Oesterreichische Nationalbank öffnet sich stärker für die Öffentlichkeit
(, Wien)Strategie bis 2028 unter dem Motto „Bewährtes stärken. Zukunft gestalten.“
Ausgangslage:
- Das neue Direktorium der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) mit Gouverneur Martin Kocher legt eine umfassende Strategie bis Ende 2028 vor.
- Ziel ist es, die Rolle der OeNB als stabile und unabhängige Institution weiter zu stärken und gleichzeitig die Öffnung sowie den Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs und zentrale Zukunftsprojekte gezielt voranzutreiben.
- Denn die OeNB versteht sich nicht nur als Garantin für Preis- und Finanzmarktstabilität, sondern auch als moderne öffentliche Institution, die ihre Expertise sichtbar macht, Zusammenhänge verständlich erklärt und aktiv den Dialog mit Gesellschaft, Wissenschaft und Politik sucht.
- Die Ausarbeitung der Strategie erfolgte – unter dem Blickwinkel der aktuellen Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher, technologischer und geopolitischer Veränderungen – in einem partizipativen Prozess mit der Belegschaft und wurde vom Generalrat beschlossen.
Fünf konkrete Leuchtturmprojekte
Im Zentrum der neuen OeNB-Strategie stehen fünf strategische Leuchtturmprojekte für die Weiterentwicklung der Organisation.
Den ersten Leuchtturm bildet die Stärkung der wirtschaftspolitischen Kompetenz der OeNB.
- Die OeNB verfügt mit ihrer renommierten volkswirtschaftlichen Abteilung sowie der zweitgrößten Statistikabteilung Österreichs über herausragende wirtschafts- und finanzpolitische Expertise und einen umfangreichen Datenschatz.
- Ziel ist es, diese Expertise im Interesse aller noch stärker zu teilen – für die Bürger:innen, für den öffentlichen Diskurs, für die Wissenschaft, aber auch um die faktenbasierte und fundierte politische Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Dem digitalen Euro ist in der neuen Strategie der zweite Leuchtturm gewidmet.
- Die OeNB setzt sich aktiv für Wahlfreiheit beim Bezahlen ein: Als Ergänzung zum beliebten Euro-Bargeld wird es darum in Zukunft auch den digitalen Euro geben. Er holt die Vorteile des Bargelds in den digitalen Raum: Bezahlen mit Karte, Handy und online wird mit dem digitalen Euro ohne Gebühren, mit hoher Privatsphäre und Datensicherheit möglich sein. Darüber hinaus wird der digitale Euro im gesamten Euroraum verlässlich angenommen. Er wird Europas digitale Souveränität stärken und uns beim Bezahlen unabhängig von außereuropäischen Konzernen machen.
- Zudem übernimmt die OeNB als eine von sechs Zentralbanken im Eurosystem eine führende Rolle in der Entwicklung des digitalen Euro und bringt so ihre Expertise ein, um Souveränität, Sicherheit und Nutzer:innenfreundlichkeit im digitalen Zahlungsverkehr zu garantieren.
- Im Zuge eines EU-Gesetzespaketes setzt sich die OeNB aktiv für den Erhalt und die Stärkung von Bargeld ein – etwa für eine möglichst weitreichende Annahmepflicht für Bargeld im Euroraum. In ländlichen Regionen Österreichs, in denen die Bargeldversorgung nicht mehr ausreichend gewährleistet ist, schließt die OeNB diese Lücken durch eigene Bankomaten, um der Bevölkerung den Zugang zu Bargeld zu ermöglichen.
Den dritten wichtigen Leuchtturm bildet die stärkere Öffnung der Nationalbank gegenüber der Bevölkerung.
Mit der Initiative „Welcome@OeNB“ setzt die Nationalbank bewusst ein Zeichen für mehr Zugänglichkeit, verständliche Kommunikation und einen intensiveren Dialog mit den Menschen in Österreich.
- Ein sichtbarer Ausdruck dieser Öffnung ist die umfassende Neugestaltung öffentlich zugänglicher Bereiche der OeNB – insbesondere des Geldmuseums.
- Ziel ist es, die OeNB stärker als offenen Ort des Austauschs, der Information und der wirtschaftlichen Bildung erlebbar zu machen und Besucher:innen einen moderneren, niederschwelligeren und einladenderen Zugang zur Nationalbank zu ermöglichen.
- Der Baustart wird bereits im Sommer 2026 erfolgen.
- Geplant sind auch neue Initiativen im Bereich Finanzbildung, insbesondere für junge Menschen, um wirtschaftliches Grundverständnis und finanzielle Resilienz zu stärken sowie
- öffentliche Vortrags-, Diskussions- und Veranstaltungsreihen in ganz Österreich zu aktuellen wirtschaftlichen, europäischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen.
- Auch die Sichtbarkeit der kulturellen und gesellschaftlichen Rolle der OeNB soll unter anderem durch Ausstellungen und öffentliche Formate gestärkt werden.
Die OeNB setzt verstärkt auf den gezielten Einsatz künstlicher Intelligenz (vierter Leuchtturm), um interne Prozesse effizienter zu gestalten, administrative Abläufe zu vereinfachen und insbesondere Routineaufgaben zu unterstützen.
- Ziel ist es, die OeNB als innovative und technologieoffene Zentralbank weiterzuentwickeln und ihre Kompetenzen in den Bereichen Datenanalyse, Digitalisierung und technologische Innovation im europäischen Kontext gezielt auszubauen.
- Dabei verfolgt die OeNB einen verantwortungsvollen und risikobewussten Ansatz beim Einsatz neuer Technologien: KI kommt ausschließlich im Einklang mit regulatorischen Vorgaben sowie Datenschutz- und Sicherheitsstandards zum Einsatz.
Darüber hinaus will die Nationalbank im Rahmen des fünften Leuchtturmprojekts ihre Rolle als führende Stimme in bestimmten Themenbereichen gezielt ausbauen und dort verstärkt Impulse auf europäischer und internationaler Ebene setzen:
- Ziel ist es, die österreichische Perspektive in zentrale wirtschafts-, finanzmarkt- und geldpolitische Debatten aktiv einzubringen und die OeNB als vernetzte Partnerin innerhalb des Eurosystems sowie im internationalen Umfeld weiter zu stärken.
- Ein aktuelles Beispiel für erfolgreiche Themenführerschaft im Eurosystem ist das europäische Meldewesen-Projekt IReF (Integrated Reporting Framework), bei dem die OeNB mit österreichischer Expertise maßgeblich an der inhaltlichen Ausgestaltung beteiligt war und das integrierte österreichische Meldewesen europaweit als Vorbild diente.
Zentrale Handlungsfelder innerhalb der OeNB
Neben den strategischen Leuchtturmprojekten setzt die Oesterreichische Nationalbank auch gezielt auf die Weiterentwicklung ihrer internen Zusammenarbeit, organisatorischen Leistungsfähigkeit und einer modernen, leistungsorientierten Arbeitskultur.
- Im Mittelpunkt stehen dabei der Abbau unnötiger Bürokratie, einfachere und effizientere Prozesse sowie eine stärkere bereichsübergreifende Zusammenarbeit, um Innovation und schnelle Umsetzungsfähigkeit gezielt zu fördern.
- Gleichzeitig will die OeNB eine Organisationskultur stärken, in der Leistung und Engagement sichtbar anerkannt, individuelle Stärken gezielt gefördert und Mitarbeiter:innen durch klare Kommunikation, konstruktive Fehlerkultur und moderne Führung bestmöglich in ihrer Entwicklung unterstützt werden.
Gouverneur Martin Kocher:
„Gerade in Zeiten großer wirtschaftlicher, technologischer und geopolitischer Veränderungen braucht es starke Institutionen, die komplexe Zusammenhänge verständlich erklären, Vertrauen schaffen und damit Orientierung geben können. Die OeNB und ihre hervorragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen seit langer Zeit für Stabilität und Unabhängigkeit. Gleichzeitig wollen wir uns noch stärker öffnen, den Dialog mit der Gesellschaft intensivieren und unsere wirtschaftliche Expertise sichtbarer machen. Die Nationalbank verfügt über einen einzigartigen Datenschatz und herausragende wirtschafts- und finanzpolitische Kompetenz. Dieses Wissen soll künftig noch stärker für Bürgerinnen und Bürger, Wissenschaft, öffentliche Debatten und evidenzbasierte Entscheidungen nutzbar werden. Preis- und Finanzmarktstabilität bleiben unser Kernauftrag. Aber eine moderne Zentralbank muss heute auch transparent, zugänglich und innovativ sein. Genau dafür schaffen wir mit unserer Strategie bis 2028 unter dem Titel ,Bewährtes stärken. Zukunft gestalten‘ die Grundlage.“
Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger
„Die OeNB öffnet sich stärker für die Öffentlichkeit – räumlich und inhaltlich. Wir laden die Menschen ein, unser Haus, mit dem gegen Ende der Strategieperiode neu gestalteten Geldmuseum als Herzstück, zu betreten und gleichzeitig von unserer wirtschaftspolitischen Expertise zu profitieren. Denn die größte Stärke der OeNB sind die Menschen, die hier arbeiten, ihre herausragende wirtschafts- und finanzpolitische Expertise sowie ihr umfangreicher Datenschatz. Dieses Wissen wollen wir sichtbar machen und teilen – für Österreich und als gestaltende Stimme im Eurosystem.”