Der Maria-Theresien-Taler

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Maria-Theresien-Taler: Vorder- und Rückseite

Objekt: Konventionstaler mit arabischem Gegenstempel
Münzstand: Österreich
Prägeherr: Maria Theresia (1740-1780)
Münzstätte: Wien, nach Günzburger Typ
Datierung: 1780 (Neuprägung, 19. / 20. Jahrhundert)
Gegenstempel: "Nejd"(Saudi-Arabien) von 1916-1923 od. 1932-1953
Material/Maße: Silber (833/ 1000), Æ 41 mm, 28,06g
Inventarnummer: NZ03410

Die meistgeprägte Silbermünze

Maria Theresia wurde 1717, als älteste Tochter Kaiser Karls VI. geboren. Als sie 1740 die Regierungsgeschäfte von ihrem Vater übernahm, waren dringend Reformen nötig, zumal die angeschlagenen Staatsfinanzen unter dem Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges litten. Hinzu kam der massive Geldabfluss ins Ausland, verursacht durch unterschiedliche Gold-Silber-Relationen. Maria Theresia begann im Rahmen ihrer Verwaltungsreformen mit Neuerungen im Münzwesen.

Den Höhepunkt der Münzreformen bildete die Einführung des 20-Gulden-Fußes im November 1750. Aus einer Kölner Mark Feinsilber (233,890 g) wurden nun 20 Gulden geprägt, wobei der Gulden zu 60 Kreuzern gerechnet wurde. Der neue Münzfuß hatte erstmals für alle habsburgischen Länder Gültigkeit. Dies entsprach zwar einer Verschlechterung von 8 % gegenüber den Talern aus der Zeit Karls VI., legte aber den Grundstein für eine Landeswährung von mehr als 100-jährigem Bestand und trug in Folge zur Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs bei.

Auf Basis dieses Münzstandards wurde am 21. September 1753 die österreichisch-bayerische Münzkonvention mit Kurbayern geschlossen. Die Konventionsmünzen (C.M.) beider Länder sollten gleichen Standards entsprechen und ungehindert zirkulieren. Bereits 1754 kündigte Bayern die Konvention zwar wieder auf, allerdings führten während des Siebenjährigen Krieges viele deutsche Länder diese Währung ein. Erst der Dresdner Münzvertrag von 1838 beendete die Ära der Konventionswährung in den deutschen Ländern, nur Österreich hielt noch bis 1858 daran fest.

Die berühmteste Münze dieser Epoche ist der sogenannte Maria-Theresien-Taler aus der Münzstätte Günzburg, der sich im Levante-Handel besonderer Beliebtheit erfreute. Das Geldstück zeigt das Bild der Kaiserin mit Witwenschleier auf der einen und den österreichischen Doppeladler auf der anderen Seite. Typisch für die Maria-Theresien-Taler ist die immobilisierte Jahreszahl 1780, die eine genaue Datierung der Stücke praktisch unmöglich macht.

Von den Engländern bekam die Münze aufgrund des Porträts der Kaiserin den Spitznamen „fat lady“. Auch die arabischen Bezeichnungen gehen auf das Münzbild zurück: Während sich der Name Abu Noukte ("Vater der Perlen") auf das Diadem der Herrscherin bezog, spielte der Name Abu Kush ("Vater des Vogels") auf den Doppeladler an.

Als letztes Land demonetisierte Äthiopien 1947 den Maria-Theresia-Taler. Auf Basaren und als Brautschmuck ist er im arabischen und nordafrikanischen Raum nach wie vor präsent. Vielfach wurden die Münzen mit lokalen Gegenstempeln und Kontermarken versehen, um so ihre Werthaltigkeit und Umlauffähigkeit zu bestätigen. Aus Afrika sind Umrechnungskurse zu den dort als Geld genutzten Kaurischnecken überliefert. So belief sich um 1850 der Wert eines Maria-Theresien-Talers im Sudan auf 6000 bis 7000 Kauris, was dem Preis eines Ochsen entsprach. In Äthiopien bekam man 1921 für 5 Taler immer noch ein Wildschwein.

Von Kolonialmächten wie Großbritannien und Italien wurde der Maria-Theresien-Taler daher in großer Menge nachgeprägt. Im Lauf der Zeit produzierten 29 Münzstätten weltweit mehr als 400 Millionen dieser Taler in zahlreichen Varianten. Damit ist der Maria-Theresien-Taler eine der erfolgreichsten und langlebigsten Handelsmünzen der Geldgeschichte. Die Münze Österreich produziert bis heute Neuprägungen dieser historischen Münze.