Digitaler Euro und finanzielle Inklusion

Europas Weg zwischen Regulierung, Innovation und Verantwortung

Am 7. September 2026 haben AccessibleEU, das Europäische Ressourcenzentrum für Barrierefreiheit der Europäischen Kommission, die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) gemeinsam zu einer Informationsveranstaltung rund um den digitalen Euro und finanzielle Inklusion geladen. Expert:innen aus Gesetzgebung, Forschung, Finanzbranche und Zivilgesellschaft diskutierten, wie das Finanzsystem inklusiv, sicher und wettbewerbsfähig gestaltet werden kann, für Menschen mit Behinderungen ebenso wie für eine zunehmend älter werdende Gesellschaft.

Rund 600.000 Menschen in Österreich von digitaler finanzieller Exklusion betroffen
Am Beginn der Veranstaltung stand die Präsentation der Studie zur Betroffenheit von digitaler finanzieller Exklusion, die L&R Sozialforschung im Auftrag der OeNB durchgeführt hat. Rund 8% der erwachsenen Bevölkerung und damit hochgerechnet etwa 600.000 Menschen können digitale Finanzdienste nicht oder nur mit persönlicher Unterstützung nutzen. Besonders hoch ist die Betroffenheit bei wohnungslosen Personen mit 45%, bei Personen mit geringer Sprachkompetenz in deutscher Sprache mit 36%, bei geflüchteten Menschen und Menschen mit Behinderungen mit jeweils 22% sowie bei Senior:innen über 80 Jahren mit 18%. Als häufigste Ursachen nannten die Befragten geringes Vertrauen in die Datensicherheit, fehlende Unterstützung im persönlichen Umfeld sowie Probleme mit Sprache und Zugänglichkeit. Die Ergebnisse wurden anschließend mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis sowie mit Vertreter:innen der betroffenen Gruppen diskutiert.

Barrierefreiheit als Voraussetzung für einen digitalen Euro für alle
Seit 2025 machen der European Accessibility Act und das österreichische Barrierefreiheitsgesetz Barrierefreiheit auch im Finanzsektor verbindlich. Wie die Umsetzung in der Praxis gelingt, zeigten Beiträge zu den Barrierefreiheitsnormen im Bankbereich und zu barrierefreier Innovation bei Karten, Sprache und Haptik. Rein digitale Lösungen reichen dafür nicht aus. Bargeld hat sich als Zahlungsmittel für alle bewährt und war daher Thema eines eigenen Vortrags.

Der digitale Euro nimmt Form an
Ein Vertreter der Europäischen Zentralbank stellte dar, wie der digitale Euro konkret Form annimmt, welche Basisdienstleistungen vorgesehen sind und wie die App inklusiv gestaltet werden soll. Gemeinsam mit Zahlungsdienstleistern wurden die Auswirkungen einer möglichen Einführung diskutiert, die bereits 2029 erfolgen soll. Ein wesentlicher Vorteil des digitalen Euro besteht darin, dass er als einheitliche und durchgängig barrierefreie Lösung überall im Euroraum gleich funktionieren würde.

Gebündelte Expertise
Bereits 2024 hat die OeNB eine Arbeitsgruppe zu finanzieller Inklusion und digitalem Euro ins Leben gerufen. Ziel ist, gemeinsam mit über 35 Organisationen, darunter NGOs, Interessenvertretungen und von Ausgrenzung bedrohte Bevölkerungsgruppen, an der Entwicklung eines digitalen Euro für alle mitzuwirken, finanzielle Inklusion in Österreich zu fördern und über den digitalen Euro zu informieren. Damit übernahm die OeNB früh eine Vorreiterrolle unter den nationalen Zentralbanken und setzt auf europäischer Ebene laufend wichtige Impulse. Zum Abschluss diskutierten Betroffene sowie Expert:innen, wie Finanzbildung und verständliche Kommunikation digitale Teilhabe fördern können.