Gemeinsame Konferenz von EZB, Weltbank, BIZ (CPSS) und OeNB in Wien

(, Wien)

Vom Konto für jeden zur globalen Finanzinfrastruktur

„Die Integration der Finanzmärkte hat wesentlich zu Wachstum und Wohlstand beigesteuert“ so
Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), anlässlich der gemeinsam von OeNB, Europäischer Zentralbank (EZB),Weltbank und Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit dem Committee on Payment and Settlement Systems (CPSS) am 5. und 6. Mai 2014 in Wien organisierten Konferenz „Regional Integration of Financial Infrastructures: European and Global Developments“. Seit Beginn der Finanzkrise ist ein Auseinanderdriften der Finanzmärkte zu erkennen, es sind daher wesentliche Anstrengungen notwendig, um die Finanzmarktintegration wieder voranzutreiben und damit zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstum beizutragen.
 

OeNB-Gouverneur Nowotny betonte, dass in Europa insbesondere die Implementierung der Bankenunion, die nationalen Konsolidierungsmaßnahmen sowie eine Reform der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen dazu beitragen werden, Europa effizienter und wettbewerbsfähiger zu machen.

Dr. Kurt Pribil, Direktor der OeNB, hat in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutung von Finanzinfrastrukturen für die Integration der Finanzmärkte hingewiesen. Das Eurosystem nimmt hier als Betreiber von Infrastrukturen im Zahlungs- und Wertpapierbereich eine entscheidende Rolle ein. So können rund 1.000 Banken das Großbetragszahlungssystem Target2 des Eurosystems für die Durchführung von Überweisungen nutzen, bis zu 60.000 Finanzinstitute können weltweit erreicht werden. In Bezug auf die Umsetzung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums SEPA (Single Euro Payments Area) sieht OeNB-Direktor Pribil den europäischen Zahlungsverkehrsmarkt in der Zielgerade. So ist nun, zwei Monate vor Ablauf der verlängerten Migrationsfrist (1. August 2014), nahezu der gesamte Zahlungsverkehr – damit euroraumweit etwa 30 Mrd. Transaktionen – auf die neuen SEPA-Formate umgestellt. Das Ziel, den Euro-Zahlungsverkehr schneller, sicherer, effizienter und auch günstiger zu machen, ist damit erreicht.

„Die Integration des Finanzsystems braucht politischen Willen, ausreichend Ressourcen und Kunden, die effiziente Dienstleistungen verlangen“ unterstrich Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell, ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank und maßgeblich an den Vorbereitungen für SEPA und TARGET2-Securities, das zukünftige europäische Wertpapierabwicklungssystem, beteiligt. Sie war Vorsitzende einer hochrangigen internationalen Expertengruppe der Weltbank, die in einem Bericht die Erfolgsfaktoren für die regionale Integration von Finanzinfrastrukturen zusammengefasst hatte. Dieser Bericht[1] wurde im Rahmen der Konferenz  präsentiert. Daniela Russo, Generaldirektorin Zahlungsverkehrssysteme und Marktinfrastrukturen der EZB, begrüßt den Bericht. Integrierte Finanzmärkte ermöglichen die reibungslose Umsetzung der Geldpolitik, fördern Wachstum und Finanzmarktstabilität und die Entwicklung kompetitiver Märkte, so Russo.

Der Fokus der Konferenz, an der 150 Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland teilnahmen, lag nicht nur auf europäischen Entwicklungen, sondern auch und gerade auf weltweiten Integrationsprojekten. Dabei reichen derartige Projekte von der Ermöglichung des Zugangs zu Finanz- und Bankdienstleistungen für jeden Einzelnen bis hin zur Bereitstellung dementsprechender Infrastrukturen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass eine gemeinsame Strategieentwicklung von Marktteilnehmern und politischen Entscheidungsträgern für den Erfolg derartiger Projekt ausschlaggebend ist, betonte Massimo Cirasino, Manager Financial Infrastructure and Remittances, Weltbank. Zusätzlich müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen so ausgestaltet sein, dass sie faire Wettbewerbsbedingungen sowie Sicherheit gewährleisten und Innovationen ermöglichen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Rolle von Nicht-Banken in der Bereitstellung von Finanzdienstleistungen und die Bedeutung von Geldtransferdienstleistungen beleuchtet. So tragen Geldtransferleistungen in Entwicklungsländer in Höhe von rund 414 Mrd. USD im Jahr 2013 (Schätzung Weltbank) wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung und finanziellen Inklusion in diesen Ländern bei, bei der zugrundeliegenden Gebührenstruktur ist jedoch vielfach noch Verbesserungspotenzial vorhanden.