OeNB Report 2026/11: Nahost-Krieg dämpft Erwartungen für das Kreditgeschäft mit Unternehmen
Österreich-Ergebnisse der Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS), erstes Quartal 2026
Gerald Hubmann, Oesterreichische Nationalbank, Referat Konjunktur, gerald.hubmann@oenb.at
Die Kreditnachfrage der österreichischen Unternehmen ist nach Einschätzung der heimischen Banken infolge der Konjunkturerholung im ersten Quartal 2026 weiter gestiegen. Die Unsicherheit und die direkten Auswirkungen des Nahost-Kriegs belasten jedoch den Ausblick für das Kreditgeschäft. Für das zweite Quartal 2026 erwarten die heimischen Banken einen Rückgang der Kreditnachfrage der Unternehmen.
Highlights
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Kaum Änderungen beim Kreditangebot: Aufgrund des Nahost-Kriegs haben die befragten Banken ihre Kreditrichtlinien punktuell verschärft. Das betrifft nur einen kleinen Teil der Unternehmen. Der Nahost-Krieg hat bisher gemäß den Antworten der Banken zu keinen generellen Verschärfungen beim Kreditangebot geführt.
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Mehr Nachfrage nach Wohnbaukrediten: Die Kreditnachfrage privater Haushalte für Wohnbau steigt gemäß den Umfrageergebnissen seit zwei Jahren. Der in der Umfrage genannte Hauptgrund: die gegenüber 2024 deutlich gesunkenen Zinsen.
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Über den Bank Lending Survey: Die OeNB führt vierteljährlich eine Umfrage unter führenden heimischen Banken durch. Thematisiert werden vor allem Entwicklungen bei Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft mit Unternehmen und privaten Haushalten. Die aktuelle Umfrage wurde von Mitte März bis Anfang April 2026 durchgeführt.
Abstract
Die Kreditnachfrage der österreichischen Unternehmen ist nach Einschätzung der heimischen Banken infolge der Konjunkturerholung vom dritten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 gestiegen.
Der Anstieg der letzten drei Quartale dürfte sich aber zumindest vorerst nicht fortsetzen. Für das zweite Quartal 2026 erwarten die befragten Banken einen Rückgang der Kreditnachfrage, insbesondere nach langfristigen Krediten. Kurzfristige Kredite sollen hingegen stärker gefragt sein.
Das ist nach den Ergebnissen der Umfrage auf die Folgen des Nahost-Kriegs zurückzuführen, auf erhöhte Unsicherheit und steigende Preise: Unternehmen werden einerseits bei langfristigen Investitionen zurückhaltender und benötigen andererseits mehr kurzfristige Liquidität zur Finanzierung des laufenden Betriebs.
Aufgrund des Nahost-Kriegs haben die befragten Banken ihre Kreditrichtlinien punktuell verschärft. Das betrifft nur einen kleinen Teil der Unternehmen. Der Nahost-Krieg hat bisher gemäß den Antworten der Banken zu keinen generellen Verschärfungen beim Kreditangebot geführt.
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten bereits seit zwei Jahren steigt – hauptsächlich aufgrund der gesunkenen Zinsen – und im zweiten Quartal 2026 weiter steigen soll. Den Umfrageergebnissen sind keine Auswirkungen des Nahost-Kriegs auf das Kreditgeschäft der Banken mit privaten Haushalten zu entnehmen
Einleitung
Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen. Die österreichische Wirtschaft ist 2025 verhalten gewachsen (BIP-Wachstum von +0,6 %) – nach einer Rezession in den Jahren 2023 und 2024 (BIP-Wachstum von -0,8 % und -0,7 %). Die Unsicherheit und die direkten Auswirkungen des Nahost-Kriegs belasten jedoch erneut die Wachstumsaussichten. In den jüngsten Prognosen von März und April 2026 wurden die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum um einige Zehntelprozentpunkte nach unten revidiert. Die OeNB geht nun von einem BIP-Plus von nur mehr 0,5 % für 2026 aus – im Dezember 2025 wurden noch 0,8 % erwartet. Die Investitionstätigkeit, die 2024 noch deutlich zurückging, hat sich 2025 etwas erholt, wird aber 2026 von den Folgen des Nahost-Kriegs erneut gedämpft. Die Bruttoanlageinvestitionen schrumpften 2024 um 4,3 %; 2025 stiegen sie um 1,4 %. 2026 wird das Investitionswachstum wieder schwächer ausfallen als 2025.
Die österreichische Wirtschaft dürfte demnach erst 2027 die Rezessionsverluste vollständig aufgeholt haben und wieder das Niveau von 2022 erreichen. Die Jahre 2023−2026 haben damit insgesamt kein reales BIP-Wachstum gebracht. Neben den US-Zöllen und der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen bremsen nun die Folgen des Nahost-Kriegs die heimische Konjunktur. Diese Entwicklungen zeigen sich deutlich in den Umfrageergebnissen zum Kreditgeschäft mit Unternehmen (siehe Kapitel 1).
Der vorliegende Bericht erläutert die aktuellen Österreich-Ergebnisse der Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS 1 ). Kapitel 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, Kapitel 2 das Kreditgeschäft mit privaten Haushalten. Kapitel 3 hat die Refinanzierungssituation der Banken zum Thema. In Kapitel 4 geht es um die Auswirkungen der Kreditqualität auf die Banken und ihr Kreditgeschäft, in Kapitel 5 um die Auswirkungen der EZB-Leitzinsentscheidungen auf die Ertragslage der Banken. Kapitel 6 behandelt Verbriefungsgeschäfte der Banken und ihre Auswirkungen auf die Kreditvergabe.
Detaillierte Umfrageergebnisse sind den Tabellen 1, 2 und 3 zu entnehmen. Die Grafiken 1, 2, 3 und 4 zeigen, wie sich Nachfrage und Richtlinien bei Unternehmenskrediten und privaten Wohnbaukrediten entwickelt haben und was sie beeinflusst hat. Grafik 5 zeigt die Entwicklung der Neuvergabe von Wohnbaukrediten gemäß Kreditstatistik sowie die Entwicklung des Zinsniveaus. In Kapitel 7 am Ende dieses Berichts enthält Kasten 1 Erläuterungen zum BLS und zu ausgewählten Fachbegriffen.
1 Kreditnachfrage von Unternehmen drei Quartale lang gestiegen –Folgen des Nahost-Kriegs beeinträchtigen jedoch weiteren Anstieg
Die Kreditnachfrage von Unternehmen ist nach Einschätzung der heimischen Banken im ersten Quartal 2026 abermals gestiegen, nachdem sie bereits im dritten und vierten Quartal 2025 zugelegt hatte (Tabelle 1). Der Nachfrageanstieg der letzten drei Quartale wurde dabei fast ausschließlich von langfristigen Finanzierungsabsichten getragen.
Der Anstieg bzw. die Erholung der letzten drei Quartale dürfte sich aber zumindest vorerst nicht fortsetzen. Für das zweite Quartal 2026 erwarten die befragten Banken einen Rückgang der Kreditnachfrage, insbesondere nach langfristigen Krediten. Kurzfristige Kredite sollen hingegen wieder stärker gefragt sein. Das verschiebt die Entwicklungsrichtungen der Vorquartale und ist auf die Folgen des Nahost-Kriegs zurückzuführen: Unternehmen werden bei langfristigen Investitionen zurückhaltender und benötigen mehr kurzfristige Liquidität (siehe Ende des Kapitels).
Für den Anstieg der Kreditnachfrage vom dritten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 kann kein auffälliger Hauptgrund genannt werden. Er beruht auf einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die leichte Erholung der Investitionstätigkeit der Unternehmen soll aber hervorgehoben werden – vor allem hinsichtlich des Nachfrageanstiegs im ersten Quartal 2026 (Grafik 1 und Text weiter unten).
Ein längerer Rückblick auf die Nachfrageentwicklung: Vom vierten Quartal 2022 bis zum zweiten Quartal 2025 – fast drei Jahre lang – sank die Kreditnachfrage von Unternehmen durchgehend. 2 Bei den langfristigen Krediten war diese Entwicklung besonders stark ausgeprägt – in diese Kategorie fallen schwerpunktmäßig Kredite zur Investitionsfinanzierung.
Vom ersten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 hat sich allerdings die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten schwächer entwickelt als jene nach langfristigen Krediten.
Die Gründe für die Entwicklung der Nachfrage detailliert und im längeren Rückblick: Vom dritten Quartal 2022 bis zum zweiten Quartal 2025 – und somit über drei Jahre hinweg – hat vor allem ein rückläufiger Finanzierungsbedarf für Anlageinvestitionen die Nachfrage nach Unternehmenskrediten gebremst. Für das dritte und vierte Quartal 2025 wurde die Investitionsschwäche per saldo nicht mehr als dämpfender Faktor genannt, für das erste Quartal 2026 sogar als leicht belebender Faktor. Weiters wirkten vom vierten Quartal 2022 bis zum zweiten Quartal 2024 die gestiegenen Zinsen nachfragemindernd. Mit den EZB-Leitzinssenkungen ab Juni 2024 verlor dieser restriktive Einfluss jedoch an Stärke; die wieder gesunkenen Zinsen erleichtern seither die Finanzierung und führen vermehrt zu Finanzierungsanfragen. Vom zweiten Quartal 2024 bis zum zweiten Quartal 2025 war eine abnehmende Nachfrage nach Krediten zur Finanzierung von Lagerhaltung und Betriebsmitteln auffällig. Im vierten Quartal 2025 war die Finanzierung von Lagerhaltung und Betriebsmitteln hingegen der Hauptgrund für den gemeldeten Nachfrageanstieg.
Als einziger die Kreditnachfrage leicht bremsender Faktor verblieb im dritten und vierten Quartal 2025 die Nutzung von alternativen Finanzierungsquellen durch die Unternehmen (z. B. Innenfinanzierung, Anleihen). Letzteres ist aber nicht als konjunkturdämpfend zu interpretieren, weil es dabei nur um eine Änderung der Finanzierungsart geht.
Bei der Kreditangebotspolitik der Banken gab es im ersten Quartal 2026 nur wenige Änderungen. Die Margen für durchschnittliche Kredite (nicht überdurchschnittlich riskante Kredite) wurden aufgrund der Wettbewerbssituation etwas gelockert (gesenkt). Für das zweite Quartal 2026 erwarten die befragten Banken hingegen mit der leichten Straffung ihrer Kreditrichtlinien eine Verschärfung der Angebotspolitik.
Ein längerer Rückblick auf die Angebotsentwicklung: Die Kreditangebotspolitik wurde vom Jahresbeginn 2022 bis zum ersten Quartal 2025 durchgehend restriktiver – sowohl hinsichtlich der Kreditrichtlinien als auch der Kreditbedingungen. Im vierten Quartal 2024 und im ersten Quartal 2025 kam es insbesondere zu auffälligen Verschärfungen bei den folgenden Kreditbedingungen: erhöhte Erfordernisse für Sicherheiten, strengere Zusatzvereinbarungen in Kreditverträgen (Covenants) und Beschränkungen bei der Höhe von Krediten oder Kreditrahmen. Im zweiten Quartal 2025 schwächte sich diese Entwicklung ab, und es kam nur mehr zu leichten Margenerhöhungen bei risikoreicheren Krediten. Parallel zu den beschriebenen Verschärfungen kam es ab Ende 2024 aber auch zu Lockerungen der Margen für durchschnittliche Kredite, insbesondere im zweiten und dritten Quartal 2025.
Die Gründe für die Entwicklung des Angebots detailliert und im längeren Rückblick: Gemäß den Umfrageergebnissen war die zunehmend angespannte Risikosituation der Hauptgrund für die angebotsseitigen Verschärfungen vom Jahresbeginn 2022 bis zum zweiten Quartal 2025 (siehe Grafik 2 bzgl. der Kreditrichtlinien und ihrer Einflussfaktoren). Die Risikoeinschätzung der Banken hat sich verschlechtert – sowohl hinsichtlich der allgemeinen Wirtschaftslage, der Geschäftslage und Kreditwürdigkeit der Unternehmen, als auch, in geringerem Ausmaß, hinsichtlich der Werthaltigkeit von Sicherheiten. Auch eine verminderte Risikotoleranz der Banken wurde wiederholt als Grund für Verschärfungen genannt – allerdings mit deutlich geringerem Einfluss als die Risikoeinschätzung. Aus der Umfrage geht hervor, dass die Risikosituation die gesamte Kreditangebotspolitik der Banken nach wie vor belastet und sich zuletzt sogar verschärft hat. Vom dritten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 hat sie aber kaum zu konkreten Änderungen bei Kreditrichtlinien und Kreditbedingungen geführt. Die Lockerungen der Margen für durchschnittliche Kredite ab Ende 2024 begründeten die Banken mit der Intensivierung des Wettbewerbs. Verbesserungen bei der Liquidität der Banken trugen in geringerem Ausmaß auch zu den Margensenkungen bei.
Die insgesamt verschärfte Angebotspolitik bedeutet auch strengere Kreditvergabeentscheidungen der Banken und mehr abgelehnte Kreditanträge. Der Anteil abgelehnter Kreditanträge von Unternehmen ist von 2022 bis 2024 deutlich gestiegen – vor allem im Kreditgeschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen, in geringerem Ausmaß im Kreditgeschäft mit großen Unternehmen. In den ersten beiden Quartalen 2025 blieb der Anteil abgelehnter Kreditanträge weitgehend unverändert auf einem im langfristigen Vergleich hohen Niveau; vom dritten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026 ist er wieder gestiegen – nun aber vor allem aufgrund abgelehnter Kreditanträge von großen Unternehmen.
Die Banken wurden diesmal auch zusätzlich zu den Auswirkungen des Nahost-Kriegs auf ihr Kreditgeschäft mit Unternehmen befragt. Der Nahost-Krieg hat am 28. Februar 2026 begonnen. Bis zum Abschluss der aktuellen Umfrage (Anfang April 2026) kam es gemäß den Angaben der Banken noch zu keinen oder nur geringen Auswirkungen. In den nächsten Monaten soll sich das allerdings ändern – vor allem, wenn der Konflikt länger dauert.
Angebotsseitig haben die Banken einige ihre Kreditrichtlinien zielgerichtet angepasst: Finanzierungen mit Bezug zur Kriegsregion werden vermieden, Abhängigkeiten der Unternehmen genau geprüft (Energiepreise, Lieferketten). Das betrifft nur einen kleinen Teil der Unternehmen. Es ist zu keinen generellen Verschärfungen des Kreditangebots im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg gekommen.
Seitens der Unternehmen führt der Nahost-Krieg zu erhöhter Unsicherheit und zu Zurückhaltung bei Investitionen – und demensprechend zu einer gedämpften Nachfrage nach langfristigen Investitionskrediten. Andererseits kann aufgrund von Preissteigerungen der Liquiditätsbedarf von Unternehmen zur Betriebsmittelfinanzierung zunehmen und zu einer erhöhten Nachfrage nach kurzfristigen Krediten führen. Diese Entwicklungen bzw. Erwartungen sind auch in den Standardergebnissen der Umfrage zu sehen (Tabelle 1).
2 Anhaltende Erholung der Nachfrage nach Wohnbaukrediten
Nach einem historischen Tief steigt die Nachfrage privater Haushalte nach Wohnbaukrediten nach Einschätzung der heimischen Banken seit dem ersten Halbjahr 2024 durchgehend (Tabelle 2). 2024 war der Anstieg noch moderat, danach ist er stärker ausgefallen – vor allem im ersten und zweiten Quartal 2025. Für das zweite Quartal 2026 wird eine Fortsetzung dieses Trends erwartet.
Als Hauptgrund für die gestiegene Nachfrage nennen die heimischen Banken das gesunkene Zinsniveau (Grafik 3), das wesentlich durch die Zinspolitik der EZB bestimmt wird. Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB ihren Leitzins schrittweise von 4 % auf 2 % gesenkt. Infolgedessen sind die Zinsen allgemein gefallen, und Kredite sind billiger geworden. Zusätzlich sind Kredite leistbarer geworden, weil die Realeinkommen der privaten Haushalte 2024 stark gestiegen sind. Die Finanzierung von privatem Wohnbau wurde wieder leichter möglich und entsprechende Finanzierungsanfragen bei den Banken nahmen zu.
Die Banken nannten auch verbesserte Aussichten am Wohnimmobilienmarkt und die voraussichtliche Preisentwicklung für Wohneigentum als wichtige Gründe für die gestiegene Nachfrage im Jahr 2025. Zudem wurde der Nachfrageaufschwung vom gestiegenen Optimismus der Haushalte getragen, die eine Wohnbaufinanzierung anstreben (Grafik 3, Säule „Konsument:innenvertrauen“). Das Auslaufen der Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung (KIM-V) mit Ende Juni 2025 hat gemäß den Umfrageergebnissen zusätzlich die Nachfrage nach Wohnbaukrediten leicht erhöht. Weiters verwiesen einzelne Banken auf solide Eigenmittel der Haushalte, die die Kreditfinanzierung besser ermöglichen und die Kreditnachfrage dementsprechend anregen.
Ein Rückblick auf die Nachfrageentwicklung der Jahre 2022 und 2023: Im zweiten Halbjahr 2022 war es zu einem markanten Nachfrageeinbruch gekommen, gefolgt von weiteren Rückgängen bis zum vierten Quartal 2023. Auch damals waren Zinsänderungen der wesentliche Einflussfaktor. Als Reaktion auf die hohe Inflation im Euroraum erhöhte die EZB ihren Leitzins zwischen Juli 2022 und September 2023 schrittweise von ‑0,5 % auf 4 %. Dadurch stiegen die Zinsen für neue Wohnbaukredite spürbar an, und Kredite wurden erheblich teurer.
Das Kreditangebot blieb im ersten Quartal 2026 weitgehend unverändert – wie auch schon im vierten Quartal 2025. Auch für das zweite Quartal 2026 erwarten die Banken hier keine Änderungen hinsichtlich der Kreditrichtlinien (Tabelle 2 und Grafik 4).
Ein längerer Rückblick auf die Angebotsentwicklung: Die Richtlinien für Wohnbaukredite wurden in den letzten drei Jahren nur vereinzelt angepasst. Die letzten deutlichen Änderungen der Kreditrichtlinien bzw. generell der Angebotspolitik für Wohnbaukredite (Kreditrichtlinien, Kreditbedingungen) erfolgten im dritten Quartal 2022: Verschärfungen aufgrund der Risikosituation und einer neuen Rechtslage für die Vergabe von Wohnbaukrediten (die oben bereits erwähnte KIM-V). Seit Mitte 2023 sind die Kreditzinsen und Margen für durchschnittliche Kredite (nicht überdurchschnittlich riskante Kredite) tendenziell gesunken. Dabei kam es in keinem Quartal zu ausgeprägten Anpassungen, aber immer wieder zu kleineren Änderungen. Die Lockerungen der Margen wurden von den Banken vor allem mit der Wettbewerbssituation begründet. Die Margen für risikoreichere Kredite blieben im genannten Zeitraum hingegen weitgehend konstant. Im dritten Quartal 2025 trug das oben erwähnte Auslaufen der KIM-V geringfügig zur Lockerung der Kreditbedingungen bei.
Der Anteil abgelehnter Kreditanträge für private Wohnbaufinanzierungen liegt seit dem ersten Quartal 2024 weitgehend unverändert auf einem im langfristigen Vergleich hohen Niveau. Davor stieg er vom dritten Quartal 2022 bis zum vierten Quartal 2023 fast durchgängig. Gründe für die Entwicklung der Ablehnungsrate werden im BLS nicht standardmäßig erhoben. Die erhöhte Ablehnungsrate lässt sich jedoch gut erklären: mit der verschärften Angebotspolitik ab dem dritten Quartal 2022 und dem damals herausfordernden Umfeld (gesunkene Leistbarkeit sowie gestiegene Zinsen, Inflation und Unsicherheit).
Neben den Umfrageergebnissen zeigt auch ein Blick auf die Kreditstatistik starke Änderungen im Geschäft mit Wohnbaukrediten in Österreich. Die Vergabe neuer Wohnbaukredite 3 durch die Banken ist von Juli 2022 auf August 2022 um mehr als die Hälfte eingebrochen (von 2,7 Mrd EUR auf 1,3 Mrd EUR), in den Folgemonaten weiter gesunken und zeigte sich lange sehr schwach – mit Tiefstwerten von jeweils 0,7 Mrd EUR im Dezember 2023 und Jänner 2024. Der starke Einbruch ist auf die oben beschriebenen Gründe zurückzuführen, wobei er hauptsächlich nachfrageseitig bestimmt gewesen sein dürfte. Die von den Banken gemeldeten Rückgänge bei der Kreditnachfrage waren deutlich ausgeprägter als die gemeldeten angebotsseitigen Verschärfungen.
2025 hat sich die Neukreditvergabe kräftig erholt. Im Jahresdurchschnitt wurden 1,4 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben – mit Spitzen von 1,6 Mrd EUR im April, Juli und Oktober. Das entspricht einem Zuwachs von fast 50 % gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2024. Die gemäß Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage nach Wohnbaukrediten signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten. Eine ähnlich expansive Kreditentwicklung wie bis Mitte 2022 ist aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Diese war jahrelang durch äußerst niedrige Zinsen getrieben. 4 Mit der EZB-Zinswende ab Juli 2022 kehrte sich die Entwicklung abrupt um (siehe Grafik 5 zur langfristigen Entwicklung der Neuvergabe von Wohnbaukrediten und des Zinsniveaus in Österreich). Zum Vergleich: 2017 und 2018, vor dem großen Kreditboom, wurden durchschnittlich 1,5 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben – also etwas mehr als 2025, bei damals um 1,5 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021, mitten im Kreditboom, betrug die Neukreditvergabe für privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd EUR pro Monat, bei damals um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen.
Bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten kam es im ersten Quartal 2026, wie auch in den Quartalen davor, sowohl angebots- als auch nachfrageseitig zu keinen nennenswerten Änderungen (Tabelle 2).
3 Refinanzierungssituation der Banken verbessert
Bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen kam es vom zweiten Quartal 2024 bis zum ersten Quartal 2026 fast durchgehend zu deutlichen Verbesserungen für die Banken (Tabelle 3). Ansonsten meldeten die befragten Banken in den letzten beiden Jahren nur wenige Änderungen bei ihrer Refinanzierungssituation. Im Ausblick auf das zweite Quartal 2026 erwarten sie leichte Verschlechterungen bei der Refinanzierung am kurzfristigen Geldmarkt.
4 Gestiegene Bedeutung notleidender Kredite für die Kreditvergabepolitik der Banken gegenüber Unternehmen
Der BLS thematisiert regelmäßig die Auswirkungen notleidender Kredite bzw. der Kreditqualität auf die Vergabepolitik der Banken (seit 2025 vierteljährlich, davor halbjährlich).
Gemäß den Angaben der Banken führten notleidende Kredite über Jahre hinweg bis Mitte 2023 kaum zu Verschärfungen ihrer Kreditvergabepolitik gegenüber Unternehmen und privaten Haushalten. Wie die Umfrageergebnisse zeigen, wurden jedoch vom zweiten Halbjahr 2023 bis zum ersten Quartal 2025 die Richtlinien und Bedingungen für Kredite an Unternehmen aufgrund nachlassender Kreditqualität verschärft. Die Banken begründeten das hauptsächlich mit der Risikosituation. Seitdem wurden diesbezüglich nur vereinzelt weitere Verschärfungen gemeldet. Auch für das zweite Quartal 2026 ist – den aktuellen Erwartungen der befragten Banken nach – keine nennenswerte Änderung der Kreditvergabepolitik aufgrund notleidender Kredite zu erwarten.
Nähere Informationen zu notleidenden Krediten und anderen für die Finanzmarktstabilität relevanten Entwicklungen sind den halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsberichten der OeNB zu entnehmen.
5 Deutliche Auswirkungen der EZB-Leitzinsentscheidungen auf die Ertragslage der Banken
Im Rahmen des BLS werden die Banken halbjährlich zu den Auswirkungen der Leitzinsentscheidungen auf ihre Ertragslage befragt.
Für das zweite und dritte Quartal 2026 erwarten die Banken positive Effekte der EZB-Zinspolitik auf ihrer Ertragslage – hauptsächlich aufgrund von Margeneffekten (Veränderungen der Zinssätze von zinstragenden Aktiva und Passiva). Das deckt sich mit den Erwartungen auf den Finanzmärkten, die von EZB-Zinserhöhungen in den kommenden Monaten ausgehen.
Auch in der Vergangenheit zeigten die Antworten auf diese Frage einen deutlichen Zusammenhang zwischen EZB-Zinspolitik und Ertragslage der Banken: Die EZB erhöhte die Leitzinsen von Juli 2022 bis September 2023. Die Banken meldeten diesbezüglich äußerst positive Auswirkungen auf ihre Ertragslage. Ihr Zinsergebnis profitierte stark durch Margeneffekte vom Anstieg der Leitzinsen.
Von Juni 2024 bis Juni 2025 hat die EZB die Leitzinsen hingegen gesenkt – und die Banken berichteten von Verschlechterungen beim Zinsergebnis aufgrund von Margeneffekten vom zweiten Quartal 2024 bis zum dritten Quartal 2025.
6 Verbriefungsgeschäfte der Banken und ihre Auswirkungen auf die Kreditvergabe
In einer neuen Fragestellung, die in jährlicher Frequenz wiederholt werden soll, behandelt der BLS Verbriefungsgeschäfte. Dabei werden die an der Umfrage teilnehmenden Banken gefragt, welche Bedeutung Verbriefungsgeschäfte für sie haben, aus welchen Gründen sie Kredite verbriefen, mit wem sie die Geschäfte tätigen und welche Auswirkungen die Verbriefungstätigkeit auf ihre Kreditvergabe hat.
Gemäß den Ergebnissen ist Kreditverbriefung nur für einen Teil der befragten Banken von Bedeutung – und dabei fast nur in Form der synthetischen Verbriefung mit signifikanter Risikoübertragung. Die Verbriefung erfolgt also mittels Kreditrisikoderivaten oder Finanzgarantien. Die Kredite bleiben in der Bankbilanz. Durch die signifikante Übertragung der Kreditrisiken wird das erforderliche regulatorische Eigenkapital der Bank verringert. Dementsprechend nennen die Banken auch die Hauptgründe für die Verbriefungstätigkeit: Steuerung des Kreditrisikos und Freisetzung von Kapital für die Vergabe neuer Kredite. Als weitere Gründe melden sie die Erfüllung von regulatorischen oder aufsichtlichen Anforderungen sowie Marktentwicklung bzw. Präsenz im Geschäftsfeld. Die Banken geben an, vor allem mit Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds/-kassen Verbriefungsgeschäfte zu tätigen – aber auch mit supranationalen Institutionen und öffentlichen Entwicklungsfonds, sowie mit privaten Investmentfonds. Auf die Kreditvergabe haben sich die Verbriefungsgeschäfte in den letzten zwölf Monaten kaum ausgewirkt – weder auf die Kreditrichtlinien noch auf das Kreditvolumen. Auch für die nächsten zwölf Monate werden kaum Auswirkungen erwartet.
7 Kasten 1: Erläuterungen zur Umfrage
Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS) durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken und das Kreditnachfrageverhalten von Unternehmen und privaten Haushalten zu verbessern. Dabei werden rund 160 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich. Dieser Bericht bezieht sich auf die Angaben dieser acht Institute. Seit der Umfrage für das erste Quartal 2015 wird ein revidierter und erweiterter Fragebogen verwendet. Mit den Umfragen für das erste Quartal 2022 und das erste Quartal 2024 wurden einige der bestehenden Standardfragen erweitert.
Kreditrichtlinien sind die bankinternen Kriterien (sowohl die schriftlich festgelegten als auch die ungeschriebenen), die bestimmen, unter welchen Voraussetzungen eine Bank Kredite vergeben möchte.
Kreditbedingungen sind die speziellen Verpflichtungen, auf die sich Kreditgeber und Kreditnehmer einigen (z. B. Zinssätze, Margen, Nebenkosten, Sicherheitenerfordernisse usw.). Seit der Umfrage für das erste Quartal 2024 werden Zinssätze als Teil der Kreditbedingungen erfasst. Seitdem sind die Kreditbedingungen daher breiter definiert.
Kreditmargen sind Aufschläge auf relevante Referenzzinssätze bzw. die Differenzen zwischen Kreditzinssätzen und Refinanzierungszinssätzen. Im Rahmen des BLS wird bei einer Verringerung der Margen von einer Lockerung und bei einer Erhöhung der Margen von einer Verschärfung gesprochen. Eine Lockerung der Margen ist für Kreditnehmer positiv, schränkt aber unmittelbar die Ertragsmöglichkeiten der Banken als Kreditgeber ein.
Der Saldo aus positiven und negativen Antworten errechnet sich aus der Anzahl der Banken, die auf eine Frage in positiver Richtung antworten (z. B. Lockerung der Margen, Steigerung der Nachfrage) abzüglich der Anzahl der Banken, die auf eine Frage in negativer Richtung antworten (z. B. Verschärfung der Margen, Rückgang der Nachfrage). Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen hier als Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
Der Nettoprozentsatz ist der Saldo aus positiven und negativen Antworten im Verhältnis zur Anzahl der Antworten insgesamt. Wenn z. B. von acht antwortenden Banken zwei angeben, dass die Nachfrage nach Wohnbaukrediten gestiegen ist, eine angibt, dass die Nachfrage gesunken ist, und die übrigen fünf angeben, dass die Nachfrage unverändert geblieben ist, dann ergibt sich ein Saldo von +1 bzw. ein Nettoprozentsatz von +12,5. In diesem Beispiel gibt ein Überhang von nur einer Bank eine Nachfragesteigerung an – zu wenig, um daraus eine allgemeine Aussage abzuleiten. In einem solchen Fall muss von einer weitgehend unveränderten Situation ausgegangen werden.
Veröffentlichungshinweise: Die Berichte der OeNB zur Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS) erscheinen seit Juli 2023 in der Publikationsreihe „ OeNB Reports “. Davor erschienen sie in der OeNB-Publikation „ Statistiken – Daten & Analysen “. Links, weitere Informationen und Daten zu den Österreich-Ergebnissen sind auf der OeNB-Website zu finden. Euroraum-Ergebnisse veröffentlicht die EZB.
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Das Eurosystem, bestehend aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Länder des Euroraums (in Österreich die OeNB), führt jedes Quartal eine Umfrage durch, um Informationen über Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen und privaten Haushalten zu erheben. Befragt werden dabei leitende Kreditmanager:innen großer Banken im Euroraum. Methodisch ist die Umfrage eine qualitative Erhebung. Die Antworten werden auf einer Ordinalskala erfasst. Die Fragen beziehen sich auf Veränderungen zur Vorperiode und die Gründe dafür. Die diesem Bericht zugrunde liegende Umfrage wurde von Mitte März bis Anfang April 2026 durchgeführt. Redaktionsschluss für sonstige Daten: 17. April 2026. ↩︎
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Die erste Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum bezog sich auf das vierte Quartal 2002. Seitdem fällt der Nachfragerückgang im dritten Quartal 2023 besonders stark auf; etwas geringer war der Rückgang im zweiten Quartal 2024. Ähnlich deutliche punktuelle Einbrüche wurden bisher nur für das vierte Quartal 2008 und das erste Quartal 2009 im Zuge der globalen Finanzkrise sowie für das dritte Quartal 2012 im Zuge der Staatsschuldenkrise berichtet. ↩︎
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Echte Neukreditvergabe ohne neuverhandelte Kredite österreichischer Banken an inländische private Haushalte; Quelle: OeNB. ↩︎
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In der Umfrage wurde das allgemeine Zinsniveau vom ersten Quartal 2015 bis zum zweiten Quartal 2022 als mit Abstand häufigster Grund für die gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten genannt. Davor wurde das allgemeine Zinsniveau nicht standardmäßig als Einflussfaktor auf die Nachfrage erhoben. ↩︎