Zwischen Liebe und Politik

Die sogenannten Hochzeitsguldiner Maximilians I.

Kaiser Maximilian I. war sehr um seinen Nachruf besorgt und darauf bedacht, durch Kunst, Literatur und Architektur in Erinnerung zu bleiben. Auch auf die Gestaltung seiner Münzen legte er höchsten Wert. Sowohl Medaillen als auch Umlauf- und Schaumünzen dienten ihm zur Repräsentation. Seine Großsilbermünzen erzielten eine bis dahin unerreichte Qualität.

Ganz besondere Stücke sind die in beiden Hochzeitsguldiner auf die Hochzeit Maximilians mit Maria von Burgund (*1457–1482).

Bild
Variante 1: Hochzeitsguldiner, Maria von Burgund mit hochgestecktem Haar, Inv. Nr. NZ00067, ø 42 mm, Gewicht 29,08g.

Maria war als Tochter von Karl dem Kühnen, dem mächtigen Herzog von Burgund, eine der begehrtesten Bräute Europas. Sowohl der französische König Ludwig XI. (*1423–1483) als auch Kaiser Friedrich III. (*1415–1493) strebten für ihre Söhne eine Ehe mit Maria an. Der burgundische Hof galt als kultureller Mittelpunkt Europas. Außerdem gehörten mit dem heutigen Belgien und den Niederlanden die damals wirtschaftlich potentesten Regionen Europas zum burgundischen Länderkomplex.

Als Karl am 5. Januar 1477, in der Schlacht bei Nancy fiel, war die damals 19-jährige Maria Alleinerbin. Aufgrund des aggressiven französischen Vorgehens kam es zu einer raschen Einigung mit Kaiser Friedrich. Nur wenige Monate später erfolgte in Gent die Hochzeit mit dessen Sohn Maximilian. Die beiden Brautleute fanden Gefallen aneinander und aus einer politischen Verbindung wurde eine tiefe Liebesbeziehung. Obwohl der Krieg mit Frankreich zu einer Teilung des burgundischen Länderkomplexes führte, legte diese Ehe den Grundstein für den Aufstieg Habsburgs zur Großmacht.

Das Glück dauerte aber nur wenige Jahre. Maria starb 1482 an den Folgen eines Reitunfalls. Maximilian konnte ihren Tod nie überwinden. Seine zweite Frau Bianca Maria Sforza (*1472–1510) stand immer im Schatten ihrer Vorgängerin.

Nach Biancas Tod gab Maximilian 1511 die Hochzeitsguldiner zur Erinnerung an seine erste Ehe mit Maria in Auftrag. Mit der Herstellung der Prägestempel wurde der Haller Stempelschneider Ulrich Ursentaler d. Ä. beauftragt. Schon am 9. Juli 1511 ließ der Kaiser die ersten 20 silbernen Hochzeitsguldiner prägen, 1514 folgten Ausführungen in Gold und als Doppelguldiner.

Bild
Variante 2: Hochzeitsguldiner, Maria von Burgund mit Burgunderhaube, Inv. Nr. NZ00068, ø 43 mm, Gewicht 28,64g.

Den markanten Unterschied der beiden Grundtypen bildet die Rückseite mit der Darstellung der Maria von Burgund. Die für Guldiner und Halbguldiner verwendete häufigere Variante zeigt die 20-jährige Maria (ETATIS 20) ohne Kopfbedeckung. Sie trägt die Haare zu einem Knopf hochgesteckt. Diese Stücke basieren auf einer von Giovanni Candida (*um 1445–† um 1504) anlässlich der Hochzeit angefertigten Gussmedaille.

Sehr selten ist dagegen die Variante, die Maria mit einer Burgunderhaube und Halskette zeigt. Sie geht auf ein Niklaus Reiser von Schwaz zugeschriebenes posthumes Porträt Marias (um 1498/1500) zurück. Die auch als Hornhaube oder Hennin bezeichnete Kopfbedeckung erfreute sich besonders am extravaganten burgundischen Hof großer Beliebtheit. Sie hatte ihre modische Hochblüte in der Zeit vom späten 14. Jahrhundert bis Ende des 15. Jahrhunderts.

Die auf den beiden Grundtypen an unterschiedlichen Stellen platzierte Jahreszahl 1479 gibt weder das Prägejahr noch den Zeitpunkt der Hochzeit an. Vielmehr dürfte sie sich auf den Sieg Maximilians über die Franzosen in der Schlacht bei Guinegate und damit auf einen wichtigen Teilerfolg im Kampf um das burgundische Erbe beziehen. An der Spitze seiner modern organisierten Infanterie besiegte Maximilian das überlegene französische Ritterheer. Die Schlacht gilt als sein größter militärischer Triumph.

Die Schaumünzen sind damit einerseits Ausdruck der Liebe zu seiner ersten Gemahlin, andererseits auch ein deutliches politisches Statement. Maximilian blickte mit diesen Stücken noch einmal auf die Zeit zurück, als Maria und er als das schönste Fürstenpaar Europas gefeiert wurden.

(Autor: Michael Grundner)

Objekte: Hochzeitsguldiner
Münzstand: Österreichische Erbländer
Prägeherr: Kaiser Maximilian I. (*1459–1519)
Münzstätte: Hall
Datierung: 1511–1518
Material: Silber
Vorderseitenlegende: MAXIMILIAN9 MAGNANIM9 ARCHIDVX AVSTRIE BVRGVND
Rückseitenlegende: MARIA KAROLI FILIA HERES BVRGVND BRAB CONIVGES
Inventarnummern: NZ00067 (42 mm, 29,08g), NZ00068 (43mm, 28,64g)

Literatur:

Egg, Erich: Die Münzen Kaiser Maximilians I., (Innsbruck, o. J).
Kluge, Bernd: Numismatik des Mittelalters, Band I - Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi (= Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Klasse, Band 45, Wien 2007).
Koppensteiner, Norbert (Hg.): Maximilian I. Der Aufstieg eines Kaisers: Von seiner Geburt bis zur Alleinherrschaft, 1459–1493. Ausstellung 25. März-2. Juli 2000, (Wiener Neustadt 2000).
Moser, Heinz u. Heinz Tursky: Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, 1. Band, (Innsbruck, 1977).