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OeNB Report 2026/9: Nahost-Krieg trübt Konjunkturausblick

OeNB-Interimsprognose vom März 2026

Gerhard Fenz, Friedrich Fritzer, Bernhard Graf, Lukas Reiss, Alfred Stiglbauer, Klaus Vondra. Unter Mitarbeit von Beate Resch.

Oesterreichische Nationalbank, Abteilung Konjunktur, .

Nach einer zweijährigen Rezession verzeichnete Österreich 2025 ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,7 %. Der Start in das Jahr 2026 verlief positiv. Der am 28. Februar ausgebrochene Nahost-Krieg und die in Folge gestiegenen Energiepreise bringen jedoch erneut große Unsicherheit mit sich und trüben die weiteren wirtschaftlichen Aussichten. Die OeNB erwartet daher für 2026 ein Wirtschaftswachstum von nur 0,5 %. Die Inflation wird auf 2,7 % steigen, die Arbeitslosenquote bei 7,5 % verharren.

Highlights

  • Erneuter Energiepreisschock durch Nahost-Krieg: Die Preise für Erdöl der Marke Brent stiegen von 70 USD pro Barrel im Februar zeitweise auf deutlich über 100 USD pro Barrel im März, die europäischen Gaspreise von 30 EUR pro MWh auf deutlich über 50 EUR pro MWh. Ein solcher Anstieg wirkt über mehrere Kanäle wachstumsdämpfend und inflationstreibend.

  • Preisschock dämpft Wirtschaftswachstum: Der Preisschock reduziert die Kaufkraft, senkt die Investitionsbereitschaft und dämpft die Exportnachfrage. Das BIP wird 2026 um nur 0,5 % wachsen. Weiter steigende Energiepreise, Risikoprämien, erhöhte Unsicherheit und Zweitrundeneffekte könnten zu einer Stagflation führen.

  • Rohstoffpreise lassen Inflation kräftig steigen: Die HVPI-Inflation wird im Jahr 2026 auf 2,7 % steigen. Ohne die aktuellen Entwicklungen aufgrund des Nahost-Kriegs wäre die Inflationsrate um 0,6 Prozentpunkte niedriger. Je nach Intensität und Dauer des Nahost-Kriegs könnte die HVPI-Inflation im Jahr 2026 auf knapp über 4,0 % ansteigen.

1 Zusammenfassung

Nach einer zweijährigen Rezession verzeichnete Österreich 2025 wieder ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,7 %. Auch der Start in das Jahr 2026 verlief positiv. Bereits verfügbare Monatsdaten zeigen eine robuste Entwicklung im Jänner und Februar. Der am 28. Februar ausgebrochene Nahost-Krieg und die in Folge deutlich gestiegenen Energiepreise bringen jedoch erneut große Unsicherheit mit sich und trüben die weiteren wirtschaftlichen Aussichten. Die OeNB erwartet daher für 2026 ein Wirtschaftswachstum von nur 0,5 %. Die Inflation wird auf 2,7 % steigen, die Arbeitslosenquote bei 7,5 % verharren. Gegenüber der OeNB-Prognose vom Dezember 2025 muss die Wachstumsprognose um 0,3 Prozentpunkte zurückgenommen und die Inflationsprognose um 0,3 Prozentpunkte angehoben werden.

Tabelle 1

OeNB-Interimsprognose für Österreich vom März 2026  
  März 2026   Revisionen gegenüber Dezember 2025
  2026 2027 2028   2026 2027 2028
Veränderung zum Vorjahr in %              
Bruttoinlandsprodukt (BIP) (real) 0,5 1,0 1,1 -0,3 -0,1 0,1
Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) 2,7 2,3 2,1   0,3 0,2 0,0
Arbeitslosenquote gemäß AMS (in %) 7,5 7,4 7,3   0,0 0,1 0,0
Quelle: 2025: Statistik Austria; 2026–2028: OeNB.

Dieser Prognose liegen die Markterwartungen für die globalen Energierohstoffpreise mit Stichtag 11. März 2026 zugrunde. Diese signalisieren eine Angebotsknappheit auf Rohstoffmärkten infolge des Nahost-Kriegs. Die durchschnittlichen erwarteten Öl- und Gaspreise erreichen im zweiten Quartal 2026 mit rund 90 USD pro Barrel bzw. 50 EUR pro MWh ihren Höchststand, bevor sie in den folgenden Quartalen von diesem hohen Niveau aus relativ rasch sinken. Die positive Konjunkturdynamik zu Jahresbeginn wird daher nach aktuellem Stand nur temporär gedämpft. Die OeNB erwartet für 2027 und 2028 bereits wieder ein Wachstum von rund 1 %, das somit beim bzw. etwas über dem Wachstumspotenzial liegt. Die Inflation wird 2027 wieder sinken und 2028 nur mehr leicht über dem Preisstabilitätsziel der EZB für den Euroraum von 2 % liegen. Die Arbeitslosenquote wird sich bis 2028 auf 7,3 % zurückbilden.

Die weitere Entwicklung des Nahost-Kriegs und des Energieangebots und seine Auswirkungen auf die Energiepreise, die Finanzmärkte und das Vertrauen der Wirtschaftsakteure sind aktuell höchst ungewiss. Um dieser Unsicherheit Rechnung zu tragen, berechnet die OeNB in der vorliegenden Interimsprognose alternative Szenarien, die von einer weiteren und längeren Einschränkung des Energieangebots ausgehen. So stellt besonders ein länger andauernder und stärkerer Anstieg der Öl- und Gaspreise ein Risiko für die weitere konjunkturelle Entwicklung und die Inflation im laufenden Jahr dar. Bei einem durchschnittlichen Erdölpreis von 100 USD pro Barrel, einem Erdgaspreis von 70 EUR pro MWh im Jahr 2026 und zusätzlichen stärkeren Zweitrundeneffekten könnte Österreichs Wirtschaft 2026 auch in eine Stagflation rutschen. Die Wirtschaftsleistung würde stagnieren und die Inflation auf knapp über 4 % steigen. Spiegelbildlich kann eine rasche Entspannung der geopolitischen Lage zu einer positiveren Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivität und einem Sinken der Inflation führen.

2 Wirtschaftswachstum drehte 2025 ins Plus

Tabelle 2

Ergebnisse der VGR-Veröffentlichung für Q4 25 vom 3. März 2026 – Nachfrageseite  
  BIP Privater
Konsum
Öffentlicher
Konsum
Bruttoanlage-
investitionen
Exporte Importe Inlands-
nachfrage
(ohne Lager)
Netto-
exporte
Lagerver-
änderungen
Statistische
Differenz
Lager plus
statistische
Differenz
                       
Veränderung zur Vorperiode in % Wachstumsbeiträge in Prozentpunkten
Q1 25 0,3 –0,4 0,5 0,3 1,3 0,8 –0,0 0,3 –0,1 0,1 –0,0
Q2 25 0,0 0,4 0,4 1,3 0,4 1,7 0,6 –0,7 –0,2 0,4 0,1
Q3 25 0,3 –0,6 0,6 1,0 1,5 0,7 0,1 0,5 0,1 –0,4 –0,2
Q4 25 0,0 0,2 –0,4 –2,1 –0,1 –0,7 –0,5 0,4 0,2 –0,1 0,1
                       
2024 –0,8 1,0 3,8 –4,4 –2,8 –2,9 0,2 –0,1 –1,2 0,3 –0,9
2025 0,7 0,5 2,4 1,5 0,6 1,9 1,1 –0,7 0,1 0,1 0,3
Quelle: Statistik Austria.

Anfang März 2026 veröffentlichte Statistik Austria die Daten zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) für das vergangene Jahr und weist nun für 2025 ein Wachstum des realen BIP von 0,7 % (saison- und arbeitstägig bereinigte Daten) aus. Zu Beginn des zweiten Halbjahrs zeigte sich ein kräftiger Anstieg der Wirtschaftsleistung, im vierten Quartal stagnierte diese jedoch.

Nachfrageseitig wuchs der private Konsum im Gesamtjahr 2025 um 0,5 %, die Sparquote der privaten Haushalte sank kontinuierlich. Starke Impulse kamen erneut vom öffentlichen Konsum mit einem Plus von 2,4 %. Die Bruttoanlageinvestitionen wiesen in den ersten drei Quartalen ein starkes Wachstum auf, schrumpften im Jahresabschlussquartal jedoch um 2,1 %. Der sommerliche Investitionsboom war den Ausrüstungsinvestitionen, vor allem bei Fahrzeugen, aber auch bei Maschinen, zuzurechnen. Im vierten Quartal kam es jedoch zu einem deutlichen Einbruch, bei Fahrzeugen sogar im zweistelligen Prozentbereich. Die Interpretation dieser volatilen (Ausrüstungs-)Investitionsentwicklung ist somit schwierig. Die Wohnbauinvestitionen schrumpften in allen vier Quartalen 2025 und auch die Rezession im Wohnbausektor setzte sich fort.

Angebotsseitig spiegelte sich die negative Entwicklung der Investitionen und Importe im vierten Quartal in einem Rückgang der Sachgütererzeugung wider. Dieser war konsistent mit der Industrieproduktion zum damaligen Datenstand, die einen Rückgang von 1,1 % anzeigte. Mit der Veröffentlichung der Daten vom Jänner 2026 wurden die Zahlen für die Industrieproduktion für Dezember 2025 deutlich nach oben revidiert: Dadurch stagnierte diese im vierten Quartal 2025 und eine BIP-Aufwärtsrevision erscheint somit möglich. Die Dienstleistungen stützten die Wirtschaftsentwicklung 2025 (+1,1 %). Besonders stark entwickelte sich die Wertschöpfung in der öffentlichen Verwaltung (+2,9 %) und bei den Dienstleistungen im Immobiliensektor (+2,7 %).

3 Konjunkturindikator signalisiert noch robuste Entwicklung zu Jahresbeginn

Grafik 1

Das Liniendiagramm in Grafik 1 mit dem Titel „Stimmungsindikatoren“ stellt die monatlichen Umfrageergebnisse der Europäischen Kommission für die Stimmung bei Unternehmen in den Bereichen der Industrie, der Dienstleistungen und des Einzelhandels dar. Die Ergebnisse der Umfrage in den jeweiligen Bereichen werden – anhand von historischen Daten – als standardisierte Werte für den Zeitraum von 2024 bis 2026 dargestellt. Während sich die standardisierten Umfragewerte in allen drei Bereichen im gesamten Jahr 2024 unter ihrem historischen Durchschnitt befanden, konnte im Lauf des Jahres 2025 eine kontinuierliche Verbesserung verzeichnet werden. So lagen die Werte im Einzelhandel und bei den Dienstleistungen im Jänner 2026 über ihrem historischen Durchschnitt. Im Februar kam es jedoch beim Einzelhandel und der Industrie wieder zu einer Verschlechterung, sodass die Stimmungsindikatoren in beiden Bereichen nun unter ihrem historischen Durchschnitt liegen. Quelle: Europäische Kommission.

Grafik 2

Das Linien- und Balkendiagramm in Grafik 2 mit dem Titel „OeNB-Konjunkturindikator für das reale BIP“ zeigt den Konjunkturindikator der OeNB und dessen Modellprognose für das erste und zweite Quartal des Jahres 2026, sowie die Beiträge der verschiedenen Modellvariablen zum aktuellen Prognosewert als Balken. Die Entwicklung des realen BIP in den vier Quartalen des Jahres 2025 und die Schätzwerte für das erste und das zweite Quartal 2026 werden als Linien dargestellt. Die reine Modellprognose ergibt ein Wachstum des realen BIP von 0,2% im ersten Quartal 2026 und von weiteren 0,1% im zweiten Quartal 2026. Die Wachstumsbeiträge zur Modellprognose sind für die Entwicklung der offenen Stellen und des Stimmungsindikators der Industrie in beiden Quartalen negativ. Die Lkw-Fahrleistung und der Stimmungsindikator des Einzelhandels tragen in beiden Quartalen positiv zur Entwicklung des realen BIP bei. Der Stimmungsindikator der Dienstleistungen weist im zweiten Quartal einen negativen Beitrag auf. Die reine Modellprognose kann die aktuellen Entwicklungen des Nahost-Kriegs aufgrund verzögerte Datenverfügbarkeit noch nicht abbilden. Quelle: Oesterreichische Nationalbank. Daten sind saison- und arbeitstagbereinigt. Datenstand: 16. März 2026.

Die Umfragen zur Stimmung in der österreichischen Wirtschaft (laut Europäischer Kommission) haben sich im Jahr 2025 bei einem volatilen Verlauf deutlich verbessert. Im Februar 2026 ist das Vertrauen in der Industrie recht stark zurückgegangen. Einzelne stärkere Monatsausschläge sind jedoch nichts Ungewöhnliches und sollten nicht überbewertet werden. Die Industrieproduktion ist dank eines starken Anstiegs im Dezember gut ins Jahr gestartet. Auch die Lkw-Fahrleistungsdaten deuten auf eine robuste Entwicklung der Güterexporte im Jänner und Februar hin. Insgesamt zeichnen die verfügbaren Konjunkturindikatoren daher ein recht optimistisches Bild für den Jahresbeginn 2026. Allerdings sind in den verfügbaren Monatsindikatoren der Nahost-Krieg und seine Folgen noch nicht berücksichtigt.

Basierend auf diesen Indikatoren zeigt der OeNB-Konjunkturindikator (Stand: 16. März 2026) nach der schwachen Entwicklung des realen BIP im vierten Quartal 2025 für das erste Quartal 2026 einen Anstieg des realen BIP um 0,2 % und für das zweite Quartal 2026 einen weiteren Anstieg um 0,1 % an. Diese Verbesserung der reinen Modellprognose für die erste Jahreshälfte 2025 wird durch die Verbesserung der Lkw-Fahrleistung (der OeNB-Exportindikator zeigt zu Jahresbeginn eine stärkere Belebung der Exportdynamik an) und die Entwicklung des Stimmungsindikators für den Einzelhandel zu Jahresbeginn getrieben. Der OeNB-Konjunkturindikator deutet somit weiterhin auf einen Anstieg der Wirtschaftsleistung hin. Allerdings bildet der Indikator derzeit aufgrund noch nicht verfügbarer Werte für die Monatsindikatoren die Folgen des Nahost-Kriegs noch nicht ab – diese könnten aber speziell das Wachstum im zweiten Quartal 2026 knapp unter null drücken.

4 Nahost-Krieg dämpft Konjunkturausblick deutlich

Der am 28. Februar 2026 ausgebrochene Nahost-Krieg hat unmittelbare und weitreichende Folgen auf die Weltwirtschaft. Seit Kriegsbeginn kam es zu einer Teilsperre der Straße von Hormus, über die etwa ein Fünftel der weltweit verbrauchten Öl- und auch Gasmenge transportiert wird. Die Sperre geht mit gegenseitigen Angriffen auf Förder- und Lagerstätten sowie auf Tankschiffe einher. Dies führte zu einem raschen Anstieg der Energiepreise seit Anfang März.

So stieg etwa der Rohölpreis der Marke Brent ausgehend von 70 USD pro Barrel Ende Februar auf rund 100 USD pro Barrel am 11. März, dem Stichtag der vorliegenden Prognose. Nach Angriffen Israels auf das größte Gasfeld der Welt im Persischen Golf (South Pars) am 18. März stiegen die Preise nochmals deutlich an und lagen am Morgen des 19. März bei 115 USD pro Barrel. Ausgehend von 30 EUR pro MWh vor Ausbruch des Nahost-Kriegs erreichte der europäische Gaspreis TTF 1 am 11. März 50 EUR pro MWh und stieg bis 19. März weiter auf 67 EUR pro MWh.

Tabelle 3

Energiepreisannahmen für die OeNB-Interimsprognose vom März 2026  
          Veränderung
gegenüber
Vorkriegsszenario
in %
  März 2026 Q2 26 2026 2027   2026 2027
Ölpreis (Brent)
in USD pro Barrel
           
Stichtag 22. Februar
(vor Ausbruch des Nahost-Kriegs)
70,2 69,3 67,9 65,2 0,0 0,0
Stichtag 12. März
(Werte für OeNB-Prognose vom März 2026)
87,8 75,1 81,3 72,1   19,7 10,7
Stichtag 19. März
(Drei-Tages-Durchschnitt der Futures-Preise)
104,5 80,7 87,7 76,8   29,3 17,9
Gaspreis (TTF)
in EUR pro MWh
Stichtag 22. Februar
(vor Ausbruch des Nahost-Kriegs)
32,1 33,1 31,0 26,8 0,0 0,0
Stichtag 12. März
(Werte für OeNB-Prognose vom März 2026)
49,5 39,0 46,4 36,6   49,8 36,7
Stichtag 19. März
(Drei-Tages-Durchschnitt der Futures-Preise)
55,2 40,9 50,8 39,9   64,1 48,9
Quelle: EZB, Macrobond.

Dieser erneute Energiepreisschock trifft die österreichische Wirtschaft über mehrere Kanäle: Zunächst führt der Anstieg der Ölpreise zu einem unmittelbaren Anstieg von Treibstoffpreisen, der sich bereits in der Inflationsrate vom März 2026 niederschlagen wird. Der Anstieg der Gaspreise trifft die Konsument:innen in Österreich mit etwas Zeitverzögerung, da viele Verträge die Preise für einen gewissen Zeitraum fixieren. Der Kaufkraftverlust durch höhere Energiekosten reduziert die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte. Mehrere Staaten, die eine Schlüsselrolle in der globalen Energieversorgung einnehmen, sind in den Nahost-Krieg involviert – dies hat zu einem Anstieg der globalen Unsicherheit geführt (siehe Kasten 1). Die gestiegene Unsicherheit und die generell schwächeren globalen Konjunkturaussichten dämpfen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die Nachfrage auf den österreichischen Exportmärkten.

In der OeNB-Märzprognose sind die direkten Effekte des Energiepreisanstiegs mit Stichtag 11. März 2026 berücksichtigt. Diese dämpfen die Wirtschaftsleistung 2026 um 0,2 Prozentpunkte (neue Daten sowie die Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators reduzieren das erwartete Jahreswachstum 2026 um 0,1 Prozentpunkt) und erhöhen die Inflation um 0,6 Prozentpunkte. Damit erwartet die OeNB in der vorliegenden Märzprognose ein Wirtschaftswachstum von 0,5 % für 2026. In den Folgejahren steigt das Wachstum auf 1,0 % (2027) und 1,1 % (2028). Da die Konjunkturbelebung zu Jahresbeginn zwar recht kräftig, aber doch etwas schwächer als erwartet war, fällt das Wirtschaftswachstum 2026 in Summe um 0,3 Prozentpunkte schwächer aus als noch in der OeNB-Dezemberprognose angenommen. . 2027 liegt das Wachstum um 0,1 Prozentpunkt unter den Erwartungen vom Dezember, 2028 kommt es hingegen zu einer leichten Aufwärtsrevision der Wachstumsprognose auf 1,1 %. Die HVPI-Inflation steigt 2026 auf 2,7 % an – eine Aufwärtsrevision gegenüber der Dezemberprognose von 0,3 Prozentpunkten. 2027 sinkt die HVPI-Inflation zunächst auf 2,3 % und 2028 auf 2,1 % (siehe Tabelle 1 auf S. 2).

Grafik 3

Das Balkendiagramm in Grafik 3 mit dem Titel „BIP-Prognose der OeNB für 2026“ stellt die Ergebnisse der OeNB-Interimsprognose vom März für das Jahr 2026 für das Wachstum des realen BIP im Vergleich zur OeNB-Dezemberprognose 2025 dar. Die Wachstumsprognose für das Jahr 2026 beträgt aktuell 0,5%, während sie im Dezember noch 0,8% betrug. Abseits der beiden Balken für die Prognosewerte stellt die Grafik die Effekte neuer Daten und der Einschätzung des Konjunkturindikators (KI), sowie den Effekt der Energiepreisanstiege bis 11. März als zusätzliche Balken dar. Der Effekt neuer Daten sowie der Kurzfristeinschätzung des Konjunkturindikators beträgt minus 0,09 Prozentpunkte. Der Effekt der Energiepreisanstiege vom Zeitpunkt der OeNB-Dezemberprognose bis 11. März 2026 beträgt minus 0,23 Prozentpunkte. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Grafik 4

Das Balkendiagramm in Grafik 4 mit dem Titel „HVPI-Prognose der OeNB für 2026“ stellt die Ergebnisse der OeNB-Interimsprognose vom März für das Jahr 2026 für die HVPI-Inflation im Vergleich zur OeNB-Dezemberprognose 2025 dar. Die Inflationsprognose für das Jahr 2026 beträgt aktuell 2,7%, während sie im Dezember noch 2,4% betrug. Abseits der beiden Balken für die Prognosewerte stellt die Grafik die Effekte neuer Daten und Fiskalmaßnahmen, sowie den Effekt der Energiepreisanstiege bis 12. März als zusätzliche Balken dar. Der Effekt neuer Daten und Fiskalmaßnahmen beträgt minus 0,21 Prozentpunkte. Der Effekt der Energiepreisanstiege vom Zeitpunkt der OeNB Dezember Prognose bis 11. März 2026 beträgt 0,60 Prozentpunkte. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

5 Fiskalische Prognose

Für die Fiskalprognose ergeben sich aktuell keine substanziellen Änderungen gegenüber der letzten Prognose vom Dezember 2025. Damals prognostizierten wir einen Budgetsaldo in Prozent des nominellen BIP von -4,5 % für 2025, -4,2 % für 2026 und 2027 sowie -4,4 % für 2028. Nach derzeitigem Stand war unsere Einschätzung für 2025 etwas zu pessimistisch, was auch die Ausgangslage für 2026 verbessert. Gleichzeitig haben sich die Aussichten für das BIP-Wachstum verschlechtert. Zudem wurden seit der letzten Prognose die Absenkung der Elektrizitätsabgabe sowie der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel beschlossen. Insgesamt schätzen wir dadurch die Entwicklung des Budgetsaldos für 2026 bis 2028 ähnlich ein wie bereits im Dezember 2025. Diese Projektion inkludiert eventuelle zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen aus dem kommenden Doppelbudget 2027/28 allerdings noch nicht. Die Aufwärtsrevision der Inflationsprognosen hat keinen nennenswerten Effekt auf den Budgetsaldo.

6 Inflation sinkt Anfang 2026 deutlich, aber der Nahost-Krieg lässt Rohstoffpreise ab März kräftig steigen

Die österreichische HVPI-Inflation ging von 3,8 % im Dezember 2025 auf 2,3 % im Februar 2026 zurück. Für diesen deutlichen Rückgang war in erster Linie die Energiekomponente verantwortlich, insbesondere die Preisentwicklung bei Elektrizität. Nach dem Wegfall des aufwärtsgerichteten Basiseffekts infolge des Auslaufens der Strompreisbremse im Jahr 2025 sank die Teuerung bei Elektrizität zu Jahresbeginn auf
-8,0 % (Dezember 2025: 42,0 %). Dieser markante Rückgang wurde zusätzlich durch die Senkung der Energieabgabe auf Strom begünstigt.

Insgesamt verringerte sich die Inflationsrate seit Dezember des Vorjahres um 1,5 Prozentpunkte, wovon 1,2 Prozentpunkte auf die Energiekomponente zurückzuführen waren. Im Euroraum stagnierte die HVPI-Inflationsrate seit Dezember 2025 hingegen weitgehend, wodurch sich auch der Inflationsabstand Österreichs zum Euroraum deutlich verringerte.

6.1 Inflation im Jahr 2026 bei 2,7 %, gefolgt von einem graduellen Rückgang auf 2,3 % im Jahr 2027 und 2,1 % im Jahr 2028

Nach Beginn des Nahost-Kriegs haben sich die Rohstoffpreise für Energie massiv erhöht. Die Ölpreise lagen auf Basis der Marktannahmen 2 vom 11. März 2026 für das Gesamtjahr 2026 etwa 19 % über den vor dem Nahost-Krieg erwarteten Werten. Noch stärker reagierten die europäischen Gaspreise auf den Großhandelsmärkten, die am 11. März um rund 50 % höher waren als vor dem Nahost-Krieg. Auch Metallpreise zogen an, vor allem aufgrund höherer Kupferpreise im Zusammenhang mit möglichen US-Zöllen, sowie zuletzt steigender Aluminiumpreise infolge des Nahost-Kriegs. Die Lebensmittelpreise hingegen gingen zurück, vor allem aufgrund sinkender Kakao- und Kaffeepreise.

Die aktuelle Basisprojektion basiert auf den marktbasierten Annahmen vom 11. März 2026. Ergänzt wird sie durch eine Reihe alternativer Szenarien (siehe Kapitel 7). Die OeNB erwartet, dass die österreichische Inflation bis Mai 2026 auf knapp über 3,0 % ansteigt, bevor sie bis Ende des Jahres auf rund 2,5 % zurückgeht. Für das Gesamtjahr 2026 wird eine Inflationsrate von 2,7 % prognostiziert, was eine Aufwärtsrevision gegenüber der letzten Prognose vom Dezember 2025 um 0,3 Prozentpunkte darstellt. Diese Revision spiegelt die Effekte des Nahost-Kriegs nur teilweise wider, da inflationsdämpfende Regierungsmaßnahmen in der Dezemberprognose noch nicht berücksichtigt waren. Die höheren Energie-Rohstoffpreise werden dadurch teilweise kompensiert. Das Basisszenario erwartet einen graduellen Rückgang der HVPI-Inflation auf 2,3 % im Jahr 2027 und 2,1 % im Jahr 2028. Die Unsicherheit hat sich seit Beginn des Nahost-Kriegs deutlich erhöht. Mittelfristig werden die Auswirkungen sowohl von Intensität und Dauer des Nahost-Kriegs als auch davon abhängen, wie sich der Energieschock auf die Wirtschaft überträgt.

Tabelle 4

OeNB-Inflationsprognose vom März 2026  
  Prognose Revisionen gegenüber
Dezember 2025
  2025 2026 2027 2028 2026 2027 2028
  Veränderung zum Vorjahr in % in Prozentpunkten
HVPI-Inflation 3,6 2,7 2,3 2,1 0,3 0,2 0,0
Nahrungsmittel insgesamt 3,5 2,8 2,7 2,3 0,0 0,2 0,0
davon unverarbeitete Nahrungsmittel 2,8 3,7 x x 1,3 x x
davon verarbeitete Nahrungsmittel 3,7 2,6 x x -0,3 x x
Industriegüter ohne Energie 0,9 0,9 1,3 1,2 0,0 0,3 0,0
Energie 7,6 2,2 1,5 0,2 3,5 0,9 -1,2
Dienstleistungen 4,5 3,8 2,9 2,7 0,0 0,1 0,1
HVPI ohne Energie 3,2 2,7 2,4 2,2 0,0 0,2 0,1
HVPI ohne Energie und Nahrungsmittel 3,2 2,5 2,3 2,2 -0,1 0,2 0,1
Quelle: OeNB, Statistik Austria.              

Grafik 5

Das Balkendiagramm in Grafik 5 mit dem Titel „Beiträge der Komponenten zur HVPI-Inflation“ stellt die HVPI-Inflation, die Kerninflation, sowie die Beiträge der Komponenten zur HVPI-Inflation von Jänner 2021 bis zum vierten Quartal 2028 dar. Bis Dezember 2026 umfassen die Komponenten Nahrungsmittel, Energie, Industriegüter ohne Energie und Dienstleistungen auf Monatsbasis. Ab 2027 erfolgt die Darstellung auf Quartalsbasis. Bis Februar 2026 handelt es sich um historische Daten, danach um Prognosewerte. Die Entwicklung der Inflationsrate und deren Komponenten in den Jahren 2025 bis 2028 wird im Haupttext beschrieben. Quelle: Statistik Austria, Oesterreichische Nationalbank.

Im Folgenden wird die Prognose der wichtigsten Inflationskomponenten sowie die Vorausschau für die Inflationsdifferenz Österreichs zum Euroraum im Detail dargestellt.

6.2 Energiesektor: Nahost-Krieg steigert die HVPI-Inflation 2026 um rund 0,6 Prozentpunkte

Die Energieinflation sank von 11,7 % im Dezember 2025 auf -4,8 % im Jänner und -3,9 % im Februar. Der deutliche Rückgang zu Beginn des Jahres 2026 ist größtenteils auf ausgeprägte Basiseffekte zurückzuführen. Diese spiegeln das Auslaufen staatlicher Entlastungsmaßnahmen im Stromsegment ein Jahr zuvor wider. Zusätzlich wurde Anfang 2026 die Energieabgabe auf Strom gesenkt. 3 Der inflationsdämpfende Effekt dieser Maßnahme beläuft sich auf rund 0,1 Prozentpunkt.

Grafik 6

Das Balkendiagramm in Grafik 6 mit dem Titel „Beiträge von Energie zur österreichischen HVPI-Inflation“ zeigt den Beitrag von Elektrizität, Gas, Heizöl, fester Brennstoffe, Wärmeenergie, Kraft- und Schmierstoffen und den Gesamtbeitrag von Energie zur monatlichen HVPI-Inflation in Prozentpunkten. Während der Beitrag der Elektrizität zur HVPI-Inflation durch das Auslaufen der energiepreissenkenden fiskalischen Maßnahmen Anfang 2025 rund 0,8 Prozentpunkte betrug, sind die Beiträge zu Jahresbeginn 2026 negativ und werden laut Prognose im restlichen Jahr ebenfalls negativ zur HVPI-Inflation beitragen. Kraft- und Schmierstoffe trugen im Februar 2026 minus 0,2 zur HVPI-Inflation bei. Von März bis Dezember 2026 werden diese durchschnittlich 0,3 Prozentpunkte zur HVPI-Inflation beitragen. Der Gaspreis trug im Februar 2026 0 Prozentpunkte bei, wird jedoch von März bis Dezember 2026 rund 0,1 Prozentpunkt beitragen. Quelle: Statistik Austria, Oesterreichische Nationalbank.

Aufgrund des Nahost-Kriegs wird ein deutlicher Anstieg der Treibstoff- sowie der Gas- und Heizölinflation erwartet. Der Inflationsbeitrag von Treibstoffen und Heizöl dürfte um rund 0,5 Prozentpunkte steigen (von -0,2 Prozentpunkten im Februar 2026 auf durchschnittlich +0,3 Prozentpunkte für März bis Dezember 2026). Beim Gas wird der Inflationsbeitrag im Jahresverlauf voraussichtlich um rund 0,1 Prozentpunkt zunehmen. Der Anstieg der Großhandelspreise für Elektrizität dürfte im Jahr 2026 nur moderate Effekte haben, da österreichische Energieversorger angekündigt haben, die Strompreise 2026 in mehreren Stufen zu senken. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir eine durchschnittliche Energieinflation von 2,2 %. In den Jahren 2027 und 2028 dürfte die Energiepreisinflation auf 0,9 % bzw. -0,2 % zurückgehen.

Die aktuelle Prognose unterstellt eine unveränderte CO2-Bepreisung von 55 EUR pro Tonne in den Jahren 2026 und 2027. Ab 2028 wird im Zuge der Einführung des europäischen Emissionshandelssystems ETS 2 ein Preis von rund 46 EUR pro Tonne erwartet. In den Jahren 2026 bis 2028 dürfte die CO2-Bepreisung keinen spürbaren Einfluss auf die Inflationsrate haben. Die Reduktion der CO2-Kosten im Jahr 2028 wird voraussichtlich nicht vollständig an die Konsument:innen weitergegeben werden. Würde die Preissenkung hingegen vollständig weitergegeben werden, könnte die Energieinflation um etwa 1 Prozentpunkt und die Gesamtinflation um rund 0,1 Prozentpunkt gedämpft werden.

6.3. Dienstleistungsinflation sinkt graduell

Die Inflationsrate im Dienstleistungssektor ist von 4,5 % im Dezember 2025 auf 4,2 % im Februar 2026 gesunken. Es wird prognostiziert, dass die Dienstleistungsinflation Jahresverlauf allmählich zurückgeht und 2026 bei 3,8 % liegt (im Vergleich zu 2025 um 0,7 Prozentpunkte niedriger). Der Großteil dieses Rückgangs spiegelt einen voraussichtlichen Rückgang des Lohnwachstums von rund 1,5 Prozentpunkten zwischen 2025 und 2026 wider. Lohnabhängige Sektoren wie der Restaurant- und Beherbergungssektor werden voraussichtlich zur Senkung der Dienstleistungsinflation beitragen.
Ein zusätzlicher, wenn auch moderater dämpfender Effekt ergibt sich aus der Mietinflation, die durch das im September 2025 vereinbarte Mietpaket beeinflusst wird. Im Rahmen dieses Pakets sind die regulierten Mieten auf eine maximale Erhöhung von 1,0 % begrenzt, während nicht regulierte Mieten einer weniger restriktiven Regelung unterliegen. Dienstleistungskomponenten, die nicht lohnabhängig sind – wie administrierte Preise –, werden 2026 nicht zum Rückgang beitragen. Im Gegenteil: Die jüngste Budgetkonsolidierung führt zu Gebührenerhöhungen, vor allem im Dienstleistungsbereich. Besonders stark steigt die Servicegebühr für die e-card (+81 %), ebenso für Reisepass und Führerschein (+48 %). Das Klimaticket verteuert sich nach dem 2025 erfolgten Preisanstieg um 19 % im Jahr 2026 um weitere 8 %. Auch Wien erhöht die Preise für öffentliche Verkehrsmittel und Parkgebühren um rund 30 %. Insgesamt wird der Beitrag dieser Gebührenerhöhungen zur Dienstleistungsinflation 2026 bei knapp 0,4 Prozentpunkten liegen. 2027 und 2028 geht die Dienstleistungsinflation auf 2,9 % und 2,7 % zurück und wird damit leicht über dem langfristigen Durchschnitt bleiben.

6.4 Nahrungsmittelinflation bleibt bis 2027 überdurchschnittlich

Die Lebensmittelinflation ist von 3,7 % im Dezember 2025 auf 2,9 % im Februar 2026 zurückgegangen. Im ersten Halbjahr erwarten wir eine durchschnittliche Teuerung in diesem Sektor von 3,0 %, die im zweiten Halbjahr auf 2,7 % sinken sollte. Für 2026 wird eine durchschnittliche Lebensmittelinflation von 2,8 % erwartet. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, durch die der Steuersatz im Juli 2026 von 10,0 % auf 4,9 % reduziert wird. Diese Maßnahme dürfte im Jahr 2026 rund 0,5 Prozentpunkte zum Rückgang der Lebensmittelinflation beitragen. Gleichzeitig wirken steigende Energiepreise kostenerhöhend entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette und begrenzen damit den disinflationären Effekt der Steuersenkung. Daher dürfte die Lebensmittelinflation auch 2027 mit 2,7 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau bleiben, bevor sie 2028 auf 2,3 % zurückgeht. Die im Zuge der Budgetkonsolidierung beschlossene Erhöhung der Tabaksteuer wird die Lebensmittelinflation im Jahr 2026 um rund 0,3 Prozentpunkte erhöhen (die Gesamtinflation um etwa 0,1 Prozentpunkt).

6.5 Inflationsanstieg bei Industriegütern erwartet

Die Inflation bei nicht-energetischen Industriegütern lag im Februar 2026 bei 0,5 % und damit unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Für das Jahr 2026 erwarten wir in diesem Segment eine durchschnittliche Inflationsrate von 0,9 %. In den Jahren 2027 und 2028 dürfte die Teuerung auf 1,3 % bzw. 1,2 % ansteigen. Ausschlaggebend für diesen Anstieg ist vor allem die verzögerte Weitergabe höherer Energiekosten entlang der Wertschöpfungskette.

6.6. Revisionen im Vergleich zur Dezemberprognose

Im Vergleich zur Prognose vom Dezember 2025 revidiert die OeNB die HVPI-Inflationsrate für 2026 um 0,3 Prozentpunkte und für 2027 um 0,2 Prozentpunkte nach oben. Ausschlaggebend dafür sind im Jahr 2026 vor allem die infolge des Nahost-Kriegs gestiegenen Energiepreise. Für 2027 ist die Revision hauptsächlich auf die verzögerte Weitergabe der höheren Energiekosten bei Nahrungsmitteln, Industriegütern ohne Energie und Dienstleistungen zurückzuführen. Die Aufwärtsrevision für 2026 fällt geringer aus als der unmittelbare Effekt der gestiegenen Energiepreise. Grund dafür ist, dass in der vorherigen Prognose mehrere inflationsdämpfende Maßnahmen – darunter die Senkung der Energieabgabe, die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel sowie angekündigte Strompreissenkungen der Energieanbieter – noch nicht berücksichtigt waren.

6.7 Risiken für die Inflationsprognose aufwärtsgerichtet

Auf Basis der Marktannahmen vom 11. März 2026 bestehen für die Inflationsprognose in Österreich vor allem Aufwärtsrisiken. Diese ergeben sich insbesondere aus den zuletzt gestiegenen Energiepreisen infolge geopolitischer Spannungen. Höhere Öl- und Gaspreise könnten zu einer stärkeren Energieinflation führen und über höhere Produktions- und Transportkosten auch indirekt auf Nahrungsmittel, Industriegüter ohne Energie und Dienstleistungen wirken. Zudem könnten die von Energieversorgern angekündigten Strompreissenkungen entweder ausbleiben oder zu einem späteren Zeitpunkt durch Strompreiserhöhungen kompensiert werden. Ein weiteres, wenn auch geringes Aufwärtsrisiko für die Inflationsprognose ergibt sich aus möglichen zusätzlichen Konsolidierungsmaßnahmen des öffentlichen Sektors.

6.8 Inflationsabstand zum Euroraum verringert sich 2026 bis 2028 auf durchschnittlich 0,1 Prozentpunkt

2025 lag die HVPI-Inflation Österreichs um 1,4 Prozentpunkte über dem Euroraum-Durchschnitt. Energie und Dienstleistungen trugen zu annähernd gleichen Teilen zum Inflationsdifferenzial bei, während Nahrungsmittel sowie Industriegüter ohne Energie kaum Einfluss auf den Inflationsabstand hatten. Im Jänner bzw. im Februar 2026 verringerte sich das Inflationsdifferenzial zum Euroraum auf 0,3 bzw. 0,4 Prozentpunkte – vor allem aufgrund eines Basiseffekts durch den starken Anstieg der Energiepreisinflation ein Jahr zuvor.

Der Beitrag von Energie zum Inflationsabstand sank von 1,1 Prozentpunkten im Dezember 2025 auf null im Jänner 2026. Auch der Beitrag der Dienstleistungen ging Anfang 2026 moderat zurück. Für die Jahre 2026 bis 2028 wird ein Inflationsabstand von durchschnittlich nur mehr 0,1 Prozentpunkt erwartet.

7 Adverses Szenario zeigt Risiko einer Stagflation 2026

Die weitere Entwicklung des Nahost-Kriegs, des weltweiten Energieangebots und seine Auswirkungen auf die Energiepreise, die Finanzmärkte und das Vertrauen der Wirtschaftsakteure sind aktuell höchst ungewiss. Um dieser Unsicherheit Rechnung zu tragen, berechnet die OeNB in der vorliegenden Interimsprognose alternative Szenarien, die von einer weiteren und längeren Einschränkung des Energieangebots ausgehen. So stellt besonders ein länger andauernder und stärkerer Anstieg der Öl- und Gaspreise ein Risiko für die weitere konjunkturelle Entwicklung und die Inflation im Jahr 2026 dar.

Während die bisher dargestellten Ergebnisse auf den Marktpreiserwartungen auf globalen Rohstoffmärkten vom 11. März basieren, werden im Folgenden die potenziellen Auswirkungen eines darüber hinausgehenden Preisschubs beschrieben. Zusätzlich werden die Auswirkungen eines möglichen Anstiegs der allgemeinen geopolitischen Unsicherheit, der Risikoprämien, der Nahrungsmittelpreise und eines Rückgangs der Nachfrage auf Österreichs Exportmärkten quantifiziert.

Ausgangspunkt der Berechnungen ist eine Situation ohne den Nahost-Krieg. In diesem Szenario wird ein makroökonomisches Umfeld vor dem Beginn des Nahost-Kriegs Ende Februar 2026, mit niedrigeren Energiepreisen, unterstellt. In der vorliegenden OeNB-Märzprognose sind bereits die Änderungen von Öl- und Gaspreisen bis inklusive 11. März 2026 berücksichtigt. Seitdem sind die Preise über den gesamten Prognosehorizont weiter gestiegen. Dies stellt bereits ein Abwärtsrisiko für das Wirtschaftswachstum und ein Aufwärtsrisiko für die Inflation dar.

Ausgehend von diesen Markterwartungen nehmen wir in einem adversen Szenario einen weiteren Anstieg der Energiepreise an. Unterstellt wird ein durchschnittlicher Erdölpreis von 100 USD pro Barrel und ein durchschnittlicher Erdgaspreis von 70 EUR pro MWh im Jahr 2026. Die Preise ergeben sich hierbei durch eine entsprechende Verschiebung der aktuellen Futures-Preise. Der Ölpreis würde hierbei im zweiten Quartal 2026 auf knapp 120 USD pro Barrel steigen, der Gaspreis auf 73 EUR pro MWh. Den Schätzungen zufolge würde ein solcher zusätzlicher Anstieg das BIP um weitere 0,3 Prozentpunkte senken und die Inflation um 1,1 Prozentpunkte erhöhen. Damit wäre das Wirtschaftswachstum mit +0,2 % nur noch knapp positiv und die Inflation würde mit 3,8 % über dem Wert des Jahres 2025 liegen. Neben dem Energiepreiskanal berücksichtigen wir in diesem Szenario weitere Transmissionskanäle: 1) Um die gestiegene Unsicherheit abzubilden, wird ein Anstieg des Geopolitical Risk Index von 50 % simuliert (siehe Kasten 1). Die Unsicherheit dämpft primär das Investitionswachstum.

2) Auf den Finanzmärkten wird ein Anstieg der Risikoprämien angenommen, im konkreten Fall ein zusätzlicher Anstieg kurz- und längerfristiger Zinsen um jeweils 50 Basispunkte. 3) Der globale Konjunktureinbruch führt zu einem Rückgang der Nachfrage auf den österreichischen Exportmärkten. 4) Infolge gestiegener Energie- und Düngemittelpreise wird ein zusätzlicher Anstieg der Nahrungsmittelpreise erwartet.

All diese weiteren Transmissionskanäle dämpfen das Wachstum zusammen um weitere 0,4 Prozentpunkte, erhöhen die Inflation aber nur mehr um zusätzlich 0,4 Prozentpunkte. In Summe würde in einem solchen Szenario die heimische Wirtschaft 2026 in eine Stagflation rutschen. Das Wachstum wäre mit -0,2 % geringfügig negativ. Gleichzeitig würde die HVPI-Inflation auf 4,2 % ansteigen.

Grafik 7

Das Balkendiagramm in Grafik 7 mit dem Titel „BIP-Abschätzung zum Nahost-Krieg für 2026“ stellt die Szenario-Ergebnisse der OeNB-Interimsprognose vom März für das Wachstum des realen BIP im Jahr 2026 dar. Im Szenario „Ohne Nahost-Krieg“ würde das Wachstum des realen BIP 2026 bei 0,7% liegen, im Szenario der „OeNB-März-Prognose“ bei 0, %, im Szenario „stärkerer Energiepreisanstieg“ bei 0,2% und im „adversen Szenario“, das über Energiepreisanstiege hinausgehende Effekte abbildet, bei minus 0,2%. Die Unterschiede zwischen den Szenarien werden als zusätzliche gestapelte Balken zwischen den Balken der Szenario-Ergebnisse dargestellt und unterteilen sich in die Effekte von Öl- und Gaspreisen, Risikoprämien, geopolitischem Risiko, Spillover-Effekten (also Zweitrundeneffekten durch niedrigere Nachfrage nach österreichischen Exporten) und die Effekte höherer Nahrungsmittelpreise. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Grafik 8

Das Balkendiagramm in Grafik 8 mit dem Titel „HVPI-Abschätzung zum Nahost-Krieg für 2026“ stellt die Szenario-Ergebnisse der OeNB-Interimsprognose vom März für die HVPI-Inflation im Jahr 2026 dar. Im Szenario „Ohne Nahost-Krieg“ würde die HVPI-Inflation 2026 bei 2,1% liegen, im Szenario der „OeNB-Märzprognose“ bei 2,7%, im Szenario „stärkerer Energiepreisanstieg“ bei 3,8% und im „adversen Szenario“, das über Energiepreisanstiege hinausgehende Effekte abbildet, bei 4,2%. Die Unterschiede zwischen den Szenarien werden als zusätzliche gestapelte Balken zwischen den Balken der Szenario-Ergebnisse dargestellt und unterteilen sich in die Effekte von Ölpreisen, Gaspreisen und die Effekte höherer Nahrungsmittelpreise. Quelle: Oesterreichische Nationalbank.

Zusammengenommen weisen die Ergebnisse des adversen Szenarios auf ein markantes Abwärtsrisiko für die Entwicklung des realen BIP sowie ein Aufwärtsrisiko für die HVPI-Inflation im Jahr 2026 hin. Das vorgestellte adverse Szenario stellt einen möglichen alternativen Pfad für das Wirtschaftswachstum und die Inflation dar. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass sich die tatsächliche Entwicklung positiver oder auch noch negativer ausgestaltet. In einem milden Szenario müsste es zu einem raschen Waffenstillstand seitens aller Kriegsparteien und damit verbunden einer raschen Auflösung der wirtschaftlichen Verwerfungen kommen, die aktuell besonders durch die Sperre der Straße von Hormus bedingt sind. Sollte sich der Nahost-Krieg jedoch intensivieren und dies mit einer umfassenderen Zerstörung der Energieinfrastruktur sowie einer dauerhaften Sperre der Seewege einhergehen, so wären die ökonomischen Verwerfungen noch größer als im adversen Szenario dargestellt.

Kasten 1: Einschätzung der Effekte geopolitischer Unsicherheit auf die konjunkturelle Entwicklung

Die untenstehende Grafik stellt die Entwicklung des Geopolitical Risk Index von Caldara und Iacoviello (2022) seit dem Amtsantritt der Trump-Regierung in den USA zu Beginn des Jahres 2025 dar. Dieser Index misst das geopolitische Risiko in hoher Frequenz auf Basis der Analyse von mehr als 25 Millionen Artikeln führender englischsprachiger Zeitungen. Er wird täglich aktualisiert und eignet sich daher besonders zur Analyse der Effekte geopolitischer Unsicherheit am aktuellen Rand.

Grafik K1

Das Liniendiagramm in Grafik K1 mit dem Titel „Geopolitical Risk Index (GPR) seit Trump II“ stellt die Entwicklung des Geopolitical Risk Index von Caldara und Iacoviello (2022) seit dem Amtsantritt der Trump-Regierung zu Beginn des Jahres 2025 auf Tagesbasis dar. Der gleitende Durchschnitt (30 Tage) des Index wird ebenso als Linie dargestellt. Der Index misst geopolitisches Risiko in hoher Frequenz anhand der Analyse von mehr als 25 Millionen Artikeln führender englischsprachiger Zeitungen. Der Index ist mit einem Wert von 100 auf den Durchschnitt der Jahre 1985 bis 2019 normalisiert und schwankt normalerweise zwischen etwa 50 und rund 200 Indexpunkten. Er weist jedoch seit Jänner 2025 zwei besonders heftige Ausschläge auf. Zum einen jenen im Juni 2025 zur Zeit des Konflikts zwischen den USA und Israel mit dem Iran (auch genannt Operation Midnight Hammer), in der der Index einen Wert von 500 Punkten überstieg. Zum anderen am aktuellen Rand seit Beginn des Nahost-Kriegs (Operation Epic Fury) Ende Februar 2026. In den ersten Tagen des März 2026 erreichte der Index ebenfalls wieder Werte von mehr als 500 Indexpunkten und weist momentan ein vergleichsweise hohes Niveau auf. Quelle: Caldara, D. und M. Iacoviello. 2022., Measuring Geopolitical Risk, American Economic Review, 112(4), pp.1194-1225.

Am aktuellen Rand ist dieser Index durch seine tägliche Verfügbarkeit besonders hilfreich, denn die Veränderungen im Laufe der letzten Wochen seit Beginn des Nahost-Kriegs lassen sich somit quantifizieren. Andere Datenquellen, wie etwa Umfragedaten, sind erst mit einer gewissen Verzögerung verfügbar und können daher die Auswirkungen des Nahost-Kriegs aktuell noch nicht abbilden. Darüber hinaus zeigen Caldara und Iacoviello (2022) in ihrer Studie, dass der Index nicht durch andere makroökonomische Zeitreihen und Maße von Volatilität auf den Finanzmärkten prognostiziert werden kann; er misst also geopolitische Unsicherheit und ist nicht durch die Effekte anderer makroökonomischer Neuigkeiten beeinflusst. Daher eignet er sich, um eine zeitnahe Einschätzung der Effekte geopolitischer Unsicherheit abzugeben. Die im Szenario dargestellten Effekte werden mittels „local projections“ in einem Modell mit zahlreichen makroökonomischen und Finanzmarktvariablen geschätzt. 4 Die in Kapitel 7 im adversen Szenario dargestellten Auswirkungen der geopolitischen Unsicherheit auf die konjunkturelle Entwicklung entsprechen dem Effekt eines einmaligen unterstellten Anstiegs des GPR um 50 % für das restliche Jahr in Österreich. Ein solcher Anstieg dämpft das Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 in Österreich um 0,2 Prozentpunkte. 5


  1. TTF: Title Transfer Facility Natural Gas Futures. ↩︎

  2. Marktbasierte Annahmen sind Terminpreise, die gegenwärtig für eine Lieferung oder Leistung in der Zukunft vereinbart werden. Sie kommen vor allem bei Rohstoffen, Energie oder Finanzprodukten vor. ↩︎

  3. Im Kalenderjahr 2026 wird die Elektrizitätsabgabe für Haushalte von 1,5 Cent pro kWh auf 0,1 Cent pro kWh gesenkt. Für Unternehmen erfolgt eine Reduzierung von 1,5 Cent pro kWh auf 0,82 Cent pro kWh. Die angegebenen inflationsdämpfenden Effekte beziehen sich ausschließlich auf die direkten Auswirkungen im Haushaltsbereich; indirekte Effekte (auch über den Unternehmenssektor) dürften vernachlässigbar gering sein. ↩︎

  4. Plagborg-Møller und Wolf (2021) zeigen, dass local projections und VAR impulse response functions denselben dynamischen Effekt schätzen. ↩︎

  5. Die Schätzgleichung umfasst neben den Daten für die Industrieproduktion und Inflation (logarithmierte Indizes) auch die Arbeitslosigkeit und die Rendite für 10-Jahres-Staatsanleihen von Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, um die externe Entwicklung in den größten Volkswirtschaften des Euroraums abzubilden. Darüber hinaus beinhaltet die Schätzgleichung den VIX und den CISS-Index (logarithmierte Indizes) und die mittlere monatlichen Tagesänderungen des DAX, CAC40, IBEX35, FTSEMIB und des Brent- und WTI-Ölpreises, um Volatilität auf internationalen Finanz- und Aktienmärkten abzubilden. ↩︎

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