Violine, Gaspare Lorenzini, Piacenza, um 1760

Handschriftlicher Zettel: „Gaspare Lorenzini GLP [in herzförmiger Kartusche] / fecit Placentiæ 1758“

Es handelt sich um ein sehr langes und breites Geigenmodell mit individueller Prägung. Die geteilte Decke aus Fichtenholz ist in der Mitte feinjährig, nach den Flanken zu werden die Jahresringe breiter. Das Holz der beiden Deckenhälften weist große Übereinstimmung auf, sie dürften vom selben Stamm genommen worden sein. Der einteilige Boden aus Ahornholz ist im  Spiegel geschnitten und weist keine Flammen auf. In der Struktur ähnlich ist das Holz der Zargen sowie von Wirbelkasten und Schnecke. Die  F-Löcher erinnern an Stradivari, allerdings sind die oberen Klappen, anders als beim Vorbild, fast gleich groß wie die unteren. Die F-Löcher wirken dadurch wuchtiger und weniger elegant. Die Randeinlage und die Hohlkehle sitzen weit außen, wodurch die Ränder vor allem am Boden zart wirken. Die Voluten der Schnecke verlaufen ebenmäßig und harmonisch. Deutliche Werkzeugspuren sind ebenso zu sehen wie die Einstiche zur Markierung des Mittelstabs. Ähnliche Einstiche finden sich bei vielen Schnecken Guadagninis. Lorenzini verwendete einen goldgelben Grund, auf dem ein attraktiver, hellbrauner Farblack − vor allem in der Hohlkehle des Bodens − noch sichtbar ist.

Leihnehmer: Paul Kropfitsch