – positive Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen der Banken, aber negative Effekte auf ihre Ertragslage. Der negative Zinssatz der Einlagenfazilität wird als deutliche Belastung der ­Ertragslage wahrgenommen. Das mit 30. Oktober 2019 eingeführte zweistufige System für die ­Verzinsung von Überschussliquidität mildert die dämpfenden Effekte auf die Ertragslage jedoch ab. Die Neuauflage der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte wird von den Banken ­aufgrund der attraktiven Bedingungen positiv beurteilt. Die dadurch verfügbaren Mittel werden – den Zielsetzungen des Maßnahmenpakets entsprechend – für die Kreditvergabe verwendet.

Nachhaltige Investmentzertifikate und Anleihen in Österreich

Ökologisch und sozial nachhaltige Finanzprodukte gewannen in den letzten Jahren auf politischer und gesellschaftlicher Ebene zunehmend an Bedeutung. Neben dem österreichischen Nachhaltigkeitskennzeichen (UZ 49) des Bundesministeriums für Klimaschutz existieren im Ausland ebenfalls Initiativen, um nachhaltige Finanzprodukte für Investoren transparenter zu gestalten. Auf Basis der Einzelwertpapier-Depotstatistik der OeNB und Informationen der Zertifizierungs- bzw. Auskunftsstellen im In- und Ausland untersucht der vorliegende Artikel das Volumen der gekennzeichneten nachhaltigen Investmentfonds für die Jahre 2018 und 2019. Das Marktvolumen der mit dem UZ 49-Kennzeichen zertifizierten inländischen Publikumsfonds betrug Ende Dezember 2019 7,4 Mrd EUR. Dies ­entspricht etwa 7,2% des Volumens aller inländischen Publikumsfonds. Investmentzertifikate spielen in der ­Veranlagung von privaten inländischen Haushalten eine zunehmend wichtige Rolle. Der Anteil der ­gehaltenen Investmentzertifikate am gesamten Wertpapiervermögen österreichischer Haushalte stieg von 23,1% (57,3 Mrd EUR) im Jahr 2018 auf 25,1% (66,0 Mrd EUR) im Jahr 2019. Bei einer tiefergehenden Analyse dieses Trends zeigt sich zudem im Jahr 2019 eine starke Nachfrage nach Publikumsfonds, die mit Nachhaltigkeitsaspekten verknüpft sind. Der Haushaltsbestand der inländischen nachhaltigen Investmentzertifikate nach UZ 49 hat sich zwischen 2018 und 2019 von 1,5 Mrd EUR auf 2,8 Mrd EUR beinahe verdoppelt. Dies ist sowohl auf eine Zunahme der Zertifizierungen als auch auf Preiseffekte und positive Nettotransaktionen der Haushalte zurückzuführen. Im Jahr 2019 betrug der gesamte Haushaltsbestand nachhaltiger Investmentzertifikate im In -und Ausland 3,8 Mrd EUR, bzw. 6,3% der Veranlagung in Publikumsfonds. Ökologisch und sozial nachhaltige Anleihen (auch oft „Green Bonds“ genannt) bieten für Investoren eine weitere Veranlagungsmöglichkeit in nachhaltige Finanzprodukte. Die Wiener Börse bietet seit März 2018 Emittenten eine Plattform für nachhaltige Anleihen (Green and Social Bonds), die den Standards der Green Bond Principles (GBP) entsprechen. Im Dezember 2019 betrug der Marktwert des Umlaufvolumens der auf dieser Plattform gelisteten ­inländischen Green Bonds insgesamt 3,0 Mrd EUR.

Entwicklung der europäischen börsennotierten Konzerne 2018

Die Ertragskraft der analysierten europäischen Konzerne zeigte 2018 erstmals nach vier Jahren einen Rückgang. Während das aggregierte Umsatzwachstum noch bei 2,6% lag, zeigten sowohl das ­Betriebs- als auch das Vorsteuerergebnis deutliche Rückgänge um –4,0% bzw. –5,3%.

Die Rentabilität (gemessen am Betriebsergebnis im Verhältnis zum Umsatz) war ebenfalls rückläufig, wobei vor allem in den Sektoren Energie und Industrie eine schwache Entwicklung zu beobachten war. Im Ländervergleich rutschten im Jahr 2018 die österreichischen Konzerne bei einer gegenüber dem Vorjahr geringeren Rentabilität vom fünften auf den sechsten Platz ab. Während das Eigenkapital der europäischen Konzerne trotz geringerer, aber dennoch positiver Ergebnisse einen weiteren ­Zuwachs verzeichnete, ging die Eigenkapitalquote der österreichischen Konzerne aufgrund der ­überproportional gestiegenen Bilanzsummen zurück. Die Fremdfinanzierung der Unternehmen in den meisten Ländern erfolgte über Anleihen. Bei den österreichischen Konzernen dominierten wie im Vorjahr auch 2018 die Bankkredite als primäre Finanzierungsquelle, allerdings nur noch knapp vor den Anleihen. Die Finanzverschuldung nach Abzug der liquiden Mittel zeigte sowohl auf europäischer Ebene als auch für die österreichischen Konzerne eine leicht erhöhte Tendenz. Ebenso verhielt es sich mit der ermittelten Zinsbelastung auf Finanzverbindlichkeiten. Die Analyse basiert auf den Jahres­abschlussdaten von nichtfinanziellen börsennotierten Konzernen von insgesamt neun Ländern (Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien und Türkei).

Interviewdauer des HFCS in Österreich

Dieser Artikel untersucht die Interviewdauer im Rahmen der dritten Welle des Household Finance and Consumption Survey (HFCS) in Österreich. Dabei wird auch auf sozio-ökonomische Unterschiede der Befragten eingegangen. Die Paradaten der Erfassung der Dauer des gesamten Interviews bzw. der ­Beantwortungsdauer einzelner Kapitel geben unter anderem Aufschluss über die Qualität eines Fragebogens bzw. liefern wichtige Informationen für das Design eines solchen. Fragen nach Geldbeträgen, die es im HFCS häufig gibt, können die Dauer des Interviews erheblich verlängern. Es zeigt sich unter anderem, dass Personen mit tertiärem Bildungsabschluss besonders lange für die Beantwortung von Fragenblöcken brauchen, in denen vermehrt Fragen nach Geldbeträgen gestellt werden. Ebenso haben das Alter und das Einkommen der an der Umfrage teilnehmenden Personen einen Einfluss auf die Dauer des Interviews, während das Geschlecht keine Rolle spielt. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die Befragten für eine qualitativ hochwertige Beantwortung der Fragen die ­notwendige Zeit nehmen.

Österreichs Außenwirtschaft im 25. Jahr der Mitgliedschaft in der ­Europäischen Union

Kurz vor dem weltweiten Konjunktureinbruch aufgrund der COVID-19-Pandemie durchlief die ­heimische Außenwirtschaft eine historisch erfolgreiche Phase, an deren Beginn der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union im Jahr 1995 steht. Durch die EU-Mitgliedschaft und aufgrund der Teilnahme Österreichs an der Wirtschafts- und Währungsunion ab 1999 wurde die Entwicklung der österreichischen Außenwirtschaft entscheidend geprägt und Österreich entwickelte sich in den ­vergangenen 25 Jahren von einem Nettoimporteur zu einem Nettoexporteur mit einem seit 2002 durchgehend positiven Leistungsbilanzüberschuss.

Im Jahr 2019 erreichte die Leistungsbilanz mit knapp +10,5 Mrd EUR (2018: +9 Mrd EUR) ­neuerlich ein deutliches Plus und das höchste Niveau seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise. Neben dem traditionell ertragreichen Reiseverkehr, welcher einnahmenseitig erstmals die 20 Mrd EUR-Grenze überschritt, war dies auch auf weiterhin hohe Güterexporte zurückzuführen. Die EU ist nach wie vor Dreh- und Angelpunkt der heimischen Wirtschaft: 2019 erfolgten 70% der Güter- und Dienstleistungsexporte mit einem Volumen von 156 Mrd EUR in die EU.

Dieser Überschuss zeigt sich spiegelbildlich auch im grenzüberschreitenden Kapitalverkehr: Im Jahr 2019 wurde ein Nettokapitalexport von +11,8 Mrd EUR gemessen (2018: +10,3 Mrd EUR), was ebenfalls den höchsten Wert seit der Finanz- und Wirtschaftskrise bedeutete. Die langfristige Finanzverflechtung mit der EU in Form von strategischen Beteiligungen zeigt sich auch hier: 2019 waren knapp zwei Drittel aller österreichischen Direktinvestitionen in der EU verankert, während mehr als die Hälfte aller passiven Direktinvestitionsbestände in Österreich ihren Ursprung in anderen EU-­Mitgliedstaaten hatten.

Historischer Tiefststand bei ­Unternehmenszinssätzen im Jahr 2019

Österreichs Bankensektor 2019 im europäischen Vergleich

Martin Bartmann, Klaus Formanek, Patrick Thienel 4

Im Jahr 2019 führten die im Euroraum durchgeführten expansiven geldpolitischen Maß­nahmen zu neuen historisch geringen Kundenzinssätzen im Kreditneugeschäft, welche im Hinblick auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit der aktuellen Corona-Krise als günstige Rahmenbedingungen speziell für Unternehmen gewertet werden können. In diesem Umfeld zeigte sich auf dem österreichischen Bankensektor das Kreditwachstum von inländischen Unternehmen im Jahr 2019 mit 6,3% robust. Gleichzeitig stieg das Einlagenvolumen von Unternehmen bei österreichischen Banken im Jahr 2019 um 3,5 Mrd EUR bzw. 5,2% auf den neuen Höchststand von 70,9 Mrd EUR an.

Zunehmendes Kreditgeschäft mit inländischen Kunden 5

Das Kundengeschäft österreichischer Banken weitete sich im Jahr 2019 um ­insgesamt 20 Mrd EUR auf insgesamt 461 Mrd EUR aus. Der Großteil dieses ­Kreditvolumens, welches sich mit einer Jahreswachstumsrate von 4,3% deutlich positiv entwickelte, wurde mit 372 Mrd EUR an Kreditnehmer im Inland vergeben. Das Kreditvolumen mit ausländischen Kunden weitete sich im Jahr 2019 ebenfalls aus, lag jedoch mit 89 Mrd EUR noch immer deutlich unter dem Wert von 2009. Mit einem Volumen von 56 Mrd EUR wurde der Großteil davon an nichtfinanzielle Unternehmen vergeben, während an ausländische private Haushalte mit rund 8 Mrd EUR nur ein geringer Anteil vergeben wurde.

Betrachtet man das ausländische Kreditvolumen nach Ländern, so hatten deutsche Kunden mit 20,5 Mrd EUR den höchsten Anteil, wobei davon 13,2 Mrd EUR an den Unternehmenssektor vergeben wurden.

Das Säulendiagramm in Grafik 1 zeigt die Kreditentwicklung von Kunden bei österreichischen Banken in Mrd EUR für die Jahre 2009 bis 2019. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 Mrd EUR bis 500 Mrd EUR. Die Kredite inländischer Kunden stiegen von 312 Mrd EUR im Jahr 2009 auf 372 Mrd EUR im Jahr 2019. Die Kredite ausländischer Kunden sanken von 104 Mrd EUR im Jahr 2009 auf 89 Mrd EUR im Jahr 2019. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Kreditwachstum im Inland von Unternehmen und Haushalten ­getrieben

Das aushaftende Kreditvolumen österreichischer Banken gegenüber inländischen Kunden bestand zu 89% aus Krediten an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen. Diese beiden Sektoren dominierten auch das Kreditwachstum im Inland. Insbesondere bei nichtfinanziellen Unternehmen lag dieses im Jahr 2019 mit 6,3% deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt von 3,2%. Das Kreditwachstum lag bei nichtfinanziellen Unternehmen sowohl in Österreich als auch im Euroraum geringfügig unter jenem des Jahres 2018 (Österreich: 6,9% bzw. ­Euroraum: 4,1%). Der rückläufige Trend setzte sich in Österreich auch im Jänner 2020 fort, die entsprechende Jahreswachstumsrate ging auf 5,7% zurück. ­Zwischen den einzelnen Euroraum-Ländern waren große Unterschiede der Wachstumsraten bei Unternehmenskrediten zu erkennen. Wie in Österreich lag das ­Kreditwachstum in Deutschland mit 5,1% oder auch in Frankreich mit 5,6% deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt, während es in südlicheren Ländern wie Spanien (–0,8%) oder Italien (–1,8%) sogar zu einem Rückgang bei Unternehmenskrediten kam.

Das Liniendiagramm in Grafik 2 zeigt das Jahreswachstum der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen in % für die Jahre 2009 bis 2019. Die Skala auf der y-Achse reicht von –12% bis +10%. Das Jahreswachstum der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen lag in Österreich Ende 2009 bei –1,51% und stieg fast kontinuierlich auf 6,25% im Dezember 2019. Im Euroraum betrug der Wert Ende 2009 –2,07%, stieg bis im Juni 2011 auf 2,08% an, fiel dann wieder auf –3,49% im Februar 2014 und stieg dann wieder auf 4,38% im September 2018 an, bis der Wert 3,22% im Dezember 2019 erreicht wurde. In Deutschland betrug der Wert Ende 2009 –3,3%, stieg bis im September 2012 auf 1,19% an, fiel dann wieder auf –2,42% im März 2014 und stieg dann wieder auf 5,92% im Juni 2018 an, bis der Wert 5,08% im Dezember 2019 erreicht wurde. In Spanien betrug der Wert Ende 2009 –3,5%, stieg bis im Jänner 2011 auf –0,69% an, fiel dann wieder auf –10,08% im März 2014 und stieg dann wieder auf 0,68% im Mai 2017 an, bis der Wert –0,76% im Dezember 2019 erreicht wurde. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Bei privaten Haushalten lag das Kreditwachstum in Österreich im Jahr 2019 bei 4,2% und entwickelte sich damit dynamischer als im Jahr zuvor (3,5%). ­Obwohl alle Verwendungszwecke einen positiven Beitrag zum Kreditwachstum bei privaten Haushalten in Österreich lieferten, waren es insbesondere die Wohnbaukredite, welche im Jahr 2019 mit einem Wachstum von 5,7% – dem höchsten seit September 2008 – die Entwicklung beim Kreditvolumen privater Haushalte dominierten. Die Wachstumsraten bei Konsum- und sonstigen Krediten lagen in Österreich bei 0,6% bzw. 1,5%. Im Euroraum insgesamt entwickelten sich die Kredite privater Haushalte mit einer Wachstumsrate von 3,6% geringfügig schwächer als in Österreich. Neben dem Wachstum bei Wohnbaukrediten (3,9%) waren es insbesondere Konsumkredite mit einem Anstieg von 6,2% im Jahres­vergleich, die das Kreditwachstum bei privaten Haushalten im Euroraum positiv beeinflussten. In Österreich lag das Wachstum bei Konsumkrediten über die ­letzten Jahre hinweg unter dem Euroraum-Durchschnitt und auch der Anteil am gesamten Kreditvolumen privater Haushalte lag in Österreich mit 10,8% unter jenem des Euroraums (12,2%). Das Wachstum bei Konsumkrediten im Euroraum wurde insbesondere von Spanien (11,5%), Italien (8,5%) und Frankreich (7,6%) hervorgerufen. Sonstige Kredite waren im Euroraum hingegen mit –1,2% rückläufig.

Deutlich rückläufige Kreditzinssätze bei Wohnbaukrediten – ­speziell bei längerfristig fix verzinsten Krediten

Die expansiven geldpolitischen Maßnahmen bzw. die dadurch hervorgerufenen ­geringeren Geldmarktzinssätze ließen das Zinsniveau im Kreditneugeschäft mit Kunden weiter fallen. Mit einem kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz in Höhe von 1,73% (–40 Basispunkte im Vergleich zum Vorjahr) für neu vergebene Kredite an private Haushalte wurde im Dezember 2019 ein neuer historischer Tiefststand erreicht. Private Haushalte profitierten vor allem bei neuen Wohnbaukrediten von neuerlichen Zinssatzsenkungen. Kreditzinssätze mit sehr langen Zinsbindungen (über 10 Jahre) waren im Jahresverlauf besonders stark rückläufig (–62 Basispunkte). Der Zinsaufschlag zwischen variabel verzinsten Krediten (1,20%) und Krediten mit über zehnjähriger Zinsbindung (1,61%) wies damit in Österreich nur noch einen Wert von 41 Basispunkten auf. Im Jahr 2009 lag der Zinssatz für neu vergebene Wohnbaukredite mit anfänglicher Zinsbindung von über zehn Jahren noch mit durchschnittlich 1,51%-Punkten über dem Zinssatz von variabel verzinsten Krediten. Mit einem – über alle Zinsbindungsfristen ­gerechneten – kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz von 1,43% für neu ­vergebene Wohnbaukredite lag Österreich beinahe exakt im Euroraum-Durchschnitt (1,42%). Einzelländer, welche unter dem Euroraum-Durchschnitt lagen, waren zum Beispiel Frankreich (1,17%) und Deutschland (1,29%).

Einen Zinsvorteil gegenüber dem Euroraum haben österreichische Haushalte bei Betrachtung des kapitalgewichteten Durchschnittszinssatzes, welcher auf den gesamten aushaftenden Bestand an Wohnbaukrediten zur Anwendung kommt. Dieser lag in Österreich im Dezember 2019 mit 1,72% deutlich unter dem ­Euroraum-Vergleichswert von 1,95%. Grund dafür ist der hohe Anteil an ­Wohnbaukrediten mit einer anfänglichen Zinsbindung von bis zu einem Jahr (inkl. variabel verzinsten Krediten), welche in der Vergangenheit in Österreich zum überwiegenden Teil vergeben wurden.

Das Liniendiagramm in Grafik 3 zeigt die Neugeschäfts-Zinssätze von Wohnbaukrediten in Österreich untergliedert nach anfänglicher Zinsbindungsfrist in % für die Jahre 2009 bis 2019. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 % bis 6 %. Die Zinssätze für Kredite mit einer Zinsbindungsfrist über zehn Jahren sanken von 5,14% Ende 2009 auf 1,61% Ende 2019, jene mit einer Zinsbindungsfrist von ein bis zehn Jahren sanken von 3,08% Ende 2009 auf 1,56% Ende 2019 und jene mit einer Zinsbindungsfrist von bis zu einem Jahr (inklusive variabel) sanken von 2,91% Ende 2009 auf 1,20% Ende 2019. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Im Jahr 2009 lag deren Anteil bei 70%, der danach sogar weiter bis auf 84% im Jahr 2014 anstieg. Im Laufe der letzten Jahre kam es aufgrund der immer ­geringer werdenden Zinsaufschläge zu einer starken Zunahme der Nachfrage nach Krediten mit sehr langen Zinsbindungen (über zehn Jahre). Im Jahr 2018 hatten Kredite mit anfänglicher Zinsbindungsfrist von über zehn Jahren bereits einen ­Anteil von 35% am gesamten Neugeschäftsvolumen von Wohnbaukrediten. ­Betrachtet man ausschließlich den Dezember 2019, so lag deren Anteil mit 42% erstmals über jenem von variabel verzinsten Krediten.

Im Euroraum insgesamt kam es zu einer ähnlichen Entwicklung. Der Anteil an Krediten mit einer anfänglichen Zinsbindung von über zehn Jahren stieg auf 55% im Jahr 2019 an. Den höchsten Anteil von Krediten mit sehr langen Zinsbindungen am gesamten Neukreditvolumen wiesen in einem Ländervergleich Frankreich und Italien mit 88 bzw. 67% auf.

Unternehmenszinssätze auf historischen Tiefstständen

Nichtfinanzielle Unternehmen, aber auch selbstständig Erwerbstätige, profitierten im Jahr 2019 ebenfalls von günstigeren Finanzierungskonditionen. Die Zinssätze für Kredite an selbstständig Erwerbstätige bzw. für Unternehmenskredite bis eine Mio EUR erreichten in Österreich im Dezember 2019 mit 1,86% bzw. 1,63% neue historische Tiefststände. In beiden Fällen lagen die Zinskonditionen in Österreich unter den jeweiligen Euroraum-Durchschnittswerten von 2,09% bzw. 1,84%, die sich ebenfalls auf neuen Tiefstständen befanden. Bei Großkrediten über eine Mio EUR waren in Österreich im Jahr 2019 keine deutlichen Veränderungen zu erkennen. Mit einem kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz von 1,36% lag man in diesem Segment auch geringfügig über dem Euroraum-Durchschnitt von 1,27%. Bei den Großkrediten war vor allem zu erkennen, dass die Unterschiede der Kreditzinssätze zwischen den einzelnen Euroraumländern im Laufe der letzten Jahre stark abgenommen haben. Zu den Ländern mit den ­geringsten Zinssätzen für neu vergebene Großkredite gehörten insbesondere ­Italien (1,06%), Deutschland (1,17%), aber auch Luxemburg (1,13%).

Grafik 4 zeigt eine Gegenüberstellung der zwei Liniendiagramme „Neugeschäft von Krediten an selbständig Erwerbstätige“ und „Neugeschäft von Krediten bis 1 Mio EUR an nichtfinanzielle Unternehmen“. Diese geben die Zinssätze in % für die Jahre 2011 bis 2019 wieder. Die Skala auf der y-Achse reicht von 1,5 % bis 4,5 %. Bei den Krediten an selbständig Erwerbstätige sank der Neugeschäfts-Zinssatz in Österreich von 3,43% im Dezember 2011 auf 1,86% Ende 2019, jener im Euroraum ging von 4,22% im Dezember 2011 auf 2,09% Ende 2019 zurück und jener in Deutschland war von 3,57% im Dezember 2011 auf 1,79% Ende 2019 rückläufig. Bei den Krediten bis 1 Mio EUR an nichtfinanzielle Unternehmen sank der Zinssatz im Neugeschäft in Österreich von 3,02% im Dezember 2011 auf 1,63% Ende 2019, jener im Euroraum ging von 4,43% im Dezember 2011 auf 1,84% Ende 2019 zurück und jener in Deutschland von sank 3,97% im Dezember 2011 auf 2,06% Ende 2019. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Positives Einlagenwachstum bei privaten Haushalten und Unternehmen

Das Einlagenwachstum inländischer Nichtbanken 6 verlangsamte sich in Österreich 2019 im Vergleich zu 2018 (5,4%), wies mit 3,6% jedoch weiterhin einen deutlich positiven Wert auf. Getrieben wurde das Wachstum ausschließlich von privaten Haushalten (4,6%) und nichtfinanziellen Unternehmen (5,2%), auf die mit einem Anteil von 87% der Großteil der Bankeinlagen von inländischen Nichtbanken ­entfiel. Alle anderen ansässigen volkswirtschaftlichen Sektoren (der Staatssektor sowie Finanzintermediäre) bauten ihre Einlagen im Jahr 2019 ab. Im Euroraum lag das Einlagenwachstum von ansässigen Nichtbanken mit 4,8% über dem Österreich-Vergleichswert. Auch im Euroraum waren es vor allem Unternehmen und Haushalte, die mit Wachstumsraten von 6,0% bzw. 5,2% für das Einlagenwachstum verantwortlich waren, während die Einlagen von Finanzintermediären – die mit einem Anteil von 17,5% einen deutlich höheren Anteil am gesamten Einlagen­volumen als in Österreich (7,1%) aufweisen – stagnierten. Speziell bei privaten Haushalten war über alle Euroraum-Länder hinweg ein deutlich positives Ein­lagenwachstum erkennbar.

Das Säulendiagramm in Grafik 5 zeigt die Einlagenentwicklung von inländischen Kunden bei österreichischen Banken in Mrd EUR für die Jahre 2009 bis 2019. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 Mrd EUR bis 450 Mrd EUR. Die Einlagen von privaten Haushalten stiegen von 206 Mrd EUR im Jahr 2009 auf 267 Mrd EUR im Jahr 2019, jene von nichtfinanziellen Unternehmen stiegen von 48 Mrd EUR im Jahr 2009 auf 71 Mrd EUR im Jahr 2019, jene von Finanzintermediären stiegen von 15 Mrd EUR im Jahr 2009 auf 27 Mrd EUR im Jahr 2019 und jene des Staates stiegen von 10 Mrd EUR im Jahr 2009 auf 23 Mrd EUR im Jahr 2019 an. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Einlagenwachstum ausschließlich aus dem täglich fälligen Bereich

Das Einlagenwachstum bei privaten Haushalten kam in Österreich weiterhin ­ausschließlich aus dem täglich fälligen Bereich. Mit einer Jahreswachstumsrate von 8,9% flachte die dynamische Entwicklung der letzten Jahre – in denen durchwegs Wachstumsraten über 10% erzielt wurden – allerdings etwas ab. Einlagen mit ­vereinbarter Laufzeit wurden von privaten Haushalten weiterhin (–2,2%) abgebaut, wobei auch in diesem Bereich eine geringere Dynamik als in den Vorjahren erkennbar war. Die rückläufige Entwicklung verteilte sich sowohl auf Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr (–1,8%) als auch auf längerfristige Einlagen (über ein Jahr, –2,9%).

Im Euroraum insgesamt war ebenfalls ein Rückgang von Einlagen mit ver­einbarter Laufzeit zu beobachten (–1,7%), welcher insbesondere von kurzfristigen Einlagen mit Laufzeit von bis zu einem Jahr (–5,1%) hervorgerufen wurde, ­während sich Einlagen mit Laufzeit von über einem Jahr kaum veränderten (–0,1%). Zusätzlich zu täglich fälligen Einlagen (8,8%) kam es bei privaten Haushalten im Euroraum auch zu einem Anstieg der Einlagen mit Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten (3,1%). Einlagen mit Kündigungsfrist haben in Österreich keine Relevanz, im Euroraum machen diese jedoch 28% des gesamten Einlagenvolumens privater Haushalte aus.

Historisch geringe Zinsunterschiede bei Einlagen privater Haushalte

Im Jahr 2019 näherten sich die Zinssätze zwischen täglich fälligen Einlagen (0,08%) und neuen Einlagen mit vereinbarter Laufzeit (0,29%) weiter an. Hervor­zuheben ist in diesem Zusammenhang der historisch geringe Zinsaufschlag und die damit in Verbindung stehenden geringen Opportunitätskosten in Höhe von 6 Basispunkten zwischen täglich fälligen Einlagen (0,08%) und kurzfristigen ­Einlagen mit Laufzeit von bis zu einem Jahr (0,14%). Im Jahr 2009 lag der ­entsprechende Unterschied im Durchschnitt mit 69 BP noch um ein Vielfaches höher. Die Inflationsrate lag in Österreich mit 1,5% jedenfalls deutlich über den Renditen aller Einlagenprodukte – dies bedeutet in jedem Fall einen negativen Realzinssatz für Bankeinlagen. Die geringen Zinsunterschiede zwischen täglich fälligen Einlagen und Einlagen mit vereinbarter Laufzeit dürften weiterhin der Hauptgrund für den anhaltenden Aufbau täglich fälliger Einlagen sein. Als Alternative zu Einlagen wurden von privaten Haushalten im Jahr 2019 wieder vermehrt Investmentfondsanteile gekauft.

Der Zinssatz für neue Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von privaten Haushalten lag im Dezember 2019 im Euroraum bei insgesamt 0,28%. Österreich ­befand sich damit genau im Euroraum-Durchschnitt, wenngleich der Jahres­ultimo-Wert in Österreich durch Sondereffekte (z. B. Zinsbonus bei Abschluss eines ­Einlagenproduktes, Angebote bei Bausparkassen) immer etwas ansteigt.

Das Liniendiagramm in Grafik 6 zeigt die Einlagenzinssätze für das Neugeschäft privater Haushalte in % für die Jahre 2009 bis 2019. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0% bis +3,5%. Die täglich fälligen Einlagenzinssätze betrugen in Österreich Ende 2009 0,64%, stiegen dann auf 0,8% im September 2011 und sanken bis Ende 2019 auf einen Wert von 0,08%. Die Einlagenzinssätze (bis zu einem Jahr) betrugen in Österreich Ende 2009 1,21%, stiegen dann auf 1,99% im November 2011 und sanken bis Ende 2019 auf einen Wert von 0,14%. Die Einlagenzinssätze (über ein Jahr) betrugen in Österreich Ende 2009 2,14%, stiegen dann auf 2,68% im Jänner 2012 und sanken bis Ende 2019 auf einen Wert von 0,57%. Im Euroraum betrugen die täglich fälligen Einlagenzinssätze Ende 2009 0,45%, stiegen dann auf 0,54% im Oktober 2011 und sanken bis Ende 2019 auf einen Wert von 0,03%. Die Einlagenzinssätze (bis zu einem Jahr) betrugen Ende 2009 im Euroraum 1,67%, stiegen dann auf 2,92% im Jänner 2012 und sanken bis Ende 2019 auf einen Wert von 0,21%. Die Einlagenzinssätze (über ein Jahr) betrugen Ende 2009 im Euroraum 2,37%, stiegen dann auf 3,32% im Jänner 2012 und sanken bis Ende 2019 auf einen Wert von 0,53%. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Negative Einlagenzinssätze für Unternehmen weit verbreitet

Während bei Spareinlagen privater Haushalte negative Zinssätze aufgrund eines OGH-Urteils in Österreich nicht möglich sind, traten im Jahr 2019 vermehrt ­negative Einlagenzinssätze bei Unternehmenseinlagen auf. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für neue Unternehmenseinlagen mit vereinbarter Laufzeit bis ein Jahr lag in Österreich im Dezember 2019 bei –0,08%. Negative Einlagenzinssätze kamen in Österreich insbesondere bei sehr hohen Einlagen von großen Unternehmen mit Firmensitz in Ländern der sonstigen Währungsunion – wo es bereits seit längerem negative Einlagenzinssätze gab – vor. So waren zum Beispiel für den kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz neuer Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr in Deutschland bereits seit 2016 negative Einlagen­zinssätze zu beobachten. Deutschland wies im Dezember 2019 mit –0,22% auch den tiefsten Wert aller Euroraum-Länder in diesem Segment auf, während zum Beispiel in Frankreich oder in Spanien die entsprechenden Zinssätze mit 0,05% bzw. 0,36% noch im positiven Bereich lagen. Das vermehrte Auftreten negativer Einlagenzinssätze führte jedoch dazu, dass auch im Euroraum insgesamt der ­kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für kurzfristige Unternehmenseinlagen im Dezember 2019 mit –0,01% zum bereits fünften Mal in Folge im negativen ­Bereich lag.

Vermehrte Bargeldhaltung

Die Bargeldhaltung von österreichischen monetären Finanzinstituten (MFIs) stieg insbesondere in den letzten vier Jahren kontinuierlich an und betrug Ende ­September 2019 7,8 Mrd EUR. Bei den privaten Haushalten verlief die ­entsprechende Entwicklung schon länger positiv und erreichte zum selben Zeitpunkt 24,3 Mrd EUR. Grundsätzlich ist dieser Trend mit einer steigenden ­Nutzung von Bargeld zur Wertaufbewahrung in Reaktion auf die Finanzkrise und durch niedrige Zinsen auf Bankeinlagen zu erklären.

Das Säulendiagramm in Grafik 7 zeigt die Entwicklung der Bargeldhaltung in Österreich nach ausgewählten volkswirtschaftlichen Sektoren in Mrd EUR für die Jahre 2009 bis 2019. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 25 Mrd EUR. Die Bargeldbestände der monetären Finanzinstitute in Österreich stieg von 2,6 Mrd EUR Ende 2009 auf 8,0 Mrd EUR Ende 2019, jene von privaten Haushalten stieg von 15,9 Mrd EUR Ende 2009 auf 24,3 Mrd EUR Ende 2019 und jene von nichtfinanziellen Unternehmen stieg von 1,3 Mrd EUR Ende 2009 auf 1,6 Mrd EUR Ende 2019. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

4 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, martin.bartmann@oenb.at, klaus.formanek@oenb.at, patrick.thienel@oenb.at.

5 Private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen.

6 Zu den Nichtbanken zählen neben privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen auch Finanzintermediäre wie Versicherungen, Pensionskassen, Investmentfonds oder auch der Staatssektor.

Nachfrage nach Unternehmenskrediten durch COVID-19 stark gestiegen

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom April 2020 7

Gerald Hubmann 8

Die Folgen der von der Regierung beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-­Pandemie spiegeln sich bereits deutlich im Kreditgeschäft der Banken wider. So ist ­insbesondere die Nachfrage nach Unternehmenskrediten außergewöhnlich stark gestiegen. Nach einer ­stabilen Entwicklung im Jahr 2019 nahm die Nachfrage im ersten Quartal 2020 signifikant zu. Der Grund hierfür liegt im starken Kreditbedarf der Unternehmen zur Deckung der Lagerhaltungskosten und zur Finanzierung von Betriebsmitteln sowie in ihrem Bedarf an Refinanzierung, Umschuldung und Neuverhandlung von Krediten. Für das zweite Quartal wird vonseiten der befragten Banken ein noch stärkeres Anziehen der Nachfrage erwartet.

Nach vier Jahren mit Reduktionen bei den Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite (begründet mit der Wettbewerbssituation) und weitgehend unveränderten Margen bei risikoreicheren Unternehmenskrediten kam es im ersten Quartal 2020 jedoch zu kurzfristigen Steigerungen der Margen im Allgemeinen, die mit einer geänderten Risikoeinschätzung sowie mit höheren Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen begründet wurden. Die mit staatlichen Garantien besicherten neuen Finanzierungsinstrumente waren im Erhebungs­zeitraum größtenteils noch nicht verfügbar und sind in ihren Auswirkungen auf Angebot, Nachfrage und Kreditrisiko daher weitgehend noch unberücksichtigt.

Die Entwicklungen im Privatkundengeschäft waren im ersten Quartal 2020 hingegen ­moderat. Aber auch hier zeigt sich eine restriktivere Risikoeinschätzung mit potenziellen ­Auswirkungen auf die Kreditvergabepolitik der Banken. Für das zweite Quartal 2020 erwarten die Banken einen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Wohnbaukrediten, die bisher ­(begründet vor allem mit dem niedrigen Zinsniveau) einem langjährigen expansiven Trend folgte.

Die Refinanzierungssituation der Banken hat sich im ersten Quartal 2020 eingetrübt. ­Verschlechterungen gab es bei den langfristigen Einlagen, am kurzfristigen Geldmarkt (Laufzeit von über einer Woche) und bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel. Zuvor war es über vier Jahre hinweg hauptsächlich zu Verbesserungen gekommen. Für das zweite Quartal 2020 werden weitere Verschlechterungen erwartet.

In dieser Umfragerunde wurden die Banken auch zu den Auswirkungen der seit Herbst letzten Jahres beschlossenen geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems befragt. Das ­Ankaufprogramm hat – den Ergebnissen zufolge – positive Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen der Banken, aber negative Effekte auf ihre Ertragslage. Der negative Zinssatz der Einlagenfazilität wird als deutliche Belastung der Ertragslage wahrgenommen. Das mit 30. Oktober 2019 eingeführte zweistufige System für die Verzinsung von Überschussliquidität mildert die dämpfenden Effekte auf die Ertragslage jedoch ab. Die Neuauflage der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte wird von den Banken aufgrund der attraktiven ­Bedingungen positiv beurteilt. Die dadurch verfügbaren Mittel werden – den Zielsetzungen des Maßnahmen­pakets entsprechend – für die Kreditvergabe verwendet.

Die Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen und sind demnach aktuell und wohl auch in der nächsten Zeit stark von den Folgen der COVID-19-Pandemie beeinflusst, die heuer zu einem massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. Noch im Februar dieses Jahres ist die OeNB in ihrer Kurzfristprognose für Österreich von einer leichten Konjunkturbelebung im ersten Halbjahr 2020 ausgegangen, nachdem der Konjunkturzyklus im zweiten Halbjahr 2019 seinen Tiefpunkt durchschritten hatte. Mitte März führten die von der Regierung beschlossenen Maß­nahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie zum teilweisen Stillstand der wirtschaftlichen Aktivität. In der Folge sind Unternehmen mit Umsatz- und ­Einnahmenausfällen konfrontiert und die Erwerbsbevölkerung von Lohnausfällen und Einkommenseinbußen aufgrund von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen.

Zur Überbrückung bzw. teilweisen Kompensation der Umsatz- und Ein­kommenseinbußen hat die Bundesregierung breitgefächerte Hilfsmaßnahmen zur Erhaltung der Produktions- und Wirtschaftsstruktur aufgelegt. Durch liquiditätsstärkende Maßnahmen, Transfers und Subventionen für Kurzarbeit soll sicher­gestellt werden, dass Unternehmen und Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Produktion nach Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen rasch wiederauf­genommen werden kann. Mittels Direktkrediten sowie Haftungs- und Garantieübernahmen soll die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen erhalten bleiben. Überbrückungskredite, Betriebsmittelkredite oder Kreditstundungen durch die Banken ermöglichen es Unternehmen, temporäre Zahlungsschwierigkeiten zu meistern. Dies schlägt sich in einer stark steigenden Nachfrage nach Unternehmenskrediten nieder, die durch die vorliegenden Umfrageergebnisse bestätigt wird.

Die Ergebnisse der aktuellen Umfragerunde können durchaus als inhaltlich außergewöhnlich bezeichnet werden. Bereits eine „technische Analyse“ der Resultate weist darauf hin. So wurde diesmal – gemessen an den individuellen Antworten der Banken – wesentlich öfter von „Veränderungen“ berichtet, als dies im Durchschnitt der früheren Befragungsrunden der Fall war. 9 In dieser Runde gibt es auch die markantesten Österreich-Ergebnisse 10 für den Standardteil der Fragestellungen (Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft mit Unternehmen und privaten ­Haushalten) seit Einführung der Umfrage im vierten Quartal 2002 (siehe die ­Erwartungen für die Nachfrage nach Unternehmenskrediten in Abschnitt 1).

Im Gegensatz zu den vorherigen gibt es in der gegenwärtigen Umfragerunde öfter gegenläufige Einzelantworten, d. h. die Banken melden bei ein und derselben Fragestellung Veränderungen in unterschiedliche Richtungen. Das könnte einerseits auf unterschiedliche Betroffenheit und Reaktionen der Institute hinweisen, andererseits aber auch Ausdruck der starken Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie sein.

Einige der befragten Banken haben angemerkt, dass sie die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandiemie noch nicht oder noch nicht vollständig ­berücksichtigt haben bzw. noch nicht berücksichtigen konnten. Für andere Banken stehen ihre Antworten ganz im Zeichen der Pandemie. Die Umfrage wurde in der zweiten Märzhälfte 2020 durchgeführt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie waren zu dieser Zeit bereits in Kraft, erste wirtschaftliche Folgen schon spürbar.

Abschnitt 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, ­Abschnitt 2 jenes mit privaten Haushalten. Abschnitt 3 hat die Refinanzierungs­situation der Banken zum Thema. In den Abschnitt 4 bis 6 geht es um die Aus­wirkungen von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems. Vorab erfolgt der wichtige Hinweis, dass die Geldpolitik auf den Euroraum ins­gesamt ausgerichtet ist. Ihre generelle Wirksamkeit kann nicht anhand der hier präsentierten Österreich-Ergebnisse besprochen werden.

Punktuelle Ergebnisse für die einzelnen Quartale sind den Tabellen 1 bis 3 zu entnehmen, Grafik 1 zeigt längerfristige Trends bei den Quartalsveränderungen, die Grafiken 2 und 3 verdeutlichen den Kreditbestand österreichischer Banken ­gemäß EZB-Monetärstatistik, Grafik 4 stellt sowohl die langfristige Entwicklung der Zinsen für neue Kredite in Österreich als auch des allgemeinen Zinsniveaus dar, Grafiken 5 bis 7 illustrieren die Beiträge der Faktoren der Margenentwicklung für neue Kredite in Österreich. Die Kästen 1 und 2 am Ende des Artikels enthalten Erläuterungen und eine kurze Übersicht über die aggregierten Euroraum-Ergebnisse der Umfrage.

1 Unternehmenskredite: deutlich steigende Nachfrage, Margen ­verschärft

Im ersten Quartal 2020 gab es gemäß den Antworten der an der Umfrage teil­nehmenden Banken kaum Änderungen bei den Richtlinien für Unternehmens­kredite. Zwei Banken berichteten von leichten Verschärfungen, eine von leichten Lockerungen, fünf meldeten weitgehend unveränderte Richtlinien. Seit den ­Befragungsrunden im ersten Halbjahr 2015, bei denen deutlichere Verschärfungen gemeldet worden waren, ist es zu keinen gravierenden Änderungen bei den Richtlinien für Unternehmenskredite mehr gekommen – nur vereinzelt waren Richt­linien verändert bzw. leicht verschärft worden (siehe Tabelle 1 und Grafik 1).

Ein Druck zur leichten Verschärfung der Richtlinien kam im ersten Quartal 2020 von der geänderten Risikoeinschätzung der Banken (Wirtschaftslage und Konjunkturaussichten, branchen- und firmenspezifische Lage bzw. Kreditwürdigkeit der Unternehmen). Allerdings gab es auch Antworten, die eine geänderte Risikoeinschätzung mit lockerndem Einfluss auf die Richtlinien signalisierten. Die ebenfalls erhobene Risikotoleranz der Banken hatte in Summe keinen Einfluss auf die Richtlinien. Bei Betrachtung der Einzelantworten fällt aber auf, dass diesbezüglich sowohl lockernde als auch verschärfende Einflüsse auf die Kreditrichtlinien gemeldet wurden.

Der Ausblick auf das zweite Quartal 2020 lässt in der aggregierten Betrachtung zwar unveränderte Kreditrichtlinien erwarten. Aber auch hier weichen die Einzelantworten der Banken voneinander ab. Drei Banken gehen von Richtlinien­verschärfungen aus, ebenso viele von Lockerungen, zwei erwarten weitgehend ­unveränderte Richtlinien.

Tabelle 1: Kredite oder Kreditrahmen für Unternehmen
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 bzw. 8 Banken
Kreditrichtlinien 2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2
Unternehmen gesamt –1 0 –1 –1 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 0
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 0 –1 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 1
Kredite an große Unternehmen –1 1 –1 –1 0 1 –1 1 0 1 0 0 –1 0 0 –1 –1 0
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) –1 0 –1 0 0 1 –1 1 0 0 0 0 0 1 0 –1 0 0
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) –1 –1 –1 –2 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1
Kreditbedingungen insgesamt
Unternehmen gesamt –1 0 2 0 1 0 1 0 1 1 0 0 –1 1 1 2 –2 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –1 –1 1 0 1 0 1 0 1 –1 0 0 –1 0 1 1 –2 ..
Kredite an große Unternehmen –1 0 1 0 1 1 1 0 2 1 1 0 0 2 1 2 –1 ..
Margen für durchschnittliche Kredite
Unternehmen gesamt –1 2 3 1 4 3 3 0 3 3 1 0 1 2 4 3 –3 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 1 2 2 3 3 1 0 1 2 0 0 1 2 4 2 –1 ..
Kredite an große Unternehmen –2 2 2 1 4 3 4 1 3 4 2 1 0 2 5 3 –3 ..
Margen für risikoreichere Kredite
Unternehmen gesamt –2 0 1 0 0 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –4 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –2 –1 0 0 0 0 0 –1 –1 –1 –1 0 –1 0 0 0 –2 ..
Kredite an große Unternehmen –2 0 2 0 1 1 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 2 –4 ..
Genehmigte Kreditanträge
Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen –1 0 1 0 –1 1 –2 0 0 0 –2 –1 –1 –1 –2 –1 0 ..
Kreditnachfrage
Unternehmen gesamt –1 1 1 2 4 3 2 4 4 5 2 3 –2 0 –1 1 5 8
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –1 1 1 3 3 1 2 3 3 3 1 3 –2 –1 –1 1 3 7
Kredite an große Unternehmen –1 1 –1 3 4 2 2 3 2 5 3 3 –1 1 0 1 5 8
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) 0 0 1 1 1 2 0 3 2 3 0 2 0 2 1 1 6 8
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) –1 1 –1 3 5 4 6 6 5 6 4 3 –1 –1 –1 2 1 3
Einfluss der allgemeinen Wettbewerbssituation auf:
Kreditbedingungen insgesamt –1 3 2 1 2 1 2 1 2 3 1 1 1 2 4 3 1 ..
Margen für durchschnittliche Kredite –1 2 2 0 2 2 2 2 2 3 3 2 2 2 4 3 1 ..
Margen für risikoreichere Kredite –1 0 1 0 1 0 0 –1 0 2 0 0 1 1 2 2 1 ..
Einfluss von Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen auf:
Kreditbedingungen insgesamt –3 –1 –1 –1 1 0 2 0 1 1 –1 0 –1 0 0 1 –2 ..
Margen für durchschnittliche Kredite –3 –1 –1 0 1 0 2 1 1 1 –1 0 –1 0 0 1 –2 ..
Margen für risikoreichere Kredite –4 –1 –1 –1 1 0 1 0 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –2 ..
Einfluss der Risikoeinschätzung auf:
Kreditbedingungen insgesamt 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 –1 –3 ..
Margen für durchschnittliche Kredite 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 1 0 –1 0 0 –1 –3 ..
Margen für risikoreichere Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –4 ..
Kreditnachfrage, ausgewählte Einflussfaktoren
Anlageinvestitionen –1 0 –2 2 3 4 3 4 5 5 4 3 –2 0 –1 1 –1 ..
Lagerhaltung und Betriebsmittel –1 1 0 1 1 3 1 3 3 3 1 3 1 1 1 2 4 ..
Fusionen/Übernahmen und Unternehmens­umstrukturierungen 0 1 1 1 1 0 1 2 4 3 3 2 1 1 1 0 –1 ..
Allgemeines Zinsniveau 0 0 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 ..
Refinanzierung, Umschuldung und Neuverhandlung 0 3 1 1 2 1 3 3 4 4 3 3 1 1 1 2 4 ..
Innenfinanzierung –3 –3 –2 –3 –1 –3 –1 0 0 1 2 1 0 0 0 0 1 ..
Kredite von anderen Banken 0 0 0 0 1 0 1 1 2 2 1 1 1 0 0 0 2 ..
Begebung/Tilgung von Schuldverschreibungen –1 –1 –1 0 0 –1 3 2 3 3 3 2 1 2 0 1 2 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Bei den Kreditbedingungen für neue Kredite an Unternehmen (inklusive ­Kreditrahmen) kam es im ersten Quartal 2020 zu auffälligen Änderungen im Vergleich zu den Entwicklungen der letzten Jahre. Die Margen wurden sowohl für durchschnittlich risikoreiche als auch für risikoreichere Kredite verschärft (höhere Margen). Große Unternehmen waren davon stärker betroffen als kleine und mittlere Unternehmen. Zuvor war es ab Mitte 2016 fast durchgehend zu Lockerungen bei den Margen (niedrigere Margen) für durchschnittliche Kredite gekommen. Jene für risikoreichere Kredite blieben in diesem Zeitraum weitgehend unverändert, was eine zunehmende Differenzierung der Kreditkunden aufgrund ihrer Bonität bedeutete. 11

Die langjährigen Lockerungen der Margen für durchschnittliche Kredite ­waren dem Wettbewerb am Kreditmarkt geschuldet. Die allgemeinen Margen­verschärfungen im ersten Quartal 2020 wurden von den Banken mit ihrer ­Einschätzung der Risikosituation sowie gestiegenen Refinanzierungskosten und ­bilanziellen Restriktionen begründet (siehe Tabelle 1 und Grafik 5). Eine Bank nannte explizit die Marktentwicklung infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie als einen Grund für die Verschärfung.

Auch wenn die Margen ab 2016 kontinuierlich reduziert worden waren und sich die Kreditkunden zu immer günstigeren Bedingungen finanzieren konnten, sind die derzeit im langfristigen Vergleich sehr niedrigen Kreditzinsen vor allem eine Folge der Geldpolitik des Eurosystems. Die Zinsen für Neukredite öster­reichischer Banken an nichtfinanzielle Unternehmen sind infolge der Senkungen der Leitzinsen ab Oktober 2008 und der unkonventionellen Maßnahmen des Eurosystems von über 5% im Jahr 2008 auf zuletzt ca. 1,3% im Februar 2020 gefallen (siehe Grafik 4).

Angaben zu Änderungen anderer Kreditbedingungen (Kreditnebenkosten, Kredithöhe, Sicherheiten, Covenants, Fristigkeit) erfolgten für das erste Quartal 2020 nur vereinzelt. Auch hier deuten die Antworten in unterschiedliche Richtungen. In den früheren Umfragerunden gab es hierzu ebenfalls nur vereinzelt Angaben von Veränderungen.

Der Anteil der vollständig abgelehnten Kreditanträge blieb im ersten Quartal 2020 konstant, nachdem er über die letzten drei Jahre hinweg leicht gestiegen war (siehe Tabelle 1 unter „Genehmigte Kreditanträge“ mit invertierten Werten 12 ).

Die Kreditnachfrage hat sich im ersten Quartal 2020 deutlich erhöht – vor ­allem seitens großer Unternehmen und nach kurzfristigen Krediten. Auch kleine und mittlere Unternehmen haben vermehrt Kredite nachgefragt. Langfristige Kredite waren kaum stärker gefragt als im vierten Quartal 2019. Im Gegensatz zur Angebotsseite (vor allem bzgl. der Richtlinien) gehen die Angaben der Banken ­hinsichtlich der Nachfrageseite dabei überwiegend in dieselbe Richtung. Als Gründe für die gestiegene Nachfrage wurden vor allem die Finanzierung von ­Lagerhaltung und Betriebsmitteln sowie der Bedarf für Refinanzierungen, ­Umschuldungen und Neuverhandlungen von Krediten (sofern hiermit Erhöhungen des ausgeliehenen Betrags oder Fristigkeitsverlängerungen verbunden sind) ­genannt. Von Ende 2016 bis Ende 2018 hatte es aufgrund der guten Konjunktur einen ausgeprägten Kreditboom mit starken Nachfragesteigerungen gegeben, 2019 hingegen leichte Nachfragerückgänge bzw. eine stabile Entwicklung auf hohem Niveau (siehe Tabelle 1 und Grafik 1 13 ). 14

Im Ausblick auf das zweite Quartal 2020 gehen alle acht befragten Banken von einer weiterhin steigenden Nachfrage nach Unternehmenskrediten aus. Teilweise erwarten die Banken sogar deutliche Nachfragesteigerungen. Das betrifft speziell die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten sowohl seitens großer Unternehmen als auch seitens kleiner und mittlerer Unternehmen. 15 Die Erwartungen für das zweite Quartal 2020 fallen jedenfalls nochmals um einiges stärker aus als die ohnehin schon deutlichen Angaben für das erste Quartal 2020. Lediglich bei den lang­fristigen Krediten wird mit einem vergleichsweise moderaten Nachfragewachstum gerechnet.

Die Daten aus der Monetärstatistik unterstreichen die Umfrageergebnisse. auf längere Sicht. Seit Anfang 2017 sind die Bestände an Unternehmenskrediten bei österreichischen Banken kontinuierlich angestiegen. Die Ergebnisse der Umfrage über das Kreditgeschäft, die auch als Vorlaufindikator dienen, signalisierten seit der Umfrage für das erste Quartal 2019 eine Abschwächung dieses Trends. Seit November 2019 ist bei den Beständen an Unternehmenskrediten eine Plateau­bildung bei historischen Höchstwerten von ca. 192 Mrd EUR erkennbar (siehe Grafik 2 16 ). Die aktuell gemeldeten starken Nachfragesteigerungen nach kurz­fristigen Krediten zeichnen sich auch in den Daten der Monetärstatistik ab.

2 Kredite an private Haushalte: Rückgang der Nachfrage nach Wohnbaukrediten erwartet

Die angebotsseitigen Entwicklungen im Privatkundengeschäft brachten im ersten Quartal 2020 – im Gegensatz zum Unternehmenskundengeschäft – nur wenig Veränderung. Die Kreditrichtlinien wurden von den Banken sowohl für Wohnbau- als auch für Konsum- und sonstige Kredite unverändert belassen. In den letzten zwei Jahren gab es in den beiden Kreditkategorien immer wieder leichte Ver­schärfungen der Richtlinien, die mit der Risikosituation begründet wurden (Risiko­toleranz der Banken, Risikoeinschätzung durch die Banken). Für das zweite ­Quartal 2020 werden auch wieder leichte Verschärfungen erwartet (siehe Tabelle 2 und Grafik 1).

Bei den Bedingungen für Kredite an private Haushalte gab es im ersten Quartal 2020 keine besonders auffälligen Ergebnisse. Die Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite blieben per saldo unverändert. Es wurde jedoch auch ein leichter, von der Risikoeinschätzung kommender Druck zur Verschärfung der Margen ­gemeldet. Davor war es – vor allem aufgrund der Wettbewerbssituation – von 2016 bis 2019 wiederholt zu leichten Lockerungen gekommen, die 2019 etwas ­ausgeprägter ausfielen (siehe Tabelle 2 und Grafik 6).

Die Margen für risikoreichere Wohnbaukredite wurden im ersten Quartal 2020 hingegen etwas verschärft – hauptsächlich infolge einer geänderten Risikoeinschätzung durch die Banken. Von 2016 bis 2019 gab es bei den risikoreicheren Krediten nur vereinzelt Verschärfungen der Margen bzw. weitgehend unveränderte Margen. Wie bei den Unternehmenskrediten kam es somit zu einer zunehmenden Differenzierung der Kreditkunden gemäß ihrer Kreditwürdigkeit, die bei den Wohnbaukrediten aber etwas geringer ausfiel als bei den Unternehmenskrediten. 17

Bei Konsum- und sonstigen Krediten blieben die Margen im ersten Quartal 2020 für durchschnittliche Bonitäten unverändert (siehe Tabelle 2 und Grafik 7). Für schwächere Bonitäten wurden die Margen etwas verschärft – hauptsächlich aufgrund der Risikoeinschätzung durch die Banken. Von 2016 bis 2019 waren die Margen für Konsum- und sonstige Kredite allgemein weitgehend unverändert ­geblieben.

Ähnlich wie bei den Unternehmenskrediten gibt es keine nennenswerten ­Änderungen der sonstigen Bedingungen für Wohnbaukredite (Sicherheiten, Beleihungsquote, sonstige Begrenzungen der Kredithöhe, Fristigkeit und Kreditnebenkosten) bzw. Konsum- und sonstige Kredite (Sicherheiten, Kredithöhe, Fristigkeit und Kreditnebenkosten) für das erste Quartal 2020 – wie auch in den Jahren zuvor.

Seit 2015 wird im Rahmen der Umfrage nach dem Anteil der vollständig ­abgelehnten Kreditanträge gefragt. Seither wurden immer wieder leichte Veränderungen in die eine oder andere Richtung gemeldet, ohne dass sich ein eindeutiger Trend oder deutliche Quartalsergebnisse zeigen würden. Konsistent dazu blieb der Anteil der vollständig abgelehnten Kreditanträge im ersten Quartal 2020 unverändert – sowohl bei Wohnbau- als auch bei Konsum- und sonstigen Krediten (siehe Tabelle 2 unter „Genehmigte Kreditanträge“ mit invertierten Werten 18 ).

Tabelle 2: Kredite an private Haushalte
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 Banken
Kreditrichtlinien 2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2
Wohnbaukredite 0 –2 1 0 0 –1 1 –1 0 –2 –1 0 –2 –2 –1 –1 0 –2
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 0 0 0 1 –1 1 –1 0 –1 0 –2 –2 –1 0 –1
Kreditbedingungen insgesamt
Wohnbaukredite 0 –1 0 1 0 –1 1 0 1 –2 0 0 0 0 0 –1 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 ..
Margen für durchschnittliche Kredite
Wohnbaukredite 1 1 1 0 1 2 2 1 2 1 2 1 2 2 3 1 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite –1 0 0 1 0 0 –1 1 0 0 0 1 0 0 1 1 0 ..
Margen für risikoreichere Kredite
Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –1 –1 0 0 0 0 0 –2 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite –1 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –2 ..
Genehmigte Kreditanträge (Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen)
Wohnbaukredite 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 –2 0 0 –1 –1 0 0 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 0 1 –1 –1 0 ..
Kreditnachfrage
Wohnbaukredite 1 1 0 0 2 2 3 1 1 0 –1 –1 1 1 2 2 3 –6
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 1 2 3 0 0 –1 0 0 0 1 0 1 0 0 2
Einfluss der allgemeinen Wettbewerbssituation auf:
Kreditbedingungen insgesamt bei Wohnbaukrediten 0 1 1 2 1 1 1 1 1 1 3 1 1 3 3 2 1 ..
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite 1 2 1 1 1 2 1 1 3 1 3 1 3 3 4 0 1 ..
Einfluss der Risikoeinschätzung auf:
Kreditbedingungen insgesamt bei Wohnbaukrediten 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 –1 –2 ..
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 ..
Margen für risikoreichere Wohnbaukredite 0 0 –1 0 0 1 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 ..
Margen für risikoreichere Konsum- und sonstige ­Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2
Nachfrage nach Wohnbaukrediten, ausgewählte Einflussfaktoren
Aussichten am Wohnimmobilienmarkt und voraussichtliche Entwicklung der Preise für Wohneigentum 0 0 0 0 1 1 2 1 0 1 0 0 0 –1 –1 –1 –1 ..
Konsumentenvertrauen 2 1 1 1 1 2 3 2 0 1 0 0 0 0 0 0 0 ..
Allgemeines Zinsniveau 2 1 1 1 2 0 2 1 0 0 0 0 2 3 3 3 3 ..
Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten, ausgewählte Einflussfaktoren
Konsumentenvertrauen 0 0 0 0 0 1 1 2 0 0 1 0 0 0 0 0 –2 ..
Allgemeines Zinsniveau 0 0 1 1 1 1 1 1 0 0 0 0 1 0 2 0 1 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Auf der Nachfrageseite zeigen sich bei den Haushaltskrediten stärkere Änderungen als auf der Angebotsseite – wie es auch bei den Unternehmenskrediten der Fall ist. Bei Letzteren sind die Nachfragesteigerungen jedoch um einiges intensiver. Im ersten Quartal 2020 stieg die Nachfrage nach Wohnbaukrediten an. Seit 2014 war hier ein expansiver Trend – wenn auch mit temporären Unterbrechungen – zu beobachten. Seit 2019 war das allgemeine, niedrige Zinsniveau für diesen Trend verantwortlich. Für die Jahre davor wurden neben dem Zinsniveau (seit 2015 als Faktor der Nachfrage erhoben, vorher nicht explizit in der Umfrage enthalten) auch das gestiegene Konsumentenvertrauen und die günstigen Aussichten am Wohnimmobilienmarkt als Gründe für Nachfragesteigerungen genannt. Im Gegensatz zum langjährigen Trend und zu den Ergebnissen im ersten Quartal 2020 erwarten fast alle befragten Banken (sechs der sieben zu dieser Kredit­kategorie befragten Banken) für das zweite Quartal 2020 einen Rückgang der Nachfrage nach Wohnbaukrediten, eine Bank sogar einen deutlichen Rückgang.

Die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten blieb im ersten Quartal 2020 per saldo stabil. Sie war bereits seit dem dritten Quartal 2017 weitgehend unverändert gewesen – nach Anstiegen in den Quartalen davor. Für das erste Quartal 2020 wurden jedoch von den Banken vereinzelt leichte Änderungen der Nachfrage – allerdings mit unterschiedlicher Wirkungsrichtung – vermerkt. Gesunkenes Konsumentenvertrauen hat sich gemäß den Umfrageteilnehmern dämpfend ausgewirkt. Eine Bank hat ausdrücklich die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie als Faktor für ein Anziehen der Nachfrage genannt. Im Aggregat wird für das zweite Quartal 2020 ein leichter Anstieg der Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten erwartet. Die Einzelergebnisse divergieren jedoch. Vier von sieben zu dieser Kreditkategorie befragten Banken gehen von einer leicht ­steigenden Nachfrage aus, zwei von einer leicht sinkenden Nachfrage. Eine Bank sieht die Nachfrage weiterhin stabil.

Das niedrige Zinsniveau wurde in der Vergangenheit öfter als wesentlicher Faktor für Nachfragesteigerungen im Privatkundengeschäft angeführt – vor allem bei Wohnbaukrediten und nur vereinzelt bei Konsum- und sonstigen Krediten. 19 Die Leitzinsen im Eurosystem waren von März 2016 bis September 2018 unverändert geblieben (Hauptrefinanzierungssatz 0%, Einlagensatz –0,4%), bevor der Einlagensatz weiter auf –0,5% gesenkt wurde (mit Wirkung ab dem 18. September 2019). 20 Der Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ. Die Zinsen für neue Wohnbaukredite österreichischer Banken an private Haushalte sind – ähnlich wie bei den neuen Unternehmenskrediten – von über 5% im Jahr 2008 auf zuletzt 1,4% im Februar 2020 gefallen. Jene für neue Konsumkredite reagierten nur anfänglich auf die Senkungen der Leitzinsen, fielen von Herbst 2008 bis Ende 2009 von etwas über 7% auf knapp unter 4,5% und schwanken seither zumeist um 5% (zuletzt 5% im Februar 2020). Bei den neuen sonstigen Krediten an private Haushalte ­lagen die Zinsen im Herbst 2008 bei etwas über 6%, seit Mitte 2017 liegen sie bei oder knapp unter 2% (zuletzt 1,8% im Februar 2020, nachdem sie seit Mitte 2019 wieder leicht gefallen sind). 21 (Siehe Grafik 4 für eine Abbildung der Entwicklung der Kreditzinsen in Österreich und einen Vergleich mit dem Hauptrefinanzierungssatz, dem Einlagensatz sowie dem 3-Monats-Euribor.)

Die historische Betrachtung zeigt, dass die Nachfrage nach Wohnbaukrediten seit 2011 sehr stark zugenommen hat, während die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten weitgehend von einer Seitwärtsbewegung gekennzeichnet war. Ein Blick auf die Monetärstatistik bestätigt diese Entwicklung (siehe Grafik 2). Der Bestand an Wohnbaukrediten bei österreichischen Banken ist über Jahre hinweg ungebrochen gewachsen und lag im Februar 2020 bei 120 Mrd EUR. Der Bestand an Konsum- und sonstigen Krediten hat sich seit 2018 seitlich bewegt und betrug im Februar 2020 rund 54 Mrd EUR. Auch in Relation zum BIP gibt es ein langjähriges – allerdings nur leichtes – Wachstum des Bestands an Wohnbaukrediten (von 27% im Jahr 2011 auf zuletzt 30% im vierten Quartal 2019). Der Bestand an Konsum- und sonstigen Krediten in Prozent des BIP ist von 2011 bis zuletzt (viertes Quartal 2019) deutlich von 20% auf 14% gefallen.

3 Durchwegs verschlechterte Refinanzierungsbedingungen für Banken

Hinsichtlich der Refinanzierungssituation im ersten Quartal 2020 berichteten die Banken auffällige Verschlechterungen (siehe Tabelle 3). Einige Banken meldeten deutliche Verschlechterungen. Nur vereinzelt gab es auch Meldungen von leichten Verbesserungen, die jedoch in den aggregierten Ergebnissen nicht sichtbar werden.

Tabelle 3: Zugang der Banken zu ausgewählten Refinanzierungsquellen
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 8 Banken
Retail-Refinanzierung 2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2
Kurzfristige Einlagen (bis zu einem Jahr) 1 2 1 1 2 1 2 1 3 0 0 1 1 3 0 0 –1 0
Langfristige Einlagen (über ein Jahr) 1 –1 0 0 0 1 1 –1 2 –1 –2 –1 0 –1 –2 0 –4 –2
Unbesicherter Interbankengeldmarkt
Sehr kurzfristiger Geldmarkt (bis zu einer Woche) 0 0 0 1 2 1 2 1 2 0 1 0 1 0 0 0 –1 –1
Kurzfristiger Geldmarkt (über eine Woche) –1 –1 0 2 2 1 1 0 2 0 1 0 0 0 0 0 –5 –4
Großvolumige Schuldtitel
Kurzfristige Schuldtitel3 –2 0 –1 0 0 2 2 1 1 0 0 0 1 0 0 0 –1 –1
Mittel- bis langfristige Schuldtitel –4 –2 0 0 3 3 4 4 3 0 –1 –3 3 4 3 1 –4 0
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
3 Antworten von 4 bis 6 Banken.

Im ersten Quartal kam es auch zu einem Rückgang der langfristigen Einlagen (Bindung über ein Jahr), zu Verschlechterungen am kurzfristigen Geldmarkt (Laufzeit von über einer Woche) und zu Verschlechterungen bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel. Für das zweite Quartal 2020 wird ein ­weiterer, aber schwächerer Rückgang der langfristigen Einlagen erwartet sowie weitere Verschlechterungen am kurzfristigen Geldmarkt. Uneinheitliche Angaben gab es bei den Erwartungen bzgl. der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel. Jeweils zwei der acht befragten Banken gehen hier von Verschlechterungen bzw. Verbesserungen aus. Im Aggregat werden also keine Änderungen ­erwartet.

Von Mitte 2016 bis Ende 2019 gab es für die österreichischen Banken vor allem Verbesserungen bei der Refinanzierung. Die Entwicklungen bei den kurzfristigen Einlagen (Bindung bis zu einem Jahr), am Geldmarkt allgemein (vor allem ab 2018) und bei der Refinanzierung über Schuldtitel allgemein waren günstig. Bei der ­Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel kam es phasenweise sogar zu deutlichen Verbesserungen, aber auch zu einer temporären Verschlechterung Ende 2018. Eine Ausnahme bildeten die langfristigen Einlagen, die bereits seit Mitte 2018 leicht zurückgegangen waren.

Andere Refinanzierungsmöglichkeiten, nach denen standardmäßig gefragt wird (Verbriefung von Krediten, außerbilanzielle Übertragung von Kreditrisiken), spielten zuletzt für die an der Umfrage teilnehmenden Banken keine Rolle.

4 Positive Auswirkungen des erweiterten Programms des ­Eurosystems zum Ankauf von Vermögenswerten auf Finanzierungsbedingungen der Banken, negative Folgen für ihre Ertragslage

Seit 2015 werden die Banken im Rahmen dieser Umfrage halbjährlich zu den ­Auswirkungen des seit Oktober 2014 in verschiedenen Ausformungen laufenden Ankaufprogramms des Eurosystems befragt. 22

In den letzten zwölf Monaten führte das Ankaufprogramm zu keinen Änderungen der Aktiva insgesamt. In den Jahren davor zeigten sich leichte Auswirkungen auf die Aktiva in unterschiedliche Richtungen, ohne einen eindeutigen Trend ­erkennen zu lassen. Seit 2018 hat das Ankaufprogramm aber zu einem kontinuierlichen Rückgang der Bestände an Staatsanleihen des Euroraums unter den Aktiva der Banken beigetragen.

Nachdem sich das Ankaufprogramm bis 2018 fast durchgehend positiv auf die Liquidität der Banken ausgewirkt hatte (vor allem 2017 und 2018), wurden ab 2019 kaum mehr diesbezügliche Effekte gemeldet. Seit 2019 werden dem Ankaufprogramm leichte Verbesserungen bei den Finanzierungsbedingungen für die ­Banken zugeschrieben. Auch in den Jahren davor ist es zu durch das Programm bedingten Verbesserungen bei der Finanzierung gekommen (vor allem 2017 und 2018).

Im Gegensatz zur Liquiditätsposition und zu den Finanzierungsbedingungen ist gemäß den Meldungen der Umfrageteilnehmer die Ertragslage der Banken seit 2015 negativ vom Ankaufprogramm betroffen – aufgrund der Auswirkungen auf das Zinsergebnis der Banken. Das soll im Ausblick auf das nächste Halbjahr (zweites und drittes Quartal 2020) weiterhin so bleiben. Von 2015 bis 2017 hat das Ankaufprogramm allerdings auch zu Kapitalgewinnen geführt, die die Ausfälle beim Zinsergebnis aber nicht kompensieren konnten.

2017 wirkte sich das Ankaufprogramm leicht positiv auf die Eigenkapitalquoten der Banken aus. Abgesehen davon blieben die Eigenkapitalquoten vom Programm bisher weitgehend unbeeinflusst.

Hinsichtlich des Kreditvergabeverhaltens der Banken und des Kreditvolumens wurden bisher nur sehr vereinzelt Auswirkungen des Ankaufprogramms gemeldet – wenn, dann meist leicht expansive Effekte auf das Kreditvergabeverhalten ­(Lockerungen von Richtlinien und Margen).

5 Auswirkungen des negativen Einlagenzinssatzes des Eurosystems: anhaltender Abwärtsdruck auf Kreditzinsen und Zinserträge

Die an der Umfrage teilnehmenden Banken wurden auch zu den Auswirkungen des seit Mitte 2014 negativen Einlagenzinssatzes des Eurosystems befragt (halbjährliche Wiederholung der entsprechenden Fragen), der die Untergrenze des Zinskorridors bildet und mit dem die Geldmarktzinsen im Gleichlauf gesunken sind. Der Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten negativ. Ab der aktuellen Umfragerunde ­werden auch die Auswirkungen auf die Einlagen bei den Banken und jene des zweistufigen Systems für die Verzinsung von Überschussreserven erhoben. 23

Die Banken melden seit dem Beginn der diesbezüglichen Befragung durch­gehend eine Belastung ihrer Ertragslage bzw. ihres Zinsergebnisses durch den ­negativen Einlagensatz. Zinsen und Margen für Unternehmenskredite und Wohnbaukredite an private Haushalte wurden anhaltend vom negativen Einlagensatz ­gedrückt. Diese Aussage gilt abgeschwächt auch für Konsum- und sonstige Kredite an private Haushalte. Die Ergebnisse für diese Kreditkategorie fielen ab Mitte 2018 aber im Vergleich zu den anderen Kreditkategorien verhaltener aus.

Kreditnebenkosten und -volumina waren vom negativen Einlagensatz bisher kaum betroffen. Lediglich leicht positive Volumeneffekte bei den Wohnbaukrediten sowie bei den Konsum- und sonstigen Krediten in den Jahren 2016 und 2017 sind zu vermerken.

Im letzten Halbjahr (viertes Quartal 2019 und erstes Quartal 2020) hat der negative Zinssatz der Einlagenfazilität der EZB zu einem Rückgang der Einlagenzinsen für Unternehmen beigetragen – sowie zu einem leichten Rückgang der ­Einlagenzinsen für private Haushalte. Das Einlagenvolumen von Unternehmen war leicht negativ betroffen, jenes von privaten Haushalten kaum.

Das zweistufige System für die Verzinsung von Überschussreserven wird von den Banken als Erleichterung wahrgenommen – im Vergleich zu einer Situation in der sämtliche Überschussreserven mit dem negativen Einlagensatz verzinst werden würden. Die von den Banken gemeldete Belastung von Ertragslage bzw. Zinsergebnis durch den negativen Einlagensatz wird mit der Anwendung des zwei­stufigen Systems gemildert. Auf Kredit- und Einlagenzinsen hatte das zweistufige System bisher kaum Einfluss.

6 Neuauflage der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte wird von Banken weiterhin positiv angenommen

Seit September 2019 führt das Eurosystem wieder gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte durch. 24 Die Neuauflage (dritte Reihe) dieser Geschäfte wird von den Banken gut angenommen – wie auch schon die vergangenen Geschäfte großen Zuspruch gefunden hatten. Am letzten GLRG-III-Geschäft im März haben zwar nur wenige der befragten Banken in Österreich teilgenommen, aber künftige Teilnahmemöglichkeiten möchten fast alle wahrnehmen.

Die Frage nach den Gründen für die Teilnahme bzw. geplante Teilnahme an der Neuauflage der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte wurde mit den attraktiven Bedingungen, Vorsichtsmotiven (Reduzierung bzw. Vermeidung von Finanzierungsengpässen) und der Bankenaufsicht (bessere Erfüllung regulatorischer oder aufsichtlicher Anforderungen) beantwortet.

Die befragten Banken sehen bisher positive Auswirkungen auf ihre Liquidität, ihre Profitabilität, ihre Fähigkeit, regulatorische oder aufsichtliche Anforderungen besser erfüllen zu können, und auch leicht positive Auswirkungen auf ihre Refinanzierungssituation.

Die Kreditvergabepolitik (Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen) der ­Banken und das Kreditvolumen waren nur geringfügig von den gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften beeinflusst. Es gab – gemäß den Umfrageergebnissen – leicht lockernde Effekte auf die Bedingungen für Unternehmens­kredite und leicht expansive Effekte auf das Kreditvolumen von Unternehmenskrediten.

Auch die Verwendungszwecke für die zusätzliche Liquidität, die durch die Teilnahme an den Geschäften zur Verfügung steht, wurden im Rahmen der ­Umfrage erhoben. Hier nannten die Banken hauptsächlich die Substitution anderer finanzieller Mittel (vor allem Mittel aus der zweiten Reihe der gezielten länger­fristigen Refinanzierungsgeschäfte) und die Kreditvergabe.

Grafik 1 zeigt die „Entwicklung der Kreditrichtlinien und der Kreditnachfrage“ in Österreich seit 2007 in acht Liniendiagrammen. Dabei werden Quartalsveränderungen als Nettoprozentsatz (gleitender Durchschnitt der letzten vier Quartale) dargestellt. Die Skala auf der y-Achse reicht jeweils von –100 bis +100. Positive Werte bezeichnen eine expansive Entwicklung (Lockerung der Richtlinien, Anstieg der Nachfrage), negative Werte eine restriktive Entwicklung. Der Nettoprozentsatz für die Richtlinien für Kredite an Unternehmen insgesamt liegt im ersten Quartal 2007 bei –20 und fällt bis zum vierten Quartal 2008 auf –65, um bis zum zweiten Quartal 2010 auf +5 zu steigen. Ab dem zweiten Quartal 2011 fällt er wieder, bis auf –44 im ersten Quartal 2013. Danach steigt er wieder bis auf –7 im vierten Quartal 2013. Seitdem schwankt er zwischen –16 und +3. Zuletzt (erstes Quartal 2020) erreicht er einen Wert von –6. Der Nettoprozentsatz für die Kreditnachfrage von Unternehmen insgesamt liegt im ersten Quartal 2007 bei +10 und fällt bis zum zweiten Quartal 2009 auf –40, um anschließend wieder zu steigen. Vom ersten Quartal 2010 bis zum dritten Quartal 2011 liegt er weitgehend bei –15. Danach fällt er bis zum dritten Quartal 2012 auf –45, um anschließend bis zum zweiten Quartal 2014 auf –7 zu steigen. Einem kurzen Rückgang auf –25 im vierten Quartal 2014 folgt ein längerer Anstieg auf +47 im zweiten und dritten Quartal 2018. Anschließend fällt er durchgehend bis auf –6 im vierten Quartal 2019, um im ersten Quartal 2020 wieder auf +16 zu steigen. Die Entwicklung von Richtlinien und Nachfrage in den Unterkategorien Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, Kredite an große Unternehmen, kurzfristige Kredite sowie langfristige Kredite entspricht grob den Entwicklungen insgesamt – mit teilweise abweichender Intensität der Schwankungen. Insbesondere bei der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten zeigt sich die Entwicklung ab 2010 weniger volatil als bei der Nachfrage insgesamt und nach langfristigen Krediten, ist aber ab dem dritten Quartal deutlich expansiver als jene bei der Nachfrage nach langfristigen Krediten. Der Entwicklung der Richtlinien bei Wohnbaukrediten sowie bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten an private Haushalte zeigt keine ausgeprägten Schwankungen. Der Nettoprozentsatz liegt seit 2007 jeweils in einem Bereich von –25 bis +11. Zuletzt ist er von Werten um 0 im Jahr 2017 bis auf Werte von –21 bis –14 in den letzten drei Quartalen gefallen. Der Nettoprozentsatz der Nachfrage nach Wohnbaukrediten fällt von +20 im zweiten Quartal 2007 bis auf –55 im zweiten Quartal 2009, um anschließend wieder deutlich zu steigen. Dabei werden mehrere Spitzen erreicht (+20 im dritten und vierten Quartal 2011, +34 im zweiten Quartal 2013, +25 im dritten Quartal 2015, +29 im vierten Quartal 2017). Dazwischen fällt er immer wieder, bleibt aber zumeist positiv. Zuletzt (erstes Quartal 2020) liegt er nach einem Anstieg über mehrere Quartale hinweg bei +29. Der Nettoprozentsatz der Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten entwickelt sich zumeist ähnlich wie jener der Nachfrage nach Wohnbaukrediten, allerdings ab 2012 leicht restriktiver. Die Bandbreite reicht dabei ab 2012 von –20 bis +25. Seit dem ersten Quartal 2018 schwankt er leicht zwischen –4 und +7. Quelle: OeNB.
Grafik 2 zeigt den „Kreditbestand österreichischer Banken (in Mrd EUR)“ seit 2007 als Liniendiagramm auf der Basis von Monatswerten. Dargestellt werden Unternehmenskredite (Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen), Wohnbaukredite an private Haushalte sowie Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Kredite verstehen sich als Kredite in allen Währungen von in Österreich ansässigen monetären Finanzinstituten an Ansässige im Euroraum. Die Skala auf der y-Achse geht von 0 bis 250 Mrd EUR. Die Unternehmenskredite steigen von ca. 130 Mrd EUR Anfang 2007 kontinuierlich auf ca. 157 Mrd EUR im Jahr 2009 an. Danach stagniert die Entwicklung bis Ende 2016 mit Kreditbeständen zwischen 155 und 167 Mrd EUR. Seit Anfang 2017 steigen die Kreditbestände wieder stetig an, von ca. 158 Mrd EUR im Jänner 2017 auf ca. 192 Mrd EUR im Februar 2020. Die Bestände an Wohnbaukrediten steigen nahezu ungebrochen und kontinuierlich an, von ca. 62 Mrd EUR im Jänner 2007 auf ca. 120 Mrd EUR im Februar 2020. Bei den Konsumkrediten und sonstigen Krediten zeigt sich überwiegend eine Seitwärtsbewegung im Bereich von 52 bis 62 Mrd EUR mit leichter Tendenz nach unten: 58 Mrd EUR im Jänner 2007, 54 Mrd EUR im Februar 2020. Anmerkung: Zeitreihenbrüche im Dezember 2014 und Oktober 2016 aufgrund von Methodik-Änderungen, mit deutlich sichtbaren Auswirkungen bei den Unternehmenskrediten. Quelle: OeNB, EZB.
Grafik 3 zeigt den „Kreditbestand österreichischer Banken (in % des BIP)“ seit 2007 als Liniendiagramm auf der Basis von Quartalswerten (Quartalsendstände in % des BIP der jeweils letzten vier Quartale, Kredite an Ansässige im Euroraum, alle Währungen). Dargestellt werden Unternehmenskredite (Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen), Wohnbaukredite an private Haushalte sowie Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Die Skala auf der y-Achse geht von 0 bis 60%. Der Bestand an Unternehmenskrediten in % des BIP liegt im ersten Quartal 2007 bei 47%, steigt bis auf 54% im Jahr 2009, um danach einige Jahre zu stagnieren bzw. leicht zu fallen, auf 50% im Jahr 2014. Anschließend fällt er weiter bis auf 44% Anfang 2017 und steigt schließlich wieder auf bis zu 48% im vierten Quartal 2019. Der Bestand an Wohnbaukrediten in % des BIP steigt nahezu durchgehend, von 23% im ersten Quartal 2007 auf 27% im vierten Quartal 2010 und schließlich auf 29% im vierten Quartal 2017. Seither verharrt er bei knapp unter 30%. Der Bestand an Konsumkrediten und sonstigen Krediten in % des BIP fällt von 22,5% im ersten Quartal 2007 auf 21% im Jahr 2010 und anschließend stärker auf zuletzt 14% im vierten Quartal 2019. Anmerkung: Zeitreihenbrüche im Dezember 2014 und Oktober 2016 aufgrund von Methodik-Änderungen, mit deutlich sichtbaren Auswirkungen bei den Unternehmenskrediten. Quelle: OeNB, EZB, Eurostat.
Grafik 4 zeigt die „Entwicklung der Zinsen für neue Kredite in Österreich“ seit 2000 als Liniendiagramm auf der Basis von Monatswerten. Dargestellt werden Kreditzinsen für nichtfinanzielle Unternehmen, Kreditzinsen für Wohnbaukredite an private Haushalte, Kreditzinsen für Konsumkredite an private Haushalte, Kreditzinsen für sonstige Kredite an private Haushalte, der EZB-Hauptrefinanzierungssatz, der EZB-Einlagensatz und der 3-Monats-Euribor. Dargestellt werden: Kreditzinsen im Neugeschäft (inkl. Neuverhandlungen) in % – gleitender Durchschnitt der letzten drei Monatswerte, Leitzinsen und Euribor – Monatsendstände, „Haushalte“ bezeichnet den Haushaltssektor. Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte werden im Rahmen der Umfrage über das Kreditgeschäft als eine gemeinsame Kategorie abgefragt, in der Zinsstatistik sind sie getrennt ausgewiesen. Die Skala auf der y-Achse geht von 0 bis 8%. Die Grafik zeigt, wie sich die Kreditzinsen im Vergleich zu den Leitzinsen und dem Euribor entwickelt haben. In Konsequenz der Senkungen der Leitzinsen sind auch die Kreditzinsen gefallen. Die Zinsen für Unternehmenskredite sind von über 5% Ende 2008 auf 1,3% im Februar 2020 gefallen, jene für Wohnbaukredite von über 5,5% Ende 2008 auf 1,4% im Februar 2020, jene für sonstige Kredite von ca. 6% Ende 2008 auf 1,8% im Februar 2020 und jene für Konsumkredite von ca. 7% Ende 2008 auf 5% im Februar 2020, wobei die Zinsen für Konsumkredite seit 2011 zumeist um 5% herum schwanken. Quelle: OeNB, Macrobond, EZB.