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Statistiken – Daten und Analysen Q3-20

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Die aktuelle COVID-19-Krise prägt weiterhin das Leben in Österreich und der Welt. In dieser Ausgabe von Statistiken – Daten & Analysen können wir Ihnen nun erste Zahlen (zumeist aus dem ersten Quartal 2020) dazu liefern, welche Auswirkungen die Pandemie auf Österreichs Finanzwirtschaft hat.

Der einleitende Artikel von Martin Bartmann beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Krise auf nichtfinanzielle Unternehmen bzw. private Haushalte in Österreich und im Euroraum hinsichtlich des Kreditwachstums sowie der Neukreditvergaben. Insbesondere beim Kreditwachstum nichtfinanzieller Unternehmen kam es seit Ausbruch der Krise im Euroraum zu einem sprunghaften Anstieg der Wachstumsraten.

Wie gewohnt werden Ihnen die aktuellsten Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft bei einer Auswahl an Banken von Gerald Hubmann präsentiert. Auch hier spiegelt sich die COVID-19-Krise sowohl in der Angebots- als auch der Nachfrageseite der Kreditvergabe aber auch in den Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen wider. Analog zu den gemeldeten Daten, die im vorherigen Artikel beschrieben werden, zeigt sich hier ebenfalls ein deutlicher Anstieg der Nachfrage nach Krediten durch Unternehmen. Für das dritte Quartal 2020 wird eine weiter – jedoch nur mehr leicht – steigende Gesamtnachfrage nach Unternehmenskrediten erwartet.

Unabhängig von der COVID-19-Krise beschreiben Thomas Pöchel, Matthias Wicho und Stefan Wiesinger die statistische Erfassung und Bedeutung von Factoring und Finanzierungsleasing in der Unternehmensfinanzierung. Als Teil der sogenannten Nichtbankenfinanzintermediation (oftmals auch als „Schattenbankensektor“ bezeichnet) stellen diese beiden Geschäftsformen in Österreich eine der wesentlichen alternativen Formen zur klassischen Kreditfinanzierung des Bankensektors dar. Allerdings wird auch gezeigt, dass sich die inländischen Finanzierungsleasing- und Factoringeinheiten in hohem Maße (direkt oder indirekt) im Besitz des Bankensektors befinden.

Das Geldvermögen des Haushaltssektors unter COVID-19 im ersten Quartal 2020

Stefan Wiesinger 1

Das netto verfügbare Einkommen des Haushaltssektors 2 betrug im ersten Quartal 2020 225 Mrd EUR 3 – dies bedeutet trotz des Beginns des COVID-19-bedingten Lockdowns in der zweiten Märzhälfte ein leichtes Wachstum von 0,2% im Vergleich zum Quartal davor sowie von 2,7% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Einer der möglichen Gründe dieses Wachstums ist die Auswirkung der positiven Lohnverhandlungen für 2020, die den negativen Einkommenseffekt der ersten Wochen von COVID-19 teilweise kompensieren konnte. Der Individualkonsum des Haushaltssektors stieg allerdings im Vergleich zum Vorjahresquartal geringer (1,9%). Somit deuten die realwirtschaftlichen Daten des ersten Quartals 2020, die erst den ­Beginn des COVID-19-bedingten Lockdowns abdecken, auf ein Wachstum der Sparquote des Haushaltssektors hin. Die Daten decken sich auch mit bereits publizierten Prognosen für das Jahr 2020.

Der österreichische Haushaltssektor besaß mit Ende des ersten Quartals 2020 ein Geldvermögen von 716 Mrd EUR. Im Vergleich zum Vorquartal (viertes ­Quartal 2019: 731 Mrd EUR) bedeutet dies einen Rückgang von 2,1%. Dieser Rückgang ist zu einem großen Teil auf die COVID-19-bedingten globalen Kurseinbrüche zurückzuführen.

Finanzielle Vermögenswerte des Haushaltssektors, die in Form von Investmentzertifikaten (61 Mrd EUR) sowie börsennotierte Aktien (22 Mrd EUR) veranlagt sind, verzeichneten im ersten Quartal 2020 kursbedingte Rückgänge in Höhe von knapp 14,4% (14 Mrd EUR). Diese Verluste konnten allerdings durch eine Erholung auf den Finanzmärkten im zweiten Quartal teilweise kompensiert werden. 4 Obwohl sowohl börsennotierte Aktien als auch Investmentzertifikate Kurseinbrüche zu verzeichnen hatten, reagierten österreichische Haushalte mit unterschiedlichen Investitionsentscheidungen darauf: Noch im ersten Quartal 2020 wurde mit knapp 0,5 Mrd EUR weit mehr in börsennotierte Aktien investiert als durchschnittlich während der letzten drei Jahre (0,05 Mrd EUR). Bei Investmentzertifikaten zeigte sich allerdings ein anderes Bild – die Investitionstätigkeit blieb im ersten Quartal 2020 mit 0,3 Mrd EUR eher verhalten (Durchschnitt der letzten drei Jahre: 0,7 Mrd EUR).

Das gehaltene Unternehmenskapital in Form von sonstigen Anteilsrechten 5 wurde vom Schock am Kapitalmarkt weitestgehend verschont. Im ersten Quartal 2020 betrugen diese Beteiligungen rund 139 Mrd EUR (19,4% des Geldvermögens) – dies entsprach somit dem Vorjahreswert. Es wird sich aber aller Voraussicht nach erst in späteren Quartalen zeigen, wie sich Haushalte im Zuge des Lockdowns länger­fristig verhalten. Zuverlässige Zahlen werden auf Grund einer bestehenden Verzögerung bezüglich der Jahresabschlüsse von Unternehmen erst in zwei Jahren zur Verfügung stehen.

Grafik 1 „Geldvermögen der Haushalte inklusive NPISHs in Österreich“ zeigt ein Balkendiagramm, welches das Geldvermögen aufgegliedert nach einzelnen Finanzierungsinstrumenten der letzten 15 Jahre zeigt. Die x-Achse gliedert sich nach einzelnen Quartalen, während die y-Achse den Wert der einzelnen Finanzierungsinstrumente sowie des gesamten Geldvermögens darstellt. Das dargestellte Geldvermögen beginnt mit dem ersten Quartal 2005 (400 Milliarden Euro) und endet mit dem ersten Quartal 2020 (knapp über 700 Milliarden Euro). Im ersten Quartal 2020 waren die Positionen Bargeld sowie Einlagen mit einer Summe von 297,5 Milliarden Euro dominierend. Anteilsrechte sowie handelbare Wertpapiere, dazu zählen Investmentzertifikate, Aktien sowie verzinsliche Wertpapiere betrugen 257,4 Milliarden Euro. Der Haushaltssektor hatte mit Ende des ersten Quartals 2020 aus Lebensversicherungsansprüchen, Nicht-Lebensversicherungsansprüchen, Kapitalgedeckte Pensionsansprüchen sowie Ansprüchen aus betrieblichen Vorsorgekassen ein Geldvermögen in Höhe von 145,0 Milliarden Euro. Sonstige Forderungen sowie Finanzderivate betrugen hingegen nur 13,3 Milliarden Euro. Quelle: OeNB.

Während des COVID-19-bedingten Lockdowns hat der Haushaltssektor seinen Bargeldbestand 6 im ersten Quartal 2020 um knapp 1,1 Mrd EUR erhöht. Diese Entwicklung des Bargeldbestands spiegelt sich unter anderem in der Einlagenentwicklung wider. Im ersten Quartal 2020 reduzierte sich das Einlagenvolumen um 1,1 Mrd EUR, wobei die mittlerweile traditionelle Umschichtung von gebundenen Einlagen (–1,7 Mrd EUR) auf täglich fällige Einlagen (0,6 Mrd EUR) auch weiterhin erkennbar war.

Die Nettoveränderung 7 des Geldvermögens des Haushaltssektors im ersten Quartal 2020 erreichte mit –15,1 Mrd EUR einen historischen Höchstwert. Selbst die Auswirkungen der Finanzkrise 2008 waren über das ganze Jahr kumuliert ­betrachtet mit –7,0 Mrd EUR deutlich schwächer ausgeprägt. Dabei spielen die zuvor beschriebenen Preiseffekte von börsennotierten Aktien sowie Investmentzertifikaten mit einem Rückgang von insgesamt 14 Mrd EUR eine ausschlagegebende Rolle. Wie in Grafik 1 ersichtlich, ist dieser negative Effekt auf das Geldvermögen der Haushalte – über einen längeren Zeitraum betrachtet – allerdings lediglich als kleinere Korrektur zu werten, da zwischen dem ersten Quartal 1999 und dem vierten Quartal 2019 das Geldvermögen um durchschnittlich 5,2 Mrd EUR pro Quartal gestiegen ist.

Die Kreditnachfrage des Haushaltssektors war im ersten Quartal 2020 ­traditionell niedrig (0,3 Mrd EUR). Die kumulierte Betrachtung der letzten vier Quartale zeigt allerdings mit 6,4 Mrd EUR ein ähnliches Bild wie die vorherigen kumulierten Quartale (6,1 Mrd EUR), sodass ein COVID-19-bedingter Einfluss auf die Kreditnachfrage des Haushaltssektors nahezu ausgeschlossen werden kann.

1 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, stefan.wiesinger@oenb.at.

2 Der Haushaltssektor umfasst sowohl private Haushalte, welche auch Einzelunternehmen inkludieren, als auch private Organisationen ohne Erwerbszweck.

3 Hier handelt es sich um eine über die letzten vier Quartale kumulierte Zahl.

4 Die gesamtwirtschaftlichen Ergebnisse dazu werden erstmals im September 2020 produziert.

5 Hier handelt es sich hauptsächlich um Beteiligungen an österreichischen GmbHs sowie an Privatstiftungen.

6 Die statistische Erfassung von Bargeld benötigt auf Grund mangelnder Informationen etwaiger Counterpartsektoren bestimmte Annahmen. Die im ersten Quartal getroffene Schätzung beruht zu einem großen Teil auf der von der EZB veröffentlichten Erhöhung des Banknotenumlaufs.

7 Die Nettoveränderung umfasst alle statistischen Komponenten, die etwaige Standveränderungen beschreiben, wie beispielsweise Transaktionen, Preiseffekte, Wechselkurseffekte sowie Reklassifikationen.

Kursverluste lassen Bilanzsumme der ­Versicherungen absacken

Nina Eder, Thomas Pöchel 8

Die Bilanzsumme der österreichischen Versicherungen reduzierte sich im ersten Quartal 2020 im Jahresvergleich um rund 6 Mrd EUR auf einen Bestand von 132,1 Mrd EUR. Dieser Rückgang war lediglich mit –2,2 Mrd EUR auf Nettotransaktionen zurückzuführen, wogegen der überwiegende Teil den Kursverlusten der Wertpapierbestände (–4,4 Mrd EUR) geschuldet war, denen nur leichte Wertzuwächse in Höhe von 0,7 Mrd EUR bei den restlichen Bilanzpositionen gegenüberstanden. Die starke Abwertung der Wertpapierbestände der Versicherungen im Jahresvergleich (–4,4 Mrd EUR) wurde hauptsächlich von den Kursverlusten im ersten Quartal 2020 (–6,8 Mrd EUR) bestimmt. Dies führte dazu, dass im März 2020 das tiefste Bestandsniveau seit Erhebungsbeginn der EZB-Versicherungsstatistik im Rahmen von Solvency II im Jahr 2016 erreicht wurde. Die Abwertung der Wertpapierbestände der österreichischen Versicherungen im ersten Quartal 2020 (–6,8 Mrd EUR) setzte sich aus einem kursbedingten Rückgang um 11,7% (bzw. 2,3 Mrd EUR) bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten, 8,6% (bzw. 3,2 Mrd EUR) bei Investmentfondsanteilen und 2,4% (bzw. 1,3 Mrd EUR) bei festverzinslichen Wertpapieren zusammen. Da sich die Finanzmärkte im zweiten Quartal aber bereits wieder erholen konnten, dürften auch die Kursverluste von den österreichischen Versicherungsunternehmen zumindest mittelfristig wieder kompensiert werden können.

Bilanzsumme der Versicherungen fällt aufgrund des Finanzmarkt­einbruchs massiv

Die Bilanzsumme der österreichischen Versicherungsunternehmen sank zum Ende des ersten Quartals 2020 mit 132,1 Mrd EUR auf das tiefste Niveau seit Erhebungsbeginn der EZB-Versicherungsstatistik im Jahr 2016. Der Rückgang um rund 6 Mrd EUR im Jahresvergleich ließ sich nur zu –2,2 Mrd EUR auf Nettotransaktionen zurückführen, der überwiegende Teil resultierte jedoch aus Kursverlusten auf den Finanzmärkten (–4,4 Mrd EUR), denen nur leichte Wertzuwächse in Höhe von 0,7 Mrd EUR bei den restlichen Bilanzpositionen gegenüberstanden. Diese starke Abwertung der Wertpapierbestände der Versicherungen im Jahresvergleich (–4,4 Mrd EUR) war hauptsächlich durch die Kursverluste im ersten Quartal 2020 (–6,8 Mrd EUR) getrieben, welche sich aus einem kursbedingten Rückgang um 11,7% (bzw. 2,3 Mrd EUR) bei Aktien und sonstigen Anteilsrechten, 8,6% (bzw. 3,2 Mrd EUR) bei Investmentfondsanteilen und 2,4% (bzw. 1,3 Mrd EUR) bei festverzinslichen Wertpapieren zusammensetzten. Die teilweise Erholung der Finanzmärkte im zweiten Quartal 2020 lässt aber auch für die Wertpapierbestände der Versicherungen zumindest mittelfristig auf Entspannung hoffen.

Das gestapelte Säulendiagramm in Grafik 1 zeigt die Veränderungskomponenten der Bilanzsumme in Mrd EUR vom dritten Quartal 2016 bis zum ersten Quartal 2020. Die Skala auf der y–Achse reicht von minus 8 Mrd EUR bis 6 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Transaktionen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 bis zum vierten Quartal 2019 zwischen minus 2,4 und 1,5 und erreichten im Mittel 0,6 (bei einem Median von 0,9), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug 0,7 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Preisveränderungen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 2,2 und 3,0 und erreichten im Mittel 0,6 (bei einem Median von 0,6), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug minus 6,8 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Reklassifikationen“ waren nur in vereinzelten Perioden ungleich 0 und bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 2,6 und 0,8 bei einem Mittel von 0,2 und Median von 0,0, während der Wert für erste Quartal 2020 0,0 betrug. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Betrachtet man die Transaktionen und nicht-transaktionsbedingten Veränderungen der drei wichtigsten Veranlagungsinstrumente der Versicherungen – festverzinsliche Wertpapiere, Fondsanteile sowie Aktien und sonstige Anteilsrechte – wies das beherrschende Instrument, die festverzinslichen Wertpapiere, gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres mit –3,6% die stärksten transaktionsbedingten Veränderungen auf. Insgesamt nahmen in dieser Veranlagungskategorie – mit Ausnahme eines geringfügigen Anstiegs (Jahreswachstumsrate +0,1% im ersten Quartal 2019) – die transaktionsbasierten Nettoinvestitionen seit Erhebungsbeginn 2016 fortlaufend ab (und zeigen mit oben genannter Ausnahme seit Ende 2018 durchgehend negative Jahreswachstumsraten). Dies ist allerdings auch dem Umstand der wenigen Neuemissionen und der damit einhergehenden geringen Veranlagungsbreite geschuldet.

Das Liniendiagramm in Grafik 2 zeigt die transaktionsbedingten Jahreswachstumsraten der verschiedenen im Text besprochenen Anlagekategorien vom dritten Quartal 2017 (abgekürzt: 2017Q3) bis zum 1. Quartal 2020. Die Skala auf der y–Achse reicht von minus 6 bis 6 Prozent. Für die Kategorie der festverzinslichen Wertpapiere sind folgende Periodenergebnisse in Prozent dargestellt: 2017Q3: 2,1; 2017Q4: 1,7; 2018Q1: 1,5; 2018Q2: 0,4; 2018Q3: –0,4; 2018Q4: –1,4; 2019Q1: 0,1; 2019Q2: –1,5; 2019Q3: –1,9; 2019Q4: –2,3; 2020Q1: –3,6. Für die Kategorie der Aktien und sonstigen Anteilsrechte sind folgende Periodenergebnisse in Prozent dargestellt: 2017Q3: –0,2; 2017Q4: 0,8; 2018Q1: 0,7; 2018Q2: –0,3; 2018Q3: –2,3; 2018Q4: –5,1; 2019Q1: –4,5; 2019Q2: –4,1; 2019Q3: –0,9; 2019Q4: –0,1; 2020Q1: –0,6. Für die Kategorie der Investmentfondsanteile sind folgende Periodenergebnisse in Prozent dargestellt: 2017Q3: –1,4; 2017Q4: –1,2; 2018Q1: 0,9; 2018Q2: 1,5; 2018Q3: 1,8; 2018Q4: 1,2; 2019Q1: 0,6; 2019Q2: 0,8; 2019Q3: 0,3; 2019Q4: 0,9; 2020Q1: 0,1. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Mit einem transaktionsbedingten Rückgang um 2 Mrd EUR gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres fielen die festverzinslichen Wertpapiere per Ende des ersten Quartals 2020 auf einen Bestand von 53,1 Mrd EUR. Die Nettoabflüsse in Höhe von 0,8 Mrd EUR im vierten Quartal 2019 waren in dieser Veranlagungskategorie seit Erhebungsbeginn der EZB-Versicherungsstatistik die bisher höchsten in einem Quartal verzeichneten transaktionsbasierten Abflüsse. Die Kursverluste der Schuldverschreibungen waren in den letzten beiden Quartalen (viertes Quartal 2019 und erstes Quartal 2020) mit jeweils –1,3 Mrd EUR ähnlich hoch.

Das gestapelte Säulendiagramm in Grafik 3 zeigt die Veränderungskomponenten der festverzinslichen Wertpapiere in Mrd EUR für die Quartale vom dritten Quartal 2016 bis zum ersten Quartal 2020. Die Skala auf der y–Achse reicht von minus 3 Mrd EUR bis 2 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Transaktionen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 0,8 und 0,9 und erreichten im Mittel 0,0 (bei einem Median von minus 0,1), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug 0,3 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Nicht–transaktionsbedingte Veränderungen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 1,7 und 1,3 und erreichten im Mittel 0,0 (bei einem Median von minus 0,1), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug minus 1,3 Mrd EUR. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Die zweitbedeutendste Veranlagungskategorie der Versicherungen – die Investmentfondsanteile – zeigten für das erste Quartal 2020 eine positive transaktionsbedingte Jahreswachstumsrate von 0,1%, die vor allem durch die Investitionen im zweiten Quartal des Vorjahres getragen wurden. Im Gegenzug kam es im ersten Quartal 2020 zu Nettoverkäufen in Höhe von 0,2 Mrd EUR. Die Investmentfondsanteile wurden von den Kurseinbrüchen auf den Finanzmärkten im ersten Quartal 2020 mit –3,2 Mrd EUR ebenfalls stark getroffen. Der Bestand an von Versicherungen gehaltenen Investmentzertifikaten belief sich zuletzt auf 33,8 Mrd EUR und lag damit auf dem Niveau von Ende 2018 (33,4 Mrd EUR).

Das gestapelte Säulendiagramm in Grafik 4 zeigt die Veränderungskomponenten der Investmentfondsanteile in Mrd EUR vom dritten Quartal 2016 bis zum ersten Quartal 2020. Die Skala auf der y–Achse reicht von minus 4 Mrd EUR bis 3 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Transaktionen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 0,5 und 0,2 und erreichten im Mittel 0,0 (bei einem Median von 0,1), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug minus 0,2 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Nicht–transaktionsbedingte Veränderungen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 1,1 und 1,9 und erreichten im Mittel 0,2 (bei einem Median von 0,3), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug minus 3,2 Mrd EUR. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Für Aktien und sonstige Anteilsrechte lag die transaktionsbedingte Jahreswachstumsrate bei –0,6%. Dies war hauptsächlich auf Verkäufe im zweiten Quartal 2019 zurückzuführen, wogegen im ersten Quartal 2020 die Nettotransaktionen nahezu bei null lagen. Die Kursverluste der Aktien und sonstigen Anteilsrechte waren im ersten Quartal 2020 mit –2,3 Mrd EUR ausgesprochen hoch und reduzierten diese Veranlagungskategorie auf einen Bestand von 17,1 Mrd EUR. Dies bedeutete den niedrigsten Wert seit Erhebungsbeginn 2016.

Innerhalb dieser Kategorie bedeutete dies für die Veranlagungen der österreichischen Versicherungen einen Kursverlust von 30 % (bzw. 0,4 Mrd EUR) bei börsennotierten Aktien sowie 14 % (bzw. 1,9 Mrd EUR) bei nicht-börsennotierten Aktien, während die gehaltenen sonstigen Anteilsrechte vergleichsweise stabil blieben.

Das gestapelte Säulendiagramm in Grafik 5 zeigt die Veränderungskomponenten der Aktien und sonstigen Anteilsrechte in Mrd EUR vom dritten Quartal 2016 bis zum ersten Quartal 2020. Die Skala auf der y–Achse reicht von minus 3 Mrd EUR bis 2 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Transaktionen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 0,6 und 0,3 und erreichten im Mittel 0,0 (bei einem Median von 0,0), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug 0,0 Mrd EUR. Die Werte der Komponente „Nicht–transaktionsbedingte Veränderungen“ bewegten sich zwischen dem dritten Quartal 2016 und dem vierten Quartal 2019 zwischen minus 2,8 und 1,1 und erreichten im Mittel minus 0,1 (bei einem Median von 0,1), der Wert für das erste Quartal 2020 betrug minus 2,3 Mrd EUR. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

8 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, nina.eder@oenb.at, thomas.poechel@oenb.at.

Erste Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Außenwirtschaft im ersten Quartal 2020 sichtbar

Erza Aruqaj, Patricia Walter 9

Auch bzw. gerade in Sondersituationen wie derjenigen der aktuellen COVID-19-Krise stellen offizielle Statistiken wichtige Grundlagen dar, um wirtschaftliche Effekte erkennen und wirtschaftspolitische Schritte einleiten zu können. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Krise spiegeln sich in der Zahlungsbilanz für das erste Quartal 2020 bereits in Ansätzen wider, wenngleich die Lockdown-Maßnahmen erst in der zweiten Märzhälfte begonnen haben.

Der Leistungsbilanzsaldo wuchs im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahres­quartal moderat um 3% auf rund 5 Mrd EUR an, jedoch war ein Rückgang grenzüber­schreitender Transaktionen (etwa –10% sowohl bei Zu- als auch bei Abflüssen) zu beobachten.

Der Nettowert der Kapitalbilanz von 4,9 Mrd EUR war deutlich höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, die ersten Auswirkungen der COVID-19-Krise spiegeln sich in den einzelnen Segmenten in den Bruttowerten wider.

COVID-19-Krise und die Auswirkungen auf die Datenproduktion

Auch bzw. gerade in außergewöhnlichen Situationen wie der aktuellen COVID-19-Krise werden offizielle Statistiken benötigt, um resultierende Effekte profund einschätzen und wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern adäquate Grund­lagen für zu treffende Maßnahmen zur Verfügung stellen zu können. Die OeNB und ihr Kooperationspartner Statistik Austria haben besondere Initiativen gesetzt, um die Anforderungen der Statistik auch in dieser außerordentlichen Zeit zu ­erfüllen. So wurde der Kontakt mit den Unternehmen, die an Firmenbefragungen teilnehmen, intensiviert. Gleichzeitig wurden die statistischen Schätzverfahren ­angepasst, um exogene Variable zu berücksichtigen. Darüber hinaus wurden alternative Datenquellen getestet sowie der Informationsaustausch mit den Noten­banken und Statistikämtern des Euroraums bzw. der anderen EU-Mitgliedstaaten verstärkt. Im Ergebnis konnten sowohl die zeitgerechte Erstellung von Statistiken zu den vorgesehenen Lieferterminen an internationale Organisationen als auch eine seriöse statistische Qualität der Zahlungsbilanz aufrechterhalten werden. Es ist jedoch zu erwarten, dass durch nachträglich einlangende Informationen vermehrt Revisionen nötig sein werden.

Österreichs Leistungsbilanzsaldo trotz erster COVID-19-Effekte positiv

Im ersten Quartal 2020, in dem die COVID-19-Krise Europa und somit auch ­Österreich erfasst hat, wurde nach erster Einschätzung der OeNB ein Überschuss in der Außenwirtschaft, der Leistungsbilanz im Ausmaß von rund 5 Mrd EUR oder 5,3% des BIP erzielt – dies entspricht in etwa dem Niveau des Jahres 2019. Trotz der allgemeinen Einbrüche im grenzüberschreitenden Austausch von Gütern und Dienstleistungen sind die Exporte etwas weniger stark zurückgegangen (–5,3%) als die Importe (–5,8%). Bereits im Jahr 2019 hatte sich das weltweite wirtschaftliche Umfeld eingetrübt. Der höchste Beitrag zur Leistungsbilanz in ­Österreich kam einmal mehr aus dem internationalen Reiseverkehr. Im ersten Quartal 2020 fielen zwar die Einkünfte aus dem Auslandstourismus in Österreich unter dem Eindruck des beginnenden Lockdowns (–9,7%), doch die Ausgaben der Österreicherinnen und Österreicher im Ausland gingen noch stärker zurück (–10,6%). Per saldo war der Reiseverkehr weiterhin mit Abstand die wichtigste Beitragskomponente (5,2 Mrd EUR oder 5,4% des BIP) für das positive Leistungsbilanzergebnis. Aufgrund der COVID-19-Maßnahmen sind die Nächtigungen ­ausländischer Gäste im März um rund 60% zurückgegangen, im April und Mai – als Vorausblick auf das zweite Quartal 2020 – gab es kaum mehr Nächtigungen. Weiters war zu beobachten, dass der Austausch von unternehmensnahen Dienstleistungen – mit Ausnahme des Transports – weitaus weniger von der COVID-19-Krise betroffen war als der Handel mit Gütern. Ähnliches war schon im Jahr 2009 im Zuge des globalen Handelskollapses zu beobachten. Zurückzuführen ist diese Entwicklung u. a. auf die Krisenresistenz technologie- und digitalisierungs­bezogener Dienstleistungen, aber im Jahr 2020 auch auf das Bauwesen (das bis zum Lockdown eine gute Konjunktur hatte) sowie auf Finanzdienstleistungen.

Spiegelbildliche Entwicklung in der Kapitalbilanz

Die Kapitalbilanz zeigt auf der finanzwirtschaftlichen Seite ein – im Vergleich zur Leistungsbilanz auf der realwirtschaftlichen Seite – sehr ähnliches Bild. Dies drückt sich auch in der geringen statistischen Differenz in der Höhe von –0,1 Mrd EUR aus. Der Nettowert der Kapitalbilanz lag bei +4,9 Mrd EUR und war damit mehr als doppelt so hoch wie zum Vergleichszeitpunkt im Vorjahr (+1,8 Mrd EUR), die Bruttowerte gingen jedoch deutlich zurück. Positive Treiber der Kapital­bilanz waren die Sonstigen Investitionen (im Wesentlichen grenzüberschreitende Kredite und Einlagen , +10 Mrd EUR), die Direktinvestitionen (+3 Mrd EUR) und die Währungsreserven (+0,9 Mrd EUR), einen negativen Beitrag brachten die Portfolioinvestitionen (–8,6 Mrd EUR) und die Finanzderivate (–0,4 Mrd EUR).

Die Nettowerte der Direktinvestitionen stiegen im Jahresvergleich von –0,9 Mrd EUR auf +3 Mrd EUR deutlich an, doch die Bruttowerte der Passiva gingen sichtbar zurück. Das reduzierte Meldeaufkommen vom März 2020 deutet auf reduzierte Transaktionen hin; welchen Einfluss jedoch allfällige Meldeausfälle haben, bzw. ob es sich im Schwerpunkt um tatsächliche Rückgänge handelte, ist derzeit noch nicht abgrenzbar. Transaktionen im Bereich der Direktinvestitionen sind allerdings ­üblicherweise Geschäftsvorgänge mit einer monatelangen Vorlaufzeit, daher wäre ein zu abrupter Einbruch im März überraschend. Gleichzeitig wird für das Gesamtjahr 2020 mit einem starken Einbruch beider Direktinvestitionen gerechnet. 10

Der Saldo der Portfolioinvestitionen weist mit rund –8,6 Mrd EUR einen stark negativen Beitrag zur Kapitalbilanz auf. Die Transaktionen von Forderungen waren mit –0,3 Mrd EUR leicht negativ, während die Verbindlichkeiten in Höhe von 8,3 Mrd EUR aufgebaut wurden. Von den 8,3 Mrd EUR sind 5,7 Mrd EUR auf langfristig verzinsliche Wertpapiere, die vom Sektor Staat vor allem im Rahmen der COVID-19-Krise emittiert wurden, zurückzuführen. Bei börsennotierten Aktien gab es zwar generell relativ geringe Transaktionen, aber dennoch starke Effekte auf die Veränderung der Forderungs- und Verpflichtungsbestände in der Internationalen Vermögensposition. Diese Standveränderungen sind hauptsächlich auf die negativen Preiseffekte, die mit dem krisenbedingten Absturz der Börsenkurse zusammenhängen, zurückzuführen. Da diese Preiseffekte sowohl forderungs- als auch verpflichtungsseitig wirken, haben sie im Saldo aber einen geringeren Effekt.

Der Saldo der Sonstigen Investitionen ist im Jahresvergleich deutlich gewachsen und lag bei 10 Mrd EUR für das erste Quartal 2020 (erstes Quartal 2019: 3,9 Mrd EUR) – dies ist insbesondere auf einen hohen Abbau der Verbindlichkeiten im ­Vergleich zum Vorjahr (um 12,8 Mrd EUR) zurückzuführen. Die Forderungen der Sonstigen Investitionen lagen bei +8,7 Mrd EUR für das erste Quartal 2020 (erstes Quartal 2019: +15,4 Mrd EUR). Der deutliche Rückgang des Saldos gegenüber dem Vorjahr wurde zum einen durch den geringeren Forderungsaufbau – vor ­allem im finanziellen Sektor – verursacht. Die Verbindlichkeiten im Bereich der Sonstigen Investitionen lagen bei –1,3 Mrd EUR für das erste Quartal 2020 (erstes Quartal 2019: +11,4 Mrd EUR), wobei auch hier der finanzielle Sektor diese ­Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr beeinflusste.

Die Finanzderivate weisen im ersten Quartal 2020 Transaktionen in Höhe von –0,4 Mrd EUR aus. Die Währungsreserven zeigen einen Aufbau von 0,9 Mrd EUR.

Tabelle 1: Zahlungsbilanz im ersten Quartal 2020
Q1 19 Q1 20
Credit Debet Netto Credit Debet Netto
in Mrd Euro
Leistungsbilanz 64,9 59,9 4,9 58,7 53,6 5,1
Güter 38,9 38,3 0,6 36,6 35,5 1,1
Dienstleistungen 18,3 12,5 5,8 17,5 12,3 5,2
Transport 3,7 3,8 –0,1 3,5 3,8 –0,2
Reiseverkehr 7,4 1,7 5,7 6,6 1,5 5,2
Restliche Dienstleistungen 7,2 7,0 0,2 7,3 7,0 0,3
Primäreinkommen 6,4 6,5 –0,1 3,2 3,4 –0,3
Sekundäreinkommen 1,3 2,6 –1,3 1,4 2,3 –1,0
Vermögensübertragungen 0,2 0,2 –0,1 0,1 0,3 –0,1
Kapitalbilanz1 1,8 4,9
Direktinvestitionen i.w.S.2 –0,9 3,0
Forderungen 1,1 1,1
Verbindlichkeiten 2,0 –1,9
Portfolioinvestitionen –1,2 –8,6
Forderungen 2,5 –0,3
Verbindlichkeiten 3,7 8,3
Sonstige Investitionen 3,9 10,0
Forderungen 15,4 8,7
Verbindlichkeiten 11,4 –1,3
Finanzderivate –0,0 –0,4
Währungsreserven –0,0 0,9
Statistische Differenz –3,1 –0,1
Quelle: OeNB, Statistik Austria.
Anmerkung: Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben.
1 Es gilt nunmehr: Kapitalbilanz minus (Leistungsbilanz + Vermögensübertragungen) ergibt die Statistische Differenz.
2 Diese Tabelle enthält die „Direktinvestitionen im weiteren Sinn“, d. h. auch Direktinvestitionen von „Special Purpose Entities“ und den grenz­überschreitenden Liegenschaftserwerb.

9 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, erza.aruqaj@oenb.at, patricia.walter@oenb.at. Die Autorinnen bedanken sich für die Unterstützung von Thomas Cernohous, Predrag Cetkovic und Lisa Reitbrecht.

10 UNCTAD. 2019. World Investment Report 2020. United Nations. https://unctad.org/en/pages/PublicationWebflyer.aspx?publicationid=2769.

Analysen

Executive Summaries

Lending to nonfinancial corporations in the euro area jumps amid COVID-19 crisis

Our analysis highlights the early effects of the COVID-19 crisis on the growth of loans and new loans to nonfinancial corporations and households in the euro area. Since the outbreak of the crisis, growth rates have spiked in particular for loans to nonfinancial corporations. For the first time in three years, the annual growth rate of loans to businesses was higher in the euro area (7.4%) than in Austria (6.7%), where the expansion has been less strong. At the same time, the annual growth of loans to households slowed down somewhat both in Austria (3.6%) and the euro area (3.0%), with consumer loan growth decelerating more rapidly by comparison.

Austrian results from the euro area bank lending survey published in July 2020 – Bank lending supports businesses during COVID-19 pandemic

The results of the most recent bank lending survey show that the economic repercussions of the ­COVID-19 pandemic caused a great need for bridge loans and refinancing in the first half of 2020; as a consequence, banks have seen a strong increase in overall loan demand from businesses. At the same time, demand for investment finance plunged in the second quarter of 2020. Overall loan demand is expected to increase further, albeit only slowly, in the third quarter of 2020.

Banks have been able to meet this high demand and supply economic agents with liquidity they need. This has been achieved in particular thanks to government-guaranteed credit, which represents a key component of the Austrian federal government’s coronavirus support package. Government guarantees have allowed banks to be less restrictive in lending than economic considerations and regulatory provisions would otherwise require them to be.

When asked whether they had encountered problems in handing out and processing government-­guaranteed loans, banks mentioned the division of organizational responsibilities among several bodies and programs. Other problems cited include unclear regulations, many of which have been repeatedly amended at short notice, complex and time-consuming application procedures as well as lengthy processing by funding bodies. However, banks say the whole process has improved with time.

The new risk situation caused banks to tighten the terms and conditions for corporate loans in the first half of 2020. Margins widened, especially those on riskier loans, but banks also tightened other terms and conditions, such as collateral requirements.

In the retail business, the economic effects of the COVID-19 pandemic have been less marked than in the corporate segment. Demand for housing loans stagnated in the second quarter of 2020, after having increased since the beginning of 2019, and demand for consumer loans and other loans fell considerably, according to the survey results. These changes in demand were mainly attributable to lower consumer confidence and lower spending on consumer durables. On the supply side, the survey showed that margins on loans to households widened, and banks tightened the standards for such loans in the second quarter of 2020 on the grounds that risk assessments had changed.

The heightened risk in lending is also reflected in banks’ responses to questions regarding the impact of nonperforming loans (NPLs) on their lending policies. For years, NPLs had not had a notable impact on banks’ lending behavior, but this changed in the first half of 2020, when NPLs contributed somewhat to a tightening of standards and terms and conditions for loans to businesses and for consumer loans and other loans to households. This trend, which has not been seen in housing loans, is expected to continue and intensify somewhat in the second half of 2020.

How are factoring and financial leasing captured in statistics and what role do they play in corporate finance?

Factoring and financial leasing companies are nonbank financial intermediaries (sometimes also referred to as shadow banks) that provide important funding alternatives to traditional bank loans in Austria. Over the past few years, international institutions in particular have shown an increasing interest in the statistical recording of financing activities outside the banking sector (primarily because such activities, unlike banking, are – not fully – covered by regulation). Our analysis focuses on how the activities of factoring and financial leasing companies in Austria are statistically captured and on their role as providers of debt finance to Austrian businesses. We show that factoring and financial leasing account for only 3% of debt financing in Austria and hence still play a very marginal role as a funding source for nonfinancial businesses compared to traditional bank funding. At the same time, the analysis of ownership structures shows that Austrian financial leasing and factoring entities are to a large extent owned (directly or indirectly) by banks.

Übersicht

Sprunghafter Anstieg des Kreditwachstums bei nichtfinanziellen Unternehmen im Euroraum im Zuge der COVID-19-Krise

Die Analyse verdeutlicht die ersten Auswirkungen der COVID-19-Krise auf nichtfinanzielle Unternehmen bzw. private Haushalte im Euroraum hinsichtlich des Kreditwachstums sowie der Neukreditvergaben. Insbesondere hinsichtlich des Kreditwachstums bei nichtfinanziellen Unternehmen kam es seit Ausbruch der Krise im Euroraum zu einem sprunghaften Anstieg der Wachstumsraten. Aus diesem Grund lag die Jahreswachstumsrate bei Unternehmenskrediten im Euroraum (7,4%) erstmals seit drei Jahren wieder über jener Österreichs (6,7%), wo der ansteigende Effekt weniger stark ausgeprägt war. Das Kreditwachstum privater Haushalte war hingegen auf Jahresbasis mit 3,6% (Österreich) bzw. 3,0% (Euroraum) insgesamt leicht rückläufig, wobei in diesem Segment das Wachstum der Konsumkredite vergleichsweise noch stärker zurückging.

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Juli 2020 – Kreditvergabe der Banken unterstützt Unternehmen in der ­COVID-19-Pandemie

Aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie verzeichneten die Banken im ersten Halbjahr 2020 einen hohen Bedarf an Überbrückungskrediten und Refinanzierungen und eine dementsprechend stark steigende Gesamtnachfrage nach Krediten seitens der Unternehmen. Die Nachfrage nach Investitionsfinanzierungen ist hingegen im zweiten Quartal 2020 eingebrochen. Für das dritte Quartal 2020 wird eine weiter – aber nur mehr leicht – steigende Gesamtnachfrage erwartet.

Die Banken konnten dem hohen Kreditbedarf nachkommen und die Wirtschaftsakteure mit benötigter Liquidität versorgen. Eine wesentliche Rolle spielten dabei Kredite mit staatlichen Garantien, die einen wichtigen Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung bilden. Die Garantien haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne staatliche Garantien aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen hätten sein müssen.

Zu Problemen im Zusammenhang mit der Gewährung und Abwicklung von Krediten mit staatlicher Garantie befragt, nannten die Banken die organisatorische Aufteilung der Garantieabwicklung auf mehrere Förderstellen und -programme. Des Weiteren wurden unklare Regelungen, die oft und kurzfristig geändert wurden, komplexe und aufwändige Antragsprozesse sowie lange Bearbeitungszeiten bei den Förderstellen aufgezählt. Mit der Zeit habe sich das Prozedere aber verbessert.

Vor allem die geänderte Risikosituation hat die Banken zu einer Verschärfung der Kreditbedingungen für Unternehmenskredite im ersten Halbjahr 2020 veranlasst. Insbesondere wurden die Margen ­erhöht – vor allem bei risikoreicheren Krediten. Aber auch bei anderen Kreditbedingungen, wie z. B. den ­Erfordernissen für Sicherheiten, wurden die Banken strenger.

Im Privatkundengeschäft manifestierten sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie weniger intensiv als im Unternehmenskundengeschäft. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten stagnierte im zweiten Quartal 2020, nachdem sie seit Beginn 2019 ein Wachstum verzeichnet hatte. Die Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten ist laut den Umfrageergebnissen deutlich zurückgegangen. Ausschlaggebend für diese Nachfrageänderungen waren das gesunkene Konsumentenvertrauen und gesunkene Ausgaben für langlebige Konsumgüter. Angebotsseitig haben die befragten Banken im zweiten Quartal 2020 Kreditrichtlinien und Margen für Kredite an private Haushalte verschärft, was vor allem mit einer veränderten Risikoeinschätzung begründet wurde.

Das gestiegene Risiko im Kreditgeschäft zeigt sich auch in den Antworten der Banken auf Fragen zu den Auswirkungen notleidender Kredite auf ihre Kreditvergabepolitik. Nach Jahren ohne nennenswerte Einflüsse haben notleidende Kredite im ersten Halbjahr 2020 eine gewisse Relevanz für das ­Angebotsverhalten der österreichischen Banken bekommen und leicht zu einer Verschärfung der Kredit­richtlinien und Kreditbedingungen für Unternehmenskredite sowie für Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte beigetragen. Wohnbaukredite an private Haushalte waren davon nicht betroffen. Im Ausblick auf das zweite Halbjahr 2020 wird eine Fortsetzung dieser Entwicklung in etwas stärkerem Ausmaß erwartet.

Factoring und Finanzierungsleasing – Statistische Erfassung und Bedeutung in der Unternehmensfinanzierung

Als Teil der sogenannten „Nichtbankenfinanzintermediation“ (oftmals auch als „Schattenbankensektor“ bezeichnet) stellen Finanzierungsleasing- und Factoringgesellschaften in Österreich wesentliche alternative Formen zur klassischen Kreditfinanzierung des Bankensektors dar. Das Interesse an der statistischen Betrachtung der Finanzierung außerhalb des Bankensektors stieg (insbesondere aufgrund der Tatsache der – im Unterschied zum Bankensektor – teils fehlenden Regulierung) besonders bei internationalen Institutionen in den letzten Jahren deutlich an. Die vorliegende Analyse fokussiert auf die statistische Erfassung dieser beiden Geschäftsformen in Österreich sowie deren Rolle als Fremdkapitalgeber für den inländischen Unternehmenssektor. Für Österreich zeigt sich, dass Factoring und ­Finanzierungsleasing mit lediglich 3% Fremdkapitalanteil im Verhältnis zur klassischen Bankenfinanzierung noch immer eine stark untergeordnete Rolle als Finanzierungsquelle für nichtfinanzielle Unternehmen spielen. Gleichzeitig kann durch die Analyse der Beteiligungsstrukturen gezeigt werden, dass sich die inländischen Finanzierungsleasing- und Factoringeinheiten in hohem Maße (direkt oder indirekt) im Besitz des Bankensektors befinden.

Sprunghafter Anstieg des Kreditwachstums bei nichtfinanziellen Unternehmen im ­Euroraum im Zuge der COVID-19-Krise

Kreditentwicklung bei Banken in Österreich bzw. im Euroraum

Martin Bartmann 11

Die Analyse verdeutlicht die ersten Auswirkungen der COVID-19-Krise auf nichtfinanzielle Unternehmen bzw. private Haushalte im Euroraum hinsichtlich des Kreditwachstums sowie der Neukreditvergaben. Insbesondere hinsichtlich des Kreditwachstums bei nichtfinanziellen Unternehmen kam es seit Ausbruch der Krise im Euroraum zu einem sprunghaften Anstieg der Wachstumsraten. Aus diesem Grund lag die Jahreswachstumsrate bei Unternehmenskrediten im Euroraum (7,4%) erstmals seit drei Jahren wieder über jener Österreichs (6,7%), wo der ansteigende Effekt weniger stark ausgeprägt war. Das Kreditwachstum privater Haushalte war hingegen auf Jahresbasis mit 3,6% (Österreich) bzw. 3,0% (Euroraum) insgesamt leicht rückläufig, wobei in diesem Segment das Wachstum der Konsumkredite vergleichsweise noch stärker zurückging.

1 Sprunghafter Anstieg bei Unternehmenskrediten im Euroraum

Seit Ausbruch der COVID-19-Krise im März 2020 kam es bei der Betrachtung des Kreditwachstums bei nichtfinanziellen Unternehmen im Euroraum zu einem sprunghaften Anstieg. In einem Zeitraum von lediglich drei Monaten stieg das Kreditwachstum von 3,0% (Februar 2020) auf 7,4% (Mai 2020) an – dies entsprach dem höchsten Wert seit 2009. In Österreich kam es seit Februar 2020 ebenfalls zu einem Anstieg der Wachstumsrate bei Unternehmenskrediten (5,4%), welcher jedoch wesentlich geringer als im Euroraum insgesamt ausfiel. Im Mai 2020 lag damit das Jahreswachstum von Unternehmenskrediten in Österreich mit 6,7% erstmals seit drei Jahren wieder unter jenem im Euroraum insgesamt.

Aus den vorliegenden Länderdaten kann man darauf schließen, dass die staatlich gesetzten Maßnahmen auf die COVID-19-Krise einen unterschiedlichen Einfluss auf das Kreditwachstum in den einzelnen Euroraum-Ländern gehabt haben dürften. Den größten Einfluss auf das Kreditwachstum bei Unternehmen dürfte es in Spanien gegeben haben. Innerhalb von kurzer Zeit wurde aus einem schrumpfenden Kredit­volumen (–1,2% im Februar 2020) das höchste Jahreswachstum (8,8% im Mai 2020) seit 2008. Auch in Frankreich war von Februar (5,5%) bis Mai 2020 (12,0%) ein stark steigendes Kreditwachstum zu beobachten. Diese stark steigenden Wachstums­raten könnten in beiden Ländern mit den besonders hohen staatlich gestützten Garantie-Programmen für Unternehmenskredite im Zusammenhang stehen. Zahlen für die Ausnutzung staatlicher Garantieprogramme für diese Länder liegen zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht vor. Sowohl in Spanien als auch in Frankreich konnte man einen deutlichen Anstieg der Neukreditvergaben von Einmalkrediten an nichtfinanzielle Unternehmen beobachten. Während in Spanien in den zwölf Monaten vor Ausbruch der COVID-19-Krise im Durchschnitt 27,2 Mrd EUR an neuen Unternehmenskrediten vergeben worden waren, stieg dieser Wert auf durch­schnittlich 42,1 Mrd EUR für die Monate März bis Mai 2020 an. In Frankreich war die Dynamik bei den Neukreditvergaben an Unternehmen sogar noch höher. Wurden im Jahr vor Ausbruch der Krise in Frankreich monatlich durchschnittlich 27,9 Mrd EUR an neuen Unternehmenskrediten vergeben, lag der entsprechende Wert in den Monaten März bis Mai 2020 im Durchschnitt bei 47,2 Mrd EUR. Bei Betrachtung der anderen Euroraum-Einzelländer waren lediglich in Slowenien ähnlich hohe Steigerungen bei den Neukreditvergaben an Unternehmen im gleichen Zeitraum nach Ausbruch der Krise erkennbar. In Österreich hingegen veränderte sich das neu vergebene Volumen an Einmalkrediten, welches insgesamt an Unternehmen vergeben wurde, seit Ausbruch der Krise nur geringfügig. Im Durchschnitt wurden von März bis Mai 2020 rund 5,7 Mrd EUR an Einmalkrediten pro Monat an Unternehmen neu vergeben – dies lag etwas unter den Durchschnittswerten der Monate zuvor (5,9 Mrd EUR). Das geringere Neukreditvolumen war ausschließlich auf neu vergebene Großkredite über eine Mio EUR zurückzuführen, während Kredite bis zu einer Mio EUR in Österreich vermehrt vergeben wurden. Österreichische Unternehmen nutzten während der ersten Krisenmonate ihre Kreditrahmen verstärkt aus. Der aushaftende Bestand an revolvierenden Krediten und Überziehungskrediten erhöhte sich von März bis Mai 2020 in Summe um 0,6 Mrd EUR, während dieser in den 12 Monaten vor Ausbruch der Krise von den österreichischen Unternehmen um 1,2 Mrd EUR abgebaut worden war. Zusätzlich gewährten Österreichs Banken in den Monaten seit Ausbruch der COVID-19-Krise auch vermehrt neue Kreditrahmen für revolvierende Kredite. Diese beliefen sich seit März 2020 auf durchschnittlich 3,2 Mrd EUR pro Monat, während der monatliche Durchschnittswert in den zwölf Monaten zuvor bei 2,5 Mrd EUR gelegen war.

Das Liniendiagramm in Grafik 1 zeigt das Jahreswachstum der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen in % von Mai 2016 bis Mai 2020. Die Jahreswachstumsrate Österreichs wird mit jenen in Deutschland, Spanien, Frankreich und dem Euroraum insgesamt verglichen. Die Skala auf der y-Achse reicht von –4% bis +14%. Das Jahreswachstum der Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen lag in Österreich im Mai 2016 1,4% und stieg fast kontinuierlich auf 7,3% im Juli 2018 an. Das Jahreswachstum blieb ab diesem Zeitpunkt auf hohem Niveau bestehen und wies schlussendlich 6,7% im Mai 2020 auf. Damit lag das Jahreswachstum Österreichs im Mai 2020 unter den Vergleichswerten Frankreichs (12,0%), Spaniens (8,8%) und des Euroraums in Summe, aber über jenem in Deutschland (6,1%). Das Jahreswachstum stieg jedoch insbesondere in Spanien und Frankreich seit Februar 2020 stark an. Spanien wies zu diesem Zeitpunkt noch eine negative Wachstumsrate von –1,2%, Frankreich eine in Höhe von 5,5% auf. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

2­ Geringer Einfluss von Kreditstundungen auf die Entwicklung in ­Österreich

Neben den staatlichen Garantie-Programmen könnten jedoch auch Kreditmoratorien einen positiven Einfluss auf das Kreditwachstum haben. 12 In Österreich werden seit Mai 2020 Daten zu freiwilligen und auch gesetzlichen Kredit­moratorien von einem Sample an Banken – auf freiwilliger Basis – erhoben. Insgesamt nehmen an dieser Meldung 13 Einzelbanken und 6 Banksektoren teil. Basierend auf dem statistischen Meldewesen repräsentieren diese Melder 86% bzw. 78% des bei österreichischen Banken aushaftenden Kreditvolumens inländischer nichtfinanzieller Unternehmen bzw. privater Haushalte. Die von den Banken gemeldeten Daten werden aggregiert und auf Österreich gesamt hochgerechnet. Der Anteil der im Zuge der COVID-19-Krise gestundeten Kredite ­(sowohl gesetzliche als auch von Banken gewährte freiwillige Kreditstundungen) am gesamten aushaftenden Kreditvolumen privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen (337 Mrd EUR) betrug im Mai 2020 ca. 9%. Dabei wurden rund 206 Tsd Kredite von österreichischen Banken mit einem Kreditvolumen von ca. 29 Mrd EUR gestundet. Das aushaftende Volumen von Unternehmenskrediten, die einem Moratorium unterliegen, lag im Mai 2020 bei ca. 13 Mrd EUR, jenes privater Haushalte bei rund 16 Mrd EUR – wovon 6 Mrd EUR selbstständig ­erwerbstätige Haushalte betreffen. Auf Basis dieser Daten kann geschlossen werden, dass Kreditmoratorien in Österreich bisher lediglich einen geringen Einfluss auf das Kreditwachstum – sowohl bei nichtfinanziellen Unternehmen als auch bei ­privaten Haushalten – haben dürften. Internationale Vergleichswerte zu Kreditmoratorien privater Haushalte sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar.

Das Säulendiagramm in Grafik 2 vergleicht den aushaftenden Gesamtbestand an Krediten von privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen in Summe mit jenem Volumen, welches im Mai 2020 einem Kreditmoratorium unterlag. Das aushaftende Kreditvolumen privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen betrug im Mai 2020 337 Mrd EUR. In Summe unterlagen 29 Mrd EUR dieser Kredite einem Kreditmoratorium, was ca. einem Anteil von 9% entsprach. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

3 Neukreditvergaben bis zu einer Mio EUR in Österreich auf neuem Höchststand

Die Neukreditvergaben von Unternehmenskrediten bis zu einer Mio EUR erreichten in Österreich im Mai 2020 mit 1,0 Mrd EUR den höchsten Wert seit 2009. Speziell in der Kategorie mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren – in diese Kategorie fallen überwiegend Kredite mit staatlichen Überbrückungsgarantien bis 500 Tsd EUR, einer Laufzeit von maximal fünf Jahren und einem Zinssatz von 0,0% – waren die Kreditvergaben mit 584 Mio EUR besonders hoch.

Betrachtet man Kredite bis eine Mio EUR, die mit einer 100%-Garantie oder -Sicherheit ausgestattet sind, sieht man, dass im langjährigen Durchschnitt ihr Anteil an den gesamten Krediten bis eine Mio EUR mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren bei 24% lag. Dieser Anteil stieg bereits im April 2020 auf 33% und lag im Mai mit einem Neukreditvolumen von 348 Mio EUR bei 60%. Dass es sich in dieser Kategorie vor allem um Kredite mit einer 100%-Überbrückungsgarantie bis 500 Tsd EUR und einem Zinssatz von 0,0% handelt, zeigt sich insbesondere an den gemeldeten Zinssätzen. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für Kredite bis eine Mio EUR mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren ging von 2,18% im März 2020 auf 1,77% im April und in weiterer Folge auf 0,92% im Mai 2020 zurück. Betrachtet man in dieser Kategorie ausschließlich jenen kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz für Kredite, welche mit einer 100%-Garantie/-Sicherheit ausgestattet ­waren, so lag dieser sogar nur noch bei 0,54%, was auf den hohen Anteil an Krediten mit staatlichen Überbrückungsgarantien zu Zinssätzen von 0% zurückzuführen ist.

Diese Daten zeigen ebenfalls die Wirksamkeit der österreichischen Maßnahmen auf die Bereitstellung von zusätzlichen Finanzierungen durch den Bankensektor – mit geringen bzw. 0%-Zinssätzen – für österreichische Unternehmen. Das hohe Volumen an neuen Krediten bis eine Mio EUR ist auch ein guter Indikator dafür, dass kleinere Unternehmen von diesen Maßnahmen profitieren.

Grafik 3 zeigt als Linien dargestellt den Verlauf (Mai 2017 bis Mai 2020) der Zinssätze neu vergebener Unternehmenskredite bis eine Mio EUR und einer Ursprungslaufzeit von ein bis fünf Jahren in Summe bzw. für jene Kredite die zu 100% besichert/garantiert sind. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 % bis 3 %. Zusätzlich werden als Säulen die Neukredite der genannten Kategorien in Mio EUR dargestellt. Die Skala auf der y-Sekundärachse reicht von 0 bis 700 Mio EUR. Die Zinssätze neu vergebener Unternehmenskredite bis eine Mio EUR und einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren lagen zwischen Mai 2020 und März 2020 konstant um die 2%. Ab April kam es jedoch zu einem deutlichen Rückgang. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für 100% besicherte/garantierte Kredite bis eine Mio EUR und einer Ursprungslaufzeit von ein bis fünf Jahren lag im Mai 2020 nur noch bei 0,54%. Die Neukreditvolumen wiesen im Durchschnitt in dieser Kategorie monatlich rund 110 Mio EUR auf, wobei ca. 30 Mio EUR zu 100% besichert/garantiert waren. Mit 584 Mio EUR wurde im Mai 2020 ein neuer Höchstwert an Neukreditvergaben bis eine Mio EUR und einer Ursprungslaufzeit von ein bis fünf Jahren erreicht, wobei 348 Mio EUR davon zu 100% besichert waren. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

4 COVID-19-Krise lässt Konsumkredite zurückgehen

Das Kreditwachstum war bei privaten Haushalten in Österreich seit Ausbruch der COVID-19-Krise leicht rückläufig. Die Jahreswachstumsrate ging von 4,3% im Februar 2020 auf 3,6% im Mai zurück. Eine ähnliche Entwicklung war auch im Euroraum insgesamt erkennbar, wo sich das Jahreswachstum von 3,7% (Februar 2020) auf 3,0% (Mai 2020) abschwächte.

Sowohl in Österreich als auch im Euroraum insgesamt waren es insbesondere Konsumkredite, deren Jahreswachstum aufgrund des wirtschaftlichen Lockdowns seit Februar 2020 deutlich zurückging. Im Mai 2020 stagnierte das Jahreswachstum von Konsumkrediten im Euroraum (0,1%), nachdem es im Februar noch bei 6,1% gelegen war. In Spanien war der Rückgang des Jahreswachstums in diesem Segment von 11,8% (Februar) auf 0,7% im Mai 2020 am deutlichsten ausgeprägt und Österreich wies im Mai 2020 mit –4,0% sogar einen Rückgang des aushaftenden Kreditvolumens für Konsumzwecke aus.

Das Liniendiagramm in Grafik 4 zeigt das Jahreswachstum der Konsumkredite privater Haushalte in % von Mai 2016 bis Mai 2020. Die Jahreswachstumsrate Österreichs wird mit jenen in Deutschland, Spanien, Frankreich und dem Euroraum insgesamt verglichen. Die Skala auf der y-Achse reicht von –10% bis +20%. Das Jahreswachstum der Konsumkredite in Österreich erreichte im Mai 2016 –1,7% und stieg im Zeitverlauf auf 2,8% im September 2019 an. In den darauffolgenden Monaten kam es wieder zu einem Abfall der Jahreswachstumsrate bis –4,0% im Mai 2020. Damit lag das Jahreswachstum Österreichs im Mai 2020 – wie auch im gesamten Vergleichszeitraum – unter den Vergleichswerten Frankreichs (0,6%), Spaniens (0,7%), Deutschlands (0,3%) und des Euroraums in Summe (0,1%). Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den neu vergebenen Einmalkrediten für ­Konsumzwecke. Aufgrund des wirtschaftlichen Lockdowns kam es insbesondere im April 2020 zu einem Einbruch bei den Neukreditvergaben in diesem Segment. In Österreich wurden im April lediglich 170 Mio EUR an neuen Konsumkrediten vergeben – dies entsprach rund der Hälfte des im Jahr vor der Corona-Krise ­beobachteten durchschnittlichen Monatswerts. Der Einbruch bei den neuen ­Konsumkrediten war im Euroraum insgesamt in einem ähnlichen Ausmaß wie in Österreich ausgeprägt. Von allen Euroraum-Ländern war abermals Spanien am stärksten vom Einbruch bei neuen Konsumkrediten betroffen. Das im April 2020 neu vergebene Volumen an Konsumkrediten lag in Spanien mit rund 600 Mio EUR um 80% unter den Vergleichswerten vor Ausbruch der COVID-19-Krise.

Das Säulendiagramm in Grafik 5 zeigt die Neukreditvergaben von Einmalkrediten für Konsumzwecke in Österreich und im Euroraum (Sekundärachse) von Mai 2016 bis Mai 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 450 Mio EUR bzw. von 0 bis 45 Mrd EUR für die Sekundärachse. Die Neukreditvergaben für Konsumkredite beliefen sich in Österreich im Zeitverlauf meist zwischen 250 und 400 Mio EUR, wobei der Höchstwert mit 423 Mio EUR im Juli 2019 erreicht wurde. Im Euroraum schwankten die Werte im Zeitverlauf zwischen 15 und 25 Mrd EUR. Sowohl in Österreich als auch im Euroraum insgesamt wurden im April 2020 die in diesem Zeitverlauf geringsten Neukreditvergaben erreicht. Österreich wies im April 2020 einen Wert von 170 Mio EUR, der Euroraum einen von 12 Mrd EUR, auf. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Die Entwicklung des Jahreswachstums bei Wohnbau- bzw. sonstigen Krediten zeigte sich in Österreich bisher von der COVID-19-Krise unbeeindruckt. In beiden Fällen lag das Kreditwachstum in Österreich mit 5,6% (Wohnbaukredite) bzw. 1,3% (sonstige Kredite) im Bereich des Zeitraums vor Ausbruch der COVID-19-Krise. Auch bei den neu vergebenen Einmalkrediten waren sowohl bei Wohnbaukrediten als auch bei sonstigen Krediten 13 in Österreich keine Veränderungen zum Vorkrisen­niveau erkennbar. Dass es bei sonstigen Krediten zu keiner rückläufigen Entwicklung gekommen ist, dürfte auf die staatlichen Garantieprogramme zurückzuführen sein. Ähnlich wie bei Unternehmenskrediten bis eine Mio EUR waren auch bei sonstigen Krediten an private Haushalte mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren die Neukreditvergaben mit 173 Mio EUR im Mai 2020 besonders hoch. Neue Kredite an selbstständig Erwerbstätige hatten mit einem neuen Kreditvolumen von 158 Mio EUR den größten Anteil daran. Die neu vergebenen Kreditvolumina in diesem Segment wurden mit einem kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz von 0,97% vergeben. Dies war insbesondere auf zu 100% besicherte Kredite (Neukreditvergabe von 106 Mio EUR zu 0,63%) zurückzuführen.

Die Entwicklung im Euroraum insgesamt stellte sich hingegen etwas differenzierter dar. Während es im Euroraum bei Wohnbaukrediten lediglich bei den Neukreditvergaben zu etwas geringeren Volumina seit Ausbruch der Krise kam, wies das Jahreswachstum von Wohnbaukrediten im Mai 2020 mit 4,2% einen ähnlich hohen Wert wie im Februar 2020 (4,3%) auf. Bei sonstigen Krediten waren hingegen deutlichere Auswirkungen der COVID-19-Krise auf das Kreditwachstum im Euroraum erkennbar. Speziell bei den Neukreditvergaben kam es im Euroraum in Summe von März bis Mai 2020 zu durchschnittlich 10% höheren neuen Krediten als im Durchschnitt des vorangegangenen Jahres. In Spanien und Italien war diese Entwicklung am stärksten ausgeprägt. Dass in diesen Ländern staatliche Kreditförderprogramme für selbstständig Erwerbstätige – die den größten Anteil bei sonstigen Krediten ausmachen – ausschlaggebend für die höheren Neukreditvergaben sonstiger Kredite sein könnten, zeigte sich auch an den Neugeschäfts-Zinssätzen, die seit Februar 2020 in Spanien um 75 Basispunkte, in Italien sogar um 123 Basispunkte rückläufig waren. Die höheren Neukreditvergaben wirkten sich auch auf das Kreditwachstum sonstiger Kredite aus, welches im Mai 2020 mit –0,1% um 1 Prozentpunkt über dem Februar-Wert lag.

11 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, martin.bartmann@oenb.at.

12 Der aushaftende Nominalwert eines Kredites verringert sich – bei monatlicher Ratenzahlung – jeden Monat. Wird der Kredit gestundet, so bleibt der aushaftende Nominalwert über den gesamten Stundungszeitraum konstant.

13 Bei sonstigen Krediten handelt es sich insbesondere um Kredite an selbstständig Erwerbstätige für Geschäftszwecke.

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Juli 2020

Kreditvergabe der Banken unterstützt Unternehmen in der COVID-19-Pandemie 14

Gerald Hubmann 15

Aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie verzeichneten die Banken im ersten Halbjahr 2020 einen hohen Bedarf an Überbrückungskrediten und Refinanzierungen und eine dementsprechend stark steigende Gesamtnachfrage nach Krediten seitens der Unternehmen. Die Nachfrage nach Investitionsfinanzierungen ist hingegen im zweiten Quartal 2020 eingebrochen. Für das dritte Quartal 2020 wird eine weiter – aber nur mehr leicht – steigende Gesamtnachfrage erwartet.

Die Banken konnten dem hohen Kreditbedarf nachkommen und die Wirtschaftsakteure mit benötigter Liquidität versorgen. Eine wesentliche Rolle spielten dabei Kredite mit staatlichen Garantien, die einen wichtigen Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung bilden. Die Garantien haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne staatliche Garantien aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen hätten sein müssen.

Zu Problemen im Zusammenhang mit der Gewährung und Abwicklung von Krediten mit staatlicher Garantie befragt, nannten die Banken die organisatorische Aufteilung der Garantieabwicklung auf mehrere Förderstellen und -programme. Des Weiteren wurden unklare Regelungen, die oft und kurzfristig geändert wurden, komplexe und aufwändige Antragsprozesse sowie lange Bearbeitungszeiten bei den Förderstellen aufgezählt. Mit der Zeit habe sich das Prozedere aber verbessert.

Vor allem die geänderte Risikosituation hat die Banken zu einer Verschärfung der Kreditbedingungen für Unternehmenskredite im ersten Halbjahr 2020 veranlasst. Insbesondere wurden die Margen erhöht – vor allem bei risikoreicheren Krediten. Aber auch bei anderen Kreditbedingungen, wie z. B. den Erfordernissen für Sicherheiten, wurden die Banken strenger.

Im Privatkundengeschäft manifestierten sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-­Pandemie weniger intensiv als im Unternehmenskundengeschäft. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten stagnierte im zweiten Quartal 2020, nachdem sie seit Beginn 2019 ein Wachstum verzeichnet hatte. Die Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten ist laut den Umfrageergebnissen deutlich zurückgegangen. Ausschlaggebend für diese Nachfrageänderungen waren das gesunkene Konsumentenvertrauen und gesunkene Ausgaben für langlebige Konsum­güter. Angebotsseitig haben die befragten Banken im zweiten Quartal 2020 Kreditrichtlinien und Margen für Kredite an private Haushalte verschärft, was vor allem mit einer veränderten Risikoeinschätzung begründet wurde.

Das gestiegene Risiko im Kreditgeschäft zeigt sich auch in den Antworten der Banken auf Fragen zu den Auswirkungen notleidender Kredite auf ihre Kreditvergabepolitik. Nach Jahren ohne nennenswerte Einflüsse haben notleidende Kredite im ersten Halbjahr 2020 eine gewisse Relevanz für das Angebotsverhalten der österreichischen Banken bekommen und leicht zu einer Verschärfung der Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen für Unternehmenskredite sowie für Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte beigetragen. Wohnbaukredite an private Haushalte waren davon nicht betroffen. Im Ausblick auf das zweite Halbjahr 2020 wird eine Fortsetzung dieser Entwicklung in etwas stärkerem Ausmaß erwartet.

Die Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen und demnach aktuell und wohl auch in nächster Zeit stark von den Folgen der COVID-19-Pandemie beeinflusst, die heuer zu einem massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. Noch im Februar dieses Jahres war die OeNB in ihrer Kurzfristprognose für Österreich von einer leichten Konjunkturbelebung im ersten Halbjahr 2020 ausgegangen. Die von der Regierung mit März beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-­Pandemie führten zum teilweisen Stillstand der wirtschaftlichen Aktivität, sodass Unternehmen von Umsatz- und Einnahmenausfällen und die Erwerbsbevölkerung von Lohnausfällen und Einkommenseinbußen aufgrund von Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit betroffen waren.

Ab Ostern 2020 wurden die Einschränkungen schrittweise zurückgenommen und das wirtschaftliche Aktivitätsniveau hat seither wieder zugenommen, liegt Anfang Juli 2020 jedoch noch deutlich unter dem Vorjahresniveau, wie der ­wöchentliche BIP-Indikator der OeNB 16 signalisiert (BIP-Lücke von rund 7 % in Kalenderwoche 27 nach bis zu rund 27 % in Kalenderwoche 14).

Zur Überbrückung bzw. teilweisen Kompensation der Umsatz- und Einkommens­einbußen hat die Bundesregierung breitgefächerte Hilfsmaßnahmen zur Erhaltung der Produktions- und Wirtschaftsstruktur aufgelegt. Durch liquiditätsstärkende Maßnahmen, Transfers und Subventionen für Kurzarbeit sollte und soll sichergestellt werden, dass Unternehmen und Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Produktion nach Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen rasch wieder hochfahren kann. Direktkredite sowie Haftungs- und Garantieübernahmen zielten auf den Erhalt der Zahlungsfähigkeit der Unternehmen. Überbrückungskredite, Betriebsmittelkredite oder Kreditstundungen durch die Banken ermöglichen es Unternehmen, temporäre Zahlungsschwierigkeiten zu meistern.

Die Ergebnisse der beiden aktuellen Umfragerunden können durchaus als ­inhaltlich außergewöhnlich bezeichnet werden. Bereits eine „technische Analyse“ der Resultate weist darauf hin. So wurde in den Umfragerunden für das erste und zweite Quartal 2020 – gemessen an den individuellen Antworten der Banken – wesentlich öfter von „Veränderungen“ berichtet als dies im Durchschnitt der ­früheren Befragungsrunden der Fall war. 17 In der Umfrage für das erste Quartal 2020 gab es auch die markantesten Österreich-Ergebnisse 18 für den Standardteil der Frage­stellungen (Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft mit Unternehmen und privaten Haushalten) seit Einführung der Umfrage im vierten Quartal 2002. 19

Im Gegensatz zu den vorherigen Umfragerunden gab es in jenen für das erste und zweite Quartal 2020 öfter gegenläufige Einzelantworten, d. h. die einzelnen Banken meldeten bei ein und derselben Fragestellung Veränderungen in unterschiedliche Richtungen. Das könnte einerseits auf unterschiedliche Betroffenheit und Reak­tionen der Institute hinweisen, andererseits aber auch Ausdruck der starken ­Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie sein. Einige Banken erwähnten ausdrücklich, dass manche Entwicklungen derzeit schwer einzuschätzen sind.

Die in diesem Bericht dargestellten Ergebnisse sind aggregierte Einzelantworten, basierend auf dem Nettosaldo aus positiven und negativen Antworten (siehe Kasten 1). Da sich Einzelantworten gegenseitig aufheben können, kann die Aggregierung eine unveränderte oder kaum veränderte Situation zum vorherigen Quartal ­ergeben. In solchen Fällen wird daher im Text eine Formulierung wie z. B. „per saldo unverändert“ verwendet oder – wenn es relevant erscheint – ausdrücklich auf das Vorliegen von gegenläufigen Antworten hingewiesen.

Abschnitt 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, ­Abschnitt 2 jenes mit privaten Haushalten. Abschnitt 3 hat die Refinanzierungs­situation der Banken zum Thema. In Abschnitt 4 geht es um die Auswirkungen notleidender Kredite auf die Kreditvergabepolitik der Banken, Abschnitt 5 widmet sich den Entwicklungen im Kreditgeschäft, gegliedert nach Wirtschaftssektoren, und in Abschnitt 6 wird die Bedeutung der Kredite mit staatlichen Garantien analysiert.

Punktuelle Ergebnisse für die einzelnen Quartale sind den Tabellen 1 bis 3 zu entnehmen, Grafik 1 zeigt längerfristige Trends bei den Quartalsveränderungen, die Grafiken 2 und 3 verdeutlichen den Kreditbestand österreichischer Banken ­gemäß EZB-Monetärstatistik. Grafik 4 stellt sowohl die langfristige Entwicklung der Zinsen für neue Kredite in Österreich als auch des allgemeinen Zinsniveaus dar, die Grafiken 5 bis 7 illustrieren die Beiträge der Faktoren der Margenentwicklung für neue Kredite in Österreich. Die Kästen 1 und 2 am Ende des Artikels enthalten Erläuterungen und eine kurze Übersicht über die aggregierten Euroraum-Ergebnisse der Umfrage.

1 Unternehmenskredite: Nachfrage abermals deutlich gestiegen, ­Kreditbedingungen weiter verschärft

Die Richtlinien für Unternehmenskredite wurden im zweiten Quartal 2020 in allen abgefragten Segmenten per saldo kaum geändert (siehe Tabelle 1). Die an der Umfrage teilnehmenden Banken meldeten zwar mehrheitlich Änderungen – jedoch in unterschiedliche Richtungen. Drei Banken berichteten von Verschärfungen, zwei von Lockerungen und drei von unveränderten Richtlinien.

Bei Betrachtung der Einzelantworten wurde als Begründung für die Verschärfung bzw. Lockerung der Richtlinien am häufigsten eine geänderte Risikoeinschätzung angeführt (Wirtschaftslage und Konjunkturaussichten, branchen- und firmenspezifische Lage bzw. Kreditwürdigkeit der Unternehmen). In der Summe der Antworten war dieser Faktor aber nicht besonders auffällig. Weiters wurden von den Banken, die Verschärfungen der Richtlinien gemeldet haben, Refinanzierungskosten und bilanzielle Restriktionen sowie die Risikotoleranz als Gründe für die Verschärfungen genannt. Die Wettbewerbssituation spielte in Bezug auf die Richtlinien im zweiten Quartal 2020 keine Rolle.

Seit Mitte 2015 kam es zu keinen gravierenden Änderungen bei den Richtlinien für Unternehmenskredite – nur vereinzelt wurden diese verändert bzw. leicht verschärft (siehe Tabelle 1 und Grafik 1).

Tabelle 1: Kredite oder Kreditrahmen für Unternehmen
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 bzw. 8 Banken
Kreditrichtlinien 2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3
Unternehmen gesamt –1 0 –1 –1 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –1
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 0 –1 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 –2
Kredite an große Unternehmen –1 1 –1 –1 0 1 –1 1 0 1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 0
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) –1 0 –1 0 0 1 –1 1 0 0 0 0 0 1 0 –1 0 –1 –1
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) –1 –1 –1 –2 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –1
Kreditbedingungen insgesamt
Unternehmen gesamt –1 0 2 0 1 0 1 0 1 1 0 0 –1 1 1 2 –2 –3 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –1 –1 1 0 1 0 1 0 1 –1 0 0 –1 0 1 1 –2 –2 ..
Kredite an große Unternehmen –1 0 1 0 1 1 1 0 2 1 1 0 0 2 1 2 –1 –3 ..
Margen für durchschnittliche Kredite
Unternehmen gesamt –1 2 3 1 4 3 3 0 3 3 1 0 1 2 4 3 –3 –3 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 1 2 2 3 3 1 0 1 2 0 0 1 2 4 2 –1 –2 ..
Kredite an große Unternehmen –2 2 2 1 4 3 4 1 3 4 2 1 0 2 5 3 –3 –5 ..
Margen für risikoreichere Kredite
Unternehmen gesamt –2 0 1 0 0 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –4 –6 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –2 –1 0 0 0 0 0 –1 –1 –1 –1 0 –1 0 0 0 –2 –4 ..
Kredite an große Unternehmen –2 0 2 0 1 1 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 2 –4 –6 ..
Genehmigte Kreditanträge
Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen –1 0 1 0 –1 1 –2 0 0 0 –2 –1 –1 –1 –2 –1 0 0 ..
Kreditnachfrage
Unternehmen gesamt –1 1 1 2 4 3 2 4 4 5 2 3 –2 0 –1 1 5 6 2
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –1 1 1 3 3 1 2 3 3 3 1 3 –2 –1 –1 1 3 4 2
Kredite an große Unternehmen –1 1 –1 3 4 2 2 3 2 5 3 3 –1 1 0 1 5 7 1
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) 0 0 1 1 1 2 0 3 2 3 0 2 0 2 1 1 6 5 2
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) –1 1 –1 3 5 4 6 6 5 6 4 3 –1 –1 –1 2 1 6 –2
Einfluss der allgemeinen Wettbewerbssituation auf:
Kreditbedingungen insgesamt –1 3 2 1 2 1 2 1 2 3 1 1 1 2 4 3 1 0 ..
Margen für durchschnittliche Kredite –1 2 2 0 2 2 2 2 2 3 3 2 2 2 4 3 1 0 ..
Margen für risikoreichere Kredite –1 0 1 0 1 0 0 –1 0 2 0 0 1 1 2 2 1 0 ..
Einfluss von Refinanzierungskosten und
bilanziellen Restriktionen auf:
Kreditbedingungen insgesamt –3 –1 –1 –1 1 0 2 0 1 1 –1 0 –1 0 0 1 –2 –4 ..
Margen für durchschnittliche Kredite –3 –1 –1 0 1 0 2 1 1 1 –1 0 –1 0 0 1 –2 –4 ..
Margen für risikoreichere Kredite –4 –1 –1 –1 1 0 1 0 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –2 –4 ..
Einfluss der Risikoeinschätzung auf:
Kreditbedingungen insgesamt 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 –1 –3 –5 ..
Margen für durchschnittliche Kredite 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 1 0 –1 0 0 –1 –3 –4 ..
Margen für risikoreichere Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –4 –5 ..
Einfluss der Risikotoleranz der Banken auf:
Kreditbedingungen insgesamt 0 0 0 –1 0 1 –1 0 0 –1 –1 0 –1 0 0 0 –1 –3 ..
Margen für durchschnittliche Kredite 0 0 0 –1 0 0 –1 1 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 –2 ..
Margen für risikoreichere Kredite 0 0 0 –1 0 0 –1 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 –1 –3 ..
Kreditnachfrage, ausgewählte Einflussfaktoren
Anlageinvestitionen –1 0 –2 2 3 4 3 4 5 5 4 3 –2 0 –1 1 –1 –6 ..
Lagerhaltung und Betriebsmittel –1 1 0 1 1 3 1 3 3 3 1 3 1 1 1 2 4 5 ..
Fusionen/Übernahmen und Unternehmens­umstrukturierungen 0 1 1 1 1 0 1 2 4 3 3 2 1 1 1 0 –1 –4 ..
Allgemeines Zinsniveau 0 0 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 ..
Refinanzierung, Umschuldung und Neuverhandlung 0 3 1 1 2 1 3 3 4 4 3 3 1 1 1 2 4 3 ..
Innenfinanzierung –3 –3 –2 –3 –1 –3 –1 0 0 1 2 1 0 0 0 0 1 2 ..
Kredite von anderen Banken 0 0 0 0 1 0 1 1 2 2 1 1 1 0 0 0 2 –1 ..
Begebung/Tilgung von Schuldverschreibungen –1 –1 –1 0 0 –1 3 2 3 3 3 2 1 2 0 1 2 0 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Auch für das dritte Quartal 2020 werden per saldo kaum veränderte Richtlinien erwartet (vereinzelt gegenläufige Antworten der Banken, die allerdings auf geringere Verhaltensunterschiede als im zweiten Quartal hindeuten).

Die Ergebnisse bzgl. der Kreditbedingungen (für neue Kredite) fallen eindeutiger aus als jene für die Kreditrichtlinien. Als Kreditbedingungen werden in der Umfrage Margen, Kreditnebenkosten, die Höhe des Kredits oder des Kreditrahmens, Erfordernisse für Sicherheiten, Zusatz- oder Nebenvereinbarungen (Covenants) und die Fristigkeit standardisiert erhoben.

Die Margen wurden von den Banken im zweiten Quartal 2020 angehoben ­(Angaben von bis zu sechs Banken in diese Richtung, siehe Tabelle 1) – bei risikoreicheren Krediten stärker als bei durchschnittlichen Krediten und bei Krediten an große Unternehmen stärker als bei KMU-Krediten. Bereits für das erste Quartal  2020 berichteten die Banken von Margenerhöhungen. Zuvor war es ab Mitte 2016 fast durch­gehend zu Lockerungen bei den Margen (sinkende Margen) für durchschnittliche Kredite aufgrund der Wettbewerbssituation gekommen. Jene für risikoreichere Kredite blieben in diesem Zeitraum weitgehend unverändert, was eine zunehmende Differenzierung der Kreditkunden aufgrund ihrer Bonität bedeutete.

Die Wettbewerbssituation hatte allerdings in den letzten beiden Quartalen kaum Einfluss auf die Margenentwicklung. Die angehobenen Margen waren im ersten und – noch deutlicher – im zweiten Quartal 2020 die Folge einer verschärften Risiko­einschätzung, von Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen ­sowie – in etwas schwächerem Ausmaß – einer geringeren Risikotoleranz der ­Banken (siehe Tabelle 1 und Grafik 5).

Auch bei den anderen Kreditbedingungen (Aufzählung siehe oben) kam es im zweiten Quartal 2020 zu Verschärfungen – am deutlichsten bei den Erfordernissen für Sicherheiten, aber auch bei Covenants und der Fristigkeit. Bei den Kreditnebenkosten und der Kredithöhe (bzw. der Höhe des Kreditrahmens) gab es vereinzelt Verschärfungen. Von den Verschärfungen bei diesen anderen Kreditbedingungen waren große Unternehmen etwas stärker betroffen als kleine und mittlere Unternehmen – ähnlich wie bei den Margen.

Bereits für das erste Quartal 2020 berichteten einige Banken von Änderungen bei den oben genannten anderen Bedingungen – jedoch in unterschiedliche Richtungen, womit sich per saldo wenig Bewegung ergab. In den Jahren davor hatte es diesbezüglich nur vereinzelt Angaben von Veränderungen gegeben.

Betreffend die Entwicklung der Kreditnachfrage gibt es eine weitgehend einheit­liche Einschätzung der befragten Banken. Die Nachfrage ist im zweiten Quartal 2020 insgesamt stark gestiegen. Fast alle Banken verzeichneten diesbezüglich Anstiege, einige Banken sogar in einem deutlichen Ausmaß. Bereits im ersten Quartal 2020 hatte es eine stark erhöhte Nachfrage und die Erwartung einer Intensivierung dieser Entwicklung infolge der notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ab Mitte März 2020 gegeben.

Eine Ausnahme stellte im ersten Quartal 2020 die Nachfrage nach langfristigen Krediten dar. Diese war kaum höher als im vierten Quartal 2019. Im zweiten Quartal 2020 ist sie jedoch stark gestiegen.

Für das dritte Quartal 2020 wird eine weiter – aber nur mehr leicht – steigende Nachfrage erwartet, wobei die langfristigen Kredite wiederum eine Ausnahme bilden. Hier soll die Nachfrage etwas zurückgehen.

Die Nachfrageentwicklung war im zweiten Quartal 2020 von in unterschiedliche Richtungen wirkenden Faktoren beeinflusst. Die verminderte Investitionstätigkeit der Unternehmen hat die Nachfrage nach Krediten für Anlageinvestitionen einbrechen lassen, ebenso waren Finanzierungen für Fusionen/Übernahmen und Unternehmensumstrukturierungen weniger gefragt als im Vorquartal.

Die stark gestiegene Gesamtnachfrage im zweiten Quartal 2020 – wie auch jene im ersten Quartal 2020 – wurde mit dem Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel sowie dem Bedarf für Refinanzierungen, Umschuldungen und Neuverhandlungen von Krediten erklärt und war somit auf die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie zurückzuführen und damit hauptsächlich der ­Bestandssicherung geschuldet.

Von Ende 2016 bis Ende 2018 hatte es hingegen einen konjunkturell bedingten ausgeprägten Kreditboom zur Finanzierung von Investitionen gegeben, der 2019 angesichts der Verlangsamung der Wirtschaftsdynamik abflaute (siehe Tabelle 1 und Grafik 1 20 ). 21

Der Anteil der vollständig abgelehnten Kreditanträge blieb in den ersten beiden Quartalen 2020 konstant, nachdem er über die letzten drei Jahre hinweg leicht gestiegen war (siehe Tabelle 1 unter „Genehmigte Kreditanträge“ mit invertierten Werten 22 ).

In der Gesamtschau ergibt sich also eine stark gestiegene Kreditnachfrage, der die Banken auch nachgekommen sind. Angebotsseitig wurden die Kreditrichtlinien per saldo kaum erhöht. Eine wesentliche Rolle spielten in diesem Zusammenhang Kredite mit staatlichen Garantien, wofür auf Abschnitt 6 verwiesen wird. Allerdings bewerteten die Banken die Risikosituation deutlich negativer und verschärften daher die Kreditbedingungen. Auch Refinanzierungskosten und bilanzielle Restriktionen trugen hierzu bei. Das bedeutet, dass sich Kredite – mit Ausnahme jener, die mit einer staatlichen Garantie ausgestattet sind – c. p. verteuert haben könnten bzw. weiter verteuern könnten. Den ungünstigeren Refinanzierungsbedingungen der Banken am Geld- und Kapitalmarkt (siehe Abschnitt 3) stehen aber die umfangreichen neuen Maßnahmen des Eurosystems gegenüber, durch die die Banken sehr günstig an Liquidität kommen können. Letzteres sollte einer Verteuerung der ­Kredite an Unternehmen und Haushalte entgegengewirkt haben. Die Daten aus der Monetärstatistik zu Kreditzinsen liegen zum Zeitpunkt der Berichtslegung erst für den Mai 2020 vor.

Das allgemeine Zinsniveau ist als Folge der Geldpolitik des Eurosystems ­(Senkungen der Leitzinsen ab Oktober 2008 und unkonventionelle Maßnahmen) historisch niedrig. Die Zinsen für Neukredite österreichischer Banken an nicht­finanzielle Unternehmen sind von über 5 % im Jahr 2008 bis auf rund 1,3 % ­Anfang 2020 gefallen (siehe Grafik 4).

2 Kredite an private Haushalte: Angebotspolitik der Banken ­­restriktiver, Kreditnachfrage verhaltener

Im Kreditgeschäft mit privaten Haushalten sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie weniger stark zu bemerken als im Kredit­geschäft mit Unternehmen. Aber auch hier zeigen sich restriktive Entwicklungen als Folge der geänderten Risikoeinschätzung der Banken.

Die Richtlinien sowohl für Wohnbaukredite als auch für Konsumkredite und sonstige Kredite wurden im zweiten Quartal 2020 etwas verschärft, nachdem sie im ersten Quartal 2020 unverändert geblieben waren. Im längeren Rückblick ist in den Umfrageergebnissen eine gewisse Tendenz zur Verschärfung der Richtlinien im Privatkundengeschäft seit 2018 zu erkennen. Im Ausblick auf das dritte Quartal 2020 werden vereinzelt weitere leichte Verschärfungen der Richtlinien erwartet (siehe Tabelle 2 und Grafik 1). Die leichten Verschärfungen wurden – so auch im letzten Quartal – stets mit der Risikosituation begründet (Risikoeinschätzung durch die Banken, Risikotoleranz der Banken).

Bei den Bedingungen für Wohnbaukredite an private Haushalte kam es im zweiten Quartal 2020 zu Erhöhungen der Margen für durchschnittliche Kredite und risikoreichere Kredite. Letztere waren auch schon im ersten Quartal 2020 leicht angehoben worden. Als Gründe für die Verschärfungen in den ersten beiden Quartalen 2020 wurden Refinanzierungskosten und bilanzielle Restriktionen sowie die Risikosituation genannt. In der jüngeren Vergangenheit war es – vor allem ­aufgrund der Wettbewerbssituation – wiederholt zu leichten Lockerungen der Margen (niedrigere Margen) für durchschnittliche Wohnbaukredite gekommen, die 2019 etwas ausgeprägter ausfielen (siehe Tabelle 2 und Grafik 6). Bei den risiko­reicheren Krediten gab es zwischen 2016 und 2019 hingegen vereinzelt Verschärfungen der Margen (höhere Margen). Wie bei den Unternehmenskrediten kam es somit zu einer zunehmenden Differenzierung der Kreditkunden gemäß ihrer Kredit­würdigkeit, die bei den Wohnbaukrediten aber etwas geringer ausfiel als bei den Unternehmenskrediten.

Bei Konsum- und sonstigen Krediten blieben die Margen im ersten und zweiten Quartal 2020 für durchschnittliche Bonitäten weitgehend unverändert (siehe Tabelle 2 und Grafik 7). Für schwächere Bonitäten wurden die Margen etwas ­verschärft – hauptsächlich aufgrund der Risikoeinschätzung durch die Banken. Von 2016 bis 2019 waren die Margen für Konsum- und sonstige Kredite allgemein weitgehend unverändert geblieben.

Hinsichtlich sonstiger Kreditbedingungen (Sicherheiten, Beleihungsquote, Kredithöhe bzw. sonstige Begrenzungen der Kredithöhe, Fristigkeit und Kreditnebenkosten) gab es im ersten und zweiten Quartal 2020 keine nennenswerten Änderungen bei Wohnbaukrediten bzw. Konsumkrediten und sonstigen Krediten.

Auch die Nachfrage nach Haushaltskrediten hat sich eingebremst. Ein mit dem allgemeinen niedrigen Zinsniveau begründetes Wachstum der Nachfrage nach Wohnbaukrediten vom ersten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020 ist im zweiten Quartal 2020 vorerst zu einem Ende gekommen. Die befragten Banken gaben in diesem Zusammenhang ein gesunkenes Konsumentenvertrauen an. Über einen längeren Zeitraum betrachtet folgt die Nachfrage nach Wohnbaukrediten seit 2014 einem expansiven Trend mit temporären Unterbrechungen. Neben dem Zinsniveau (seit 2015 als Faktor der Nachfrage erhoben, vorher nicht explizit in der Umfrage enthalten) wurden für die Jahre vor 2019 ein gestiegenes Konsumentenvertrauen und günstige Aussichten auf dem Wohnimmobilienmarkt als Gründe für Nachfragesteigerungen genannt. Im Ausblick auf das dritte Quartal 2020 wird eine weitgehend unveränderte Nachfrage nach Wohnbaukrediten erwartet.

Die Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten ist im zweiten Quartal 2020 deutlich eingebrochen, nachdem sie zuvor seit Mitte 2017 weitgehend unverändert geblieben war. Für das dritte Quartal 2020 wird – wie bei den Wohnbaukrediten – eine weitgehend unveränderte Nachfrage erwartet. Der Nachfragerückgang im zweiten Quartal 2020 wurde – ebenfalls wie bei den Wohnbaukrediten – mit dem gesunkenen Konsumentenvertrauen sowie mit ­gesunkenen Ausgaben für langlebige Konsumgüter begründet.

Hinsichtlich der Nachfrage im Privatkundengeschäft bleibt anzumerken, dass die Erwartungen für das zweite Quartal 2020 in der Umfragerunde für das erste Quartal völlig anders waren. Für die Nachfrage nach Wohnbaukrediten wurde ein massiver Einbruch erwartet, für die Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten ein per saldo leichter Anstieg (bei gegenläufigen Antworten der Banken). Dies deutet auf die großen – durch die COVID-19-Pandemie bedingten – Unsicher­heiten hin, mit denen die Einschätzung der künftigen Entwicklungen behaftet ist; ein Umstand, der auch von einigen an der Umfrage teilnehmenden Banken betont wurde.

Seit 2015 wird im Rahmen der Umfrage nach dem Anteil der vollständig ­abgelehnten Kreditanträge gefragt. Seither wurden vereinzelt leichte Veränderungen in die eine oder andere Richtung gemeldet, ohne dass sich ein eindeutiger Trend oder deutliche Quartalsergebnisse gezeigt hätten. Im Gegensatz dazu meldeten die Banken für das zweite Quartal 2020 einen gestiegenen Anteil an vollständig abgelehnten Anträgen bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten (siehe Tabelle 2 unter „Genehmigte Kreditanträge“ mit invertierten Werten 23 ). Bei Wohnbaukrediten gab es diesbezüglich keine Änderungen.

Tabelle 2: Kredite an private Haushalte
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 Banken
Kreditrichtlinien 2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3
Wohnbaukredite 0 –2 1 0 0 –1 1 –1 0 –2 –1 0 –2 –2 –1 –1 0 –2 –1
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 0 0 0 1 –1 1 –1 0 –1 0 –2 –2 –1 0 –3 –2
Kreditbedingungen insgesamt
Wohnbaukredite 0 –1 0 1 0 –1 1 0 1 –2 0 0 0 0 0 –1 0 –1 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 ..
Margen für durchschnittliche Kredite
Wohnbaukredite 1 1 1 0 1 2 2 1 2 1 2 1 2 2 3 1 0 –2 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite –1 0 0 1 0 0 –1 1 0 0 0 1 0 0 1 1 0 –1 ..
Margen für risikoreichere Kredite
Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –1 –1 0 0 0 0 0 –2 –3 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite –1 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –2 –2 ..
Genehmigte Kreditanträge
(Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen)
Wohnbaukredite 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 –2 0 0 –1 –1 0 0 0 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 0 1 –1 –1 0 –3 ..
Kreditnachfrage
Wohnbaukredite 1 1 0 0 2 2 3 1 1 0 –1 –1 1 1 2 2 3 –1 1
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 1 2 3 0 0 –1 0 0 0 1 0 1 0 0 –4 1
Einfluss der allgemeinen Wettbewerbssituation auf:
Kreditbedingungen insgesamt bei Wohnbaukrediten 0 1 1 2 1 1 1 1 1 1 3 1 1 3 3 2 1 0 ..
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite 1 2 1 1 1 2 1 1 3 1 3 1 3 3 4 0 1 0 ..
Einfluss von Refinanzierungskosten und
bilanziellen Restriktionen auf:
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 0 1 0 0 0 –1 0 1 1 1 0 0 –2 ..
Margen für risikoreichere Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 1 1 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 –2 ..
Einfluss der Risikoeinschätzung auf:
Kreditbedingungen insgesamt bei Wohnbaukrediten 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 –1 –2 –2 ..
Kreditbedingungen insgesamt bei Konsum- und ­sonstigen Krediten 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 –1 –1 –2 ..
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 –1 ..
Margen für durchschnittliche Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 –1
Margen für risikoreichere Wohnbaukredite 0 0 –1 0 0 1 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 –2 ..
Margen für risikoreichere Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 –2 ..
Wirtschaftslage und Konjunkturaussichten allgemein → Richtlinien für Wohnbaukredite 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 –1 0 0 –2 ..
Wirtschaftslage und Konjunkturaussichten allgemein → Richtlinien für Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 –3 ..
Einfluss der Risikotoleranz der Banken auf:
Kreditrichtlinien für Wohnbaukredite 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 –2 0 0 –1 –1 0 –1 –1 –2 ..
Kreditrichtlinien für Konsum- und sonstige Kredite 0 0 1 0 0 0 1 –1 1 –1 –1 –1 0 –2 –2 –1 –1 –3 ..
Nachfrage nach Wohnbaukrediten,
ausgewählte Einflussfaktoren
Aussichten am Wohnimmobilienmarkt und voraussichtliche Entwicklung der Preise für Wohneigentum 0 0 0 0 1 1 2 1 0 1 0 0 0 –1 –1 –1 –1 –1 ..
Konsumentenvertrauen 2 1 1 1 1 2 3 2 0 1 0 0 0 0 0 0 0 –2 ..
Allgemeines Zinsniveau 2 1 1 1 2 0 2 1 0 0 0 0 2 3 3 3 3 1 ..
Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen
Krediten, ausgewählte Einflussfaktoren
Ausgaben für langlebige Konsumgüter wie Pkw, ­Möbel usw. 0 0 0 0 1 1 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 –3 ..
Konsumentenvertrauen 0 0 0 0 0 1 1 2 0 0 1 0 0 0 0 0 –2 –2 ..
Allgemeines Zinsniveau 0 0 1 1 1 1 1 1 0 0 0 0 1 0 2 0 1 1 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

3 Refinanzierungsbedingungen für Banken weiter verschlechtert

Nachdem die Banken bereits für das erste Quartal 2020 über eine für sie ungünstiger gewordene Refinanzierungssituation berichtet hatten (langfristige Einlagen, kurzfristiger Geldmarkt und mittel- bis langfristige Schuldtitel), meldeten sie auch für das zweite Quartal 2020 weitere Verschlechterungen – jedoch nicht im selben Ausmaß wie zuvor (siehe Tabelle 3). Im zweiten Quartal 2020 war vor allem die Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel (Anleihen) ungünstig betroffen. Am kurzfristigen Geldmarkt (Laufzeit von über einer Woche) kam es zu moderaten Eintrübungen. Bei den langfristigen Einlagen (Bindung über ein Jahr) gab es keine Veränderungen, die kurzfristigen Einlagen (Bindung bis zu einem Jahr) sind hingegen leicht gestiegen. Der Ausblick auf das dritte Quartal 2020 fällt vorsichtig positiv aus. Bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel werden leichte Verbesserungen im Vergleich zur Situation im zweiten Quartal 2020 erwartet.

Von Mitte 2016 bis Ende 2019 gab es für die österreichischen Banken vor allem Verbesserungen bei der Refinanzierung. Die Entwicklungen bei den kurzfristigen Einlagen (Bindung bis zu einem Jahr), am Geldmarkt allgemein (vor allem bis ­Anfang 2018) und bei der Refinanzierung über Schuldtitel allgemein waren günstig. Bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Schuldtitel kam es phasenweise sogar zu deutlichen Verbesserungen, aber auch zu einer temporären Verschlechterung Ende 2018. Eine Ausnahme bildeten die langfristigen Einlagen, die seit Mitte 2018 leicht zurückgegangen waren.

Andere Refinanzierungsmöglichkeiten, nach denen standardmäßig gefragt wird (Verbriefung von Krediten, außerbilanzielle Übertragung von Kreditrisiken), spielten zuletzt für die an der Umfrage teilnehmenden Banken kaum eine Rolle.

Tabelle 3: Zugang der Banken zu ausgewählten Refinanzierungsquellen
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 8 Banken
Retail-Refinanzierung 2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3
Kurzfristige Einlagen (bis zu einem Jahr) 1 2 1 1 2 1 2 1 3 0 0 1 1 3 0 0 –1 2 1
Langfristige Einlagen (über ein Jahr) 1 –1 0 0 0 1 1 –1 2 –1 –2 –1 0 –1 –2 0 –4 0 0
Unbesicherter Interbankengeldmarkt
Sehr kurzfristiger Geldmarkt (bis zu einer Woche) 0 0 0 1 2 1 2 1 2 0 1 0 1 0 0 0 –1 –1 1
Kurzfristiger Geldmarkt (über eine Woche) –1 –1 0 2 2 1 1 0 2 0 1 0 0 0 0 0 –5 –2 1
Großvolumige Schuldtitel
Kurzfristige Schuldtitel3 –2 0 –1 0 0 2 2 1 1 0 0 0 1 0 0 0 –1 –1 –1
Mittel- bis langfristige Schuldtitel –4 –2 0 0 3 3 4 4 3 0 –1 –3 3 4 3 1 –4 –4 2
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
3 Antworten von 4 bis 6 Banken.

4 Notleidende Kredite: leicht steigender Einfluss auf Kreditvergabepolitik der Banken

Beginnend mit der Umfrage vom Juli 2018 werden die teilnehmenden Banken halbjährlich zu den Auswirkungen von notleidenden Krediten auf ihre Kreditvergabepolitik und auf die entsprechenden Wirkungskanäle befragt. 24 Im Rahmen der ersten diesbezüglichen Befragung wurde neben dem ersten Halbjahr 2018 auch der Zeitraum von 2014 bis 2017 erfasst. Die befragten Banken meldeten für diesen Zeitraum nur vereinzelt Verschärfungen der Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen aufgrund notleidender Kredite – vor allem im Zusammenhang mit Anforderungen regulatorischer Art.

Auch 2018 und 2019 hatten notleidende Kredite kaum Auswirkungen auf ­Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen der österreichischen Banken. Insgesamt zeigte sich die Kreditvergabepolitik österreichischer Banken in den letzten Jahren also weitgehend unbeeinflusst von notleidenden Krediten.

Durch die COVID-19-bedingte Krise haben notleidende Kredite mehr ­Relevanz für das Kreditvergabeverhalten der Banken bekommen. Den Umfrageergebnissen zufolge haben diese im ersten Halbjahr 2020 leicht zur Verschärfung von Richtlinien und Bedingungen für Unternehmenskredite sowie für Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte beigetragen – nicht aber für Wohnbaukredite an ­private Haushalte. Im Ausblick auf das zweite Halbjahr 2020 wird eine Fortsetzung dieser Entwicklung in etwas stärkerem Ausmaß erwartet. Als Begründungen für die Verschärfungen in Zusammenhang mit notleidenden Krediten nannten die Banken die Risikosituation, aufsichtliche und regulatorische Anforderungen sowie ihre Eigenkapitalkosten.

Der Anteil notleidender Kredite ist in Österreich etwas niedriger als im Euroraum bzw. in der EU insgesamt (vgl. Supervisory Banking Statistics der EZB und EBA Risk Dashboard). 25

5 Entwicklungen im Kreditgeschäft nach Wirtschaftssektoren: ­Immobilienwirtschaft als Ausnahme

Im Rahmen der aktuellen Umfragerunde wurden die Banken erstmalig zu ­Entwicklungen im Kreditgeschäft mit Unternehmen, gegliedert nach Wirtschaftssektoren befragt. Diese Fragestellung, die halbjährlich wiederholt werden soll, ­bezieht sich auf Veränderungen beim Kreditangebot (Richtlinien, Bedingungen) und bei der Kreditnachfrage über den Zeitraum der letzten sechs Monate bzw. auf die Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Die Entwicklungen werden für folgende Wirtschaftssektoren erhoben: Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren, Baugewerbe/Bau (ohne Immobilien), Dienstleistungen (ohne Finanzdienstleistungen und Immobilien), Handel sowie Immobilien (noch zusätzlich untergliedert in Gewerbeimmobilien- und Wohnimmobilienwirtschaft).

Die Kreditrichtlinien wurden im ersten Halbjahr 2020 für Kredite an Unternehmen der Gewerbeimmobilienwirtschaft verschärft. Hinsichtlich Wohnimmobilien blieben die Richtlinien per saldo weitgehend unverändert. Im Ausblick auf das zweite Halbjahr 2020 gehen die befragten Banken von weitgehend unveränderten Richtlinien für alle oben angeführten Sektoren aus – außer für die Gewerbeimmobilienwirtschaft. Hier werden weitere, leichte Verschärfungen erwartet.

Bei den Kreditbedingungen kam es im ersten Halbjahr 2020 für alle Sektoren zu Verschärfungen. Für das zweite Halbjahr werden weitere Verschärfungen erwartet.

Die Kreditnachfrage ist im ersten Halbjahr 2020 in allen Sektoren gestiegen – außer im Immobiliensektor, in dem die Nachfrage weitgehend unverändert blieb. Für das Baugewerbe wurde zudem ein geringerer Nachfrageanstieg verzeichnet als für die anderen Sektoren. Im zweiten Halbjahr 2020 soll, gemäß den Erwartungen der an der Umfrage teilnehmenden Banken, die Nachfrage in allen Sektoren ­sinken – mit Ausnahme das Wohnimmobiliensektors, für den eine unveränderte Kreditnachfrage erwartet wird.

Ähnlich wie bei den üblichen, quartalsweisen Fragen zu Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft mit Unternehmen (siehe Abschnitt 1) gab es auch bei der Fragestellung zu sektoralen Entwicklungen gegenläufige Einzelantworten der Banken – vor allem bezüglich der Kreditrichtlinien.

6 Staatliche Kreditgarantien unterstützen Liquiditätssicherung der Unternehmen

Die in Österreich an der Umfrage teilnehmenden Banken wurden im Rahmen der aktuellen Umfragerunde um ihre Einschätzung der Bedeutung von Unternehmenskrediten mit staatlichen Garantien vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie gebeten. Diese Fragestellung erfolgte seitens der OeNB und war nicht Teil der standardisierten euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft.

Staatliche Garantien für Unternehmenskredite sind ein Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung. Durch die Garantien sollen Unternehmen mit Liquiditätsproblemen infolge der COVID-19-Pandemie leichter und günstig 26 an Bankkredite kommen.

Die Banken berichteten von einer hohen Nachfrage nach Krediten mit staatlichen Garantien bzw. von einem hohen Bedarf an Überbrückungsfinanzierungen und Stundungen. Kredite ohne Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie spielten in letzter Zeit eine geringere Rolle. Die für das erste Halbjahr 2020 berichteten Nachfragesteigerungen im Unternehmenskundengeschäft (siehe Abschnitte 1 und 5) waren somit wesentlich auf Kredite mit staatlichen Garantien bezogen.

Die Angaben der Banken bestätigen auch die Intention der staatlichen Garantien. Die Garantien erlaubten den Banken, dem hohen Bedarf an Überbrückungs- und Refinanzierungen bzw. der stark gestiegenen Kreditnachfrage nachzukommen. Die Banken konnten weniger restriktiv sein, als sie es ohne staatliche Unterstützungsmaßnahmen hätten sein müssen. Ohne staatliche Garantie wäre die Vergabe vieler Kredite aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen nicht möglich gewesen (Risikosituation, bilanzielle Auswirkungen).

Zu Problemen in Zusammenhang mit der Gewährung und Abwicklung von Krediten mit staatlichen Garantien befragt, nannten die Banken die organisatorische Aufteilung auf mehrere Förderstellen und Förderprogramme (unübersichtlich, nicht abgestimmt), vor allem anfänglich unklare Regelungen, die oft und kurzfristig geändert wurden, komplexe und aufwändige Antragsprozesse (schwierig sowohl für Kreditnehmer als auch für Banken) sowie lange Bearbeitungszeiten bzw. Warte­zeiten auf die Genehmigungen bei den Förderstellen. Mit der Zeit habe sich das Prozedere aber verbessert.

Grafik 1 zeigt die „Entwicklung der Kreditrichtlinien und der Kreditnachfrage“ in Österreich seit 2007 in acht Liniendiagrammen. Dabei werden Quartalsveränderungen als Nettoprozentsatz (gleitender Durchschnitt der letzten vier Quartale) dargestellt. Die Skala auf der y-Achse reicht jeweils von –100 bis +100. Positive Werte bezeichnen eine expansive Entwicklung (Lockerung der Richtlinien, Anstieg der Nachfrage), negative Werte eine restriktive Entwicklung. Der Nettoprozentsatz für die Richtlinien für Kredite an Unternehmen insgesamt liegt im ersten Quartal 2007 bei –20 und fällt bis zum vierten Quartal 2008 auf –65, um bis zum zweiten Quartal 2010 auf +5 zu steigen. Ab dem zweiten Quartal 2011 fällt er wieder, bis auf –44 im ersten Quartal 2013. Danach steigt er wieder bis auf –7 im vierten Quartal 2013. Seitdem schwankt er zwischen –16 und +3. Zuletzt (erstes Quartal 2020) erreicht er einen Wert von –9. Der Nettoprozentsatz für die Kreditnachfrage von Unternehmen insgesamt liegt im ersten Quartal 2007 bei +10 und fällt bis zum zweiten Quartal 2009 auf –40, um anschließend wieder zu steigen. Vom ersten Quartal 2010 bis zum dritten Quartal 2011 liegt er weitgehend bei –15. Danach fällt er bis zum dritten Quartal 2012 auf –45, um anschließend bis zum zweiten Quartal 2014 auf –7 zu steigen. Einem kurzen Rückgang auf –25 im vierten Quartal 2014 folgt ein längerer Anstieg auf +47 im zweiten und dritten Quartal 2018. Anschließend fällt er durchgehend bis auf –6 im vierten Quartal 2019, um im ersten Quartal 2020 wieder auf +16 und im zweiten Quartal 2020 weiter auf +34 zu steigen. Die Entwicklung von Richtlinien und Nachfrage in den Unterkategorien Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, Kredite an große Unternehmen, kurzfristige Kredite sowie langfristige Kredite entspricht grob den Entwicklungen insgesamt – mit teilweise abweichender Intensität der Schwankungen. Insbesondere bei der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten zeigt sich die Entwicklung ab 2010 weniger volatil als bei der Nachfrage insgesamt und nach langfristigen Krediten, ist aber ab dem dritten Quartal 2019 expansiver als jene bei der Nachfrage nach langfristigen Krediten. Der Entwicklung der Richtlinien bei Wohnbaukrediten sowie bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten an private Haushalte zeigt keine ausgeprägten Schwankungen. Der Nettoprozentsatz liegt seit 2007 jeweils in einem Bereich von –25 bis +11. Zuletzt ist er von Werten um 0 im Jahr 2017 bis auf Werte von –21 bis –14 in den letzten vier Quartalen gefallen. Der Nettoprozentsatz der Nachfrage nach Wohnbaukrediten fällt von +20 im zweiten Quartal 2007 bis auf –55 im zweiten Quartal 2009, um anschließend wieder deutlich zu steigen. Dabei werden mehrere Spitzen erreicht (+20 im dritten und vierten Quartal 2011, +34 im zweiten Quartal 2013, +25 im dritten Quartal 2015, +29 im vierten Quartal 2017). Dazwischen fällt er immer wieder, bleibt aber zumeist positiv. Im ersten Quartal 2020 liegt er nach einem Anstieg über mehrere Quartale hinweg bei +29. Im zweiten Quartal 2020 fällt er auf +21. Der Nettoprozentsatz der Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten entwickelt sich zumeist ähnlich wie jener der Nachfrage nach Wohnbaukrediten, allerdings ab 2012 leicht restriktiver. Die Bandbreite reicht dabei ab 2012 von –20 bis +25. Vom ersten Quartal 2018 bis zum ersten Quartal 2020 schwankt er leicht zwischen –4 und +7. Im zweiten Quartal 2020 fällt er auf –11. Quelle: OeNB.
Grafik 2 zeigt den „Kreditbestand österreichischer Banken (in Mrd EUR)“ seit 2007 als Liniendiagramm auf der Basis von Monatswerten. Dargestellt werden Unternehmenskredite (Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen), Wohnbaukredite an private Haushalte sowie Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Kredite verstehen sich als Kredite in allen Währungen von in Österreich ansässigen monetären Finanzinstituten an Ansässige im Euroraum. Die Skala auf der y-Achse geht von 0 bis 250 Mrd EUR. Die Unternehmenskredite steigen von ca. 130 Mrd EUR Anfang 2007 kontinuierlich auf ca. 157 Mrd EUR im Jahr 2009 an. Danach stagniert die Entwicklung bis Ende 2016 mit Kreditbeständen zwischen 155 und 167 Mrd EUR. Seit Anfang 2017 steigen die Kreditbestände wieder stetig an, von ca. 158 Mrd EUR im Jänner 2017 auf ca. 198 Mrd EUR im Mai 2020. Die Bestände an Wohnbaukrediten steigen nahezu ungebrochen und kontinuierlich an, von ca. 62 Mrd EUR im Jänner 2007 auf um die 120 Mrd EUR seit Ende 2019. Bei den Konsumkrediten und sonstigen Krediten zeigt sich überwiegend eine Seitwärtsbewegung im Bereich von 52 bis 62 Mrd EUR mit leichter Tendenz nach unten: 58 Mrd EUR im Jänner 2007, 55 Mrd EUR im Mai 2020. Anmerkung: Zeitreihenbrüche im Dezember 2014 und Oktober 2016 aufgrund von Methodik-Änderungen, mit deutlich sichtbaren Auswirkungen bei den Unternehmenskrediten. Quelle: OeNB, EZB.