Giovanni Battista Grancino I und Giovanni Battista Grancino II

1637–1709 und 1673 bis nach 1726

Über mehrere Jahrzehnte übten Mitglieder der Familie Grancino – Vater und Sohn trugen denselben Vornamen – maßgeblichen Einfluss auf den Geigenbau in Mailand aus. Unter den Vorfahren des im Jahre 1637 geborenen Giovanni Battista I befanden sich mehrere Musiker. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Francesco führte er eine Werkstatt an der Contrada Larga. Daher wiesen die ersten Instrumente ab 1670 die Bezeichnung „fratelli de Grancinis“ („die Gebrüder Grancini“) auf. Ab 1685 wird nur mehr Giovanni Battista genannt, und mehrere namhafte Mitarbeiter wurden in der Werkstätte angestellt, wie etwa Carlo Giuseppe Testore und Antonio Maria Lavazza. Auch der 1673 geborene Sohn Giovanni Battista II erhielt eine Ausbildung zum Geigenbauer und sollte die väterliche Werkstätte übernehmen, was jedoch nicht wie geplant verlief. Grancino II tötete 1708 den Berufskollegen Lavazza in einem Zweikampf mit Schwertern und wurde zum Tode verurteilt, allerdings später begnadigt. Als Folge der Straftat konfiszierte die Stadt Mailand jedoch den gesamten Besitz, und das Gewerbe verfiel. Trotzdem hat Grancino II weiterhin den Beruf ausgeübt; die spätesten erhaltenen Instrumente stammen aus dem Jahr 1726. Auch seine Söhne erlernten das väterliche Handwerk, allerdings ging das Niveau nach 1710 deutlich zurück.

Die Arbeiten des älteren Grancino zeigen zunächst den Einfluss Cremoneser Meister, doch nach 1685 hat er seinen eigenen Stil entwickelt. In der Zeit ab etwa 1790 dürfen wir eine intensive Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn annehmen, wobei es schwer ist, die Arbeiten der beiden voneinander zu unterscheiden. Diese produktive Phase wurde 1708 durch die dramatischen Ereignisse um die Verurteilung Grancinos II abrupt unterbrochen, und erst allmählich erfolgte ein neuerlicher Aufschwung. Instrumente aus der Werkstätte Grancino besitzen sehr hohes klangliches Potenzial, vor allem die Violoncelli sind heute sehr gesucht.