OeNB Report 2026/7: Aktuelle Entwicklungen bei Österreichs Direktinvestitionen (DI)
Österreichische DI im Ausland und ausländische DI in Österreich
Kujtim Avdiu, Oesterreichische Nationalbank, Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, kujtim.avdiu@oenb.at
Thomas Cernohous, Oesterreichische Nationalbank, Statistik – Außenwirtschaft, Finanzierungsrechnung und Monetärstatistiken, thomas.cernohous@oenb.at
Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten erreichten zum Jahresultimo 2024 die Bestände ausländischer Direktinvestitionen (DI) in Österreich (Passive DI oder PDI), sowie österreichischer DI im Ausland (Aktive DI oder ADI) neue Höchstwerte. Jedoch zeigten sich Unterschiede bei den Finanzierungsformen, PDI stiegen vor allem durch nicht entnommene Gewinne, ADI durch Eigenkapitalzuflüsse sowie durch erhaltene Konzernkredite. Regional betrachtet gewinnt Europa als Zielregion österreichischer Direktinvestitionen wieder an Bedeutung
Highlights
-
DI-Bestände erreichten neue Höchstwerte Zum 31. Dezember 2024 betrugen die Bestände ausländischer DI in Österreich 193,5 Mrd EUR. Österreichische DI im Ausland erreichten 257,4 Mrd EUR.
-
Unterschiede bei Finanzierungsformen ADI stiegen vor allem durch den Zufluss von Eigenkapital und Konzernkrediten. Bei PDI trugen reinvestierte Gewinne am meisten zum Wachstum bei.
-
Europa wieder attraktiver Der Marktanteil bei ADI in den EU-27 Ländern war von 2017 bis 2022 gefallen, 2023 und 2024 konnte er wieder zulegen.
1 Vorwort
Seit den 1970er-Jahren befragt die Oesterreichische Nationalbank regelmäßig Unternehmen und Privatpersonen zum Thema Direktinvestitionen. Zunächst stand der ausländische Einfluss auf die österreichische Volkswirtschaft im Vordergrund, nach wenigen Jahren rückte jedoch auch das Thema der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland in den Fokus. Die wirtschaftliche Bedeutung der Direktinvestitionen wuchs mit der Zeit und so wechselte man 1989 von einem Zweijahres- zu einem Jahresintervall der Erhebung. Gleichzeitig wurde erstmals eine Meldeschwelle eingeführt, um die Belastung von Respondenten und Statistikverantwortlichen zu reduzieren. Die letzte größere Umstellung erfolgte 2006 und betraf die Bewertung börsennotierter Aktiengesellschaften zum Börsenkurs, die Erweiterung des Begriffs „Sonstiges Direktinvestitionskapital“ und den Ausschluss von Special Purpose Entities. Diese zählen – ebenso wie der grenzüberschreitende Liegenschaftsbesitz – zwar zu den Direktinvestitionen im Sinne der Zahlungsbilanz, werden hier aber aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Aktivität in Österreich nicht behandelt. In einem Vorgriff auf die Umstellung der Zahlungsbilanzstatistik auf die neuen internationalen Vorgaben des Manual 6 des IWF zur Zahlungsbilanz im Herbst des Jahres 2014 wurden ab dem Berichtsjahr 2010 alle konzernintern vergebenen Kredite (auch Schwesternkredite) als Direktinvestitionen erfasst. Die Zuordnung zu den aktiven bzw. passiven Direktinvestitionen erfolgt bei Schwesternkrediten in Abhängigkeit vom Sitz der Konzernzentrale: Liegt dieser in Österreich, handelt es sich um aktive, andernfalls um passive Direktinvestitionen. Das Kap. 2 der vorliegenden Publikation befasst sich mit aktuellen Entwicklungen bei Österreichs Direktinvestitionen. Wie gewohnt werden unter „Methoden, Definitionen und Quellen“ (Kap. 3) wichtige Begriffe der Direktinvestitionsstatistik erläutert. In einem ausführlichen Anhang (Kap. 4) werden die Detailergebnisse in Form von Tabellen, einem Schaubild und Landkarten dargestellt.
Die Autoren bedanken sich herzlich bei Marc Bittner (Abteilung für Kommunikation) für das Lektorat bzw. die redaktionelle Betreuung sowie bei Birgit Jank und Andreas Kulleschitz (Informationsmanagement und Services) für den Satz des Tabellen- und Landkartenanhangs.
2 Aktuelle Entwicklungen bei Österreichs Direktinvestitionen
Geopolitische Spannungen, die Entflechtung von Lieferketten sowie Rezessionen in Österreich und beim wichtigsten Handelspartner Deutschland prägen das aktuelle wirtschaftliche Umfeld. Trotzdem wuchsen Österreichs Direktinvestitionen im Zeitraum 31. Dezember 2023 bis 31. Dezember 2024 um etwa 9 %. Der folgende Beitrag analysiert diesen Anstieg und vergleicht dabei die Dynamik von aktiven und passiven Direktinvestitionen (Kapitel 2.1). In Kapitel 2.2 richtet sich der Blick auf langfristige regionale Trends.
2.1 Stärkere Dynamik bei aktiven Direktinvestitionen
Die letzte Erhebung zu Beständen österreichischer Direktinvestitionen (DI) liegt für das Jahr 2023 vor. Für 2024 wurden diese anhand gemeldeter Transaktionen sowie berechneter Wechselkurseffekte geschätzt. Zum 31. Dezember 2023 betrugen ausländische DI in Österreich (Passive DI oder PDI) 193,5 Mrd EUR. Österreichische Direktinvestitionen im Ausland (Aktive DI oder ADI) lagen mit 257,4 Mrd EUR deutlich darüber. Grafik 1 verdeutlicht das Aufgehen der Schere zwischen ADI und PDI seit 1995.
Grafik 1
Aktuellste verfügbare Zahlen basierend auf Schätzungen zeigen im Betrachtungszeitraum Jänner 2023 bis Juni 2025 einen Anstieg bei PDI um 33,8 Mrd EUR, bei ADI um 38,5 Mrd EUR. Die wichtigste Komponente bei den PDI waren reinvestierte Gewinne, die 52,6 % des Wachstums ausmachten (ADI 39,0 %). Auffällig waren die Unterschiede bei Zuflüssen in Form von Eigenkapital und Konzernkrediten: Ihr Wachstumsbeitrag lag bei den ADI mit 48,9 % deutlich über jenen bei den PDI (26,5 %). Das legt eine stärkere Investitionsdynamik bei ADI nahe, bei PDI hingegen trug die Innenfinanzierung in Form von nicht ausgeschütteten Gewinnen am meisten zum Wachstum bei. Sonstige Änderungen – etwa aufgrund von Preis- und Wechselkurseffekten – betrugen 20,9 % (PDI) bzw. 12,1 % (ADI).
2.2 Regionale Trends
Passive Direktinvestitionen
Grafik 2 zeigt passive DI-Bestände, regional gegliedert nach dem Sitzland der Konzernzentrale. In der langfristigen Betrachtung sind europäische multinationale Unternehmen die dominanten Direktinvestoren in Österreich. Vor allem Deutschland hat als Herkunftsland eine große Bedeutung, die in den letzten Jahren jedoch etwas abgenommen hat. Zum Jahresende 2024 wurden 28,5 % aller PDI von unserem Nachbarland kontrolliert, wobei dieser Anteil zu Beginn der 2000er-Jahre noch über 40 % betragen hatte. In den letzten vier Jahren fiel dieser Anteil stetig, die aktuellen Gewinnrückgänge der großen Automobilhersteller legen eine Fortsetzung dieses Trends nahe.
Grafik 2
Marktanteile gewinnen konnten in den letzten Jahren vor allem außereuropäische Investor:innen, allen voran jene aus den USA. Deren Anteil hat sich – nach einem langen Rückgang zwischen 2009 und 2022 – wieder stabilisiert und in den letzten beiden Jahren von 5,9 % auf 7,5 % zugelegt. Der Anteil russischer Investitionen betrug Ende 2024 nach wie vor etwa 11 %, es kamen in den Jahren seit Ausbruch des Angriffskriegs gegen die Ukraine jedoch keine neuen Investitionen hinzu.
Aktive Direktinvestitionen
Im Jahr 2022 war etwa ein Viertel aller österreichischen Direktinvestitionen außerhalb Europas verortet (Grafik 2). In den beiden folgenden Jahren 2023 und 2024 ist dieser Anteil leicht auf 23,7 % gefallen. Geopolitische Erwägungen sowie stärkere europäische Regulierungen bei Auslandsinvestitionen könnten dabei ein Faktor gewesen sein. Zusätzlich zeichnete sich in den letzten Jahren eine leichte Verschiebung von Asien zugunsten der USA ab.
Grafik 3
Seit den 1990er-Jahren spielte der CESEE 1 -Raum eine besondere Rolle für österreichische Direktinvestor:innen. Von der Ostöffnung konnten vor allem heimische Banken und Versicherungen profitieren. Der Höhepunkt der Entwicklung liegt bereits fast zwanzig Jahre zurück: Im Jahr 2007 war die Hälfte aller ADI in CESEE-Ländern investiert. Das Aufholen anderer Zielregionen für österreichische Investitionen hat diesen Anteil auf etwa ein Drittel schrumpfen lassen.
3 Methoden, Definitionen und Quellen
Der vorliegende Report enthält die Ergebnisse von zwei Befragungsaktionen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) über den Stand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland und über den Stand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich per Ende 2023. Erhebungen zu grenzüberschreitenden Unternehmensbeteiligungen werden von der OeNB seit dem Jahr 1968 regelmäßig durchgeführt.
Im Jahr 2006 wurde der Fragebogen nach einer 15-jährigen Phase, in der es kaum Änderungen gegeben hatte, einer weitreichenden Überarbeitung unterzogen. Die wichtigsten methodischen Neuerungen waren erstens die Bewertung börsennotierter Aktiengesellschaften zu Börsenkursen, zweitens eine Erweiterung des Begriffs des Sonstigen Kapitals und drittens der Ausschluss von Special Purpose Entities (SPEs) aus der Direktinvestitionsstatistik (siehe Kap. 3.2). Außerdem wurde zur Entlastung der Melder verstärkt auf bereits vorhandene statistische Daten oder Registerdaten zurückgegriffen. Schließlich wurde auch die Meldeschwelle für Transaktionen von 72.000 EUR Nominalkapitalanteil auf 100.000 EUR angehoben, wodurch Zeitreihen, die sich auf die Anzahl von Einheiten beziehen, zu diesem Zeitpunkt einen Bruch aufweisen. Mit Jänner 2014 wurde diese Meldeschwelle auf 500.000 EUR erneut angehoben.
Im Berichtsjahr 2008 erfolgte die Einführung der neuen Aktivitätsgliederung ÖNACE 2008, für die auch eine Rückrechnung auf Firmenebene vorgenommen wurde. Die alte Aktivitätsgliederung ÖNACE 2003 war bis zum Berichtsjahr 2012 verfügbar.
In einem Vorgriff auf die europaweite Umstellung der Zahlungsbilanzstatistik auf die neuen internationalen Vorschriften des 6. Zahlungsbilanzmanuals (IWF, 2009; OECD, 2008) im Herbst 2014 wurden bereits im Berichtsjahr 2010 erstmals sämtliche Kredite zwischen Schwestergesellschaften (Unternehmen unter gemeinsamer Konzernführung, jedoch ohne wechselseitige Kapitalbeteiligung) als Direktinvestitionen erfasst. Zuvor konnten nur jene Schwesternkredite erfasst werden, bei denen der österreichische Beteiligte als (aktiver) Direktinvestor oder als (passives) Direktinvestitionsunternehmen bekannt war. Die Zuordnung zu den aktiven bzw. passiven Direktinvestitionen erfolgt bei Schwesternkrediten nach dem „extended directional principle“ (IWF, 2009, 107f.; OECD, 2008, 56f.), das heißt abhängig vom Sitzland der Konzernzentrale. Konzerninterne Forderungen eines inländischen Kreditgebers erhöhen die aktiven Direktinvestitionen Österreichs, falls er einem österreichischen Konzern angehört, und reduzieren die passiven Direktinvestitionen, falls er Teil eines ausländischen multinationalen Unternehmens ist. Umgekehrt gilt: Enthält ein inländisches Unternehmen einen „Schwesternkredit“, so erhöht dies die passiven Direktinvestitionen, falls es sich um einen ausländischen Konzern handelt, und es reduziert die aktiven Direktinvestitionen, wenn die Konzernzentrale in Österreich liegt. Die Einbeziehung der Schwesternkredite erhöhte das Bruttovolumen an Forderungen und Verbindlichkeiten im Rahmen der Direktinvestitionen erheblich. Der Einfluss auf die Höhe der Bestände an aktiven und passiven Direktinvestitionen wie auch auf die Reihenfolge der Zielländer bzw. der Herkunftsländer blieb jedoch beschränkt.
Seit Herbst 2014 gibt es neben der gewohnten Gliederung in aktive und passive Direktinvestitionen auch eine Darstellung nach dem sogenannten Assets-Liabilities-Prinzip, zu finden vor allem in den globalen Darstellungen der Zahlungsbilanzstatistik und in der Internationalen Vermögensposition.
Dabei wird die Summe der Forderungen aus Direktinvestitionen der Summe der Verpflichtungen aus Direktinvestitionen gegenübergestellt, ohne auf die Richtung der Direktinvestition Rücksicht zu nehmen. Eine Überleitung zwischen diesen beiden Sichtweisen der Direktinvestitionsstatistik wird auf der OeNB-Website angeboten. Die vorliegende Bestandsstatistik der Direktinvestitionen folgt jedoch weiterhin ausschließlich dem (extended) directional principle, das sich am Sitzland des Investors orientiert.
Ab dem Berichtsjahr 2022 liegt eine verbesserte Datengrundlage zu Cash-Pooling-Aktivitäten von multinationalen Konzernen vor. Dabei handelt es sich um konzerninternes Liquiditätsmanagement, bei dem Einheiten mit Cash-Überschüssen diese anderen verbundenen Unternehmen zur Verfügung stellen. Die daraus entstehenden Forderungen und Verbindlichkeiten sind, sofern sie grenzüberschreitend sind, als Direktinvestitionen auszuweisen.
3.1 Inhaltliche Abgrenzung
Das österreichische Konzept zur Bestimmung von Direktinvestitionen orientiert sich grundsätzlich an den Richtlinien der zuständigen internationalen Organisationen, also dem Zahlungsbilanzmanual des Internationalen Währungsfonds bzw. der Benchmark-Definition der OECD in der jeweils gültigen Auflage. Demgemäß versteht man unter ausländischen Direktinvestitionen Kapitalanlagen, die Investoren in der Absicht vornehmen, mit einem Unternehmen in einem anderen Land eine dauerhafte Wirtschaftsbeziehung herzustellen und aufrechtzuerhalten, wobei gleichzeitig die Absicht besteht, auf das Management dieser Firma einen spürbaren Einfluss auszuüben. Im Einklang mit den genannten internationalen Standards wird eine solche Absicht unterstellt, sobald der Direktinvestor am Direktinvestitionsunternehmen eine Beteiligung von mindestens 10 % hält. Andere Internationalisierungsformen, wie z. B. reine Kooperations- und Konsultationsverträge, werden nicht berücksichtigt.
Diese 10-Prozent-Schwelle unterscheidet Direktinvestitionen von anderen langfristigen Kapitalanlagen, wie z. B. Portfolioinvestitionen, bei denen hauptsächlich Ertragsüberlegungen im Vordergrund stehen.
Ebenfalls zu den Direktinvestitionen zählt nach diesem Konzept der Erwerb von Liegenschaften im Ausland. Der grenzüberschreitende Liegenschaftsverkehr wird in der Zahlungsbilanzstatistik tatsächlich erfasst, die entsprechenden Vermögensbestände der Internationalen Vermögensposition werden hingegen nicht erhoben, sondern durch die Kumulation der Flüsse ermittelt. In der vorliegenden Publikation, die eine Unternehmensbefragung zum Gegenstand hat, sind solche Formen von Direktinvestitionen jedoch ausdrücklich nicht enthalten.
Im Wesentlichen werden Direktinvestitionen in vier Formen getätigt:
-
Beteiligungen an bestehenden oder neu gegründeten Unternehmen durch Bareinlagen, Aufrechnung von Forderungen sowie durch Einbringung von Sachen und Rechten.
-
Reinvestition von Gewinnen, indem der erzielte Gewinn nicht oder nur teilweise ausgeschüttet wird und im Direktinvestitionsunternehmen verbleibt.
-
Gewährung von Krediten und sonstigen Zuschüssen, die von den Investoren neben dem investierten Eigenkapital dem Unternehmen zur Stärkung der Kapitalkraft zur Verfügung gestellt werden. Kredite von Tochtergesellschaften an Mutterunternehmen werden im Sinne des directional principle als negative Direktinvestitionen bewertet und können gelegentlich auch zu negativen Ständen von Direktinvestitionen führen. Ebenfalls enthalten sind Kredite zwischen Schwestergesellschaften, die demselben Konzern angehören, ohne jedoch aneinander beteiligt zu sein. Die Zuordnung zu den aktiven bzw. passiven Direktinvestitionen richtet sich dabei nach dem Sitzland der Konzernzentrale. Liegt dieses in Österreich, handelt es sich um aktive, andernfalls um passive Direktinvestitionen.
-
Mittlerweile sind nicht nur Konzernkredite, sondern auch Fälle von Anleihen in der Direktinvestitionsstatistik enthalten: Wenn eine Unternehmensanleihe ausschließlich von anderen Konzernunternehmen gezeichnet wird, erfüllt sie eine ähnliche Finanzierungsfunktion wie ein Konzernkredit und wird daher den Direktinvestitionen, genauer der Unterposition Sonstiges Direktinvestitionskapital, zugerechnet.
Aus diesen Möglichkeiten leitet sich auch die in der internationalen Statistik übliche Unterscheidung des Direktinvestitionskapitals in die Kategorien Eigenkapital und Sonstiges Direktinvestitionskapital ab.
3.2 Bereinigung um Special Purpose Entities (SPEs)
Die fortschreitende weltwirtschaftliche Integration, die zunehmende Beseitigung von Kapitalverkehrsbeschränkungen und die damit einhergehende wachsende Komplexität von Konzernstrukturen haben zu Diskussionen bezüglich der Aussagekraft traditioneller Direktinvestitionsstatistiken geführt. Eine der Hauptursachen für die von manchen Datennutzenden beklagte Verzerrung stellen Holdinggesellschaften dar, die unter ausländischer Kontrolle stehen, im Inland keine oder zumindest keine nennenswerte wirtschaftliche Aktivität entfalten, gleichzeitig aber Eigentümer erheblicher ausländischer Unternehmenswerte sein können. Solche Beteiligungsgesellschaften stellen nach den geltenden Richtlinien aktive und passive Direktinvestitionen zugleich dar. Mittlerweile werden Konzerne gelegentlich über Ketten von Holdinggesellschaften in verschiedenen Ländern organisiert, was aus kritischer Sicht zu Doppel- und Mehrfachzählungen von Direktinvestitionen führt und auch Ursprung und Ziel von Direktinvestitionen verschleiert. Eine andere Form von SPEs besteht in Zweckgesellschaften, die nur gegründet werden, um in einem bestimmten Land Finanzmittel für den gesamten Konzern aufzunehmen. Aus einer gewöhnlichen Kreditaufnahme oder Wertpapieremission im Ausland wird so eine „negative Direktinvestition“ (Kredit der Tochter- an die Muttergesellschaft).
Während Befürworter der bestehenden Definitionen darauf verweisen, dass auch diese Formen der Unternehmensorganisation relevante Sachverhalte im Sinne der Direktinvestitionen darstellen, zweifeln realwirtschaftlich interessierte Forschende den Nutzen solcher Statistiken an. Als Lösung dieses Dilemmas wird seitens der internationalen Organisationen vorgeschlagen, SPEs in der Statistik gesondert auszuweisen (OECD, 2008, S. 186ff.). EUROSTAT und EZB haben ihre Berichtserfordernisse mittlerweile entsprechend angepasst. Aufgrund der geringen Anzahl ansässiger SPEs ist es in Österreich jedoch nicht möglich, beide Statistiken (mit bzw. ohne SPEs) zu publizieren, da durch Differenzbildung Einzelfälle entschlüsselt werden könnten. Das wiederum würde Datenschutzbestimmungen verletzen. Die OeNB hat sich daher entschlossen, nur die Daten ohne SPEs (also Direktinvestitionen im engeren Sinne) zu publizieren.
Österreich war und ist zwar Standort vieler Holdinggesellschaften, die zum Teil ausländische Eigentümer haben und ihrerseits als Brückenköpfe wiederum Auslandsbeteiligungen – vorzugsweise in Zentral-, Ost- und Südosteuropa – halten. Die meisten von ihnen entfalten jedoch auch Produktionsaktivitäten im Inland und die wenigen reinen Durchlauf-Holdinggesellschaften waren vor 2005 von normaler Größe. Die Statistik wurde dadurch nicht wirklich verzerrt, obgleich es gelegentlich durch rein buchhalterische Maßnahmen zu erheblichen Verschiebungen – etwa in regionaler Hinsicht – kam. 2005 tauchten erstmals SPEs in einer Größenordnung auf, die eine Änderung erzwang. Seit damals wird etwa ein Dutzend Unternehmen aus der Darstellung (nicht aber der Erhebung) ausgeschlossen, die zu Jahresende 2016 einen Unternehmenswert von etwa 50 Mrd EUR repräsentieren, in Österreich aber nahezu keine Beschäftigten ausweisen und nicht am österreichischen Markt aktiv sind. In Meldungen an EUROSTAT und die EZB müssen solche Unternehmen zwar enthalten sein, um die bilaterale Symmetrie zu wahren – eine Voraussetzung für die Ermittlung von Aggregaten auf europäischer Ebene. Bei der Nutzung österreichischer Statistiken erscheint diese „Lücke“ jedoch eher von Vorteil zu sein.
3.3 Stammhausbereinigung bei passiven Direktinvestitionen
Bei der regionalen Zuordnung der Herkunft von Direktinvestitionen ist man mit der Tatsache konfrontiert, dass der unmittelbare Kapitalgeber nicht immer der eigentliche Entscheidungsträger ist. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn eine deutsche Firma sich durch eine Holding mit Sitz in der Schweiz an einer österreichischen Firma beteiligt. Um eine solche Verzerrung bei regionalen Auswertungen zu korrigieren, wird bereits seit 1982 das Herkunftsland des mittelbaren Kapitalgebers (Stammhaus) anstelle des unmittelbaren Eigentümers bei der regionalen Zuordnung herangezogen. Diese in Österreich bewährte Vorgangsweise wird nunmehr auch von internationalen Organisationen für die um SPEs bereinigten Satellitenstatistiken empfohlen. Für die Ermittlung europäischer Aggregate ist hingegen weiterhin das Sitzland der unmittelbaren Eigentümer zu erheben und zu melden.
Als Folge der Stammhausbereinigung ist es paradoxerweise möglich, dass das Land Österreich als Herkunftsland ausländischer Direktinvestitionen in Österreich aufscheinen kann. In der international geforderten Gliederung nach dem unmittelbaren Eigentümer sind solche Beteiligungen sowohl als aktive wie auch als passive Direktinvestitionen enthalten. Bei der Stammhausbereinigung wurden sie bis zum Berichtsjahr 2002 herausgerechnet, was je nach Darstellung (Stammhaus oder unmittelbarer Eigentümer) zu unterschiedlichen Gesamtwerten bei den passiven Direktinvestitionen führte. Seither wird Österreich als mögliches Herkunftsland geführt und seit 2006 auch explizit ausgewiesen.
3.4 Aufbau des Tabellenteils
Mit der Umstellung der Befragung per 31. Dezember 2006 wurde auch das Tabellenangebot erweitert und leicht umstrukturiert: Der Tabellenteil beginnt mit einer Zeitreihendarstellung der wichtigsten Globalgrößen sowie der zeitlichen Entwicklung des Gesamtwerts bzw. der Beschäftigung bei Direktinvestitionsunternehmen nach Ländern und Branchen. Im Einklang mit internationalen Standards zu Direktinvestitionsstatistiken basieren die Auswertungen nach Wirtschaftszweigen auf der Aktivität des jeweiligen Direktinvestitionsunternehmens (des Tochterunternehmens).
Die Tabellen 6 und 7 gliedern die Hauptergebnisse zusätzlich zur Aufteilung nach Ländern und Wirtschaftszweigen auch nach Bundesländern, Größenklassen, Alter und Gründungsteilnahme sowie nach der Art der Beteiligung bzw. des Investors. Dazu kommen die Gliederungen nach volkswirtschaftlichem Sektor des inländischen Beteiligten und nach der Rechtsform der Tochtergesellschaft. Dieselben Gliederungskriterien werden in den Tabellen 8 bis 11 auf die Gewinn- und Verlustrechnung bzw. einige wichtige Aktivitätsmaßzahlen (Außenhandel, Patent- und Lizenzzahlungen) angewandt.
Die nachfolgenden Tabellen gliedern die Hauptmerkmale Wert und Beschäftigung gleichzeitig nach Regionen und Branchen. Aus Datenschutzgründen kann die Gliederung nach Einzelländern nur grobe Branchengruppen ausweisen (Tabelle 12), bzw. kann bei der Aufgliederung nach Wirtschaftszweigen (Tabelle 13) nur eine eingeschränkte Regionalgliederung zur Anwendung kommen. Die Tabellen 14 und 15 thematisieren die Frage der ausländischen Kontrolle bei aktiven (Art des Investors) und passiven (Höhe der Beteiligung) Direktinvestitionen. Die Motive der Direktinvestoren sind in Tabelle 16 wiedergegeben. Abschließend veranschaulichen die Tabellen 17 und 18 anhand des Merkmals Beschäftigung die Bedeutung indirekter Beteiligungen.
Die Ergebnisse der Erhebungen über aktive und passive Direktinvestitionen werden wie bisher gemeinsam publiziert. Die tabellarischen Darstellungen der inlands- und auslandsorientierten Direktinvestitionen sind (soweit es das Datenmaterial erlaubt) identisch aufgebaut.
Dadurch ist es möglich, eine bestimmte Fragestellung aus der Sicht der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland (aktiv) unmittelbar mit der Perspektive der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich (passiv) zu vergleichen.
Die Umstellung von Zahlungsbilanzstatistik und Internationaler Vermögensbilanz (IVP) nach dem 6. Zahlungsbilanzhandbuch hat für die Darstellung der Bestände der Direktinvestitionen keine unmittelbare Auswirkung. Anzumerken ist allerdings die Tatsache, dass die Ergebnisse aus der Rückrechnung für die Zahlungsbilanz und die IVP für die Jahre 2006 bis 2014 in dieser Publikation keine Berücksichtigung finden können. Die Diskrepanzen zwischen der vorliegenden Publikation und den aktuellen Werten im Bereich Statistik auf der OeNB-Website beruhen hauptsächlich auf der Einbeziehung einiger großer Schwesterkredite im Zeitraum 2006 bis 2010 sowie der Korrektur des Zeitpunkts der Erfassung einiger weniger Großinvestitionen.
3.5 Glossar
Aktive Direktinvestition
Beteiligung eines in Österreich ansässigen Investors an einem Unternehmen mit Sitz im Ausland von mehr als 10 % des stimmberechtigten Kapitals.
Art des Investors
Seit dem Berichtsjahr 2006 besteht hier die Möglichkeit, bei österreichischen Direktinvestitionen zwischen einem genuin österreichischen bzw. heimischen Investor und einem ausländisch kontrollierten Unternehmen zu unterscheiden.
Ausländische Kontrolle liegt vor, wenn ein ausländischer Investor bzw. mehrere ausländischen Direktinvestoren gemeinsam die Mehrheit der Stimmrechte hält bzw. halten. Bei gleicher Anzahl von Stimmrechten gilt das Unternehmen als heimisch, ebenso im Fall, dass eine ausländische Mehrheit nur durch Streubesitz zustande kommt. Ausländisch kontrollierte Investoren sind in Österreich als Brückenköpfe oder regionale Headquarters von besonderer Bedeutung und unterscheiden sich von SPEs (siehe dort) dadurch, dass sie auch wirtschaftliche Aktivitäten in Österreich entfalten oder eine echte Managementfunktion ausüben. Ein Indikator ist die Zuordnung nach NACE Rev.2, wodurch reine Beteiligungsgesellschaften der Gruppe 642, Managementholdings hingegen der Gruppe 701 zugeordnet werden.
Beschäftigte
Durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten des Direktinvestitionsunternehmens im Kalenderjahr, gewichtet mit dem Prozentsatz der Beteiligung des Direktinvestors am Nominalkapital. Ungewichtete Beschäftigtenzahlen in ausländisch kontrollierten Unternehmen (einschließlich solcher unter indirekter Kontrolle) weist die Auslandsunternehmenseinheiten-Statistik von Statistik Austria aus (siehe Stichwort FATS-Statistik).
Beteiligung
Beziehung zwischen einem Direktinvestor und einem Direktinvestitionsunternehmen. Die Anzahl der Beteiligungen ist größer als die Anzahl der Investoren bzw. Direktinvestitionsunternehmen, da ein Investor an mehreren Direktinvestitionsunternehmen beteiligt sein kann und andererseits mehrere Investoren an einem Direktinvestitionsunternehmen beteiligt sein können.
Direktinvestition
Laut Zahlungsbilanzmanual des IWF (2009, 100) eine grenzüberschreitende Investition, die der Investor mit dem Ziel eingeht, Einfluss auf die Unternehmensführung des Direktinvestitionsunternehmens auszuüben. Internationalen Konventionen folgend wird angenommen, dass dies ab einer Beteiligung in Höhe von 10 % des stimmberechtigten Kapitals der Fall ist.
Direktinvestor
Eine physische oder juristische Person bzw. mehrere solche Personen, die an einem Direktinvestitionsunternehmen beteiligt ist bzw. sind. Der Direktinvestor muss seinen Sitz (bzw. Wohnsitz) in einem anderen Land haben als das Direktinvestitionsunternehmen. Bei aktiven Direktinvestitionen hat der Direktinvestor seinen Sitz in Österreich, bei passiven Direktinvestitionen im Ausland.
Direktinvestitionsunternehmen
Ein Unternehmen, an dem ein Direktinvestor bzw. mehrere Direktinvestoren beteiligt ist bzw. sind. Bei aktiven Direktinvestitionen liegt das (österreichische) Direktinvestitionsunternehmen im Ausland, bei passiven Direktinvestitionen hat das (ausländische) Direktinvestitionsunternehmen seinen Sitz in Österreich.
Eigenkapital
Für nicht börsennotierte Aktiengesellschaften wird das Eigenkapital prinzipiell anhand der Passivseite der Bilanz des Direktinvestitionsunternehmens (der Tochtergesellschaft) ermittelt. EZB und OECD nennen dies den „own funds at book value“, der immer dann zur Anwendung kommt, wenn ein Börsenwert nicht eruiert werden kann. Dieses Eigenkapital setzt sich aus dem Nominalkapital, den Rücklagen, dem Saldo aus Gewinn- und Verlustvortrag und dem Ertrag des laufenden Jahres zusammen. Das Eigenkapital börsennotierter Aktiengesellschaften entspricht dem Marktwert des notierten Unternehmens. Diese von EZB und EUROSTAT verlangte Bewertung heißt „zu Marktwerten“.
FATS-Statistik
Mit der Verordnung Nr. 716/2007 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 20. Juni 2007 wurde eine gemeinschaftliche Statistik über die Struktur und Tätigkeit von Auslandsunternehmenseinheiten ins Leben gerufen. Diese sogenannte FATS-Statistik (foreign affiliates statistics) steht in engem sachlichen Zusammenhang mit der Direktinvestitionsstatistik. Analog zu den Direktinvestitionen unterscheidet man die Aktivität ausländisch kontrollierter Unternehmen im Inland (Inward-FATS) von der Aktivität heimisch kontrollierter Unternehmen im Ausland (Outward-FATS). Der wesentliche Unterschied zu Direktinvestitionsstatistik besteht in der durchgehenden Anwendung des Kontrollprinzips (Beteiligung über 50 %) und dem Verzicht auf eine Gewichtung mit Eigentumsanteilen. Die Aktivität eines kontrollierten Unternehmens wird zur Gänze dem Mehrheitseigentümer zugerechnet. Diese Statistik wird ab dem Berichtsjahr 2007 unter Federführung der Bundesanstalt Statistik Österreich in Kooperation mit der OeNB erstellt.
Gesamtwert
Summe aus Eigenkapital und Sonstigem Direktinvestitionskapital. Seit dem Berichtsjahr 2006 erfolgt dabei die Bewertung zu Marktwerten: Börsennotierte Aktiengesellschaften werden zu Börsenkursen bewertet, alle anderen Gesellschaften zu Buchwerten.
Höhe der Beteiligung
Die Untergliederung der passiven Direktinvestitionen unterscheidet Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen. Die Betrachtung stellt nicht auf die ausländische Kontrolle, sondern auf die einzelne Beteiligung ab. In der Praxis führen mehrere Minderheitsbeteiligungen häufig zu ausländischer Kontrolle.
Indirekte Beteiligungen
Beteiligung eines Direktinvestitionsunternehmens an einem weiteren Unternehmen. Beginnend mit der Befragung 2006 und im Hinblick auf die FATS-Statistik wird – anstelle der Erhebung aller indirekter Beteiligungen von mehr als 10 % auf der Enkelebene – die Erhebung aller vom Investor kontrollierten indirekten Beteiligungen (über 50 %), unabhängig von der Länge der Investitionskette angestrebt.
Anmerkung: In der Befragung der OeNB werden aktivseitig alle indirekten Beteiligungen im Ausland erfasst, passivseitig werden nur die indirekten Beteiligungen an österreichischen Firmen ermittelt.
Marktwert
Definitionsgemäß jener Betrag, den ein Käufer zu zahlen bereit ist und zu dem ein Verkäufer verkaufen würde. Bei Aktiengesellschaften, die an der Börse notieren, ist dies der kapitalisierte Wert der Aktien am Stichtag. Bei der weit überwiegenden Anzahl der Firmen wird der Buchwert als Näherungswert für den unbekannten Marktwert angesetzt.
Passive Direktinvestition
Ausländische Beteiligung an einem Unternehmen mit Sitz in Österreich in Höhe von mehr als 10 % des stimmberechtigten Kapitals.
Regionalgliederung
-
Euroraum-18: Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich (einschließlich Monaco und französischer Überseegebiete), Irland, Italien (ohne San Marino, Vatikan), Luxemburg, Niederlande, Portugal, Finnland, Slowakei, Slowenien, Malta, Zypern, Estland, Lettland, Litauen – ohne Österreich.
-
EU-14: Belgien, Deutschland, Griechenland, Spanien, Frankreich (einschließlich Monaco und französischer Überseegebiete), Irland, Italien (ohne San Marino, Vatikan), Luxemburg, Niederlande, Portugal, Finnland, Dänemark, Schweden – ohne Österreich.
-
EU-27: EU-14 + MOEL-5 + Estland, Lettland, Litauen, Malta, Zypern, Bulgarien, Rumänien, Kroatien – ohne Österreich.
-
Potenzielle EU-Beitrittskandidaten: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Türkei.
-
Europa: einschließlich europäischer GUS-Staaten.
-
MOEL-5: Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn.
-
CESEE: MOEL-5 + Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Estland, Kosovo, Kroatien, Lettland, Litauen, Moldau, Nordmazedonien, Montenegro, Rumänien, Russland, Serbien, Ukraine, Weißrussland.
-
OECD: EU-14 + OECD – Übersee + Estland, Island, Norwegen, Polen, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ungarn.
-
OECD – Übersee: Australien, Chile, Israel, Japan, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Südkorea, USA (einschließlich Puerto Rico).
Sonstiges Kapital
Alle Formen konzerninterner Finanzierung mit Ausnahme von Eigenkapital. Diese ursprünglich auf langfristige konzerninterne Kredite beschränkte Finanzierungsform erfuhr im Lauf der Jahre eine stetige Erweiterung und umfasst nun auch Finanzbeziehungen zwischen Konzerngesellschaften, zwischen denen keine unmittelbaren Eigentumsbeziehungen bestehen (Schwestergesellschaften). Die Zuordnung zu den aktiven oder passiven Direktinvestitionen richtet sich bei Finanzierungen zwischen Schwestergesellschaften nach dem Sitzland der Konzernzentrale: Liegt diese in Österreich, handelt es sich um aktive, andernfalls um passive Direktinvestitionen. Auch ausschließlich konzernintern gezeichnete Unternehmensanleihen werden als „Sonstiges Direktinvestitionskapital“ ausgewiesen.
Ausgenommen sind konzerninterne Verrechnungskonten und Kredite zwischen verbundenen Kreditinstituten, sofern jene nicht Eigenkapitalcharakter aufweisen oder zum nachrangigen Haftkapital zählen.
Special Purpose Entity (SPE)
Nicht genau definierter Begriff für eine Zweckgesellschaft innerhalb von Konzernorganisationen, deren Darstellung in der Direktinvestitionsstatistik die Daten Österreichs maßgeblich beeinflusst. Direktinvestitionen von österreichischen SPEs im Ausland, und vom Ausland in österreichische SPEs wurden daher für die vorliegende Publikation nicht berücksichtigt. SPEs sind Holdinggesellschaften ohne Marktproduktion mit vernachlässigbarer Beschäftigung, die zur Gänze in ausländischem Besitz sind und deren Vermögen zum überwiegenden Teil aus Beteiligungen bzw. verbundenen Unternehmen im Ausland besteht.
3.6 Branchengliederung
Die Zuordnung der Direktinvestitionsunternehmen (bzw. der Direktinvestoren) zu Branchen (Wirtschaftszweigen) folgt seit dem Berichtsjahr 2008 der Systematik der Wirtschaftstätigkeiten ÖNACE 2008 (Statistik Austria, 2008). Die Umstellung sämtlicher wirtschaftsstatistischer Klassifikationen trägt dem wirtschaftlichen Wandel Rechnung und erfolgt in einem international abgestimmten Prozess. Dem ÖNACE 2008 entspricht auf europäischer Ebene der NACE Rev. 2 bzw. auf UN-Ebene ISIC Rev. 4. Rechtliche Grundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates, die am 1. Jänner 2008 Geltung erlangte. Die Branchengliederung der vorliegenden Direktinvestitionsstatistik setzt sich dabei aus den in der folgenden Übersicht ersichtlichen Abteilungen (Zweistellern) zusammen.
3.7 Literaturverzeichnis
IMF. 2009. Balance of Payments and International Investment Position Manual. Sixth Edition (BPM6). IMF.
OECD. 2008. Benchmark Definition of Foreign Direct Investment. Fourth Edition (BD4).
OECD. Statistik Austria. 2008. Systematik der Wirtschaftstätigkeiten. ÖNACE 2008. Band 1 und 2.
4 Tabellen, Abbildung, Landkarten
Der ausführliche Anhang, der Detailergebnisse in Form von Tabellen, einer Abbildung und Landkarten umfasst, ist in Kap. 4 der PDF-Version dieses Reports zu finden.
-
Central, Eastern and Southeastern Europe (siehe Regionalgliederung im Glossar, Kap. 3.5) ↩︎