Der digitale Euro – für Sicherheit und Unabhängigkeit in Europa

Echte Wahlfreiheit beim Bezahlen: OeNB lädt zum Open Forum und spricht mit weiteren Expert:innen über den digitalen Euro

Am 8. Juli 2026 fand in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) die jährliche Fachveranstaltung „Open Forum – Digitaler Euro und Zahlungsverkehr“ statt. Im Zentrum stand das voranschreitende Projekt digitaler Euro des Eurosystems. Dazu diskutierten hochrangige Expert:innen aus Österreich und anderen europäischen Ländern mit Vertreter:innen aus Wirtschaft, Finanzbranche, Politik und Zivilgesellschaft. Die Themen: Sicherheit und Informationsqualität, konkrete Anwendungsmöglichkeiten sowie die Vorbereitung auf die bevorstehende Pilotphase.

Sicherheit für die gesamte Bevölkerung

Den Auftakt bildete ein Impulsvortrag zu sicherheitspolitischen Dimensionen im digitalen Zeitalter. Leonie Haiden, Fellow des Europe’s Futures Project des IWM, zeigte auf, was Sicherheit im Zusammenhang mit dem digitalen Euro bedeutet: Die Zentralbank als stabile Herausgeberin wird ein hohes Maß an institutionellem Vertrauen gewährleisten. Weiters stellt die technische und operationelle Ausgestaltung des digitalen Euro auf Resilienz und Krisensicherheit ab. Und nicht zuletzt wird der digitale Euro Sicherheit in geopolitisch herausfordernden Zeiten bringen, in denen uns Desinformation, Manipulation und Abhängigkeiten zu schaffen machen.

Gerade bei gesellschaftlich relevanten Projekten wie dem digitalen Euro ist eine sachliche, transparente und niederschwellige Kommunikation entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und Missverständnissen entgegenzuwirken. Diesbezüglich betonte die OeNB ihre Verantwortung und die Bedeutung eines offenen Dialogs mit der Bevölkerung und allen relevanten Stakeholder-Gruppen: „Der digitale Euro ist ein Sicherheitsprojekt für Europa. Sein Erfolg hängt nicht allein von Technologie oder Regulierung ab, sondern vor allem von Vertrauen. Vertrauen ist heute ein entscheidender Wettbewerbsfaktor: Deshalb bringt das Open Forum viele Vertreter:innen aus der Bevölkerung und Wirtschaft zusammen, um den Dialog zu fördern und das Vertrauen in den digitalen Euro nachhaltig zu stärken“, so Petia Niederländer, Direktorin der Hauptabteilung für Zahlungsverkehr, Risikoüberwachung und Finanzbildung in der OeNB.

Die Offline-Funktion des digitalen Euro stand im Zentrum einer Paneldiskussion. Sie ermöglicht, Zahlungen auch ohne Internetverbindung direkt abzuwickeln. Damit wird der digitale Euro auch in Krisensituationen, etwa bei einem Netzwerkausfall oder einem Blackout, seine Bargeld-Funktion erfüllen und die Zahlungsfähigkeit der Bevölkerung aufrechterhalten. Diese technologische Neuerung ist in dieser Form einzigartig und stärkt die Resilienz des europäischen Zahlungssystem.

Als gesetzliches Zahlungsmittel würde der digitale Euro eine sichere, einfache und kostenfreie Alternative beim digitalen Bezahlen bieten – in einem Marktumfeld, das von privaten Zahlungsdienstleistern aus den USA dominiert wird. Derzeit werden zwei Drittel aller Zahlungen in der EU von zwei US-Unternehmen abgewickelt. In Österreich sind es sogar 90 Prozent.

Mit dem digitalen Euro würde die Rolle des öffentlichen Geldes gesichert und die Unabhängigkeit des europäischen Finanzsystems gestärkt.

Fahrplan zum digitalen Euro

Ab September 2027 ist eine einjährige Pilotphase geplant. In diesem Probelauf wird untersucht, wie der digitale Euro in der Praxis funktioniert. Eingebunden sind im ersten Schritt rund 40 Zahlungsdienstleister, etwa 30 Unternehmen sowie mehr als 10.000 Mitarbeiter:innen des Eurosystems. Ab 2029 sollen alle Menschen im Euroraum mit dem digitalen Euro bezahlen können.

Finanzielle Inklusion: ein digitaler Euro für alle

Das Ermöglichen von barrierefreien digitalen Zahlungen ist ein zentrales Anliegen im Projekt. Der digitale Euro soll für alle Menschen zugänglich und nutzbar sein, unabhängig von Alter, Einkommen oder digitaler Erfahrung. Laut einer aktuellen Studie, die sich mit der Gefahr der finanziellen Exklusion befasst, benötigt mehr als ein Drittel der Bevölkerung einen niederschwelligen Zugang zu Zahlungsmitteln. Als gebührenfreies, leicht zugängliches und sicheres Zahlungsmittel würde der digitale Euro diese Lücke schließen.

Dialog als Grundlage des Vertrauens: Der Erfolg des digitalen Euro wird maßgeblich von der Akzeptanz in der Bevölkerung und von den Marktteilnehmer:innen abhängen. Veranstaltungen wie das Open Forum leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.

Für Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Wahlfreiheit

Das Projekt digitaler Euro verbindet technologische Innovation und wirtschaftspolitische Verantwortung. Der digitale Euro soll dazu beitragen, die Stabilität des europäischen Finanzsystems zu sichern, die Wettbewerbsfähigkeit des Zahlungsverkehrs zu stärken und den Menschen ein sicheres, verlässliches und zukunftsfähiges Zahlungsmittel bereitzustellen. Der digitale Euro würde ein zentraler Baustein für ein selbstbestimmtes und resilienteres Europa. Wahlfreiheit zwischen Bargeld und digitalem Bezahlen ist den Menschen in Österreich wichtig. Die Zahlungsmittelstudie 2025 der OeNB belegt das eindeutig: 79 Prozent der Befragten möchten immer und überall mit einem öffentlichen Zahlungsmittel – Bargeld oder digitalem Euro – bezahlen können. Gleichzeitig setzt sich der Trend weiter fort, dass immer mehr Menschen Zahlungen im digitalen Raum tätigen. Der digitale Euro als Bargeld für den digitalen Raum würde hier ein fester Anker für den europäischen Zahlungsverkehr.

Hinweis: Seit dem Start des Projekts steht die OeNB im aktiven Austausch mit österreichischen Unternehmen, Organisationen und der Bevölkerung. Dabei achten wir darauf, Fragen, Unsicherheiten und Diskussionspunkte klar und verständlich zu beantworten. Bei Fragen oder für Informationen zum digitalen Euro wenden Sie sich bitte an digitalereuro@oenb.at.