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Statistiken – Daten und Analysen Q1-22

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Im einleitenden Artikel dieser Publikation beschäftigt sich Thomas Pöchel mit dem Kredit- und Einlagenbestand des heimischen Bankensektors sowie mit den entsprechenden Zinskonditionen. Er kommt darin zum Schluss, dass trotz weiterhin rückläufiger nominaler Zinskonditionen für Einlagen die Volumina von Unternehmens- und von Haushaltseinlagen angewachsen sind. Seit Mitte des Jahres 2021 wird der Einlagenbestand von Unternehmen durchgehend negativ verzinst. Dies gilt sowohl für inländische Unternehmenseinlagen als auch, in deutlich stärkerem Maße, für Einlagen von Unternehmen aus dem sonstigen Euroraum. Eine rückläufige Zinsentwicklung konnte in ähnlicher Weise auch am Kreditbestand beobachtet werden. Sowohl die Zinsen der Unternehmens- als auch jene der Haushaltskredite stiegen 2021 stärker als im Vorjahr. Bei Haushaltskrediten war diese Erhöhung einmal mehr auf die Wohnbaukredite zurückzuführen.

Wie gewohnt werden Ihnen die aktuellen Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft von Gerald Hubmann präsentiert. Es werden sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite der Kreditvergabe sowie die Refinanzierungssituation analysiert. Der Autor kommt unter anderem zum Schluss, dass die Kreditnachfrage von Unternehmen in den letzten beiden Quartalen 2021 weiterhin angestiegen ist.

Weiters analysiert Jun Chao Zhan die Entwicklung inländischer Investmentfonds. Während historisch betrachtet die Jahreswachstumsraten inländischer Fonds immer deutlich unter jenen des Euroraumes lagen, konnte die Differenz ab September 2020 durch die außerordentlich hohen Nettomittelzuflüsse inländischer Fonds deutlich reduziert werden. Das Jahreswachstum österreichischer Investmentfondsanteile lag im September 2021 nahe dem Vergleichswert des Euroraum-Aggregates.

Thomas Cernohous und David Plakolm nehmen in ihrem Beitrag die Entwicklung der Direktinvestitionen und Start-ups unter die Lupe. Dazu skizzieren sie zunächst die österreichische Start-up-Szene, beschreiben die Definition von Start-ups sowie die typischen Entwicklungsphasen und gehen auf potenzielle außenwirtschaftsstatistische Meldeverpflichtungen ein. Im Ergebnisteil wird schließlich die Sichtbarkeit von Transaktionen, die mit Start-ups im Zusammenhang stehen, in außenwirtschaftsstatistischen Aggregaten untersucht. Ein Ergebnis ist, dass in den Jahren 2015 und 2021 der überwiegende Teil der Kapitalzuflüsse in österreichische Start-ups eingegangen ist.

Abschließend widmet sich Paul Ehrlich der historischen Entwicklung der Kernkapital- und Eigenmittelquoten österreichischer Kreditinstitutsgruppen und Einzelkreditinstitute. Er kommt zum Schluss, dass erhebliche regulatorische Veränderungen in den letzten 25 Jahren sie geprägt haben. Aufgrund der Finanzkrise 2008 fand in den Folgejahren eine umfangreiche Weiterentwicklung der Anforderungen statt, wobei sich die tatsächliche Höhe der Kernkapital- und Eigenmittelquote analog zu diesen entwickelte. So waren die Kernkapital- und Eigenmittelquote bis zur Finanzkrise relativ stabil, stiegen allerdings danach kontinuierlich an. Bei den nominalen Eigenmitteln wurde, über die gesamte Periode betrachtet, das Kernkapital merklich aufgebaut. Beim Gesamtrisikobetrag kam es bis zur Finanzkrise zu einer starken Ausweitung, die in den Jahren danach wieder deutlich abgebaut wurde. Erst seit 2016 ist wieder ein zunehmender Trend zu beobachten, der allerdings durch das steigende Kernkapital derart überkompensiert worden ist, dass die Kernkapital- und Eigenmittelquoten insgesamt gewachsen sind.

Ein Kurzbericht sowie eine Auswahl von 13 Tabellen ergänzen das vorliegende Statistiken-Heft.

Tiefstand bei Bausparkassenverträgen – Aushaftende Darlehen der Bausparkassen bleiben stabil

Patrick Thienel 1

Viele Jahre lang war das Bausparen eine der beliebtesten Sparformen in Österreich. Doch sinkende Zinssätze sowie sinkende staatliche Bausparprämien reduzierten die Attraktivität und veränderten das Geschäft der derzeit vier in Österreich tätigen Bausparkassen 2 (Bausparkasse der österreichischen Sparkassen Aktiengesellschaft, Bausparkasse Wüstenrot Aktiengesellschaft, Raiffeisen Bausparkasse Gesellschaft m. b. H. und start:bausparkasse AG).

Die Anzahl der Bausparverträge erreichte Ende 2021 mit 3 580 965 Stück nach kontinuierlicher Reduktion einen neuerlichen Tiefststand (–10,9 % im Jahresvergleich; Grafik 1). 3 439 619 (oder 96,1 % aller Verträge) befanden sich im Ansparstadium 3 . Aktuell haben somit noch 45 % der Bevölkerung einen Bausparvertrag. Zu Beginn der Bausparkassenstatistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) im Jahr 1997 lag die Anzahl der Bausparverträge noch bei 6 042 070 (davon 87 % im Ansparstadium). Damals hatten 76 % der Bevölkerung einen Bausparvertrag. Der über die letzten Jahre zu beobachtende sinkende Trend bei den Neuabschlüssen von Bausparverträgen setzte sich auch im Jahr 2021 fort. Im Gesamtjahr 2021 lag deren Anzahl nur noch bei 447 989 Stück.

Grafik 1 veranschaulicht in einem gestapelten Flächendiagramm die Anzahl der Bausparverträge für den Zeitraum zwischen dem vierten Quartal 1997 und dem vierten Quartal 2021. Es wird unterschieden zwischen Bausparverträgen im Ausleihungsstadium, Bausparverträgen im Ansparstadium und Neuabschlüssen. Die Bausparverträge im Ansparstadium, welche den Großteil der Bausparverträge ausmachen, erreichten Ende 1997 5.276.929 Stück und sanken Ende 2021 auf 3.439.619 Stück. Die Bausparverträge im Ausleihungsstadium erreichten Ende 1997 765.141 Stück und sanken Ende 2021 auf 141.346 Stück. Die Neuabschlüsse schwankten saisonal zwischen 371.303 Stück (viertes Quartal 1998) und 89.165 Stück (zweites Quartal 2020).

Quelle: Oesterreichische Nationalbank.
Grafik 2 veranschaulicht in einem Liniendiagramm die Gesamtvertragssumme der Bausparkassen für den Zeitraum zwischen dem vierten Quartal 1997 und dem vierten Quartal 2021. Die Bauspareinlagen erreichten Ende 1997 16.280 Millionen Euro, stiegen Ende Juni 2015 auf 20.681 Millionen Euro und sanken Ende 2021 auf 15.624 Millionen Euro. Die aushaftenden Darlehen erreichten Ende 1997 12.603 Millionen Euro, stiegen Ende Dezember 2012 auf 19.208 Millionen Euro und sanken Ende 2021 auf 18.161 Millionen Euro. Die Finanzierungsleistung schwankte in diesem Zeitraum quartalsmäßig zwischen 984 Millionen Euro (drittes Quartal 2008) und 355 Millionen Euro (erstes Quartal 1999).

Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Während das Kreditvolumen für Wohnbauzwecke bei österreichischen Monetären Finanzinstituten (MFIs) 2021 in Summe um 6,9 % deutlich anstieg, kam es bei der Entwicklung der aushaftenden Darlehen der Bausparkassen lediglich zu einer Ausweitung um 1,4 % auf 18,2 Mrd EUR Ende 2021. Der Anteil der klassischen Bauspardarlehen an den insgesamt aushaftenden Darlehen ist in den letzten fünf Jahren von 63,2 % auf 54,7 % zurückgegangen. Neben der Finanzierung oder Sanierung von Wohnbau können Darlehen für diverse andere Zwecke, wie z. B. Pflege oder Bildung, bei den Bausparkassen genommen werden. Die entsprechenden Gelddarlehen für diese Zwecke konnten seit dem dritten Quartal 2017 einen ansteigenden Trend verzeichnen und erreichten mit 5,5 Mrd EUR (+11,4 % im Jahresvergleich) einen neuen Höchststand.

Die sinkende Anzahl an Bausparverträgen schlug sich auch auf die Entwicklung der Einlagen bei den österreichischen Bausparkassen nieder, welche 2021 auf 15,6 Mrd EUR zurückgingen (–10,9 % im Jahresvergleich; Grafik 2). Die Einlagen von privaten Haushalten bei österreichischen Banken stiegen hingegen um 3,8 % auf 294,8 Mrd EUR. Eine Gegenüberstellung der Entwicklung der gebundenen Einlagen des gesamten MFI-Sektors mit jenen der Bausparkassen (ca. ¾ der Bauspareinlagen sind langfristig gebunden) lässt jedoch erkennen, dass die entsprechende Wachstumsrate bei allen in Österreich ansässigen Banken ebenfalls negativ (–5,1 %) gewesen ist. Auffällig ist, dass bereits seit dem vierten Quartal 2020 die Gesamtsumme der aushaftenden Darlehen (Q4 21: 18,2 Mrd EUR) jene der Bauspareinlagen übersteigt (aktuell um 2,5 Mrd EUR).

Der Zinssatz für neu abgeschlossene Wohnbaudarlehen von Bausparkassen lag im Dezember 2021 bei 1,45 % (Tabelle 1). Damit lag er um 25 Basispunkte über dem Durchschnittszinssatz für neue Wohnbaukredite in Österreich, der 1,20 % erreichte. Der Neugeschäftszinssatz für Einlagen mit Bindungsfrist über zwei Jahre stieg bei den Bausparkassen gegenüber dem Vorjahr um 16 Basispunkte auf 0,87 % und lag um 30 Basispunkte über dem Durchschnittszinssatz des vergleichbaren gebundenen Einlagenproduktes aller österreichischen MFIs (0,57 %).

Wie anhand Tabelle 1 deutlich wird, ist über die Zeit immer ein leichter Zinsvorteil bei Neugeschäftseinlagenzinssätzen der Bausparkassen gegenüber dem Durchschnittswert aller MFIs zu beobachten, was sich damit erklären lässt, dass Bauspareinlagen im ersten Jahr nach Vertragsabschluss üblicherweise mit einem höheren Zinssatz fix verzinst werden. Ab dem zweiten Vertragsjahr wird beim klassischen Bausparen ein variabler Zinssatz herangezogen, welcher auf Basis von den zu diesem Zeitpunkt gültigen Geldmarktzinssätzen errechnet wird. Das erklärt auch den am aktuellen Rand (Dezember 2021) etwas geringeren Zinssatz von Bausparkassen auf Einlagen mit Bindungsfrist von über zwei Jahren im Vergleich zu jenem aller MFIs in Österreich. Der Zinssatz von täglich fälligen Einlagen ist hingegen bei Bausparkassen höher ausgeprägt gewesen als der österreichische Durchschnittszinssatz (aktuell 30 Basispunkte), was vor allem auf Einlagen zurückzuführen ist, die ursprünglich einem längerfristigen Bausparvertrag mit höherem Zinsniveau unterlegen sind, deren Bindungsfrist aber abgelaufen ist.

Tabelle 1: Einlagen und Kreditzinssätze von Bausparkassen mit privaten Haushalten  
Neugeschäft Bestand
Einlagen mit
Bindungsfrist
über 2 Jahre
Wohnbaukredite
an private
Haushalte
Täglich fällige
Einlagen
Einlagen mit
Bindungsfrist
über 2 Jahre
Wohnbaukredite
an private
Haushalte
MFIs BSPK MFIs BSPK MFIs BSPK MFIs BSPK MFIs BSPK
In %
März 17 0,61 0,79 1,90 1,89 0,12 0,66 1,01 1,04 1,91 2,73
Apr. 17 0,60 0,72 1,90 2,08 0,11 0,67 1,00 1,03 1,90 2,71
Mai 17 0,62 0,74 1,89 2,15 0,11 0,68 1,00 1,02 1,91 2,71
Juni 17 0,70 0,71 1,89 2,20 0,10 0,68 0,99 1,01 1,91 2,71
Juli 17 0,59 0,75 1,88 2,06 0,11 0,67 0,98 1,00 1,90 2,69
Aug. 17 0,58 0,74 1,87 2,08 0,10 0,66 0,97 0,99 1,90 2,68
Sep. 17 0,67 0,72 1,85 2,09 0,10 0,66 0,95 0,96 1,90 2,67
Okt. 17 0,61 0,83 1,87 2,07 0,10 0,66 0,93 0,94 1,85 2,66
Nov. 17 0,72 0,91 1,87 2,07 0,10 0,66 0,92 0,93 1,85 2,65
Dez. 17 0,83 0,95 1,86 2,07 0,10 0,68 0,90 0,91 1,85 2,64
Jän. 18 0,71 1,10 1,82 2,01 0,10 0,66 0,89 0,88 1,80 2,63
Feb. 18 0,68 0,99 1,83 2,03 0,10 0,65 0,88 0,86 1,80 2,63
März 18 0,65 0,92 1,83 2,08 0,10 0,65 0,85 0,85 1,81 2,64
Apr. 18 0,57 0,91 1,84 1,92 0,09 0,65 0,84 0,84 1,81 2,62
Mai 18 0,57 0,85 1,83 1,95 0,09 0,65 0,83 0,83 1,81 2,61
Juni 18 0,69 0,82 1,87 2,12 0,09 0,65 0,82 0,82 1,81 2,65
Juli 18 0,61 0,86 1,87 2,10 0,09 0,65 0,80 0,81 1,81 2,65
Aug. 18 0,56 0,83 1,85 2,12 0,09 0,65 0,78 0,79 1,81 2,64
Sep. 18 0,64 0,89 1,83 2,18 0,09 0,65 0,77 0,78 1,81 2,64
Okt. 18 0,54 0,92 1,82 2,09 0,09 0,65 0,75 0,75 1,81 2,63
Nov. 18 0,57 1,00 1,81 2,14 0,09 0,64 0,73 0,73 1,81 2,63
Dez. 18 0,80 1,12 1,82 2,46 0,09 0,64 0,71 0,71 1,82 2,63
Jän. 19 0,62 1,07 1,79 2,12 0,09 0,61 0,69 0,68 1,83 2,62
Feb. 19 0,56 0,99 1,78 2,15 0,09 0,61 0,67 0,66 1,83 2,62
März 19 0,59 0,89 1,78 2,07 0,09 0,61 0,66 0,65 1,83 2,61
Apr. 19 0,52 0,87 1,72 1,99 0,08 0,60 0,65 0,63 1,83 2,60
Mai 19 0,54 0,84 1,71 1,97 0,09 0,60 0,64 0,62 1,83 2,60
Juni 19 0,64 0,69 1,67 1,97 0,09 0,60 0,63 0,61 1,82 2,59
Juli 19 0,49 0,69 1,66 1,93 0,08 0,58 0,61 0,59 1,79 2,58
Aug. 19 0,47 0,66 1,60 1,94 0,08 0,59 0,60 0,58 1,78 2,57
Sep. 19 0,51 0,63 1,54 1,93 0,08 0,58 0,60 0,57 1,77 2,56
Okt. 19 0,42 0,64 1,44 1,65 0,08 0,58 0,58 0,55 1,74 2,55
Nov. 19 0,43 0,71 1,42 1,66 0,08 0,58 0,57 0,54 1,73 2,53
Dez. 19 0,54 0,84 1,43 1,66 0,08 0,57 0,56 0,51 1,72 2,52
Quelle: OeNB.
Anmerkung: BSPK = Bausparkassen.
Fortsetzung: Tabelle 1: Einlagen und Kreditzinssätze von Bausparkassen mit privaten Haushalten  
Neugeschäft Bestand
Einlagen mit
Bindungsfrist
über 2 Jahre
Wohnbaukredite
an private
Haushalte
Täglich fällige
Einlagen
Einlagen mit
Bindungsfrist
über 2 Jahre
Wohnbaukredite
an private
Haushalte
MFIs BSPK MFIs BSPK MFIs BSPK MFIs BSPK MFIs BSPK
In %
Jän. 20 0,43 0,77 1,40 1,65 0,08 0,56 0,53 0,49 1,71 2,50
Feb. 20 0,45 0,73 1,39 1,65 0,08 0,56 0,52 0,48 1,70 2,48
März 20 0,49 0,74 1,40 1,69 0,07 0,56 0,51 0,47 1,69 2,46
Apr. 20 0,46 0,66 1,36 1,43 0,07 0,55 0,50 0,46 1,68 2,44
Mai 20 0,40 0,65 1,35 1,50 0,07 0,55 0,50 0,45 1,68 2,42
Juni 20 0,47 0,60 1,41 1,56 0,07 0,55 0,49 0,44 1,67 2,41
Juli 20 0,42 0,61 1,34 1,40 0,07 0,55 0,46 0,43 1,66 2,38
Aug. 20 0,43 0,61 1,31 1,50 0,07 0,55 0,47 0,42 1,64 2,36
Sep. 20 0,44 0,61 1,30 1,55 0,07 0,54 0,47 0,41 1,62 2,34
Okt. 20 0,46 0,62 1,26 1,51 0,07 0,52 0,46 0,40 1,58 2,31
Nov. 20 0,47 0,64 1,26 1,48 0,07 0,52 0,45 0,39 1,56 2,28
Dez. 20 0,54 0,71 1,27 1,63 0,06 0,51 0,43 0,37 1,55 2,27
Jän. 21 0,53 0,64 1,23 1,39 0,06 0,49 0,42 0,35 1,52 2,24
Feb. 21 0,51 0,64 1,18 1,40 0,06 0,49 0,41 0,34 1,51 2,22
März 21 0,45 0,57 1,18 1,48 0,06 0,49 0,41 0,34 1,50 2,19
Apr. 21 0,47 0,62 1,19 1,42 0,06 0,49 0,40 0,33 1,48 2,17
Mai 21 0,39 0,67 1,20 1,42 0,06 0,47 0,40 0,33 1,47 2,14
Juni 21 0,41 0,70 1,21 1,52 0,06 0,43 0,39 0,33 1,46 2,12
Juli 21 0,41 0,73 1,21 1,40 0,06 0,37 0,39 0,33 1,45 2,10
Aug. 21 0,40 0,68 1,20 1,41 0,05 0,37 0,39 0,32 1,44 2,08
Sep. 21 0,34 0,74 1,21 1,47 0,06 0,34 0,38 0,32 1,43 2,07
Okt. 21 0,40 0,74 1,19 1,38 0,05 0,32 0,38 0,32 1,42 2,05
Nov. 21 0,51 0,80 1,20 1,36 0,06 0,36 0,38 0,32 1,41 2,04
Dez. 21 0,57 0,87 1,20 1,45 0,06 0,36 0,37 0,32 1,43 2,18
Quelle: OeNB.
Anmerkung: BSPK = Bausparkassen.

Auch die geringe staatliche Bausparprämie trägt neben den historisch geringen Einlagenzinssätzen zu den Rückgängen bei den Bausparverträgen im Ansparstadium bzw. zu den niedrigeren Bauspareinlagen bei. Seit 2012 liegt sie auf dem Mindestsatz von 1,5 %. Auch in den kommenden Jahren ist aufgrund der weiterhin vorherrschenden Niedrigzinslandschaft in Europa nach wie vor mit diesem Wert zu rechnen. Die Prämie wird jedes Jahr für den einbezahlten Ansparbetrag des jeweiligen Jahres ausgeschüttet. Die in Grafik 1 sichtbaren Anstiege der Neuabschlüsse immer zum vierten Quartal eines Jahres sind darauf zurückzuführen, dass sie auch für Neuabschlüsse für das Gesamtjahr lukriert werden kann.

1 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, patrick.thienel@oenb.at.

2 Gemäß § 1 Bausparkassengesetz sind Bausparkassen „Kreditinstitute, die auf Grund einer Konzession nach dem Bankwesengesetz (BWG) berechtigt sind, Einlagen von Bausparern (Bauspareinlagen) entgegenzunehmen und aus den angesammelten Beträgen den Bausparern für wohnungswirtschaftliche Maßnahmen und für Maßnahmen der Bildung und Pflege Gelddarlehen (Bauspardarlehen) zu gewähren (Bauspargeschäft). Das Bauspargeschäft darf nur von Bausparkassen betrieben werden. Bausparkassen sind auch zur Durchführung aller sonstigen Tätigkeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Banktätigkeit entsprechend ihrem Konzessionsumfang stehen oder Hilfstätigkeiten in Bezug auf diese darstellen, berechtigt.“

3 In der Ansparphase ist der Bausparvertrag eine gute Grundlage, um den Eigenmittelanteil an einer späteren Baufinanzierung aufzubauen.

Analysen

Executive Summaries

Deposits held by nonfinancial corporations subject to sustained negative interest rates

Corporate and household deposits placed with domestic banks increased over the past year. Despite the further decline of nominal interest rates, the volume of deposits grew at an annual pace of 0.7% (corporates) and 4.4% (households) in November 2021. At 0.09%, the amounts deposited by households were still remunerated at an interest rate slightly above zero. For the corporate sector, the picture is different, though. Here, the capital-weighted average interest rate for deposits placed by nonfinancial corporations has been negative since mid-2021 already. In November 2021, this rate came to –0.03%. At –0.21%, interest rates on deposits held by nonfinancial corporate clients resident in a euro area country other than Austria dipped even below those for domestic corporate clients (–0.02%).

Austrian banks reported similar developments for lending, with interest rates on outstanding loans likewise continuing their downtrend. By contrast, interest rates charged in a given month in 2021 on new and renegotiated loans were left unchanged at their current record low levels. Interest rates on new housing loans, which had been declining strongly for some time, remained broadly unchanged in Austria. They ranged from 1.18% in February 2021 to 1.21% in September and came to 1.20% in November 2021.

Loan demand among Austrian businesses increases for third quarter in a row

Austrian results from the euro area bank lending survey published in January 2022

In line with economic recovery following the setback triggered by the COVID-19 pandemic, overall demand for loans to businesses has risen in Austria since the second quarter of 2021. Demand for short-term loans picked up as well in the fourth quarter of 2021. This pick-up, which had not been anticipated by Austrian banks, reflected businesses’ financing needs for inventories and working capital. The banks surveyed expect the uptrend in corporate loan demand to continue into the first quarter of 2022.

During the four quarters of 2021, Austrian banks hardly adjusted their credit standards and terms and conditions for corporate loans. They only reduced the margins on average-risk loans somewhat for reasons of competition.

In the retail business, credit standards and terms and conditions for loans (housing loans as well as consumer and other loans) remained largely unchanged over the same period, and so did demand in this segment. Demand for housing loans continued to be strong. As new macroprudential regulatory requirements may be implemented, banks envisage tighter credit standards for housing loans to households in 2022.

Austrian banks’ refinancing situation has improved steadily since the third quarter of 2020, after having deteriorated in the preceding two quarters. In particular, funding via medium- to long-term bonds has improved and retail deposits have increased.

According to the survey, nonperforming loans have hardly impacted on bank lending in Austria in recent years. Banks expect this to remain the case also in the first half of 2022.

Mutual fund shares issued in the euro area keep posting strong growth from the fourth quarter of 2020

In the first three quarters of 2021, domestic mutual funds benefited from favorable developments in equity markets. Except for pronounced price losses in September 2021, Austrian mutual funds recorded historically high net inflows of EUR 11.8 billion. Of this amount, domestic households accounted for EUR 3.8 billion or 32.2%. In the fourth quarter of 2021, equity market prices declined again, but implications of this downtrend have not yet been considered in this analysis. Compared with their euro area peers, in past years domestic mutual funds would always post considerably lower annual growth rates. But from September 2020, this gap started to narrow significantly when Austrian mutual funds began receiving massive net inflows. At +7% in September 2021, domestic mutual fund shares grew at a pace close to that of the euro area aggregate (+7.6%). From October 2020 to September 2021, Austrian mutual funds benefited from net inflows of as much as EUR 13.9 billion. EUR 5.2 billion of that amount were invested in equity and EUR 5.5 billion in mutual fund shares. Domestic mutual funds mainly opted for foreign equity over the same period. At EUR 2.7 billion, net investments in US issues made up the largest share. The share of US issues in equity holdings increased from 36.1% (EUR 11 billion) in September 2020 to 38.6% (EUR 17.3 billion) in September 2021. In contrast, the share of domestic issues remained relatively constant year on year, standing at 9.6% or EUR 4.3 billion in September 2021.

Assessing the relevance of business start-ups for Austrian external sector statistics

Business start-ups are playing an increasingly prominent role in the Austrian economy: They have been making headlines with innovative business ideas and typically digital products, or through attracting major international funding, including takeovers by multinational groups in individual cases. Our paper addresses the question of whether start-ups have also begun to make a difference in Austria’s external sector statistics.

We first provide an overview of Austria’s start-up market by discussing the concept of start-ups and outlining their typical development stages. We then review reporting requirements that may apply with regard to the production of external sector statistics. In the results section, we discuss the visibility of start-up-related transactions in the data as a yardstick for their relevance in external sector statistics.

Historical development of tier 1 capital ratios and total capital ratios recorded by Austrian banking groups and individual banks

A bank’s own funds consist of its owners’ and other venture capitalists’ investments in the bank. Own funds are among the most important measures used in supervisory assessments. The tier 1 capital ratio and the total capital ratio are calculated by dividing a bank’s tier 1 capital and own funds by the bank’s total exposure, which itself is calculated on the basis of regulatory requirements. In the past few decades, and especially since the financial crisis of 2008, there have been repeated changes to the legal framework governing the composition and required level of tier 1 capital and own funds as well as the calculation of total exposure. We use supervisory statistics to show that over time, tier 1 capital and total capital ratios have increased in line with rising minimum regulatory requirements.

Übersicht

Nachhaltig negatives Zinsniveau bei Einlagen nichtfinanzieller Unternehmen

Trotz weiterhin rückläufiger (nominaler) Zinskonditionen wuchsen die Volumina von Unternehmens- und von Haushaltseinlagen bei heimischen Banken mit Jahreswachstumsraten von 0,7 % bzw. 4,4 % im letzten Jahr (November 2021). Während die Einlagenbestände privater Haushalte mit 0,09 % noch geringfügig positiv verzinst wurden, war die kapitalgewichtete Durchschnittsverzinsung des Einlagenbestandes des nichtfinanziellen Unternehmenssektors bereits seit Mitte 2021 durchgehend negativ und betrug im November 2021 –0,03 %. Insbesondere die Verzinsung der Einlagen nichtfinanzieller Unternehmen mit Sitz in der sonstigen Währungsunion war in Österreich mit –0,21 % stärker negativ ausgeprägt als jene des inländischen Unternehmenssektors (–0,02 %).

Die weiterhin anhaltende rückläufige Zinsentwicklung konnte in ähnlicher Weise auch im Kreditbestand des heimischen Bankensektors beobachtet werden, wobei es bei Neugeschäften (d. h. der im jeweiligen Monat neu vergebenen oder neu verhandelten Kredite) im Jahr 2021 zu keiner Veränderung der aktuell vorherrschenden historisch geringen Zinssätze gekommen war. Nach längerer Zeit stark rückläufiger Neugeschäftszinssätze war im Segment der neu vergebenen Wohnbaukredite zwischen Februar 2021 und November 2021 kaum eine Veränderung der Zinskonditionen in Österreich zu verzeichnen (1,18 % bzw. 1,20 %; 1,21 % u. a. im September 2021).

Kreditnachfrage von Unternehmen steigt das dritte Quartal in Folge

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Jänner 2022

Seit dem zweiten Quartal 2021 steigt die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im Zuge der wirtschaftlichen Erholung nach dem Einbruch durch die COVID-19-Pandemie. Im vierten Quartal 2021 kam es dabei auch zu einem im Rahmen der letzten Umfrage nicht erwarteten Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten, der auf Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel zurückgeführt werden kann. Für das erste Quartal 2022 erwarten die befragten Banken eine weiter steigende Kreditnachfrage von Unternehmen.

Die Banken veränderten ihre Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen im Unternehmenskundengeschäft in den vier Quartalen 2021 kaum. Lediglich die Margen für durchschnittlich risikoreiche Unternehmenskredite wurden in diesem Zeitraum aufgrund der Wettbewerbssituation etwas gesenkt.

In den vier Quartalen 2021 blieben Kreditrichtlinien, Kreditbedingungen und Kreditnachfrage im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite) weitgehend unverändert. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten war weiterhin kräftig. Für das Jahr 2022 erwarten die befragten Banken Verschärfungen ihrer Richtlinien für private Wohnbaukredite aufgrund neuer makroprudenzieller regulatorischer Anforderungen.

Die Refinanzierungssituation der österreichischen Banken hat sich seit dem dritten Quartal 2020 laufend verbessert (nach Verschlechterungen in den ersten beiden Quartalen 2020). Hervorzuheben sind Verbesserungen bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen und gestiegene Kundeneinlagen.

Gemäß den Umfrageergebnissen haben notleidende Kredite die Kreditvergabepolitik der österreichischen Banken in den letzten Jahren kaum beeinflusst. Die Banken erwarten, dass das auch im ersten Halbjahr 2022 so bleiben wird.

Hohes Wachstum bei begebenen Investmentfondsanteilen im Euroraum ab dem vierten Quartal 2020

Inländische Investmentfonds profitierten in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021, mit der Ausnahme starker Kurseinbrüche im September 2021, von positiven Entwicklungen an den Aktienmärkten und verzeichneten zwischen Jänner und September 2021 historisch hohe Nettotransaktionen in Höhe von insgesamt +11,8 Mrd EUR, wovon +3,8 Mrd EUR (+32,2%) auf Nettotransaktionen inländischer Haushalte entfielen. Im vierten Quartal 2021 gab es wieder rückläufige Entwicklungen an den Aktienmärkten, deren Auswirkungen auf inländische Fonds noch nicht in die gegenständliche Analyse eingeflossen sind. Während historisch betrachtet die Jahreswachstumsraten inländischer Fonds immer deutlich unter jenen des Euroraumes lagen, konnte diese Differenz ab September 2020 durch die außerordentlich hohen Nettomittelzuflüsse inländischer Fonds deutlich reduziert werden. Das Jahreswachstum österreichischer Investmentfondsanteile lag im September 2021 mit +7% nahe dem Vergleichswert des Euroraum-Aggregates (+7,6%). Zwischen Oktober 2020 und September 2021 profitierten österreichische Investmentfonds von hohen positiven Nettomittelzuflüssen in Höhe von 13,9 Mrd EUR, welche vor allem in Anteilsrechte (5,2 Mrd EUR) und in Investmentzertifikate (5,5 Mrd EUR) investiert wurden. Inländische Fonds veranlagten in diesem Zeitraum vorwiegend in ausländische Anteilsrechte, wobei Nettoinvestitionen in US-Emissionen (+2,7 Mrd EUR) besonders bedeutend waren. Der Anteil der US-Emissionen unter den gehaltenen Anteilsrechten erhöhte sich zwischen September 2020 und September 2021 von 36,1% (11 Mrd EUR) auf 38,6% (17,3 Mrd EUR), während der Anteil inländischer Emissionen unter den gehaltenen Anteilsrechten im September 2021 bei 9,6% lag (4,3 Mrd EUR) und über den Betrachtungszeitraum hinweg relativ konstant blieb.

Start-ups in Österreich und ihre außenwirtschaftliche Relevanz

Österreichische Start-ups rückten in den letzten Jahren stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung: einerseits aufgrund ihrer innovativen Geschäftsideen und der damit verbundenen (meist digitalen) Produkte, andererseits aufgrund großer internationaler Finanzierungsrunden und in einigen Fällen sogar vollständiger Übernahmen durch multinationale Konzerne. Doch sind diese Transaktionen auch in außenwirtschaftlichen Statistiken sichtbar?

Dazu skizziert die folgende Analyse zunächst die österreichische Start-up-Szene, beschreibt die Definition von Start-ups sowie die typischen Entwicklungsphasen und geht auf potenzielle außenwirtschaftsstatistische Meldeverpflichtungen ein. Im Ergebnisteil wird schließlich die Sichtbarkeit von Transaktionen, die mit Start-ups in Zusammenhang stehen, in außenwirtschaftsstatistischen Aggregaten untersucht.

Historische Entwicklung der Kernkapital- und Eigenmittelquoten österreichischer Kreditinstitutsgruppen und Einzelkreditinstitute

Die Eigenmittel einer Bank bestehen aus der Investition der Eigentümer sowie anderer Risikokapitalgeber in die betreffende Bank und sind eine der wichtigsten Kennzahlen für die Beurteilung einer Bank durch die zuständigen Aufsichtsbehörden. Die Kernkapital- und Eigenmittelquoten einer Bank ergeben sich durch die Division von Kernkapital und Eigenmittel durch das Gesamtrisiko, das auf Basis regulatorisch vorgegebener Vorschriften berechnet wird. Der rechtliche Rahmen sowohl für die Zusammensetzung und Höhe von Kernkapital und Eigenmittel als auch für die Berechnung des Gesamtrisikos wurde in den letzten Jahrzehnten, vor allem seit der Finanzkrise im Jahr 2008, laufend angepasst. Die resultierenden Kernkapital- und Eigenmittelquoten entwickelten sich dabei analog zu den steigenden regulatorischen Mindestquoten, was im vorliegenden Beitrag anhand der Daten aus dem aufsichtsstatistischen Meldewesen dargestellt wird.

Nachhaltig negatives Zinsniveau bei Einlagen nichtfinanzieller Unternehmen

Thomas Pöchel 4

Trotz weiterhin rückläufiger (nominaler) Zinskonditionen wuchsen die Volumina von Unternehmens- und von Haushaltseinlagen bei heimischen Banken mit Jahreswachstumsraten von 0,7 % bzw. 4,4 % im letzten Jahr (November 2021). Während die Einlagenbestände privater Haushalte mit 0,09 % noch geringfügig positiv verzinst wurden, war die kapitalgewichtete Durchschnittsverzinsung des Einlagenbestandes des nichtfinanziellen Unternehmenssektors bereits seit Mitte 2021 durchgehend negativ und betrug im November 2021 –0,03 %. Insbesondere die Verzinsung der Einlagen nichtfinanzieller Unternehmen mit Sitz in der sonstigen Währungsunion war in Österreich mit –0,21 % stärker negativ ausgeprägt als jene des inländischen Unternehmenssektors (–0,02 %).

Die weiterhin anhaltende rückläufige Zinsentwicklung konnte in ähnlicher Weise auch im Kreditbestand des heimischen Bankensektors beobachtet werden, wobei es bei Neugeschäften (d. h. der im jeweiligen Monat neu vergebenen oder neu verhandelten Kredite) im Jahr 2021 zu keiner Veränderung der aktuell vorherrschenden historisch geringen Zinssätze gekommen war. Nach längerer Zeit stark rückläufiger Neugeschäftszinssätze war im Segment der neu vergebenen Wohnbaukredite zwischen Februar 2021 und November 2021 kaum eine Veränderung der Zinskonditionen in Österreich zu verzeichnen (1,18 % bzw. 1,20 %; 1,21 % u. a. im September 2021).

1 Rückläufige Zinssätze von Unternehmens- und Haushaltseinlagen sowie negative Bestandszinssätze im Unternehmenssegment

Im Jahr 2021 war ein weiterhin anhaltender Anstieg des Einlagenvolumens bei österreichischen Banken zu verzeichnen, welcher nahezu ausschließlich vom starken Wachstum täglich fälliger Einlagen (insbesondere des Haushaltssektors) getragen wurde. Sowohl Unternehmens- als auch Haushaltseinlagen 5 verzeichneten per Ende November 2021 positive Jahreswachstumsraten in Höhe von 0,7 % bzw. 4,4 %, wobei die (am Volumen gemessen größte Kategorie der) täglich fälligen Einlagen des Unternehmenssektors um 7,6 % bzw. des Haushaltssektors um 8,8 % im Vorjahresvergleich wuchsen. Gleichzeitig war zu beobachten, dass die Einlagenzinssätze des inländischen Bankensektors (sowohl im Neu- als auch Bestandsgeschäft) weiterhin rückläufig waren und Teile der Einlagen zunehmend negativ verzinst wurden.

Grafik 1 zeigt die Verzinsung des Einlagenbestandes verschiedener Sektoren im Zeitverlauf. Dabei wird ersichtlich, dass die Einlagen nichtfinanzieller Unternehmen im kapitalgewichteten Aggregat seit März 2021 (–0,01 %) durchgehend negativ verzinst worden sind (November 2021: –0,03 %). Demgegenüber lag der Einlagenzinssatz privater Haushalte (exkl. selbstständig Erwerbstätiger und privater Organisationen ohne Erwerbszweck) im November 2021 mit 0,09 % noch im positiven Bereich, trotz rückläufiger Entwicklung im Vorjahresvergleich (–3 Basispunkte). Die etwas höhere Verzinsung der Einlagen privater Haushalte war auch auf den in diesem Segment höheren Anteil von Spareinlagen (d. h. Einlagen, die nicht dem Zahlungsverkehr, sondern der Anlage dienen) zurückzuführen, welcher im November 2021 rund 61 % verzeichnete. In diesem Subsegment betrug die Verzinsung der Bestandseinlagen im November 2021 0,11 %, was einem deutlichen Rückgang in Höhe von 5 Basispunkten im Vorjahresvergleich entsprach. Im Vergleich dazu erreichte die Verzinsung der Einlagenbestände des Haushaltssektors mit Sparcharakter im November 2017 noch 0,36 %. Die Verzinsung der Einlagenbestände des sonstigen Haushaltssektors (und damit insbesondere der selbstständig Erwerbstätigen) sowie von privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (wie Vereinen, NGOs etc.) war zuletzt mit 0,04 % bzw. 0,03 % nur noch leicht positiv (jedoch mit 2 bzw. 3 Basispunkten ebenso rückläufig).

Grafik 1 mit dem Titel „Verzinsung des Einlagenbestandes nach Sektoren“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Einlagenbeständen gegliedert nach fünf Kundensektoren für den Zeitraum von November 2017 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von minus 0,05 bis plus 0,40. Die Einlagenzinssätze sanken im Zeitverlauf in allen Segmenten sukzessive, wie ein Vergleich zwischen den jeweiligen Werten von November 2017 und November 2021 zeigt: private Haushalte (hiervon Spareinlagen) von 0,36 Prozent auf 0,11 Prozent; private Haushalte von 0,28 Prozent auf 0,09 Prozent; sonstiger Haushaltssektor (insbesondere Selbstständigenhaushalte) von 0,17 Prozent auf 0,04 Prozent; private Organisationen ohne Erwerbszweck von ebenfalls 0,17 Prozent auf 0,03 Prozent und nichtfinanzielle Unternehmen von 0,11 Prozent auf minus 0,03 Prozent. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.
Grafik 2 mit dem Titel „Verzinsung des Einlagenbestandes des Haushaltssektors nach vereinbarter Laufzeit“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Einlagenbeständen gegliedert nach vier Laufzeitkategorien für den Zeitraum von November 2017 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von 0 bis 1. Die Einlagenzinssätze sanken dabei im Zeitverlauf in allen Segmenten sukzessive, wie ein Vergleich zwischen den jeweiligen Werten von November 2017 und November 2021 zeigt: Einlagen mit einer Laufzeit von über 2 Jahre von 0,92 Prozent auf 0,38 Prozent; Einlagen mit einer Laufzeit von 1 bis 2 Jahre von 0,39 Prozent auf 0,18 Prozent; Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu 1 Jahr von 0,21 Prozent auf 0,06 Prozent und täglich fällige Einlagen von 0,10 Prozent auf 0,05 Prozent. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

In Grafik 2 werden die Zinskonditionen der Einlagenbestände von Haushalten anhand ihrer Laufzeit (d. h. täglich fällige Einlagen im Vergleich zu Einlagen mit vereinbarter Laufzeit) veranschaulicht, wobei auffällt, dass insbesondere die Bestandszinssätze von Einlagen mit vereinbarter Laufzeit seit 2017 deutlich rückläufig gewesen sind. Im Aggregat und über den Haushaltssektor hinweg belief sich der Zinsaufschlag zwischen Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von über zwei Jahren (November 2017: 0,92 %) und täglich fälligen Einlagen (November 2017: 0,10 %) noch auf 82 Basispunkte. Über die Jahre sank dieser jedoch sukzessive (November 2018: 64 Basispunkte, November 2019: 49 Basispunkte, November 2020: 38 Basispunkte) und betrug zuletzt nur noch 33 Basispunkte (November 2021). Einlagen mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu einem Jahr wurden im kapitalgewichteten Aggregat mit 0,06 % nur mehr marginal höher verzinst als täglich fällige Einlagen (0,05 %), während der Bestandszinssatz bei Laufzeiten von ein bis zwei Jahren bei 0,18 % und bei über zwei Jahren bei 0,38 % lag.

2 Hohe Negativverzinsung ausländischer Unternehmenseinlagen

Grafik 3 mit dem Titel „Unternehmenseinlagen von Kunden mit Sitz im Inland beziehungsweise im sonstigen Euroraum“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Einlagenbeständen zwischen November 2017 und November 2021. Die Werte wurden  in Einlagen von inländischen Unternehmen und Einlagen von Unternehmen mit Sitz im Euroraumausland untergliedert, die wiederum jeweils in Einlagen mit kurzfristiger Laufzeit, das heißt bis 1 Jahr, und Einlagen mit langfristiger Laufzeit untergliedert wurden. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von minus 0,4 bis plus 1,6. Die aktuellen Zinssätze von Einlagen inländischer Kunden liegen im November 2021 bei minus 0,02 Prozent im Aggregat, bei 0,17 Prozent bei langfristiger Laufzeit und bei minus 0,02 Prozent bei kurzfristiger Laufzeit. Im Vergleich dazu betragen die Zinssätze von Kunden aus dem sonstigen Euroraum minus 0,21 Prozent im Aggregat, 0,41 Prozent bei langfristiger Laufzeit und minus 0,23 Prozent bei kurzfristiger Laufzeit. Im November 2017 beliefen sich die Zinssätze der Kunden aus dem sonstigen Euroraum im Gegensatz dazu mit 0,37 Prozent im Aggregat noch deutlich über jenen der inländischen Kunden mit 0,08 Prozent. Dieser gegensätzliche Trend zeigte sich erstmals im Juli 2020 mit Werten von 0,01  Prozent für den sonstigen Euroraum und 0,03 Prozent fürs Inland. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Zwar sind auch inländische Unternehmenseinlagen bei kapitalgewichteter Betrachtungsweise mittlerweile seit Mitte des Jahres 2021 im Aggregat durchgehend negativ verzinst (Juli: –0,01 %), allerdings zeigt sich ein deutlicher Unterschied zu Einlagenbeständen ausländischer nichtfinanzieller Unternehmen 6 (Grafik 3). Während diese in den vergangenen Jahren über den gesamten Bestand betrachtet meist (zum Teil deutlich) höhere Zinssätze aufgewiesen haben als Einlagen des heimischen Unternehmenssektors, zeigt sich seit Juli 2020 ein umgekehrtes Bild. Am aktuellen Rand (November 2021) wurden die Einlagen von ausländischen Unternehmen stärker negativ verzinst (–0,21 %) als jene des inländischen Unternehmenssektors (–0,02 %). Diese Entwicklung wurde insbesondere von den deutlich rückläufigen Zinskonditionen kurzfristiger Einlagen (d. h. täglich fälliger bzw. mit vereinbarter Laufzeit von bis zu einem Jahr) getrieben, welche das Volumen, das ausländische Unternehmen bei österreichischen Banken veranlagen, deutlich dominieren.

Grafik 4 mit dem Titel „Konditionen täglich fälliger Einlagen des Unternehmenssektors – Vergleich mit ausgewählten Ländern und dem Euroraum“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Einlagenbeständen von Unternehmen für die Länder Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und das Euroraum-Aggregat für den Zeitraum von November 2017 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von minus 0,15 bis plus 0,15. Die Einlagenzinssätze sanken im Zeitverlauf in allen Ländern sukzessive, wie ein Vergleich zwischen den jeweiligen Werten von November 2017 und November 2021 zeigt: Frankreich von 0,11 Prozent auf 0,04 Prozent; Italien von 0,07 Prozent auf 0,02 Prozent; Euroraum-Aggregat von 0,04 Prozent auf minus 0,03 Prozent; Österreich von 0,05 Prozent auf minus 0,02 Prozent und Deutschland von minus 0,02 Prozent auf minus 0,13 Prozent. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Da der größte Teil der ausländischen Unternehmenseinlagen am aktuellen Rand zu rund zwei Dritteln aus Deutschland stammt (und es sich hier oftmals um Einlagen großer, international agierender Konzerne handelt), bietet sich auch ein Vergleich zwischen den Zinskonditionen der Unternehmenseinlagen Österreichs mit jenen ausgewählter Euroraum-Länder und jenen des Euroraums gesamt an (Grafik 4). Dabei fällt auf, dass die Negativverzinsung in Deutschland besonders stark ausgeprägt ist. Der kapitalgewichtete Aggregatszinssatz täglich fälliger Unternehmenseinlagen wies in Deutschland im November 2021 einen Wert von –0,13 % auf, während sich jener des heimischen Bankensektors auf –0,02 % belief und somit im Euroraum-Durchschnitt (–0,03 %) lag. Demgegenüber befanden sich u. a. in Italien (0,02 %) und Frankreich (0,04 %) die kapitalgewichteten Aggregatszinssätze von täglich fälligen Unternehmenseinlagen noch geringfügig im positiven Bereich.

Grafik 5 mit dem Titel „Konditionen täglich fälliger Einlagen des Haushaltssektors – Vergleich mit ausgewählten Ländern und dem Euroraum“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Einlagenbeständen von Haushalten für die Länder Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und das Euroraum-Aggregat für den Zeitraum von November 2017 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von minus 0,05 bis plus 0,15. Die Einlagenzinssätze sanken dabei im Zeitverlauf in allen Ländern sukzessive, wie ein Vergleich zwischen den jeweiligen Werten von November 2017 und November 2021 zeigt: Österreich von 0,10 Prozent auf 0,06 Prozent; Italien von 0,06 Prozent auf 0,03 Prozent; Euroraum-Aggregat von 0,04 Prozent auf 0,01 Prozent; Frankreich von 0,03 Prozent auf 0,01 Prozent und Deutschland von 0,03 Prozent auf minus 0,01 Prozent. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Grafik 5 zeigt selbigen Vergleich für den Haushaltssektor (inkl. selbstständig Erwerbstätiger sowie privater Organisationen ohne Erwerbszweck). Ebenso wie im Unternehmenssektor sind hier weiterhin durchwegs rückläufige Zinskonditionen von täglich fälligen Einlagen zu beobachten. Die kapitalgewichtete Aggregatsverzinsung in Höhe von 0,06 % im Inland lag in diesem Segment (in Relation zum vorherrschenden niedrigen Zinsniveau) jedoch vergleichsweise deutlich über dem Euroraumschnitt (0,01 %). Die im internationalen Vergleich etwas höhere Verzinsung von täglich fälligen Einlagen bei einheimischen Banken ist zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass im Inland ein hoher Anteil an Einlagen nicht unmittelbar übertragbar ist 7 und somit von geringfügig besseren Zinskonditionen profitiert.

Demgegenüber sind in Deutschland – dem einzigen Euroraum-Land neben Belgien (–0,01 %) und Zypern (–0,003 %) – seit Februar 2021 auch täglich fällige Einlagenbestände des Haushaltssektors im Aggregat bereits durchwegs negativ verzinst (November 2021: –0,01 %).

3 Weiterhin rückläufige Kreditbestandszinssätze bei vergleichsweise konstanten Zinsniveaus im Neugeschäft

Die weiterhin anhaltende rückläufige Zinsentwicklung konnte in ähnlicher Weise auch am Kreditbestand des heimischen Bankensektors beobachtet werden. Bei Betrachtung des Neugeschäfts (d. h. der im jeweiligen Monat neu vergebenen oder neu verhandelten Kredite) im Jahr 2021 war jedoch eine gewisse Stagnation auf einem aktuell niedrigen Zinsniveau ersichtlich.

Grafik 6 zeigt die Neugeschäftskonditionen von Einmalkrediten 8 an nichtfinanzielle Unternehmen bzw. selbstständig Erwerbstätige, wobei insbesondere auffällt, dass das Zinsniveau im Großkredit-Neugeschäft 9 bei nichtfinanziellen Unternehmen im Jahr 2021 verglichen mit dem Vorjahr konstant geblieben ist (der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz hat – über alle Monate hinweg gerechnet – im Jahr 2021 1,34 % und 2020 1,35 % betragen). Das Zinsniveau von Unternehmenskrediten mit geringerem Volumen (d. h. bis 1 Mio EUR) sank Mitte 2020 aufgrund staatlicher COVID-19-Hilfsmaßnahmen in Form von zinslosen Überbrückungskrediten (März 2020: 1,83 %; Mai 2020: 1,34 %; Juni 2020: 1,33 %). Seither kam es jedoch wieder zu einem konstanten Anstieg der Konditionen im Neugeschäft, welche sich am aktuellen Rand (November 2021) mit 1,63 % nur mehr leicht unter dem Vergleichsmonat vor Ausbruch der Pandemie befanden (November 2019: 1,71 %). Die Neugeschäftszinssätze von Krediten an selbständig Erwerbstätige blieben indes im Jahr 2021 vergleichsweise konstant und lagen im November 2021 mit 1,74 % nur geringfügig höher als jene der Unternehmenskredite bis 1 Mio EUR (1,63 %).

Im Euroraumvergleich lag der österreichische kapitalgewichtete Aggregatszinssatz von Kreditneugeschäften nichtfinanzieller Unternehmen mit 1,29 % (November 2021) weiterhin nahe am Euroraum-Durchschnitt von 1,27 % (Grafik 7). Ähnliche Werte verzeichnete u. a. Frankreich (1,26 %), während sich die Zinsniveaus Deutschlands (1,18 %) und Italiens (1,09 %) unter dem Euroraum-Durchschnitt befanden.

Grafik 6 mit dem Titel „Zinskonditionen im Kreditneugeschäft nichtfinanzieller Unternehmen sowie selbstständig Erwerbstätiger“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Kreditneugeschäften selbstständig Erwerbstätiger und von Unternehmen. Letzteres ist in Kredite bis eine Million Euro und in Kredite über eine Million Euro untergliedert, und die Grafik deckt den Zeitraum von November 2015 bis November 2021 ab. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von 0,5 bis 3. Im gesamten Zeitverlauf zeichnete sich tendenziell ein leicht rückläufiger Trend des Zinsniveaus in allen Segmenten ab. Das Zinsniveau von Unternehmenskrediten mit geringerem Volumen, das heißt bis eine Million Euro, brach jedoch Mitte 2020 aufgrund staatlicher COVID-19-Hilfsmaßnahmen in Form von zinslosen Überbrückungskrediten mit Werten von 1,83 Prozent im März 2020 und 1,34 Prozent im Mai 2020 deutlich ein . Seither konnte jedoch wieder ein stetiger Anstieg auf mittlerweile 1,63 Prozent im November 2021 verzeichnet werden. Ein ähnlicher Einbruch im Zinsniveau ist zum selben Zeitpunkt auch für selbstständig Erwerbstätige mit Werten von 2 Prozent im März 2020 und 1,70 Prozent im Mai 2020 zu beobachten. Im November 2021 wies er einen marginal höheren Wert von 1,74 Prozent auf. Unternehmenskredite mit hohem Volumen, das heißt über eine Million Euro, blieben im Gegensatz dazu im Jahr 2020 und 2021 vergleichsweise stabil. Der über alle Monate berechnete kapitalgewichtete Jahresdurchschnittszinssatz betrug hier 1,35 Prozent im Jahr 2020 und 1,34 Prozent im Jahr 2021. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.
Grafik 7 mit dem Titel „Zinskonditionen im Kreditneugeschäft nichtfinanzieller Unternehmen im Euroraumvergleich“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Kreditneugeschäften von Unternehmen für die Länder Österreich, Deutschland und das Euroraum-Aggregat für den Zeitraum von November 2015 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von 0,5 bis 2,5. Die Zinssätze gingen im Zeitverlauf bis Ende 2019 stetig zurück und blieben seither vergleichsweise konstant. Im Folgenden die jeweiligen Werte für November 2015 und November 2021: Österreich von 1,68 Prozent auf 1,29 Prozent; Euroraum-Aggregat von 2,11 Prozent auf 1,27 Prozent und  Deutschland von 1,67 Prozent auf 1,18 Prozent. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Angesichts der Jahreswachstumsraten der Kreditvolumen 10 stiegen die Unternehmenskredite im Vergleich zum Vorjahr stärker an (November 2021: 5,7 %; November 2020: 5,4 %); das Gleiche gilt für die Haushaltskredite (November 2021: 5,8 %; November 2020: 4,8 %), bei denen diese Zunahme einmal mehr auf die (gemessen am Volumen ebenfalls dominierenden) Wohnbaukredite mit einem Jahreswachstum von zuletzt 8,1 % im November 2021 zurückzuführen war (November 2020: 6,9 %). Im Segment der Wohnbaukredite ist im Neugeschäft – nach längerer Zeit stark rückläufiger Neugeschäftszinssätze – seit Anfang des Jahres eine gewisse Stagnation der Kreditzinssätze auf niedrigem Niveau beobachtbar. So bewegte sich der Zinssatz für neue Wohnbaukredite in Österreich zwischen Februar 2021 (1,18 %) und November 2021 (1,20 %) stets in einer Bandbreite von 1,18 % bis 1,21 % (letztgenannter Wert u. a. im September 2021). Einerseits war eine zunehmende Konvergenz der Zinssätze mit unterschiedlichen Zinsbindungsfristen über ein Jahr festzustellen: Zinsbindung 1 bis 5 Jahre: 1,34 %, 5 bis 10 Jahre: 1,35 %, über 10 Jahre: 1,34 %. Andererseits betrug der Zinsaufschlag zwischen variabel verzinsten Wohnbaukrediten (inkl. Zinsbindung bis 1 Jahr) (0,98 %) und Krediten mit Zinsbindung über 10 Jahre (1,34 %) im November 2021 nur mehr 36 Basispunkte (Grafik 8).

Die Konditionen von Wohnbaukrediten mit langfristiger Zinsbindung (d. h. über 10 Jahre) näherten sich dabei in den vergangenen Jahren und Monaten auch zunehmend dem Euroraum-Vergleichszinssatz an (Grafik 9). Sie befanden sich im November 2021 mit 1,34 % nur noch geringfügig über dem Euroraum-Durchschnitt (1,32 %) bzw. über den entsprechenden Werten anderer Vergleichsländer wie beispielsweise Deutschland (1,33 %). Im November 2018 lag der Unterschied zwischen Österreich (2,24 %) und dem Euroraum (1,88 %) noch bei 36 Basispunkten. Weiterhin deutlich unter dem Euroraum-Durchschnitt befand sich der Zinssatz u. a. in Frankreich (November 2021: 1,13 %).

Grafik 8 mit dem Titel „Zinskonditionen Wohnbaukredit-Neugeschäft unterteilt nach Zinsbindung“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Wohnbaukredit-Neugeschäften untergliedert in vier Kategorien von unterschiedlichen Zinsbindungslaufzeiten für den Zeitraum von November 2015 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von 0,5 bis 3. Die Zinssätze gingen im Zeitverlauf bis Ende 2020 stufenweise zurück und blieben seither vergleichsweise konstant. Folgende Werte sind für November 2021 abgebildet: Zinsbindungslaufzeit von bis zu 1 Jahr (inklusive variabel verzinster Kredite) 0,98 Prozent; Zinsbindungslaufzeit von 1 bis 5 Jahre 1,37 Prozent; Zinsbindungslaufzeit von 5 bis 10 Jahre 1,35 Prozent und Zinsbindungslaufzeit von über 10 Jahre 1,34 Prozent. Somit kann eine zunehmende Konvergenz der Zinsniveaus festgestellt werden; ausgenommen Zinssätze bei Wohnbaukredit-Neugeschäften mit einer Zinsbindungslaufzeit von bis zu 1 Jahr (inklusive variabel verzinster Kredite). Quelle: Oesterreichische Nationalbank.
Grafik 9 mit dem Titel „Zinskonditionen im Wohnbaukredit-Neugeschäft mit Zinsbindung über 10 Jahre im Euroraumvergleich“ zeigt in einem Liniendiagramm die Entwicklung der Zinssätze von Wohnbaukredit-Neugeschäften mit langfristiger Zinsbindung für die Länder Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und das Euroraum-Aggregat für den Zeitraum von November 2015 bis November 2021. Die vertikale Achse gibt die Zinssätze in Prozent an und reicht von 0,5 bis 3. Die Zinssätze gingen im Zeitverlauf bis Ende 2019 stufenweise zurück und blieben seither vergleichsweise konstant. Folgende Werte sind für November 2015 und November 2021 abgebildet: Italien von 3,66 Prozent auf 1,44 Prozent; Österreich von 2,79 Prozent auf 1,34 Prozent; Deutschland von 1,83 Prozent auf 1,33 Prozent; Euroraum-Aggregat von 2,42 Prozent auf 1,32 Prozent und Frankreich von 2,62 Prozent auf 1,13 Prozent. Somit zeigt sich im Jahresvergleich eine zunehmende Konvergenz der Zinssätze von Wohnbaukredit-Neugeschäften mit langfristiger Zinsbindung . Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

4 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, thomas.poechel@oenb.at.

5 Um Vergleichbarkeit mit der Zinssatzstatistik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ermöglichen, beziehen sich die angegebenen Jahreswachstumsraten nur auf Einlagen aus Euroraum-Ländern.

6 Im Rahmen der EZB-Zinssatzstatistik werden jedoch nur Daten von Krediten an bzw. Einlagen von Kunden aus dem Euroraum erhoben, weshalb sich der Terminus „ausländische nichtfinanzielle Unternehmen“ hier ausschließlich auf Einheiten aus der sonstigen Währungsunion bezieht.

7 Dies ist beispielsweise bei jenen Einlagen der Fall, die ausschließlich für die Barabhebung genutzt werden können oder bei jenen, die nur auf ein anderes Konto desselben Inhabers übertragen werden können.

8 D. h. exkl. revolvierender bzw. Überziehungskredite.

9 Als Großkredite werden im Rahmen dieses Artikels Kreditgeschäfte mit einem Volumen von zumindest 1 Mio EUR bezeichnet.

10 von Kreditnehmern im Euroraum (d. h. sowohl Währungsraum-Inland als auch -Ausland)

Kreditnachfrage von Unternehmen steigt das dritte Quartal in Folge

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Jänner 2022 11

Gerald Hubmann 12

Seit dem zweiten Quartal 2021 steigt die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im Zuge der wirtschaftlichen Erholung nach dem Einbruch durch die COVID-19-Pandemie. Im vierten Quartal 2021 kam es dabei auch zu einem im Rahmen der letzten Umfrage nicht erwarteten Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten, der auf Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel zurückgeführt werden kann. Für das erste Quartal 2022 erwarten die befragten Banken eine weiter steigende Kreditnachfrage von Unternehmen.

Die Banken veränderten ihre Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen im Unternehmenskundengeschäft in den vier Quartalen 2021 kaum. Lediglich die Margen für durchschnittlich risikoreiche Unternehmenskredite wurden in diesem Zeitraum aufgrund der Wettbewerbssituation etwas gesenkt.

In den vier Quartalen 2021 blieben Kreditrichtlinien, Kreditbedingungen und Kreditnachfrage im Privatkundengeschäft (Wohnbaukredite sowie Konsum- und sonstige Kredite) weitgehend unverändert. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten war weiterhin kräftig. Für das Jahr 2022 erwarten die befragten Banken Verschärfungen ihrer Richtlinien für private Wohnbaukredite aufgrund neuer makroprudenzieller regulatorischer Anforderungen.

Die Refinanzierungssituation der österreichischen Banken hat sich seit dem dritten Quartal 2020 laufend verbessert (nach Verschlechterungen in den ersten beiden Quartalen 2020). Hervorzuheben sind Verbesserungen bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen und gestiegene Kundeneinlagen.

Gemäß den Umfrageergebnissen haben notleidende Kredite die Kreditvergabepolitik der österreichischen Banken in den letzten Jahren kaum beeinflusst. Die Banken erwarten, dass das auch im ersten Halbjahr 2022 so bleiben wird.

Die Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen und demnach seit März 2020 stark von den Folgen der COVID-19-Pandemie beeinflusst. Das reale BIP Österreichs sank im Jahr 2020 laut Statistik Austria um 6,7 %. Auch im ersten Quartal 2021 war es im Vergleich zum vierten Quartal 2020 leicht rückläufig (gemäß Statistik Austria um 0,4 %). Seit dem zweiten Quartal 2021 ist aber eine deutliche Erholung erkennbar. Zur Jahresmitte 2021 wurde erstmals wieder das Vorkrisenniveau erreicht, und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB), das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und das Institut für Höhere Studien (IHS) erwarten laut ihren jüngsten Prognosen vom Dezember 2021 für die Jahre 2021 und 2022 ein kräftiges Wirtschaftswachstum sowie eine starke Zunahme der Investitionstätigkeit der Unternehmen. 13 Die vierte Corona-Welle und die damit zusammenhängenden Eindämmungsmaßnahmen können die Erholung bzw. den Aufschwung zum Jahreswechsel 2021/2022 demnach nur temporär bremsen. Die jeweils aktuelle Wirtschaftsentwicklung kann zeitnah mit dem wöchentlichen BIP-Indikator der OeNB 14 verfolgt werden. Vor diesem konjunkturellen Hintergrund melden die Banken laut den aktuellen Umfrageergebnissen eine weiter steigende Kreditnachfrage.

Kapitel 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, und Kapitel 2 das Kreditgeschäft mit privaten Haushalten. Kapitel 3 hat die Refinanzierungssituation der Banken zum Thema. In den Kapiteln 4 bzw. 5 geht es um die Auswirkungen regulatorischer Anforderungen bzw. notleidender Kredite.

Detaillierte Umfrageergebnisse zu den einzelnen Quartalen seit dem Jahr 2018 sind den Tabellen 1 bis 3 zu entnehmen. Grafik 1 zeigt längerfristige Trends bei den Quartalsveränderungen hinsichtlich Kreditrichtlinien und Kreditnachfrage. Grafik 2 stellt die Entwicklung der Nachfrage nach Unternehmenskrediten und ihre Einflussfaktoren dar. Kasten 1 am Ende des Artikels enthält u. a. Erläuterungen zu ausgewählten Fachbegriffen.

1 Nachfrage nach Unternehmenskrediten steigt weiter an

Bereits seit drei Quartalen zeigt sich in den Umfrageergebnissen die Erholung von den wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie. Seit dem zweiten Quartal 2021 steigt die Nachfrage nach Unternehmenskrediten (Tabelle 1 und Grafik 1 15 ). Im vierten Quartal 2021 nahm sie in allen abgefragten Kategorien – Unternehmen gesamt, kleine und mittlere Unternehmen (KMU), große Unternehmen, kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) und langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) – zu. Für das erste Quartal 2022 gehen die befragten Banken von einer weiterhin expansiven Nachfrageentwicklung quer über alle Kategorien aus.

Steigerungen bei der Nachfrage nach Unternehmenskrediten im vierten Quartal 2021 wurden in der letzten Umfrage über das Kreditgeschäft (vom Oktober 2021) für fast alle Kategorien erwartet (Unternehmen gesamt, große Unternehmen sowie langfristige Kredite). Unerwartet war der Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten im vierten Quartal 2021. Im Vorquartal hatte diesbezüglich noch die Annahme einer zum Jahresende weitgehend unveränderten Situation bestanden.

Dieser unerwartete Anstieg der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten dürfte auf den deutlich höheren Finanzierungsbedarf für Lagerhaltung und Betriebsmittel zurückzuführen sein, der von den Banken als Hauptgrund für die gestiegene Gesamtnachfrage 16 nach Unternehmenskrediten im vierten Quartal 2021 genannt wurde und der ein punktuell sehr auffälliges Ergebnis darstellt – auch im Vergleich mit den in den Vorquartalen genannten Faktoren der Nachfrageentwicklung (Grafik 2). Die Gründe des erhöhten Finanzierungsbedarfs für Lagerhaltung und Betriebsmittel können anhand der Umfrageergebnisse nicht aufgeklärt werden, jedoch könnten die internationalen Lieferengpässe eine wichtige Rolle gespielt haben. Weitere Gründe für die im vierten Quartal 2021 gestiegene Nachfrage nach Unternehmenskrediten waren der Finanzierungsbedarf für Fusionen/Übernahmen und Unternehmensumstrukturierungen sowie jener für Anlageinvestitionen.

Tabelle 1: Kredite oder Kreditrahmen für Unternehmen  
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 bzw. 8 Banken
2018 2019 2020 2021 2022
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1
Kreditrichtlinien
Unternehmen gesamt 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –3 0 0 –1 –1 1
Kredite an kleine und
mittlere Unternehmen
0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 –2 –2 –1 0 0 –1 0
Kredite an große
Unternehmen
0 1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –2 1 0 –1 –1 1
Kurzfristige Kredite
(Laufzeit bis zu
einem Jahr)
0 0 0 0 0 1 0 –1 0 –1 –3 –2 0 0 0 0 1
Langfristige Kredite
(Laufzeit über
ein Jahr)
0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –3 0 0 –1 0 1
Kreditbedingungen
insgesamt
Unternehmen gesamt 1 1 0 0 –1 1 1 2 –2 –3 –2 –2 –1 0 0 –1 ..
Kredite an kleine und
mittlere Unternehmen
1 –1 0 0 –1 0 1 1 –2 –2 –2 –2 –1 0 0 –1 ..
Kredite an große
Unternehmen
2 1 1 0 0 2 1 2 –1 –3 –2 –1 –1 0 0 –1 ..
Margen für
durchschnittliche
Kredite
Unternehmen gesamt 3 3 1 0 1 2 4 3 –3 –3 –3 –1 2 1 2 1 ..
Kredite an kleine und
mittlere Unternehmen
1 2 0 0 1 2 4 2 –1 –2 –3 –1 2 1 2 0 ..
Kredite an große
Unternehmen
3 4 2 1 0 2 5 3 –3 –5 –3 0 3 1 2 1 ..
Margen für
risikoreichere Kredite
Unternehmen gesamt 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –4 –6 –4 –3 –1 0 0 –1 ..
Kredite an kleine und
mittlere Unternehmen
–1 –1 –1 0 –1 0 0 0 –2 –4 –5 –3 –1 0 0 –1 ..
Kredite an große
Unternehmen
0 0 –1 0 –1 0 0 2 –4 –6 –4 –2 –1 0 0 0 ..
Genehmigte
Kreditanträge
Anteil bezogen auf das
Gesamtvolumen
0 0 –2 –1 –1 –1 –2 –1 0 0 –3 –1 0 0 –1 0 ..
Kreditnachfrage
Unternehmen gesamt 4 5 2 3 –2 0 –1 1 5 6 2 –2 –1 3 2 3 4
Kredite an kleine und
mittlere Unternehmen
3 3 1 3 –2 –1 –1 1 3 4 0 –3 –2 1 2 2 3
Kredite an große
Unternehmen
2 5 3 3 –1 1 0 1 5 7 2 –2 –1 3 3 3 4
Kurzfristige Kredite
(Laufzeit bis zu
einem Jahr)
2 3 0 2 0 2 1 1 6 5 1 –3 –2 2 0 4 3
Langfristige Kredite
(Laufzeit
über ein Jahr)
5 6 4 3 –1 –1 –1 2 1 6 2 –1 0 3 2 2 3
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang
als wertfrei zu verstehen. Positiv = Lockerung von Richtlinien, Bedingungen und Margen (geringere Margen),
Anstieg der genehmigten Kreditanträge, Anstieg der Nachfrage; negativ = umgekehrte Entwicklungen.

Anlageinvestitionen wurden bereits im zweiten Quartal 2021 als wesentlicher Grund für die erhöhte Kreditnachfrage genannt – erstmals seit dem Ende der letzten Hochkonjunkturphase im vierten Quartal 2018. Im ersten Halbjahr 2020 war es zwar zu einer deutlich intensivierten Kreditnachfrage von Unternehmen gekommen, allerdings vorwiegend in den ersten Monaten der COVID-19-Pandemie wegen des großen Bedarfs an Überbrückungskrediten und Refinanzierungen. Die Nachfrage nach Krediten für Anlageinvestitionen war im Jahr 2020 gesunken (vor allem im zweiten Quartal).

Die Richtlinien für Unternehmenskredite blieben in den vier Quartalen 2021 weitgehend unverändert, nachdem sie im dritten und vierten Quartal 2020 – hauptsächlich aufgrund der pandemiebedingten Risikosituation – wiederholt verschärft worden waren. Für das erste Quartal 2022 erwarten die befragten Banken kaum Änderungen bei den Richtlinien. In den Umfrageergebnissen für das vierte Quartal 2021 finden sich vereinzelt Angaben über eine verbesserte Risikoeinschätzung der Banken (betreffend Wirtschaftslage und Konjunkturaussichten), die sich aber nicht auf die Kreditrichtlinien ausgewirkt hat.

Ähnlich wie bei den Richtlinien veränderten sich auch die Kreditbedingungen insgesamt kaum in den vier Quartalen 2021. Die Margen für durchschnittliche Kredite wurden 2021 (im ersten und dritten Quartal) allerdings aufgrund der Wettbewerbssituation leicht gelockert bzw. gesenkt.

Im Jahr 2020 wurden die Kreditbedingungen hingegen schrittweise verschärft. Das wurde hauptsächlich mit der Risikosituation begründet, aber auch mit Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen. Vor allem die Margen wurden laufend erhöht bzw. verschärft – jene für risikoreichere Kredite stärker als jene für durchschnittliche Kredite. Auch bei anderen Kreditbedingungen wurden die Banken 2020 restriktiver, wie etwa bei der Höhe von Krediten oder Kreditrahmen (hier kam es zu einer Reduktion) oder bei den Erfordernissen für Sicherheiten (hier zu einer Erhöhung). 17 Infolge der COVID-19-Pandemie wurden die Kreditbedingungen also schneller verschärft (ab dem ersten Quartal 2020) als die Kreditrichtlinien (ab dem dritten Quartal 2020).

Bei Betrachtung der Entwicklungen von Kreditangebot und Kreditnachfrage, gegliedert nach Wirtschaftssektoren 18 , zeigen sich für das zweite Halbjahr 2021 – ähnlich wie im ersten Halbjahr – nur wenige sektorale Besonderheiten bzw. Abweichungen von den generellen Entwicklungen im Unternehmenskundengeschäft (siehe oben). Die Kreditrichtlinien blieben im zweiten Halbjahr 2021 für alle abgefragten Sektoren weitgehend unverändert, ebenso die Kreditbedingungen. Die Kreditnachfrage von Seiten des verarbeitenden Gewerbes (i. e. Herstellung von Waren), der Gewerbeimmobilienwirtschaft und der Wohnimmobilienwirtschaft stieg im zweiten Halbjahr 2021 an. In den Sektoren Baugewerbe/Bau (ohne Immobilien), Dienstleistungen (ohne Finanzdienstleistungen und Immobilien) sowie Handel änderte sich die Kreditnachfrage im zweiten Halbjahr 2021 hingegen kaum.

Die Folgen der COVID-19-Pandemie trafen die Unternehmen teils hart und erforderten Hilfsmaßnahmen der öffentlichen Hand, um die heimische Produktions- und Wirtschaftsstruktur zu erhalten. Staatliche Garantien für Kredite an Unternehmen bildeten eine der wichtigsten Hilfsmaßnahmen. 19 Die staatlichen Garantien erlaubten es den Banken, dem (vor allem im ersten Halbjahr 2020) hohen Bedarf an Überbrückungs- und Refinanzierungen nachzukommen. Laut Aussagen der befragten Banken konnten sie hierdurch in der Kreditvergabe weniger restriktiv sein. Ohne staatliche Garantien wäre die Vergabe vieler Kredite aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen (Risikosituation, bilanzielle Auswirkungen) nicht möglich gewesen.

Im Rahmen der aktuellen Umfrage berichteten die Banken für das zweite Halbjahr 2021 – wie bereits für das erste Halbjahr 2021 im Rahmen der vorletzten Umfrage – von einer nur noch geringen Nachfrage nach Krediten mit staatlichen Garantien und von einem deutlichen Rückgang des akuten Liquiditätsbedarfs im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.

Die nur noch geringe Nachfrage nach Krediten mit staatlichen Garantien spiegelt sich auch in den detaillierten Zahlen zur Haftungsübernahme des Bundes, die vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) veröffentlicht werden 20 , wider. 21 Diese zeigen, dass es nur noch im ersten Halbjahr 2021 einen erkennbaren Unterstützungsbedarf gegeben hat und dieser auf KMU beschränkt gewesen ist. Diese Beobachtung deckt sich auch mit den Aussagen der an der Umfrage über das Kreditgeschäft teilnehmenden Banken, wonach große Unternehmen besser durch die Krise kämen als KMU. 22

2 Weiterhin stabile Entwicklung im Privatkundengeschäft

In den vier Quartalen 2021 blieben Kreditrichtlinien, Kreditbedingungen und Kreditnachfrage im Privatkundengeschäft weitgehend unverändert – sowohl bei Wohnbaukrediten als auch bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten (Tabelle 2 und Grafik 1). Hervorzuheben ist lediglich die leichte Verschärfung der Margen (i. e. höhere Margen) für risikoreichere Konsum- und sonstige Kredite im vierten Quartal 2021. Als Grund dafür wurde die Risikosituation angeführt (Risikoeinschätzung durch die Banken, Risikotoleranz der Banken).

Im Ausblick auf das erste Quartal 2022 erwarten die befragten Banken eine leichte Verschärfung der Richtlinien für Wohnbaukredite, ansonsten jedoch eine weitgehend unveränderte Situation bei Richtlinien und Nachfrage. (Für Kreditbedingungen wird in der Umfrage kein Ausblick auf das kommende Quartal erhoben.) Im Verlauf des Jahres 2022 könnte es zu weiteren angebotsseitigen Verschärfungen bei Wohnbaukrediten aufgrund neuer makroprudenzieller regulatorischer Anforderungen kommen (siehe Kapitel 4).

Tabelle 2: Kredite an private Haushalte  
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 Banken
Wohnbaukredite 2018 2019 2020 2021 2022
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1
Kreditrichtlinien 0 –2 –1 0 –2 –2 –1 –1 0 –2 –1 –1 0 1 –1 –1 –2
Kreditbedingungen
insgesamt
1 –2 0 0 0 0 0 –1 0 –1 –1 –1 0 0 0 0 ..
Margen für
durchschnittliche Kredite
2 1 2 1 2 2 3 1 0 –2 0 –4 0 –1 0 0 ..
Margen für
risikoreichere Kredite
–1 –1 –1 0 0 0 0 0 –2 –3 –1 –2 –1 –1 –1 –1 ..
Genehmigte Kreditanträge
(Anteil bezogen auf
das Gesamtvolumen)
0 –2 0 0 –1 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 0 ..
Kreditnachfrage 1 0 –1 –1 1 1 2 2 3 –1 2 0 1 1 1 0 –1
Konsumkredite und
sonstige Kredite
Kreditrichtlinien 1 –1 0 –1 0 –2 –2 –1 0 –3 –2 –3 –1 –1 0 0 –1
Kreditbedingungen
insgesamt
0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 –2 0 0 0 0 ..
Margen für
durchschnittliche Kredite
0 0 0 1 0 0 1 1 0 –1 –1 –1 0 1 0 –1 ..
Margen für
risikoreichere Kredite
0 0 0 0 0 0 0 0 –2 –2 –1 –2 –1 –1 –1 –2 ..
Genehmigte Kreditanträge
(Anteil bezogen
auf das Gesamtvolumen)
1 0 0 0 0 1 –1 –1 0 –3 –3 –1 –1 –1 –2 0 ..
Kreditnachfrage –1 0 0 0 1 0 1 0 0 –4 –1 0 0 1 0 0 0
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang
als wertfrei zu verstehen. Positiv = Lockerung von Richtlinien, Bedingungen und Margen (geringere Margen),
Anstieg der genehmigten Kreditanträge, Anstieg der Nachfrage; negativ = umgekehrte Entwicklungen.

Im Jahr 2020 kam es hingegen aufgrund der COVID-19-Pandemie zu restriktiven angebotsseitigen Entwicklungen im Kreditgeschäft der Banken mit privaten Haushalten, die vor allem mit der geänderten Risikosituation begründet wurden. Besonders auffällig waren wiederholte Verschärfungen der Margen (mit höheren Margen als Folge) für durchschnittliche und risikoreichere Wohnbaukredite sowie für risikoreichere Konsum- und sonstige Kredite – ebenso wiederholte Verschärfungen der Richtlinien für Konsum- und sonstige Kredite. Im zweiten Quartal 2020 – geprägt von massiven Einschränkungen aufgrund der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie – gab es zudem einen markanten Einbruch der Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten, der von den befragten Banken mit geringeren Ausgaben für langlebige Konsumgüter (Pkw, Möbel usw.) 23 und mit einem gesunkenen Konsumentenvertrauen begründet wurde. Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten war im Jahr 2020 hingegen etwas gestiegen (wie auch schon im zweiten Halbjahr 2019).

3 Verbesserte Refinanzierungsbedingungen für Banken

Während die österreichischen Banken 2017 bis 2019 überwiegend von positiven Entwicklungen ihrer Refinanzierungssituation berichtet hatten, verschlechterten sich ihre Refinanzierungsbedingungen in den ersten beiden Quartalen 2020. Seit dem dritten Quartal 2020 hat sich die Refinanzierungssituation jedoch laufend verbessert – insbesondere im vierten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021 (Tabelle 3 24 ); im vierten Quartal 2021 allerdings nur mehr leicht. Unter anderem konnte eine durchgehend positive Entwicklung bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen und bei Einlagen beobachtet werden. 25 Besonders die kurzfristigen Einlagen (Bindung bis zu einem Jahr) stiegen gemäß den Umfrageergebnissen an. Am Geldmarkt war es im dritten und vierten Quartal 2020 zu Verbesserungen für die Banken gekommen. Im Ausblick auf das erste Quartal 2022 erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken eine weitgehend unveränderte Situation.

Tabelle 3: Zugang der Banken zu ausgewählten Refinanzierungsquellen  
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 8 Banken
2018 2019 2020 2021 2022
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1
Retail-Refinanzierung
Kurzfristige Einlagen
(bis zu einem Jahr)
3 0 0 1 1 3 0 0 –1 2 1 4 2 2 3 2 0
Langfristige Einlagen
(über ein Jahr)
2 –1 –2 –1 0 –1 –2 0 –4 0 0 3 3 1 0 0 0
Unbesicherter
Interbankengeldmarkt
Sehr kurzfristiger Geldmarkt
(bis zu einer Woche)
2 0 1 0 1 0 0 0 –1 –1 2 2 0 1 0 0 0
Kurzfristiger Geldmarkt
(über eine Woche)
2 0 1 0 0 0 0 0 –5 –2 2 2 0 1 0 0 0
Großvolumige Schuldtitel
Kurzfristige Schuldtitel3 1 0 0 0 1 0 0 0 –1 –1 0 1 0 0 0 0 0
Mittel- bis langfristige
Schuldtitel
3 0 –1 –3 3 4 3 1 –4 –4 3 5 5 2 3 1 –1
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu
verstehen. Positiv = Verbesserung, negativ = Verschlechterung.
3 Antworten von 3 bis 6 Banken.

4 Erwartung verschärfter Richtlinien für private Wohnbaukredite aufgrund regulatorischer Anforderungen im Jahr 2022

Seit 2011 werden in der Umfrage Auswirkungen regulatorischer Anforderungen thematisiert (zuerst halbjährlich, seit 2020 jährlich). 26 Neue regulatorische Anforderungen wirkten sich 2021 nur in geringem Ausmaß auf die befragten Banken und ihr Kreditgeschäft aus. Die Banken stärkten diesbezüglich ihr Eigenkapital leicht und bauten Kredite mit höherem Risiko etwas ab. Für das Jahr 2022 erwarten sie Verschärfungen ihrer Richtlinien für private Wohnbaukredite aufgrund neuer regulatorischer Anforderungen. Letzteres dürfte im Zusammenhang mit der jüngsten Diskussion im Finanzmarktstabilitätsgremium über systemische Risiken aus der Wohnimmobilienfinanzierung stehen, auf die rechtlich verbindliche Maßnahmen ab Mitte 2022 zur Adressierung dieser systemischen Risiken folgen könnten. 27

5 Derzeit geringe Relevanz notleidender Kredite für die Kreditvergabepolitik der Banken

Beginnend mit der Umfrage vom Juli 2018 werden die teilnehmenden Banken halbjährlich zu den Auswirkungen von notleidenden Krediten auf ihre Kreditvergabepolitik und zu den entsprechenden Wirkungsweisen befragt. 28 Im Rahmen der ersten diesbezüglichen Erhebung wurde neben dem ersten Halbjahr 2018 auch der Zeitraum von 2014 bis 2017 erfasst. Die befragten Banken meldeten für diesen Zeitraum nur vereinzelt Verschärfungen der Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen aufgrund notleidender Kredite – vor allem im Zusammenhang mit Anforderungen regulatorischer Art.

Auch ab 2018 hatten notleidende Kredite nur geringe Auswirkungen auf die Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen der österreichischen Banken. Lediglich für das erste Halbjahr 2020, die erste Phase der COVID-19-Pandemie, berichteten die an der Umfrage teilnehmenden Banken von leichten Einflüssen notleidender Kredite auf die Verschärfung von Richtlinien und Bedingungen für Unternehmenskredite sowie für Konsum- und sonstige Kredite an private Haushalte – nicht aber für Wohnbaukredite an private Haushalte. Begründet wurde dies mit der Risikosituation sowie aufsichtlichen und regulatorischen Anforderungen. Eine zum damaligen Berichtszeitpunkt erwartete steigende Relevanz notleidender Kredite hat sich bisher nicht ergeben.

Insgesamt zeigte sich die Kreditvergabepolitik der österreichischen Banken in den letzten Jahren also weitgehend unbeeinflusst von notleidenden Krediten. Gemäß den Umfrageergebnissen soll das auch im ersten Halbjahr 2022 so bleiben.

Der Anteil notleidender Kredite ist in Österreich mit knapp unter 2 % (drittes Quartal 2021) etwas niedriger als im Euroraum bzw. in der EU insgesamt (vgl. Supervisory Banking Statistics der EZB 29 und EBA Risk Dashboard 30 ) und ist während der COVID-19-Pandemie, wie in den meisten EU-Ländern, sogar leicht gesunken. 31 Diese unauffällige Entwicklung dürfte auch auf die umfangreichen COVID-19-Hilfsmaßnahmen der öffentlichen Hand zurückzuführen sein.