Betrug erkennen, sicher bezahlen

(25.08.2026)

Katharina Ederer, Nina Gehringer, Stefan Wagner

Wie Betrüger:innen unser Vertrauen ausnutzen und was man dagegen tun kann

So etwas passiert doch immer nur den anderen: Ein unbedachter Klick auf einen Link in einer E-Mail, ein unangenehmes Telefonat mit einem bzw. einer angeblichen Bankmitarbeiter:in, die Weitergabe von Daten, die einem im nächsten Augenblick vielleicht selbst seltsam erscheint. Aber es passiert eben nicht immer nur den anderen! Betrüger:innen setzen eine Vielzahl psychologischer Tricks ein, um Vertrauen zu gewinnen und Menschen zu täuschen.

Was Betrug ist – und wie er abläuft

Betrug ist eine Straftat (§ 146 StGB), bei der Täter:innen ihre Opfer gezielt täuschen, um sich einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Sie erzählen erfundene, aber glaubwürdig klingende Geschichten, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen und sie dazu zu bringen, Geld zu überweisen, persönliche Daten preiszugeben oder Wertgegenstände auszuhändigen.

Wie verbreitet das Phänomen ist, zeigt die Anzeigenstatistik: 2025 wurden in Österreich 63.459 Fälle von Internetkriminalität angezeigt – etwas mehr als im Jahr davor. Im 10-Jahresvergleich hat sich diese Zahl mehr als versechsfacht (2015: 10.010 Fälle). Der Internetbetrug ist mit rund 31.000 Anzeigen der größte Einzelbereich, entwickelte sich zuletzt aber leicht rückläufig. Diese Zahlen erfassen ausschließlich angezeigte Fälle. Da Betrug häufig mit Scham verbunden ist und nicht angezeigt wird, dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen. Darüber hinaus ist Betrug ja nicht nur auf das Internet beschränkt.

Betrüger:innen agieren äußerst kreativ und passen ihre Geschichten laufend an unterschiedliche Situationen an, um glaubwürdig zu wirken. Diese Flexibilität macht es schwierig, Betrugsversuche vorherzusehen oder zu erkennen. Genau deshalb hilft es, die gemeinsamen Muster besser zu kennen. Denn fast alle Betrugsversuche folgen denselben drei Schritten:

1. Eine glaubwürdige Geschichte erzählen
Manche Geschichten versprechen etwas Gutes: Ein besonders attraktives Angebot oder eine einmalige Gelegenheit – etwas, das fast „zu schön, um wahr zu sein“ erscheint. Andere Geschichten schildern ein angebliches Problem oder eine Gefahr, die sofortiges Handeln nötig machen: Eine Kontosperre, eine offene Rechnung oder einen Notfall in der Familie.

2. Emotionen gezielt auslösen
Im nächsten Schritt versuchen die Täter:innen, starke Emotionen wie Angst, Stress, Unsicherheit, Hilfsbereitschaft oder auch Freude und Neugier zu wecken. Unter emotionalem Druck treffen Menschen häufiger vorschnelle Entscheidungen und hinterfragen gegebene Informationen weniger kritisch. Genau diesen Umstand nutzen Betrüger:innen aus.

3. Zum Handeln drängen
Die Täter:innen verlangen Geld oder andere Wertgegenstände, um das erfundene Problem zu lösen. Häufig geschieht dies unter Zeitdruck und mit der Aufforderung verbunden, niemanden darüber zu informieren. Viele Geschädigte zahlen – oft sogar mehrmals – und merken lange nicht, dass sie betrogen werden.

Häufige Betrugsmaschen einfach erklärt

Weil Täter:innen ihre Betrugsmaschen regelmäßig verändern und an aktuelle Gegebenheiten anpassen, ist ein generelles Verständnis äußerst hilfreich. Gleichzeitig ist es sinnvoll, sich praxisnahe Beispiele vor Augen zu führen. Wie laufen ausgewählte Betrugsmaschen also konkret ab?

  • Falsche Autoritäten: Dabei geben sich Täter:innen am Telefon oder persönlich als vertrauenswürdige Personen oder Institutionen wie Polizei, Banken, Behörden oder Ärzt:innen aus. Sie beginnen häufig mit einer Schocknachricht, etwa über einen Einbruch, eine Bedrohung oder eine schwere Erkrankung im Umfeld der Betroffenen. Dadurch erzeugen sie gezielt Angst und hohen Zeitdruck und konstruieren eine akute Notlage. Im weiteren Verlauf wird Druck aufgebaut, oft verbunden mit der Forderung nach Geheimhaltung. Die am Display angezeigten Telefonnummern wirken teilweise offiziell, obwohl sie gefälscht sind (das nennt man Rufnummer-„Spoofing“). Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen und die Opfer zu schnellen finanziellen Handlungen zu bewegen. Wichtig zu wissen: Weder Polizei noch Bank noch eine Behörde verlangt jemals TANs oder PIN-Codes, fordert zur Übergabe von Bargeld oder Wertgegenständen auf oder bittet darum, Geld auf ein angeblich „sicheres Konto“ zu überweisen. Ohne Ausnahme.

  • Ausnutzen von persönlichen Beziehungen: Aus dieser Kategorie ist besonders der „Enkel- oder Neffentrick“ bekannt. Aber auch Betrugsmaschen wie der Love Scam (Romance Scam) funktionieren nach einem ähnlichen Muster. Täter:innen bauen dabei gezielt persönliche Nähe und Vertrauen auf oder täuschen diese vor, um an Geld zu gelangen. Beim Enkel- oder Neffentrick geben sie sich als Verwandte aus und schildern eine dringende Notlage, wobei sie ihre Identität oft bewusst vage halten, um dann in eine passende Rolle zu schlüpfen („Rate mal, wer dran ist!“) und emotionalen und zeitlichen Druck erzeugen.
    Beim Love Scam entsteht eine vermeintliche Liebesbeziehung über längere Zeit online: Die Täter:innen bauen intensiven Kontakt auf, zeigen schnell starke Gefühle und vermeiden reale Treffen oder Videoanrufe. In beiden Fällen werden schließlich finanzielle Forderungen gestellt, meist unter Zeitdruck und untermalt mit dramatischen Geschichten (z. B. Krankheit, Unfall oder angebliche Reise- oder Zollkosten).
  • Falsche Angebote: Dabei werden z. B. Investitionsmöglichkeiten im Bereich Kryptowährungen oder Aktien vorgetäuscht. Die Täter:innen werben oft über soziale Medien und kontaktieren ihre Opfer als angebliche „Berater:innen“. Anfangs werden scheinbare Gewinne gezeigt, um Vertrauen aufzubauen. Danach werden die Betroffenen unter Druck gesetzt, schnell immer höhere Beträge zu investieren. Typisch sind unrealistische Gewinnversprechen, das Drängen zu raschen Einzahlungen, unseriöse, nicht überprüfbare Plattformen, und die Tatsache, dass eine Auszahlung trotz angeblich steigender Gewinne nie möglich ist. Ob ein Anbieter zur Erbringung von solchen Finanzdienstleistungen in Österreich berechtigt ist, lässt sich in der Unternehmensdatenbank der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) prüfen. Die FMA veröffentlicht außerdem laufend Investorenwarnungen (https://www.fma.gv.at/unternehmensdatenbank-suche/).

    Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren auch Fake-Shops. Sie erwecken den Eindruck eines seriösen Online-Shops und locken mit besonders günstigen Preisen oder stark nachgefragten Produkten. Nach der Bezahlung wird die bestellte Ware entweder gar nicht geliefert oder sie entspricht nicht der beschriebenen Qualität. Häufig fehlen ein vollständiges Impressum, nachvollziehbare Kontaktdaten oder sichere Zahlungsmöglichkeiten. Wertvolle Hinweise auf Fake-Shops gibt es zum Beispiel auf diesen Seiten:

Was schützt: Regeln für den Alltag

Die wichtigste Handlungsempfehlung, die sich über alle Betrugsmaschen hinweg ableiten lässt, lautet: wachsam bleiben, ungewöhnliche Situationen kritisch hinterfragen und eine gesunde Skepsis bewahren.

Es kann jeden und jede treffen: Betrug geht häufig mit Schamgefühlen einher. Betroffene verschweigen den Vorfall oder vermeiden Gespräche darüber. Gerade deshalb ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen und die Situation nicht allein zu bewältigen. Betrogen zu werden ist kein persönliches Versagen. Die Betrugsmaschen sind darauf ausgelegt, dass sie funktionieren.

Warnsignale erkennen: Künstlicher Zeitdruck, die Aufforderung zur Geheimhaltung und ungewöhnlich gute Angebote sind typische Warnsignale. Auch ungewöhnliche Formen der Kontaktaufnahme sollte man mit Skepsis begegnen. Diese Skepsis ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen überhaupt.

Rücksprache halten: Wenn jemand zur Geheimhaltung auffordert oder davon abrät, mit anderen Personen über die Situation zu sprechen, ist besondere Vorsicht geboten. Genau das Gegenteil ist richtig: Bei Unsicherheiten sollte immer Rücksprache mit Familienmitgliedern, Freund:innen oder offiziellen Stellen gehalten werden.

Rückruf einfordern: Ein verdächtiges Telefonat kann jederzeit beendet oder ein Rückruf vereinbart werden, um die Angaben in Ruhe zu überprüfen. Wichtig: Für den Rückruf nie die im Gespräch genannte Nummer verwenden, sondern die offizielle Nummer, die auf der Bankkarte, im Online-Banking oder auf der Website der angegebenen Institution steht.

Digitale Inhalte und Identitäten überprüfen: Mit KI lassen sich heute täuschend echte Profilbilder, Videos und sogar Stimmen erzeugen. Eine vertraut klingende Stimme am Telefon ist deshalb kein Beweis mehr dafür, dass die Person auch tatsächlich am anderen Ende der Leitung ist. Gerade im digitalen Raum lohnt es sich, Identitäten, Profile, Online-Shops, Werbeanzeigen, Investitionsmöglichkeiten oder Kontaktdaten sorgfältig zu prüfen. So können viele Betrugsversuche erkannt werden, bevor überhaupt ein finanzieller Schaden entsteht.

Wenn es doch passiert ist: Schnelles Handeln kann den Schaden begrenzen.

  1. Karte oder Zugang umgehend sperren lassen.
  2. Die eigene Bank sofort informieren. Bei nicht autorisierten Zahlungen zählt jede Stunde.
  3. Anzeige bei der Polizei erstatten.
  4. Nachrichten, Screenshots, Kontaktdaten und Zahlungsbelege digital sichern bzw. aufschreiben

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel bei der Polizei nachfragen als einmal zu wenig. Die Mitarbeiter:innen der Kriminalprävention helfen Ihnen unter der Polizei-Servicenummer 059-133 mit unabhängiger und kompetenter Beratung. Bei unmittelbar drohender Gefahr rufen Sie den Notruf 133 oder 112.

Sicher bezahlen – eine wichtige Kompetenz zum Schutz vor Betrug

Neben Betrugsmaschen, die auf Vertrauen und persönliche Beziehungen abzielen, versuchen Betrüger:innen häufig auch, an sensible Daten wie Passwörter, TANs, PIN-Codes oder persönliche Informationen zu gelangen. Damit können sie unbefugt auf Konten zugreifen oder Zahlungen veranlassen. Deshalb ist es wichtig, grundlegende Sicherheitsmaßnahmen beim digitalen und bargeldlosen Bezahlen zu kennen und anzuwenden.

Eine wichtige Schutzmaßnahme ist die starke Kund:innenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCA). Sie sorgt dafür, dass bei elektronischen Zahlungen oder beim Zugriff auf ein Zahlungskonto die Identität der Nutzerin bzw. des Nutzers zuverlässig überprüft wird. Dafür werden mindestens zwei unabhängige Sicherheitsmerkmale aus den Bereichen Wissen (z. B. Passwort oder PIN), Besitz (z. B. Smartphone, TAN-Generator oder Banking-App) und Inhärenz (ein persönliches Merkmal wie z. B. Fingerabdruck oder Gesichtserkennung) kombiniert.

Ebenso wichtig ist der sichere Umgang mit Passwörtern, TANs und persönlichen Daten. Für jedes Konto sollte ein individuelles, möglichst langes Passwort verwendet werden. Lange Passwort-Phrasen aus mehreren Wörtern sind sicherer und leichter zu merken als kurze Zeichenfolgen. Ein Passwortmanager hilft für jedes Konto ein eigenes Passwort zu verwenden. TANs, Passwörter und Zugangsdaten dürfen niemals an Dritte weitergegeben werden – auch dann nicht, wenn Nachrichten oder Anrufe scheinbar von einer Bank oder Behörde stammen. Persönliche Daten und Zugangsdaten sollten nur auf Websites eingegeben werden, die man selbst aufgerufen hat: Am besten, indem man die Adresse direkt eintippt oder ein gespeichertes Lesezeichen verwendet. Links aus E-Mails oder SMS sind dafür ungeeignet. Was beim Bezahlen ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist, lässt sich auch anderswo aktivieren: Bei E-Mail-Konten, sozialen Netzwerken und Online-Shops sollte die Zwei-Faktor-Authentifizierung überall dort aktiviert werden, wo sie angeboten wird.

Auch die sichere Aufbewahrung des PIN-Codes trägt wesentlich zum Schutz vor Betrug bei. Der PIN-Code sollte niemals gemeinsam mit der Bankkarte aufbewahrt oder auf der Karte selbst notiert werden. Am sichersten ist es, ihn auswendig zu lernen und niemandem mitzuteilen. Bei der Eingabe sollte das Tastenfeld verdeckt werden, damit Dritte den Code nicht ausspähen können. Zudem empfiehlt es sich, Kontoauszüge und Umsätze regelmäßig zu kontrollieren und bei Verdacht auf Missbrauch die Karte umgehend sperren zu lassen und die Bank zu informieren.

Grundregel: Kein Geld an Unbekannte! Ein absolutes No-Go sind Geldüberweisungen an unbekannte Personen oder an Menschen, die man ausschließlich aus der digitalen Welt kennt. Ebenso gilt: Das eigene Konto nie für Zahlungen Dritter zur Verfügung stellen. Wer fremdes Geld weiterleitet, insbesondere für eine „Provision“, macht sich unter Umständen der Geldwäscherei strafbar.

„Generationen gemeinsam sicher“: Projekttage zu Geld und Betrug

Um den beschriebenen Herausforderungen wirksam zu begegnen, haben die OeNB und das Innenministerium („GEMEINSAM.SICHER“) das Projekt „Generationen gemeinsam sicher“ ins Leben gerufen. Dabei steht der direkte Dialog zwischen Jung und Alt im Mittelpunkt, um das Wissen über digitale Sicherheit in der Bevölkerung nachhaltig zu stärken. Schüler:innen und Senior:innen kommen zusammen, um sich vor Cyberkriminalität zu schützen. Polizei und OeNB zeigen dabei, wie man Betrugsmaschen erkennt und warum der Zusammenhalt der Generationen und der Austausch dazwischen heute wichtiger ist als je zuvor.

Das Konzept verfolgt an zwei Projekttagen einen besonderen Ansatz: Zunächst vertiefen Schüler:innen ihr Wissen über sicheres Bezahlen und den Schutz vor Betrug im Unterricht. Dieses Wissen bleibt jedoch nicht im Klassenzimmer. In einem zweiten Schritt erarbeiten die Jugendlichen gemeinsam mit Senior:innen praxisnahe Verhaltensregeln. In Gruppenarbeiten und Gesprächen werden reale Fallbeispiele analysiert. Das Ziel ist ein generationsübergreifender Wissensaustausch: Das Projekt nutzt die Synergien aus der digitalen Kompetenz der Jugend und der besonnenen Erfahrung der älteren Generation, um Unsicherheiten im digitalen Raum effektiv abzubauen.

Die beiden Projekttage können in allen Bundesländern und Bezirken stattfinden und werden vor Ort von den Sicherheitskoordinator:innen der Polizei (in Wien: Grätzlpolizei) und den Pädagog:innen der Schulklassen abgehalten. Das Angebot richtet sich an Schüler:innen der Oberstufe (ab der 5. Klasse AHS bzw. der 1. Klasse BHS/BMS) sowie an Berufsschulen.

Begleitet wird das Projekt von einer Phishing-Simulation, die von Forscher:innen der OeNB und der Universität Wien durchgeführt wird. Sie ermöglicht Schüler:innen eine lebensnahe Auseinandersetzung mit dem Thema Onlinebetrug. Schüler:innen, die sich zur Simulation anmelden, erhalten über mehrere Wochen vom Forschungsteam versandte E-Mails und SMS, die authentischen Phishing-Nachrichten ähneln. Die Forscher:innen messen, wie häufig Teilnehmer:innen z. B. auf Links in der mutmaßlichen Phishing-Nachricht klicken. Im Anschluss werden die Ergebnisse mit den Klassen besprochen.