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Begriffe mit R

Rat der Europäischen Union (Rat der EU, EU-Ministerrat, Rat)

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Der Rat der Europäischen Union mit Sitz in Brüssel ist die auf Ministerebene tagende oberste Entscheidungsinstanz der EU mit je einem Mitglied aus jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten, unterstützt von rund 2.500 Beamten im Ratssekretariat. Der Rat ist für die Realisierung der vertraglich festgelegten Ziele verantwortlich und erlässt zu diesem Zweck Rechtsvorschriften (zumeist gemeinsam mit dem Europäischen Parlament auf Vorschlag der Europäischen Kommission). Er ist für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und die Abstimmung der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedstaaten verantwortlich. Die Tagungen finden je nach fachlicher Zuständigkeit in unterschiedlichen Zusammensetzungen (insgesamt 9) und unterschiedlich häufig statt, z. B. einmal monatlich im Rahmen des ECOFIN-Rats auf der Ebene der Wirtschafts- und Finanzminister. Jeder EU-Mitgliedstaat übernimmt im Wechsel den Ratsvorsitz für sechs Monate. Ratsentscheidungen, die in der Regel mit qualifizierter Mehrheit zu erreichen sind, werden auf politischer Ebene vom Ausschuss der Ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (AStV) vorbereitet, der wiederum von Arbeitsgruppen aus Beamten der Behörden der Mitgliedstaaten unterstützt wird.

Ein Rating ist die Beurteilung der Bonität eines Kreditnehmers (z. B. Staat, Unternehmen oder Privatperson) anhand qualitativer und quantitativer Kriterien. Es kann vom Kreditinstitut selbst (internes Rating) oder von einer Ratingagentur (externes Rating) vergeben werden. Das Rating spiegelt die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers wider. Je besser das Rating, desto niedriger ist die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers und desto niedrigere Zinsen hat dieser im Regelfall für einen Kredit zu zahlen.

Ratingagenturen

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Ratingagenturen sind Unternehmen, die die Beurteilung der Bonität eines Schuldners (z. B. eines Staats oder Unternehmens) auf Basis standardisierter qualitativer und quantitativer Kriterien vornehmen. Das Ratingergebnis signalisiert die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers.

Realer Wechselkurs

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Der reale Wechselkurs vergleicht die Kaufkraft zweier oder mehrerer Währungen. Dabei wird das Preisniveau eines repräsentativen Warenkorbs im Inland dem wechselkursbereinigten Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs im Ausland gegenübergestellt. Die Veränderung des realen Wechselkurses stellt eine wichtige Maßzahl für die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft dar. Ein fallender realer Wechselkurs (also eine reale Abwertung des Euro bei Verwendung der Mengennotation) impliziert einen relativen Preisrückgang des heimischen Warenkorbs gegenüber dem ausländischen Warenkorb. Heimische Güter werden also auf den Weltmärkten billiger und deshalb verstärkt nachgefragt.

Realignment (Leitkursanpassungen)

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Neufestsetzung des Leitkurses in einem System fester Wechselkurse.

Realzinssatz

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Nominalzinssatz abzüglich der Inflationsrate (VPI oder HVPI-Inflationsrate). Ist der Realzinssatz negativ (z. B. Inflation höher als Zinssatz für Sparbuch), verlieren Spareinlagen real an Wert.

Rechnungsabgrenzungsposten

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Rechnungsabgrenzungsposten dienen der periodengerechten Erfolgsermittlung. Sie ermöglichen die Erfassung sämtlicher Zahlungen vor dem Jahresabschlussstichtag, die sich erst in einer späteren Periode als Aufwand bzw. als Ertrag auswirken.

Referenzwert

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Bestimmter Wert (Maßstab), der als Bezugsgröße (Benchmark) herangezogen werden kann. Das dem EG-Vertrag beigefügte Protokoll über das Verfahren bei einem übermäßigen Defizit z. B. gibt explizite Referenzwerte für die Defizitquote (3 % des BIP) und die Schuldenquote (60 % des BIP) an (Konvergenzkriterien).

Referenzzinssatz

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Der Referenzzinssatz ist der gesetzlich definierte Nachfolgezinssatz für den bis Ende des Jahres 1998 von der OeNB verlautbarten Lombardsatz, soweit dieser als Bezugsgröße in Bundesgesetzen, Verordnungen oder in Vereinbarungen Verwendung findet. Der Referenzzinssatz verändert sich regelmäßig in jenem Ausmaß, in dem sich der vom EZB-Rat festgelegte Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität um insgesamt mindestens 0,5 Prozentpunkte verändert hat.

Refinanzierung

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Als Refinanzierung wird die Beschaffung von Finanzierungsmitteln durch Banken bezeichnet. Damit Banken Kredite z. B. an Unternehmen vergeben (d. h., die Unternehmen finanzieren) können, müssen sie sich zunächst selbst finanzieren (re-finanzieren). Dazu dienen z. B. Spareinlagen, Interbankenausleihungen, emittierte Anleihen oder auch Eigenkapital (Passivpositionen in der Bankbilanz).

Regierungskonferenz

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Im Fall von Änderungen der grundlegenden europäischen Verträge (Römische Verträge) – die grundsätzlich jeder EU-Mitgliedstaat sowie die Europäische Kommission beim Europäischen Rat beantragen kann – kann der Rat (nach Anhörung durch das Europäische Parlament und gegebenenfalls der Europäischen Kommission) eine Regierungskonferenz der Mitgliedstaaten einberufen, die dann die Änderungen festlegt. Die Vertragsveränderung muss von allen Mitgliedstaaten gemäß ihren verfassungsrechtlichen Vorschriften ratifiziert werden. Die Römischen Verträge wurden im Rahmen von Regierungskonferenzen bisher mehrmals grundlegend reformiert (Einheitliche Europäische Akte, Vertrag von Maastricht, Vertrag von Amsterdam, Vertrag von Nizza, Vertrag von Lissabon)

Registerarbeitslosenquote

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Die Registerarbeitslosenquote ist das Verhältnis der beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos registrierten Personen zu der Summe aus den unselbstständig Beschäftigten laut Sozialversicherungsträgern und den registrierten Arbeitslosen. Diese Quote wird üblicherweise nicht saisonbereinigt und weist daher im Jahresverlauf starke Schwankungen auf.

Die Rendite ist eine Kennzahl für den Ertrag eines Wertpapiers, ausgedrückt in Prozent des investierten Kapitals. Bei Beteiligungspapieren ergibt sich die Dividendenrendite durch die Relation des Dividendenertrags zum Preis. Bei Forderungspapieren wird die Rendite oft der Effektivverzinsung gleichgesetzt. Man unterscheidet des Weiteren Primärmarkt-Rendite und Sekundärmarkt-Rendite.

Rentenwerte

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Unter Rentenwerte fallen Schuldverschreibungen und andere festverzinsliche Wertpapiere von Nichtbanken und Banken.

Repo (Repurchase Agreement, Rückkaufvereinbarung, Pensionsgeschäft, Kostgeschäft)

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Bei einem Repo werden Vermögenswerte auf einen Geschäftspartner (Pensionsnehmer) übertragen, der zur Rückgabe verpflichtet ist, während der Pensionsgeber die Verpflichtung zur Rücknahme eingeht. Bei der Rückgabe hat der Pensionsgeber die für die Vermögensgegenstände erhaltene Geldsumme einschließlich vereinbarter Zinsen zu einem vorher fixierten Datum zurückzuzahlen.

Restlaufzeit

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Verbleibende Laufzeit von Forderungspapieren von einem Transaktionszeitpunkt oder einem anderen Termin an bis zu ihrer Endfälligkeit.

Rezession

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Als Rezession wird eine wirtschaftliche Abschwungsphase (im klassischen Konjunkturzyklus erst die Stagnationsphase auf niedrigem Niveau nach einem Abschwung) bezeichnet. Eine technische Rezession liegt vor, wenn das Bruttoinlandsprodukt in zwei aufeinander folgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorjahresquartalen stagniert oder schrumpft.

Das Risiko ist die Gefahr eines Verlustes – sei es als Preis für die Möglichkeit, einen Gewinn zu erwirtschaften (Markt- und Kreditrisiko), oder als Verlustkomponente, die sich aus dem Geschäftsprozess ergibt (operationales Risiko). In beiden Fällen geht echte Gefahr nur von unbewusst eingegangenen und/oder schlecht gemanagten Risiken aus.

Risikoarten des Handelsbuches

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Die Risikoarten des Handelsbuches sind in § 22b BWG aufgezählt (z. B. allgemeines und spezifisches Positionsrisiko in zinsbezogenen Instrumenten). Sie müssen mit Eigenmitteln unterlegt werden.

Risikomanagement

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Das Risikomanagement bezeichnet alle Aktivitäten der Bank zum systematischen Umgang mit sämtlichen bei ihr vorliegenden Risiken (Marktrisiko, Kreditrisiko, operationales Risiko, Liquiditätsrisiko, Klumpenrisiko etc.).

Risikominderung

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Unter Risikominderung wird eine Reihe von Methoden verstanden, mit deren Hilfe eine Bank die eingegangenen Risiken verringern kann (Risk Mitigation). Beim Kreditrisiko kann sie sich z. B. durch Hereinnahme von Garantien oder Sicherheiten gegen den Ausfall eines Kreditnehmers schützen. Beim operationalen Risiko, das sich nur bis zu einem gewissen Grad vermindern lässt, stellt die Risikominderung auf die entgeltliche Übertragung von Risiken auf Dritte, etwa auf Versicherungen oder Outsourcing-Anbieter ab. Bankaufsichtlich steht dabei im Vordergrund, dass ein vorhandenes Risiko durch eine solche Maßnahme nicht nur scheinbar, sondern effektiv vermindert wird (z. B. weil die gegebenen Sicherheiten ausreichend werthaltig und die Ansprüche durchsetzbar sind).

Risikoprämie

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Die Risikoprämie ist ein Aufschlag, den ein Investor für eine risikobehaftete Veranlagung in Relation zu einer sicheren Veranlagung verlangt. Erhält man z. B. beim Kauf einer (fast) sicheren Staatsanleihe um 100 EUR in einem Jahr 105 EUR, so wird man beim Kauf einer Anleihe eines Unternehmens, das einem gewissen Ausfallrisiko unterliegt, in einem Jahr einen höheren Rückzahlungsbetrag erwarten, z. B. 108 EUR. Die 3 EUR Differenz (das sind 3 % der zugrunde liegenden Investition) stellen dabei die Risikoprämie dar. Die Risikoprämie kann sich ändern, wenn sich das Ausfallrisiko des Schuldners ändert, oder aber wenn sich die Risikoneigung des Gläubigers ändert.

Risikoprofil

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Das Risikoprofil zeigt das relative Gewicht der verschiedenen Bankrisiken, denen ein Institut ausgesetzt ist. Es gibt darüber Aufschluss, wie die Risiken einer Bank und damit letztlich ihre geschäftlichen Schwerpunkte verteilt sind.

Risikosensitivität

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Eigenschaft eines effektiven Risikomanagements, dass sich die Steuerungsmechanismen möglichst an den tatsächlich vorhandenen Risiken orientieren; mitunter auch als Risikoempfindlichkeit oder Risikogerechtigkeit bezeichnet. Vom aufsichtlichen Standpunkt ist damit auch gemeint, dass die Eigenmittelerfordernisse möglichst genau den tatsächlich zugrunde liegenden Risiken entsprechen sollen.

ROA (Return on Assets, Gesamtkapitalrendite)

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Der Return on Assets ist der Jahresüberschuss nach Steuern im Verhältnis zur Bilanzsumme.

Rohölpreis

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Da Rohöl der wichtigste Primärenergieträger der Weltwirtschaft ist, preislich im Zeitverlauf aber sehr stark schwankt, hat der Rohölpreis entscheidende Auswirkungen auf die Wirtschaftsdynamik und insbesondere auf die Inflationsrate. Bestimmungsfaktoren für die Ölpreisentwicklung sind die weltwirtschaftliche Nachfrage, das kurz- und langfristige globale Rohölangebot, die Preispolitik der OPEC sowie die Unsicherheit auf den Rohstoffmärkten. Der Rohölpreis wird üblicherweise in US-Dollar je Barrel abgegeben.

Rohstoffe

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Rohstoffe sind als natürliche Ressourcen, die bis auf Maßnahmen zur Förderung, Ernte etc. noch unbearbeitet sind, der Ausgangspunkt vieler industriell gefertigter Güter. Sie machen etwa ein Drittel des Güter-Welthandels aus. Ihre Lagerfähigkeit und ihre begrenzte Verfügbarkeit machen sie zu einem gängigen Investitions- und Spekulationsobjekt. Die Rohstoffpreise wirken sich direkt (etwa durch den Konsum nicht weiter verarbeiteter Nahrungsmittel) oder indirekt (über Ressourcen, die in die Produktion von Gütern einfließen) auf die Inflationsrate aus.

Eine Ronde ist ein glattes, noch nicht geprägtes Münzplättchen.

RTGS-System (Real Time Gross Settlement)

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Ein RTGS-System ist ein Echtzeit-Bruttozahlungsverkehrssystem, das über folgende Systemeigenschaften verfügt: 1) sofortige Abwicklung (Echtzeit) und 2) Bruttoabwicklung (jede Zahlung wird einzeln abgewickelt). Beispiel für ein RTGS-System ist TARGET2.

Rückversicherung

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Eine Rückversicherung ist die Übertragung des vom „Erstversicherer“ übernommenen Risikos an ein anderes Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen