Violine, Antonio Stradivari, Cremona, 1718, ,,ex Viotti – ex Arnold Rosé“

Druckzettel: ,,Antonius Stradiuarius Cremonensis / Faciebat Anno 1718“ (718 handschriftlich)

Diese Violine stammt, wie aus dem originalen Druckzettel hervorgeht, aus Stradivaris „Goldener Periode“ und sie weist zwei prominente Vorbesitzer auf, die als Namensgeber dienen. Das Korpus ist nach einem großen und breiten Modell gebaut, möglicherweise über der mit dem 25. Februar 1705 datierten Innenform mit der Bezeichnung „P“ (Cremona, Museo del Violino, Inv. Nr. MS 44). Die Decke weist eine sehr hohe Wölbung auf, während der Boden deutlich flacher gewölbt ist. Die Jahresringe der zweiteiligen Decke sind mittelbreit und verlaufen sehr regelmäßig. Nur an der Bassseite sind leichte Wuchsanomalien zu erkennen. Die beiden Deckenhälften kommen vom selben Stamm und der jüngste Jahresring konnte mit 1698 datiert werden. Aus dendrochronologischer Sicht gibt es eine hohe Übereinstimmung mit zahlreichen anderen Violinen, die Stradivari nach 1710 gebaut hat. Der zweiteilige Boden aus Ahornholz zeichnet sich durch attraktive, enge und regelmäßig verlaufende Flammen aus, die nach außen leicht abfallen. Die Zargen sind ebenfalls stark geflammt. Auffallend ist die präzise Randarbeit, wobei vor allem die beiden schwarzen Späne der Randeinlage sehr zart wirken. Die F-Löcher stehen aufrecht, wobei sowohl die oberen als auch die unteren Klappen sehr schmal ausgeführt sind. Wie bei allen Instrumenten aus dieser Schaffensperiode Stradivaris zeigt die Schnecke vollendete handwerkliche Ausführung. Die Voluten verlaufen regelmäßig und sind völlig symmetrisch. Der Farblack mit rötlich-braunen Schattierungen trägt zur Attraktivität des Instruments bei.

Der erste nachweisbare Besitzer dieser Stradivari war der im Piemont geborene Geiger Giovanni Battista Viotti (1755–1824). Viotti erhielt seine Ausbildung in Turin und wurde 1775 Mitglied der dortigen Königlichen Kapelle. Ab 1780 führten ihn Konzertreisen bis nach St. Petersburg. Ab 1782 war er in Paris ansässig und gilt heute als Begründer der französischen Violinschule. Viotti erkannte die klanglichen Qualitäten der Cremoneser Violinen. Heute werden eine Geige von Giuseppe Guarneri del Gesù und nicht weniger als neun Stradivaris mit ihm in Verbindung gebracht, darunter auch das Instrument von 1718. Als zweiter Namensgeber folgte in der Eigentümerkette ab 1913 der Geiger Arnold Rosé. Dieser wurde 1863 als Arnold Josef Rosenblum in Jassy (Iaşi, Region Moldau, Rumänien) geboren und studierte ab 1874 bei Karl Heißler am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Im Jahr 1879 debutierte er als Solist mit dem Gewandhausorchester in Leipzig. Ab 1881 war er Konzertmeister des Wiener Hofopernorchesters und damit auch der Wiener Philharmoniker. Mit kurzen Unterbrechungen hatte Rosé diese Stelle bis 1938 inne und prägte wie kein Konzertmeister vor ihm den Klangcharakter dieses Orchesters. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich flüchtete Rosé im Jahr 1938 nach London, wo er an der Austrian Academy mitwirkte und mit dem von ihm gegründeten Streichquartett auftrat. Nach seinem Tod im Jahr 1946 wurde das Instrument über den in New York ansässigen Geigenhändler Emil Herrmann an Louis E. Brooks verkauft.