Ausgewählte Meisterwerke

Sich umarmendes Paar, 1899
Bleistift auf Papier, 46 x 30 cm
© OeNB, Foto: Bettina Salomon

Sich umarmendes Paar, 1899

Gustav Klimt
1862, Baumgarten bei Wien bis 1918, Wien

Die Zeichnung ist eine Vorstudie für eines der skandalumwobenen Fakultätsbilder, dem "Fakultätsbild der Philosophie". Dabei handelt es sich um drei Gemälde, die Gustav Klimt für die Universität Wien gemalt hatte. 1894 wurde der heute wohl bekannteste Vertreter des Wiener Jugendstils, Mitbegründer und erster Präsident der Wiener Secession, von der Universität Wien mit der Anfertigung von Bildern für die Decke des Festsaals beauftragt. Die Darstellungen der Fakultäten Medizin, Philosophie und Jurisprudenz entsprachen allerdings nicht den Vorstellungen der Auftraggeber, die sich traditionelle Allegorien und keine kritischen, geradezu pessimistischen Interpretationen der Wissenschaften erwarteten.  

Das Bild der Philosophie wurde 1900 in der siebten Kunstausstellung der Wiener Secession präsentiert und öffentlich massiv kritisiert. Auch die Bilder der Medizin und Jurisprudenz lösten einen ähnlichen Skandal aus. Die Gemälde wurden nie in der Universität installiert. Sie kamen um 1905 in Privatbesitz und wurden während des Zweiten Weltkriegs bei einem Brand vernichtet. Klimt hat danach keine öffentlichen Aufträge mehr angenommen. Mit dem Bild zur vierten Fakultät, der Theologie, wurde Franz Matsch beauftragt. Diese Arbeit befindet sich auch heute noch in der Universität Wien.

Das Werk befindet sich als Leihgabe im Museum der Moderne Salzburg.

Vor kurzem hat Google Arts & Culture eine virtuelle Retrospektive mit 700 Exponaten von Gustav Klimt veröffentlicht. Unter der Leitung des Belvederes wurden die zerstörten Fakultätsbilder von Klimt anhand von Schwarz-Weiß-Fotos und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz wiederhergestellt.

     

Das Bildnis der Kaiserin Maria Theresia, 1743
Pastellkreide auf Pergament, 62 x 49,4 cm
© OeNB, Foto: Alexander Eugen Koller

Das Bildnis der Kaiserin Maria Theresia, 1743

Jean-Étienne Liotard
1702, Genf bis 1789, Genf

Jean-Étienne Liotard war ein bekannter Porträtist des 18. Jahrhunderts. Er war ein Meister der Miniatur- und der Pastellmalerei. Das Malen mit der Pastellkreide - das luftig Leichte, das Lebendige und die strahlenden Farben - entsprach dem Geschmack des Rokokos. Bildnisse in Pastell waren in den europäischen Herrscherhäusern in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts äußerst beliebt war. Seine Aufträge brachten Liotard nach Amsterdam, London, Paris, Wien und Venedig.

In Wien hielt er sich mehrmals auf und fertigte Bildnisse von Maria Theresia und Mitgliedern des Hofes an. Die Monarchin hat den Maler sehr geschätzt. Seine Porträts waren meisterlich und dabei natürlich und nicht so steif wie die förmlichen Porträts der anderen Hofmaler. Während seines ersten Aufenthalts von 1743 bis 1745 am Hofe in Wien entstand neben diesem Porträt von Maria Theresia auch eines seiner bekanntesten Werke, das „Schokoladenmädchen“, das Pastellporträt eines Stubenmädchens, das ein Tablett mit einer Tasse heißer Schokolade, trägt.

Das Werk befindet sich als Leihgabe im Schloss Schönbrunn.

     

Öl auf Leinwand, 163 x 103 cm
© OeNB, Foto: Albertina Wien

Porträt der Erzherzogin Marie Christine

Alexandre Roslin
1715, Malmö bis 1793, Paris

Alexandre Roslin war ein schwedischer Maler, der einen großen Teil seines Lebens in Paris verbrachte. Er war ein großartiger Porträtist und bei der Pariser Aristokratie sehr beliebt. Im Gegensatz zu seinen frühen, in einem hellen, kühlen Kolorit gehaltenen, Porträts, bevorzugte er ab den 1760er Jahren eher dunkle und kräftige Farben wie in dem Bildnis von Erzherzogin Marie Christine von Österreich. Es ist ein repräsentatives, aristokratisches Barockporträt, das die Erzherzogin in einem lilafarbenen Seidenkleid mit Fächer und hochgetürmter Frisur vor dunklem Hintergrund zeigt.

Die Erzherzogin Marie Christine (1742–1798) war eine Tochter von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz I. Stephan. Sie war verheiratet mit dem Prinzen Albert von Sachsen-Teschen. Das Paar war sehr kunstsinnig und sie waren große Kunstsammler. Die grafische Sammlung, die sie 1776 gründeten und 1792 bei ihrer Übersiedlung nach Wien in das Palais auf der Augustinerbastei mitnahmen, bildete den Grundstein für das Museum Albertina.

Das Porträt befindet sich als Leihgabe in der Albertina.

    

Öl auf Leinwand, 18 x 24,4 cm
© OeNB, Foto: Grafisches Atelier Neumann

Ateliersaussicht – Karlskirche, 1909

Egon Schiele
1890, Tull an der Donau bis 1918, Wien

Egon Schiele ist einer der wichtigsten Vertreter der österreichischen Moderne. Nach nur zwei Jahren an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Professor Griepenkerl brach Schiele seine Ausbildung ab. Gemeinsam mit anderen Studienkollegen, allesamt unzufrieden mit dem rigiden, konservativen Unterricht, verließ er 1909 die Akademie und gründete die “Neukunstgruppe” (u. a. Faistauer, Gütersloh, Kolig, Kokoschka). Sie entfernten sich vom Jugendstil und entwickelten einen expressiven Malstil, der in der sogenannten Zwischenkriegszeit in Österreich überwiegend gepflegt wurde.

Egon Schiele ging dabei einen eigenen Weg. Sein Werk – überwiegend Zeichnungen, aber auch Malerei – ist geprägt von einer intensiven Beschäftigung und hinterfragenden Auseinandersetzung mit dem Menschen, mit der Natur und mit sich selbst. Das alles vor dem Hintergrund einer unruhigen Zeit, geprägt vom Krieg, Ende des Kaiserreichs und Umbruch der Gesellschaft. In seinen expressiven, oft provokanten Arbeiten kommen die innerlichen Befindlichkeiten wie Angst, Trauer, Wut und Verzweiflung zum Ausdruck. Schon in der Zeit vor seinem frühen Tod durch die Spanische Grippe im Jahr 1918 stellte sich sein Erfolg bei Ausstellungen und in Form von positiven Rezensionen in der Presse ein.

Das kleine Bildchen „Blick über die Dächer von Wien“ – in zarten Lila- und Grautönen – ist ein frühes Werk, das Schiele als 19-Jähriger gemalt hat. Es ist ein typisches Werk seiner Zeit, geprägt vom österreichischen Stimmungsimpressionismus des späten 19. Jahrhunderts.

     

Öl auf Leinwand, 96 x 64 cm
© OeNB, Foto: Grafisches Atelier Neumann

Kaiser Franz I. im Ornat des St. Stephansorden, 1827

Ferdinand Georg Waldmüller
1793, Wien bis 1865, Hinterbrühl

Ferdinand Georg Waldmüller war einer der wichtigsten Künstler des Biedermeiers. Seine realistische Wiedergabe der Landschaften und Stillleben basierte auf Naturstudien und das Malen im Freien, die der Künstler betrieb. Auch seine Genrebilder mit vermeintlich alltäglichen, bäuerlichen, letztlich idyllischen Szenen und seine Porträts sind bis ins Detail realistisch wiedergegeben.

Das repräsentative Porträt stellt Kaiser Franz aus dem Haus Habsburg-Lothringen (1768–1835) dar. Bis 1806 war er als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 1804 gründete er das Kaisertum Österreich, das er als Kaiser Franz I. bis zu seinem Tod führte. Darüber hinaus war er König von Böhmen, Kroatien und Ungarn. Während seiner Regentschaft, im Jahr 1816, wurde die Oesterreichische Nationalbank gegründet.

Das Bildnis von Waldmüller zeigt Franz I. im Ornat des St. Stephansordens, dessen Großmeister er als König von Ungarn war. Die ungarische Stephanskrone, der Reichsapfel und das Zepter weisen ihn als ungarischen König aus. Der grüne Samtmantel mit Hermelinbesatz, das goldbestickte rote Samtkleid und der Hut mit den Reiherfedern neben ihm gehören zur Tracht des Ordens.