Glossar

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Begriffe mit D

Daylight Overdraft (Innertagesliquidität)

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Möglichkeit für Geschäftsbanken, sich innerhalb eines Tages zusätzliche Liquidität zu verschaffen. Als Besicherung wird auf einem bei der Zentralbank eingerichteten Sicherheitendepot der entsprechende Gegenwert gesperrt. Für die Besicherung werden vor allem festverzinsliche Euro-Wertpapiere herangezogen.

Deckungsrückstellung

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Versicherungstechnische Rückstellung zur Sicherung künftiger Leistungsansprüche im Rahmen von Lebensversicherungen.

Deckungswerte

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Deckungswerte sind aus Zentralbanksicht Werte, die dazu beitragen, die bestehenden Verpflichtungen (vor allem den Banknotenumlauf) zu besichern. Dazu zählen unter anderem Gold, Devisen, Wertpapiere sowie Forderungen gegen den IWF. Im Eurosystem gelten als Deckungswerte alle Aktiva der nationalen Zentralbanken und der EZB.

Deflation

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Deflation bezeichnet den Rückgang des allgemeinen Preisniveaus über einen längeren Zeitraum und steht meist in Verbindung mit einem anhaltenden Rückgang der Wirtschaftsaktivität. Die Gefahr von Deflation liegt in ihrer selbstverstärkenden Wirkung: Rechnen die Konsumenten mit weiter sinkenden Preisen, werden sie große Konsumausgaben aufschieben, was die Rezession verschärft und einen weiteren Preisverfall nach sich zieht. Der für die Wirtschaftsentwicklung relevante Realzinssatz liegt im Deflationsfall über dem Nominalzins. Die Notenbank verliert damit die Möglichkeit, zur Ankurbelung der Wirtschaft die Realzinsen kurzfristig unter null zu senken. Die Deflationsspirale mit anderen, weniger standardisierten geldpolitischen Maßnahmen zu durchbrechen, wird damit zu einer großen Herausforderung für die Geldpolitik. Die Vermeidung von Deflation nimmt daher – ebenso wie die Vermeidung von hoher Inflation – einen zentralen Stellenwert in den geldpolitischen Strategien der wichtigsten Notenbanken weltweit ein. Auch die Definition von Preisstabilität des Eurosystems trägt dieser Tatsache Rechnung.

Deleveraging

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Häufig erhöhen Gesellschaften den Fremdkapitalanteil, um stärkeres Wachstum zu generieren (Leverage). Diese zusätzliche Fremdkapitalaufnahme erhöht im Gegenzug aber das Risiko, den Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können. Deleveraging bezeichnet die Substitution von Fremdkapital durch Eigenkapital, wodurch eine Verminderung der Leverage, und damit des eingegangenen Risikos herbeigeführt wird.

Delors-Ausschuss

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Im Jahr 1988 wurde unter dem Vorsitz des damals amtierenden Kommissionspräsidenten Jacques Delors eine Arbeitsgruppe aus Notenbankpräsidenten und unabhängigen Sachverständigen eingerichtet, die 1989 einen Drei-Stufen-Plan zur Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion („Delors-Bericht“) vorlegte, der schließlich 1993 durch den Maastrichter Vertrag fixiert wurde. Die erste Stufe begann am 1. Juli 1990 mit der Kapitalverkehrsliberalisierung und verstärkter Koordination; mit Beginn der zweiten Stufe am 1. Jänner 1994 erfolgte eine enge Koordinierung der Wirtschaftspolitik und die Einrichtung des Europäischen Währungsinstituts, aus dem in der dritten Stufe am 1. Jänner 1999 die Europäische Zentralbank hervorging.

Denominierung

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Die Denominierung eines Wertpapiers ist die Währung, in der der Nominalwert (Nennwert) des Wertpapiers angegeben wird. Der Begriff „Neudenominierung“ bezieht sich auf ein Verfahren, demgemäß die ursprüngliche Denominierung eines in nationaler Währung emittierten Wertpapiers zum unwiderruflich festgelegten Umrechnungskurs in Euro geändert wird. 

Depot (Depotbank)

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Konto, das Wertpapierinvestoren zur Verwahrung und Verwaltung ihrer Wertpapieranlagen bei Kreditinstituten eröffnen müssen.

Deregulierung

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Deregulierung bezeichnet die Beseitigung bzw. den Abbau rechtlicher Regelungen, die das Funktionieren der Güter-, Arbeits- und Finanzmärkte einschränken. Als Instrument dient die Strukturpolitik, die durch (liberale) Rahmenbedingungen (z. B. mehr Wettbewerb) Leistungsanreize für Unternehmen und Arbeitnehmer gibt.

Derivat (Finanzderivat)

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Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, dessen Wert vom Marktpreis eines anderen Finanzinstruments abgeleitet ist. Derivate sind Forderungsrechte über die künftige Lieferung oder Abnahme bestimmter Aktiva wie beispielsweise Wertpapiere oder Devisen, und zwar zu einem zuvor vereinbarten Preis.

Devisen sind auf ausländische Währung lautende und im Ausland zahlbare Geldforderungen (z. B. Zahlungsanweisungen, Wechsel und Schecks).

Devisenmarkt

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Der Devisenmarkt ist ein Markt für den Handel mit Währungen, auf dem sich aufgrund von Angebot und Nachfrage der Wechselkurs (Kassa- und Terminkurs) zwischen jeweils zwei Währungen bildet. Angebot und Nachfrage werden von realwirtschaftlichen Faktoren (Import und Export von Gütern und Dienstleistungen) und finanzwirtschaftlichen Faktoren (Import und Export von Kapital) bestimmt. Der Handel verläuft nicht zentral über eine Börse, sondern zumeist direkt zwischen den Marktteilnehmern über elektronische Handelsplattformen.

Devisenpolitik (Devisenmarkt-Interventionen)

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Ziel der Devisenpolitik ist es, den Kurs der eigenen Währung zu beeinflussen. Zweck der Intervention kann die Verteidigung einer fixen Wechselkursanbindung sein. Es intervenieren aber auch Notenbanken mit flexiblen Wechselkursstrategien fallweise, wenn der Wechselkurstrend der Wirtschafts- oder Inflationsentwicklung massiv schadet.

Devisenswap

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Ein Mix aus einem Kassageschäft (Geschäft mit sofortiger Erfüllung) und einem Termingeschäft (Geschäft auf spätere Erfüllung). In der Wirtschaft werden Devisenswapgeschäfte zur Kurssicherung beziehungsweise zur kurzfristigen Finanzierung eingesetzt.

Dienstleistungen

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Tätigkeiten, die im Gegensatz zu Sachleistungen auf immaterielle Weise Bedürfnisse befriedigen bzw. Nutzen stiften. Dienstleistungen bilden in einer modernen Volkswirtschaft den weitaus bedeutendsten Wirtschaftssektor vor dem Industrie- und dem Primärsektor (Bergbau, Landwirtschaft, Fischerei). Im Gegensatz zu Sachleistungen erfolgen Produktion und Konsum oft durch unmittelbare Interaktion zwischen Verbrauchern und Dienstanbietern.

Direktbank

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Eine Direktbank wickelt ihre Geschäfte nicht über ein Filialnetz, sondern über Direktkanäle wie Internet, Telefon, Fax oder per Post ab. Zumeist handelt es sich bei Direktbanken um Tochterinstitute von Finanzkonzernen oder größeren Banken. Direktbanken unterliegen in Österreich genauso wie alle anderen Banken dem BWG und der Bankenaufsicht durch die FMA.

Direktinvestitionen (FDI, Foreign Direct Investment)

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Direktinvestitionen sind im Rahmen der Zahlungsbilanz erfasstes, langfristig in ausländischen Unternehmen investiertes Kapital, das aufgrund eines Anteils von mindestens 10 % am Grundkapital maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens sichert. Man unterscheidet aktive Direktinvestitionen (Österreichs im Ausland) bzw. passive Direktinvestitionen (des Auslands in Österreich). Weiters sind die laufenden Transaktionen innerhalb einer Berichtsperiode (Flüsse) von den Beständen zu Periodenende zu unterscheiden. Eine weitere Differenzierung betrifft die Art der Finanzierung, und zwar Eigenkapital und „sonstiges Direktinvestitionskapital“ (konzerninterne Finanzierung, vor allem durch Kredite). Ebenfalls zu den Direktinvestitionen („im weiteren Sinne“) gehören Special Purpose Entities sowie der Erwerb von Liegenschaften durch Private im Ausland.

Direktorium der OeNB

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Das Direktorium der OeNB besteht aus dem Gouverneur, dem Vize-Gouverneur und zwei weiteren Mitgliedern. Als Leitungsgremium trägt es die Verantwortung für den gesamten Dienstbetrieb und die Geschäftsführung der OeNB.

Das Disagio gibt im Allgemeinen den Betrag an, um den der Ausgabepreis eines Wertpapiers unter dem Nennwert liegt. Auch die umsatzabhängige Gebühr (in Form eines Prozentsatzes), welche Händler an Acquirer für deren Dienstleistungen zu zahlen haben, wird als Disagio bezeichnet. Gegenteil: Agio.

Disinflation

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Von Disinflation spricht man, wenn die Inflationsrate nachhaltig zurückgeht, also z. B. von 3 % auf 2 % sinkt. Zu unterscheiden davon ist Deflation, bei der das absolute Preisniveau über einen längeren Zeitraum sinkt.

Diskontsatz (Bankrate)

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Der Diskontsatz ist jener Zinssatz, den die Zentralbank beim Ankauf von noch nicht fälligen Wechseln oder Wertpapieren für die Zeit vom Ankaufstag bis zum Fälligkeitstag verrechnet. Er gehörte bis Ende 1998 zum geldpolitischen Instrumentarium der OeNB und galt als Bezugspunkt für viele Verträge. Mit dem Übergang der Zuständigkeit für die Geldpolitik auf das Eurosystem wurde das Diskontgeschäft eingestellt. Als Benchmark in Verträgen gilt seither der Basiszinssatz.

Diskretionäre Fiskalpolitik

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Die diskretionäre Fiskalpolitik versucht durch wirtschaftspolitische Maßnahmen (z. B. Konjunkturpakete, Steuerreformen bzw. Strukturreformen etc.) den Konjunkturverlauf aktiv zu beeinflussen.

Diversifikation

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Als Diversifikation wird in der Vermögensveranlagung die Aufteilung des Gesamtvermögens auf unterschiedliche Anlageformen bzw. Vermögenswerte bezeichnet. Ziel der Diversifikation ist die Streuung der Veranlagung und damit die Verminderung des Risikos.

Dividende

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Die Dividende ist der Teil des Gewinns einer Aktiengesellschaft, der an die Aktionäre ausbezahlt wird.

Dividendenrendite

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Die Dividendenrendite ist eine Kennzahl zur Bewertung einer Aktie und gibt den prozentuellen Anteil der ausbezahlten Dividende am Preis der Aktie an. Wird wie folgt berechnet: Dividende/Aktienpreis x 100.

Duration (auch Macaulay-Duration genannt)

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Die Duration gibt die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer einer Geldanlage in einem festverzinslichen Wertpapier wieder und ist somit der gewichtete Mittelwert der Zeitpunkte, zu denen der Anleger Zahlungen aus einem Wertpapier erhält.

Durchsichtsregister (Durchsichtselement)

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Das Durchsichtsregister ist ein Sicherheitsmerkmal auf Banknoten. Motivfragmente auf der Vorder- und Rückseite ergänzen sich gegen das Licht betrachtet zu einem Gesamtmotiv (bei den Euro-Banknoten der ersten Serie z. B. zur jeweiligen Wertzahl).