OeNB Report 2026/21: Kreditgeschäft zur Jahresmitte trotz Nahost-Konflikt stabil
Österreich-Ergebnisse der Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS), zweites Quartal 2026
Gerald Hubmann, Oesterreichische Nationalbank, Referat Konjunktur, gerald.hubmann@oenb.at
Veröffentlichung: 21. Juli 2026
Die Kreditangebotspolitik der Banken und die Kreditnachfrage der Unternehmen sind im zweiten Quartal 2026 stabil geblieben. Erwartete Verschlechterungen infolge des Nahost-Kriegs sind ausgeblieben. Allerdings verstärkt der Krieg die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen inklusive der Folgen des Klimawandels. Diese machen Anpassungen bei den Unternehmen erforderlich. Zuletzt hat daher der Finanzierungsbedarf von großen Unternehmen für Restrukturierungsmaßnahmen zugenommen.
Highlights
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Klimawandel beeinflusst Kreditgeschäft: Investitionen in Zusammenhang mit dem Klimawandel nehmen bereits seit Jahren zu und beleben die Kreditnachfrage von Unternehmen. Gleichzeitig verschärfen die Banken ihre Angebotspolitik für Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß.
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Mehr Nachfrage nach Wohnbaukrediten: Die Kreditnachfrage privater Haushalte für Wohnbau ist im zweiten Quartal 2026 erneut gestiegen – ein Trend, der seit Anfang 2024 zu beobachten ist. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die befragten Banken aber keinen weiteren Anstieg.
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Über den Bank Lending Survey: Die OeNB führt vierteljährlich eine Umfrage unter führenden heimischen Banken durch. Thematisiert werden vor allem Entwicklungen bei Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft mit Unternehmen und privaten Haushalten. Die aktuelle Umfrage wurde von Mitte März bis Anfang April 2026 durchgeführt.
Abstract
Die Kreditnachfrage von Unternehmen hat sich im zweiten Quartal 2026 im Vergleich zum ersten Quartal 2026 insgesamt kaum geändert. Auch im dritten Quartal 2026 soll es gemäß Einschätzung der Banken zu keinen nennenswerten Nachfrage-Änderungen kommen. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten wirkt sich demnach bisher geringer auf das Kreditgeschäft aus als in der vorangegangenen Umfrage erwartet.
Allerdings verstärkt der Krieg die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen inklusive der Folgen des Klimawandels. Diese machen Anpassungen bei den Unternehmen erforderlich. Zuletzt hat daher der Finanzierungsbedarf von großen Unternehmen für Restrukturierungsmaßnahmen zugenommen.
Bei einer Betrachtung nach einzelnen Wirtschaftssektoren steht einer gestiegenen Kreditnachfrage im Wohnimmobiliensektor ein Nachfrage-Rückgang seitens der Kfz-Herstellung (inklusive Zulieferindustrie) gegenüber.
Die Angebotspolitik der Banken gegenüber Unternehmen hat sich in den letzten Quartalen kaum verändert und ist weiterhin streng. Auch für das dritte Quartal 2026 werden keine nennenswerten Änderungen erwartet.
Mit Bezug auf den Klimawandel und seine Folgen haben die Banken in den letzten Jahren insbesondere ihre Angebotspolitik für Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß fortschreitend verschärft.
Die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten ist im zweiten Quartal 2026 erneut gestiegen – ein Trend, der seit Anfang 2024 zu beobachten ist. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die befragten Banken aber keinen weiteren Anstieg der Nachfrage nach Wohnbaukrediten.
Den Umfrageergebnissen sind noch keine wesentlichen Auswirkungen der Zinsentscheidung der EZB von Juni 2026 auf die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen und privaten Haushalte zu entnehmen.
Die aktuelle Umfrage wurde in der zweiten Juni-Hälfte 2026 durchgeführt. Hinsichtlich des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten berücksichtigen die Umfrageergebnisse somit die Absichtserklärung zur Beendigung des Kriegs vom 18. Juni 2026, aber nicht mehr die Ereignisse nach Ende Juni.
Einleitung
Entwicklungen im Kreditgeschäft sind immer auch vor dem allgemeinen konjunkturellen Hintergrund zu beurteilen. Die österreichische Wirtschaft ist 2025 verhalten gewachsen (BIP-Wachstum von +0,8 %) – nach einer Rezession in den Jahren 2023 und 2024 (BIP-Wachstum von -0,8 % und -0,7 %). Für 2026 erwarten OeNB, WIFO und IHS in ihren jüngsten Prognosen von Juni 2026 auch nur ein schwaches BIP-Plus von 0,6 % bis 0,9 %. Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten (in weiterer Folge kurz als „Nahost-Krieg“ bezeichnet) verhindert ein stärkeres Wachstum – durch mehr Unsicherheit sowie gestiegene und schwankende Rohstoffpreise. Das spiegelt sich in der Investitionstätigkeit der Unternehmen wider. Die Bruttoanlageinvestitionen, die 2024 noch deutlich geschrumpft waren (-4,3 %), haben sich 2025 erholt (+2,5 %) und werden 2026 erneut steigen, aber voraussichtlich schwächer als 2025.
Die österreichische Wirtschaft dürfte demnach frühestens Ende 2026 die Rezessionsverluste vollständig aufholen und wieder das Niveau von 2022 erreichen. Die Jahre 2023−2026 haben damit insgesamt kein reales BIP-Wachstum gebracht.
Neben der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen und den strukturellen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel wird die heimische Konjunktur nun von den Folgen des Nahost-Kriegs gebremst – trotz zwischenzeitlicher Entspannung, aber bei weiterhin unsicherem Ausblick. Diese Entwicklungen zeigen sich deutlich in den Umfrageergebnissen zum Kreditgeschäft mit Unternehmen (siehe Kapitel 1).
Der vorliegende Bericht erläutert die aktuellen Österreich-Ergebnisse der Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS 1 ). Kapitel 1 behandelt das Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen, Kapitel 2 das Kreditgeschäft mit privaten Haushalten. Kapitel 3 hat die Refinanzierungssituation der Banken zum Thema. In Kapitel 4 geht es um die Auswirkungen der Kreditqualität auf die Banken und ihr Kreditgeschäft, in Kapitel 5 um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Kreditvergabe der Banken.
Detaillierte Umfrageergebnisse sind den Tabellen 1, 1.1, 2 und 3 zu entnehmen. Die Grafiken 1, 2, 3 und 4 zeigen, wie sich Nachfrage und Richtlinien bei Unternehmenskrediten und privaten Wohnbaukrediten entwickelt haben und was sie beeinflusst hat. Grafik 5 zeigt die Entwicklung der Neuvergabe von Wohnbaukrediten gemäß Kreditstatistik sowie die Entwicklung des Zinsniveaus. In Kapitel 6 am Ende dieses Berichts enthält Kasten 1 Erläuterungen zum BLS und zu ausgewählten Fachbegriffen.
1 Unternehmenskredite: Auswirkungen des Nahost-Kriegs geringer als erwartet – Nachfrage und Angebotspolitik stabil
Die Kreditnachfrage von Unternehmen ist im zweiten Quartal 2026 entgegen den Erwartungen der letzten Umfrage insgesamt nicht gesunken, sondern weitgehend unverändert geblieben (Tabelle 1). Auch für das dritte Quartal 2026 werden keine nennenswerten Änderungen erwartet.
Bei genauerer Betrachtung der Umfrageergebnisse fallen drei Punkte auf:
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Die Nachfrage von großen Unternehmen ist im zweiten Quartal 2026 etwas gestiegen. Die Banken haben dies mit einem erhöhten Finanzierungsbedarf für Fusionen/Übernahmen und Unternehmensumstrukturierungen begründet. Dieser Faktor hat bereits im ersten Quartal 2026 belebend auf die Nachfrage gewirkt, aber noch nicht so stark wie im zweiten Quartal 2026. Mögliche Gründe für den Anstieg der Restrukturierungstätigkeit könnten unter anderem in notwendigen Anpassungen der Unternehmen im Zusammenhang mit dem strukturellen Wandel in der Industrie (auch in Zusammenhang mit dem Klimawandel, siehe Kapitel 5), der Wettbewerbsfähigkeit, den Handelsbeschränkungen oder der Verfügbarkeit und den Preisanstiegen von Rohstoffen sowie der generell erhöhten Unsicherheit liegen. Auch die zuletzt schwierige konjunkturelle Lage könnte vermehrt zu Umstrukturierungen geführt haben.
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Die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten ist im zweiten Quartal 2026 etwas gesunken. Auch hier ist die im Vorquartal erwartete Entwicklung nicht eingetreten. Erwartet wurde ein Anstieg entgegen der Gesamtentwicklung (sinkende Gesamtnachfrage erwartet). Ein möglicher Zusammenhang zwischen nicht eingetretenen Erwartungen und Einschätzungen zu den Auswirkungen des Nahost-Kriegs wird weiter unten besprochen.
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Hinter der kaum veränderten Gesamtnachfrage im zweiten Quartal 2026 verbergen sich gegenläufige Angaben der einzelnen befragten Banken. Es gab sowohl Angaben einer gesunkenen als auch einer weitgehend unveränderten und auch einer gestiegenen Nachfrage, die sich im Aggregat ausgeglichen haben. Das kann als Ausdruck der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit erhöhter Unsicherheit und unterschiedlichen Betroffenheiten gesehen werden. Hinter der Erwartung keiner wesentlichen Änderungen bei der Nachfrage für das dritte Quartal 2026 stehen aber keine gegenläufigen Angaben.
Mit der weitgehend unveränderten Nachfrage im zweiten Quartal 2026 und den stabilen Erwartungen für das dritte Quartal 2026 endet eine Aufwärtsentwicklung, die im dritten Quartal 2025 eingesetzt hat. Ein eindeutiger Grund für die Stabilisierung der Kreditnachfrage ist den Umfrageergebnissen nicht zu entnehmen (Grafik 1).
Das allgemeine Zinsniveau konnte die Nachfrage im zweiten Quartal 2026 kaum bewegen. Eine Bank hat angemerkt, dass Unternehmen – mit Ausblick auf steigende Zinsen – Finanzierungen vorgezogen haben, um sich noch rechtzeitig niedrigere Zinsen zu sichern.
Bei der Kreditangebotspolitik der Banken gab es im zweiten Quartal 2026 kaum Änderungen – wie schon in den beiden Quartalen davor. Ähnlich wie bei der Kreditnachfrage wurden im Vorquartal restriktive Änderungen erwartet (leichte Verschärfungen der Kreditrichtlinien), die sich dann aber doch nicht ergeben haben. Die Kreditrichtlinien sollen auch im dritten Quartal 2026 weitgehend unverändert bleiben.
Das bedeutet jedoch, dass die Angebotspolitik weiterhin streng ist. Die Banken haben ihre Kreditrichtlinien und die Kreditbedingungen über Jahre hinweg verschärft und das vor allem mit einer zunehmend ungünstigeren Risikoeinschätzung begründet. Die Risikosituation hat sich in den letzten Quartalen nicht entspannt.
Das vorsichtigere Kreditvergabeverhalten der Banken hat zu einer langfristigen Zunahme der abgelehnten Kreditanträge geführt – zuletzt vom dritten Quartal 2025 bis zum ersten Quartal 2026. Im zweiten Quartal 2026 haben sich diesbezüglich kaum weitere Änderungen ergeben.
Die Banken wurden diesmal – wie auch in der letzten Umfrage – zusätzlich zu den Auswirkungen des Nahost-Kriegs auf ihr Kreditgeschäft mit Unternehmen befragt. Der Nahost-Krieg hat am 28. Februar 2026 begonnen. Am 8. April 2026 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das die Lage entspannt hat, aber brüchig geblieben ist. Am 18. Juni 2026 wurde eine Absichtserklärung zur Beendigung des Kriegs unterzeichnet. Die aktuelle Umfrage wurde in der zweiten Juni-Hälfte 2026 durchgeführt. Die Absichtserklärung ist in den Umfrageergebnissen somit noch berücksichtigt, aber nicht mehr die Ereignisse nach Ende Juni 2026.
Angebotsseitig haben die Banken infolge des Nahost-Kriegs ihre Risikoanalysen und ihr Monitoring erweitert – hinsichtlich Abhängigkeiten von Unternehmen, Energiepreisen und Lieferketten. Finanzierungen mit Bezug zur Kriegsregion wurden eingeschränkt. Es ist allerdings zu keinen generellen Verschärfungen des Kreditangebots im Zusammenhang mit dem Nahost-Krieg gekommen.
Auch die Kreditnachfrage der Unternehmen wurde bisher nur wenig von den Folgen des Krieges beeinflusst. Die Banken haben aber die volatile Lage und die Planungsunsicherheit für die Unternehmen betont, die zu Zurückhaltung bei Investitionen führen können.
Erwähnt wurden auch ein Anpassungsbedarf und Anpassungsbemühungen bei den Unternehmen (z. B. Preisabsicherungen, Diversifikation in den Lieferketten) sowie ein länger anhaltender bzw. eskalierender Konflikt als eigentliches Risiko.
Der Nahost-Krieg wirkt sich gemäß den Einschätzungen der Banken bisher geringer auf das Kreditgeschäft aus als in der letzten Umfrage vor drei Monaten befürchtet. Das dürfte auch der Grund für die zuerst erwarteten, dann aber ausgebliebenen Rückgänge bei der Kreditnachfrage bzw. ausgebliebenen Verschärfungen bei den Kreditrichtlinien im zweiten Quartal 2026 gewesen sein. Die Nachfrage nach Krediten, insbesondere nach langfristigen Krediten, ist nicht wie erwartet wegen verminderter Investitionstätigkeit zurückgegangen. Ein erhöhter Liquiditätsbedarf von Unternehmen zur Betriebsmittelfinanzierung aufgrund von Preissteigerungen hat sich nicht in den Umfrageergebnissen für das zweite Quartal 2026 gezeigt – die Nachfrage nach kurzfristigen Krediten ist sogar gesunken. Die gestiegene Unsicherheit und unternehmerische Anpassungen kommen in den Ergebnissen hingegen zum Ausdruck – siehe oben zur Streuung der Einzelantworten der Banken und zum erhöhten Finanzierungsbedarf für Restrukturierungen. Das könnte auch auf den Nahost-Krieg zurückzuführen sein.
Die Umfrage enthält halbjährlich Fragen zur Entwicklung von Kreditrichtlinien und Kreditnachfrage, gegliedert nach Wirtschaftssektoren. Im ersten Halbjahr 2026 ist die Kreditnachfrage in vielen Sektoren gestiegen (Tabelle 1.1), wobei das vor allem einem starken ersten Quartal geschuldet sein dürfte (siehe oben und Tabelle 1: Gesamtnachfrage im ersten Quartal gestiegen, im zweiten Quartal weitgehend unverändert geblieben). Besonders hervorzuheben ist die gestiegene Nachfrage aus dem Wohnimmobiliensektor. Die Kreditnachfrage war von allen abgefragten Sektoren nur seitens der Kfz-Herstellung (inklusive Zulieferindustrie) im ersten Halbjahr 2026 rückläufig. Die strukturelle Schwäche der europäischen Automobilindustrie spiegelt sich nach wie vor in den Ergebnissen. Im zweiten Halbjahr wird abermals mehr Nachfrage vor allem vom energieintensiven verarbeitenden Gewerbe und aus dem Wohnimmobiliensektor erwartet.
2 Nachfrage nach Wohnbaukrediten weiter gestiegen
Die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten ist im zweiten Quartal 2026 – wie im Vorquartal erwartet – weiter gestiegen (Tabelle 2). Seit Anfang 2024 besteht bereits ein entsprechender Trend, der sich 2025 intensiviert hat. Für das dritte Quartal 2026 erwarten die befragten Banken aber keinen weiteren Anstieg der Nachfrage.
Das Nachfrage-Plus im zweiten Quartal 2026 ist auf mehrere Gründe zurückzuführen (Grafik 3). Zu nennen sind vor allem verbesserte Aussichten am Wohnimmobilienmarkt und die voraussichtliche Preisentwicklung von Wohneigentum sowie ein gestiegener Optimismus der Haushalte, die eine Wohnbaufinanzierung anstreben (Grafik 3, Säule „Konsument:innenvertrauen“). Andere Gründe haben einen geringeren Einfluss gehabt. Eine Bank hat den rechtlichen Rahmen als Faktor genannt, der die Nachfrage leicht unterstützt hat, und die Wirkung wie folgt erklärt: Die temporäre Befreiung von Grundbuch-Eintragungsgebühren ist Ende Juni 2026 ausgelaufen. Die Befreiung hat die Transaktionskosten gesenkt, somit die Nachfrage gestärkt und dürfte auch Finanzierungen ins zweite Quartal 2026 vorgezogen haben. Eine andere Bank hat angegeben, dass es im zweiten Quartal 2026 zu Nachholeffekten gekommen ist, die leicht belebend auf die Nachfrage gewirkt haben: Private Wohnbaufinanzierungen wurden in der Vergangenheit gemäß den Angaben der Bank aufgeschoben, weil noch nicht ausreichend Eigenmittel vorhanden waren.
Das allgemeine Zinsniveau hat beim Nachfrage-Anstieg im zweiten Quartal 2026 nur mehr eine untergeordnete Rolle gespielt. Zuvor war das Zinsniveau der dominierende Grund für die expansive Entwicklung der Nachfrage. Die Zinsen für Wohnbaukredite sind von Anfang 2024 bis Mitte 2025 gesunken und haben sich dann stabilisiert – ähnlich wie die Geldmarktzinsen (z. B. der Euribor), aber in geringerem Ausmaß. In den letzten Monaten sind die Zinsen wieder leicht gestiegen (Grafik 5).
Angebotsseitig ist es seit Anfang 2024 nur zu moderaten Änderungen im Geschäft mit privaten Wohnbaukrediten gekommen (Tabelle 2 und Grafik 4) – hauptsächlich zu gesunkenen Zinsen und gesunkenen Margen für durchschnittliche Kredite (also nicht überdurchschnittlich riskante Kredite). Die Lockerungen der Margen wurden von den Banken vor allem mit der Wettbewerbssituation begründet.
Das stabile Kreditangebot mit seit Langem nahezu unveränderten Kreditrichtlinien spiegelt sich bei den abgelehnten Kreditanträgen wider. Seit Anfang 2024 ist es hier kaum zu Änderungen gekommen.
Die aus den Umfrageergebnissen ersichtliche gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten seit Anfang 2024 zeigt sich auch in der Kreditstatistik . Die Vergabe neuer Wohnbaukredite 2 durch die Banken ist in den letzten zweieinhalb Jahren deutlich gestiegen – von monatlich 0,7 Mrd EUR im Jänner 2024 auf jeweils über 1,6 Mrd EUR im März, April und Mai 2026 (Grafik 5).
Die gemäß Umfrageergebnissen gestiegene Nachfrage nach Wohnbaukrediten bei stabilen Kreditrichtlinien signalisiert eine weiterhin solide Neukreditvergabe in den nächsten Monaten. Ähnlich hohe Vergabevolumina wie in der Zeit des Kredit-Booms von 2019 bis Mitte 2022 sind aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Dieser Boom war durch äußerst niedrige Zinsen getrieben. 3 Mit der EZB-Zinswende ab Juli 2022 kehrte sich die Entwicklung abrupt um. Zum Vergleich: 2017 und 2018, vor dem großen Kreditboom, wurden durchschnittlich 1,5 Mrd EUR pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben – also etwa so viel wie im Durchschnitt von Juni 2025 bis Mai 2026, bei damals um 1,6 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen. 2021, mitten im Kredit-Boom, betrug die Neukreditvergabe für privaten Wohnbau durchschnittlich 2,1 Mrd EUR pro Monat – bei damals um 2,2 Prozentpunkte niedrigeren Kreditzinsen.
Bei Konsumkrediten und sonstigen Krediten kam es im zweiten Quartal 2026, wie auch in den Quartalen davor, sowohl angebots- als auch nachfrageseitig zu keinen nennenswerten Änderungen (Tabelle 2).
3 Refinanzierungssituation der Banken wiederholt verbessert
Auch die Refinanzierungssituation der Banken hat sich im zweiten Quartal 2026 besser entwickelt als im Vorquartal erwartet (siehe die unerwarteten Entwicklungen im Kreditgeschäft mit Unternehmen in Kapitel 1). Erwartete leichte Verschlechterungen am Geldmarkt sind nicht eingetreten. Hingegen ist es zu unerwarteten Verbesserungen bei der Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen gekommen (Tabelle 3). Die Refinanzierung über mittel- bis langfristige Anleihen hat sich somit seit dem zweiten Quartal 2024 deutlich positiv entwickelt. Im Ausblick auf das dritte Quartal 2026 erwarten die befragten Banken keine weiteren Änderungen bei ihrer Refinanzierungssituation.
4 Bedeutung notleidender Kredite für die Kreditvergabepolitik der Banken zuletzt unverändert
Der BLS thematisiert regelmäßig die Auswirkungen notleidender Kredite bzw. der Kreditqualität auf die Vergabepolitik der Banken (seit 2025 vierteljährlich, davor halbjährlich).
Gemäß den Angaben der Banken führten notleidende Kredite über Jahre hinweg bis Mitte 2023 kaum zu Verschärfungen ihrer Kreditvergabepolitik gegenüber Unternehmen und privaten Haushalten. Wie die Umfrageergebnisse zeigen, wurden jedoch vom zweiten Halbjahr 2023 bis zum ersten Quartal 2025 die Richtlinien und Bedingungen für Kredite an Unternehmen aufgrund nachlassender Kreditqualität verschärft. Die Banken begründeten dies hauptsächlich mit der Risikosituation. Seitdem wurden diesbezüglich nur vereinzelt weitere Verschärfungen gemeldet. Auch für das dritte Quartal 2026 sind – den aktuellen Erwartungen der befragten Banken nach – keine Änderungen der Kreditvergabepolitik aufgrund notleidender Kredite zu erwarten.
Nähere Informationen zu notleidenden Krediten und anderen für die Finanzmarktstabilität relevanten Entwicklungen sind den halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsberichten der OeNB zu entnehmen.
5 Folgen des Klimawandels wirken sich zunehmend auf das Kreditgeschäft aus
In der aktuellen Umfragerunde wurden die Banken zum vierten Mal
(erstmalige Thematisierung vor drei Jahren) zu den Auswirkungen des
Klimawandels auf das Kreditgeschäft mit Unternehmen befragt – und zum
zweiten Mal zu den Auswirkungen des Klimawandels auf das Geschäft mit
privaten Wohnbaukrediten. Dabei sind in der Umfrage sowohl die
Auswirkungen klimabezogener Risiken (wie Temperaturanstieg,
Überschwemmungen usw.) sowie die von den Regierungen, der Geldpolitik
sowie den Aufsichts- und Regulierungsbehörden ergriffenen Maßnahmen zur
Bewältigung des Klimawandels gemeint. In der Fragestellung wird aber
zwischen diesen Aspekten nicht weiter differenziert. Bei den Unternehmen
wird im Rahmen der Fragestellung zwischen drei Kategorien
unterschieden:
„grünen“ Unternehmen, die nicht oder nur in geringem Ausmaß zum
Klimawandel beitragen;
Unternehmen im Übergangsprozess, die in hohem Maß zum Klimawandel
beitragen, jedoch bei der Umstellung auf klimafreundliche
Geschäftsprozesse relevante Fortschritte erzielen;
und Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß, die in hohem Maße zum Klimawandel
beitragen und die Umstellung auf klimafreundliche Geschäftsprozesse
entweder noch nicht begonnen oder hierbei bislang nur geringe
Fortschritte erzielt haben.
Nachfrageseitig hat der Finanzierungsbedarf der Unternehmen für Investitionen und Umstrukturierungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel seit Mitte 2022, dem Beginn des in der Umfrage erfassten Zeitraums, zugenommen (z. B. Transition zu einer „grüneren“ Leistungserstellung oder Absicherung gegen physische Risiken des Klimawandels). Die Kreditnachfrage von „grünen“ Unternehmen und Unternehmen im Übergangsprozess ist gestiegen. Auch günstigere Kreditzinssätze für die Finanzierung „grüner“ Projekte und die bestehende klimabezogene Regulierung haben die entsprechende Kreditnachfrage angeregt. Im Gegensatz dazu haben Unsicherheiten über die künftige klimabezogene Regulierung die Kreditnachfrage gedämpft.
Gemäß den Angaben der Banken soll sich diese Entwicklung im nächsten Jahr (Mitte 2026 bis Mitte 2027) verstärkt fortsetzten, besonders bzgl. der Unternehmen im Übergangsprozess. Als weiterer die Nachfrage belebender Faktor soll dabei die fiskalische Unterstützung im Zusammenhang mit dem Klimawandel in Erscheinung treten.
Angebotsseitig hat der Klimawandel im letzten Jahr zu verschärften Kreditrichtlinien für Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß geführt. Die befragten Banken haben weitere diesbezügliche Verschärfungen für das nächste Jahr angekündigt. Für „grüne“ Unternehmen sollen die Richtlinien im nächsten Jahr hingegen leicht gelockert werden. Der Umfrage sind keine spezifischen Gründe für die Richtlinien-Verschärfungen im letzten Jahr zu entnehmen – aber für die erwarteten Richtlinien-Änderungen im nächsten Jahr: Der Klimawandel und seine Folgen verursachen physische Risiken, die den Wert der Unternehmensaktiva beeinflussen können (z. B. Extremwetterereignisse, Umweltschäden).
Je nach Unternehmenskategorie differenzierte Angebots-Entwicklungen haben sich bereits in den vergangenen Umfragen zum Klimawandel-Thema gezeigt. Auch schon von Mitte 2022 (Beginn des in der Umfrage erfassten Zeitraums) bis Mitte 2025 hat der Klimawandel vor allem zu fortschreitenden Verschärfungen beim Kreditangebot für Unternehmen mit hohem CO2-Ausstoß geführt. Wesentlicher Grund dafür waren Risiken bzw. Kosten für die Unternehmen, die sich aus dem Übergang zu einer ökologisch nachhaltigeren Wirtschaft ergeben (z. B. geänderte rechtliche Rahmenbedingungen wie die CO2-Steuer, oder die Verdrängung bestehender Technologien durch umweltverträglichere neue Technologien). Diese „Transitionsrisiken“ sind von den im vorhergehenden Absatz angesprochenen physischen Risiken zu unterscheiden.
Das Geschäft mit privaten Wohnbaukrediten war in den letzten beiden Jahren (Mitte 2024 bis Mitte 2026) nur geringfügig vom Klimawandel beeinflusst. Einige Banken haben aktuell und bei der erstmaligen Thematisierung vor einem Jahr angegeben, dass private Haushalte immer häufiger Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden als Begründung für die Kreditnachfrage angeben. Die Auswirkungen auf die Nachfrage nach Wohnbaukrediten waren bisher aber nicht signifikant. Eine Differenzierung der Angebotspolitik nach der Energieeffizienz der Gebäude gab es in den letzten beiden Jahren bei privaten Wohnbaukrediten kaum.
6 Kasten 1: Erläuterungen zur Umfrage
Die Zentralbanken des Euroraums – in Österreich die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) – führen gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Anfang 2003 viermal jährlich eine Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS) durch, um ihren Informationsstand über das Kreditvergabeverhalten der Banken und das Kreditnachfrageverhalten von Unternehmen und privaten Haushalten zu verbessern. Dabei werden rund 160 führende Banken aus allen Ländern des Euroraums befragt, darunter acht Institute aus Österreich. Dieser Bericht bezieht sich auf die Angaben dieser acht Institute. Seit der Umfrage für das erste Quartal 2015 wird ein revidierter und erweiterter Fragebogen verwendet. Mit den Umfragen für das erste Quartal 2022 und das erste Quartal 2024 wurden einige der bestehenden Standardfragen erweitert.
Kreditrichtlinien sind die bankinternen Kriterien (sowohl die schriftlich festgelegten als auch die ungeschriebenen), die bestimmen, unter welchen Voraussetzungen eine Bank Kredite vergeben möchte.
Kreditbedingungen sind die speziellen Verpflichtungen, auf die sich Kreditgeber und Kreditnehmer einigen (z. B. Zinssätze, Margen, Nebenkosten, Sicherheitenerfordernisse usw.). Seit der Umfrage für das erste Quartal 2024 werden Zinssätze als Teil der Kreditbedingungen erfasst. Seitdem sind die Kreditbedingungen daher breiter definiert.
Kreditmargen sind Aufschläge auf relevante Referenzzinssätze bzw. die Differenzen zwischen Kreditzinssätzen und Refinanzierungszinssätzen. Im Rahmen des BLS wird bei einer Verringerung der Margen von einer Lockerung und bei einer Erhöhung der Margen von einer Verschärfung gesprochen. Eine Lockerung der Margen ist für Kreditnehmer positiv, schränkt aber unmittelbar die Ertragsmöglichkeiten der Banken als Kreditgeber ein.
Der Saldo aus positiven und negativen Antworten errechnet sich aus der Anzahl der Banken, die auf eine Frage in positiver Richtung antworten (z. B. Lockerung der Margen, Steigerung der Nachfrage) abzüglich der Anzahl der Banken, die auf eine Frage in negativer Richtung antworten (z. B. Verschärfung der Margen, Rückgang der Nachfrage). Die Bezeichnungen „positiv“ und „negativ“ dienen hier als Richtungsangabe und sind in diesem Zusammenhang als wertfrei zu verstehen.
Der Nettoprozentsatz ist der Saldo aus positiven und negativen Antworten im Verhältnis zur Anzahl der Antworten insgesamt. Wenn z. B. von acht antwortenden Banken zwei angeben, dass die Nachfrage nach Wohnbaukrediten gestiegen ist, eine angibt, dass die Nachfrage gesunken ist, und die übrigen fünf angeben, dass die Nachfrage unverändert geblieben ist, dann ergibt sich ein Saldo von +1 bzw. ein Nettoprozentsatz von +12,5. In diesem Beispiel gibt ein Überhang von nur einer Bank eine Nachfragesteigerung an – zu wenig, um daraus eine allgemeine Aussage abzuleiten. In einem solchen Fall muss von einer weitgehend unveränderten Situation ausgegangen werden.
Veröffentlichungshinweise: Die Berichte der OeNB zur Umfrage über das Kreditgeschäft im Euroraum (Bank Lending Survey – BLS) erscheinen seit Juli 2023 in der Publikationsreihe „ OeNB Reports “. Davor erschienen sie in der OeNB-Publikation „ Statistiken – Daten & Analysen “. Links, weitere Informationen und Daten zu den Österreich-Ergebnissen sind auf der OeNB-Website zu finden. Euroraum-Ergebnisse veröffentlicht die EZB.
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Das Eurosystem, bestehend aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Länder des Euroraums (in Österreich die OeNB), führt jedes Quartal eine Umfrage durch, um Informationen über Angebot und Nachfrage im Kreditgeschäft der Banken mit Unternehmen und privaten Haushalten zu erheben. Befragt werden dabei leitende Kreditmanager:innen großer Banken im Euroraum. Methodisch ist die Umfrage eine qualitative Erhebung. Die Antworten werden auf einer Ordinalskala erfasst. Die Fragen beziehen sich auf Veränderungen zur Vorperiode und die Gründe dafür. Die diesem Bericht zugrunde liegende Umfrage wurde in der zweiten Juni-Hälfte 2026 durchgeführt. Redaktionsschluss für sonstige Daten: 10. Juli 2026. ↩︎
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Echte Neukreditvergabe ohne neuverhandelte Kredite österreichischer Banken an inländische private Haushalte; Quelle: OeNB. ↩︎
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In der Umfrage wurde das allgemeine Zinsniveau vom ersten Quartal 2015 bis zum zweiten Quartal 2022 als mit Abstand häufigster Grund für die gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten genannt. Davor wurde das allgemeine Zinsniveau nicht standardmäßig als Einflussfaktor auf die Nachfrage erhoben. ↩︎