Aktuelles

Statistiken – Daten und Analysen Q4-20

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie gewohnt beschäftigt sich der einleitende Artikel des vorliegenden Statistiken-Heftes mit den ­wichtigsten Entwicklungen der österreichischen Finanzinstitute. Darin analysiert Martin Bartmann die Zusammensetzung der Geldmenge M3 und deren Entwicklung im Euroraum bzw. den teilnehmenden Mitgliedsländern. Abermals waren es täglich fällige Einlagen, die für den Großteil des Geldmengenwachstums verantwortlich waren. Insbesondere die Entwicklung täglich fälliger Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen nahm seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie – sowohl in Österreich als auch im Euroraum – sprunghaft zu.

Die aktuellsten Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft bei einer Auswahl an Banken werden Ihnen von Gerald Hubmann präsentiert. Auch hier spiegelt sich die COVID-19-Pandemie sowohl in der Angebots- als auch der Nachfrageseite der Kreditvergabe, aber auch in den Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen wider. Staatliche Kreditgarantien waren neben anderen Unterstützungsmaßnahmen ein wichtiger Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung. Diese und auch internationale Maßnahmen der EZB und von Aufsichtsbehörden haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe weniger restriktiv zu sein.

Erza Aruqaj, Roberto Codagnone und Stefan Wiesinger nehmen in ihrem Beitrag eine sozio-­demographische Analyse der Österreichischen GmbHs vor. Einerseits wird die Eigentumsstruktur ­inländischer GmbHs beleuchtet und andererseits werden Unternehmensgröße, Branchen, „Lebenserwartung“ und regionale Unterschiede nach Bundesland vorgestellt.

Ebenfalls vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie beschreiben Matthias Wicho und Jun Chao Zhan die Entwicklung der österreichischen Wertpapieremissionen und -bestände im ersten Halbjahr 2020. Aus Sicht österreichischer Anlegerinnen und -anleger fielen die Kursverluste der ersten Phase der COVID-19-Pandemie aufgrund der raschen Kurserholung im zweiten Quartal 2020 geringer aus als im gesamten Jahr der Finanzkrise 2008. Weiters wurde ein historischer Rekordwert an neu ­begebenen bzw. aufgestockten Staatsanleihen verzeichnet.

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie haben auch die heimischen Exporte von Gütern und Dienstleistungen im zweiten Quartal 2020 markant abgenommen. Der Saldo der Leistungsbilanz war allerdings nominell und im Verhältnis zum BIP de facto ausgeglichen. Dies und weitere Details ­werden in der Analyse zur Österreichischen Zahlungsbilanz von Erza Aruqaj und Patricia Walter präsentiert.

Zwei Kurzberichte sowie eine Auswahl von 13 Tabellen ergänzen das vorliegende Heft.

Kurzberichte

Anzahl der Zahlungskartentransaktionen steigt – bei sinkenden Durchschnittsbeträgen – im zweiten Quartal 2020 weiter

Patrick Thienel 1

Im zweiten Quartal 2020 stieg die Anzahl der Kartenzahlungstransaktionen deutlich um 7,3% (+18 Mio) auf 267 Mio, der Gesamtwert der Kartenzahlungen sank ­allerdings im Vergleich zum Vorjahr um –3,3% bzw. –381 Mio EUR auf 11,3 Mrd EUR. Dies ist u. a. auf den noch immer abgeschwächten Konsum (vor allem in ­bestimmten Branchen) aufgrund der COVID-19-Pandemie zurückzuführen.

Die wertmäßigen Rückgänge stammten hierbei hauptsächlich aus dem Bereich der Kreditkarten und E-Geld-Karten (Prepaid-Karten), während mit Debitkarten im zweiten Quartal sogar um 4,6% mehr umgesetzt wurde als im Vorjahr.

Beachtenswert ist, dass – wie Grafik 1 zeigt – vor allem die Kartenumsätze an Terminals ins Minus (–4,0%) rutschten, während die Umsätze im Fernabsatz­bereich eher stagnierten (+0,5%). Nach Branchen gegliedert gab es die größten Umsatzrückgänge im Vergleich zum Vorjahresniveau bei Zahlungen mit Karten bei Fluglinien (–92,8%), Leistungen von Reisebüros und Reiseveranstaltern (–81,7%) und Unterkünften aller Art (–79,7%). Diese Branchen generierten in Summe aber nur 2,2% aller Karten-Gesamtumsätze. Der Handel (ausgenommen ist der Versandhandel) war für 76% aller Karten-Umsätze verantwortlich; dieses Volumen erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahresniveau um 20,1%.

Da insbesondere kleinere Ausgaben statt in bar immer häufiger mit Karte ­bezahlt werden, sank der durchschnittliche Kartenzahlungsbetrag im zweiten Quartal 2020 – wie in Grafik 2 ersichtlich – auf einen Tiefstwert von 42,36 EUR (im Vergleich dazu war dieser vor fünf Jahren noch bei 57,12 EUR gelegen).

Insbesondere der Rückgang der Durchschnittsbeträge bei Kreditkarten – ­sowohl mit als auch ohne Kreditfunktion – war markant (–11,0% bzw. –15,6%).

Eine Ausnahme stellte das Zahlen mit Kontaktlos-Funktion (NFC 2 ; also ohne Einstecken der Karten) dar (siehe Grafik 3), da mit 13. April 2020 die Betragsgrenze ohne PIN-Eingabe für eine zeitlich begrenzte Dauer von 25 EUR auf 50 EUR ­angehoben wurde. Dadurch stieg der entsprechende Durchschnittsbetrag auf einen Höchstwert von 31,67 EUR (vor fünf Jahren waren es durchschnittlich 20,14 EUR gewesen), mit einem Zuwachs von +13,5% im Vergleich zum Vor­jahresniveau.

Grundsätzlich zahlten die Österreicherinnen und Österreicher am Terminal schon seit längerem vorwiegend kontaktlos mit NFC-Technologie. Diese Entwicklung hat sich – nicht zuletzt auf Grund einer Initiative des Handels – nun weiter beschleunigt. Im zweiten Quartal 2020 wurden schon 78% aller Kartentrans­aktionen am Terminal (in Österreich) kontaktlos durchgeführt.

1 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, patrick.thienel@oenb.at.

2 Near Field Communication.

Anzahl der Bankstellen und Zahl der ­Bankmitarbeitenden sinken weiter

Patrick Thienel 3

Ein höherer Ertragsdruck bedingt durch die jahrelang anhaltende Niedrigzinsphase sowie die stärkere Digitalisierung haben in Österreich das Tempo der Fusionen, Filialschließungen und auch des Abbaus von Mitarbeitenden im Bankensektor ­vorangetrieben. Die Corona-Pandemie hat diese laufende Entwicklung beschleunigt. So hat die Frequenz von Besucherinnen bzw. -besuchern in den Bankstellen durch die Pandemie weiter abgenommen und der Trend zum Ausbau der Online-Services hält weiter an – dies bedeutet aber wieder hohe Investitionen, nicht zuletzt in die Cybersicherheit.

Hier werden die Anzahl der Bankstellen von Kreditinstituten (linke Abbildung der Doppelgrafik) bzw. die Entwicklung der Beschäftigten (nach Köpfen) im österreichischen Bankwesen (rechte Abbildung der Doppelgrafik) zwischen 2009 und dem zweiten Quartal 2020 als Säulendiagramme dargestellt. In der linken Abbildung der Doppelgrafik werden die Hauptanstalten und Zweigstellen auf der linken Achse absolut dargestellt. So gab es 2009 923 Hauptanstalten und im zweiten Quartal 2020 572 bzw. 4556 (2009) und 3182 (zweites Quartal 2020) Zweigstellen. Auf der rechten Achse wird die Veränderung der Bankstellen (Hauptanstalten und Zweigstellen) in % angegeben (2009: –2,5%, zweites Quartal 2020: –8,3%). In der rechten Abbildung der Doppelgrafik werden auf der linken Achse die Beschäftigten (2009: 78.794, zweites Quartal 2020: 73.203) und auf der rechten Achse die Veränderung in % (2009: –1,87%, zweites Quartal 2020: –0,41%) angegeben. Quelle: OeNB.

Diese Einflussfaktoren sowie ein Sondereffekt bei einer Großbank 4 fanden im ersten Halbjahr 2020 auch ihren Niederschlag in der Anzahl der Bankstellen 5 . So reduzierte sich die Anzahl der Hauptanstalten auf 572 (eine Fusion 6 , eine Schließung und eine Neueröffnung), während die Anzahl der Zweigstellen um 339 (–9,6%) auf 3.182 sank. Im Jahr 2019 ging in Österreich die Zahl der Hauptanstalten um 24 zurück (davon 19 Fusionen), jene der Zweigstellen um 118.

Im 10-Jahresvergleich waren im Aktienbankensektor – abgesehen von den ­erwähnten Sondereffekten – (netto) rund 80 Neueröffnungen im Zehnjahres­vergleich 7 zu verzeichnen. Auch im Bausparkassensektor waren Zuwächse (+27) festzustellen. Rückgänge gab es vor allem im Raiffeisensektor (–343), im Volksbankensektor (–218) und im Sparkassensektor (–165).

Diese Rückgänge (bis 2019) dürften aber kaum Einschränkungen im Bereich der Bankdienstleistungen für die Kundinnen und Kunden mit sich gebracht haben. Laut einer von der OeNB 2019 durchgeführten Studie 8 gaben 95% der Befragten an, dass sie allgemein sehr oder eher zufrieden mit ihrer Bank sind. Diese sehr positive Beurteilung betrifft auch die Öffnungszeiten der Filialen, die ­Erreichbarkeit der nächsten Filiale, die Einschätzung der Qualität der Beratungsleistungen sowie das Onlinebanking-Angebot.

Laut dieser Umfrage der OeNB gaben weiters rund 58% der Bevölkerung an, Onlinebanking zu nutzen. Von den Bankkundinnen und -kunden, die Online­banking nicht verwenden, besuchen 61% zumindest einmal pro Monat einen Bankschalter, wohingegen dies auf nur 23% der Onlinebanking-Nutzenden ­zutrifft. Eine für die Zukunft zu erwartende steigende Onlinebanking-Nutzung dürfte daher mit einer weiteren Abnahme von Besuchen am Bankschalter einhergehen.

Auch der Stellenabbau bei den österreichischen Banken 9 hat sich 2019 weiterhin fortgesetzt. So verringerte sich die Zahl der Beschäftigten um 305 Personen auf 73.203. 2018 fielen 198 Stellen weg, 2017 waren es 837. Gegenüber dem Höchststand der letzten zehn Jahre, der im Jahr 2011 erreicht wurde, hat sich die Zahl der Mitarbeitenden um 6.503 reduziert – dies entspricht einem Minus von 8,2%. Die größten Rückgänge seit 2011 gab es in Kärnten mit 23,4% sowie Tirol und Niederösterreich mit 14,6% bzw. 14,5%. Anstiege waren in Salzburg (+1,9%) und Oberösterreich (+1,6%) zu verzeichnen. Regional gesehen waren 2019 35,1% ­aller Bankbeschäftigten in Wien, 15,1% in Oberösterreich und 10,7% in Niederösterreich tätig.

Hier werden die Kennzahlen für Kreditinstitute nach Gemeinschaftsrecht für ausgewählte Länder für die Jahre 2014–2019 mit Säulendiagrammen dargestellt. Auf der linken Seite der Doppelgrafik sind die Einwohnerinnen und Einwohner pro Bankstelle (2019: Frankreich 1.872, Spanien 1.972, Italien 2.474, Österreich 2.534, Portugal 2.545, Deutschland 3.124, Belgien 4.232, Ungarn 4.995, Schweden 7.122, Niederlande 13.816) und auf der rechten Seite der Doppelgrafik sind die Einwohnerinnen und Einwohner pro Bankmitarbeiter bzw. Bankmitarbeiterin (2019: Österreich 125, Deutschland 144, Frankreich 168, Portugal 202, Italien 215, Belgien 229, Schweden 232, Ungarn 246, Niederlande 249, Spanien 273) abgebildet. Quelle: EZB, Eurostat.

Trotz des kontinuierlichen Rückganges der Anzahl der Bankstellen haben die österreichischen Banken im europäischen Vergleich 10 eine hohe Bankstellendichte 11 , die auch durch die historische Entwicklung und die strukturelle Ausrichtung des Bankensystems auf Raiffeisenbanken und Sparkassen zu erklären ist. So kommen in Österreich 2.534 Einwohnerinnen und -einwohner auf eine Bankstelle, während es in Deutschland 3.124 und in den Niederlanden 13.816 sind. Eine noch höhere Bankenstellendichte weisen Frankreich mit 1.872, Spanien mit 1972 und Italien mit 2474 auf. Eine hohe Bankstellendichte hat auch Vorteile hinsichtlich der Nähe zu den Kundinnen und Kunden, wirkt sich aber nachteilig auf die Kostenstruktur aus. Durch die Schließung von Bankfilialen verringert sich das Geschäftsvolumen wegen der zumeist fortdauernden Geschäftsbeziehungen kaum, verbessert sich aber das Kosten-Ertragsverhältnis.

Auf Bankmitarbeitende umgelegt bedeutet das, dass in Österreich eine in einer Bank beschäftigte Person auf 125 Einwohnerinnen und -einwohner kommt; in Deutschland sind es 144, in Italien 203 und in den Niederlanden 249. Die Zahl der Beschäftigten in der österreichischen Bankenlandschaft ist im europäischen Vergleich ziemlich hoch, jedoch dürfte eine Rolle spielen, dass es in Österreich viele kleine Banken gibt und Österreich auch als Osteuropa-Knotenpunkt fungiert.

3 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, patrick.thienel@oenb.at.

4 Ein ähnlicher Sondereffekt fand im Jahr 2011 statt und wirkte sich damals in einem Anstieg der Zahl der Zweigstellen aus, während 2020 die Anzahl der Zweigstellen zurückging.

5 Hauptanstalten und Zweigstellen von Kreditinstituten gemäß Bankwesengesetz (BWG).

6 Inkl. Einbringungen des bankgeschäftlichen Unternehmens in eine andere Bank.

7 Ende 2009 bis Ende 2019.

8 Siehe auch Geschäftsbericht der OeNB 2019.

9 Kreditinstitute gemäß BWG inkl. Zweigstellen gemäß § 9 Institute BWG.

10 Structural Indicators for the EU Banking Sector 2019. https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2020/html/ecb.pr200608~4613968937.en.html.

11 Vergleichszahlen beziehen sich auf Kreditinstitute nach Gemeinschaftsrecht und deren Zweigstellen.

Analysen

Executive Summaries

Strong monetary growth both in Austria and the euro area

This contribution discusses the composition of the monetary aggregate M3 and its growth, both in the euro area as a whole and in individual euro area countries. M3 growth in the euro area accelerated in 2020, coming to 9.5% in August 2020. At an annual growth rate of 7.9%, Austria’s contribution to euro area M3 growth also developed much more dynamically than at the beginning of 2020 (January 2020: 5.3%). Again, it was overnight deposits that were responsible for most of M3 growth (euro area: +13.7%; Austria: +11.0%). Remarkably, both Austria and the euro area saw strong flows into ­overnight deposits held by the corporate sector (+19.1% and +21.3%, respectively).

Government loan guarantees and the Eurosystem’s monetary policy support bank lending to businesses – Austrian results from the euro area bank lending survey published in October 2020

Government loan guarantees (an important part of the Austrian government’s coronavirus support package next to other measures) have allowed banks to be less restrictive in their lending policies than economic circumstances and regulatory provisions would have required them to be in the absence of such guarantees. Banks emphasized, however, that even if the government provides guarantees, they can only grant loans if corporate borrowers can be expected to be able to pay back their debt. In the course of the summer of 2020, the demand for guarantees visibly declined in terms of volume.

Thanks to their attractive conditions and beneficial effect on banks’ financial situation, the ­Euroystem’s targeted longer-term refinancing operations (TLTROs) are being very well received by banks. The funds made available through the TLTROs are also being used for lending, which is in line with the objectives of these monetary policy operations. According to the survey results, the Euro­system’s asset purchase programs have had a positive effect on Austrian banks’ liquidity and financing conditions but have negatively affected their profitability. The latter is also true for the ECB’s negative deposit facility rate. The burden caused for Austrian banks by the negative deposit facility rate has been reduced by the two-tier system for the remuneration of excess reserves introduced in fall 2019, ­however. For businesses and households, the ECB’s negative deposit facility rate has improved financing conditions, as it has prompted banks to lower interest on loans.

In the first three quarters of 2020, the margins on corporate loans were increased repeatedly, in particular for higher-risk loans. Moreover, in the third quarter of 2020, banks tightened the credit standards for corporate loans, citing the changed risk situation as the main reason.

Having seen an exceptionally steep rise in the first two quarters of 2020, corporate loan demand only saw a small increase in the third quarter of 2020. Greater demand is explained by companies’ need to stay solvent and keep their business up and running in the current crisis. Financing demand for fixed investment, on the other hand, has slumped.

Lending to households has been affected more moderately by the COVID-19 pandemic. In this segment, banks mostly tightened supply conditions in the second quarter of 2020 because of the changed risk situation. Compared to the second quarter of 2020, demand for housing loans was somewhat higher again in the third quarter, continuing a growth trend evident since 2019 and attributable to the low interest rate environment. The demand for consumer and other loans remained mostly ­stable in the third quarter of 2020, having visibly declined in the previous quarter. Banks attributed this decline to lower consumer confidence and reduced spending on durable goods.

Limited liability companies in Austria – a sociodemographic analysis

Financial accounts data document that business equity holdings (“other equity”) are an important part of Austrian households’ wealth, accounting for nearly 20% (EUR 144 billion) of households’ financial assets in 2019. Such equity stakes represent above all ownership in domestic limited liability companies (Gesellschaften mit beschränkter Haftung – GmbHs). Of the approximately 198,000 equity stakes recorded in Austria in 2019, 116,000 were accounted for by GmbHs. Against this background, this article for the first time analyzes sociodemographic aspects of the ownership structure of Austrian GmbHs. This analysis shows that one-quarter of equity stakes in Austrian GmbHs are being held by women and three-quarters by men. Furthermore, we see a 2.6 percentage point decline in the share held by women over time (2006: 25.3%; 2019: 22.7%). In 2019, more than 50% of all equity stakes in GmbHs were concentrated in three sectors of economic activity, i.e.: professional and technical ­activities (21.5%); wholesale and retail trade, repair of motor vehicles and motorcycles (18.6%); and real estate activities (12.8%).

Age is also a relevant factor in GmbH ownership structure: Between 2005 and 2019, we see a clear shift in the age structure of persons holding equity stakes in GmbHs. Fewer young people seem to have the courage to set up their own business. If we look at the statistics on Austrian GmbH foundations and closures over the same period, we find that companies that are active for at least three years tend to have a better chance of longer-term survival. Some 40% of all GmbHs founded and closed down ­between 2005 and 2019 did not reach the fourth year of business.

Securities issues and portfolio shifts in Austria’s economic sectors in the first half of 2020

In the first half of 2020, developments in securities issues and holdings in Austria were essentially ­influenced by the COVID-19 pandemic. Newly issued government bonds and government bond holdings recorded historic levels in the reporting period. Totaling EUR 54.5 billion, the gross issuance of ­government sector debt securities reached the highest six-month level since securities issues statistics were first compiled in 1997. Domestic mutual fund shares saw price losses of EUR 18.26 billion in the first quarter of 2020. Prices picked up by EUR 10.28 billion in the second quarter, however. Domestic mixed and real estate funds recorded positive net changes in shares issued even in times of high ­uncertainty. During the first stage of the COVID-19 pandemic, Austrian investors suffered smaller price losses than in the full year 2008 during the financial crisis, as prices recovered quickly in the second quarter of 2020. Against the background of the COVID-19 crisis, domestic credit institutions made net acquisitions of debt securities, with positive net transactions coming to EUR 3.65 billion and EUR 6.38 billion in the first two quarters of 2020, respectively. Austrian households took advantage of price losses during the COVID-19 pandemic to expand their portfolios by quoted shares and mutual fund shares. In the second quarter of 2020, households’ net transactions in mutual fund shares and quoted shares were positive (+EUR 1.42 billion and +EUR 1.13 billion, respectively), while their debt securities holdings saw a net reduction (–EUR 0.64 billion).

COVID-19 pandemic has visible impact on Austria’s external sector in the ­second quarter of 2020

According to initial calculations by Statistics Austria, the Austrian economy contracted by 14% in real terms, year on year, in the second quarter of 2020. International trade slowed down substantially during the COVID-19 pandemic, but trade activities had already been subdued in 2019, with geopolitical risks being present, Brexit imminent and protectionist measures already in place or looming. Initial calculations by the OeNB and Statistics Austria show that against this backdrop, domestic exports of goods and services went down markedly in the second quarter of 2020, namely by 22.6% to EUR 41.4 billion in nominal terms (year on year). Austria’s current account was almost in balance, both in nominal terms and in relation to GDP (–EUR 0.05 billion and –0.1% of GDP), recording a surplus of around EUR 5 billion (or 2.7% of GDP) in the first half of 2020. The financial account posted a net value of just under –EUR 5 billion and was thus clearly below the comparable 2019 figure. The impact of the COVID-19 pandemic is reflected in particular in the development of portfolio ­investment liabilities, which recorded a deficit of EUR 0.7 billion in the first half of 2020. These are preliminary figures. Late reporting and data revisions may occur as developments in the real economy and the financial sector are influenced by the COVID-19 pandemic.

Übersicht

Hohes Geldmengenwachstum in Österreich und im Euroraum

Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit der Zusammensetzung der Geldmenge M3 und deren ­Entwicklung im Euroraum bzw. in den teilnehmenden Mitgliedsländern. Das Geldmengenwachstum M3 im Euroraum beschleunigte sich im Jahr 2020 und belief sich im August 2020 auf 9,5%. Der ­österreichische Beitrag zum Geldmengenwachstum im Euroraum entwickelte sich mit einem Jahreswachstum von 7,9 % ebenfalls deutlich dynamischer als noch zu Beginn des Jahres (Jänner 2020: 5,3%). Abermals waren es täglich fällige Einlagen (Euroraum: +13,7%, Österreich: +11,0%), die für den Großteil des Geldmengenwachstums verantwortlich waren. Auffallend waren sowohl in ­Österreich (+19,1%) als auch im Euroraum (+21,3%) starke Zuflüsse bei täglich fälligen Unternehmenseinlagen.

Staatliche Kreditgarantien und geldpolitische Maßnahmen des Eurosystems unterstützen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen – Österreich-­Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Oktober 2020

Staatliche Kreditgarantien (neben anderen Unterstützungsmaßnahmen ein wichtiger Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung) haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne staatliche Garantien aus wirtschaftlichen und ­regulatorischen Gründen hätten sein müssen. Die Banken betonen jedoch, dass natürlich auch bei einer Vergabe mit Garantie die Rückzahlbarkeit des Kredits durch das kreditnehmende Unternehmen gegeben sein muss. Das nachgefragte Garantievolumen ist über den Sommer 2020 deutlich zurück­gegangen.

Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems werden von den Banken aufgrund der attraktiven Bedingungen sehr gut angenommen und wirken sich positiv auf ihre ­finanzielle Situation aus. Die durch die Geschäfte verfügbaren Mittel werden auch für die Kredit­vergabe verwendet, was den Zielsetzungen dieses Maßnahmenpakets entspricht. Den Umfrage­ergebnissen zufolge haben die Ankaufprogramme des Eurosystems positive Auswirkungen auf Liquidität und Finanzierungsbedingungen der österreichischen Banken, aber nachteilige Effekte auf ihre Ertragslage. Auch der negative Zinssatz der EZB-Einlagefazilität bringt eine Belastung der Ertragslage der Banken mit sich. Das im Herbst 2019 eingeführte zweistufige System für die Verzinsung von Überschussliquidität verringert diese Belastung jedoch. Über gesunkene Kreditzinsen wirkt der negative Zinssatz der EZB-Einlagefazilität vorteilhaft auf die Finanzierungsbedingungen von Unternehmen und privaten Haushalten.

Die Margen für Unternehmenskredite wurden in den ersten drei Quartalen 2020 laufend erhöht, besonders bei risikoreicheren Krediten. Im dritten Quartal 2020 wurden zudem die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite verschärft. Die Verschärfungen begründeten die Banken vor allem mit einer geänderten Risikosituation.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im dritten Quartal 2020 nur mehr leicht gestiegen. In den ersten beiden Quartalen 2020 gab es noch außergewöhnlich große Nachfragesteigerungen. Diese Anstiege sind auf den Bedarf der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs in der aktuellen Krise zurückzuführen. Der Finanzierungsbedarf für Anlage­investitionen ist hingegen eingebrochen.

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie fallen im Kreditgeschäft mit privaten Haushalten moderater aus. Die Banken haben aufgrund der geänderten Risikosituation ihre Angebotspolitik hier hauptsächlich im zweiten Quartal 2020 gestrafft. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im dritten Quartal 2020 wieder etwas gestiegen (im Vergleich zum zweiten Quartal 2020). Damit setzte sich ein seit 2019 bestehender, mit dem niedrigen Zinsniveau begründeter, Trend fort. Die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten blieb im dritten Quartal 2020 weitgehend unverändert, nachdem sie im zweiten Quartal 2020 deutlich zurückgegangen war. Dieser Einschnitt wurde mit gesunkenem Konsumentenvertrauen und geringeren Ausgaben für langlebige Wirtschaftsgüter begründet.

Österreichische GmbHs – eine soziodemografische Analyse

Aus Sicht der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung sind Unternehmensbeteiligungen („Sonstige Anteilsrechte“) für private Haushalte in Österreich ein wichtiger Bestandteil des Geld­vermögens. Sie machten im Jahr 2019 knapp 20 % (144 Mrd EUR) des Geldvermögens aus, wobei vor allem Beteiligungen an Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHs) von Bedeutung sind. Im Jahr 2019 wurden in Österreich etwa 198.000 Beteiligungen erfasst, welche sich auf etwa 116.000 GmbHs verteilen. Darauf basierend analysiert dieser Artikel erstmals den Aspekt der Eigentumsstruktur inländischer GmbHs, angereichert mit soziodemografischen Informationen. So zeigt sich, dass ein Viertel der Beteiligungen österreichischer GmbHs von Frauen gehalten werden, drei Viertel entfallen auf Männer. Darüber hinaus gab es über den Zeitverlauf einen prozentualen Rückgang von 2,6 Prozentpunkten bei Beteiligungen von Frauen (2006: 25,3%; 2019: 22,7 %). Im Jahr 2019 ließen sich mehr als 50 % aller GmbH-Beteiligungen auf drei Branchen zurückführen. Hierbei handelt es sich um die Branchen „Erbringung von freiberuflichen und technischen Dienstleistungen“ (21,5%), „Handel, ­Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ (18,6%) und „Grundstücks- und Wohnungs­wesen“ (12,8%).

Auch das Alter der Beteiligten spielt eine relevante Rolle: Über die letzten 14 Jahre hinweg hat sich die Altersstruktur jener Personen, die an GmbHs beteiligt sind, deutlich verschoben. Dies lässt den Schluss zu, dass zunehmend weniger jüngere Gesellschafter und Gesellschafterinnen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Betrachtet man in einem Zeitraum von 14 Jahren die Gründungs- sowie Beendigungsstatistik von österreichischen GmbHs, zeigt sich, dass jene Unternehmen, die zumindest drei Jahre aktiv sind, tendenziell eine höhere Chance haben, längerfristig bestehen zu können. Knapp 40 % aller GmbHs, die zwischen 2005 und 2019 gegründet und beendet wurden, erreichten nicht das vierte Geschäftsjahr.

Wertpapieremissionen und Portfolioumschichtungen österreichischer Sektoren − Entwicklungen im ersten Halbjahr 2020

Die Entwicklung der österreichischen Wertpapieremissionen und -bestände im ersten Halbjahr 2020 war wesentlich von der COVID-19-Pandemie geprägt. Im ersten Halbjahr 2020 wurde ein historischer Rekordwert an neu begebenen bzw. aufgestockten Staatsanleihen verzeichnet. Der Sektor Staat ­verzeichnete im ersten Halbjahr 2020 mit insgesamt 54,5 Mrd EUR den höchsten Halbjahreswert für Bruttoemissionen verzinslicher Wertpapiere seit dem Beginn der Erhebung der Emissionsstatistik im Jahr 1997. Die inländischen Investmentzertifikate erlitten im ersten Quartal 2020 an Kurswert­verluste in der Höhe von –18,26 Mrd EUR, wobei im zweiten Quartal +10,28 Mrd EUR wieder ­aufgeholt werden konnten. Inländische Misch- und Immobilienfonds konnten selbst in Zeiten großer Unsicherheiten positive Nettomittelveränderungen begebener Anteile vermelden. Aus Sicht der ­österreichischen Anlegerinnen und Anleger fielen die Kursverluste der ersten Phase der COVID-19-Pandemie aufgrund der raschen Kurserholung im zweiten Quartal 2020 geringer aus als im ­gesamten Jahr der Finanzkrise 2008. Inländische Kreditinstitute tätigten vor dem Hintergrund der Krise Nettoankäufe von verzinslichen Wertpapieren. In den ersten beiden Quartalen im Jahr 2020 wurde ein Nettotransaktionsvolumen von +3,65 Mrd EUR bzw. +6,38 Mrd EUR an verzinslichen Wertpapieren von inländischen Kreditinstituten verzeichnet. Österreichische Haushalte nutzten die Kurseinbrüche in der COVID-19-Pandemie, um ihr Portfolio um börsennotierte Aktien und ­Investmentzertifikate günstig aufzustocken. Im zweiten Quartal 2020 tätigten die Haushalte positive Nettotransaktionen in Investmentzertifikate (+1,42 Mrd EUR) und börsennotierte Aktien (+1,13 Mrd EUR), während verzinsliche Wertpapiere im Portfolio netto abgebaut wurden (–0,64 Mrd EUR).

Erkennbare Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Außenwirtschaft im zweiten Quartal 2020

Im zweiten Quartal 2020 ist Österreichs Wirtschaft ersten Berechnungen der Statistik Austria zufolge real um 14% im Vorjahresvergleich geschrumpft. International ist der Handel im Zuge der COVID-19-Pandemie markant zurückgegangen, doch bereits die Handelsentwicklung im Jahr 2019 verlief ­angesichts geopolitischer Risiken, des bevorstehenden Brexits sowie bereits verhängter bzw. drohender protektionistischer Maßnahmen gedämpft. Nach erster Berechnung von OeNB und Statistik Austria haben die heimischen Exporte von Gütern und Dienstleistungen unter diesen Rahmenbedingungen im zweiten Quartal 2020 markant abgenommen (um 22,6% auf 41,4 Mrd EUR, nominell gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Der Saldo der Leistungsbilanz war nominell und im Verhältnis zum BIP beinahe ausgeglichen (–0,05 Mrd EUR bzw. –0,1% des BIP). Im ersten Halbjahr 2020 wurde ein Überschuss in Höhe von rund 5 Mrd EUR bzw. 2,7 % im Verhältnis zum BIP verzeichnet. Der Nettowert der ­Kapitalbilanz von knapp –5 Mrd EUR war deutlich geringer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie spiegeln sich insbesondere in der Entwicklung der ­Verpflichtungen aus Portfolioinvestitionen wider. Im ersten Halbjahr 2020 war ein Defizit von –0,7 Mrd EUR erkennbar. Die Zahlen sind als vorläufig zu interpretieren. Aufgrund der real- und ­finanzwirtschaftlichen Entwicklungen der COVID-19-Pandemie kann es zu Nachmeldungen bzw. ­Revisionen kommen.

Hohes Geldmengenwachstum in Österreich und im Euroraum

Entwicklung der Geldmenge M3 und deren Gegenposten in Österreich bzw. im Euroraum

Martin Bartmann 12

Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit der Zusammensetzung der Geldmenge M3 und deren Entwicklung im Euroraum bzw. in den teilnehmenden Mitgliedsländern. Das Geldmengen­wachstum M3 im Euroraum beschleunigte sich im Jahr 2020 und belief sich im August 2020 auf 9,5%. Der österreichische Beitrag zum Geldmengenwachstum im Euroraum entwickelte sich mit einem Jahreswachstum von 7,9% ebenfalls deutlich dynamischer als noch zu Beginn des Jahres (Jänner 2020: 5,3%). Abermals waren es täglich fällige Einlagen (Euroraum: +13,7%, Österreich: +11,0%), die für den Großteil des Geldmengenwachstums verantwortlich waren. Auffallend waren sowohl in Österreich (+19,1%) als auch im Euroraum (+21,3%) starke Zuflüsse bei täglich fälligen Unternehmenseinlagen.

Zusammensetzung der Geldmengenaggregate im Euroraum

Die Entwicklung der Geldmenge M3 ist für das System Europäischer Zentral­banken (ESZB) von zentraler Bedeutung, da sie eine wichtige Datengrundlage für ihre geldpolitischen Entscheidungen darstellt. Das zentrale Geldmengenaggregat M3 beinhaltet neben Bargeld auch kurzfristige Einlagenprodukte, begebene Geldmarktfondsanteile sowie auch begebene Wertpapiere mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Bei den beschriebenen Produkten handelt es sich immer um Geschäfte monetärer Finanzinstitute (MFIs) mit nichtmonetären Finanzinstituten. Somit handelt es sich bei der Geldmenge M3 um den Bestand an Geld, welcher von ­monetären Finanzinstituten begeben und von nichtmonetären Finanzinstituten (ausgenommen ist der Zentralstaat) gehalten wird. Zu den nichtmonetären Finanzinstituten zählen neben privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen auch der Staatssektor und sonstige Finanzintermediäre (inklusive Versicherungen und Pensionskassen).

Das Geldmengenaggregat M3 besteht aus den Sub-Aggregaten M1 und M2, die man auf Basis ihrer Liquidität bzw. Verfügbarkeit unterscheidet. Die Struktur der Geldmenge hat sich seit 2008 dramatisch verändert. Lag der Anteil des Geld­mengen­aggregats M1 – dieses beinhaltet neben dem Bargeldumlauf noch die täglich fälligen Einlagen von nichtmonetären Finanzinstituten – an der gesamten Geldmenge im Euroraum im Jahr 2008 noch bei ca. 42%, stieg dieser bis August 2020 auf über 70% an. In Österreich war die Entwicklung sogar noch stärker ausgeprägt. Der österreichische Beitrag zur Geldmenge im Euroraum bestand im Jahr 2008 zu rund 40% aus dem Geldmengenaggregat M1. Im Zeitverlauf stieg dieser Anteil – vor allem aufgrund der deutlichen Ausweitung von täglich fälligen Einlagen – auf ca. 77% an. Das Geldmengenaggregat M2 besteht neben dem Geldmengenaggregat M1 noch aus den sonstigen kurzfristigen Einlagen, welche neben Einlagen mit ­vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren noch Einlagen mit Kündigungsfrist 13 von bis zu drei Monaten beinhalten. Im Euroraum haben Einlagen mit Kündigungsfrist eine stärkere Relevanz als dies in Österreich der Fall ist und machen mit 2.418 Mrd EUR sogar einen Großteil (ca. 70%) der sonstigen kurzfristigen Einlagen aus. In Österreich bestehen die sonstigen kurzfristigen Einlagen fast ausschließlich (zu 96%) aus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Zählt man zum Geldmengenaggregat M2 noch die kurzfristigen marktfähigen Finanzinstrumente hinzu, ist die Definition der gesamten Geldmenge M3 vollständig. Zu den sonstigen marktfähigen Finanzinstrumenten zählen Repogeschäfte 14 , begebene Geldmarktfondsanteile bzw. begebene Wertpapiere mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Die sonstigen kurzfristigen Finanzinstrumente haben jedoch sowohl im Euroraum mit lediglich 697 Mrd EUR als auch in Österreich mit rund 3 Mrd EUR nur eine geringe ­Bedeutung.

Die Abbildung 1 zeigt die Zusammensetzung der Geldmenge M3 im Euroraum. Es wird dargestellt, dass das Geldmengenaggregat M3 aus den Sub-Aggregaten M1 (zusammengesetzt aus Bargeldumlauf und den täglich fälligen Einlagen von nichtmonetären Finanzinstituten) und M2, das sich aus M1 und sonstigen kurzfristigen Einlagen (Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren Einlagen mit Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten) zusammensetzt sowie den kurzfristigen marktfähigen Finanzinstrumenten (Repogeschäfte, begebene Geldmarktfondsanteile bzw. begebene Wertpapiere mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren) besteht. M1 umfasst 9.855 Mrd EUR, M2 13.324 Mrd. EUR und M3 14.017 Mrd EUR. Quelle: EZB.

Die größten Beiträge zum Euroraum-Geldmengenaggregat M3 leisteten mit 26% Deutschland bzw. mit 22% Frankreich (August 2020). Weitere signifikante Beiträge wiesen Italien (14%) und Spanien (11%) auf. Österreichs Beitrag zur Geldmenge im Euroraum lag mit 421,4 Mrd EUR bei exakt 3%. Im folgenden ­Abschnitt wird die Entwicklung der Geldmenge im Euroraum am aktuellen Rand – speziell seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie – näher analysiert und auf die unterschiedlichen Entwicklungen in den Euroraum-Mitgliedsländern eingegangen.

Das Tortendiagramm Grafik 1 zeigt die Beiträge der größten Mitgliedsländer zur Geldmenge M3 im Euroraum. Den größten Beitrag zur gesamten Geldmenge im Euroraum hatte mit 26% Deutschland. In Frankreich, Italien und Spanien lagen die Beiträge bei 22%, 14% bzw. 11%. Die restlichen Euroraum-Mitgliedsländer trugen in Summe 27% zur gesamten Geldmenge im Euroraum bei. Quelle: Europäische Zentralbank.

Dynamische Geldmengenentwicklung seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie

Der österreichische Beitrag zum Geldmengenwachstum M3 im Euroraum stieg im August 2020 mit einer Jahreswachstumsrate von 7,9% (+31,0 Mrd EUR) auf 421,4 Mrd EUR an. Die entsprechende Jahreswachstumsrate wies im Februar 2020 – vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie – noch 5,7% auf und stieg ab ­diesem Zeitpunkt deutlich an. Im Juli 2020 wurde mit einer M3-Ausweitung von 9,2% im Jahresvergleich der höchste Wert seit 2008 erreicht. Im Euroraum war eine noch dynamischere Entwicklung zu beobachten. Das Geldmengenwachstum lag im Februar 2020 im gesamten Euroraum mit 5,5% noch unter jenem Österreichs und erhöhte sich in den darauffolgenden Monaten bis Juli 2020 auf 10,1% – dies entsprach dem höchsten Wert seit 2008. Im August 2020 lag der ­entsprechende Prozentsatz bei 9,5%.

Alle Mitgliedsländer wiesen per August 2020 einen positiven Beitrag zum Geldmengenwachstum im Euroraum auf. Den größten Anteil am Geldmengenwachstum im Euroraum hatte Frankreich, wo sich die Geldmenge M3 im Jahresvergleich um 12,8% (+346,7 Mrd EUR) ausweitete. In Deutschland, welches mit 26% den höchsten Anteil an der gesamten Geldmenge im Euroraum hat, entwickelte sich das Geldmengenwachstum mit 7,1% (+246,2 Mrd EUR) hingegen nur unterdurchschnittlich.

Das Liniendiagramm in Grafik 2 zeigt das Jahreswachstum der Geldmenge M3 im Euroraum bzw. das Jahreswachstum der Beiträge zur Geldmenge M3 von Österreich, Deutschland und Frankreich zwischen August 2010 und August 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von –5% bis +20%. Zu Beginn der Periode stagnierte das Geldmengenwachstum in Österreich und in den folgenden Jahren stieg es auf bis zu 9,2% im Juli 2020 an. Der letzte verfügbare Wert für August 2020 lag bei 7,9%. Der entsprechende Euroraum-Vergleichswert entwickelte sich ähnlich wie jener Österreichs, wies jedoch im August 2020 mit 9,5% einen höheren Wert auf. Das M3-Wachstum Frankreichs verdoppelte sich seit Februar 2020 fast und lag im August 2020 bei 12,8%. In Deutschland lag das M3-Wachstum im August 2020 mit 7,1% unter jenem Österreichs. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Starker Anstieg täglich fälliger Einlagen

Betrachtet man die Einzelkomponenten der Geldmenge, so zeigt sich, dass sowohl in Österreich als auch im Euroraum weiterhin das Geldmengenaggregat M1 und im Speziellen die täglich fällige Einlagen – welche in Österreich mit 68,7% (289,4 Mrd EUR) bzw. im Euroraum mit 60,9% (8.532,4 Mrd EUR) jeweils den höchsten Anteil an der Geldmenge M3 ausmachen – für das deutlich positive Geldmengenwachstum verantwortlich waren. Täglich fällige Einlagen weiteten sich im Jahresverlauf in Österreich um 11,0% bzw. +28,5 Mrd EUR aus (Euroraum: +13,7% bzw. +1.034,7 Mrd EUR), wobei fast der gesamte Anstieg (90,3%) auf private Haushalte (+8,3% bzw. +14,4 Mrd EUR) und nichtfinanzielle Unternehmen (+19,1% bzw. +11,3 Mrd EUR) zurückzuführen war. Insbesondere die Entwicklung täglich fälliger Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen nahm seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie – sowohl in Österreich als auch im Euroraum – sprunghaft zu. Im Februar 2020 lagen die jeweiligen Wachstumsraten noch bei 6,1% (Österreich) bzw. 9,0% (Euroraum) um in weiterer Folge auf 19,1% bzw. 21,3% anzusteigen. Das Euroraum-Aggregat wurde insbesondere von Frankreich, das mit 35,1% das mit Abstand höchste Jahreswachstum aller Mitgliedsländer in diesem Segment aufwies, beeinflusst. Täglich fällige Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen in Deutschland stiegen hingegen mit 14,0% wesentlich geringer als im Euroraum-Durchschnitt bzw. in Österreich an.

Grafik 3 zeigt als Linien dargestellt den Verlauf (November 2017 bis August 2020) der Jahreswachstumsraten täglich fälliger Einlagen von privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen. Beide Linien werden sowohl für Österreich als auch für den Euroraum dargestellt. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0% bis +25%. Das Wachstum täglich fälliger Einlagen privater Haushalte startete im November 2017 in Österreich bei 11,7%, jenes im Euroraum bei 9,0%. Während sich die Wachstumsrate im Euroraum über den gesamten Zeitraum relativ konstant entwickelte und erst im Jahr 2020 auf bis zu 11,5% (August 2020) anstieg, stieg die Wachstumsrate Österreichs auf bis zu 16,7% im August 2018 an und reduzierte sich in weiterer Folge wieder auf 8,3% (August 2020). Das Einlagenwachstum nichtfinanzieller Unternehmen stieg seit Februar 2020 sowohl im Euroraum (von 9,0% auf 21,3% im August 2020) als auch in Österreich (von 6,0% auf 19,1% im Februar 2020) deutlich an. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Die sonstigen kurzfristigen Einlagen, welche in Österreich fast ausschließlich (zu 95,6%) aus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren bestehen, lieferten in Österreich mit einem Jahreswachstum von –1,0% bzw. –0,9 Mrd EUR einen geringen negativen Beitrag zum M3-Geldmengenwachstum. Den höchsten Anteil am Einlagenvolumen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren hatten in Österreich mit 69,0% bzw. 62,9 Mrd EUR private Haushalte, welche mit –4,6% bzw. –3,0 Mrd EUR ihr Einlagenvolumen in dieser Kategorie abbauten. Die Einlagenentwicklung ist in diesem Segment seit Jahren rückläufig, wobei sich die Rückgänge seit Dezember 2019 (–1,7%) deutlich verstärkten. ­Einlagen von privaten Haushalten mit vereinbarter Laufzeit von über zwei Jahren – diese sind nicht Teil der Geldmenge M3 – waren in Österreich im Jahres­vergleich mit –7,2% noch deutlicher rückläufig.

Für weitere Abflüsse bei Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren verantwortlich waren der Staatssektor 15 (–19,7% bzw. –1,2 Mrd EUR) bzw. sonstige Finanzintermediäre 16 (–21,0% bzw. –1,9 Mrd EUR). Lediglich der ­Unternehmenssektor wies eine ungewöhnlich hohe Ausweitung (+45,2% bzw. +5,0 Mrd EUR) seiner Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren aus. Die Hälfte der Ausweitung von Unternehmenseinlagen mit vereinbarter ­Laufzeit fand in der Kategorie bis 6 Monate (+46,9% bzw. +2,5 Mrd EUR) statt und steht damit dem Unternehmenssektor weiterhin sehr kurzfristig zur ­Verfügung.

Im Euroraum-Durchschnitt machten Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren lediglich 30,3% der sonstigen kurzfristigen Einlagen, die zu 69,7% aus Einlagen mit Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten bestehen, aus. Im Euroraum kam es im August 2020 bei den sonstigen kurzfristigen Einlagen – anders als in Österreich – im Jahresvergleich (+0,4% bzw. +12,8 Mrd EUR) zu einem geringen Anstieg, wobei sich die beiden Unterkategorien unterschiedlich entwickelten. Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren waren im Euroraum mit –5,1% bzw. –56,2 Mrd EUR rückläufig. Diese Entwicklung wurde insbesondere von Spanien (–15,4% bzw. –27,7 Mrd EUR) und Luxemburg (–29,6% bzw. –9,1 Mrd EUR) beeinflusst. Trotzdem leisteten auch Spanien und Luxemburg einen positiven Beitrag zum Geldmengenwachstum im Euroraum, da der Anstieg bei täglich fälligen Einlagen in beiden Ländern (Spanien: +12,7% bzw. +133,7 Mrd EUR, Luxemburg: +9,9% bzw. +26,2 Mrd EUR) die soeben beschriebenen Rückgänge bei Einlagen mit vereinbarter Laufzeit überkompensierte. Einlagen mit Kündigungsfrist bis zu drei Monaten entwickelten sich im Euroraum mit +2,9% bzw. +68,9 Mrd EUR positiv. Mit einem Jahreswachstum von 7,6% bzw. 53,5 Mrd EUR wurde diese Einlagenkategorie insbesondere von Frankreich positiv beeinflusst.

Kurzfristige marktfähige Finanzinstrumente (Repogeschäfte, begebene Geldmarktfondsanteile, begebene Wertpapiere mit Laufzeit bis zu zwei Jahren) haben in Österreich kaum eine Bedeutung. Das gesamte aushaftende Volumen lag in dieser Kategorie bei 3,5 Mrd EUR, sodass auch deren Einfluss auf die Geldmenge zu ­vernachlässigen ist. Auch im Euroraum insgesamt haben kurzfristige marktfähige Finanzinstrumente nur einen geringen Anteil von 5,0% an der Geldmenge und leisteten im August 2020 – trotz eines Jahreswachstums von 8,3% – nur einen geringen positiven Beitrag in Höhe von 0,42 Prozentpunkten zum Geldmengenwachstum.

Einlagenzinssätze im Euroraum auf historischen Tiefstständen

Ein Grund für die Rückgänge bei Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bzw. den starken Anstieg täglich fälliger Einlagen von privaten Haushalten dürften die geringen Zinsaufschläge von gebundenen Einlagen gegenüber täglich fälligen Einlagen sein. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für Einlagen mit vereinbarter Laufzeit lag in Österreich im August 2020 mit 0,18% nur um 11 Basispunkte über ­jenem von täglich fälligen Einlagen (0,07%). Diese Entwicklung ist über alle Euroraum-Länder hinweg sehr ähnlich. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für neu vergebene Einlagen mit vereinbarter Laufzeit lag im Euroraum im August 2020 mit 0,23% auf seinem historischen Tiefststand, während täglich fällige ­Einlagen nur noch mit 0,02% verzinst wurden.

Grafik 4 zeigt als Linien dargestellt den Verlauf (August 2012 bis August 2020) der Zinssätze täglich fälliger Einlagen bzw. neu vergebenen Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von privaten Haushalten. Beide Linien werden sowohl für Österreich als auch für den Euroraum dargestellt. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0% bis 3%. Die Einlagenzinssätze für den Euroraum starteten bei 2,63% (Einlagen mit vereinbarter Laufzeit) bzw. 0,41% (täglich fällige Einlagen) und gingen im Verlauf der Zeitreihe konstant zurück. Im August 2020 lag der Zinssatz neuer Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bei 0,23%, jener für täglich fällige Einlagen bei 0,02%. In Österreich waren die Zinssätze im Verlauf der Zeitreihe ebenfalls rückläufig. Der täglich fällige Einlagenzinssatz ging von 0,56% (August 2012) bis auf 0,07% (August 2020) zurück, während sich jener von neuen Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von 1,19% (August 2012) bis 0,18% (August (2020) ebenfalls rückläufig entwickelte. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Bei neuen Unternehmenseinlagen mit vereinbarter Laufzeit traten im Euroraum weiterhin negative Einlagenzinssätze auf. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für neue Unternehmenseinlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu einem Jahr – in welche 97% aller neuen Unternehmenseinlagen mit vereinbarter Laufzeit fallen – erreichte im August 2020 im Euroraum mit –0,20% einen neuen ­historischen Tiefststand. Negative kapitalgewichtete Durchschnittszinssätze für Unternehmenseinlagen von bis zu einem Jahr waren dabei in sieben von 19 Mitgliedsländern zu beobachten, wobei Deutschland mit –0,34% den geringsten Zinssatz in diesem Segment aufwies. Auch in Österreich sind negative Einlagenzinssätze bei Unternehmenseinlagen seit einiger Zeit zu beobachten, wobei diese insbesondere bei sehr hohen Einlagen von Unternehmen mit Firmensitz in ­Ländern der sonstigen Währungsunion – wo es bereits seit längerem negative Einlagen­zinssätze gibt – auftraten. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für neue Unternehmenseinlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr lag in ­Österreich im mit –0,07% noch deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt. Der Zinssatz täglich fälliger Unternehmenseinlagen war in Österreich mit 0,01% nur noch knapp positiv. Im Euroraum lag der entsprechende Wert hingegen schon bei 0,00% und in einigen Mitgliedsländern – wie zum Beispiel in Deutschland mit –0,08% – war der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz für täglich fällige Unternehmenseinlagen bereits im negativen Bereich.

12 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, martin.bartmann@oenb.at.

13 Die vereinbarte Laufzeit ist jene Zeitspanne einer Einlage, vor deren Ablauf sie nicht, oder nur unter Inkaufnahme einer Vertragsstrafe, z. B. eines geringeren Zinssatzes, getilgt werden kann. Die Kündigungsfrist entspricht dem Zeitraum zwischen dem Zeitpunkt, zu dem der Inhaber seine Absicht, das Instrument abzulösen, bekannt gibt, und dem Zeitpunkt, zu dem der Inhaber die Anlage in Bargeld umwandeln kann, ohne eine Vertragsstrafe zahlen zu müssen. Einlagen werden nur dann gemäß der Kündigungsfrist erfasst, wenn es keine vereinbarte Laufzeit gibt.

14 Bei Repogeschäften handelt es sich um befristete Transaktionen auf Basis einer Rückkaufvereinbarung.

15 Sonstiger Staat = Bundesländer, Gemeinden, Sozialversicherungen.

16 Zum Sektor „sonstiger Finanzintermediäre“ zählen zum Beispiel firmeninterne Finanzierungseinrichtungen und Kapitalgeber, Investmentfonds, Versicherungen bzw. Pensionskassen.

Staatliche Kreditgarantien und geldpolitische Maßnahmen des Eurosystems unterstützen Kreditvergabe der Banken an Unternehmen

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Oktober 2020 17

Gerald Hubmann 18

Staatliche Kreditgarantien (neben anderen Unterstützungsmaßnahmen ein wichtiger Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung) haben es den Banken ermöglicht, bei der Kreditvergabe weniger restriktiv zu sein, als sie es ohne staatliche Garantien aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen hätten sein müssen. Die Banken betonen jedoch, dass natürlich auch bei einer Vergabe mit Garantie die Rückzahlbarkeit des Kredits durch das kreditnehmende Unternehmen gegeben sein muss. Das nachgefragte Garantievolumen ist über den Sommer 2020 deutlich zurückgegangen.

Die gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems werden von den Banken aufgrund der attraktiven Bedingungen sehr gut angenommen und wirken sich positiv auf ihre finanzielle Situation aus. Die durch die Geschäfte verfügbaren Mittel werden auch für die Kreditvergabe verwendet, was den Zielsetzungen dieses Maßnahmenpakets entspricht. Den Umfrageergebnissen zufolge haben die Ankaufprogramme des Eurosystems positive ­Auswirkungen auf Liquidität und Finanzierungsbedingungen der österreichischen Banken, aber nachteilige Effekte auf ihre Ertragslage. Auch der negative Zinssatz der EZB-Einlagefazilität bringt eine Belastung der Ertragslage der Banken mit sich. Das im Herbst 2019 eingeführte zweistufige System für die Verzinsung von Überschussliquidität verringert diese Belastung ­jedoch. Über gesunkene Kreditzinsen wirkt der negative Zinssatz der EZB-Einlagefazilität ­vorteilhaft auf die Finanzierungsbedingungen von Unternehmen und privaten Haushalten.

Die Margen für Unternehmenskredite wurden in den ersten drei Quartalen 2020 laufend erhöht, besonders bei risikoreicheren Krediten. Im dritten Quartal 2020 wurden zudem die Kreditrichtlinien für Unternehmenskredite verschärft. Die Verschärfungen begründeten die Banken vor allem mit einer geänderten Risikosituation.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im dritten Quartal 2020 nur mehr leicht gestiegen. In den ersten beiden Quartalen 2020 gab es noch außergewöhnlich große Nachfragesteigerungen. Diese Anstiege sind auf den Bedarf der Unternehmen zur Aufrecht­erhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs in der aktuellen Krise zurückzuführen. Der Finanzierungs­bedarf für Anlageinvestitionen ist hingegen eingebrochen.

Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie fallen im Kreditgeschäft mit privaten Haushalten moderater aus. Die Banken haben aufgrund der geänderten Risikosituation ihre Angebots­politik hier hauptsächlich im zweiten Quartal 2020 gestrafft. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im dritten Quartal 2020 wieder etwas gestiegen (im Vergleich zum ­zweiten Quartal 2020). Damit setzte sich ein seit 2019 bestehender, mit dem niedrigen ­Zinsniveau begründeter, Trend fort. Die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten blieb im dritten Quartal 2020 weitgehend unverändert, nachdem sie im zweiten Quartal 2020 deutlich zurückgegangen war. Dieser Einschnitt wurde mit gesunkenem Konsumenten­vertrauen und geringeren Ausgaben für langlebige Wirtschaftsgüter begründet.

Die Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen ­konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen und sind demnach aktuell und wohl auch in nächster Zeit stark von den Folgen der COVID-19-Pandemie beeinflusst, die heuer zu einem massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. Noch im ­Februar dieses Jahres war die OeNB in ihrer Kurzfristprognose für Österreich von einer leichten Konjunkturbelebung im ersten Halbjahr 2020 ausgegangen. Die von der Regierung mit März 2020 beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie führten dann jedoch zu einem massiven wirtschaftlichen Einbruch. Mit der Rücknahme der Einschränkungen ab Ostern 2020 hat das ­wirtschaftliche Aktivitätsniveau wieder zugenommen. Nach einer ersten ­Schätzung der OeNB lag das österreichische BIP (real) im dritten Quartal 2020 ca. 4,5 % unter dem Vorjahresniveau. In Kalenderwoche 14 (Woche ab dem 30. März 2020) betrug die BIP-Lücke gemäß dem wöchentlichen BIP-Indikator der OeNB 19 noch gut 26 %. In ihrer aktuellen Prognose (Juni 2020) erwartet die OeNB für die Jahre 2020 und 2021 BIP-Änderungen von –7,2 % und +4,9 %. Der Anstieg der Infektionszahlen ab September 2020 bringt jedoch konjunkturelle Abwärtsrisiken.

Abschnitt 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, ­Abschnitt 2 jenes mit privaten Haushalten. Abschnitt 3 hat die Refinanzierungs­situation der Banken zum Thema. In Abschnitt 4 geht es um die Auswirkungen der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems. Vorab erfolgt der wichtige Hinweis, dass die Geldpolitik auf den Euroraum insgesamt ausgerichtet ist. Ihre generelle Wirksamkeit kann nicht anhand der hier präsentierten Österreich-Ergebnisse besprochen werden.

Punktuelle Ergebnisse für die einzelnen Quartale sind den Tabellen 1 bis 3 zu entnehmen, Grafik 1 zeigt längerfristige Trends bei den Quartalsveränderungen, Grafik 2 verdeutlicht den Kreditbestand österreichischer Banken ­gemäß EZB-­Monetärstatistik. Grafik 3 stellt die langfristige Entwicklung der ­Zinsen für Neukredite in Österreich und des allgemeinen Zinsniveaus dar, die Grafiken 4 bis 6 illustrieren die Beiträge der Faktoren der Margenentwicklung für Neukredite in Österreich. Die Kästen 1 und 2 am Ende des Artikels enthalten ­Erläuterungen und eine kurze Übersicht über die aggregierten Euroraum-Ergebnisse der Umfrage.

1 Unternehmenskredite: Richtlinien verschärft, Margen erhöht

Das Kreditgeschäft der österreichischen Banken mit Unternehmen ist sehr stark von den wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie betroffen. In den ­Umfrageergebnissen für die ersten drei Quartale 2020 zeigen sich auffällige ­Brüche und Änderungen bisheriger Entwicklungen. Durch die geänderte Risikosituation gestalten die ­Banken ihre Kreditangebotspolitik restriktiver.

Im dritten Quartal 2020 wurden die Kreditrichtlinien für Unternehmens­kredite ­verschärft. Davor gab es seit Mitte 2015 nur vereinzelt Änderungen (siehe Tabelle 1 und Grafik 1 20 ). Auch im zweiten Quartal 2020 blieben die Richtlinien im Aggregat der Antworten noch weitgehend unverändert – allerdings bei einer Streuung der individuellen Antworten der an der Umfrage teilnehmenden Banken. Für das vierte Quartal 2020 werden weitere, leichte Verschärfungen der Richtlinien ­erwartet. Die Anpassungen im dritten Quartal wurden vor allem mit einer ­geänderten Risikoeinschätzung begründet und auch mit der Risikotoleranz der Banken. Hinsichtlich der Risikoeinschätzung bezogen sich die befragten Banken auf die Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage sowie der branchen- bzw. firmenspezifischen Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer, nicht jedoch auf die Werthaltigkeit von Sicherheiten.

Die Kreditbedingungen für neu vergebene Unternehmenskredite wurden sehr schnell an das geänderte wirtschaftliche Umfeld angepasst. Die Margen wurden in den ersten drei Quartalen 2020 laufend verschärft (höhere Margen), besonders bei risiko­reicheren Krediten. Begründet wurde das vor allem mit der geänderten ­Risikoeinschätzung und weiters mit Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen sowie mit der Risikotoleranz der Banken (siehe Tabelle 1 und Grafik 4). Vor den diesjährigen Verschärfungen war es ab Mitte 2016 fast durchgehend zu Lockerungen bei den Margen (sinkende Margen) für durchschnittliche Kredite (aufgrund der Wettbewerbssituation) gekommen. Jene für risikoreichere Kredite waren in diesem Zeitraum weitgehend unverändert geblieben, was eine zunehmende Differenzierung der Unternehmen aufgrund ihrer Bonität bedeutete, die sich jüngst fortgesetzt hat und auch in Zukunft fortdauern dürfte.

Vor allem im zweiten Quartal 2020 wurden neben den Margen auch andere Kreditbedingungen verschärft. Hauptsächlich wurden die Erfordernisse für Sicher­heiten erhöht. Weiters kam es zur restriktiveren Ausgestaltung bei Zusatz- oder Nebenvereinbarungen, der Höhe des Kredits bzw. des Kreditrahmens und der ­Fristigkeit.

Die Kreditnachfrage ist im dritten Quartal 2020 per saldo nur mehr leicht ­gestiegen (allerdings streuen die individuellen Antworten der an der Umfrage teilnehmenden Banken). In den ersten beiden Quartalen 2020 gab es noch außer­gewöhnlich große Nachfragesteigerungen. Für das vierte Quartal 2020 wird ein weiterer leichter Anstieg der Nachfrage erwartet. Diese Entwicklung ist auf den Bedarf der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs in der aktuellen Krise zurückzuführen. Kredite wurden vermehrt für Lagerhaltung und Betriebsmittel sowie aufgrund von Refinanzierungen, Umschuldungen und Neuverhandlungen nachgefragt. Hingegen ist der Finanzierungsbedarf für Anlage­investitionen und für Umstrukturierungen stark zurückgegangen. Der dies­bezügliche Einbruch fand vor allem im zweiten Quartal 2020 statt. Von Ende 2016 bis Ende 2018 hatte es hingegen einen konjunkturell bedingten, ausgeprägten ­Kreditboom zur Finanzierung von Investitionen gegeben, der 2019 angesichts der Verlangsamung der Wirtschaftsdynamik abflaute. 21

Tabelle 1: Kredite oder Kreditrahmen für Unternehmen
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 bzw. 8 Banken
2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
Kreditrichtlinien (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Unternehmen gesamt –1 0 –1 –1 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –2
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 0 –1 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 –2 –2
Kredite an große Unternehmen –1 1 –1 –1 0 1 –1 1 0 1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –2
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) –1 0 –1 0 0 1 –1 1 0 0 0 0 0 1 0 –1 0 –1 –3 –2
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) –1 –1 –1 –2 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –2
Kreditbedingungen insgesamt (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Unternehmen gesamt –1 0 2 0 1 0 1 0 1 1 0 0 –1 1 1 2 –2 –3 –2 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –1 –1 1 0 1 0 1 0 1 –1 0 0 –1 0 1 1 –2 –2 –2 ..
Kredite an große Unternehmen –1 0 1 0 1 1 1 0 2 1 1 0 0 2 1 2 –1 –3 –2 ..
Margen für durchschnittliche Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Unternehmen gesamt –1 2 3 1 4 3 3 0 3 3 1 0 1 2 4 3 –3 –3 –3 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 1 2 2 3 3 1 0 1 2 0 0 1 2 4 2 –1 –2 –3 ..
Kredite an große Unternehmen –2 2 2 1 4 3 4 1 3 4 2 1 0 2 5 3 –3 –5 –3 ..
Margen für risikoreichere Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Unternehmen gesamt –2 0 1 0 0 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –4 –6 –4 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –2 –1 0 0 0 0 0 –1 –1 –1 –1 0 –1 0 0 0 –2 –4 –5 ..
Kredite an große Unternehmen –2 0 2 0 1 1 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 2 –4 –6 –4 ..
Genehmigte Kreditanträge (gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen –1 0 1 0 –1 1 –2 0 0 0 –2 –1 –1 –1 –2 –1 0 0 –3 ..
Kreditnachfrage (gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Unternehmen gesamt –1 1 1 2 4 3 2 4 4 5 2 3 –2 0 –1 1 5 6 2 2
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen –1 1 1 3 3 1 2 3 3 3 1 3 –2 –1 –1 1 3 4 0 1
Kredite an große Unternehmen –1 1 –1 3 4 2 2 3 2 5 3 3 –1 1 0 1 5 7 2 2
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) 0 0 1 1 1 2 0 3 2 3 0 2 0 2 1 1 6 5 1 2
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) –1 1 –1 3 5 4 6 6 5 6 4 3 –1 –1 –1 2 1 6 2 1
Einfluss der allgemeinen ­Wettbewerbssituation auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditbedingungen insgesamt –1 3 2 1 2 1 2 1 2 3 1 1 1 2 4 3 1 0 0 ..
Margen für durchschnittliche Kredite –1 2 2 0 2 2 2 2 2 3 3 2 2 2 4 3 1 0 0 ..
Margen für risikoreichere Kredite –1 0 1 0 1 0 0 –1 0 2 0 0 1 1 2 2 1 0 0 ..
Einfluss von Refinanzierungskosten und ­bilanziellen Restriktionen auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditbedingungen insgesamt –3 –1 –1 –1 1 0 2 0 1 1 –1 0 –1 0 0 1 –2 –4 –1 ..
Margen für durchschnittliche Kredite –3 –1 –1 0 1 0 2 1 1 1 –1 0 –1 0 0 1 –2 –4 –2 ..
Margen für risikoreichere Kredite –4 –1 –1 –1 1 0 1 0 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –2 –4 –2 ..
Einfluss der Risikoeinschätzung auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditbedingungen insgesamt 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 –1 –3 –5 –3 ..
Margen für durchschnittliche Kredite 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 1 0 –1 0 0 –1 –3 –4 –3 ..
Margen für risikoreichere Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –4 –5 –5 ..
Wirtschaftslage/Konjunkturaussichten allgemein p Richtlinien 0 0 0 0 0 0 0 1 0 1 0 0 –1 0 0 0 –2 –1 –3 ..
Lage/Aussichten firmen-/branchenspezifisch p Richtlinien 0 0 0 0 1 0 0 1 0 1 0 0 –2 0 0 –1 –2 –1 –3 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
Fortsetzung Tabelle 1: Kredite oder Kreditrahmen für Unternehmen
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 bzw. 8 Banken
2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
Einfluss der Risikotoleranz der Banken auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditbedingungen insgesamt 0 0 0 –1 0 1 –1 0 0 –1 –1 0 –1 0 0 0 –1 –3 –2 ..
Margen für durchschnittliche Kredite 0 0 0 –1 0 0 –1 1 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 –2 –3 ..
Margen für risikoreichere Kredite 0 0 0 –1 0 0 –1 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 –1 –3 –4 ..
Kreditrichtlinien –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 0 –1 0 0 –1 0 –1 –2 ..
Kreditnachfrage, ausgewählte ­Einflussfaktoren (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Anlageinvestitionen –1 0 –2 2 3 4 3 4 5 5 4 3 –2 0 –1 1 –1 –6 –2 ..
Lagerhaltung und Betriebsmittel –1 1 0 1 1 3 1 3 3 3 1 3 1 1 1 2 4 5 2 ..
Fusionen/Übernahmen und ­Unternehmensumstrukturierungen 0 1 1 1 1 0 1 2 4 3 3 2 1 1 1 0 –1 –4 –1 ..
Allgemeines Zinsniveau 0 0 1 1 1 0 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1 1 0 0 ..
Refinanzierung, Umschuldung und ­Neuverhandlung 0 3 1 1 2 1 3 3 4 4 3 3 1 1 1 2 4 3 2 ..
Innenfinanzierung –3 –3 –2 –3 –1 –3 –1 0 0 1 2 1 0 0 0 0 1 2 1 ..
Kredite von anderen Banken 0 0 0 0 1 0 1 1 2 2 1 1 1 0 0 0 2 –1 1 ..
Begebung/Tilgung von Schuldverschreibungen –1 –1 –1 0 0 –1 3 2 3 3 3 2 1 2 0 1 2 0 –1 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Der Anteil der vollständig abgelehnten Kreditanträge nahm im dritten Quartal 2020 zu, nachdem er in den ersten beiden Quartalen 2020 konstant geblieben war (siehe Tabelle 1 unter „Genehmigte Kreditanträge“ mit invertierten Werten 22 ).

Staatliche Garantien für Unternehmenskredite spielten und spielen in der ­COVID-Krisenzeit eine wesentliche Rolle im Kreditgeschäft. Sie sind ein Teil des ­Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung. Durch die Garantien sollen Unternehmen mit Liquiditätsproblemen infolge der COVID-19-Pandemie leichter und günstig 23 an Bankkredite kommen. Die an der Umfrage teilnehmenden Banken messen den Garantien eine hohe Bedeutung bei. 24 Die Garantien erlaubten den Banken, dem hohen Bedarf an Überbrückungs- und Refinanzierungen nachzukommen. Die Banken konnten weniger restriktiv sein, als sie es ohne staatliche Unterstützungsmaßnahmen hätten sein müssen. Ohne staatliche Garantien wäre die Vergabe vieler Kredite aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen nicht möglich gewesen (Risikosituation, bilanzielle Auswirkungen). Die Banken betonen jedoch, dass natürlich auch bei einer Vergabe mit Garantie die Rückzahlbarkeit des Kredits durch das kreditnehmende Unternehmen gegeben sein muss.

Je nach Verlauf der Pandemie werden staatliche Kreditgarantien auch weiterhin wichtig sein. In den letzten Monaten hat die Nachfrage nach Unternehmens­krediten mit staatlichen Garantien allerdings abgenommen. Bis Ende Juni 2020 wurden in ­Österreich ca. 5,8 Mrd EUR an Haftungen für von Banken an Unternehmen ­vergebene Überbrückungskredite vom Bund übernommen. Bis Mitte ­September 2020 erhöhte sich diese Summe nur mehr auf ca. 6,7 Mrd EUR (alle Abwicklungsstellen, alle Haftungen, Quelle: BMF). Es soll angemerkt werden, dass die Zuführung von Fremdkapital betriebswirtschaftliche Grenzen hat und ein Unternehmen darüber hinaus keine zusätzlichen Kredite – mit oder ohne ­Garantien – mehr ­aufnehmen kann (siehe oben die angesprochene Rückzahlbarkeit) und daher auch andere Unterstützungsmöglichkeiten genutzt werden sollten (z. B. Eigenkapital).

Neben den Kreditgarantien sind auch Kreditstundungen ein wichtiges Mittel zur ­Unterstützung der Liquidität der Unternehmen. Die Banken erwähnen hier die schnelle und einfache Anwendbarkeit. Wie bei den Garantien ist der Bedarf an Kredit­stundungen zuletzt zurückgegangen und wird in weiterer Folge vom Verlauf der Pandemie bzw. wirtschaftlichen Erholung abhängen.

Zusammenfassend wird festgehalten, dass – gemäß den Umfrageergebnissen – die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie eine geänderte und teilweise erhöhte Nachfrage nach Unternehmenskrediten bewirkt haben, die von den Banken – unterstützt durch staatliche Maßnahmen – bisher auch gut erfüllt ­werden konnte. Andererseits haben die Banken ihre Kreditangebotspolitik risikobedingt verschärft, was gleichbedeutend mit einer Verschlechterung der Finanzierungs­bedingungen bzw. einer Verteuerung der Kredite für die Unternehmen ist.

Unterstützend wirkt die Geldpolitik des Eurosystems (unkonventionelle Maßnahmen, siehe Abschnitt 4, und Senkungen der Leitzinsen ab Oktober 2008), durch die den Banken und somit mittelbar der Wirtschaft insgesamt umfassende Liquidität zur Verfügung steht und das allgemeine Zinsniveau historisch niedrig ist. Die Zinsen für Neukredite österreichischer Banken an nichtfinanzielle Unternehmen sind von über 5 % im Jahr 2008 bis auf rund 1,3 % Anfang 2020 gefallen und bis August 2020 geringfügig auf etwas über 1,4 % gestiegen (unter Ein­beziehung der sehr günstigen mit staatlichen Garantien versehenen Kredite). Die Geldmarktzinsen befinden sich nach einem zwischenzeitlichen Anstieg im ­Frühling 2020 mittlerweile wieder auf Tiefstständen (siehe Grafik 3). Der Drei-Monats-­Euribor lag ­Anfang Oktober 2020 bei Werten um –0,5 % und damit so tief wie nie zuvor. Neben den Angaben der Banken zu den Margen (siehe oben) lässt sich auch daraus eine Verteuerung von Unternehmenskrediten abseits von staatlich ­garantierten Krediten ableiten (sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ zum Zinsniveau) – jedoch auf einem bereits seit Jahren sehr günstigen Niveau.

2 Kredite an private Haushalte: Nachfrage nach Wohnbaukrediten leicht gestiegen

Anders als im Unternehmenskundengeschäft fallen die Auswirkungen der COVID-19-­Pandemie im Kreditgeschäft mit privaten Haushalten in Österreich moderat aus – vor allem bei den Wohnbaukrediten. Aber auch im Privatkundengeschäft zeigen sich in den Umfrageergebnissen restriktive Entwicklungen als Folge der geänderten Risikosituation (siehe Tabelle 2 und Grafik 1).

Die Richtlinien für Wohnbaukredite wurden ab dem zweiten Quartal 2020 leicht ­verschärft, was die Banken mit ihrer Risikoeinschätzung und ihrer Risikotoleranz begründeten. Im längerfristigen Vergleich ist das aber nicht auffällig, da die Richtlinien bereits seit 2018 tendenziell verschärft wurden. Für das vierte Quartal 2020 werden weitgehend unveränderte Richtlinien erwartet.

Hinsichtlich der Bedingungen für Wohnbaukredite gab es im dritten Quartal 2020 kaum Änderungen bei den Margen. Im zweiten Quartal kam es noch zu leichten Verschärfungen der Margen (höhere Margen) für durchschnittliche Kredite, nachdem diese von 2017 bis 2019 aufgrund der Wettbewerbssituation durchgehend gelockert worden waren (gesunkene Margen). Die Margen für risikoreichere ­Kredite wurden in den ersten beiden Quartalen 2020 verschärft. In den vier ­Jahren davor wurden diesbezüglich nur vereinzelte Verschärfungen gemeldet. Wie bei den Unternehmenskrediten kam es somit zu einer zunehmenden Differenzierung der Kreditkunden gemäß ihrer Kreditwürdigkeit, die bei den Wohnbaukrediten aber etwas geringer ausfiel als bei den Unternehmenskrediten. Als Gründe für die ­Verschärfungen in den ersten beiden Quartalen 2020 wurden Refinanzierungs­kosten und bilanzielle Restriktionen sowie die Risikoeinschätzung genannt (siehe Tabelle 2 und Grafik 5). Hinsichtlich anderer Bedingungen für Wohnbaukredite erhöhten die Banken im dritten Quartal 2020 die Erfordernisse für Sicherheiten leicht.

Tabelle 2: Kredite an private Haushalte
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 Banken
2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
Kreditrichtlinien (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Wohnbaukredite 0 –2 1 0 0 –1 1 –1 0 –2 –1 0 –2 –2 –1 –1 0 –2 –1 –1
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 0 0 0 1 –1 1 –1 0 –1 0 –2 –2 –1 0 –3 –2 –1
Kreditbedingungen insgesamt (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Wohnbaukredite 0 –1 0 1 0 –1 1 0 1 –2 0 0 0 0 0 –1 0 –1 –1 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 ..
Margen für durchschnittliche Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Wohnbaukredite 1 1 1 0 1 2 2 1 2 1 2 1 2 2 3 1 0 –2 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite –1 0 0 1 0 0 –1 1 0 0 0 1 0 0 1 1 0 –1 –1 ..
Margen für risikoreichere Kredite (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –1 –1 0 0 0 0 0 –2 –3 –1 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite –1 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –2 –2 –1 ..
Genehmigte Kreditanträge (Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen) (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Wohnbaukredite 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 –2 0 0 –1 –1 0 0 0 0 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 1 0 0 0 1 1 1 1 0 0 0 0 1 –1 –1 0 –3 –3 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
Fortsetzung Tabelle 2: Kredite an private Haushalte
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 Banken
2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
Kreditnachfrage (gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Wohnbaukredite 1 1 0 0 2 2 3 1 1 0 –1 –1 1 1 2 2 3 –1 2 0
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 1 2 3 0 0 –1 0 0 0 1 0 1 0 0 –4 –1 0
Einfluss der allgemeinen Wettbewerbssituation auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditbedingungen insgesamt bei ­Wohnbaukrediten 0 1 1 2 1 1 1 1 1 1 3 1 1 3 3 2 1 0 1 ..
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite 1 2 1 1 1 2 1 1 3 1 3 1 3 3 4 0 1 0 1 ..
Einfluss von Refinanzierungskosten und ­bilanziellen Restriktionen auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 0 1 0 0 0 –1 0 1 1 1 0 0 –2 –1 ..
Margen für risikoreichere Wohnbaukredite –1 0 0 –1 0 1 1 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 –2 –2 ..
Einfluss der Risikoeinschätzung auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditbedingungen insgesamt bei ­Wohnbaukrediten 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 –1 –2 –2 –2 ..
Kreditbedingungen insgesamt bei Konsum- und sonstigen Krediten 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 –1 –1 –2 –3 ..
Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 –1 –1 ..
Margen für durchschnittliche Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 –1 –1
Margen für risikoreichere Wohnbaukredite 0 0 –1 0 0 1 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 –2 –2 ..
Margen für risikoreichere Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –2 –2 –2 ..
Wirtschaftslage/Konjunkturaussichten allgemein p Richtlinien für Wohnbaukredite 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 –1 0 0 –2 –1 ..
Wirtschaftslage/Konjunkturaussichten allgemein p Richtlinien für Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 –3 –1 ..
Kreditwürdigkeit der Haushalte p Richtlinien für Konsum- und sonstige Kredite 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 0 –1 –1 –2 ..
Einfluss der Risikotoleranz der Banken auf: (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Kreditrichtlinien für Wohnbaukredite 0 0 0 0 0 –1 0 0 0 –2 0 0 –1 –1 0 –1 –1 –2 –1 ..
Kreditrichtlinien für Konsum- und sonstige ­Kredite 0 0 1 0 0 0 1 –1 1 –1 –1 –1 0 –2 –2 –1 –1 –3 –2 ..
Nachfrage nach Wohnbaukrediten, ­ausgewählte Einflussfaktoren (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Aussichten am Wohnimmobilienmarkt und ­voraussichtliche Entwicklung der Preise für Wohneigentum 0 0 0 0 1 1 2 1 0 1 0 0 0 –1 –1 –1 –1 –1 0 ..
Konsumentenvertrauen 2 1 1 1 1 2 3 2 0 1 0 0 0 0 0 0 0 –2 0 ..
Allgemeines Zinsniveau 2 1 1 1 2 0 2 1 0 0 0 0 2 3 3 3 3 1 2 ..
Nachfrage nach Konsumkrediten und ­sonstigen Krediten, ausgewählte ­Einflussfaktoren (Einfluss auf Veränderung, positiv/negativ gemäß der erklärten Position)
Ausgaben für langlebige Konsumgüter wie Pkw, Möbel usw. 0 0 0 0 1 1 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 –3 –2 ..
Konsumentenvertrauen 0 0 0 0 0 1 1 2 0 0 1 0 0 0 0 0 –2 –2 –1 ..
Allgemeines Zinsniveau 0 0 1 1 1 1 1 1 0 0 0 0 1 0 2 0 1 1 1 ..
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist im dritten Quartal 2020 wieder etwas gestiegen (im Vergleich zum zweiten Quartal 2020). Damit setzte sich ein seit 2019 bestehender Trend fort, der im zweiten Quartal 2020 unterbrochen war. Zu ­Beginn der COVID-19-Pandemie in Österreich wurde noch ein starker Einbruch der Nachfrage für das zweite Quartal 2020 erwartet, der dann aber nicht einge­treten ist. Es blieb im Rückblick bei einer vorübergehenden Stagnation aufgrund von gesunkenem Konsumentenvertrauen. Der darauffolgende Anstieg (wie auch der angesprochene Trend insgesamt) wurde vor allem mit dem niedrigen Zinsniveau begründet. Im Ausblick auf das vierte Quartal erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken eine unveränderte Nachfrage nach Wohnbaukrediten.

Der Anteil der vollständig abgelehnten Anträge für Wohnbaukredite hat sich seit Mitte 2018 kaum verändert (siehe Tabelle 2 unter „Genehmigte Kreditanträge“ mit invertierten Werten 25 ).

Für Konsumkredite und sonstige Kredite wurden die Richtlinien im zweiten und ­dritten Quartal 2020 verschärft. Wie bei den Wohnbaukrediten besteht ein entsprechender Trend seit 2018, wurden die jüngsten Verschärfungen mit der Risiko­einschätzung und der Risikotoleranz begründet und werden für das vierte Quartal 2020 weitgehend unveränderte Richtlinien erwartet. Die Verschärfungen der beiden letzten Quartale sind jedoch im Vergleich auffälliger.

Die Margen für risikoreichere Konsum- und sonstige Kredite wurden in den ersten beiden Quartalen 2020 leicht angehoben – hauptsächlich aufgrund einer geänderten Risikoeinschätzung. Ansonsten gab es 2020 keine nennenswerten Margenänderungen. Von 2016 bis 2019 waren die Margen für Konsum- und sonstige Kredite ­allgemein weitgehend unverändert geblieben (siehe Tabelle 2 und Grafik 6). Wie bei den Wohnbaukrediten erhöhten die österreichischen Banken auch bei den ­Konsum- und sonstigen Krediten die Erfordernisse für Sicherheiten im dritten Quartal 2020 leicht.

Die Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten hatte sich von Mitte 2017 bis zum ersten Quartal 2020 kaum geändert, bevor sie im zweiten Quartal 2020 ­deutlich zurückging – aufgrund geringerer Ausgaben für langlebige Konsumgüter 26 und eines gesunkenen Konsumentenvertrauens. Im dritten Quartal 2020 blieb die Nachfrage weitgehend unverändert. Auch für das vierte Quartal 2020 werden keine Änderungen erwartet.

3 Refinanzierungsbedingungen für Banken verbessert

Die Refinanzierungssituation für die österreichischen Banken hat sich im dritten Quartal 2020 verbessert (siehe Tabelle 3). Es kam zu allgemeinen Verbesserungen bei der Refinanzierung am Geldmarkt und zu Verbesserungen am Kapitalmarkt bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen. Bei den Kunden­einlagen gab es kaum Änderungen. Im Ausblick auf das vierte Quartal erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken eine weitere Verbesserung der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Einlagen und ansonsten eine weitgehend unveränderte ­Situation.

Im ersten Halbjahr 2020 war es hingegen zu auffälligen Verschlechterungen bei der Refinanzierung am Geldmarkt, am Kapitalmarkt und über Einlagen gekommen, die durch die Verbesserungen im dritten Quartal 2020 nur teilweise ausgeglichen wurden.

Andere Refinanzierungsmöglichkeiten, nach denen standardmäßig gefragt wird (Verbriefung von Krediten, außerbilanzielle Übertragung von Kreditrisiken), spielten zuletzt für die an der Umfrage teilnehmenden Banken nur eine unter­geordnete Rolle.

Tabelle 3: Zugang der Banken zu ausgewählten Refinanzierungsquellen
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 8 Banken
2016 2017 2018 2019 2020
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
Retail-Refinanzierung (Verbesserung = positiv, Verschlechterung = negativ)
Kurzfristige Einlagen (bis zu einem Jahr) 1 2 1 1 2 1 2 1 3 0 0 1 1 3 0 0 –1 2 1 1
Langfristige Einlagen (über ein Jahr) 1 –1 0 0 0 1 1 –1 2 –1 –2 –1 0 –1 –2 0 –4 0 0 0
Unbesicherter Interbankengeldmarkt (Verbesserung = positiv, Verschlechterung = negativ)
Sehr kurzfristiger Geldmarkt (bis zu einer Woche) 0 0 0 1 2 1 2 1 2 0 1 0 1 0 0 0 –1 –1 2 0
Kurzfristiger Geldmarkt (über eine Woche) –1 –1 0 2 2 1 1 0 2 0 1 0 0 0 0 0 –5 –2 2 0
Großvolumige Schuldtitel (Verbesserung = positiv, Verschlechterung = negativ)
Kurzfristige Schuldtitel3 –2 0 –1 0 0 2 2 1 1 0 0 0 1 0 0 0 –1 –1 0 0
Mittel- bis langfristige Schuldtitel –4 –2 0 0 3 3 4 4 3 0 –1 –3 3 4 3 1 –4 –4 3 2
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
3 Antworten von 3 bis 6 Banken.

4 Auswirkungen der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen des Eurosystems

Seit 2015 werden die Banken im Rahmen dieser Umfrage halbjährlich zu den ­Auswirkungen der seit Oktober 2014 in verschiedenen Ausformungen laufenden Vermögensankaufprogramme des Eurosystems befragt (auch unter Berücksichtigung des Pandemie-Notfallankaufprogramms 27 ). Ebenso enthält die Umfrage halbjährlich Fragen zu den Auswirkungen des seit Mitte 2014 negativen Zinssatzes der EZB-Einlagefazilität, der die Untergrenze des Zinskorridors bildet und mit dem die Geldmarktzinsen im Gleichlauf gesunken sind. (Der Euribor, an den viele variabel verzinste Kredite gebunden sind, ist seit Februar 2016 in allen Fristigkeiten ­negativ.) Ab diesem Jahr werden auch die Auswirkungen des zweistufigen Systems für die Verzinsung von Überschussreserven erhoben. 28 Schließlich behandelt die Umfrage auch die Neuauflage (dritte Reihe) der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems. 29

Die Programme zum Ankauf von Vermögenswerten haben seit 2018 zu Reduktionen der Bestände von Staatsanleihen des Eurosystems in den Aktiva der österreichischen Banken geführt, was eine naheliegende Konsequenz der durch diese Programme bedingten umfangreichen Aktivität des Eurosystems an den Anleihemärkten ist. Die an der Umfrage teilnehmenden Banken berichten weiters bereits seit 2015 nahezu durchgehend von positiven Auswirkungen dieser Programme auf ihre Liquidität und ihre Finanzierungsbedingungen – jedoch auch durchgehend von negativen Aus­wirkungen auf ihre Ertragslage aufgrund geschrumpfter Zinsergebnisse. Auf ­letzteres haben die Banken in der aktuellen Umfrage wieder sehr deutlich hin­gewiesen. Das Eigenkapital der Banken war bisher kaum von den Ankaufprogrammen betroffen. Auch die Auswirkungen auf das Kreditangebotsverhalten der ­Banken und das vergebene Kreditvolumen waren bisher gering.

Sehr deutlich äußern sich die Banken zum negativen Zinssatz der EZB-Einlage­fazilität und berichten seit 2016 von für sie nachteiligen Auswirkungen auf ihr Zinsergebnis und dadurch auf ihre Ertragslage. Durch den negativen EZB-Einlagensatz sind auch die Kreditzinsen und Kreditmargen gesunken – besonders für Unternehmenskredite und Wohnbaukredite an private Haushalte, in geringerem Ausmaß auch für Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Auf Kreditnebenkosten und das vergebene Kreditvolumen hatte der negative EZB-Einlagensatz bisher kaum Auswirkungen. Die Banken haben in den letzten vier Quartalen (für die Zeit davor wurden sie hierzu nicht befragt) ihre Einlagenzinsen aufgrund des negativen Zinssatzes der EZB-Einlagefazilität gesenkt – vor allem für Einlagen von Unternehmen, weniger für Einlagen von privaten Haushalten.

Das zweistufige System für die Verzinsung von Überschussliquidität wird von den Banken begrüßt, weil es die oben angesprochenen negativen Auswirkungen auf Zinsergebnis und Ertragslage dämpft.

Die dritte Reihe der gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (GLRG) wird von den österreichischen Banken gut angenommen, wie die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen. Auch die beiden früheren Reihen dieser Geschäfte hatten großen Zuspruch gefunden. Die Beteiligung war vor allem am bisher vorletzten GLRG (Juni 2020) sehr hoch, am bisher letzten GLRG (September 2020) bestand deutlich geringeres Interesse. Als Teilnahmegründe führten die Banken vor allem die attraktiven ­Bedingungen dieser Geschäfte an, aber auch Vorsichtsmotive (Reduzierung/Vermeidung von Liquiditätsengpässen). Die durch die Teilnahmen erhaltenen finanziellen Mittel wurden und werden von den Banken für Refinanzierungszwecke (hier vor allem als Ersatz für Mittel aus der zweiten Reihe der GLRG) und für die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte verwendet. In den letzten Monaten wurden große Teile der abgerufenen Mittel auch als Liquidität innerhalb des Eurosystems gehalten. Die Banken schreiben den GLRG durchwegs positive Aus­wirkungen auf ihre finanzielle Situation zu – vor allem eine Stärkung ihrer Liquidität und ihrer Profitabilität. Auch ihre Refinanzierungsbedingungen am Markt und ihre Fähigkeit, Anforderungen der Bankenaufsicht und -regulierung zu erfüllen, haben sich durch die GLRG verbessert.