OeNB Report 2026/18: Österreichs Außenwirtschaft – zwischen Risiken und Chancen
Jacob Wagner, Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, jacob.wagner@oenb.at.
Patricia Walter, Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, patricia.walter@oenb.at.
Veröffentlichung: 23. Juni 2026
Das Volumen österreichischer Exporte und Importe von Gütern und Dienstleistungen ist 2025 um 2,7 % auf rund 554 Mrd EUR gewachsen. Dies zeigt die Außenwirtschaftsstatistik der OeNB. Trotz des schwierigen Umfelds erzielte Österreich einen Leistungsbilanzüberschuss von 9,5 Mrd EUR (1,9 % des BIP). Haupttreiber war der Tourismus, aber auch der Güterhandel generierte stabile Einnahmen. 2026 stellen die Folgen des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten Österreichs Außenwirtschaft vor weitere Herausforderungen: Die Energiepreise, insbesondere Rohöl, sind deutlich gestiegen – jedoch bisher weniger stark als in früheren Krisen. Gleichzeitig bieten neue Handelsabkommen auch Chancen für Österreichs Exportwirtschaft. In den ersten drei Monaten 2026 hat sich die positive Entwicklung der Leistungsbilanz laut aktuellen Zahlen der OeNB noch fortgesetzt.
JEL-Klassifizierung: F14, F21
Schlagwörter: Außenwirtschaft, Leistungsbilanz, Güterbilanz, Reiseverkehr, Internationale Vermögensposition, Direktinvestitionen
Highlights
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Österreichs Außenwirtschaft bleibt stabil: 2025 betrug das Leistungsbilanzplus 9,6 Mrd EUR oder 1,9 % des BIP. Der Vermögensüberschuss lag bei rund 135 Mrd EUR bzw. 26,2 % des BIP.
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US-Zölle führen noch nicht zu Standortverschiebungen: Die Direktinvestitionen zeigen wenig Dynamik. Eine Abwanderung österreichischer Firmen in die USA ist bislang nicht zu beobachten.
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Gemischte Aussichten im Reiseverkehr: Die Bedeutung von Gästen aus dem arabischen und asiatischen Raum ist für Österreich insgesamt zwar gering, aber speziell für den Tourismus in Wien und Salzburg bedeutsam.
1 Herausfordernde Rahmenbedingungen
Im Jahr 2025 ist der Warenhandel weltweit überraschend stark gewachsen. Die UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) geht von einem Plus von rund 7 % (in US-Dollar) aus – ein kräftiger Anstieg angesichts der vorherrschenden geopolitischen Spannungen und höheren Kosten durch eine unsichere und fragmentierte Handelspolitik. 1 Vor allem der Handel der asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländer (insbesondere Taiwan, Hongkong, Vietnam) ist deutlich gewachsen. Der globale Dienstleistungsverkehr (ohne Reiseverkehr) stieg sogar um 8 %. Ersten Zahlen zufolge dürften die Ankünfte ausländischer Gäste im weltweiten Tourismus um 4 % gestiegen sein, was ein neues Rekordjahr bedeutet (laut United Nations World Tourism Organization). Die Reiseverkehrseinnahmen stiegen um rund 8 %.
Auch der gesamte Güterhandel Österreichs, gemessen als Beitrag zur Wertschöpfung in Österreich, konnte trotz des unsicheren internationalen Umfelds ein Plus verzeichnen. Mit +1,8 % fiel dieses jedoch im internationalen Vergleich verhalten aus. Die Dienstleistungserlöse (ohne Tourismus) wuchsen stärker (+3,9 %), und der Reiseverkehr entpuppte sich mit einem Plus von 6,6 % abermals als das Zugpferd der heimischen Außenwirtschaft (zumindest zu laufenden Preisen).
Die globalen strategischen Unternehmensbeteiligungen (Direktinvestitionen) liefern für 2025 kein einheitliches Bild. Laut OECD wuchsen die gesamten globalen Direktinvestitions-Transaktionen um 15 %. Das Wachstum geht jedoch auf höhere Konzernkredite und reinvestierte Gewinne zurück. Die für die Realwirtschaft besonders wichtigen Greenfield-Investitionen, also Direktinvestitionen mit dem Zweck, neue Produktionsstandorte zu errichten, fielen um 3 %. Die Anzahl der Greenfield-Investitions-Projekte sank um 14 %. Die Direktinvestitionen aus Drittländern in der EU fielen um 5 %, während die Direktinvestitionen der EU im außereuropäischen Ausland um 10 % stiegen.
Insgesamt hat die Außenwirtschaft Österreichs positiv bilanziert, d. h. die Exporte überstiegen die Importe. Damit trug sie auch positiv zur gesamten Wirtschaftsleistung bzw. zur Wertschöpfung bei. Die Konjunktur erholte sich leicht: in realer Rechnung +0,6 %, zu laufenden Preisen +3,8 %. Somit war erstmals nach zwei Jahren und trotz der schwierigen internationalen Rahmenbedingungen ein Wachstum zu verzeichnen.
Auch zu Jahresbeginn 2026, bis zum Ausbruch des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten, waren die Konjunkturaussichten in Österreichs noch vorsichtig positiv (laut WIFO +0,2 % saisonbereinigt zum Vorquartal). Doch gerade die Außenwirtschaft steht aktuell vor großen Herausforderungen durch die unvorhersehbare Entwicklung des Kriegs und die erratische US-Handelspolitik. Die Folge ist eine hohe Verunsicherung bei den außenwirtschaftlich aktiven Unternehmen, die sich mit steigenden Preisen konfrontiert sehen.
Diese ergeben sich sowohl durch eine neuerliche Energiekrise als auch durch gestiegene Handelskosten wegen unvorhersehbaren, kurzfristigen Änderungen von Zollbestimmungen. 2
Aber es sind auch neue Wachstumschancen in der Außenwirtschaft entstanden. Dazu zählen die Handelsbeziehungen mit potenziellen Wachstumsmärkten, die durch neue oder vertiefte Handelsabkommen der EU geschaffen werden.
Die Aussichten im heimischen Reiseverkehr werden durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten getrübt. Neben dem allgemeinen Preisanstieg von Flugtickets und der Sorge um eine Kerosinknappheit dürften durch die Unterbrechung von Flugrouten insbesondere weniger Gäste aus den betroffenen Herkunftsländern als auch aus dem asiatischen Markt nach Österreich kommen. Da Österreich aber ein sicheres und attraktives Tourismusziel ist, besteht zugleich die Aussicht, verstärkt Gäste aus Europa und dem Inland anzuziehen. Dies dürfte nicht zuletzt auch der Reichweite des Eurovision Song Contest 2026 geschuldet sein.
Österreichs Direktinvestitionen waren 2025 negativ, bedingt durch die Restrukturierungen von multinationalen Konzernen, von denen jedoch keine negativen Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu erwarten sind. Der Ausblick für 2026 lässt eine Trendumkehr und positive Impulse erwarten, da größere Direktinvestitionsprojekte angekündigt sind.
In den folgenden Kapiteln wird insbesondere auf das Thema „Handel“ abgestellt, sowohl in Form des grenzüberschreitenden Handels mit Gütern und Dienstleistungen als auch in Form der Schaffung von Unternehmensstandorten im Ausland, nämlich Direktinvestitionen. Ein spezieller Fokus liegt auf dem für Österreich wichtigen Reiseverkehr.
2 Österreichs Außenwirtschaft bleibt stabil
Die Europäische Kommission beurteilt die wirtschaftliche Stabilität der Mitgliedsländer anhand einer Liste ausgewählter statistischer Indikatoren, zu denen Richtwerte gesetzt wurden. Jene Indikatoren zur Einschätzung der äußeren Stabilität werden in Österreich von der OeNB in Kooperation mit der Statistik Austria erstellt. Grafik 1 zeigt die beiden wesentlichsten Indikatoren: den Leistungsbilanzsaldo und die Internationale Vermögensposition.
Grafik 1
2025 setzte Österreich seinen stabilen Entwicklungspfad mit einem Leistungsbilanzplus von 9,6 Mrd EUR oder 1,9 % des BIP und einem Vermögensüberschuss in Höhe von rund 135 Mrd EUR bzw. 26,2 % des BIP fort.
Während die Hauptindikatoren eine stabile, nachhaltige Entwicklung der Außenwirtschaft Österreichs signalisieren, zeigt sich bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ein differenzierteres Bild. Dazu zählt die Entwicklung der Exporte, die im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Die Exportleistung Österreichs ging zwar in einzelnen Jahren zurück, allerdings lag der Rückgang nur knapp über dem indikativen Schwellenwert der Europäischen Kommission (-3 %). Im Vergleich zu Österreich hat die große Exportnation Deutschland mit deutlich höheren Rückgängen zu kämpfen. Der Indikator der Europäischen Kommission basiert auf der Exportleistung der Länder gegenüber fortgeschrittenen Volkswirtschaften, d. h. dem Anteil der Exporte von Waren und Dienstleistungen eines Landes im Verhältnis zu den Gesamtausfuhren der Vergleichsländer (Dreijahresveränderung in %).
Grafik 2
Was in den letzten Jahren eine besondere Herausforderung für heimische Unternehmen darstellte, war der im Vergleich mit den anderen Ländern der EU bzw. des Euroraums stärkere Preisanstieg in Österreich, was die preisliche Wettbewerbsfähigkeit belastete. 2025 konnte dieser Effekt etwas eingedämmt werden. Der Abstand der Kerninflation in Österreich zu jener im Euroraum hat sich verringert, und die Entwicklung des real-effektiven Wechselkurses (Dreijahresveränderung in %) im Vergleich zum Euroraum (siehe Grafik 3) etwas verlangsamt, liegt aber – wie auch jene des Euroraums insgesamt – deutlich über dem indikativen Richtwert (+/-3 %). 3
Grafik 3
3 Handelsvolumen und Außenbeitrag entwickeln sich positiv
Das Handelsvolumen Österreichs wird von den Güterexporten und -importen bestimmt, die 2025 ein Volumen von insgesamt 374 Mrd EUR erreichten (Exporte und Importe, siehe Grafik 4a). Im Jahresvergleich war das Wachstum verhalten, die Importe stiegen dabei stärker (+2,3 %) als die Exporte (+1,8 %). Trotz des international schwierigen Umfelds kam es jedoch insgesamt zu keinem Rückgang der Exporterlöse, und die Güterbilanz blieb mit 5,1 Mrd EUR bzw. 1 % des BIP positiv.
Das Verhältnis von Export- zu Importpreisen (Terms of Trade) entwickelte sich dabei zugunsten der heimischen Exporteure. Das heißt, die Exportpreise nahmen leicht zu, während der Rückgang der Importpreise noch anhielt. Der Blick auf die Rohstoffpreise zeigt, dass diese seit dem Peak im Jahr 2022 kontinuierlich gefallen sind (Rohstoffpreisindex für Österreich). 2025 hat der Euro-Wert von eingeführtem Erdöl und Gas deutlich stärker abgenommen als die importierte Menge in Kilogramm.
Die Exporte und Importe von Dienstleistungen (ohne Tourismus) verzeichneten 2025 ein stärkeres Wachstum als der Güterhandel, knapp +4 % und +3,5 %. Nach wie vor drückt jedoch die negative Dienstleistungsbilanz auf das gesamte Außenwirtschaftsergebnis Österreichs. Besonders stark belastet der Zukauf von Werbung und Marktforschung aus dem Ausland die Bilanz. Zwar exportiert Österreich noch immer per saldo technisches Know-how, doch werden auch diese spezialisierten Dienstleistungen von heimischen Unternehmen zunehmend ins Ausland ausgelagert. Das verringert den positiven Beitrag der Technologie zur Dienstleistungsbilanz insgesamt.
Die Einnahmen aus dem Tourismus aus dem Ausland („Inbound-Tourismus“) zeigen mit einem Plus von 6,6 % auf den ersten Blick die erfreulichste außenwirtschaftliche Entwicklung in Österreich. Während der Einnahmenstrom im Vergleich zum Umfang der übrigen Außenwirtschaftsbereiche, insbesondere dem Güterhandel, vergleichsweise niedrig ist, ist der saldierte Beitrag zum gesamten Außenwirtschaftsergebnis von großer Bedeutung.
Das heißt, Österreich als beliebtes Reiseverkehrsziel stützt mit einem Bilanzüberschuss von 9,8 Mrd EUR die Leistungsbilanz und damit den Auslandsteil des BIP (siehe Grafik 4b).
Grafik 4a
Grafik 4b
4 Vom Außenhandel zum Güterhandel – vom Defizit zum Überschuss
Die klassische Vorstellung von Außenhandel ist, dass Waren über die Grenze Österreichs ein- bzw. ausgeführt werden. Im Zeitalter der Globalisierung von Unternehmensstandorten und der weltweiten Arbeitsteilung wird aber der Grenzhandel vom globalen Handel ergänzt. 2025 bilanzierte der klassische Außenhandel, den Statistik Austria als Grenzhandel erhebt, sogar negativ (-6,6 Mrd EUR). Wenn man jedoch – wie in der OeNB-Außenwirtschaftsstatistik – den Eigentumsübergang der Güter berücksichtigt (unabhängig von einem Grenzübertritt), ergibt sich ein positives Ergebnis von 5,1 Mrd EUR oder 1 % des BIP. Kasten 1 zeigt die vollständige Überleitung von der Außenhandelsstatistik zur Güterbilanz.
Kasten 1: Vom Außenhandel zur Güterbilanz
Tabelle K1
| 2024 | 2025 | ||||||
| Credit | Debet | Netto | Credit | Debet | Netto | ||
| in Mio EUR | |||||||
| Warenverkehr gemäß Außenhandelsstatistik | 191.185 | 188.990 | 2.194 | 190.136 | 196.720 | -6.582 | |
| - | Lohnveredelung im Ausland | -2.117 | -2.413 | 296 | -2.261 | -2.886 | 625 |
| - | Lohnveredelung im Inland | -3.246 | -2.752 | -494 | -3.889 | -2.506 | -1.383 |
| - | c.i.f/f.o.b-Korrektur | -2.322 | 2.322 | -2.190 | 2.190 | ||
| - | Korrektur des Warenverkehrs um EU-Zollgebühren | -242 | 242 | -354 | 354 | ||
| - | Korrektur des Warenverkehrs um ausländische Einheiten | -14.466 | -6.338 | -8.128 | -9.992 | -6.881 | -3.111 |
| - | Korrektur des Warenverkehrs im Rahmen der Input/Output-Analyse | -4.995 | -934 | -4.061 | -3.399 | -3.439 | 40 |
| + | Güterverkehr ohne Grenzübertritt | 14.839 | 5.793 | 9.046 | 14.460 | 5.532 | 8.928 |
| + | illegaler Güterverkehr | 256 | -256 | 264 | -264 | ||
| + | Hilfslieferungen | 10 | 10 | 1 | 1 | ||
| + | wertvolle Güter im Reiseverkehr | 46 | -46 | 36 | -36 | ||
| + | Transithandelserträge | 4.878 | 4.878 | 4.297 | 4.297 | ||
| Güterverkehr gemäß Zahlungsbilanzstatistik | 186.086 | 180.084 | 6.002 | 189.354 | 184.292 | 5.062 | |
| Anmerkung: 2024 revidierte Daten, 2025 provisorische Daten. | |||||||
| Quelle: OeNB, Statistik Austria. | |||||||
Der reine Außenhandel als Grenzhandel ist nicht relevant für die Messung der Wirtschaftsleistung bzw. der Wertschöpfung. Wichtige Bestandteile des Güterhandels, die in der Außenwirtschaftsstatistik erfasst werden, fehlen im Außenhandel, weil sie nicht mit einem Grenzübertritt in Österreich einhergehen. Dazu zählen sowohl der Transithandel, also die Erlöse aus der internationalen Handelsvermittlung von Gütern, als auch der Zu- und Verkauf von Gütern durch österreichische Unternehmen im Zuge internationaler Produktionsketten, d. h. über Unternehmensstandorte im Ausland.
Da der Außenhandel die Bewertung der Wareneinfuhren und -ausfuhren an der Grenze bestimmt, sind in den Einfuhren Aufwendungen für Transport und Versicherung enthalten. Für die Außenwirtschaftsstatistik werden diese herausgerechnet, da es sich um Dienstleistungen, nicht um Warenbestandteile handelt (c.i.f-f.o.b-Korrektur). Gleichzeitig enthält der Außenhandel im Gegensatz zur Außenwirtschaftsstatistik reine Verbringungen von Waren ins und aus dem Ausland für die Weiterverarbeitung, ohne dass ein Export oder Import, also ein Verkauf oder Kauf aus Österreich, stattgefunden hat.
Beim Güterhandel mit den USA führt ein weiterer Unterschied in den Konzepten zwischen der Außenhandelsstatistik der Statistik Austria und der Außenwirtschaftsstatistik der OeNB zu deutlichen Unterschieden in den Ergebnissen. Güterhandel in der Außenwirtschaftsstatistik setzt voraus, dass ein Unternehmen in Österreich ansässig ist. Der Außenhandel berücksichtigt hingegen auch Unternehmen, die in einem anderen EU-Staat ihren Sitz haben und sich in Österreich nur zur Umsatzsteuer angemeldet haben, z. B. weil sie hier ein Lager unterhalten oder ein verbundenes Unternehmen haben.
Die österreichischen Ausfuhren (mit Grenzübertritt) in die USA blieben über einen langen Zeitraum (bis 2023) unter den Güterexporten laut Außenwirtschaftsstatistik. In den Jahren 2023 und 2024 kam es zu einem markanten Anstieg der österreichischen Ausfuhren in die USA, was im Besonderen pharmazeutische Produkte betraf. Da es sich hierbei aber mehrheitlich nicht um Exporte österreichischer Unternehmen handelte, spiegelt sich dieser Anstieg nicht in den Güterexporten der Außenwirtschaftsstatistik wider. Dieser Sondereffekt in der Außenhandelsstatistik von Statistik Austria ist 2025 ausgelaufen, was zu einem beträchtlichen Minus (-20 %) vis-a-vis den USA führte. Die Außenwirtschaftsstatistik der OeNB zeigt hingegen ein Plus von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr. Das weist darauf hin, dass trotz der Einführung von US-Importzöllen seit April 2025 der Einfluss des statistischen Sondereffekts auf die Exporte in die USA höher ausgefallen ist als der negative Zolleffekt.
5 Internationale Konflikte und Fernreisen – Risiko oder auch Chance für Österreichs Tourismus?
2025 wuchsen die Reiseverkehrseinnahmen Österreichs aus dem Ausland auf 25,9 Mrd EUR. Im Durchschnitt gaben ausländische Gäste pro Nächtigung in Österreich 222 EUR aus. Dieser Betrag enthält Ausgaben für Hotellerie und Gastronomie sowie alle Nebenausgaben wie Skiliftkarten, Konzerttickets oder Einkäufe. Die Tourist:innen gaben damit durchschnittlich um rund 4 % mehr aus als im Jahr davor, wobei der Preisanstieg im heimischen Tourismus (WIFO-Exportpreisindex) 4,6 % betrug. Dieser war somit abermals stärker als der Anstieg der Ausgaben, und die Tourismusbranche verzeichnete preisbereinigt sogar ein leichtes Minus. Anders ausgedrückt: aufgrund der anhaltend hohen Preise in Österreich schränken die ausländischen Gäste ihre Ausgaben immer noch ein. Die gute Nachricht ist, dass dieser Effekt im vergangenen Jahr weiter abgenommen hat (siehe Grafik 5).
Grafik 5
Das Ausgabeverhalten der ausländischen Gäste unterscheidet sich je nach Herkunftsland deutlich. So gaben deutsche Gäste im Durchschnitt 196 EUR pro Nächtigung aus. Deutschland ist der bedeutendste Herkunftsmarkt für Österreichs Tourismus mit einem Anteil an den gesamten Reisverkehrseinnahmen aus dem Ausland von 44 %. Deutlich höher sind die Durchschnittsausgaben von Schweizer Gästen, die zu den „Big Spenders“ im heimischen Tourismus zählen.
Neben der Wahl der Hotelkategorie spielen eine Vielzahl anderer Konsumfaktoren eine Rolle für die Höhe der Durchschnittsausgaben im Tourismus. Dazu zählen die teureren Nebenausgaben im Winter- im Vergleich zur Sommersaison oder teurere Individual- im Gegensatz zu Pauschal- und Gruppenreisen. Bei den Durchschnittsausgaben von Gästen aus den Nachbarländern wie der Schweiz kommen zusätzlich zum Übernachtungstourismus der Tages- und Einkaufstourismus sowie die Pendler:innen dazu, was zu höheren Durchschnittsausgaben im Vergleich zu den getätigten Nächtigungen führt.
Auch bei den Fernreisenden zeigen sich deutliche Ausgabenunterschiede: US-Amerikaner:innen gaben 2025 im Durchschnitt wesentlich mehr aus (325 EUR) als chinesische (194 EUR) und arabische Gäste (186 EUR). Gäste aus dem arabischen Raum haben einen überdurchschnittlichen Schwerpunkt im Sommertourismus (75 %) und einen hohen Anteil im außerstädtischen Tourismus (63 %).
Sollte der Konflikt im Nahen und Mittleren Osten länger anhalten, hätte dies nur geringe Auswirkungen auf die österreichischen Tourismuseinnahmen. Die Herkunftsmärkte, die der Konflikt u.a. wegen des wichtigen Flugverkehrsknotenpunkts Dubai in besonderem Maß betrifft, machten 2025 nur rund 4 % der gesamten Reiseverkehrseinnahmen im Jahr 2025 aus, das sind rund 1 Mrd EUR.
Die Betroffenheit variiert allerdings nach Bundesland. Während Gäste aus Deutschland und der Schweiz hauptsächlich in Tirol Urlaub machen, suchen chinesische und amerikanische Gäste vorrangig die Hauptstadt Wien auf (Grafik 6). Gäste aus dem arabischen Raum haben den weithin bekannten Schwerpunkt in Salzburg bzw. Zell am See.
Grafik 6
Das Thema Reisesicherheit kann für Österreich allerdings auch eine Chance sein. Um dies für 2026 einschätzen zu können, lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung von Reisedestinationen im Nahen Osten und in Asien für den weltweiten Reiseverkehr: Es zeigt sich, dass der Nahe Osten (einschließlich der Türkei) im Jahr 2024 – dem letzten Jahr, für das es weltweite Daten der Welthandelsorganisation (WTO) zum Zeitpunkt der vorliegenden Publikation gab – in etwa 12 % der gesamt erfassten Erlöse von Auslandsreisenden lukrierte, Asien in etwa 20 %. Auf Österreich entfiel ein Anteil von 2 %, auf alle EU-Länder 29 %.
6 Internationale Vermögensposition so hoch wie noch nie
Die Internationale Vermögensposition Österreichs, also die Forderungen der gesamten Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland, betrug Ende 2025 1.237,6 Mrd EUR (Tabelle 1). Die Verbindlichkeiten betrugen 1.103 Mrd EUR. Das ergibt eine positive Nettoposition von 134,6 Mrd EUR, wodurch Österreich Nettogläubiger gegenüber dem Ausland ist.
Tabelle 1
| 2025 | ||||
| Anfangsstand | Transaktionen |
Bewertungseffekte und
Reklassifikationen * |
Endstand | |
| in Mio EUR | ||||
| Kapitalbilanz / Vermögensposition netto | 117.947 | 16.050 | 556 | 134.553 |
| Bruttovermögensposition – Forderungen | 1.189.678 | 34.345 | 13.559 | 1.237.582 |
| Bruttovermögensposition – Verbindlichkeiten | 1.071.731 | 18.281 | 13.017 | 1.103.029 |
| Direktinvestitionen i.w.S. | 77.424 | 4.951 | -9.640 | 72.735 |
| Forderungen | 375.089 | -4.652 | -3.986 | 366.451 |
| Verbindlickheiten | 297.665 | -9.603 | 5.654 | 293.716 |
| Portfolioinvestitionen | -38.090 | 2.366 | 1.557 | -34.167 |
| Forderungen | 426.593 | 28.949 | 14.531 | 470.073 |
| Verbindlichkeiten | 464.683 | 26.583 | 12.975 | 504.241 |
| Finanzderivate netto | -1.218 | -572 | 3.146 | 1.356 |
| Sonstige Investitionen | 45.760 | 7.780 | -3.957 | 49.583 |
| Forderungen | 332.461 | 14.260 | -11.219 | 335.502 |
| Verbindlichkeiten | 286.700 | 6.480 | -7.262 | 285.918 |
| Währungsreserven | 34.070 | 1.522 | 9.454 | 45.046 |
| Anmerkung: Provisorische Daten. Bewertungseffekte beinhalten Preis- und Wechselkurseffekte. | ||||
| Quelle: OeNB. | ||||
Die Steigerung der Bestände erklärt sich insbesondere durch die Entwicklungen am Kapitalmarkt (Portfolioinvestitionen). Die gesamten Forderungen sind seit dem Ultimo 2024 um 47,9 Mrd EUR gestiegen, die Portfolioinvestitionen haben 43,5 Mrd EUR beigetragen. Verantwortlich dafür waren das Anlageverhalten österreichischer Investoren und Kursgewinne. Insgesamt wurden 29 Mrd EUR in ausländische Wertpapiere investiert. Die größten Investoren waren inländische Fonds (7,5 Mrd EUR), Haushalte und Banken (jeweils 6,8 Mrd EUR). Die globalen Kursanstiege führten in der Kategorie der Portfolioinvestitionen zu einem Zuwachs von +27,8 Mrd EUR. Einzig die Wechselkurse leisteten einen negativen Beitrag, sie reduzierten die Bestände um 13,3 Mrd EUR.
Die gesamten Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland sind seit dem Ultimo 2024 um 31,2 Mrd EUR gestiegen. Dem Zuwachs im Bereich der Portfolioinvestitionen (+39,6 Mrd EUR) stehen die Entwicklungen der anderen funktionalen Kategorien wie der Direktinvestitionen (-3,9 Mrd EUR) entgegen. Ausländische Investoren kauften Wertpapiere um 26,6 Mrd EUR vom österreichischen Kapitalmarkt. Vor allem langfristige verzinsliche Wertpapiere, also Anleihen, waren gefragt (27,6 Mrd EUR). Die Preise stiegen um 18,3 Mrd EUR. Negative Wechselkurseffekte in Höhe von -3,9 Mrd EUR verringerten die Bestände etwas.
Die Bestände der strategischen Beteiligungen, also Direktinvestitionen, sind hingegen gefallen. Negative Transaktionen auf Seiten der Forderungen und Verbindlichkeiten konnten nicht durch Bewertungs- und Wechselkurseffekte kompensiert werden. Die Währungsreserven erhöhten die Forderungsbestände um rund 11 Mrd EUR, vor allem der gestiegene Goldpreis führte zu positiven Bewertungseffekten. Die Forderungen in den sonstigen Investitionen, also vor allem Einlagen und Kredite, wuchsen moderat, die Verbindlichkeiten fielen in geringem Ausmaß.
7 Direktinvestitionen stagnieren und noch keine Standortverschiebungen zur Umgehung von US-Zöllen
Bei den Direktinvestitionen (Grafik 7) resultierten die positiven Transaktionen in den letzten Jahren im Wesentlichen aus reinvestierten Gewinnen und Konzernkrediten mit bereits bestehenden Unternehmensbeteiligungen. Neue Beteiligungen waren kaum zu beobachten. 2025 setzte sich dieser Trend grundsätzlich fort, wobei konzerninterne Umstrukturierungen ohne realwirtschaftliche Auswirkungen in negativen Transaktionen resultierten. Das unsichere Umfeld für langfristige strategische Entscheidungen scheint auf Unternehmen hemmend zu wirken. Für 2026 deutet sich aber bereits eine Trendumkehr für den österreichischen Standort an, große Transaktionen wurden bereits durchgeführt oder angekündigt.
Grafik 7
Die Entwicklung österreichischer Greenfield-Investitionen (d. h. die Neuansiedlung von Firmen und der Neubau von Betriebsstätten) in den USA haben sich seit 2022 kaum verändert. Neben den üblichen Schwankungen von Quartal zu Quartal ist kein eindeutiger Trend aus der Entwicklung der Greenfield-Investments seit 2022 erkennbar. Im vierten Quartal 2025 (aktuellste verfügbare Daten) gab es keine einzige Ansiedlung eines österreichischen Unternehmens in den USA. Laut vorläufigen Daten für die ersten Monate 2026 dürfte sich das aber wieder geändert haben. Insgesamt ist keine auffällige Veränderung nach den ab April 2025 erhobenen US-Zöllen erkennbar. Es kam somit bisher zu keiner verstärkten Ansiedlung österreichischer Unternehmen in den USA als Reaktion auf die US-Zölle.
8 Energie-lastige Verflechtung mit dem Nahen Osten
Der Nahe Osten ist für Österreichs Wirtschaft aufgrund der Energieimporte aus der Region von großer Bedeutung. Die Gesamtimporte aus dem Nahen Osten (Güter und Dienstleistungen) betrugen 2025 5,6 Mrd EUR bzw. rund 2 % der gesamten Importe (Grafik 8). Aufgrund dieser Zahlen könnte man von einer untergeordneten Rolle für Österreichs Außenwirtschaft sprechen. Da es sich dabei aber zu einem beträchtlichen Teil um Energieimporte, vor allem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus Saudi-Arabien, handelt, ist die Verflechtung mit der Region für die österreichische Wirtschaft dennoch sehr wichtig. Die Direktinvestitionen betragen rund 15 Mrd EUR und machen rund 5 % der aktiven österreichischen Direktinvestitionen aus. Auch diese Investitionen sind eng mit dem Energiemarkt verflochten.
Grafik 8
9 Wachstumschancen in potenziellen Zukunftsmärkten
Österreichs Außenwirtschaft ist eng in den EU-Binnenmarkt bzw. den Euroraum integriert und damit von der Wirtschaftsentwicklung innerhalb des gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraums abhängig. Vor allem über die Außenwirtschaftsanbindung an Deutschland stellt Österreich aber nicht nur Endprodukte in der EU zur Verfügung, sondern auch Vorleistungen für die deutsche Industrie und deren weltweite Exporte. Damit ist Österreich nicht nur direkt, sondern auch indirekt an die großen Märkte in den USA – Deutschlands wichtigstem Exportmarkt – und China angebunden. Das wiederum bedeutet, dass Österreich nicht nur in hohem Maß von deren Nachfrage profitiert, sondern auch die Risiken dieser Märkte mitträgt, wie aktuell die erratische US-Zollpolitik.
2025 gingen 68 % der gesamten, direkten österreichischen Exporte in die 26 anderen Mitgliedsstaaten der EU, das sind Güter, Dienstleistungen und Reiseverkehrseinnahmen im Wert von rund 194 Mrd EUR. Ein Drittel der Erlöse kam allein aus Deutschland. Unter den Exportdestinationen außerhalb der EU hatten die USA einen direkten Exportanteil von rund 6 %, auf China entfielen rund 4 % der gesamten, direkten Exporterlöse.
Vor dem Hintergrund der unsicheren Wirtschaftsbeziehungen mit den USA hat die Europäische Kommission im vergangenen Jahr den Weg in neue und vertiefte Handelsabkommen gesucht. Ziel ist dabei, sowohl den internationalen Austausch von Gütern und Dienstleistungen durch den Abbau von Handelshemmnissen (Zölle, Marktzugangsbeschränkungen) als auch die Möglichkeit von Firmenansiedlungen zu unterstützen. Zu den Partnerländern zählen im Besonderen die Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien), Indien und Australien. Auch mit der Schweiz soll ein neues Abkommen eine engere Kooperation fördern. Gerade Indien zählt zu den asiatischen Schwellenländern (neben China), die durch hohe Wachstumsaussichten für Österreichs Außenwirtschaft treibende Unternehmen von Interesse sind.
Fasst man alle diese Länder zusammen, ergaben sich für Österreich 2025 in Summe direkte Exporterlöse in Höhe von rund 22 Mrd EUR (Grafik 10). Das sind 8 % der gesamten Exporte und damit sind die potenziellen Wachstumsmärkte bereits heute gleichbedeutend mit den klassischen Übersee-Märkten (ohne Australien) – USA, Kanada, Japan, Südkorea und Neuseeland. Die größte Bedeutung hat bislang das Nachbarland und EFTA-Mitglied Schweiz.
Die Importe aus den Wachstumsmärkten betrugen 2025 15,8 Mrd EUR, sodass Österreich per saldo von den Wirtschaftsbeziehungen profitiert, und zwar in allen Ländern und Handelssegmenten (Güter, Dienstleistungen, Reiseverkehr) mit einem Handelsüberschuss von insgesamt 6,2 Mrd EUR. Die Hauptexporte an Gütern und Dienstleistungen umfassen Pharmazieprodukte, Maschinen und Apparaturen, Metallwaren sowie die Weiterverarbeitung von Waren und Reiseverkehr.
Um das zukünftige Exportpotenzial einschätzen zu können, kann eine Indikation für die Marktdurchdringung als Anteil der Exporte in eine Region am dortigen Bruttoinlandsprodukt herangezogen werden. Für alle potenziellen Wachstumsmärkte ist die Marktdurchdringung aus österreichischen Exporten bislang gering (0,2 %). Am höchsten ist sie in der Schweiz mit 1,9 %. Zum Vergleich: die Marktdurchdringung Deutschlands beträgt 2,1 %, jene der EU insgesamt 1 %. Damit ist auch die EU für Österreich nach wie vor ein potenzieller Wachstumsmarkt, da die Integration des Binnenmarkts noch nicht abgeschlossen ist. Die EU-Binnenmarktstrategie will den gemeinsamen Markt weiter integrieren und Hemmnisse abbauen. Unterschiedliche nationale Regeln und Verfahren beschränken, ähnlich wie Zölle, immer noch den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Personen.
Grafik 9
Unternehmen können einen Markt auch durch Direktinvestitionen vor Ort durchdringen. Die Direktinvestitionen österreichischer Investoren in Regionen, mit denen neue Handelsabkommen geschlossen wurden, betragen rund 22,6 Mrd EUR, rund 8 % der gesamten aktiven Direktinvestitionen Österreichs. Damit liegen sie ähnlich hoch wie die aktiven Direktinvestitionen in die USA (22,8 Mrd EUR). Insbesondere die Direktinvestitionen in die nahe Schweiz sind mit 17,7 Mrd EUR bedeutsam. Es folgen Australien, die Mercosur-Länder und Indien. Während 2025 die österreichischen aktiven Direktinvestitionen global rückläufig waren (-1,9 %), erhöhten sich die Bestände in den Hoffnungsmärkten um +5,3 %.
10 Zusammenfassung und Ausblick
Am Beginn des herausfordernden Außenwirtschaftsjahrs 2026 zeigen sich die Leistungsbilanz Österreichs und die Internationale Vermögensposition gemäß den EU-Richtlinien als stabil. Trotz der bereits schwierigen internationalen Rahmenbedingungen im vorausgegangenen Jahr trugen der Handel mit Gütern und Dienstleistungen und der Reiseverkehr positiv zur Wertschöpfung in Österreich sowohl durch einen Ausbau des Handelsvolumens als auch einen Handelsüberschuss bei.
Die Berücksichtigung von globalen Handelsbeziehungen in der Außenwirtschaftsstatistik der OeNB, die über den Austausch von Waren über die österreichische Grenze hinaus gehen, zeigt im Gegensatz zur Außenhandelsstatistik der Statistik Austria ein positives Handelsergebnis. Insbesondere gingen die Güterexporte in die USA noch nicht zurück, wie im Außenhandel signalisiert, der von einem statistischen Sondereffekt beeinflusst wurde. Es lässt sich damit feststellen, dass die US-Zollpolitik noch keinen nachhaltigen Effekt auf die gesamten Güterexporte Österreichs in die USA hatte.
Für 2026 stellen der Krieg im Nahen und Mittleren Osten und die unvorhersehbare US-Zollpolitik die österreichische Außenwirtschaft weiter vor große Herausforderungen, wie etwa die Behinderung der internationalen Arbeitsteilung, unterbrochene Transportwege und Lieferketten, gestiegene Transportkosten, die Gefahr einer Ölkrise und eines allgemeinen Preisauftriebs und das Ausbleiben von Fernreisenden.
Zugleich bieten die neuen und erweiterten EU-Handelsabkommen die Chance auf neue Wachstumsmärkte. Und auch die EU-Binnenmarktinitiative sollte die Möglichkeit eröffnen, die Absatzmärkte innerhalb der EU weiter zu vertiefen.
Im Reiseverkehr, dem wesentlichen Stabilitätsanker in der österreichischen Außenwirtschaft, dämpft die Preisentwicklung zwar noch das Ausgabeverhalten, aber der Effekt, dass die realen Einnahmen der Tourismusbetriebe abnehmen, hat sich weiter abgeschwächt. Für 2026 stellt der mögliche Ausfall von Gästen aus dem Nahen Osten und aus Asien ein ernstzunehmendes Risiko dar, vor allem für die Tourismusregionen Wien und Salzburg. Österreich hat zuletzt durch den Eurovision Song Contest ein weltweites Publikum erreicht und gilt als sicheres und attraktives Tourismusziel. Der heimische Reiseverkehr kann somit von einer Umorientierung – weg von Fernreisen in die Krisengebiete und nach Asien – profitieren.
Die Internationale Vermögensposition Österreichs erreichte 2025 ein neues Rekordhoch. Die Zuwächse basieren auf Investitionen in ausländische Wertpapiere und auf Kursgewinnen. Die strategischen Firmenbeteiligungen haben sich jedoch gegensätzlich entwickelt, es kam zu Desinvestitionen. Hintergrund sind Restrukturierungen von Finanzgeflechten internationaler Konzerne, durch die aber keine negativen realwirtschaftlichen Impulse für Österreich zu erwarten sind. Für 2026 zeichnet sich in den Direktinvestitionen bereits eine Trendumkehr ab, da die OeNB bereits erste Informationen über größere Investitionsprojekte hat.
Im ersten Quartal 2026 zeigt sich die Außenwirtschaftsentwicklung noch positiv. Der Leistungsbilanzüberschuss stieg auf 5,8 % des BIP. Die Güterexporte wuchsen dynamischer (+4,8 %) als die Importe (3,4 %). Auch der Reiseverkehr entwickelte sich in nomineller Rechnung positiv, die Einnahmen wuchsen um rund 6 %. Berücksichtigt man jedoch den Preisauftrieb in Hotellerie und Gastronomie (+5 %) im Verhältnis zur Entwicklung der Durchschnittsausgaben pro Nächtigung (+4,2 %), hat sich der negative Effekt auf die Realeinnahmen im Tourismus noch fortgesetzt.
Tabelle 2
| 2024 | 2025 | ||
| in Mio EUR | |||
| Leistungsbilanz | Netto | 7.545 | 9.549 |
| Credit | 331.846 | 336.180 | |
| Debet | 324.301 | 326.630 | |
| Güter | Netto | 6.002 | 5.062 |
| Credit | 186.086 | 189.354 | |
| Debet | 180.084 | 184.292 | |
| Dienstleistungen | Netto | 5.640 | 6.689 |
| Credit | 89.288 | 93.443 | |
| Debet | 83.649 | 86.755 | |
| hievon Reiseverkehr | Netto | 8.869 | 9.771 |
| Credit | 24.301 | 25.902 | |
| Debet | 15.433 | 16.131 | |
| Primäreinkommen | Netto | -954 | 1.559 |
| Credit | 47.985 | 45.599 | |
| Debet | 48.940 | 44.040 | |
| Sekundäreinkommen | Netto | -3.143 | -3.758 |
| Credit | 8.487 | 7.783 | |
| Debet | 11.629 | 11.543 | |
| Vermögensübertragungen | Netto | -1.073 | 1.404 |
| Credit | 3.962 | 4.524 | |
| Debet | 5.034 | 3.121 | |
| Kapitalbilanz | Netto | 5.319 | 16.050 |
| Direktinvestitionen | Netto | 111 | 4.951 |
| Forderungen | Netto | 12.743 | -4.652 |
| SPEs | Netto | -143 | -946 |
| Liegenschaften | Netto | -136 | -107 |
| Direktinvestitionen i.e.S | Netto | 13.025 | -3.599 |
| Verbindlichkeiten | Netto | 12.634 | -9.603 |
| SPEs | Netto | -547 | -554 |
| Liegenschaften | Netto | 45 | 150 |
| Direktinvestitionen i.e.S | Netto | 13.134 | -9.198 |
| Portfolioinvestitionen | Netto | -24.757 | 2.366 |
| Sonstige Investitionen | Netto | 31.239 | 7.780 |
| Finanzderivate | Netto | -940 | -572 |
| Währungsreserven | Netto | -332 | 1.522 |
| Statistische Differenz | Netto | -1.153 | 5.095 |
| Anmerkung: 2024 revidierte Daten, 2025 provisorische Daten. | |||
| Quelle: OeNB, Statistik Austria. | |||
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Entgegen den Vorjahren dürften die Preise dabei eine geringere Rolle gespielt haben, sodass eine echte Zunahme der Handelsvolumina stattgefunden haben dürfte. ↩︎
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Unsicherheit über Handelsbestimmungen kann das bilaterale Handelsvolumen direkt negativ beeinflussen, indem die Kosten der Handelsbeteiligung steigen, z. B. in Form von höheren Versicherungskosten und Ausfallhaftungen. Infolge werden auch Neuinvestitionen zurückgestellt. Kurzfristig kann das Handelsvolumen sogar steigen, um beschlossene Handelsbeschränkungen noch zu entgehen (Vorverschiebung). ↩︎
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Mittels des real-effektiven Wechselkurs soll die Preis- bzw. Kostenwettbewerbsfähigkeit eines Landes im Vergleich zu anderen Teilnehmern auf den internationalen Märkten eingeschätzt werden. Der Indikator beruht auf den Deflatoren des harmonisierten Verbraucherpreisindex für 42 Handelspartner. Ein positiver Wert bedeutet eine Aufwertung. ↩︎