Finanzielle Unterstützung aus der Ferne: was deine geliebte Tante Vesna mit Zentralbanken zu tun hat (Teil 2)

Remittances 101: what your love for Aunt Vesna has to do with central banks (part 2, 27.01.2026)

Please find the english version below.

Katharina Allinger, Simone Mingione

Vor ein paar Wochen hast du beschlossen, deiner Tante in Serbien Geld zu schicken. Dabei musstest du feststellen, dass Geldtransfers ins Ausland nicht nur eine komplexe, sondern oft auch eine kostspielige Angelegenheit sind (siehe Teil 1 dieses Blogbeitrags).

Nun ja, nicht unbedingt innerhalb der EU: Dort sind Überweisungen in Euro dank SEPA – dem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum – kostengünstig, schnell und sicher. Vor kurzem wurde SEPA, wie du herausgefunden hast, auf einige osteuropäische und südosteuropäische Länder ausgeweitet (Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Moldawien und Serbien).

Was aber bedeutet das nun konkret für Nutzer:innen? Und für dich, wenn du Tante Vesna Geld von Österreich nach Serbien schicken möchtest?

Im Zuge deiner weiteren Recherche wird deutlich, dass eine Teilnahme an SEPA nicht immer mit einheitlichen Bedingungen gleichzusetzen ist. Während die Gebühren für SEPA-Überweisungen zwischen EU-Mitgliedsländern in der SEPA-Verordnung geregelt sind, können die Gebühren für Überweisungen in Nicht-EU-Länder variieren und höher ausfallen – selbst wenn die dabei verwendete Währung der Euro ist. Mehr Details dazu findest du auf der OeNB-Website zum rechtlichen Rahmen von SEPA. Außerdem ist zu beachten, dass SEPA-Überweisungen nur in Euro durchgeführt werden können. Wenn du also einen Betrag in Dinar von Österreich nach Serbien oder in Pfund Sterling von Österreich nach Großbritannien senden möchtest, kannst du dafür keine SEPA-Überweisung nutzen. Kurzum: Die Währung ist der Knackpunkt.

Beim weiteren Stöbern stößt du auf ein neues Zahlverfahren, bei dem auch Währungsumrechnungen möglich sind. Wie in einem Artikel des European Payments Council beschrieben, handelt es sich bei dieser jüngsten Errungenschaft in SEPA um ein Regelwerk namens „One-Leg Out Instant Credit Transfer (OCT Inst) Scheme“. Dieses wurde entwickelt, um Echtzeitzahlungen zwischen SEPA-Ländern innerhalb der EU und Zielländern außerhalb der EU oder sogar außerhalb des SEPA-Raums zu ermöglichen.

Nachteilig ist lediglich, dass die für Geldtransfers anfallenden Gebühren nicht von dem Regelwerk selbst festgesetzt werden. Vielmehr kann der jeweilige Zahlungsdienstleister entscheiden, wie viel er an Gebühren verrechnen möchte; Letztere haben dann meist die Absender:innen zu tragen. Und obwohl die dem Regelwerk zugrunde liegende Idee richtungweisend ist, zeigt sich bislang eine eher zögerliche Umsetzung. So ist das Regelwerk nicht flächendeckend verfügbar und Geldtransfers über OCT Inst bleiben bis dato relativ selten. Derzeit sind solche Zahlungen bei 95 Zahlungsdienstleistern möglich, die als Teilnehmende am OCT-Inst-Verfahren gelistet sind.

Doch selbst wenn die Gebühren nicht direkt durch das Regelwerk gesteuert werden, lässt sich Folgendes dennoch positiv festhalten: Die verringerte Komplexität, die sich aus der Teilnahme an SEPA bzw. OCT Inst ergibt, sollte dazu beitragen, dass Zahlungsdienstleister die Gebühren für ihre Kund:innen senken. Zudem stellt die mit der Teilnahme verbundene Abstimmung von Regelungen und Zahlungsinfrastrukturen einen wichtigen Schritt in Richtung weiterer wirtschaftlicher Integration dar.

Bezüglich deines Vorhabens, Geld an Tante Vesna zu schicken, müsstest du dich also bei deiner Bank nach deren Konditionen erkundigen. Doch welche anderen Möglichkeiten abseits von Banken würden dir für grenzüberschreitende Geldtransfers zur Verfügung stehen?

In der von der Weltbank veröffentlichten Datenbank zu den weltweiten Kosten für private Geldsendungen2 finden sich zahlreiche Geldtransferdienste, über die Geld ins Ausland geschickt werden kann. Du findest heraus, dass es sich dabei um Finanzdienstleister außerhalb des Bankensektors handelt, die es ihren Kund:innen ermöglichen, Geld sicher und rasch über Grenzen hinweg zu senden. Für die Länder Zentral-, Ost- und Südosteuropas (CESEE) werden in der Datenbank am häufigsten Finanzdienstleister wie Western Union, MoneyGram und Ria genannt. Dir kommt PayPal, ein weiterer bekannter Dienstleister, in den Sinn; dieser ist jedoch nicht in der Datenbank gelistet.

Einer der Vorteile von Geldtransferdiensten ist, dass bei einigen kein Bankkonto vorzuweisen ist, um Geld versenden oder empfangen zu können. Solche Dienste werden daher gerne von Kund:innen ohne Konto genutzt. Dir ist bekannt, dass unzureichende finanzielle Inklusion in einigen CESEE-Ländern nach wie vor ein Problem darstellt.3

Mitunter verwenden Geldtransferdienste auch neue(re) Technologien, die es ihnen erlauben, günstigere Gebühren sowie eine raschere Bearbeitung als Banken anzubieten. Daher halten Geldtransferdienste global betrachtet einen erheblichen Anteil am Markt für private, grenzüberschreitende Geldtransfers. Wie bei Banken können sich die hierfür gebotenen Konditionen allerdings von Dienstleister zu Dienstleister sehr stark unterscheiden. Verschiedene Angebote zu vergleichen, scheint daher immer ratsam zu sein.

Warum aber gibt es überhaupt so viele verschiedene Angebote? Sollte nicht immer die günstigste und einfachste Variante gewählt werden? Und wie fließt das Geld nun tatsächlich über die Grenzen?  

Du widmest dich wieder den Daten aus dem OeNB Euro Survey. In der Herbstwelle 2024 wurden Empfänger-Haushalte dazu befragt, über welche Kanäle sie das Geld von im Ausland lebenden Verwandten erhalten hatten.

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Wie in Grafik 1 ersichtlich ist, scheint es hier erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern zu geben. In Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Serbien erhielt fast die Hälfte aller Empfänger-Haushalte (43–49 %) das Geld in bar – von der Familie, von Freund:innen oder von anderen Personen. Das überrascht dich keineswegs; schließlich hatte dich deine Mutter erst kürzlich darum gebeten, ihr das Geld für Tante Vesna in bar mitzugeben. Im Zuge ihres Familienbesuchs würde sie es deiner Tante dann zukommen lassen. Geldsendungen in bar scheinen in Albanien, Bulgarien und Rumänien etwas weniger weit verbreitet zu sein. In diesen Ländern wird am häufigsten die Abholung in der Filiale eines Geldtransferdienstes genannt. In Bulgarien und Rumänien wiederum spielen auch Banken eine wichtige Rolle.

Im Allgemeinen werden digitale Kanäle in den meisten Ländern kaum genutzt – mit Ausnahme des Online-Banking in Rumänien. Auch das überrascht dich nicht. Viele in der CESEE-Region lebende Menschen, darunter auch deine Tante Vesna, sparen lieber in bar. In Serbien etwa stimmt laut OeNB Euro Survey rund die Hälfte der Bevölkerung der folgenden Aussage (vollkommen) zu: „Ich halte Geld lieber in bar als auf einem Sparkonto.“

Dir wird bewusst, dass Transfergebühren nur ein zu berücksichtigender Faktor von vielen sind, wenn Geld an die Familie im Herkunftsland geschickt wird. Empfänger:innen könnten unter Umständen kein Bankkonto besitzen; zudem könnten Absender:innen oder Empfänger:innen gewissen Unternehmen, die Geldtransferleistungen anbieten, misstrauen. Und neben etwaigen Präferenzen für Bargeld gegenüber Buchgeld benutzen manche Menschen vielleicht nur ungern eine neue Smartphone-App, um Geldtransfers abzuwickeln. Tante Vesna etwa weigert sich standhaft, ihr Smartphone für irgendetwas anderes als für Telefonate und Fotos zu verwenden.

Angesichts der Präferenzen deiner Tante beschließt du, dass es wohl das Beste sein wird, ihr das Geld mittels eines Geldtransferdienstes zu schicken, bei dem Barabholungen in den Filialen möglich sind. Du wirst dir die geeignetste Variante mithilfe der Weltbank-Datenbank und, falls erforderlich, mittels einer weiteren Internetrecherche heraussuchen.

Auch wenn es nun ein wenig gedauert hat, all diese Nachforschungen anzustellen, fühlst du dich jetzt wesentlich besser informiert als zuvor. Du schreibst die wichtigsten Punkte nieder – für deinen späteren Gebrauch und, bei Bedarf, als Information für andere:

Vier Dinge, die bei Geldtransfers ins Ausland zu beachten sind:

  1. Angebote vergleichen – Gebühren für grenzüberschreitende Geldtransfers können von Dienstleister zu Dienstleister sehr stark variieren.
  2. Auf versteckte Kosten achten – zusätzlich zu Transfergebühren verrechnen manche Dienstleister auch Wechselgebühren.
  3. Präferenzen der Empfänger:innen berücksichtigen – manchmal fallen dadurch gewisse Kanäle, über die Geld ins Ausland geschickt werden kann, weg.
  4. Von Zeit zu Zeit die Wahl des Dienstleisters überprüfen – dank politischer Maßnahmen oder innovativer Technologien können sich neue und günstigere Alternativen für Geldtransfers auftun.


In Bezug auf den letzten Punkt ist dir allerdings klar geworden, dass politische Bemühungen, bessere Bedingungen für grenzüberschreitende Zahlungsdienste zu schaffen, nur eine Seite der Medaille sind. Denn letzten Endes sind es die Menschen wie du und ich, die den Ausschlag dafür geben, wie Geld tatsächlich über die Grenzen fließt.
 

1 Siehe Overview EPC Scheme Participants Status | European Payments Council (zuletzt abgerufen am 12. Dezember 2025).
2 Siehe auch Teil 1 dieses Blogbeitrags; The World Bank, Remittance Prices Worldwide, verfügbar unter: https://remittanceprices.worldbank.org/
3 Laut dem OeNB Euro Survey besaß 2024 etwa die Hälfte der Bevölkerung Albaniens kein Girokonto bzw. kein ähnliches Produkt. Dies traf in Rumänien auf rund jede vierte Person (25 %) zu, in Bosnien und Herzegowina auf jede sechste (17 %). Die übrigen Länder wiesen niedrigere Anteile auf: Bulgarien 10 %, Serbien 8 %, Nordmazedonien 2 %.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten müssen nicht zwingend mit den Ansichten der OeNB bzw. des Eurosystems übereinstimmen.


Remittances 101: what your love for Aunt Vesna has to do with central banks (part 2)

A few weeks ago, you decided to send money to your aunt in Serbia and found out that cross-border transfers are a complex and often expensive business (see part 1 of this blog).

Well, not if you’re inside the EU: then SEPA – the Single Euro Payments Area – makes bank transfers in euro cheap, fast and secure. You learned that the SEPA initiative has recently expanded to a few Eastern and Southeastern European countries (Albania, Montenegro, North Macedonia, Moldova and Serbia).

What exactly does that mean for customers? And for you if you want to send money from Austria to Aunt Vesna in Serbia?

As you explore, you realize that participation in SEPA doesn’t always mean uniform conditions. In fact, fees for payments outside of the EU can differ and be higher – even when the currency transferred is the euro. This is because the harmonization of fees within the EU is governed by a separate regulation, as is outlined in greater detail on the OeNB’s website on the legal framework for SEPA.

There’s another important catch: SEPA transfers can only be made in euro. So, if you’re trying to send money in dinar from Austria to Serbia or in pound sterling from Austria to the UK, you won’t be able to use a SEPA transfer. Put briefly, the currency becomes the gatekeeper.

While browsing further, you discover a new payment scheme which allows for currency conversion. In its article, the European Payments Council (EPC) describes this latest achievement in SEPA: a rulebook called the “One-Leg Out Instant Credit Transfer (OCT Inst) Scheme.” It is designed to allow real-time money transfers between SEPA EU member countries and destinations outside the EU or even outside SEPA altogether.

The only downside is that the scheme does not set the fees. Each provider can decide what to charge, and most of the time the sender picks up the bill. And while the idea behind this scheme is bold, the reality is still limited. Coverage is patchy, and transfers through OCT Inst remain rare. As of now, 95 payment service providers are listed as participants in the OCT Inst scheme.

However, there is also an upside: Even though fees are not directly governed by the payment schemes, the reduced complexity associated with participation in the SEPA or OCT Inst scheme should help payment providers lower costs for customers. Moreover, the harmonization of rules and payment infrastructures is an important step toward further economic integration.

So, regarding your plan to send money to Aunt Vesna, you’d have to check with your bank what conditions it offers. Besides banks, what other options would you have to send money abroad?

The World Bank’s Remittance Prices Worldwide database3 (see also part 1 of this blog) lists many options offered by so-called money transfer operators (MTOs). You learn that these are nonbank financial service providers that help people send money across borders quickly and securely. The companies appearing most often for the Central, Eastern and Southeastern (CESEE) countries in the database are, among others, Western Union, MoneyGram and Ria. Another well-known example that comes to mind is PayPal, which is not listed in the database, however.

One of the benefits of MTOs is that many do not require people to have a bank account in order to be able to send or receive money. MTOs therefore often cater to people without one. You know that insufficient financial inclusion is still a problem in some of the countries in CESEE.4

Sometimes, MTOs also use new(er) technologies, which can allow them to offer cheaper fees and faster services than banks. MTOs thus hold a substantial share of the global remittance market. However, as with banks, transfer conditions among MTOs can also vary widely, so it always makes sense to shop around.

But why are there so many options anyway? Shouldn’t everyone use the cheapest and most convenient one? And how is money transferred across borders in practice?  

You go back to the data from the OeNB Euro Survey. In the fall 2024 wave, people who received remittances were asked how they received them.

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Figure 1 shows that there are substantial differences across countries. In Bosnia and Herzegovina, North Macedonia and Serbia, almost half of the households (43–49%) received the money in cash from family, friends or other people. You are not surprised, given that only recently your mother asked you to give her some cash to bring to Aunt Vesna on her family visit. Receiving money in cash is a little less common in Albania, Bulgaria and Romania, where picking up money from a physical MTO office is mentioned the most. In Bulgaria and Romania, banks also play an important role.

Overall, the use of digital transfer options is low in most countries – apart from digital banking in Romania. This does not surprise you either, given that many people in CESEE, including Aunt Vesna, prefer to save in cash. In Serbia, for instance, roughly half of the population (strongly) agrees with the statement “I prefer to hold cash rather than a savings account” according to OeNB Euro Survey data.

You realize that costs are just one factor when sending remittances. What’s more, the recipient may not have a bank account, or either party may not trust certain companies or types of companies offering money transfer services. People might also have a preference for cash over bank money or be reluctant to use a new smartphone app for money transfers. Aunt Vesna refuses to use her smartphone for anything but calls and taking photos.

So, given your aunt’s preferences, you decide that it’s probably best to send the money via an MTO that offers pick-up in cash. You’ll search for the best option using the World Bank’s Remittance Prices Worldwide site and, if still necessary, an internet search engine.

Even though it took some time to do all this research, you feel a lot smarter now. You sum up your main learnings for yourself and, if needed, for passing them on to others: 

Sending money abroad – four lessons learned:

  1. Shop around – transfer costs can vary widely across service providers.
  2. Be aware of hidden costs – besides transfer fees, service providers may charge conversion fees.
  3. Know your recipient’s preferences – these may sometimes limit the options available to you.
  4. Re-evaluate your choice of service every now and then – new and better transfer options may arise thanks to policy efforts or new technologies.


Regarding the last point, though, you’ve also learned that the efforts of policymakers to provide better cross-border payment services can only go so far. In the end, it’s people like you who decide how money moves across borders.
 

1 See One-Leg Out Instant Credit Transfer Rulebook – der Startschuss für Cross-Border Instant Payments and Everything you need to know about One-leg Out Instant Credit Transfers (OCT Inst) (last accessed on December 12, 2025).
2 See Overview EPC Scheme Participants Status | European Payments Council (last accessed on December 12, 2025).

3 The World Bank, Remittance Prices Worldwide, available at: https://remittanceprices.worldbank.org/.
4 According to the OeNB Euro Survey, in 2024, roughly half of the population in Albania did not have a current account or similar product. In Romania, this applies to around one in four people (25%), in Bosnia and Herzegovina one in six (17%). In the other countries, the shares are lower: Bulgaria 10%, Serbia 8%, North Macedonia 2%.

The views expressed are not necessarily those of the OeNB or the Eurosystem and should not be interpreted as those of the OeNB or the Eurosystem.