Finanzmarktstabilität im Fokus: das neue OeNB-Dashboard zum Gewerbeimmobilienmarkt
(, Wien)Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) präsentiert heute auf ihrer Website das neue interaktive OeNB-Gewerbeimmobilien-Dashboard. Mit diesem Tool werden erstmals zentrale Daten und Analysen zum österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt gebündelt und öffentlich zugänglich gemacht. Bisher mussten Nutzer:innen für einen umfassenden Marktüberblick verschiedene private und öffentliche Quellen konsultieren und selbst zusammenführen. Im Rahmen ihrer Aufgabe zur Sicherung der Finanzmarktstabilität sammelt die OeNB aktuelle Daten und Analysen zum Immobilienmarkt und stellt diese ab sofort der Öffentlichkeit im Rahmen der OeNB-Immobilien-Dashboards kostenlos bereit. Das Angebot ergänzt das bereits bestehende OeNB-Wohnimmobilien-Dashboard.
Ziel und Bedeutung des Dashboards
Das Dashboard gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf dem österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt und setzt diese in den Kontext der Finanzmarktstabilität. Durch den hohen Anteil von Gewerbeimmobilienkrediten im Portfolio österreichischer Banken sind der Finanzmarkt und Gewerbeimmobilienmarkt eng verknüpft. Dementsprechend verfolgt die OeNB die Entwicklungen auf dem Gewerbeimmobilienmarkt laufend und führt regelmäßig Systemrisikoanalysen zu Gewerbeimmobilienkrediten durch.
„Das Dashboard richtet sich an eine breite Zielgruppe: Expert:innen, Banken, Investor:innen und die interessierte Öffentlichkeit. Ziel ist es, mehr Transparenz über den Markt zu schaffen und eine fundierte Einschätzung von Marktentwicklungen zu ermöglichen“, erläutert OeNB-Direktor Thomas Steiner.
Inhalte und Funktionen
Das Dashboard beinhaltet umfassende Informationen zu Gewerbeimmobilien. Unter diesen Begriff fallen alle gewerblich genutzten Objekte – von gewerblich genutzten Wohnimmobilien wie Zinshäusern bis hin zu Gewerbeimmobilien im engeren Sinn, etwa Bürogebäuden.
Das Dashboard ist in vier Kategorien aufgeteilt und zeigt sowohl mengen- als auch preisbezogene Informationen:
- Angebot – zeigt das Angebot an Gewerbeimmobilien mit einer Aufschlüsselung nach Bundesländern. Es stellt den Bestand und Bestandsänderungen in den jeweiligen Assetklassen dar. Zusätzlich werden Kostenbestandteile für den Neubau (z. B. Bau- und Finanzierungskosten) ausgewiesen. So ist im Dashboard ersichtlich, dass es etwa 285.000 Gewerbeimmobilien in Österreich gibt, wobei es sich mehrheitlich um gewerbliche Wohnimmobilien handelt (etwa 185.000 Gebäude). Der überwiegende Anteil der Gewerbeimmobilien liegt in Niederösterreich, gefolgt von Wien.
- Nachfrage – stellt die Nachfrage je nach Assetklassen dar. Typische Nachfrager:innen nach Gewerbeimmobilien sind Unternehmen und öffentliche Einrichtungen, die Flächen für geschäftliche, produktive oder administrative Zwecke benötigen. Eine bedeutende Assetklasse sind Bürogebäude. Die Nachfrage nach diesen Gebäuden hängt unter anderem von der Möglichkeit ab, im Homeoffice zu arbeiten. Das Dashboard zeigt, dass sich der Anteil der Beschäftigten, die ihre Arbeit zumindest teilweise im Homeoffice verrichten können, mit Beginn der COVID-19-Pandemie erhöht hat und seitdem in etwa konstant geblieben ist.
- Markt – ab Juli 2026 stehen hier wesentliche Informationen zum Gewerbeimmobilienmarkt zur Verfügung. Diese Informationen werden die Entwicklung der Gewerbeimmobilienpreise sowie Daten zu Transaktionen und Leerstände auf dem Gewerbeimmobilienmarkt beinhalten.
- Makroprudenzielle Analyse – enthält granulare Daten zu Gewerbeimmobilienkrediten. Hier sind Informationen zu Kreditvolumen, Zinssätzen, zur Finanzierungsstruktur sowie zur Kreditqualität bei Gewerbeimmobilienkrediten abgebildet. Das Dashboard zeigt, dass das Neugeschäft bei Gewerbeimmobilienkrediten insbesondere von Neuverhandlungen von bestehenden Krediten gestützt wird. Außerdem sind die anhaltend hohen NPL-Quoten (NPL: non-performing loans – notleidende Kredite) im Bereich der Gewerbeimmobilienkredite im Dashboard ersichtlich.
Da zwischen den Segmenten enge Wechselwirkungen bestehen, sollten sie nicht isoliert, sondern gemeinsam betrachtet werden.
Das Dashboard bündelt etwa 50 mengen- und preisbezogene Indikatoren und stellt mit zahlreichen Aufschlüsselungen u. a. nach Assetklassen, Regionen und Krediteigenschaften über 1.000 Zeitreihen zur Verfügung.
Durch interaktive Funktionen wie Zoom, Filter und Exportmöglichkeiten wird die Verwendung erleichtert. Zudem gibt es Infoboxen mit Definitionen, Datenherkunft, Berechnungsmethoden und Links zu weiteren Informationen.