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Statistiken – Daten und Analysen Q1-21

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Der einleitende Artikel von Martin Bartmann liefert ein Update zu den Auswirkungen der COVID-19-­Pandemie auf die Kreditentwicklung privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen bei im Euroraum ansässigen monetären Finanzinstituten. Es zeigt sich, dass das Kreditwachstum nicht­finanzieller Unternehmen deutlich angesprungen ist und auch bis Oktober 2020 auf hohem Niveau verblieb. Bei privaten Haushalten war der größte Effekt bei Konsumkrediten – aufgrund mangelnder Nachfrage – erkennbar, wodurch es in diesem Sektor zu einer leicht rückläufigen Kreditentwicklung kam.

Wie gewohnt werden Ihnen die aktuellen Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft bei einer Auswahl an Kreditmanagern von Banken von Gerald Hubmann präsentiert. Auch hier spiegelt sich die COVID-19-Pandemie sowohl in der Angebots- als auch der Nachfrageseite der Kreditvergabe, aber auch in den Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen wider.

Unabhängig von den Einflüssen der Pandemie beschreiben Birgit Bernhard und Niklas Riedlberger die nichtfinanzielle Berichterstattung österreichischer nichtfinanzieller Unternehmen mit dem Fokus auf Corporate Social Responsibility im Jahr 2019. Gemäß den Bestimmungen des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz muss über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange berichtet werden. Eine nähere Auseinandersetzung in der Praxis mit dem Kernthema „Umwelt“ zeigt jedoch, dass in den österreichischen nichtfinanziellen Berichten des Jahres 2019 weniger als die Hälfte der möglichen Punkte hinsichtlich relevanter umweltbezogener Themen erzielt wurde.

Weiters informiert Patrick Thienel über die im Dezember 2020 von der EZB beschlossene Novelle der Verordnung zur Meldung von Zahlungsverkehrsstatistiken, welche nicht nur zu inhaltlichen Erweiterungen der bestehenden Meldepflichten, sondern auch zu einer größeren Detaillierungstiefe sowie zu höheren Meldefrequenzen führte. In diesem Zusammenhang gelang die Implementierung eines „Multiuse of data“-Ansatzes insofern, als zukünftig Anforderungen der Europäischen Zentralbank und der Europäische Bankenaufsichtsbehörde in einer Meldung integriert abgebildet werden.

Zwei Kurzberichte sowie eine Auswahl von 13 Tabellen ergänzen das vorliegende Heft.

Kurzberichte

Leicht rückläufige Bestände von Finanzierungsleasing-Krediten und deutlicher Rückgang von Factoring-Forderungen

Thomas Pöchel 1

Im Zeitraum der COVID-19-Pandemie sank der – in der EZB-OFI 2 -Statistik ­erfasste – Forderungsbestand der sogenannten Kredit vergebenden, sonstigen ­Finanzintermediäre (Unterkategorie 3 des Teilsektors 125 laut ESVG 2010) von 11,8 Mrd EUR (erstes Quartal 2020) auf 11,4 Mrd EUR (zweites Quartal 2020) bzw. 11,3 Mrd EUR (drittes Quartal 2020). Dieser Rückgang basiert auf den ­Entwicklungen in den beiden größten Teilsegmenten dieses Sektors – den ­Finanzierungsleasing-Einheiten und den Factoringgesellschaften.

Hinsichtlich der Einordnung dieser Werte ist auf die unterschiedliche ­statistische Handhabung von Leasing im ESVG 2010 hinzuweisen, welches der EZB-OFI-Statistik zugrunde liegt und wonach nur Finanzierungsleasing diesem Sektor zuzuordnen ist. In Abgrenzung zu anderen Leasingformen (insbesondere dem sogenannten „Operating Leasing“) steht beim sogenannten Finanzierungs­leasing nicht die reine Gebrauchsüberlassung im Vordergrund, sondern eine ­(zukünftige) Kaufabsicht des Leasingnehmers. Aus diesem Grund geht das ­Leasingobjekt (mit allen anhaftenden Risiken) beim Finanzierungsleasing in das wirtschaftliche Eigentum des Leasingnehmers über (bzw. wird dieses statistisch dort erfasst) und es entsteht ein entsprechender Kredit als Forderung des Leasinggebers gegenüber dem Leasingnehmer. Zur Identifikation bzw. Klassifikation von Finanzierungsleasing-Einheiten (welche in der EZB-OFI-Statistik enthalten sind) wird innerhalb der OeNB eine entsprechende Zuordnungsregel angewendet, um der definitorischen Abgrenzung im ESVG 2010 Rechnung zu tragen. 4

Grafik 1 zeigt die von der OeNB im Rahmen des sogenannten GKE-Melde­wesens („Granulare Krediterhebung“) erhobenen Daten zu Finanzierungsleasing-Kreditbeständen von inländischen Finanzierungsleasing-Einheiten für den Zeitraum seit Beginn dieses Meldeformats (September 2018). Es zeigt sich für das Jahr 2020 ein relativ konstantes Bild mit nur geringen Rückgängen von 9,5 Mrd EUR (erstes Quartal 2020) auf 9,3 Mrd EUR (drittes Quartal 2020) bzw. 9,4 Mrd EUR (Oktober 2020). Mit 8,8 Mrd EUR (bzw. 94 %) ist weiterhin nahezu der voll­ständige Bestand an Finanzierungsleasing-Forderungen gegenüber inländischen Schuldnern ausgewiesen.

Für die Einordnung der Zahlen ist jedoch zu beachten, dass im Rahmen des GKE-Meldewesens aufgrund von Meldegrenzen nur Finanzierungsleasing-Kredite erhoben werden, bei denen das Gesamtengagement des Schuldners 350.000 EUR übersteigt.

Die Grafik „Kreditbestand österreichischer Finanzierungsleasing-Einheiten“ stellt ein gestapeltes Säulendiagramm dar und zeigt die monatliche Entwicklung für die zwei Kategorien „gegenüber Inland“ und „gegenüber Ausland“ für den Zeitraum von September 2018 bis Oktober 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 11 und bildet den Wert in Milliarden ab. Entwicklung der „Kreditbestände gegenüber Inland“: Quartalsdurchschnitt im 4. Quartal 2018: 9,4; Jahresdurchschnitt 2019: 9,2; Quartalsdurchschnitt im 1. Quartal 2020: 9; Quartalsdurchschnitt im 2. Quartal 2020: 9; Quartalsdurchschnitt im 3. Quartal 2020: 8,9; Oktober 2020: 8,8. Entwicklung der „Kreditbestände gegenüber Ausland“: Quartalsdurchschnitt im 4. Quartal 2018: 0,5; Jahresdurchschnitt 2019: 0,6; Quartalsdurchschnitt im 1. Quartal 2020: 0,5; Quartalsdurchschnitt im 2. Quartal 2020: 0,5; Quartalsdurchschnitt im 3. Quartal 2020: 0,5; Oktober 2020: 0,6. Als Anmerkung ist in der Grafik folgender Text angeführt: „Meldegrenze der Erfassung liegt bei 350.000 EUR Gesamtengagement je Schuldner, d. h. Finanzierungsleasing-Bestände unter dieser Schwelle sind nicht enthalten“. Quelle: OeNB.

Das zweite große Subsegment der Kredit vergebenden, sonstigen Finanzintermediäre bilden die sogenannten Factoringgesellschaften, die auf den Kauf bzw. die Übernahme von Forderungen spezialisierte Einheiten darstellen, welche ­insbesondere Forderungen des Unternehmenssektors übernehmen. 5

Grafik 2 zeigt die von den österreichischen Factoringgesellschaften über­nommenen Forderungsbestände im Zeitverlauf seit 2014, die von der OeNB im Rahmen des Vermögens-, Erfolgs- und Risikoausweises erhoben werden. Es zeigt sich, dass nach dem Wachstum der letzten Jahre im Zeitraum der COVID-19-­Pandemie deutlich rückläufige Bestände zu beobachten sind (1,8 Mrd EUR im ersten Quartal 2020 im Vergleich zu 1,6 Mrd EUR im dritten Quartal 2020). Dies ist insbesondere auf den Rückgang von Forderungsbeständen gegenüber aus­ländischen Schuldnern zurückzuführen, die von 1,2 Mrd EUR im ersten Quartal 2020 auf 0,9 Mrd EUR im dritten Quartal 2020 abnahmen. Da Factoring oftmals auch zur Absicherung von Forderungen im Bereich der Exportwirtschaft ein­gesetzt wird, könnte dies auf die aktuell gedämpften internationalen Handels­aktivitäten aufgrund der anhaltenden COVID-19-Pandemie zurückzuführen sein.

Die Grafik „Forderungsbestand inländischer Factoringeinheiten“ stellt ein Liniendiagramm dar und zeigt die quartalsweise Entwicklung für die drei Kategorien „Forderungen“, „hievon gegenüber Inland“ und „hievon gegenüber Ausland“ für den Zeitraum vom 4. Quartal 2014 bis zum 3. Quartal 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 2 und bildet den Wert in Milliarden ab. Entwicklung der „Forderungen gesamt“: Jahresdurchschnitt 2015: 1; Jahresdurchschnitt 2016: 1,1; Jahresdurchschnitt 2017: 1,2; Jahresdurchschnitt 2018: 1,4; Jahresdurchschnitt 2019: 1,7; 1. Quartal 2020: 1,8; 2. Quartal 2020: 1,6; 3. Quartal 2020: 1,6. Entwicklung der „Forderungen gegenüber Inland“: Jahresdurchschnitt 2015: 0,5; Jahresdurchschnitt 2016: 0,5; Jahresdurchschnitt 2017: 0,5; Jahresdurchschnitt 2018: 0,6; Jahresdurchschnitt 2019: 0,7; 1. Quartal 2020: 0,7; 2. Quartal 2020: 0,6; 3. Quartal 2020: 0,6. Entwicklung der „Forderungen gegenüber Ausland“: Jahresdurchschnitt 2015: 0,5; Jahresdurchschnitt 2016: 0,6; Jahresdurchschnitt 2017: 0,6; Jahresdurchschnitt 2018: 0,8; Jahresdurchschnitt 2019: 1; 1. Quartal 2020: 1,2; 2. Quartal 2020: 1; 3. Quartal 2020: 0,9. Quelle: OeNB.

1 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, thomas.poechel@oenb.at.

2 Other Financial Intermediaries.

3 Die in diesem Bericht thematisierten „finanziellen Kapitalgesellschaften, die Kredite gewähren“ stellen neben ­„finanziellen Mantelkapitalgesellschaften, die Verbriefungsgeschäfte betreiben“, „Wertpapierhändlern“ sowie ­„speziellen finanziellen Kapitalgesellschaften“ die vierte Subkategorie des Teilsektors 125 laut ESVG 2010 dar und bilden – gemessen an der Bilanzsumme – aktuell mit 45 % rund die Hälfte dieses Segments.

4 Als Finanzierungsleasing-Einheiten gelten demnach all jene Leasinggesellschaften (Finanzinstitute laut § 1 Bankwesengesetz), deren gemeldete Kreditsumme (laut GKE) zumindest 50 % der Bilanzsumme des ­Jahresabschlusses beträgt.

5 Beim Factoring ist grundsätzlich noch zwischen echtem und unechtem Factoring zu unterscheiden, wobei nur beim echten Factoring das Ausfallsrisiko der Forderung von der Factoringgesellschaft übernommen wird.

Leichter Anstieg nur bei Zwischen- und Gelddarlehen bei Österreichs Bausparkassen

Patrick Thienel 6

Die Anzahl der Bausparverträge erreichte in Österreich Ende 2020 mit 4.017.222 einen neuerlichen Tiefststand (–6,5% im Jahresvergleich). Im Gesamtjahr 2020 lag die Zahl der Neuabschlüsse der vier in Österreich tätigen Bausparkassen ­(Raiffeisen, s Bausparkasse, Start, Wüstenrot) bei 502.579 (–12,1% im Jahres­vergleich).

Darlehen

Während sich das Kreditvolumen für Wohnbauzwecke bei österreichischen Monetären Finanzinstituten (MFIs) in Summe im Jahresvergleich um 5,4% erhöhte, stiegen die aushaftenden Darlehen der Bausparkassen um 1,7%.

Das Säulendiagramm in Grafik 1 zeigt die aushaftenden Darlehen der österreichischen Bausparkassen in Mio EUR vom vierten Quartal 2015 bis zum vierten Quartal 2020. Während die Bauspardarlehen von 12.602 Mio EUR (4. Quartal 2015) auf 10.413 Mio EUR (4. Quartal 2020) zurückgegangen sind, veränderten sich die Zwischendarlehen von 3.312 Mio EUR (4. Quartal 2015) auf 2.553 Mio EUR (4. Quartal 2020) und die Gelddarlehen stiegen von 3.083 Mrd EUR (4. Quartal 2015) auf 4.944 Mrd EUR (4. Quartal 2020). Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Die insgesamt aushaftenden Darlehen der Bausparkassen lagen Ende 2020 bei 17,9 Mrd EUR. Insbesondere die Gelddarlehen konnten seit dem zweiten Quartal 2017 einen ansteigenden Trend verzeichnen (was auf die veränderten Zinslandschaft zurückzuführen ist) und erreichten mit 4,9 Mrd EUR einen neuen Höchststand. Die Zwischendarlehen stiegen nur relativ leicht auf 2,6 Mrd EUR an. Der Anteil der klassischen Bauspardarlehen an den insgesamt aushaftenden Darlehen ist in den letzten fünf Jahren von 66,3% auf 58,1% zurückgegangen. Neben der ­Finanzierung oder Sanierung von Wohnbau können Darlehen auch für diverse ­andere Zwecke – wie z. B. Pflege oder Bildung – bei den Bausparkassen aufge­nommen werden.

Einlagen

Die Einlagen bei den österreichischen Bausparkassen betrugen im Dezember 2020 trotz rückläufiger Neuverträge bzw. Volumina noch immer 17,5 Mrd EUR (–4,9 % im Jahresvergleich). Im Vergleich dazu stiegen die Einlagen von privaten Haushalten bei österreichischen Banken im Vergleich zum Vorjahr um 6,3% auf 283,8 Mrd EUR.

Bei einem Vergleich mit den gebundenen Einlagen des gesamten MFI-Sektors (ca. drei Viertel der Bauspareinlagen sind langfristig gebunden) lässt sich allerdings erkennen, dass die entsprechende Wachstumsrate ebenfalls negativ (–4,3%) war.

Zinssätze

Der Zinssatz für neu abgeschlossene Wohnbaudarlehen von Bausparkassen betrug im Dezember 2020 1,63%. Damit lag er um 36 Basispunkte über dem Durchschnittszinssatz für neue Wohnbaukredite in Österreich, der einen Wert von 1,27% erreichte (siehe Tabelle 1).

Der Neugeschäftszinssatz für Bauspareinlagen sank gegenüber dem Vorjahr zwar um 13 Basispunkte auf 0,71%, lag aber noch immer um 19 Basispunkte über dem Durchschnittszinssatz des vergleichbaren gebundenen Einlagenproduktes ­aller österreichischer MFIs (0,52%).

Wie anhand der Tabelle 1 deutlich wird, ist über die Zeit immer ein leichter Zinsvorteil bei Neugeschäftseinlagenzinssätzen der Bausparkassen gegenüber dem Durchschnittswert aller MFIs zu beobachten. Diese Differenz ist beim Bestand täglich fälliger Einlagen noch deutlicher ausgeprägt (aktuell 45 Basispunkte). Beim langfristigen Einlagenbestand lag der Zinssatz von Bausparkassen aber durchwegs nur marginal unter jenem aller MFIs.

Tabelle 1: Einlagen- und Kreditzinssätze von Bausparkassen gegenüber privaten Haushalten  
Neugeschäft Bestand
Einlagen mit einer
­Bindungsfrist über 2 Jahre
Wohnbaukredite an
­private Haushalte
Täglich fällige Einlagen
Einlagen mit einer
­Bindungsfrist über 2 Jahre
Wohnbaukredite an
­private Haushalte
Alle MFIs in
Österreich
Bauspar-
kassen
Alle MFIs in
Österreich
Bauspar-
kassen
Alle MFIs in
Österreich
Bauspar-
kassen
Alle MFIs in
Österreich
Bauspar-
kassen
Alle MFIs in
Österreich
Bauspar-
kassen
in %
Dez. 19 0,54 0,84 1,43 1,66 0,08 0,57 0,55 0,51 1,72 2,52
Jän. 20 0,43 0,77 1,40 1,65 0,08 0,56 0,53 0,49 1,71 2,50
Feb. 20 0,45 0,73 1,39 1,65 0,08 0,56 0,52 0,48 1,70 2,48
März 20 0,49 0,74 1,40 1,69 0,07 0,56 0,51 0,47 1,69 2,46
Apr. 20 0,46 0,66 1,36 1,43 0,07 0,55 0,50 0,46 1,68 2,44
Mai 20 0,40 0,65 1,35 1,50 0,07 0,55 0,50 0,45 1,68 2,42
Juni 20 0,47 0,60 1,41 1,56 0,07 0,55 0,49 0,44 1,67 2,41
Juli 20 0,42 0,61 1,34 1,40 0,07 0,55 0,46 0,43 1,66 2,38
Aug. 20 0,43 0,61 1,31 1,50 0,07 0,55 0,47 0,42 1,64 2,36
Sep. 20 0,44 0,61 1,30 1,55 0,07 0,54 0,47 0,41 1,62 2,34
Okt. 20 0,46 0,62 1,26 1,51 0,07 0,52 0,46 0,40 1,58 2,31
Nov. 20 0,47 0,64 1,26 1,48 0,07 0,52 0,45 0,39 1,56 2,28
Dez. 20 0,52 0,71 1,27 1,63 0,06 0,51 0,40 0,37 1,55 2,27
Quelle: OeNB.

6 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, patrick.thienel@oenb.at.

Analysen

Executive Summaries

Strong corporate loan growth since the start of the COVID-19 pandemic

This report reviews the growth of credit granted by monetary financial institutions (MFIs) resident in the euro area to households and nonfinancial corporations. Euro area data show that corporate loan growth surged following the outbreak of the COVID-19 pandemic – and the rollout of numerous ­public support measures – and remained at elevated levels (6.8%) until October 2020. In Austria, the outbreak of the pandemic also went hand in hand with a rise in corporate loan growth: We observe a peak in April 2020 at 7.2%, some easing in the following months and an October growth rate of 5.8%. With regard to the growth of loans to households, the pandemic-related impact was largest for ­consumer loans. The lack of demand for such loans caused growth to be negative in most euro area countries. In October 2020, household loan growth totaled 3.8% in Austria and 3.1% in the euro area, which is slightly below pre-pandemic levels in both instances.

Austrian banks’ corporate lending business in 2020 was driven by support measures (public loan ­guarantees and loan moratoria) adopted in response to the COVID-19 pandemic, mostly in the first half of 2020. While having been very effective, these measures appear to have masked a number of difficulties, which means that the true economic impact of the crisis is yet to come. At present, banks expect difficulties especially for businesses that were vulnerable even before the outbreak of the ­pandemic, and for small enterprises. The situation for large enterprises, by contrast, is considered good. Banks also emphasize that the impact of the pandemic varies across industries.

Given the risk situation in 2020, banks became more cautious in their corporate lending last year. The bank lending survey found banks to have tightened their credit standards for loans to enterprises in the second half of 2020, with public loan guarantees keeping them from doing so sooner or more strongly.

Corporate loan demand went down in the fourth quarter of 2020, given reduced financing ­demand for fixed investment and corporations’ stronger reliance on internal funds. Shrinking financing ­demand for fixed investment had already been reported by surveyed banks for the first three quarters of 2020. In this period, and particularly in the first two quarters of 2020, loan demand was rising as enterprises urgently needed liquidity to remain solvent and keep up operations during the crisis.

Demand for housing loans has been increasing almost nonstop since the third quarter of 2019, driven by low interest rate levels according to the survey.

Nonfinancial reporting by Austrian nonfinancial corporations in 2019

Since the 2017 reporting year, large corporations that meet certain criteria have had to publish ­nonfinancial reports, beyond their regular financial reports, to document their corporate social ­responsibility and to reach out to the stakeholder community. Under Austria’s sustainability and ­diversity improvement legislation, the companies in question are required to report on their ecological and social footprint, their performance as an employer, human rights issues as well as their anticorruption efforts. When taking a closer look at how major Austrian nonfinancial corporations dealt with the core issue of environmental protection in their 2019 reports, however, we find that they scored less than half the points to be awarded for eco-friendliness. The reports typically contain data on exhaust emissions, energy use and wastewater, but tend to be rather vague on environmental compliance and biodiversity. To close the substantial reporting gaps observed, both reporting companies and ­standard-setting regulators will have to step up a gear. This analysis is based on the nonfinancial reports published for 2019 by Austria’s top-30 nonfinancial corporations (based on sales and total assets).

Enhanced reporting requirements for payment transactions from 2022

In December 2020, the ECB amended its regulation on payment statistics, adding new reporting ­requirements, increasing reporting frequency and requiring the collection of more detailed data. Above all, the reporting requirements were expanded to cover payment innovations and fraudulent payment transactions. The new reporting framework supports the multi-use of data by integrating the statistical requirements of both the ECB and the European Banking Authority (EBA) within one ­reporting process. The new regulation strikes a balance between the cost of data collection and the usefulness of the data, as worked out through in-depth discussions at the ESCB level and with the ­reporting institutions.

Übersicht

Hohes Wachstum bei Unternehmenskrediten seit Ausbruch der COVID-19-­Pandemie

Der vorliegende Bericht betrachtet die Kreditentwicklung privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen bei im Euroraum ansässigen monetären Finanzinstituten (MFIs). Es zeigt sich, dass mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie – nicht zuletzt als Folge der diversen staatlichen Hilfsmaßnahmen – das Kreditwachstum nichtfinanzieller Unternehmen im Euroraum deutlich angesprungen ist und auch bis Oktober 2020 auf hohem Niveau (6,8%) verblieb. In Österreich ging mit Ausbruch der Pandemie ebenfalls ein höheres Kreditwachstum bei Unternehmen einher (Spitzenwert 7,2% im April 2020) welches sich im Laufe des Jahres 2020 wieder etwas abflachte und schlussendlich im Oktober 2020 5,8% aufwies. Bei privaten Haushalten war der größte Effekt der COVID-19-Pandemie bei Konsumkrediten – aufgrund mangelnder Nachfrage – erkennbar, welche in den meisten Euroraum-Ländern eine rückläufige Entwicklung aufwiesen. Insgesamt lag das Kreditwachstum im Oktober 2020 bei privaten Haushalten sowohl in Österreich (3,8%) bzw. im Euroraum (3,1%) geringfügig unter den vor Ausbruch der Pandemie aufgewiesenen Werten.

COVID-Kredithilfen für Unternehmen wirken – Banken erwarten aber Zahlungsschwierigkeiten beim Auslaufen der Hilfsmaßnahmen. Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Jänner 2021

Das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen war 2020 geprägt von COVID-19-bedingten ­Stützungsmaßnahmen (gewährt vor allem im ersten Halbjahr 2020; Kredite mit staatlichen Garantien, Kreditmoratorien). Laut Aussagen der Banken haben die COVID-19-Hilfsmaßnahmen gut gewirkt, verdecken derzeit aber auch viele Schwierigkeiten. Die wahren wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise werden sich erst zeigen. Das gilt aus aktueller Sicht vor allem für Unternehmen, die schon vor Krisenbeginn Probleme hatten, und für kleine Unternehmen. Die Lage großer Unternehmen wird hingegen gut bewertet. Die Banken betonen auch die unterschiedliche Betroffenheit von Branchen.

Die Risikosituation führte 2020 zu einer vorsichtigeren Angebotspolitik der Banken im Kredit­geschäft mit Unternehmen. Die Richtlinien für Unternehmenskredite wurden von den befragten Banken im zweiten Halbjahr 2020 verschärft. Die staatlichen Kreditgarantien haben insgesamt frühere und stärkere Verschärfungen der Richtlinien verhindert.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im vierten Quartal 2020 gesunken. Begründet wurde dies mit einem Rückgang des Finanzierungsbedarfs für Anlageinvestitionen und einer verstärkten Innenfinanzierung. Ein laufender Rückgang des Finanzierungsbedarfs für Anlageinvestitionen wurde von den an der Umfrage teilnehmenden Banken bereits für die ersten drei Quartale 2020 gemeldet. Der hohe Liquiditätsbedarf der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs infolge der Krise hat allerdings die Kreditnachfrage in den ersten drei Quartalen ansteigen lassen – besonders stark in den ersten beiden Quartalen.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist seit dem dritten Quartal 2019 fast durchgehend gestiegen. Als Grund für diese expansive Entwicklung wurde das niedrige Zinsniveau genannt.

Nichtfinanzielle Berichterstattung österreichischer nichtfinanzieller Unternehmen im Jahr 2019

Um dem Gedanken der Corporate Social Responsibility (CSR) sowie dem erweiterten Stakeholder-Ansatz gerecht zu werden, müssen große Kapitalgesellschaften, die bestimmte Kriterien erfüllen, seit dem Berichtsjahr 2017 nichtfinanzielle Informationen veröffentlichen. Gemäß den Bestimmungen des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes (NaDiVeG) muss über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung ­berichtet werden. Eine nähere Auseinandersetzung in der Praxis mit dem Kernthema „Umwelt“ zeigt jedoch, dass in den österreichischen nichtfinanziellen Berichten des Jahres 2019 weniger als die Hälfte der möglichen Punkte hinsichtlich relevanter umweltbezogener Themen erzielt wurde. Am häufigsten wurden Informationen zu Emissionen, Energie und Abwasser veröffentlicht, während die Themen Umwelt-Compliance und Biodiversität kaum in den Berichten behandelt wurden. Dieses noch geringe Ausmaß der Umsetzung zeigt einen nach wie vor deutlichen Aufholbedarf auf, sowohl für die berichtspflichtigen Unternehmen als auch für die verantwortlichen Standardsetzer. Die Analyse basiert auf den nichtfinanziellen Berichten des Jahres 2019 der – gemessen an Umsatz und Bilanzsumme – 30 größten österreichischen nichtfinanziellen Unternehmen.­

Erweiterte Meldewesen-Anforderungen im Bereich des Zahlungsverkehrs ab 2022

Die im Dezember 2020 von der EZB beschlossene Novelle der Verordnung zur Meldung von Zahlungsverkehrsstatistiken führte nicht nur zu inhaltlichen Erweiterungen der bestehenden Meldepflichten, sondern auch zu einer größeren Detaillierungstiefe sowie zu höheren Meldefrequenzen. Neben der Aufnahme neuer Zahlungsmethoden betrifft die Erweiterung vor allem die Berichtspflicht hinsichtlich betrügerischer Transaktionen. In diesem Zusammenhang gelang die Implementierung eines „Multiuse of data“ insofern, als statistische Anforderungen der EZB und auch Aufsichtsanforderungen der ­Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in einer Meldung integriert abgebildet werden. Dem ­Verordnungsbeschluss vorangegangen war eine umfangreiche Abwägung von Kosten und Nutzen aller Anforderungen auf ESZB-Ebene bzw. eine umfangreiche Abstimmung mit den Berichtspflichtigen.

Hohes Wachstum bei Unternehmenskrediten seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie

Kreditentwicklung bei im Euroraum ansässigen monetären Finanzinstituten

Martin Bartmann 7

Der vorliegende Bericht betrachtet die Kreditentwicklung privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen bei im Euroraum ansässigen monetären Finanzinstituten (MFIs). Es zeigt sich, dass mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie – nicht zuletzt als Folge der diversen ­staatlichen Hilfsmaßnahmen – das Kreditwachstum nichtfinanzieller Unternehmen im Euroraum deutlich angesprungen ist und auch bis Oktober 2020 auf hohem Niveau (6,8%) ­verblieb. In Österreich ging mit Ausbruch der Pandemie ebenfalls ein höheres Kreditwachstum bei Unternehmen einher (Spitzenwert 7,2% im April 2020) welches sich im Laufe des Jahres 2020 wieder etwas abflachte und schlussendlich im Oktober 2020 5,8% aufwies. Bei privaten Haushalten war der größte Effekt der COVID-19-Pandemie bei Konsumkrediten – aufgrund mangelnder Nachfrage – erkennbar, welche in den meisten Euroraum-Ländern eine ­rückläufige Entwicklung aufwiesen. Insgesamt lag das Kreditwachstum im Oktober 2020 bei ­privaten Haushalten sowohl in Österreich (3,8%) bzw. im Euroraum (3,1%) geringfügig unter den vor Ausbruch der Pandemie aufgewiesenen Werten.

Hohes Wachstum von Unternehmenskrediten seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie

Das Wachstum von Unternehmenskrediten im Euroraum lag bis Februar 2020 bei 3,0% und verlor bis zu diesem Zeitpunkt – im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten – an Schwung. Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie stieg das Kreditwachstum des Unternehmenssektors im Euroraum sprunghaft auf bis zu 7,4% im Mai 2020 an und lag schlussendlich im Oktober 2020 bei 6,8%. Das hohe Kreditwachstum dürfte nicht zuletzt die Folge von zahlreichen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, wie z. B. Kreditgarantien bzw. Überbrückungsfinanzierungen, sein. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der darauf­folgenden staatlichen Hilfsmaßnahmen auf das Kreditwachstum des Unternehmenssektors waren zwischen den einzelnen Euroraum-Ländern sehr unterschiedlich. Am stärksten sprangen die Wachstumsraten von Unternehmenskrediten in ­Spanien und in Frankreich an. In lediglich drei Monaten erhöhte sich das Kreditwachstum in Spanien von –1,2% auf 8,8% bzw. in Frankreich von 5,5% auf 12,0% (Mai 2020). Im Oktober 2020 lagen die entsprechenden Wachstumsraten mit 8,1% (Spanien) bzw. 12,7% (Frankreich) weiterhin über dem Euroraum-Durchschnitt. Auch in Italien stieg das Kreditwachstum des Unternehmenssektors mit dem ­Ausbruch der COVID-19-Pandemie an, jedoch verlief der entsprechende Anstieg weniger sprunghaft, sondern nahm bis Oktober 2020 (7,5%) kontinuierlich zu. In Österreich und auch in Deutschland ging mit Ausbruch der Pandemie ebenfalls ein höheres Wachstum bei Unternehmenskrediten einher, wobei die Anstiege deutlich geringer als in Spanien bzw. Frankreich waren und sich das Wachstum im weiteren Verlauf des Jahres 2020 wieder etwas abschwächte. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland lagen die Wachstumsraten bei Unternehmenskrediten im Oktober 2020 mit 5,8% bzw. mit 4,6% unter dem Euroraum-Durchschnitt.

Das Liniendiagramm in Grafik 1 zeigt das Kreditwachstum nichtfinanzieller Unternehmen im Euroraum insgesamt bzw. in den ausgewählten Ländern Österreich, Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien zwischen Oktober 2016 und Oktober 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von –4% bis +16%. Zu Beginn der Periode wiesen die Jahreswachstumsraten in den ausgewiesenen Ländern folgende Werte auf: Österreich: 1,4%, Deutschland 2,5%, Spanien –1,5%, Frankreich 4,9%, Italien 0,8% bzw. im Euroraum 2,2%. Das Kreditwachstum stieg in den meisten Ländern und auch im Euroraum insgesamt in den folgenden Jahren stetig an, lediglich in Italien und Spanien war eine Stagnation bzw. ein leichter Rückgang erkennbar. Mit Ausbruch der COVID-19 Pandemie im Februar 2020 kam es jedoch zu einem deutlich höheren Kreditwachstum bei Unternehmen. Schlussendlich lagen die Jahreswachstumsraten in den betrachteten Ländern bei folgenden Werten (Oktober 2020): Österreich: 5,8%, Deutschland 4,6%, Spanien 8,1%, Frankreich 12,7%, Italien 7,5% bzw. im Euroraum bei 6,8%. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Sowohl in Österreich (7,9%) als auch im Euroraum insgesamt (9,4%) waren es im Oktober 2020 ausschließlich längerfristige Kredite mit einer Ursprungs­laufzeit von über einem Jahr, die für das positive Kreditwachstum verantwortlich waren. Kurzfristige Kredite mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr wurden ­hingegen im Jahresvergleich im Euroraum (–5,1%) und auch in Österreich (–5,0%) ­abgebaut. Die Entwicklungen zwischen den einzelnen Euroraum-­Ländern zeigten in diesem Zusammenhang jedoch große Unterschiede. In Frankreich kam es vor allem zu einer deutlichen Ausweitung bei kurzfristigen Unternehmens­krediten um 29,7% (Oktober 2020), hingegen stiegen Kredite mit einer Laufzeit von über einem Jahr mit 9,33% weniger dynamisch an. Das ungewöhnlich hohe Wachstum kurzfristiger Unternehmenskredite ließ den Anteil Frankreichs in ­diesem Segment am Gesamtvolumen im Euroraum von 19,6% (Februar 2020) auf 26,6% (Oktober 2020) ansteigen. In Spanien und Italien hingegen waren kur­zfristige Unter­nehmenskredite mit einer Jahreswachstumsrate von –21,4% bzw. –19,7% (Oktober 2020) deutlich rückläufig, während Kredite mit einer Laufzeit von über einem Jahr mit 18,7% bzw. 18,3% im Jahresvergleich überproportional stark anstiegen.

Grafik 2 zeigt als Linien dargestellt den Verlauf (Oktober 2016 bis Oktober 2020) der Jahreswachstumsraten von Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr bzw. von über einem Jahr. Beide Linien werden sowohl für Österreich als auch für den Euroraum dargestellt. Die Skala auf der y-Achse reicht von –15% bis +20%. Das Wachstum von kurzfristigen Unternehmenskrediten bis ein Jahr startete im Oktober 2016 in Österreich bei –5,9%, jenes im Euroraum bei –0,9%. Die Jahreswachstumsrate im Euroraum stieg – nachdem sie –2,9% im April 2017 erreicht hatte – in den folgenden Monaten stetig an und erreichte ihren Höchstwert im Mai 2018 bei 3,7%. In weiterer Folge war jedoch wieder eine rückläufige Entwicklung zu erkennen, die schlussendlich bei –5,1% im Oktober 2020 endete. In Österreich war bei kurzfristigen Krediten nichtfinanzieller Unternehmen eine sehr volatile Entwicklung erkennbar. Das Kreditwachstum in diesem Segment stieg bis auf 16,9% im Oktober 2018 an und nahm in weiterer Folge auf bis zu –11,3% im Februar 2020 ab. Im Oktober 2020 wurde in Österreich ein Wert von –5,0% aufgewiesen. Bei Krediten mit einer Laufzeit von über einem Jahr stieg die Jahreswachstumsrate in Österreich von 3,3% im Oktober 2016 auf 7,9% im Oktober 2020 fast durchgängig stetig an. Im Euroraum lag die entsprechende Jahreswachstumsrate im Oktober 2016 mit 2,7% unter, im Oktober 2020 mit 9,4% jedoch über jener Österreichs. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Vermehrte Neukreditvergaben an Unternehmen in den ersten Monaten nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie

Die im Euroraum mit Ausbruch der Pandemie stark steigenden Wachstumsraten von Unternehmenskrediten gingen mit hohen neu vergebenen Unternehmens­krediten einher. Im Euroraum insgesamt wurden zwischen März und Mai 2020 neue Einmalkredite an den Unternehmenssektor in Höhe von 709 Mrd EUR ­vergeben, dieser Wert lag um 24% über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres und wurde insbesondere von Frankreich und Spanien beeinflusst. Der Anteil der beiden Länder an den gesamten Neukreditvergaben im Euroraum stieg von 28% (März bis Mai 2019) auf 39% für die Zeit von März bis Mai 2020 an. Im Laufe des Jahres 2020 nahm die Dynamik der Neukreditvergaben im Euroraum allerdings wieder ab und in den letzten drei Monaten des Beobachtungszeitraumes (August bis Oktober 2020) lagen die im Euroraum neu vergebenen Unternehmenskredite sogar unter den Vorjahreswerten (–8,4%). Trotzdem wurde im Euroraum ins­gesamt in den ersten zehn Monaten des Jahres 2020, aufgrund der durch die staatlichen Hilfsprogramme unterstützten hohen Neukreditvergaben nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie, ein um 100 Mrd EUR bzw. 5% höheres neues Kreditvolumen an Unternehmen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres vergeben.

Grafik 3 zeigt in einem Balkendiagramm die Neukreditvergaben an im Euroraum ansässige Unternehmen von März 2019 bis Oktober 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 300 Mrd EUR. Es werden die beiden Euroraum-Länder Spanien und Frankreich explizit gezeigt, die restlichen Euroraum-Länder werden als Gesamtwert dargestellt. Im April 2018 – nach Ausbruch der Pandemie – wurde im Euroraum insgesamt mit einem Neukreditvolumen von 248 Mrd EUR der höchste Wert im Betrachtungszeitraum aufgewiesen. Spanien und Frankreich hatten daran mit einem Wert von jeweils 52 Mrd EUR den höchsten Anteil von allen Euroraum-Ländern. In den darauffolgenden Monaten gingen die Volumina neuer Unternehmenskredite wieder zurück und erreichten im Oktober 2020 im Euroraum insgesamt 172 Mrd EUR. In diesem Monat wurden in Frankreich 27 Mrd EUR bzw. in Spanien 20 Mrd EUR an neuen Unternehmenskrediten vergeben. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

In Österreich lag das neu vergebene Kreditvolumen an nichtfinanzielle Unternehmen in den ersten zehn Monaten des Jahres 2020 hingegen unter dem ­Vorjahreswert. Das geringere Neukreditvolumen war ausschließlich auf neu ­vergebene Großkredite über eine Mio EUR zurückzuführen, während Kredite bis zu einer Mio EUR in Österreich vermehrt vergeben wurden. Insbesondere kurzfristige Unternehmenskredite über eine Mio EUR mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr waren fast vollständig für das geringere Neugeschäft in Österreich ­verantwortlich.

Die Neukreditvergaben von Unternehmenskrediten bis zu einer Mio EUR ­erreichten in Österreich im Juni 2020 mit 1,1 Mrd EUR den höchsten Wert seit 2009. Speziell in der Kategorie mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren – in diese Kategorie fallen Kredite mit staatlichen Überbrückungsgarantien bis 500 Tsd EUR, einer Laufzeit von maximal fünf Jahren und einem Zinssatz von 0,0% – ­waren die Kreditvergaben besonders hoch. Der hohe Anteil der Überbrückungsfinanzierungen mit staatlicher Garantie führte auch dazu, dass der kapital­gewichtete Durchschnittszinssatz für neue Unternehmenskredite bis eine Mio EUR auf seinen historischen Tiefststand von 1,21% (Juni 2020) fiel. In diesem Monat lag der Anteil von Krediten, die mit einer 100%-Garantie oder -Sicherheit ausgestattet sind, an den gesamten neu vergebenen Krediten bis eine Mio EUR bei 44% und damit weit über dem langjährigen Durchschnitt (25%). In den darauffolgenden Monaten ging der Anteil der zu 100% besicherten Kredite wieder ­zurück. Gleichzeitig stieg auch der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz in ­diesem Segment wieder auf 1,59% (Oktober 2020) an, damit lag dieser jedoch noch immer unter dem vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie bestehenden Niveau.

Grafik 4 zeigt in einem gemischten Balken- bzw. Liniendiagramm die Neukreditvergaben bis eine Million EUR – untergliedert nach der Ursprungslaufzeit bis ein Jahr, ein bis fünf Jahre und über fünf Jahre – an in Österreich ansässige Unternehmen bzw. den zugrunde liegenden kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz von Oktober 2017 bis Oktober 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 1.200 Mio EUR bzw. auf der Sekundärachse von 0% bis 2,5%. Die Neukreditvergaben erreichten im April bzw. Mai 2020 mit jeweils rund 1,1 Mrd EUR ihren bisherigen Höchststand. Zuvor lagen die monatlichen Werte meist zwischen 600 und 800 Mio EUR. Ausschlaggebend für die hohen Werte waren neu vergebene Kredite mit einer Laufzeit von ein bis fünf Jahren. In diese Kategorie fallen insbesondere Kredite mit staatlichen Überbrückungsgarantien bis 500 Tsd EUR, einer Laufzeit von maximal fünf Jahren und einem Zinssatz von 0,0%. Aufgrund des hohen Anteils an Krediten mit staatlichen Überbrückungsgarantien ging der Zinssatz für neu vergebene Unternehmenskredite bis eine Mio EUR von 1,7% im April 2020 auf 1,21% im Juni 2020 zurück. Im Oktober 2020 wurde in Österreich wieder ein Wert von 1,59% aufgewiesen, die Neukreditvergaben lagen in diesem Segment zu diesem Zeitpunkt wieder bei 660 Mio EUR. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Kreditstundungen von Banken an Unternehmen und Haushalte gingen zurück

Neben der Mitwirkung an den staatlichen Garantieprogrammen stundete der ­österreichische Bankensektor Unternehmen und Haushalten mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie Kredite in Milliardenhöhe. Der Anteil der im Zuge der ­Pandemie gestundeten Kredite (sowohl gesetzliche als auch von Banken gewährte freiwillige Kreditstundungen) am gesamten aushaftenden Kreditvolumen privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen (337 Mrd EUR) erreichte im Juni 2020 seinen Höchstwert bei ca. 9%. Dabei wurden rund 206 Tsd Kredite von österreichischen Banken mit einem Kreditvolumen von ca. 30,6 Mrd EUR gestundet. Das aushaftende Volumen von Unternehmenskrediten, die einem Moratorium unterliegen, erreichte im Juni 2020 16,5 Mrd EUR, jenes ­privater Haushalte lag bei 14,1 Mrd EUR – wovon 5,9 Mrd EUR selbstständig erwerbstätige Haushalte betrafen. Seit Juni 2020 halbierte sich das Volumen der gestundeten Kredite und es wies im November 2020 nur noch 14,3 Mrd EUR auf, wobei 7,7 Mrd EUR auf Unternehmenskredite und 6,6 Mrd EUR auf gestundete Kredite privater Haushalte – 5,4 Mrd EUR davon waren gesetzliche Kreditstundungen – zurückzuführen waren. Somit ging auch der Anteil von gestundeten Krediten am gesamten aushaftenden Kreditvolumen privater Haushalte und nichtfinanzieller Unternehmen deutlich zurück und betrug im November 2020 nur noch 4%.

Grafik 5 zeigt in einem Balkendiagramm die Kreditstundungen österreichischer Banken – untergliedert nach den Sektoren der privaten Haushalte und nichtfinanziellen Unternehmen – von Mai 2020 bis November 2020. Die Skala auf der y-Achse reicht von 0 bis 35 Mrd EUR. Im Juni 2020 wurde mit einem gestundetem Kreditvolumen von 30,6 Mrd. EUR der Höchstwert erreicht. Davon entfielen 14,1 Mrd EUR auf gestundete Unternehmenskredite bzw. 16,5 Mrd auf Kredite privater Haushalte. Seit Juni 2020 ging das gestundete Kreditvolumen stetig zurück und erreichte im November 2020 14,3 Mrd EUR. Zu diesem Zeitpunkt waren 6,6 Mrd EUR an Unternehmenskrediten bzw. 7,7 Mrd EUR an Krediten privater Haushalte gestundet. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Stabiles Kreditwachstum bei privaten Haushalten

Das Kreditwachstum privater Haushalte entwickelte sich im Verlauf des Jahres 2020, sowohl in Österreich als auch im Euroraum, stabil. Mit Ausbruch der ­COVID-19-Pandemie kam es in Österreich lediglich zu einem geringen Rückgang der Wachstumsrate von 4,3% im Februar 2020 auf 3,6% im Mai 2020. Dieser Rückgang war insbesondere durch die negative Entwicklung bei Konsumkrediten – aufgrund von Nachfrageeffekten – hervorgerufen worden. Im Oktober 2020 lag das Kreditwachstum privater Haushalte bei 3,8%, wobei die Verwendungszwecke (Konsum-, Wohnbau- und sonstige Kredite) sehr unterschiedlich zum Kreditwachstum beitrugen. Konsumkredite wurden im Jahresvergleich von privaten Haushalten in Österreich im Ausmaß von 3,5% abgebaut, während sich Kredite für Wohnbauzwecke mit einem Wachstum von 5,6% weiterhin deutlich positiv entwickelten. Kredite für sonstige Zwecke 8 wiesen ebenfalls ein positives ­Wachstum in Höhe von 1,9% auf.

Das Liniendiagramm in Grafik 6 zeigt das Kreditwachstum privater Haushalte – untergliedert nach den Verwendungszwecken Konsum und Wohnbau für Österreich und den Euroraum insgesamt –zwischen Oktober 2016 und Oktober 2020. Das Kreditwachstum von Wohnbaukrediten lag über den gesamten Zeitraum in Österreich bei über 4% und wies im Oktober 2020 5,6% auf. Im Euroraum stieg das Kreditwachstum von Wohnbaukrediten von 2,2% im Oktober 2016 auf 4,6% im Oktober 2020 konstant an. Das Kreditwachstum bei Konsumkrediten stieg in Österreich von –1,5% im Oktober 2016 auf bis zu 2,8% im September 2020 an. Im Euroraum lag das Wachstum bei Konsumkrediten über den gesamten Zeitraum hinweg deutlich über jenem Österreichs. Im Oktober 2016 wurde im Euroraum ein Wert von 3,5% aufgewiesen, dieser stieg bis 7,5% im April 2018 an. Mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie gingen die Wachstumsraten bei Konsumkrediten, sowohl in Österreich als auch im Euroraum insgesamt, deutlich zurück und lagen im Oktober 2020 mit –3,5% bzw. –0,2% im negativen Bereich. Quelle: Oesterreichische Nationalbank, Europäische Zentralbank.

Im Euroraum insgesamt lag das Kreditwachstum privater Haushalte im ­Oktober 2020 mit 3,2% geringfügig unter dem Wert vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie (Februar 2020: 3,7%). Die Entwicklungen der unterschiedlichen Verwendungszwecke zeigten eine hohe Ähnlichkeit zu jenen in Österreich. ­Konsumkredite verloren im Euroraum mit Ausbruch der Pandemie deutlich an Dynamik. Nachdem im Februar 2020 in diesem Segment noch ein Kredit­wachstum von 6,1% festzustellen war, ging dieses auf bis zu –0,2% im Oktober 2020 ­zurück. Bei Betrachtung der einzelnen Euroraum-Länder zeigte sich, dass der Einbruch des Wachstums bei Konsumkrediten in Spanien (von 11,7% im Februar auf –0,5% im Oktober 2020) am stärksten ausgeprägt war. Kredite für Wohnbauzwecke waren im Euroraum insgesamt auch weiterhin gefragt und stiegen im Jahresvergleich um 4,6% (Oktober 2020) an. In den meisten Euroraum-Ländern waren deutlich ­positive Wachstumsraten in diesem Segment zu beobachten, lediglich in Spanien (–1,4%), Irland (–1,1%) und Griechenland (–2,9%) ging das Kreditvolumen ­privater Haushalte für Zwecke des Wohnbaus zurück.

7 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetär­statistiken, martin.bartmann@oenb.at.

8 Bei Krediten für sonstige Zwecke handelt es sich zu einem Großteil um Kredite an selbstständig Erwerbstätige für Geschäftszwecke.

COVID-Kredithilfen für Unternehmen wirken – Banken erwarten aber Zahlungsschwierigkeiten beim Auslaufen der Hilfsmaßnahmen

Österreich-Ergebnisse der euroraumweiten Umfrage über das Kreditgeschäft vom Jänner 2021 9

Gerald Hubmann 10

Das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen war 2020 geprägt von COVID-19-bedingten Stützungsmaßnahmen (gewährt vor allem im ersten Halbjahr 2020; Kredite mit staatlichen Garantien, Kreditmoratorien). Laut Aussagen der Banken haben die COVID-19-­Hilfsmaßnahmen gut gewirkt, verdecken derzeit aber auch viele Schwierigkeiten. Die wahren wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise werden sich erst zeigen. Das gilt aus aktueller Sicht vor allem für Unternehmen, die schon vor Krisenbeginn Probleme hatten, und für kleine Unternehmen. Die Lage großer Unternehmen wird hingegen gut bewertet. Die Banken betonen auch die unterschiedliche Betroffenheit von Branchen.

Die Risikosituation führte 2020 zu einer vorsichtigeren Angebotspolitik der Banken im Kreditgeschäft mit Unternehmen. Die Richtlinien für Unternehmenskredite wurden von den befragten Banken im zweiten Halbjahr 2020 verschärft. Die staatlichen Kreditgarantien ­haben insgesamt frühere und stärkere Verschärfungen der Richtlinien verhindert.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im vierten Quartal 2020 gesunken. ­Begründet wurde dies mit einem Rückgang des Finanzierungsbedarfs für Anlageinvestitionen und einer verstärkten Innenfinanzierung. Ein laufender Rückgang des Finanzierungsbedarfs für Anlageinvestitionen wurde von den an der Umfrage teilnehmenden Banken bereits für die ersten drei Quartale 2020 gemeldet. Der hohe Liquiditätsbedarf der Unternehmen zur ­Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs infolge der Krise hat allerdings die Kreditnachfrage in den ersten drei Quartalen ansteigen lassen – besonders stark in den ersten beiden Quartalen.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist seit dem dritten Quartal 2019 fast durch­gehend gestiegen. Als Grund für diese expansive Entwicklung wurde das niedrige Zinsniveau genannt.

Die Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen ­konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen und sind demnach seit März 2020 stark von den Folgen der COVID-19-Pandemie beeinflusst. Gemäß WIFO-Schnellschätzung vom 29. Jänner 2021 ist das reale BIP in Österreich 2020 um 7,4% ­gesunken. Die weitere Entwicklung bzw. der für das Jahr 2021 erwartete Aufschwung sind vom Verlauf der Pandemie bestimmt und können zeitnah mit dem wöchentlichen BIP-Indikator der OeNB 11 verfolgt werden.

Die vierteljährliche Umfrage enthält standardmäßig Fragen zu den ­Erwartungen über künftige Entwicklungen. Allerdings wurde ein Großteil der Erhebung in ­Österreich vor der Ankündigung des dritten Lockdowns (18.12.2020) durch­geführt. Die an der vorliegenden Umfrage teilnehmenden Banken wurden auch – zusätzlich zur Beantwortung der standardisierten Fragestellungen – um ihre ­Einschätzungen zu Entwicklungen im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie gebeten, die das Kreditgeschäft betreffen.

Abschnitt 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, ­Abschnitt 2 das Wohnbaukreditgeschäft mit privaten Haushalten. In Abschnitt 3 geht es um Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte. Abschnitt 4 hat die Refinanzierungssituation der Banken zum Thema.

Punktuelle Ergebnisse für die einzelnen Quartale sind den Tabellen 1 bis 3 zu entnehmen, Grafik 1 zeigt längerfristige Trends bei den Quartalsveränderungen, Grafik 2 stellt die langfristige Entwicklung der Zinsen für Neukredite in Österreich und des allgemeinen Zinsniveaus dar. Kasten 1 am Ende des Artikels enthält Erläuterungen.

1 Kreditgeschäft mit Unternehmen 2020 geprägt von COVID-19-Hilfen

Die Folgen der COVID-19-Pandemie haben Unternehmen teils hart getroffen und erforderten Hilfsmaßnahmen der öffentlichen Hand, um die heimische ­Produktions- und Wirtschaftsstruktur zu erhalten. Staatliche Garantien für Kredite an ­Unternehmen bildeten eine der wichtigsten Hilfsmaßnahmen. 12 Im ersten Halbjahr 2020 war die Nachfrage nach staatlich garantierten Krediten infolge des ersten Lockdowns ab Mitte März besonders stark, im zweiten Halbjahr schwächte sie sich jedoch ab. Bis August stieg das Volumen der vom Bund übernommenen Haftungen auf rund 6,5 Mrd EUR, per 31. Dezember 2020 belief es sich laut BMF auf ca. 6,6 Mrd EUR (Summe aller Haftungen über alle Abwicklungsstellen). 13 Die staatlichen Garantien erlaubten es den Banken, dem hohen Bedarf an Überbrückungs- und Refinanzierungen nachzukommen. Laut Aussagen der befragten Banken konnten sie ­hierdurch in der Kreditvergabe weniger restriktiv sein. Ohne staatliche Garantien wäre die Vergabe vieler Kredite aus wirtschaftlichen und regulatorischen Gründen nicht möglich gewesen (Risikosituation, bilanzielle Auswirkungen).

Die mit einer Haftung des Bundes ausgestatteten Kredite zielen auf die Überbrückung von Liquiditätsengpässen bzw. dienen der Liquiditätsvorsorge von Unternehmen. Vereinzelt wurde von den Banken auch die Stützung der Investitions­tätigkeit (indirekte Auswirkungen durch Stärkung des Gesamtfinanzierung) ­angeführt sowie die Substitution bestehender Kredite. Nach Bewilligung der Haftungen wurden jedoch die von den Banken eingerichteten Rahmen für staatlich garantierte Kredite von den Unternehmen teilweise nicht bzw. nicht vollständig in Anspruch genommen.

Aus Sicht der befragten Banken sind die Bundeshaftungen ein sinnvolles und ­notwendiges Instrument zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie. Auch Kreditmoratorien (gesetzliche 14 und von den Banken freiwillig gewährte Stundungen von Kreditraten) waren und sind eine wichtige Überbrückungs­hilfe für die Unternehmen. Im Gegensatz zu den Krediten mit staatlichen Garantien begründen Moratorien keine neuen Schulden, sondern verschieben bestehende Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft. Die Gewährung erfolgt vergleichsweise unkompliziert und schnell. Im zweiten Halbjahr 2020 kam es – den Angaben der Banken zufolge – zu einem deutlichen Rückgang der Moratorien. 15 Die weitere ­Bedeutung bzw. Notwendigkeit von Stundungen werden vom Verlauf der ­Pandemie abhängen. Die Banken erwarten für kleine Unternehmen Zahlungsschwierigkeiten beim Auslaufen der Moratorien. Ende 2020 zeigten sich jedoch noch kaum Probleme.

Allgemein weisen die befragten Banken darauf hin, dass die COVID-19-Hilfsmaßnahmen gut gewirkt haben, derzeit aber auch viele Schwierigkeiten verdecken und sich die wahren wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise erst zeigen werden, wobei aus aktueller Sicht vor allem Unternehmen, die schon vor Krisenbeginn Probleme hatten, und kleine Unternehmen betroffen sein werden. Die Lage großer Unternehmen wird hingegen als gut bewertet. Diese hätten aus der Vergangenheit ­gelernt (Finanzkrise 2008), seien solide aufgestellt und hätten schnell auf die ­Krisensituation reagiert (Liquiditätsbeschaffung). Die Banken betonen auch die unterschiedliche Betroffenheit von Branchen.

Das Eurosystem unterstützt mit seiner Geldpolitik 16 die Bewältigung und Erholung von der Krise, indem es die Banken umfangreich und zu guten Konditionen mit Liquidität versorgt und günstige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen schafft. Das allgemeine Zinsniveau ist historisch niedrig (siehe Grafik 2). Der 3-Monats-Euribor ist im Oktober 2020 auf unter –0,5% gefallen und lag Anfang Jänner 2021 auf historischen Tiefstständen bei –0,55%.

Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie zeigen sich deutlich in den Ergebnissen der Umfrage über das Kreditgeschäft. So kam es 2020 zu auffälligen ­Brüchen und Änderungen von bis zum Ausbruch der Pandemie bzw. zum Beginn des ersten Lockdowns beobachteten Entwicklungen. Durch die geänderte Risikosituation gestalten die Banken ihre Kreditangebotspolitik vorsichtiger.

Im dritten und vierten Quartal 2020 haben die Banken ihre Richtlinien für das ­Unternehmenskundengeschäft jeweils verschärft. Als Gründe wurden eine veränderte Risikoeinschätzung (Wirtschaftslage allgemein, branchenspezifische bzw. individuelle Situation der Unternehmen, nicht aber Werthaltigkeit der Sicherheiten) und die Risikotoleranz der Banken angeführt. Die Wettbewerbssituation sowie ­Refinanzierungskosten und bilanzielle Restriktionen waren für die Änderungen der Richtlinien unwesentlich. Für das erste Quartal 2021 werden weitere Verschärfungen erwartet. Von Mitte 2015 bis zum zweiten Quartal 2020 war es nur vereinzelt zu Verschärfungen der Richtlinien gekommen (siehe Tabelle 1 und ­Grafik 1 17 ). Die verzögerte Anpassung der Richtlinien (erst ab dem dritten Quartal 2020) ist in Zusammenhang mit der großen Bedeutung der staatlich garantierten Kredite im ersten Halbjahr 2020 und der danach abnehmenden Bedeutung zu ­sehen (siehe oben). Die Richtlinien für Kredite ohne staatliche Garantien wurden bereits im ersten Halbjahr verschärft. 18

Bei den Kreditbedingungen für Unternehmenskredite ist es bereits seit dem ersten Quartal 2020 zu Verschärfungen gekommen. Die Margen (Aufschläge auf Referenzzinsen, wie z. B. den Euribor, ergeben zusammen mit den Referenzzinsen die ­Kreditzinsen) wurden laufend erhöht (verschärft) – vor allem jene für risiko­reichere Kredite. Als Gründe nannten die befragten Banken hauptsächlich die ­Risikoeinschätzung und ihre Risikotoleranz, aber auch Refinanzierungskosten und bilanzielle Restriktionen (letztere wurden vor allem für Verschärfungen im zweiten Quartal 2020 genannt). Die Wettbewerbssituation war 2020 für Margen­änderungen unwesentlich.

Vom zweiten bis zum vierten Quartal 2020 wurden auch andere Kredit­bedingungen (Kreditbedingungen außer Margen) laufend verschärft – die Erfordernisse für Sicherheiten wurden erhöht sowie die Höhe von Krediten oder ­Kreditrahmen reduziert. Im zweiten Quartal 2020 kam es zudem zu ­Verschärfungen bei den Zusatz- oder Nebenvereinbarungen sowie bei der Fristigkeit. Vor dem zweiten Quartal 2020 wurden über Jahre hinweg nur vereinzelt Änderungen ­anderer Kreditbedingungen gemeldet.

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten ist im vierten Quartal 2020 gesunken. Gemäß Einschätzung der befragten Banken ist dies einerseits Folge des ­verringerten Finanzierungsbedarfs für Anlageinvestitionen, andererseits einer verstärkten ­Innenfinanzierung geschuldet. Ein laufender Rückgang des Finanzierungsbedarfs für Anlageinvestitionen wurde bereits für die ersten drei Quartale 2020 gemeldet (besonders ausgeprägt im zweiten Quartal 2020). Der hohe Liquiditätsbedarf der Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer Zahlungsfähigkeit und ihres Betriebs infolge der Krise hat allerdings die Kreditnachfrage in den ersten drei Quartalen ansteigen lassen – besonders stark in den ersten beiden Quartalen. Für das erste Quartal 2021 wird abermals ein weiterer Anstieg der Nachfrage erwartet.

Tabelle 1: Kredite oder Kreditrahmen für Unternehmen  
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 bzw. 8 Banken
2017 2018 2019 2020 2021
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1
Kreditrichtlinien (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Unternehmen gesamt 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –3 –2
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 –2 –2 –2
Kredite an große Unternehmen 0 1 –1 1 0 1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –2 –2
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) 0 1 –1 1 0 0 0 0 0 1 0 –1 0 –1 –3 –2 –2
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) 0 1 –1 1 0 –1 0 0 –1 0 0 –1 –1 –1 –3 –3 –2
Kreditbedingungen insgesamt (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Unternehmen gesamt 1 0 1 0 1 1 0 0 –1 1 1 2 –2 –3 –2 –2 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 1 0 1 0 1 –1 0 0 –1 0 1 1 –2 –2 –2 –2 ..
Kredite an große Unternehmen 1 1 1 0 2 1 1 0 0 2 1 2 –1 –3 –2 –1 ..
Margen für durchschnittliche Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Unternehmen gesamt 4 3 3 0 3 3 1 0 1 2 4 3 –3 –3 –3 –1 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 3 3 1 0 1 2 0 0 1 2 4 2 –1 –2 –3 –1 ..
Kredite an große Unternehmen 4 3 4 1 3 4 2 1 0 2 5 3 –3 –5 –3 0 ..
Margen für risikoreichere Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Unternehmen gesamt 0 0 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 1 –4 –6 –4 –3 ..
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 0 0 0 –1 –1 –1 –1 0 –1 0 0 0 –2 –4 –5 –3 ..
Kredite an große Unternehmen 1 1 0 –1 0 0 –1 0 –1 0 0 2 –4 –6 –4 –2 ..
Genehmigte Kreditanträge (gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen –1 1 –2 0 0 0 –2 –1 –1 –1 –2 –1 0 0 –3 –1 ..
Kreditnachfrage (gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Unternehmen gesamt 4 3 2 4 4 5 2 3 –2 0 –1 1 5 6 2 –2 3
Kredite an kleine und mittlere Unternehmen 3 1 2 3 3 3 1 3 –2 –1 –1 1 3 4 0 –3 2
Kredite an große Unternehmen 4 2 2 3 2 5 3 3 –1 1 0 1 5 7 2 –2 2
Kurzfristige Kredite (Laufzeit bis zu einem Jahr) 1 2 0 3 2 3 0 2 0 2 1 1 6 5 1 –3 2
Langfristige Kredite (Laufzeit über ein Jahr) 5 4 6 6 5 6 4 3 –1 –1 –1 2 1 6 2 –1 0
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Bei Betrachtung der Entwicklungen von Kreditangebot und Kreditnachfrage, gegliedert nach Wirtschaftssektoren 19 zeigen sich ein paar Auffälligkeiten. 2020 kam es für alle abgefragten Sektoren zu laufenden Verschärfungen der Kreditbedingungen, die im ersten Halbjahr stärker ausfielen als im zweiten Halbjahr. Eine Ausnahme bildete die gewerbliche Wohnimmobilienwirtschaft, für die die Kreditbedingungen im zweiten Halbjahr unverändert belassen wurden. Hingegen war der Gewerbe­immobiliensektor im Laufe des Jahres von Verschärfungen der Kreditrichtlinien betroffen. Hinsichtlich der Kreditnachfrage kam es im ersten Halbjahr 2020 in allen abgefragten Sektoren zu teils deutlichen Anstiegen – außer seitens der Wohn- und der Gewerbeimmobilienwirtschaft, wo die Nachfrage weitgehend ­unverändert blieb. Im zweiten Halbjahr ist die Kreditnachfrage von Unternehmen der Wohnimmobilienwirtschaft gestiegen und von Unternehmen des Dienstleistungssektors gesunken. Ansonsten kam es nur zu geringfügigen Änderungen der Nachfrage der betrachteten Wirtschaftssektoren. Für das erste Halbjahr 2021 erwarten die ­Banken eine steigende Kreditnachfrage von Handelsunternehmen und Wohn­immobilienunternehmen.

2 Wohnbaukredite von privaten Haushalten 2020 vermehrt nachgefragt

Schon im zweiten Quartal 2020 haben die Banken ihre Richtlinien für Wohnbaukredite an private Haushalte etwas verschärft (siehe Tabelle 2 und Grafik 1). Als Grund wurde die Risikosituation genannt (allgemeine Wirtschaftslage und Risikotoleranz der Banken). Aus Risikogründen ist es seit dem zweiten Quartal 2018 immer wieder zu leichten Verschärfungen der Richtlinien für Wohnbaukredite gekommen. Die Entwicklung im Jahr 2020 ist im Vergleich zur Entwicklung in den Vorjahren nicht auffällig. Für das erste Quartal 2021 werden keine weiteren Verschärfungen ­erwartet.

Tabelle 2: Kredite an private Haushalte  
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 7 Banken
2017 2018 2019 2020 2021
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1
Kreditrichtlinien (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Wohnbaukredite 0 –1 1 –1 0 –2 –1 0 –2 –2 –1 –1 0 –2 –1 –1 0
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 1 –1 1 –1 0 –1 0 –2 –2 –1 0 –3 –2 –3 –1
Kreditbedingungen insgesamt (Lockerung = positiv, Verschärfung = negativ)
Wohnbaukredite 0 –1 1 0 1 –2 0 0 0 0 0 –1 0 –1 –1 –1 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –1 –1 –2 ..
Margen für durchschnittliche Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Wohnbaukredite 1 2 2 1 2 1 2 1 2 2 3 1 0 –2 0 –4 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 –1 1 0 0 0 1 0 0 1 1 0 –1 –1 –1 ..
Margen für risikoreichere Kredite (Lockerung/geringere Marge = positiv, Verschärfung/höhere Marge = negativ)
Wohnbaukredite 0 0 –1 –1 –1 –1 –1 0 0 0 0 0 –2 –3 –1 –2 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 0 –1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 –2 –2 –1 –2 ..
Genehmigte Kreditanträge
(Anteil bezogen auf das Gesamtvolumen)
(gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Wohnbaukredite –1 0 0 0 0 –2 0 0 –1 –1 0 0 0 0 0 0 ..
Konsumkredite und sonstige Kredite 0 1 1 1 1 0 0 0 0 1 –1 –1 0 –3 –3 –1 ..
Kreditnachfrage (gestiegen = positiv, gesunken = negativ)
Wohnbaukredite 2 2 3 1 1 0 –1 –1 1 1 2 2 3 –1 2 0 0
Konsumkredite und sonstige Kredite 2 3 0 0 –1 0 0 0 1 0 1 0 0 –4 –1 0 0
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie zeigen sich allerdings bei den Kreditbedingungen. Die Margen für durchschnittliche Wohnbaukredite, die vor 2020 über Jahre hinweg gesenkt worden waren (hauptsächlich aus Wettbewerbsgründen), wurden im zweiten Quartal 2020 und im vierten Quartal 2020 erhöht (verschärft). Im ersten und dritten Quartal 2020 blieben sie unverändert. Die Margen für risikoreichere Wohnbaukredite wurden 2020 fortlaufend verschärft (vor 2020 gab es über Jahre hinweg nur vereinzelt Verschärfungen). Die ­Verschärfungen begründeten die Banken hauptsächlich mit einer geänderten Risiko­situation (Risikoeinschätzung, Risikotoleranz der Banken) und auch mit ­Refinanzierungskosten und bilanziellen Restriktionen. Vereinzelt wurden 2020 auch andere Bedingungen bei Wohnbaukrediten für die Kreditnehmer ­ungünstiger ausgestaltet – zu erwähnen ist vor allem eine Erhöhung der Erfordernisse für ­Sicherheiten im dritten Quartal 2020.

Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten ist seit dem dritten Quartal 2019 fast durchgehend gestiegen – mit einer Trendunterbrechung im zweiten Quartal 2020. Im vierten Quartal 2020 blieb sie unverändert. Für das erste Quartal 2021 erwarten die befragten Banken keine weitere Änderung. Das niedrige Zinsniveau (siehe ­Grafik 2) wurde als Grund für die weitgehend expansive Entwicklung genannt.

3 Angebotspolitik der Banken für private Konsum- und sonstige ­Kredite 2020 verschärft

Die Richtlinien für Konsum- und sonstige Kredite an private Haushalte wurden seit dem zweiten Quartal 2020 laufend verschärft (siehe Tabelle 2 und Grafik 1). Der Grund war auch hier die Risikosituation (hauptsächlich die allgemeine Wirtschaftslage und die Risikotoleranz der Banken, aber auch die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer). Für das erste Quartal 2021 werden weitgehend unveränderte Richtlinien erwartet.

Die Risikosituation hat die Banken auch veranlasst, die Margen für risikoreichere Konsum- und sonstige Kredite 2020 laufend zu erhöhen (verschärfen). Bei den Margen für durchschnittliche Konsum- und sonstige Kredite kam es 2020 nur vereinzelt zu Verschärfungen. 20 Neben den Margen wurden 2020 auch andere Kreditbedingungen für Konsum- und sonstige Kredite, die vor 2020 über Jahre hinweg nur vereinzelt geändert wurden, etwas verschärft (Erfordernisse für Sicherheiten, Kredithöhe).

Nachdem es im zweiten Quartal 2020 zu einem Nachfrageeinbruch bei den Konsum- und sonstigen Krediten gekommen war, gab es laut den befragten Banken nachfrageseitig im dritten und vierten Quartal 2020 kaum weitere Änderungen. Auch davor war die Nachfrage von Mitte 2017 bis zum ersten Quartal 2020 weitgehend unverändert geblieben. Der auffällige Rückgang im zweiten Quartal wurde von den ­befragten Banken mit geringeren Ausgaben für langlebige Konsumgüter (PKW, Möbel usw.) 21 und gesunkenem Konsumentenvertrauen begründet. 22 Für das erste Quartal 2021 wird eine unveränderte Nachfrage nach Konsum- und sonstigen Krediten erwartet.

4 Verbesserte Refinanzierungsbedingungen für Banken in der zweiten Jahreshälfte 2020

Die Refinanzierungssituation hat sich für die österreichischen Banken im dritten und im vierten Quartal vorteilhaft entwickelt (siehe Tabelle 3 23 ). Es kam zu allgemeinen ­Verbesserungen bei der Refinanzierung am Geldmarkt und zu Verbesserungen am Kapitalmarkt bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen. Die Einlagen sind gestiegen (sowohl kurz- als auch langfristige). Im Ausblick auf das erste Quartal 2021 erwarten die an der Umfrage teilnehmenden Banken eine ­weitere Verbesserung der Refinanzierungssituation. In den ersten beiden ­Quartalen 2020 war es noch zu Verschlechterungen gekommen. Für die Zeit von 2017 bis 2019 haben die Banken überwiegend Verbesserungen ihrer Refinanzierungs­situation gemeldet.

Tabelle 3: Zugang der Banken zu ausgewählten Refinanzierungsquellen  
Veränderung im jeweiligen Quartal,1 Ergebnisse für Österreich
Saldo aus positiven und negativen Antworten,2 Antworten von 8 Banken
2017 2018 2019 2020 2021
Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1
Retail-Refinanzierung (Verbesserung = positiv, Verschlechterung = negativ)
Kurzfristige Einlagen (bis zu einem Jahr) 2 1 2 1 3 0 0 1 1 3 0 0 –1 2 1 4 3
Langfristige Einlagen (über ein Jahr) 0 1 1 –1 2 –1 –2 –1 0 –1 –2 0 –4 0 0 3 3
Unbesicherter Interbankengeldmarkt (Verbesserung = positiv, Verschlechterung = negativ)
Sehr kurzfristiger Geldmarkt (bis zu einer Woche) 2 1 2 1 2 0 1 0 1 0 0 0 –1 –1 2 2 2
Kurzfristiger Geldmarkt (über eine Woche) 2 1 1 0 2 0 1 0 0 0 0 0 –5 –2 2 2 2
Großvolumige Schuldtitel (Verbesserung = positiv, Verschlechterung = negativ)
Kurzfristige Schuldtitel3 0 2 2 1 1 0 0 0 1 0 0 0 –1 –1 0 1 1
Mittel- bis langfristige Schuldtitel 3 3 4 4 3 0 –1 –3 3 4 3 1 –4 –4 3 5 3
Quelle: OeNB.
1 Die letzte Spalte enthält die Erwartungen der Banken für das angegebene nächste Quartal.
2 Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen der Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
3 Antworten von 4 bis 6 Banken.
Grafik 1 zeigt die „Entwicklung der Kreditrichtlinien und der Kreditnachfrage“ in Österreich seit 2007 in acht Liniendiagrammen. Dabei werden Quartalsveränderungen als Nettoprozentsatz (gleitender Durchschnitt der letzten vier Quartale) dargestellt. Die Skala auf der y-Achse reicht jeweils von –100 bis +100. Positive Werte bezeichnen eine expansive Entwicklung (Lockerung der Richtlinien, Anstieg der Nachfrage), negative Werte eine restriktive Entwicklung. Der Nettoprozentsatz für die Richtlinien für Kredite an Unternehmen insgesamt liegt im ersten Quartal 2007 bei –20 und fällt bis zum vierten Quartal 2008 auf –65, um bis zum zweiten Quartal 2010 auf +5 zu steigen. Ab dem zweiten Quartal 2011 fällt er wieder, bis auf –44 im ersten Quartal 2013. Danach steigt er wieder bis auf –7 im vierten Quartal 2013. Vom ersten Quartal 2014 bis zum vierten Quartal 2019 schwankt er zwischen –16 und +3.2020 fällt er von –6 im ersten Quartal 2020 auf –25 im vierten Quartal. Der Nettoprozentsatz für die Kreditnachfrage von Unternehmen insgesamt liegt im ersten Quartal 2007 bei +10 und fällt bis zum zweiten Quartal 2009 auf –40, um anschließend wieder zu steigen. Vom ersten Quartal 2010 bis zum dritten Quartal 2011 liegt er weitgehend bei –15. Danach fällt er bis zum dritten Quartal 2012 auf –45, um anschließend bis zum zweiten Quartal 2014 auf –7 zu steigen. Einem kurzen Rückgang auf –25 im vierten Quartal 2014 folgt ein längerer Anstieg auf +47 im zweiten und dritten Quartal 2018. Anschließend fällt er durchgehend bis auf –6 im vierten Quartal 2019, um 2020 wieder positive Werte anzunehmen (Maximum von +44 im dritten Quartal 2020). Die Entwicklung von Richtlinien und Nachfrage in den Unterkategorien Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, Kredite an große Unternehmen, kurzfristige Kredite sowie langfristige Kredite entspricht grob den Entwicklungen insgesamt – mit teilweise abweichender Intensität der Schwankungen. Insbesondere bei der Nachfrage nach kurzfristigen Krediten zeigt sich die Entwicklung ab 2010 weniger volatil als bei der Nachfrage insgesamt und nach langfristigen Krediten, ist aber ab dem dritten Quartal 2019 expansiver als jene bei der Nachfrage nach langfristigen Krediten. Der Entwicklung der Richtlinien bei Wohnbaukrediten sowie bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten an private Haushalte zeigt keine ausgeprägten Schwankungen. Der Nettoprozentsatz liegt seit 2007 jeweils in einem Bereich von –29 bis +11. Zuletzt ist er von Werten um 0 im Jahr 2017 bis auf Werte von –29 bis –14 in den letzten fünf Quartalen gefallen. Der Nettoprozentsatz der Nachfrage nach Wohnbaukrediten fällt von +20 im zweiten Quartal 2007 bis auf –55 im zweiten Quartal 2009, um anschließend wieder deutlich zu steigen. Dabei werden mehrere Spitzen erreicht (+20 im dritten und vierten Quartal 2011, +34 im zweiten Quartal 2013, +25 im dritten Quartal 2015, +29 im vierten Quartal 2017). Dazwischen fällt er immer wieder, bleibt aber zumeist positiv. Im ersten Quartal 2020 liegt er nach einem Anstieg über mehrere Quartale hinweg bei +29. Dannach fällt er auf +14 im vierten Quartal 2020. Der Nettoprozentsatz der Nachfrage nach Konsumkrediten und sonstigen Krediten entwickelt sich zumeist ähnlich wie jener der Nachfrage nach Wohnbaukrediten, allerdings ab 2012 leicht restriktiver. Die Bandbreite reicht dabei ab 2012 von –20 bis +25. Vom ersten Quartal 2018 bis zum ersten Quartal 2020 schwankt er leicht zwischen –4 und +7. 2020 fällt er auf bis zu –18 im dritten und vierten Quartal. Quelle: OeNB.
Grafik 2 zeigt die „Entwicklung der Zinsen für neue Kredite in Österreich“ seit 2000 als Liniendiagramm auf der Basis von Monatswerten. Dargestellt werden Kreditzinsen für nichtfinanzielle Unternehmen, Kreditzinsen für Wohnbaukredite an private Haushalte, Kreditzinsen für Konsumkredite an private Haushalte, Kreditzinsen für sonstige Kredite an private Haushalte, der EZB-Hauptrefinanzierungssatz, der EZB-Einlagensatz und der 3-Monats-Euribor. Dargestellt werden: Kreditzinsen im Neugeschäft (inkl. Neuverhandlungen) in % – gleitender Durchschnitt der letzten drei Monatswerte, Leitzinsen und Euribor – Monatsendstände, „Haushalte“ bezeichnet den Haushaltssektor. Konsumkredite und sonstige Kredite an private Haushalte werden im Rahmen der Umfrage über das Kreditgeschäft als eine gemeinsame Kategorie abgefragt, in der Zinsstatistik sind sie getrennt ausgewiesen. Die Skala auf der y-Achse geht von 0 bis 8%. Die Grafik zeigt, wie sich die Kreditzinsen im Vergleich zu den Leitzinsen und dem Euribor entwickelt haben. In Konsequenz der Senkungen der Leitzinsen sind auch die Kreditzinsen gefallen. Die Zinsen für Unternehmenskredite sind von über 5% Ende 2008 auf 1,4% im November 2020 gefallen (zwischenzeitlich auf 1,3% Anfang 2020), jene für Wohnbaukredite von über 5,5% Ende 2008 auf 1,3% im November 2020, jene für sonstige Kredite von ca. 6% Ende 2008 auf 1,7% im November 2020 und jene für Konsumkredite von ca. 7% Ende 2008 auf 4,9% im zweiten Quartal 2020, wobei die Zinsen für Konsumkredite seit 2011 zumeist um 5% herum schwanken. Im zweiten Halbjahr 2020 sind sie allerdings markant gestiegen (5,5% im November 2020). Quelle: OeNB, Macrobond, EZB.

Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal ­jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken und das Kreditnachfrageverhalten von Unternehmen und privaten Haushalten zu verbessern. Dabei wurden zuletzt 143 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich.

Ab der Umfrage für das erste Quartal 2015 wird ein revidierter und erweiterter Frage­bogen verwendet. Einige der aktuell erhobenen Daten sind daher erst ab 2015 verfügbar.

Kreditrichtlinien sind die internen Kriterien – sowohl die schriftlich festgelegten als auch die ungeschriebenen –, die bestimmen, unter welchen Voraussetzungen eine Bank Kredite ­vergeben möchte.

Kreditbedingungen sind die speziellen Verpflichtungen, auf die sich Kreditgeber und Kreditnehmer geeinigt haben (z. B. Margen, Nebenkosten, Sicherheitserfordernisse usw.).

Kreditmargen sind Aufschläge auf relevante Referenzzinssätze bzw. die Differenzen zwischen Kreditzinssätzen und Refinanzierungszinssätzen. Im Rahmen dieser Umfrage wird bei einer Verringerung der Margen von Lockerung und bei einer Erhöhung der Margen von Verschärfung gesprochen. Eine Lockerung der Margen ist für Kreditnehmer positiv, schränkt aber unmittelbar die Ertragsmöglichkeiten der Banken als Kreditgeber ein.

Saldo aus positiven und negativen Antworten: Die Anzahl der Banken, die auf eine Frage in positiver Richtung antworten (z. B. Lockerung der Margen, Steigerung der Nachfrage) abzüglich der Anzahl der Banken, die auf eine Frage in negativer Richtung antworten (z. B. Verschärfung der Margen, Rückgang der Nachfrage). Die Bezeichnungen „positiv“ und „­negativ“ dienen hier als Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.

Nettoprozentsatz: Der Saldo aus positiven und negativen Antworten im Verhältnis zur Anzahl der Antworten insgesamt. Wenn z. B. von acht antwortenden Banken zwei angeben, dass die Nachfrage nach Wohnbaukrediten gestiegen ist, eine angibt, dass die Nachfrage ­gesunken ist und die übrigen fünf angeben, dass die Nachfrage unverändert geblieben ist, dann ergibt sich ein Saldo von plus eins bzw. ein Nettoprozentsatz von +12,5 (⅛). In diesem Beispiel gibt ein Überhang von nur einer Bank eine Nachfragesteigerung an – zu wenig, um daraus eine allgemeine Aussage abzuleiten. In einem solchen Fall muss von einer weitgehend unveränderten Situation ausgegangen werden.

Veröffentlichungshinweise: Der Artikel zur Umfrage über das Kreditgeschäft erscheint regelmäßig in der OeNB-Quartalspublikationsreihe „Statistiken – Daten und Analysen“ und wird vorab auf der OeNB-Website veröffentlicht. Dort finden sich auch weitere Informationen und Daten zu den Österreich-Ergebnissen ( https://www.oenb.at/Geldpolitik/Erhebungen/­umfrage-ueber-das-kreditgeschaeft.html ). Euroraum-Ergebnisse veröffentlicht die EZB ( https://www.ecb.europa.eu/stats/ecb_surveys/bank_lending_survey/html/index.en.html ).

9 Das Eurosystem (die EZB und die nationalen Zentralbanken der Länder des Euroraums – in Österreich die OeNB) führt jedes Quartal eine Umfrage durch, um Informationen über Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen und privaten Haushalten zu erheben. Befragt werden dabei leitende ­Kreditmanagerinnen und Kreditmanager großer Banken. Methodisch ist die Umfrage eine qualitative Erhebung. Die Antworten werden auf einer Ordinalskala erfasst. Die Fragen beziehen sich auf Veränderungen in der Vergangenheit, auf Gründe für diese Veränderungen und bei einigen Fragen auch auf erwartete zukünftige Veränderungen. Die diesem Bericht ­zugrunde liegende Umfrage wurde im Dezember 2020 durchgeführt. Redaktionsschluss für sonstige Daten: 29. Jänner 2021.

10 Oesterreichische Nationalbank, Abteilung für volkswirtschaftliche Analysen, gerald.hubmann@oenb.at.

11 Veröffentlicht auf der Website der OeNB: https://www.oenb.at/Publikationen/corona.html.

12 Kredite mit staatlichen Garantien sind ein Teil des Corona-Hilfspakets der Österreichischen Bundesregierung. Durch die Garantien sollen Unternehmen mit Liquiditätsproblemen infolge der COVID-19-Pandemie leichter und günstig an Bankkredite kommen. Beispielsweise werden Kredite mit einer staatlichen Garantie von 100% in den ersten beiden Jahren mit höchstens 0% verzinst (Kreditzinssatz als 3-Monats-Euribor + 75 Basispunkte, aber in den ersten beiden Jahren höchstens 0%).

13 Zur besseren Einordnung der Haftungssumme ein Vergleich mit der durchschnittlichen monatlichen Neukredit­vergabe an nichtfinanzielle Unternehmen (echte Neukreditvergabe ohne neuverhandelte Kredite österreichischer Banken an Ansässige im Euroraum, Quelle: EZB): 6,9 Mrd EUR 2019 bzw. 5,7 Mrd EUR von Jänner bis ­November 2020. Anmerkung: „Unternehmen“ sind in der Monetärstatistik teilweise im Haushaltssektor erfasst (z. B. Personen­gesellschaften, Einzelunternehmen, Selbstständige).

14 Für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und einem Jahresumsatz bzw. einer Jahresbilanz von höchstens 2 Mio EUR (4. COVID-19-Gesetz als Grundlage – auch für Moratorien für Verbraucherkredite).

15 Statistische Erhebungen zeigen einen Rückgang der Moratorien bei Krediten an inländische nichtfinanzielle Unternehmen von 14,1 Mrd EUR im Juni 2020 auf 5,5 Mrd EUR Ende Dezember 2020 und bei Krediten ­insgesamt (an inländische Unternehmen und inländische private Haushalte) von 30,6 Mrd EUR im Juni 2020 auf 14,1 Mrd EUR Ende Dezember 2020 (gesetzliche und freiwillige Moratorien von in Österreich ansässigen ­Banken, aushaftendes Kreditvolumen, hochgerechnet, Quelle: OeNB).

16 Siehe den vorigen Bericht zur Umfrage über das Kreditgeschäft, Statistiken – Daten & Analysen Q4/20 (29–47).

17 Hinweis: Grafik 1 stellt die Entwicklungen anhand des gleitenden Durchschnitts der letzten vier Quartale dar, wodurch die Ergebnisse geglättet werden. Eventuell von der Beschreibung abweichende Einzelquartalszahlen ­stellen daher keinen inhaltlichen Widerspruch dar.

18 Ab dieser Umfragerunde und solange das Thema relevant ist, werden die Banken halbjährlich auch zur ­Entwicklung von Kreditangebot und Kreditnachfrage bei Krediten mit staatlichen Garantien sowie bei Krediten ohne ­staatliche Garantien befragt. Für die rückblickende Betrachtung wurden in dieser Runde – neben den Entwicklungen im zweiten Halbjahr 2020 – auch jene im ersten Halbjahr erhoben.

19 Seit der Umfragerunde für das zweite Quartal 2020 werden die teilnehmenden Banken halbjährlich zu Entwicklungen im Kreditgeschäft mit Unternehmen, gegliedert nach Wirtschaftssektoren befragt. Die Entwicklungen ­werden für folgende Wirtschaftssektoren erhoben: Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren, Baugewerbe/Bau (ohne Immobilien), Dienstleistungen (ohne Finanzdienstleistungen und Immobilien), Handel sowie ­Immobilien (noch zusätzlich untergliedert in Gewerbeimmobilien- und Wohnimmobilienwirtschaft).

20 Anmerkung: Die Zinsen für Konsumkredite sind 2020 merkbar gestiegen, jene für sonstige Kredite etwas gefallen (siehe Grafik 2). Die sonstigen Kredite an private Haushalte umfassen – gemäß Monetärstatistik – auch „unternehmerische“ Kredite (z. B. an Personengesellschaften, Einzelunternehmen, Selbstständige).

21 Anmerkung: geringere Konsummöglichkeiten aufgrund der Einschränkungen zur Bekämpfung der COVID-19-­Pandemie (Schließungen des stationären Handels), geringerer finanzieller Spielraum der Konsumentinnen und Konsumenten (Einkommensverluste aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie). In diesem Zusammenhang wird auf die 2020 stark gestiegene Sparquote hingewiesen. Die OeNB-Prognose vom Dezember 2020 (https://www.oenb.at/dam/jcr:2ae68b72-0777-40b7-97a2-69be576625c9/prognose_dez_20.pdf, siehe: ­Kasten 2, S. 14–15) befasst sich mit den Motiven für diesen Anstieg („Zwangssparen“, „Vorsichtssparen“).

22 Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bzw. der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf den privaten Konsum sind auch in der Kreditstatistik zu sehen. So wurden im zweiten Quartal 2020 in Österreich nur mehr 0,8 Mrd EUR an Konsumkrediten neu vergeben, im zweiten Quartal 2019 waren es noch 1,1 Mrd EUR (echte Neukreditvergabe ohne neuverhandelte Kredite, Quelle: OeNB)

23 Einige Refinanzierungsmöglichkeiten, nach denen standardmäßig gefragt wird (Verbriefung von Krediten, außerbilanzielle Übertragung von Kreditrisiken), spielten zuletzt für die an der Umfrage teilnehmenden Banken nur eine untergeordnete Rolle und sind nicht in der Tabelle enthalten.

Nichtfinanzielle Berichterstattung österreichischer nichtfinanzieller Unternehmen im Jahr 2019

Birgit Bernhard, Niklas Riedlberger 24

Um dem Gedanken der Corporate Social Responsibility (CSR) sowie dem erweiterten ­Stakeholder-Ansatz gerecht zu werden, müssen große Kapitalgesellschaften, die bestimmte Kriterien erfüllen, seit dem Berichtsjahr 2017 nichtfinanzielle Informationen veröffentlichen. Gemäß den Bestimmungen des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes ­(NaDiVeG) muss über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Menschenrechte sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung berichtet werden. Eine nähere ­Auseinandersetzung in der Praxis mit dem Kernthema „Umwelt“ zeigt jedoch, dass in den österreichischen nichtfinanziellen Berichten des Jahres 2019 weniger als die Hälfte der möglichen Punkte ­hinsichtlich relevanter umweltbezogener Themen erzielt wurde. Am häufigsten wurden Informationen zu Emissionen, Energie und Abwasser veröffentlicht, während die Themen Umwelt-Compliance und Biodiversität kaum in den Berichten behandelt wurden. Dieses noch geringe Ausmaß der Umsetzung zeigt einen nach wie vor deutlichen Aufholbedarf auf, sowohl für die berichtspflichtigen Unternehmen als auch für die verantwortlichen Standardsetzer. Die Analyse basiert auf den nichtfinanziellen Berichten des Jahres 2019 der – gemessen an Umsatz und ­Bilanzsumme – 30 größten österreichischen nichtfinanziellen Unternehmen.

1 Hintergrund

Mit der Veröffentlichung der Non-Financial Reporting Directive (2014/95/EU) der Europäischen Union am 22. Oktober 2014 wurde ein einheitlicher und ­verbindlicher Normenrahmen für die nichtfinanzielle Berichterstattung in Europa geschaffen. Waren die davor angewandten Bestimmungen zum Bericht nicht­finanzieller Informationen von der freiwilligen Offenlegung der Unternehmen ­abhängig, so wurden Unternehmen nun erstmalig dazu verpflichtet, über ­relevante Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange sowie Menschenrechte, Korruption und Bestechung zu berichten. 25 Die daraus gewonnen Informationen geben ­verstärkt Aufschluss darüber, welche Auswirkungen Unternehmen – mit ihren Produkten oder innerhalb der Lieferkette – auf die Umwelt und die Gesellschaft haben. Diese Maßnahmen sollen die soziale bzw. gesellschaftliche Verantwortung von ­Unternehmen fördern, womit dem Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) Rechnung getragen wird (Mittelbach-Hörmanseder und Schiff, 2018). ­Darüber hinaus erhofft sich die EU, von den positiven Wirkungen durch erhöhte CSR-Aktivitäten zu profitieren, u. a. durch Effekte wie Kosteneinsparungen ­mittels Produktinnovationen, gesteigerte Mitarbeiterproduktivität, geringeres Rechtsstreitrisiko sowie die attraktivere Positionierung am Kapitalmarkt (Lin-Hi und Blumberg, 2020).

2 Gesetzlicher Rahmen in Österreich

Die Umsetzung der NFRD-Richtlinie erfolgte in Österreich am 17. Januar 2017 mit der Einführung des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes (NaDiVeG), dessen inhaltliche Bestimmungen rückwirkend mit 6. Dezember 2016 in Kraft traten. Demzufolge implementierte der österreichische Gesetzgeber die erweiterte nichtfinanzielle Berichterstattungspflicht in den §§ 243b und 267a im Unternehmensgesetzbuch (UGB). Darüber hinaus gab es vereinzelte ­Änderungen sowohl im Aktiengesetz als auch im GmbH-Gesetz. Die ersten nach dem NaDiVeG erstellten Berichte erschienen im Jahr 2018 und enthielten nichtfinanzielle Informationen aus dem Geschäftsjahr 2017 (Schneider, 2018).

2.1 Berichterstattungspflicht

Das NaDiVeG regelt unter anderem, welche Unternehmen zur Aufstellung einer nichtfinanziellen Erklärung verpflichtet sind. Die gesetzlichen Bestimmungen dazu enthält § 243b UGB für Unternehmen ohne Tochtergesellschaften und auf konsolidierter Ebene § 267a UGB für Mutterunternehmen bzw. Konzerne. Die Regelungen zur Berichtspflicht sind jedoch größtenteils für beide Paragrafen ident. Demnach wird die Pflicht zur nichtfinanziellen Berichterstattung ausgelöst, wenn die folgenden drei Kriterien kumulativ erfüllt sind:

  • große Kapitalgesellschaft
  • von öffentlichem Interesse
  • mit durchschnittlich 500 Beschäftigten

Eine große Kapitalgesellschaft liegt vor, wenn das Unternehmen als AG, SE 26 oder GmbH organisiert ist und die Größenkriterien nach § 221 Abs 3 UGB ­überschritten werden. Als Unternehmen von öffentlichem Interesse definiert der österreichische Gesetzgeber in § 189a Z 1 lit a-d UGB Versicherungsunternehmen, Banken und kapitalmarktorientierte Unternehmen. Die Bemessung des ­Arbeitnehmerkriteriums stützt sich auf § 221 Abs 6 UGB und ist erfüllt, wenn im Jahresdurchschnitt 500 Beschäftigte tätig sind (Ziskovsky und Nowotny, 2018).

2.2 Wesentliche Inhalte

Fällt ein Unternehmen unter die Berichterstattungspflicht nach § 243b bzw. § 267a UGB, sollten zuerst die wesentlichen Berichtsinhalte eruiert werden. Dabei muss zumindest auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange sowie Menschenrechte, Korruption und Bestechung eingegangen werden. Zur Identifikation der ­wesentlichen Inhalte empfiehlt sich die Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse, wobei es hierzu keine gesetzliche Verpflichtung gibt. Dabei werden wesentliche Themen als solche definiert, die erhebliche ökonomische, ökologische und soziale ­Auswirkungen der Organisation aufzeigen oder die Beurteilungen und Entscheidungen der ­Stakeholder maßgeblich beeinflussen. Um den Prozess der Wesentlichkeitsanalyse zu visualisieren und nachvollziehbar zu gestalten, kommen in den Berichten ­vermehrt Wesentlichkeitsmatrizen zum Einsatz (Frey, 2018).

3 Analyse des Umsetzungsgrades in Österreich

Die nachfolgende Analyse gibt einen Überblick über den Umsetzungsgrad der nichtfinanziellen Berichterstattung in Österreich. Darüber hinaus werden weitere theoretische Inhalte des NaDiVeG anhand praxisbezogener Ergebnisse ­erklärt und verdeutlicht. Für die gleichmäßige Sektorenaufteilung nach dem Konzept der ­Publikation des European Records of IFRS Consolidated ­Accounts (ERICA) ­beläuft sich der Stichprobenumfang auf 30 österreichische nichtfinanzielle Unternehmen (ERICA Working Group und ECCBSO, 2020). Für jede Branche wurden die jeweils größten Unternehmen – gemessen an Umsatz und Bilanzsumme – aus­gewählt. Alle untersuchten Gesellschaften veröffentlichten im Jahr 2020 eine nichtfinanzielle Erklärung bzw. einen nichtfinanziellen Bericht unter den Anwendungsvorschriften des NaDiVeG.

4 Allgemeine Erkenntnisse

4.1 Rahmenwerk als Orientierung

Als Orientierungshilfe für die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts kann nach § 243b Abs. 5 UGB auf nationale, unionsbasierte oder internationale ­Rahmenwerke zugegriffen werden. Aus der NFRD-Richtlinie gehen zahlreiche Empfehlungen zur Verwendung von Rahmenwerken bestimmter Organisationen, wie z. B. der Global Compact der Vereinten Nationen oder die Leitlinien der OECD 27 , hervor. In der Berichtspraxis sticht v. a. der GRI-Standard – entwickelt von der Global Reporting Initiative – hervor. Sowohl im internationalen Bereich als auch in der Stichprobe stellt dieses Rahmenwerk den klaren Favoriten dar. 26 der 30 ­analysierten Unternehmen verwendeten den GRI-Standard als Leitfaden bei der Berichterstellung. Im Hinblick auf dessen Verwendung werden Hilfestellungen zu Themen wie der „Wesentlichkeit“ oder der stärkeren Einbindung der Stakeholder angeboten. Darüber hinaus enthält das Rahmenwerk genaue Anleitungen und ­Anforderungen, wie über ökonomische, ökologische und soziale Angaben ­berichtet werden soll. Für jeden Themenbereich existieren hilfreiche Dokumente mit ­einzelnen Modulen und Indikatoren, welche die Anwendung im eigenen Unternehmen erleichtern sollen. 28 Die verbleibenden vier Gesellschaften verzichteten zur Gänze auf die unterstützende Wirkung eines Rahmenwerks.

4.2 Formale Stellung und Ansiedelung im externen Berichtswesen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Stellung und Ansiedelung des Ausweises der Nachhaltigkeitsfaktoren innerhalb der nichtfinanziellen externen ­Berichterstattung. Das Gesetz schreibt grundsätzlich vor, die nichtfinanzielle Erklärung als Teil des ­Lageberichts zu veröffentlichen. Um all jene Unternehmen zu schützen, die bereits vor der Umsetzung des NaDiVeG einen gesonderten Nachhaltigkeitsbericht ­erstellten, implementierte der Gesetzgeber ein Wahlrecht gemäß § 243b Abs 6 UGB zur Fortführung dieser Berichterstattungsform. Durch diese Regelung ist es erlaubt, einen nichtfinanziellen Bericht als separates Dokument zu erstellen und ­offenzulegen. Aus der gelebten Praxis ergab sich eine dritte Möglichkeit die ­Nachhaltigkeitsinformationen auszuweisen: Die nicht offizielle integrierte Berichterstattung liegt vor, wenn die nichtfinanziellen Angaben als eigenes Kapitel im ­Geschäftsbericht dargestellt werden, anstatt diese als Teil des Lageberichts oder als separaten Bericht zu veröffentlichen (Baumüller, 2020). Eine Studie der ­ersten Berichtssaison (2017) zeigt, dass 40% der Unternehmen einen eigenen nichtfinanziellen Bericht erstellten, 37% die kombinierte Berichterstattung nutzten und nur 20 % bei der Eingliederung in den Lagebericht blieben (PwC und WU, 2018). Im Jahr 2018 setzt sich der Trend zur Erstellung eines separaten Berichts fort: 50% der Unternehmen legten einen solchen vor (Ernst & Young und WU, 2019).