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OeNB Report 2026/8: Gefährdet die zunehmende chinesische Konkurrenz das exportorientierte Wachstumsmodell Österreichs?

Richard Sellner, Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Konjunktur,

Klaus Vondra, Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Konjunktur,

In diesem Bericht analysieren wir die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Exporte für die österreichische Wirtschaft. Anhand diverser Kennzahlen (offenbarte komparative Vorteile, Produktkomplexität und Exportähnlichkeit) zeigen wir, wie stark die Konkurrenz in den letzten 20 Jahren zugenommen hat. Vor allem im Bereich der Maschinen und Fahrzeuge intensivierte sich der Wettbewerb stark. Dennoch konnte sich die österreichische Exportwirtschaft – zumindest bis 2023 – gut behaupten. 2024/25 kam es aber aus mehreren, sich verstärkenden Gründen zu einem deutlichen Einbruch.

JEL-Klassifizierung: F14

Schlagwörter: Österreich, China, Wettbewerbsfähigkeit, Außenhandel

Highlights

  • Konkurrenz Chinas nimmt zu: In den letzten 20 Jahren ist der Anteil komplexerer Exportprodukte Chinas von 12 % auf 39 % gestiegen. Gleichzeitig ist der Anteil der österreichischen Güterexporte, bei denen auch China einen komparativen Vorteil aufweist, von 15 % auf 26 % gewachsen.

  • Maschinen und Fahrzeuge besonders betroffen: 2023 wiesen Österreich und China komparative Vorteile bei Maschinen für Berg-, Hoch- und Tiefbau, Heiz- und Kühlgeräten, mechanischen Handhabungsgeräten, elektrischen Stromerzeugungsmaschinen, Geräten für elektrische Stromkreise sowie Motorrädern und Fahrrädern auf.

  • Starke Marktanteilsverluste 2024 und 2025: Der Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit gepaart mit dem zunehmenden Druck der chinesischen Exportindustrie hat 2024 zu einem starken Rückgang der österreichischen Marktanteile in Höhe von 4,2 % geführt. Diese Entwicklung setzt sich auch 2025 fort (-4,6 %).

1 Einleitung

Der Aufstieg Chinas zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat die Rahmenbedingungen für europäische Volkswirtschaften und so auch Österreich grundlegend verändert. Während China Anfang 2000 vor allem als kostengünstiger Produktionsstandort in arbeitsintensiven Industrien wahrgenommen wurde, dringt das Land zunehmend in technologie- und wissensintensive Segmente vor und verschärft damit den Wettbewerbsdruck entlang großer Teile der Wertschöpfungskette. Dies zeigt sich in unterschiedlichsten Umfragen und Indikatoren auf der mikro- wie auf der makroökonomischen Ebene.

Österreichische Unternehmen waren bereits in den letzten zwei Jahrzehnten mit der zunehmenden Konkurrenz konfrontiert, allerdings hat sich diese Entwicklung zuletzt nochmals beschleunigt. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, in dem Österreichs Wirtschaft infolge des Energiepreisschocks einen deutlichen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit hinnehmen musste. Beide Faktoren belasten die Exportwirtschaft und dämpfen damit das Wirtschaftswachstum Österreichs.

Vor diesem Hintergrund zeigt der vorliegende Beitrag die Transformation der chinesischen Wirtschaft auf Basis des Technologiegehalts der produzierten Produkte. In weiterer Folge soll anhand von Wettbewerbsindikatoren die Frage beleuchtet werden, wie stark bzw. in welchen Wirtschaftsbereichen und bei welchen Produktgruppen China zunehmend als Konkurrent der österreichischen Exportindustrie auftritt. Der Beitrag soll aber auch eine Einschätzung darüber geben, wie sich Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Volkswirtschaften behauptet hat und welche Auswirkungen die jüngsten Entwicklungen mit sich bringen.

Der Beitrag ist wie folgt gegliedert: Kapitel 2 zeigt die langfristige Entwicklung im Welthandel anhand der Marktanteilsentwicklung der größten Volkswirtschaften. Die Marktanteilsveränderungen Chinas und Österreichs werden dabei in Hinblick auf die wichtigsten Regionen und Produkte Österreichs betrachtet. Kapitel 3 stellt zunächst den Produktmix der chinesischen Exportindustrie anhand der Produktqualität dar. Anschließend wird – auf der Mikroebene, vor allem aber auf der Makroebene – die zunehmende Konkurrenzsituation österreichischer und chinesischer Exporteure zwischen 2002 und 2023 beleuchtet. Kapitel 4 diskutiert die rezente Entwicklung der letzten beide Jahre in China und Österreich, Kapitel 5 fasst zusammen.

2 Österreich hat im langfristigen Vergleich seine Exportposition gut behauptet

Seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 2001 haben sich die Produktionsketten im internationalen Handel verlagert. Dadurch haben sich auch die weltweiten Exportmarktanteile verschoben. Während Anfang 2000 die Industrieländer Japan, USA, Deutschland, UK oder Frankreich noch den Großteil des Welthandels bestimmten, gewannen die Schwellenländer, allen voran China, seither deutlich an Bedeutung.

China konnte seinen Anteil am Weltwarenexport mehr als verdoppeln (+104 % bzw. +7,7 Prozentpunkte) und wies 2023 einen Anteil von über 15 % aus. Auch andere asiatische Volkswirtschaften wie Vietnam und Indien oder auch Australien verzeichneten starke Marktanteilsgewinne. Viele westliche Industrienationen verloren hingegen an Gewicht. Die Einbußen lagen für Deutschland, Belgien und die USA jeweils bei etwa 25 %, für Dänemark bei 33 %, für Schweden bei 37 %, für Frankreich bei 43 % und für das UK bei 53 %. Im Vergleich dazu fiel der Rückgang Österreichs mit 15 % moderat aus. Dieser Rückgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die österreichischen Exporte über diesen langen Zeitraum deutlich gewachsen sind: die nominellen Güterexporte laut Außenhandelsstatistik um 159 %, die nominellen Güter- und Dienstleistungsexporte um 175 % und die realen Güter und Dienstleistungsexporte um 94 %.

Grafik 1

Hier befindet sich Grafik 1 mit dem Titel „Entwicklung der Marktanteile 2002–2023“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

In empirischen Studien werden die Marktanteilsveränderungen oft (bspw. über eine Shift-Share-Analyse oder ökonometrische Regressionen) in Markt-, Produkt- und Wettbewerbseffekte zerlegt. Jüngst hat die Deutsche Bundesbank (2025) diese Methodik nochmals verfeinert. 1 Die Zuordnung detaillierter Produkt- und Markteffekte ist komplex und wurde in der Literatur kontroversiell diskutiert (z. B. Bonanno, 2016). 2 Wir wählen daher eine alternative, einfachere Darstellungsform, um die chinesische Konkurrenz hinsichtlich der relevantesten Produkte und Regionen für Österreichs Exporte hervorzuheben.

Dafür unterteilen wir die Marktanteilsentwicklung sowohl nach verschiedenen Export-Zielländern als auch nach verschiedenen Exportprodukten. Wir unterscheiden einerseits zwischen den Kernmärkten und allen anderen Exportmärkten und andererseits zwischen den Kernprodukten der österreichischen Exportindustrie und allen anderen Produkten. Diese Aufteilung zeigen wir für die wesentlichen Peer-Länder in Europa und für die großen Volkswirtschaften Asiens und Amerikas. Da die absolute Veränderung des Weltmarktanteils auch stark von der Ländergröße abhängt und somit die Veränderung der Marktanteile sehr unterschiedlich ist, unterteilen wir die gezeigten Länder nach der Größe des Effekts in zwei Gruppen. In Grafik 2 werden rechts jene Länder gezeigt, bei denen die Veränderung höchstens einen Prozentpunkt beträgt, links jene Länder mit größeren Effekten.

Regional definieren wir als Kernexportmärkte die Summe jener Handelspartner, die 2002 zusammen zwei Drittel der österreichischen nominellen Güterexporte ausmachten. Das waren in absteigender Reihenfolge die acht wichtigsten Handelspartner Deutschland, Italien, USA, UK, Schweiz, Frankreich, Ungarn und Tschechien 3 . Analog dazu definieren wir jene Produkte als Kernprodukte, die in Summe zwei Drittel der österreichischen Güterexporte ergeben. 2002 waren dies 47 der insgesamt 259 Produktgruppen gemäß der 3-Steller-Gliederung der Standard International Trade Classification (SITC). Die Top-8-Produktgruppen 2002 waren: Fahrzeuge (781), Papier (641), Verbrennungsmotoren/ teile (713), Telekommunikationsgeräte und -teile (764), Kfz-Teile (784), Arzneimittel (542), andere Maschinen (728) und Schaltgeräte (772). Jede dieser acht Produktgruppen wies einen Anteil von über 2 % an den Gesamtexporten aus. 4 Die größten 30 Gruppen hatten 2002 einen Anteil von jeweils über 1 %.

Grafik 2

Hier befindet sich Grafik 2 mit dem Titel „Veränderung des Anteils an globalen Güterexporten nach Ländern zwischen 2002 und 2023“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

Österreichs Marktanteilsverluste zwischen 2002 und 2023 sind ausschließlich auf Verluste in den Kernmärkten zurückzuführen (siehe Grafik 2, rechts oben). Innerhalb Europas konnten die an Österreich angrenzenden osteuropäischen EU-Länder (CZ, SK, HU, SI) Marktanteile dazugewinnen, teilweise auch in Österreichs Kernmärkten. Die Marktanteilsverluste der westeuropäischen Länder sind ein Spiegelbild der sinkenden Bedeutung des „alten“ Europas im Welthandel. Die starken Zugewinne Chinas und anderer asiatischer Länder erfolgten mehrheitlich in Asien selbst und somit nicht in Österreichs Kernmärkten (siehe Grafik 2, links oben).

Gleichzeitig ist jedoch ersichtlich, dass China beim Produktmix ein zunehmender Konkurrent Österreichs geworden ist. Während Österreich primär bei seinen Kernprodukten Marktanteile verloren hat, sind die Zugewinne der osteuropäischen Nachbarländer auf die Fertigung von Automobilen und Maschinen – also auf österreichische Kernprodukte – zurückzuführen. Die westeuropäischen Länder verzeichneten hingegen zu großen Teilen bei österreichischen Kernprodukten Marktanteilsrückgänge. Im Gegensatz zur oben dargestellten regionalen Betrachtung zeigt sich beim Produktmix eine potenziell starke Betroffenheit Österreichs durch die großen Marktanteilsgewinne Chinas. Denn China hat insbesondere bei jenen Produkten globale Marktanteile gewonnen, die auch Kernprodukte der österreichischen Exportindustrie darstellen (siehe Grafik 2, links unten).

Österreich konnte zwischen 2002 und 2023 aber auch in 101 von 259 (39 %) Produktgruppen (auf Ebene der SITC-3-Steller) die Weltmarktanteile verteidigen bzw. Zugewinne verzeichnen. Dabei lassen sich keine klaren Tendenzen für bestimmte Produktgruppen wie chemische Erzeugnisse oder Maschinenbau feststellen. Unter den Exportgütern mit den höchsten Anteilen am österreichischen Gesamtwarenexport (jeweils über 1 %) wiesen die Produktgruppen „organisch-anorganische Verbindungen, heterocyclische Verbindungen, Nucleinsäuren und ihre Salze und Sulfonamide“ (SITC 515), „flachgewalzte Erzeugnisse aus legiertem Stahl“ (SITC 675) und „Krafträder (einschl. Mopeds) und Fahrräder auch motorisiert; Rollstühle und andere Fahrzeuge für Kranke und Körperbehinderte“ (SITC 785) die höchsten Marktanteilszuwächse auf (jeweils von etwa 1 % im Jahr 2002 auf 3 % im Jahr 2023). 5 Neben diesen anteilsstarken Gütern konnten aber auch Nischenprodukte mit bereits hohen Marktanteilen Zugewinne verzeichnen, wie bspw. „Schienen und Oberbaumaterial für Bahnen, aus Eisen oder Stahl“ (SITC 677) von 13,3 % (2002) auf 15 % (2023) oder „andere Chemiefasern für die Spinnerei bearbeitet; Abfälle von Chemiefasern“ (SITC 267) von 9,5 % auf 13,1 %.

Zusammenfassend deutet das darauf hin, dass vor allem das technologische Upgrading des Produktportfolios das Kernelement der gestiegenen Konkurrenz Chinas zu Österreich ausmacht. Österreichs Exportindustrie ist mit einem zunehmenden Wettbewerbsdruck bei ihren Kernprodukten konfrontiert.

3 Österreichs Exportwirtschaft im zunehmenden Wettbewerb mit China

Die Produktionsstruktur Chinas hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten deutlich gewandelt und weiterentwickelt. Aufgrund des Wachstums und der Öffnung des chinesischen Markts waren daher deutliche Marktanteilsgewinne zu erwarten. Zu Beginn des Beobachtungszeitraums hat China einfache Produkte mit niedrigem Warenwert, wie etwa Kleidung, Schuhe, Plastik bzw. Rohstoffe und Zwischenprodukte, exportiert. Letztere gingen unter anderem als Vorleistungen in die europäischen Produktionsketten ein. Mit der Zeit stieg die chinesische Industrie in der Wertschöpfungskette auf und exportiert inzwischen verstärkt auch Investitionsgüter und Endprodukte im mittleren und hohen Qualitäts- und Technologiesegment. Damit hat sich China zunehmend zu einem direkten Konkurrenten der westlichen Industrien entwickelt.

Um diese Konkurrenzsituation zu analysieren, wird im Weiteren (1) der Aufstieg Chinas innerhalb der Wertschöpfungskette gezeigt, (2) ein kurzer Überblick über die Ergebnisse mikroökonomisch fundierter Studien präsentiert, (3) die makroökonomische Sicht anhand komparativer Vorteile für die wesentlichen Produktionsbereiche besprochen und (4) die Frage gestellt, ob Österreich im europäischen Vergleich eine Sonderrolle einnimmt oder alle europäischen Länder ähnlich betroffen sind.

3.1 Chinas Aufstieg in der Wertschöpfungskette

China exportiert zunehmend Produkte mit höherem Technologiegehalt und dringt damit in klassische Marktsegmente entwickelter Volkswirtschaften vor. Ein empirisches Maß für den technologischen Gehalt eines Produkts ist die Produktkomplexität. 6 Dieser Indikator bildet ab, wie „einzigartig im Welthandel eine spezifische Produktlinie ist, bzw. ob diese von Ländern mit sehr breiten oder weniger breiten technologischen Kompetenzen exportiert werden“ (siehe Reinstaller und Friesenbichler, 2020, Seite 21). Der Anteil chinesischer Exporte mit einem hohen Komplexitätsgrad stieg zwischen 2003 7 und 2023 von 12 % auf 39 %. In Österreich entfielen bereits 2002 etwa die Hälfte der Exporte auf hochkomplexe Waren. Dieser Anteil stieg bis 2023 weiter auf 54 % an.

Grafik 3

Hier befindet sich Grafik 3 mit dem Titel „Komplexität der exportierten Waren“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

3.2 China als zunehmender Konkurrent der österreichischen Exportindustrie – die mikroökonomische Sicht

Zwei rezente Studien zeigen auf Basis von Mikrodaten, dass (Export-)Unternehmen in Österreich und Deutschland zunehmend im direkten Wettbewerb mit chinesischen Produzenten stehen. Sie kommen aber zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Gruber-Német (2025) verwendet die BACI-Datenbank (Gaulier und Zignago, 2010), um auf Produktebene die Konkurrenzsituation österreichischer und chinesischer Firmen abzubilden, und verbindet diese Auswertung mit firmenspezifischen Daten aus dem Austrian Micro Data Center. Der Zeithorizont der Studie liegt aufgrund der Datenverfügbarkeit zwischen 2013 und 2022. Gruber-Német stellt eine Zunahme der chinesischen Konkurrenz für österreichische Exporteure fest. Besonders ausgeprägt ist diese in den Sektoren C26 (Datenverarbeitungsgeräte), C27 (elektrische Ausrüstung) und C15 (Leder und Lederwaren). Für den analysierten Zeitraum kommt er zu dem Schluss, dass die Beschäftigungs- und Produktivitätsentwicklung der betroffenen österreichischen Unternehmen (im Vergleich zu weniger exponierten Firmen) überraschend robust verlief und es zu keinen nennenswerten Unterschieden gekommen ist. Dies deckt sich mit den beinahe konstanten Marktanteilen zwischen 2014 und 2023. Es zeigt sich einzig, dass die chinesische Konkurrenz zu einem leichten Anstieg der Unternehmensschließungen unter den weniger produktiven Firmen geführt hat.

Matthes und Schmitz (2024) präsentieren die Ergebnisse einer Befragung von rund 350 Unternehmen in Deutschland zu ihrer Wettbewerbssituation gegenüber chinesischen Produzenten, die zwischen März und April 2024 durchgeführt wurde. Über 90 % der Unternehmen sehen den Konkurrenzdruck aus China als Herausforderung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen gibt zudem an, dass dieser Konkurrenzdruck in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist, und erwartet, dass sich dies auch in den kommenden fünf Jahren fortsetzen wird. Über die Hälfte der Firmen berichtet von Preisunterbietungen der chinesischen Konkurrenten um mehr als 20 %; 63 % der Befragten sehen sich sogar mit Preisunterbietungen um mehr als 30 % konfrontiert. Etwa 70 % bis 90 % der befragten Unternehmen empfinden die Preisdruckeffekte als sehr gravierend. Gleichzeitig wird vermutet, dass staatliche Subventionen zu diesem Wettbewerbsvorteil beitragen (55 % bis über 70 % Zustimmung je nach Unternehmensgruppe). Als Folgen des Konkurrenzdrucks berichten 60 % bis fast 95 % von Marktanteilsverlusten und Gewinneinbußen. Im Gegensatz zu Gruber-Német (2025), der die Entwicklung bis 2023 analysiert, kommen Matthes und Schmitz (2024) in ihrer Analyse der rezenten Entwicklung zu dem Schluss, dass der chinesische Konkurrenzdruck eine erhebliche Belastung für den Industriestandort Deutschland darstellt, und warnen vor negativen Folgen für Beschäftigung und Produktion. Anekdotische Evidenz aus Österreich bestätigt die Einschätzung aus Deutschland. 8

3.3 China als zunehmender Konkurrent der österreichischen Exportindustrie – die makroökonomische Sicht

Um die Konkurrenzsituation auf der Makroebene abzubilden, berechnen wir die offenbarten symmetrischen komparativen Vorteile (im Folgenden kurz RSCA). 9 Ein Wert zwischen 0 und 1 gibt an, dass das Land im betrachteten Produkt einen komparativen Vorteil hat. Damit ist gemeint, dass der Anteil des Produkts am Gesamtexport des Landes höher ist als der weltweite Anteil des Produkts am Welthandel. Je höher der Wert, umso stärker der Vorteil. Umgekehrt signalisiert ein Wert zwischen -1 und 0 einen komparativen Nachteil. Als Datenbasis verwenden wir die BACI-Datenbank (Gaulier und Zignago, 2010), mit jährlichen Daten zwischen 2002 und 2023.

Auf der Makroebene zeigt sich über den Beobachtungszeitraum ein signifikanter Anstieg des Anteils an Exportprodukten (HS-2002, 6-Steller), bei denen Österreichs Exporteure in unmittelbarem Wettbewerb mit chinesischen Exporteuren stehen – gemessen daran, dass beide Länder einen komparativen Vorteil (RSCA > 0) aufweisen. Grafik 4 (links und mittig) stellt diesen Zusammenhang dar. Der Anteil der österreichischen Exporte, bei denen Österreich mit China im direkten Wettbewerb steht, stieg zwischen 2002 und 2023 von 7,3 % auf 13,1 % (bezogen auf die Anzahl der Produkte, links) bzw. von 14,7 % auf 26,3 % (bezogen auf den Produktwert, Mitte). Die Berechnungen erfolgten auf Ebene von HS-6-Stellern; dieses Set umfasst rund 5.000 Produkte. Die Gewichtung basiert auf Basis der österreichischen Exportstruktur. Mit anderen Worten: Die Konkurrenzsituation wird anhand der österreichischen Exportstruktur ermittelt und nicht anhand des chinesischen Produktmixes.

Ein weiteres Maß zur Abbildung der Betroffenheit Österreichs durch chinesische Konkurrenz ist das Exportähnlichkeitsmaß von Finger und Kreinin (1979). Wie der Name suggeriert, gibt dieses Maß an, wie ähnlich der Mix an exportierten Produkten zweier Länder in einem bestimmten Jahr ist. Dabei wird zunächst der Anteil jedes Produkts an den Gesamtexporten der beiden Ländern verglichen und der geringere Wert ausgewählt. Die Summe aller gewählten Werte über alle Produkte hinweg ergibt die Exportähnlichkeit. Diese liegt zwischen 0 % und 100 %, wobei 0 % für eine gänzlich unterschiedliche und 100 % für eine gänzlich idente Exportstruktur steht. Die Ähnlichkeit der von China und Österreich exportierten Produkte ist zwischen 2002 und 2023 von 28 % auf 36 % gestiegen.

Grafik 4

Hier befindet sich Grafik 4 mit dem Titel „Komparative Vorteile Chinas bei Österreichs Exporten und Exportähnlichkeit“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

Im Folgenden fassen wir detailliert die Anteile der Produkte bzw. des österreichischen Güterexportwerts zusammen, bei denen entweder beide Länder, nur Österreich, nur China oder keines der beiden Länder einen komparativen Vorteil aufweist. Wie die Werte in der zweiten Spalte von Tabelle 1 zeigen, ist der Anteil jener Produkte, bei denen Österreich (nicht aber China) einen komparativen Vorteil aufweist, in den letzten Jahren gesunken. Umgekehrt ist der Anteil jener Produkte, bei denen China (nicht aber Österreich) einen Vorteil aufweist, gestiegen (dritte Spalte). Die Bereiche, in denen keines der beiden Länder einen komparativen Vorteil aufweist, sind zurückgegangen.

Tabelle 1  
Veränderung der Güteranteile abhängig von der Wettbewerbssituation zwischen Österreich und China
         
  direkte Konkurrenten Vorteil Österreichs Vorteil Chinas beide Länder
mit Nachteilen
  AT & CN:
RSCA > 0
AT: RSCA > 0
CN: RSCA < 0
AT: RSCA < 0
CN: RSCA > 0
AT & CN:
RSCA < 0
  Anteil an Produktgruppen (HS-6-Steller)
2002 7,3 % 20,7 % 29,0 % 43,0 %
2023 13,1 % 15,4 % 37,4 % 34,2 %
         
  Anteil nach Warenwert
2002 14,7 % 62,8 % 6,9 % 15,6 %
2023 26,3 % 53,6 % 8,4 % 11,7 %
         
Quelle: OeNB.        

Die bisherigen Berechnungen und Ergebnisse des offenbarten symmetrischen komparativen Vorteils basierten auf möglichst granularen Produktdaten (ca. 5.000) und somit auf HS-6-Stellerebene. Um die Ergebnisse zur Entwicklung einzelner Produktbereiche visuell darstellen zu können, verwenden wir im Folgenden die SITC-Klassifikation. Auf der 3-Steller-Ebene dieser Klassifikation liegen rund 260 Produktgruppen vor. In Grafik 5 werden jene davon dargestellt, die jeweils zumindest 1 % der Gesamtexporte ausmachen. Farblich heben wir die drei Kernabschnitte (1-Steller-Ebene) „chemische Erzeugnisse“, „bearbeitete Waren“ und „Maschinen und Fahrzeuge“ hervor, die rund drei Viertel aller österreichischen Güterexporte ausmachen. Andere SITC-Abschnitte sind zu einer Restgruppe zusammengefasst. Die Größe der Kreise zeigt deren Bedeutung auf Basis des Anteils an den gesamten Güterexporten Österreichs.

Grafik 5

Hier befindet sich Grafik 5, in der die österreichische und chinesische Wettbewerbsposition 2002 und 2023 in Bezug auf einzelne Produktbereiche dargestellt wird. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

In den Scatterplots, links für 2002 und rechts für 2023, sind die RSCA-Werte für Österreich auf der x-Achse und jene für China auf der y-Achse aufgetragen. Die Nulllinien der Achsen teilen die Scatterplots in jeweils vier Quadranten. Rechts oben sind jene Produkte, bei denen sowohl Österreich als auch China einen komparativen Vorteil aufweist. 2023 umfasste dieser Bereich zehn Produktgruppen, die jeweils einen Exportanteil von mehr als 1 % aufweisen: sechs aus dem Abschnitt „Maschinen und Fahrzeuge“ 10 , zwei aus dem Abschnitt „bearbeitete Waren“ 11 , eine aus dem Abschnitt „chemische Erzeugnisse“ 12 und eine aus dem Abschnitt „Fertigwaren“ 13 . Vergleicht man 2002 mit 2023, so zeigt sich eine deutliche Zunahme von Produktgruppen im Bereich der Maschinen und Fahrzeuge.

Unabhängig von der komparativen Lage legen wir im Folgenden den Fokus auf jene Produktkategorien, die zu den Beobachtungszeitpunkten den höchsten Exportanteil aufgewiesen haben und somit den Kern der österreichischen Exportindustrie bilden. Diese können überwiegend den drei Kernabschnitten zugeordnet werden. Die nach Exportsumme zu beiden Zeitpunkten größte Produktgruppe „Personenkraftwagen und andere Kraftfahrzeuge“ (SITC 781) lag 2002 noch im dritten Quadranten (links unten), wobei China noch einen starken komparativen Nachteil aufwies. Dieser reduzierte sich bis 2023 deutlich. Gleichzeitig konnte sich Österreich bis 2023 leicht verbessern. Damit verschob sich dieser Sektor in den vierten Quadranten (rechts unten). Der Anteil des Sektors an den gesamten Güterexporten sank im Beobachtungszeitraum um 9 % bzw. 0,4 Prozentpunkte.

Auch in weiteren, relativ großen und somit bedeutsamen Produktgruppen, die der Fahrzeugindustrie zuzurechnen sind, zeigen sich diese Tendenzen: (1) Chinas Position verbesserte sich erheblich, (2) Österreichs Position verbesserte sich geringfügig und (3) die relative Bedeutung des Sektors – gemessen an den gesamten österreichischen Güterexporten – ging zurück. Dies zeigt sich bei „Kolbenverbrennungsmotoren und Teile“ (SITC 713) und „Teile und Zubehör von Kraftfahrzeugen“ (SITC 784), wobei deren Exportanteil in Österreich leicht gestiegen ist. Beide Produktgruppen befinden sich – noch – in jenem Bereich, in dem Österreich, nicht jedoch China, einen komparativen Vorteil aufweist.

Bei zwei im Jahr 2002 noch sehr großen und somit wesentlichen Produktgruppen, nämlich „Papier und Pappe“ (SITC 641) und „Geräte für die Nachrichtentechnik“ (SITC 764), wurden 2023 deutlich weniger Produkte von österreichischen Unternehmen exportiert. Der Anteil dieser Produktgruppen an den Gesamtexporten ging um fast 50 % bzw. 80 % oder 1,9 bzw. 2,5 Prozentpunkte zurück. Chinas Position verbesserte sich auch bei diesen beiden Produktgruppen.

Produkte der Pharmaindustrie bestimmen das Bild der chemischen Erzeugnisse in Grafik 5. Bei den organisch‑anorganischen Verbindungen (SITC 515) liegt 2023 ein komparativer Vorteil beider Länder vor – 2002 haben sie in dieser Produktgruppe jeweils noch einen Nachteil aufwiesen. 14 Bei den anderen beiden Produktgruppen handelt es sich um medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse (SITC 541) sowie Medikamente und Impfstoffe (SITC 542). In beiden Fällen haben der komparative Vorteil und der Exportanteil Österreichs zugenommen, während China einen Nachteil aufweist. Gemessen an ihrer Größe stellten diese beiden Gruppen 2023 den zweit- und drittgrößten Bereich aller Produktgruppen dar. Dies unterstreicht die gestiegene Bedeutung der chemischen Industrie innerhalb des österreichischen Exportproduktmix.

Abgesehen von Produkten der drei Kernbereiche sind in Grafik 5 sechs Produktgruppen aus anderen Bereichen dargestellt, die einen Exportanteil von mehr als 1 % aufweisen. In beiden Beobachtungsjahren weisen Kunststoffprodukte aus dem Bereich SITC 893 einen Vorteil in beiden Ländern auf. Im Bereich der nichtalkoholischen Getränke (SITC 111) zeigt sich ein weiterhin ausgeprägter Vorteil Österreichs. Alle anderen Produkte scheinen entweder nur 2002 oder 2023, aber nicht in beiden Jahren auf.

3.4 Österreich keine Ausnahme, aber stärker betroffen als wichtige Peers in Europa

Die dargestellten Trends einer zunehmenden chinesischen Exportkonkurrenz beschränken sich nicht auf Österreich – auch in anderen europäischen Ländern sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Als Vergleichsländer wurden neben Deutschland die BENESCAND-Länder (Belgien, Niederlande, Dänemark, Finnland und Schweden) gewählt. Wir wechseln für diese Auswertung erneut auf die granulare Produktebene der HS-6-Steller. In Grafik 6 ist der Anteil der Produkte dargestellt, bei denen sowohl das jeweilige Land als auch China einen komparativen Vorteil (RSCA > 0) aufweist. Das linke Panel zeigt den ungewichteten Produktanteil, d. h. bei wie vielen Produkten das jeweilige Land und China einen RSCA > 0 aufweisen. In der Mitte wird nicht die Produktanzahl gezeigt, sondern der anteilige Warenwert jener Produkte, bei denen das jeweilige Land und China einen komparativen Vorteil (RSCA > 0) aufweisen. Das rechte Panel zeigt die Exportähnlichkeit analog zur rechten Darstellung von Grafik 4.

Österreich gehört mit Deutschland zu jenen Ländern, die verstärkt im direkten Wettbewerb mit China stehen. Sowohl der entsprechende Anteil an Produktgruppen als auch der Anteil am Gesamtwarenexportwert stiegen deutlich an (siehe auch Grafik 4). Im Gegensatz dazu sind übliche Vergleichsländer, wie Belgien oder die Niederlande, in dieser Metrik weit weniger stark von der zunehmenden Konkurrenz Chinas betroffen. Die Exportähnlichkeit zeigt jedoch auch für die Niederlande eine deutlich erhöhte Konkurrenz auf. Im weltweiten Ranking (hier aus Übersichtlichkeitsgründen nicht dargestellt) zur Exportähnlichkeit lag Österreich 2023 auf Platz 18. Hierbei zeigt sich, dass viele entwickelte Volkswirtschaften mit einem diversifizierten Produktportfolio eine hohe Exportähnlichkeit zu China aufweisen (Deutschland, Tschechien, Italien, Polen, Japan, Niederlande, Korea, Taiwan). Auf den hinteren Plätzen liegen generell weniger entwickelte Volkswirtschaften und Länder, deren Exporte stark auf Energie und Rohstoffe konzentriert sind (Australien, Island, Norwegen, Saudi-Arabien).

Grafik 6

Hier befindet sich Grafik 6, bestehend aus drei Panels mit dem Titel „Anteil der Produkte mit gemeinsamem komparativen Vorteil (China und Land)“, „Anteil des Warenwerts von Produkten mit gemeinsamem komparativen Vorteil“ und „Exportähnlichkeit zu China“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

Kontrastiert man diese Ergebnisse mit der Marktanteilsentwicklung in Grafik 1, so ist es Österreich trotz der schwierigen Wettbewerbssituation gelungen, seine Marktanteilsposition in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten großteils zu behaupten.

4 Chinas rasantes Exportwachstum und Österreichs Verluste an preislicher Wettbewerbsposition: ein gefährlicher Mix

Die wirtschaftspolitischen Entscheidungen in Donald Trumps zweiter Präsidentschaft haben zu einer Beschleunigung der weltweiten Veränderung politischer und wirtschaftlicher Strukturen geführt. Nach Jahrzehnten der Liberalisierung im Außenhandel errichten die USA nun wieder hohe Zollbarrieren. Global betrachtet steht der Konflikt zwischen den USA und China im Mittelpunkt, wenngleich die Spannungen zwischen den USA und Europa zu Jahresbeginn 2025 deutlich zugenommen haben. Grundsätzlich befindet sich Europa wirtschaftlich im Spannungsfeld zwischen China und den USA: Die EU sieht sich mit höheren US-Zöllen konfrontiert und wird Ziel der chinesischen Überproduktion, die aufgrund der noch höheren US-Zölle für Produkte aus China nach neuen Märkten sucht.

Chinas Aufstieg in der Wertschöpfungskette bedeutet einen intensiveren direkten Wettbewerb auf Produktebene mit der europäischen Industrie. Gleichzeitig ließen drei Faktoren die Produzentenpreise und damit auch die Exportpreise Chinas sinken: Erstens hat die anhaltende Krise am chinesischen Immobilienmarkt – über eine geringere Bautätigkeit und damit eine niedrigere Rohstoffnachfrage – zu sinkenden Rohstoffpreisen geführt. Zweitens gibt es auf Ebene der chinesischen Provinzen umfangreiche Subventionen, besonders für Unternehmen in Hightech-Industrien. 15 Die Förderung von zum Teil defizitären Unternehmen sorgt drittens für Überkapazität am chinesischen Binnenmarkt. Diese Überkapazitäten führen im Zuge eines ruinösen nationalen Wettbewerbs zu stark fallenden Preisen, was chinesische Exporte im Ausland attraktiviert. Die Folge dieser Entwicklungen zeigt sich in den Außenhandelsdaten:

  • Zwischen 2011 und 2019 wuchsen chinesische Exporte und Importe in nahezu gleichem Maße. Seit 2021 und insbesondere seit 2024 übertrifft das reale Exportwachstum Chinas das Importwachstum deutlich. 16

  • Besonders jene Wirtschaftsbereiche, in denen die inländischen Umsätze stagnieren, wiesen ein hohes Exportwachstum auf. In den Bereichen mit wachsendem Inlandskonsum hingegen entwickelten sich die Exporte gemäß ihrem langfristigen Trend. 15

  • Seit 2019 (mit Ausnahme von 2024) übersteigt das chinesische Exportwachstum nach Europa jedes Jahr jenes in die USA (Quelle: Comtrade-Daten). Vergleicht man den Wert der chinesischen Exporte in die größten Volkswirtschaften Europas und in die USA zwischen 2018 und 2024, so stiegen die Ausfuhren nach Europa um 45 %, jene in die USA jedoch nur um 10 %.

Al-Haschimi et al. (2024) zeigen, dass Marktanteilsverluste im Euroraum zwischen 2019 und 2023 in jenen Industrien größer sind, in denen China einen höheren Preisvorteil aufweist. 17 Durch den zunehmenden Fokus auf grüne Technologien und den Ausbau der Exportlogistik (Schiffe) dürfte der Wettbewerb in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen. Die aktuellen Rahmenbedingungen einer restriktiveren US-Handelspolitik, die Abwertung des Yuan gegenüber dem Euro und die Exportbeschränkungen chinesischer seltener Erden legen nahe, dass sich diese Trends weiter fortsetzen werden.

Der zunehmende Druck durch chinesische Exporte trifft die österreichische Wirtschaft zu einem Zeitpunkt, in dem sie gleichzeitig mit den Folgen des überdurchschnittlichen Preisschocks und dem damit verbundenen Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit kämpft. Auch nach dem Abklingen des Energiepreisschocks liegen die Energiepreise über dem früheren Niveau und führen so zu höheren Produktionskosten. Zudem sind die österreichischen Unternehmen weiterhin von den stark gestiegenen Lohnstückkosten betroffen. Deren Wachstum konnte durch zuletzt moderate Lohnabschlüsse zwar gebremst werden, am relativ deutlichen Anstieg gegenüber den wichtigsten Handelspartnern in den letzten Jahren ändert dies aber nichts.

Das Ergebnis dieser Entwicklung zeigt sich in der Entwicklung der Marktanteile am aktuellen Rand. Grafik 6 zeigt diese entsprechend der OeNB-Definition 18 für reale Güter- und Dienstleistungsexporte. Wie auch in Grafik 1 startet der Beobachtungszeitraum im Jahr 2002, aber hier kann auf Basis dieser Datengrundlage die Entwicklung bis 2024 gezeigt und auf Grundlage der OeNB-Prognose auch ein Ausblick auf die Jahre 2025 und 2026 gegeben werden. Die Gesamtentwicklung wird zudem auf die Entwicklung innerhalb und außerhalb des Euroraums aufgeteilt.

Der Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit gepaart mit dem zunehmenden Druck der chinesischen Exportindustrie hat 2024 zu einem starken Rückgang der Marktanteile in Höhe von 4,2 % geführt. Die Entwicklung setzt sich 2025 fort (-4,6 %). Erst 2026 schwächt sich der Verlust laut OeNB-Prognose ab (-1,8 %). Hierbei zeigt sich, dass der Rückgang der Marktanteile außerhalb des Euroraums stärker ausgeprägt ist als innerhalb des Euroraums.

Grafik 7

Hier befindet sich Grafik 7 mit dem Titel „Entwicklung der realen Marktanteile für Güter und Dienstleistungen“. Für ausführliche barrierefreie Informationen zu dieser Grafik wenden Sie sich bitte direkt an die Autoren: richard.sellner@oenb.at und klaus.vondra@oenb.at.

5 Zusammenfassung

Österreichs Güterexportmarktanteile sind in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten um rund 15 % gesunken und liegen derzeit bei unter 1 % des Weltmarkts. Allerdings sind die Marktanteile vergleichbarer europäischer Staaten im selben Zeitraum deutlich stärker zurückgegangen – so z. B. in Deutschland, Belgien oder den skandinavischen Staaten. Während der Anteil von Exporten „Made in Europe“ sinkt, steigt der Anteil asiatischer, und im Speziellen chinesischer, Produkte.

Die Weiterentwicklung Chinas zeigt sich im Technologiegehalt chinesischer Exporte, der sich zunehmend in einem Aufstieg innerhalb der internationalen Wertschöpfungsketten widerspiegelt. China hat sich in Kernbereichen der österreichischen Industrie zunehmend zu einem direkten Konkurrenten entwickelt. Dieser Trend zeigt sich sowohl auf der Mikroebene auf Basis von Firmendaten bzw. Firmenumfragen wie auch auf der hier präsentierten Makroebene. Hier stieg zwischen 2002 und 2023 der nach Produktwert gewichtete Anteil jener österreichischen Produkte, die im Sinne eines RSCA > 0 in einem unmittelbaren Wettbewerb mit chinesischen Exporteuren stehen, von 15 % auf 26 %.

Dies gilt im Aggregat, aber speziell für die Kernbereiche der österreichischen Exportwirtschaft: Maschinen und Fahrzeuge, bearbeitete Waren sowie chemische Erzeugnisse. Auf Produktgruppenebene (mit einem Anteil an den gesamten Exporten von mindesten 1 %) nahm speziell die Anzahl im Bereich der Maschinen und Fahrzeuge deutlich zu. Gemessen an der Marktanteilsentwicklung zeigt sich aber, dass sich die österreichischen Exportunternehmen bis 2023 sehr gut behaupten konnten.

In den vergangenen zwei Jahren verschärfte sich die Situation jedoch zuungunsten der österreichischen Unternehmen. Zum einen hat die Transformation der chinesischen Wirtschaft bzw. die binnenwirtschaftliche Schwäche in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass ein immer größerer Teil der chinesischen Wertschöpfung in den Export gelangt. Zum anderen sind die Exportpreise Chinas zuletzt gesunken. Die gestiegene direkte Konkurrenzsituation mit China führt zu einem verstärkten preislichen Wettbewerbsdruck auf die österreichischen Unternehmen. Genau in dieser Phase ist die österreichische Industrie aber mit steigenden Energie- und Lohnstückkosten und somit einer verminderten preislichen Wettbewerbsfähigkeit konfrontiert. Beide Effekte belasten die österreichische Industrie. Daten für 2024 sowie die OeNB-Prognose für 2025 und 2026 signalisieren daher weitere Verluste an Exportmarktanteilen und verdeutlichen, dass die exportorientierte Industrie auch in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen steht.

6 Literaturverzeichnis

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Stojkoski, V., P. Koch und C. A. Hidalgo. 2023. Multidimensional economic complexity and inclusive green growth. Communications Earth & Environment 4. 130. https://doi.org/10.1038/s43247-023-00770-0


  1. Die Marktanteilsveränderungen werden in Angebots- und Nachfrageeffekte für Produkte und Handelspartner aufgeschlüsselt. ↩︎

  2. Im Paper der Deutschen Bundesbank zeigt sich v. a. die ökonometrische Schwierigkeit in Form eines Identifikationsproblems: Es muss die perfekte Multikollinearität zwischen linearen Kombinationen von Gruppen aus Dummy-Variablen, welche bspw. Interaktionen von Exportländern und Importländern mit Produktgruppen bestimmen, erfasst werden. ↩︎

  3. 2023 zählten das UK und Tschechien nicht mehr zu den Top-8-Handelspartnern. Stattdessen hat der Anteil von Belgien und Polen zugenommen, wobei bei Belgien ein Sondereffekt vorlag. ↩︎

  4. 2003 lag der Anteil von Telekommunikationsgeräten und -teilen (764) und Schaltgeräten (772) bei unter 2 %; dafür wiesen medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse (541), organisch‑anorganische Verbindungen (515) und diverse Eisen- und Stahlwaren (699) einen Anteil von über 2 % aus. ↩︎

  5. Ebenfalls starke Zuwächse (ca. 1 Prozentpunkt) konnten in den Produktgruppen „Holz, einfach bearbeitet, und Eisenbahnschwellen aus Holz“ (SITC 248), „Holzwaren“ (SITC 635) und „Zugmaschinen“ (SITC 722) erzielt werden. ↩︎

  6. Für eine genaue Berechnung der Produktkomplexität (PCI) siehe Stojkoski, Koch und Hidalgo (2023). ↩︎

  7. Die Daten zur Komplexität liegen erst ab 2003 vor, weswegen hier vom Startzeitpunkt aller anderen Indikatoren in diesem Bericht – 2002 – geringfügig abgewichen wird. ↩︎

  8. Beispielhaft sei hier der Konzernsprecher des Gleisbauunternehmens Plasser & Theurer zitiert, der den chinesischen Preisvorteil auf 50 % schätzt. Laut dem Geschäftsführer der Traktionssysteme Austria GmbH können chinesische Produzenten um 30 % günstiger produzieren. Beide Unternehmen zählen zu den Hidden Champions und sind in ihren Bereichen Weltmarktführer. Siehe Artikel „In dieser Branche ist Österreich Weltmarktführer – obwohl es kaum jemand weiß“ im Standard . ↩︎

  9. Für eine Beschreibung des RCA (revealed comparative advantage) und RSCA (revealed symmetric comparative advantage) siehe Laursen (2015). ↩︎

  10. SITC 723: Maschinen für Berg-, Hoch- und Tiefbau, SITC 741: Heiz- und Kühlgeräte, SITC 744: mechanische Handhabungsgeräte, SITC 771: elektrische Stromerzeugungsmaschinen, SITC 772: Geräte für elektrische Stromkreise und SITC 785: Motorräder und Fahrräder. ↩︎

  11. SITC 675: Flacherzeugnisse aus legiertem Stahl und SITC 699: diverse Eisen- und Stahlwaren, nicht anderweitig spezifiziert. ↩︎

  12. SITC 515: organisch‑anorganische Verbindungen, heterocyclische Verbindungen, Nucleinsäuren und ihre Salze und Sulfonamide. ↩︎

  13. SITC 893: anderweit nicht genannte Waren aus Kunststoffen. ↩︎

  14. 2023 kam es zu einem umfangreichen Anstieg der Exporte dieser Produktgruppe nach Belgien. Das Niveau der Exporte in den Jahren davor und auch 2024 wurde um ein Vielfaches übertroffen. ↩︎

  15. Siehe Heinrichs et al. (2000). ↩︎

  16. Siehe Al-Haschimi et al. (2025). ↩︎

  17. Al-Haschimi et al. (2024). ↩︎

  18. Die Veränderung der Marktanteile ergibt sich aus der Differenz des österreichischen Exportwachstums und der gewichteten Importnachfrage der österreichischen Handelspartner. ↩︎

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