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OeNB Report 2026/24: Verbesserter Konjunkturausblick für 2027 – Inflation auf Euroraum-Niveau

Interimsprognose der OeNB vom September 2026

Gerhard Fenz, Doris Prammer, Martin Schneider, Richard Sellner, Alfred Stiglbauer, Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Konjunktur,

Veröffentlichung:  11. September 2026

Trotz des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und der Dürre in diesem Sommer wird die heimische Wirtschaft im zweitem Halbjahr 2026 wieder auf einen Wachstumspfad einschwenken. Die OeNB erwartet für die Jahre 2026 bis 2028 ein BIP-Wachstum von 0,5 %, 1,3 % und 1,2 %. Grund für die leichte Abwärtsrevision 2026 (-0,1 Prozentpunkte gegenüber der Juni-Prognose) ist die inzwischen schwächer ausgewiesene Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte. Die stärkere Konjunkturdynamik ab dem zweiten Halbjahr wird in den Jahreszahlen erst in der Aufwärtsrevision für 2027 (+0,2 Prozentpunkte) sichtbar. Die Inflationsprognose wird nach unten revidiert und liegt nun bei 3 % für 2026. 2027 sinkt die prognostizierte Inflation auf 2,3 % und 2028 wird sie bei 2,2 % liegen. Ausschlaggebend dafür ist vor allem das erwartete Abklingen des Energiepreisschocks. Damit entspricht die prognostizierte Inflation in Österreich dem Euroraum-Niveau.

Highlights

  • Industrie trägt Erholung: Die österreichische Industriekonjunktur nimmt trotz der durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten ausgelösten Verwerfungen im zweiten Halbjahr 2026 Fahrt auf. Steigende Auftragseingänge und Produktionserwartungen deuten auf eine positive Entwicklung hin.

  • Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel dämpft Inflation vorübergehend: Die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel wird weiterhin nahezu vollumfänglich weitergegeben. Die Lebensmittelinflation liegt dadurch für ein Jahr um einen Prozentpunkt niedriger, die Gesamtinflation um 0,15 Prozentpunkte.

  • Dürre hat geringen Effekt auf Wachstum und Inflation: Die Dürre des Jahres 2026 dürfte ungeachtet der unmittelbaren Schäden in der Landwirtschaft geringe gesamtwirtschaftliche Auswirkungen auf Wachstum und Inflation haben.

1 Zusammenfassung

Die Aussichten für die österreichische Konjunktur haben sich seit der Prognose vom Juni 2026 leicht verbessert. Die durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten ausgelösten Verwerfungen haben sich bisher nur teilweise aufgelöst. Die sowohl für die Konjunktur als auch die Inflation wichtigen Erdölpreise liegen derzeit etwas unter den in der Juni-Prognose unterstellten Werten. Die Stimmung in der österreichischen Industrie hat sich jedoch deutlich aufgehellt, die Wachstumsaussichten für das zweite Halbjahr 2026 sind daher etwas besser als noch im Juni erwartet. Die Dürre hat enorme Schäden – insbesondere in der Landwirtschaft – hinterlassen, der Effekt auf das Wachstum im Jahr 2026 dürfte -0,1 Prozentpunkte betragen. Für das Jahr 2026 gehen wir von einem BIP-Wachstum von 0,5 % aus. Grund für die leichte Abwärtsrevision 2026 (-0,1 Prozentpunkte gegenüber der Juni-Prognose) ist die inzwischen schwächer ausgewiesene Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte. Für die nächsten Monate verdeckt die Abwärtsrevision für 2026 allerdings eine stärkere zugrundeliegende Konjunkturdynamik. Diese spiegelt sich in einer Aufwärtsrevision für 2027 auf 1,3 % (+0,2 Prozentpunkte gegenüber Juni) wider. Für das Jahr 2028 bleibt die Prognose für das BIP-Wachstum unverändert bei 1,2 %. Die erwartete Arbeitslosenquote steigt 2026 leicht gegenüber dem Vorjahr auf 7,5 % und wird in den beiden Folgejahren auf 7,3 % bzw. auf 7,1 % sinken.

Tabelle 1

OeNB-Interimsprognose für Österreich vom September 2026  
    September 2026   Revisionen gegenüber
Juni 2026 1)
  2025 2026 2027 2028   2026 2027 2028
Veränderung zum Vorjahr in %                
Bruttoinlandsprodukt (real) 1,0 0,5 1,3 1,2 -0,1 0,2 0,0
Harmonisierter Verbraucherpreisindex 3,6 3,0 2,3 2,2   -0,2 -0,1 0,1
Arbeitslosenquote gemäß AMS (in %) 7,4 7,5 7,3 7,1   0,1 0,1 0,1
1) Revisionen wurden auf der Basis von gerundeten Werten berechnet.
Quelle: 2025: Statistik Austria; 2026–2028: OeNB.

Seit ihrem Höchststand im Mai 2026 ist die Inflation unter anderem wegen sinkender Güter- und Nahrungsmittelpreise zurückgegangen. Dazu hat auch die seit Juli 2026 geltende Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Nahrungsmittel beigetragen. Aufgrund des Energiepreisschocks liegt die prognostizierte Inflation im Jahr 2026 dennoch bei 3,0 %. Mit dem erwarteten Auslaufen dieses Schocks geht sie 2027 auf 2,3 % und 2028 auf 2,2 % zurück. Trotz der Dürre werden auf Basis historischer Erfahrungen nur begrenzte zusätzliche Preiswirkungen bei Nahrungsmitteln erwartet, sodass die inflationsdämpfenden Effekte der Mehrwertsteuersenkung überwiegen. Die Inflation bei Industriegütern ohne Energie steigt aufgrund der erwarteten Weitergabe erhöhter Produktionskosten über den Prognosehorizont hinweg leicht an, während sich die Dienstleistungsinflation infolge des nachlassenden Lohnwachstums auf hohem Niveau moderat abschwächen dürfte. Deshalb sinkt auch die erwartete Kerninflation gemessen an der HVPI-Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel – allerdings langsamer als die Gesamtinflation. Gegenüber der Projektion vom Juni 2026 wurde die HVPI-Inflation aufgrund der unter den Prognoseerwartungen liegenden Inflation im Sommer für 2026 um 0,2 Prozentpunkte und für 2027 um 0,1 Prozentpunkte nach unten revidiert. Ein Risiko für diese Einschätzung besteht jedoch in möglichen stärkeren Auswirkungen der Dürre auf die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelpreise.

Die Prognoseunsicherheit bleibt aufgrund geopolitischer Risiken, insbesondere mit Blick auf die Entwicklung der Energiepreise, deutlich erhöht: Die Wachstumsrisiken sind mehrheitlich nach unten, die Inflationsrisiken nach oben gerichtet. Szenarien-Berechnungen mit alternativen Energie- und Nahrungsmittelpreisannahmen zeigen im negativen Fall die Gefahr einer Stagflation für 2027; im positiven Fall fällt die Inflation deutlich niedriger aus und das Wachstum erreicht 1,5 %.

2 Realwirtschaft: Anziehende Konjunktur im zweiten Halbjahr 2026

Die vorliegende Wachstumsprognose stellt ein technisches Update der OeNB-Prognose vom Juni 2026 dar. Nachdem die österreichische Wirtschaft nach zwei Jahren sinkender Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 wieder auf einen positiven Wachstumspfad einschwenkte, setzte sich diese Entwicklung zu Jahresbeginn 2026 fort. Speziell die Industrie entwickelte sich im ersten Quartal des Jahres 2026 gut, sowohl Produktion wie auch Wertschöpfung zogen kräftig an. Diese Erholung wurde mit dem Ende Februar beginnenden Krieg im Nahen und Mittleren Osten jäh unterbrochen. Die Sperre der für die internationale Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus führte zu steigenden Erdöl- und Gaspreisen und zu einer hohen Unsicherheit über die weitere Entwicklung. Die Anfang September veröffentlichten Daten der Statistik Austria zeigen, dass die daraus resultierende Wachstumsdelle in Österreich stärker als erwartet war. Das Wachstum drehte im zweiten Quartal – anders als noch im Juni erwartet – ins Minus.

Seit der Juni-Prognose hat sich der Ausblick für das internationale Umfeld aber verbessert. Der Welthandel entwickelte sich stärker als erwartet, größtenteils durch den Handel mit KI-Komponenten. Die Verwerfungen infolge der starken Energiepreissteigerungen haben sich teilweise zurückgebildet. Die Erdölpreise sind seit ihrem Höhepunkt im April bis zum Datenschluss am 19. August deutlich gesunken. Die damaligen Markterwartungen bis Ende 2028 lagen um durchschnittlich 6 % niedriger als im Juni. Seither sind die Erdölpreise jedoch wieder spürbar gestiegen. Im Gegensatz dazu liegen die erwarteten Preise für Erdgas um 14 % höher als in der Juni-Prognose. Der Welthandel dürfte sich besser entwickeln als noch im Juni erwartet, wovon die österreichische Exportwirtschaft profitieren sollte. Die nominellen Güterexporte sind im ersten Halbjahr 2026 um 5,4 % gestiegen. Der OeNB-Exportindikator auf Basis von Lkw-Fahrleistungsdaten der ASFINAG zeigt für die Monate Juli und August eine weitere Verbesserung der Exportkonjunktur an. Diese positiven Entwicklungen schlagen sich auch in einer Verbesserung der Stimmung in der Industrie nieder.

Die Faktoren führen auch zu einer optimistischeren Kurzfristprognose der OeNB. Die Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators signalisieren für das dritte und vierte Quartal 2026 ein BIP-Wachstum von 0,1 % bzw. 0,3 % gegenüber dem Vorquartal. Diese Prognosen wurden wegen der angenommenen Auswirkungen der Dürre bereits um jeweils 0,1 % des BIP im dritten und vierten Quartal angepasst.

Für 2026 überwiegt die schwächer ausgewiesene Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte die optimistischere Kurzfristprognose für das zweite Halbjahr. Es kommt in Summe zu einer leichten Abwärtsrevision gegenüber der Juni-Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 0,5 %. Die Stimmungsaufhellung in der zweiten Jahreshälfte und die günstigeren internationalen Rahmenbedingungen führen aber zu einer Aufwärtsrevision des erwarteten Wirtschaftswachstums für 2027 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,3 %.

Grafik 1

Hier befindet sich Grafik 1. Das linke Panel dieser Grafik hat den Titel „Einkaufsmanagerindex (EMI)“, das rechte Panel den Titel „OeNB-Kurzfristprognose“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autor:innen: konjunktur@oenb.at.

Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg bei schwachem Beschäftigungswachstum von Anfang des Jahres bis Ende Juli 2026 noch leicht an und dürfte erst in den letzten Monaten des Jahres wieder zurückgehen. Aufgrund dieser Entwicklung wird die Prognose für die Arbeitslosenquote im Jahr 2026 gemäß AMS um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert und wird im Jahresdurchschnitt 7,5 % betragen. 2027 und 2028 wird sie jeweils um 0,2 Prozentpunkte zurückgehen.

Für den Budgetsaldo ergibt sich im Rahmen des technischen Updates ein leichtes Aufwärtsrisiko gegenüber unserer Prognose vom Juni. Die bessere Konjunkturprognose sowie der aktuelle Vollzug unterstützen eine bessere budgetäre Entwicklung. Neue angekündigte Maßnahmen, wie die Dürrehilfen für die Landwirtschaft, wirken dem jedoch entgegen. Ein umfassendes Update zur fiskalischen Lage erfolgt im Rahmen der Dezember-Prognose.

3 Inflation sinkt 2026 auf 3 %, weitere Entspannung ab dem zweiten Quartal 2027 erwartet

Die österreichische HVPI-Inflation lag laut Schnellschätzung der Statistik Austria im August 2026 bei 2,9 % und damit bereits deutlich unter dem Höchstwert von 3,5 % im Mai 2026. Der Rückgang bis Juli ist vor allem auf sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Die im Zuge des Nahost-Kriegs gestiegenen Rohöl- und deswegen steigenden Treibstoff- und Heizölpreise gingen zurück. Zudem sanken insbesondere im Juli die Nahrungsmittelpreise. Staatliche Maßnahmen dämpfen in beiden Kategorien den Preisauftrieb. Im Energiebereich tragen die Senkung der Elektrizitätsabgabe, ein Sozialtarif bei Strom, die Reduktion der Erneuerbaren-Förderpauschale sowie die Spritpreisbremse zur Entlastung der Haushalte bei. Die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Nahrungsmittel führt zu einer Reduktion der Nahrungsmittelinflation seit Juli 2026.

3.1 Inflation pendelt sich bei 3 % ein; deutlicher Rückgang ab dem zweiten Quartal 2027 nach Abklingen des Energiepreisschocks

Die OeNB-Prognose geht davon aus, dass die Inflation in etwa auf dem im Sommer beobachteten Niveau bleibt und folglich in den kommenden Monaten etwa 3 % beträgt. Damit ergibt sich eine erwartete Jahres-Inflation von 3,0 % für 2026. Ab März 2027 geht die Jahres-Inflation deutlich zurück, da der aktuelle Energiepreisschock aus dem Jahresvergleich herausfällt (Basiseffekt). Dies setzt jedoch voraus, dass sich die aktuellen Markterwartungen eines Rückgangs der Ölpreise und Großhandelspreise für Gas und Strom bewahrheiten. Bei den Nahrungsmittelpreisen wird trotz der Dürre nur mit begrenzten zusätzlichen Preiswirkungen gerechnet. Die Mehrwertsteuersenkung auf Nahrungsmittel dürfte weiterhin spürbar preisdämpfend wirken. Basierend auf diesen Annahmen geht die Inflationsprognose für 2027 auf 2,3 % zurück und sinkt 2028 auf 2,2 %.

Die Energieinflation dürfte basierend auf den Markterwartungen noch bis zum zweiten Quartal 2027 auf einem erhöhten Niveau bleiben. Der Rückgang der Inflation bei Kraftstoffen wird durch das mit Oktober angenommene Auslaufen der Spritpreisbremse etwas gebremst. Zusätzlich wird der neuerliche Anstieg der Großhandelspreise für Gas und Strom im Juli 2026 bei den Haushalten mit einer Verzögerung sichtbar, die sich aufgrund langfristiger Verträge bei Haushaltsenergie ergibt. Dennoch kommt es ab März 2027 zu einem deutlichen Rückgang der Energieinflation: Basiseffekte, die sich durch das Herausfallen des Energiepreisschocks im Jahresvergleich ergeben, führen – vor allem bei Kraftstoffen und Heizöl – zu negativen Inflationsraten. Die Energieinflation dürfte dann von 6,5 % im Jahr 2026 auf 1 % im Jahr 2027 sinken. 2028 dürfte sie wegen weiter sinkender Rohstoff- bzw. Großhandelspreise mit -0,2 % leicht negativ ausfallen. Der für 2028 vorgesehene Übergang vom nationalen CO2-Bepreisungssystem zum EU-Emissionshandelssystem ETS2 hat in der vorliegenden Prognose keine Auswirkungen. Zwar wird beim Start von ETS2 ein Zertifikatspreis von 46 EUR je Tonne CO2 angenommen, der damit unter dem für das nationale System geltenden Preis (55 EUR) liegt. Es wird jedoch unterstellt, dass diese temporäre Kostenentlastung nicht an die Konsument:innen weitergegeben wird. Diese Annahme beruht auf der Einschätzung, dass der nationale CO2-Preis angesichts der ab 2029 erwarteten höheren ETS2-Preise nicht kurzfristig gesenkt und anschließend wieder angehoben würde. Bei vollständiger Weitergabe könnte die Energieinflation im Jahr 2028 um rund 1 Prozentpunkte niedriger ausfallen; die Gesamtinflation würde dadurch um etwa 0,1 Prozentpunkte gedämpft.

Die prognostizierte Nahrungsmittelinflation bleibt bis Juni 2027 gering und resultiert in Jahreswerten von 1,5 % für 2026 und 2,1 % für 2027. Ausschlaggebend dafür ist in erster Linie die Mehrwertsteuersenkung von 10 % auf 4,9 % auf ausgewählte Nahrungsmittel, die im Juli 2026 in Kraft trat. Unter der Annahme, dass die 100 %-ige Weitergabe an Konsument:innen bestehen bleibt, senkt sie die Nahrungsmittelinflation bis Juni 2027 um etwa 1 Prozentpunkte. Nach dem Wegfall dieses Effekts steigt die Nahrungsmittelinflation deutlich an und dürfte im Jahr 2028 2,4 % erreichen; das entspricht dem langjährigen Durchschnitt. Die Annahme, dass die Mehrwertsteuersenkung an Konsument:innen weitergegeben wird, wird durch die Analyse auf Basis des OeNB Webscraping-Tools untermauert: Wie im OeNB Policy Brief 2026/2 dargelegt, zeigt sich, dass die Supermärkte die Steuersenkung bereits in der ersten Juliwoche nahezu vollumfänglich an die Konsument:innen weitergegeben haben. Die ebendort angekündigte kontinuierliche Beobachtung hochfrequenter Preisdaten legt derzeit nahe, dass die Steuersenkung weiterhin nahezu vollständig an die Konsument:innen weitergegeben wird. Während die Preise der Mehrwertsteuer-begünstigten Produkte weiterhin auf dem Niveau einer nahezu vollständigen Weitergabe der Steuerermäßigung liegen, zeigen die nicht begünstigten Vergleichsprodukte kaum Veränderungen (siehe Grafik 2).

Grafik 2

Hier befindet sich Grafik 2 mit dem Titel „Effekte der Mehrwertsteuersenkung auf die Preise ausgewählter Lebensmittel“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autor:innen: konjunktur@oenb.at.

Die Dürre im Sommer 2026 schlägt sich derzeit noch nicht in den erwarteten EU-Erzeugerpreisen für Nahrungsmittel nieder. Diese wurden im Vergleich zur OeNB-Juni-Prognose sogar nach unten revidiert. Unabhängig davon sind die Welthandelspreise für Nahrungsmittel zuletzt leicht gestiegen, wozu insbesondere höhere Kaffee- und Kakaopreise beigetragen haben.

Historische Zusammenhänge für Österreich deuten jedoch darauf hin, dass insbesondere überdurchschnittliche Temperaturen im Sommer bei verschiedenen verarbeiteten Nahrungsmitteln und Getränken mit erhöhtem Preisdruck einhergehen (siehe OeNB Policy Brief 2026/7). So war eine um 1,7°C höhere Durchschnittstemperatur während eines Sommermonats bei Frucht- und Gemüsesäften im Durchschnitt mit einer um rund 0,3 Prozentpunkte höheren Inflationsrate verbunden. Die außergewöhnlich hohen Temperaturabweichungen im Sommer 2026 erreichten diese Größenordnung in allen drei Sommermonaten oder überstiegen sie teilweise deutlich. Da solche Preisreaktionen jedoch auf einzelne Komponenten konzentriert sind, bleibt der Effekt auf die HVPI-Gesamtinflation begrenzt. In der aktuellen OeNB-Prognose wird für den Zeitraum September 2026 bis Juni 2027 ein wetterbedingter Aufwärtsbeitrag von insgesamt rund 0,1 Prozentpunkte zur HVPI-Inflation berücksichtigt.

Die Inflation bei Industriegütern ohne Energie lag im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei niedrigen 0,6 % und damit bei der Hälfte ihres langfristigen Durchschnitts. Auch für das Gesamtjahr 2026 erwartet die OeNB in dieser Sondergruppe eine durchschnittliche Inflationsrate von 0,6 % und für die Jahre 2027 und 2028 einen Anstieg der Teuerung auf 1,1 % und 1,7 %. Dieses Profil spiegelt die verzögert einsetzenden indirekten Effekte des Energiepreisschocks wider. Diese zeigen sich unter anderem in steigenden Importpreisen und dadurch höheren Vorleistungskosten im verarbeitenden Gewerbe.

Die HVPI-Inflation für Dienstleistungen dürfte schrittweise sinken, und zwar von 4,3 % im Jahr 2026 auf 3,2 % im Jahr 2027 sowie 2,8 % im Jahr 2028. Dieser Trend wird von der prognostizierten Abschwächung des Lohnkostenwachstums getragen. Die Kerninflation gemessen an der HVPI-Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt 2026 wegen der weiterhin hohen Dienstleistungsinflation mit 3 % auf dem Niveau der Gesamtinflation. Sie verringert sich im Prognosehorizont etwas langsamer als die Gesamtinflationsrate, weshalb sie 2027 mit 2,5 % und 2028 mit 2,4 % über der HVPI-Inflation liegen dürfte.

Der Inflationsabstand Österreichs zum Euroraum hat sich zuletzt deutlich verringert und betrug in den ersten acht Monaten des Jahres durchschnittlich nur noch 0,3 Prozentpunkte. Er liegt damit auch unter dem langjährigen Durchschnitt von 0,7 Prozentpunkten in der Zeit vor der COVID-19-Pandemie. Für die kommenden Jahre wird erwartet, dass sich die österreichische Inflation in etwa im Einklang mit jener des Euroraums entwickelt.

Gegenüber der Prognose vom Juni 2026 revidiert die OeNB die HVPI-Inflationsrate für das Jahr 2026 um 0,2 Prozentpunkte und für 2027 um 0,1 Prozentpunkte nach unten. Die Abwärtsrevisionen sind auf zwei Faktoren zurückzuführen: Erstens fiel die bislang realisierte Inflation geringer aus als in der Juni-Prognose erwartet. Dadurch verbessert sich die Ausgangslage für die weiteren Monate, was zu niedrigeren Jahresinflationsraten führt. Zweitens wurden die Annahmen für die Rohölpreise sowie für die EU-Erzeugerpreise von Nahrungsmitteln bis 2028 nach unten revidiert. Diese Entwicklungen wirken dämpfend auf die Verbraucherpreise und schlagen sich entsprechend in niedrigeren Inflationsraten nieder.

Tabelle 2

OeNB-Inflationsprognose vom September 2026  
      Prognose   Revisionen gegenüber
Juni 2026
  2024 2025 2026 2027 2028 2026 2027 2028
    Veränderung zum Vorjahr in % in Prozentpunkten
HVPI-Inflation 2,9 3,6 3,0 2,3 2,2 -0,2 -0,1 0,1
Nahrungsmittel insgesamt 2,9 3,5 1,5 2,1 2,4 -1,0 -1,0 -0,3
davon unverarbeitete Nahrungsmittel 1,0 2,8 2,7 2,7 x -0,8 -0,4 x
davon verarbeitete Nahrungsmittel 3,3 3,7 1,2 2,0 x -1,0 -1,1 x
Industriegüter ohne Energie 0,9 0,9 0,6 1,1 1,7 -0,2 -0,4 0,2
Energie –5,4 7,6 6,5 1,0 -0,2 -0,6 2,0 0,5
Dienstleistungen 5,7 4,5 4,3 3,2 2,8 0,1 0,0 0,1
HVPI ohne Energie 3,7 3,2 2,7 2,4 2,4 -0,2 -0,3 0,0
HVPI ohne Energie und Nahrungsmittel 3,9 3,1 3,0 2,5 2,4 0,2 -0,1 0,1
Quelle: OeNB, Statistik Austria.

Neben höheren Rohstoffpreisen im Falle einer Verschärfung des Krieges im Nahen und Mittleren Osten stellt ein stärkerer Anstieg der Nahrungsmittelpreise ein Aufwärtsrisiko für die Inflationsprognose dar. Die Dürre und damit verbundene Ernteausfälle könnten stärkere Preiswirkungen entfalten, als derzeit in den Erzeugerpreisen und auf Basis historischer Zusammenhänge absehbar ist. Hinzu kommen mögliche internationale Wettereffekte, die über Rohstoffpreise, Handel und Lieferketten auf die österreichischen Verbraucherpreise wirken.

Grafik 3

Hier befindet sich Grafik 3 mit dem Titel „Beiträge der Komponenten zur HVPI-Inflation“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autor:innen: konjunktur@oenb.at.

4 Szenarien bilden Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Energie- und Nahrungsmittelpreise ab

Vor dem Hintergrund des seit Ende Februar andauernden Kriegs im Nahen und Mittleren Osten wird die Prognose durch Szenarien über alternative Rohstoffpreisannahmen ergänzt. Die jüngste Eskalation Ende August/Anfang September hat den Aufwärtsdruck auf die Erdöl- und Erdgaspreise seit Datenschluss (19. August) nochmals verstärkt. Gleichzeitig erhöhen anhaltende militärische Auseinandersetzungen und Beeinträchtigungen wichtiger Handels- und Transportwege die Unsicherheit auf den internationalen Agrarmärkten; insbesondere die Weizenpreise sind zuletzt aufgrund von Versorgungs- und Logistikrisiken deutlich gestiegen. Die Szenarien sollen daher abbilden, wie sich eine weitere Verschärfung oder eine längere Dauer des Krieges über höhere Energie-, Transport- und Produktionskosten sowie über Nahrungsmittelpreise auf Inflation und Konjunktur auswirken könnte.

Die Szenarien basieren auf alternativen Annahmen, die auch die EZB im Rahmen ihrer Prognose vom September 2026 nutzt. Die Szenarien („Mild“, „Adverse“ und „Severe“) unterscheiden sich im Ausmaß und der Dauer des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten. 1 Im Szenario „Mild“ normalisieren sich die Energiepreise schneller als in der Baseline. Die Baseline stellt die oben vorgestellte Hauptprognose dar. Ihr liegen als internationale Rahmenbedingungen die Markterwartungen mit Datenschluss 19. August zugrunde. Das Szenario „Adverse“ geht hingegen von höheren Energie- und Nahrungsmittelpreisen im Prognosehorizont als in der Baseline aus. Zusätzlich wird angenommen, dass die höheren Energiepreise stärkere Auswirkungen auf Preise und Konjunktur im Euroraum haben. Dazu werden zusätzliche Übertragungskanäle wie eine negative Reaktion der Finanzmärkte, eine erhöhte inländische Unsicherheit sowie indirekte Effekte über die Betroffenheit der Weltwirtschaft unterstellt. Im Szenario „Severe“ wird ein noch stärkerer und persistenterer Energiepreisschock und eine stärkere Übertragung auf Wachstum und Inflation angenommen.

Grafik 4

Hier befindet sich Grafik 4 mit dem Titel „Annahmen zu Energie- und Rohstoffpreisentwicklungen der Szenarien“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autor:innen: konjunktur@oenb.at.

Tabelle 3 stellt die Bandbreiten der Wachstums- und Inflationsprognose über alle Szenarien dar. Im Folgenden wird nur auf das negativste und positivste Szenario eingegangen. Die Szenarien-Simulationen beginnen erst mit dem vierten Quartal 2026 und zeigen daher für 2026 keine nennenswerten Abweichungen im Wachstum für Österreich gegenüber der Hauptprognose. Im Jahr 2027 käme es im Szenario „Severe“ zu einem um 1 Prozentpunkte niedrigeren Wachstum von 0,3 %, die österreichische Volkswirtschaft würde jedoch nicht in eine erneute Rezession abgleiten. Im Jahr 2028 würden die negativen Wachstumseffekte langsam ausklingen. Anders als beim BIP-Wachstum würde die Inflation bereits 2026 stärker von der Hauptprognose abweichen. Im Szenario „Severe“ würde es im Jahr 2027 zu einem Anstieg der Inflation auf 5,6 % kommen. Im milden Szenario fällt die Inflation 2027 deutlich niedriger aus und das Wachstum erreicht fast 1,5 %.

Tabelle 3

Szenarienergebnisse  
       
    September 2026: Prognose und Szenarien
    Prognose (Baseline) Szenario „mild“ Szenario „adverse“ Szenario „severe“
  Wachstum in %        
Reales BIP 2026 0,5 0,5 0,5 0,4
  2027 1,3 1,4 1,0 0,3
  2028 1,2 1,3 1,0 0,9
  %      
HVPI-Inflation 2026 3,0 2,9 3,2 3,4
  2027 2,3 1,7 3,1 5,6
  2028 2,2 1,9 2,4 3,2
Quelle: OeNB.

  1. Im Szenario „Mild“ liegen Erdölpreise im Mittel um 15 %, die Gaspreise um 20 % unter den Werten der Baseline. Die Nahrungsmittelpreisannahmen wurden in diesem Szenario nicht verändert. Im Szenario „Adverse“ liegen die Erdöl- und Gaspreise um durchschnittlich 30 %, die Nahrungsmittelpreise um 7 % über der Baseline. Im Szenario „Severe“ betragen die durchschnittlichen Abweichungen der Preise 75 % (Erdöl), 100 % (Gas) und 20 % (Lebensmittel). ↩︎

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